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Edith ...





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Registriert seit: 18.04.2006
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...   Erstellt am 17.04.2007 - 08:11Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Als ich noch ein Welpe war, unterhielt ich Dich mit meinen

Possen und brachte Dich zum Lachen. Du nanntest mich Dein

Kind, und trotz einer Anzahl durchgekauter Schuhe und so

manchem abgeschlachteten Sofakissen wurde ich Dein bester

Freund. Immer wenn ich "böse" war, erhobst Du Deinen Finger

und fragtest mich "Wie konntest Du nur?" - aber dann gabst Du

nach und drehtest mich auf den Rücken, um mir den Bauch zu

kraulen.

Mit meiner Stubenreinheit dauerte es ein bisschen länger als

erwartet, denn Du warst furchtbar beschäftigt, aber zusammen

bekamen wir das in den Griff. Ich erinnere mich an jene

Nächte, in denen ich mich im Bett an Dich kuschelte und Du mir

Deine Geheimnisse und Träume anvertrautest, und ich glaubte,

das Leben könnte nicht schöner sein. Gemeinsam machten wir

lange Spaziergänge im Park, drehten Runden mit dem Auto,

holten uns Eis (ich bekam immer nur die Waffel, denn "Eiscreme

ist schlecht für Hunde", sagtest Du), und ich döste

stundenlang in der Sonne, während ich auf Deine abendliche

Rückkehr wartete.

Allmählich fingst Du an, mehr Zeit mit Arbeit und Deiner

Karriere zu verbringen - und auch damit, Dir einen

menschlichen Gefährten zu suchen. Ich wartete geduldig auf

Dich, tröstete Dich über Liebeskummer und Enttäuschungen

hinweg, tadelte Dich niemals wegen schlechter Entscheidungen

und überschlug mich vor Freude, wenn Du heimkamst und als Du

Dich verliebtest. Sie, jetzt Deine Frau, ist kein "Hundemensch" -

trotzdem hieß ich sie in unserem Heim willkommen, versuchte ihr meine

Zuneigung zu zeigen und gehorchte ihr. Ich war glücklich, weil

Du glücklich warst. Dann kamen die Menschenbabies, und ich

teilte Deine Aufregung darüber. Ich war fasziniert von ihrer

rosa Haut und ihrem Geruch und wollte sie genauso bemuttern.

Nur dass Du und Deine Frau Angst hattet, ich könnte ihnen

wehtun, und so verbrachte ich die meiste Zeit verbannt in einem

anderen Zimmer oder in meiner Hütte. Oh, wie sehr wollte

auch ich sie lieben, aber ich wurde zu einem "Gefangenen der

Liebe".


Als sie aber grösser waren, wurde ich ihr Freund. Sie krallten

sich in meinem Fell fest, zogen sich daran hoch auf wackligen

Beinchen, pieksten ihre Finger in meine Augen, inspizierten

meine Ohren und gaben mir Küsse auf die Nase. Ich liebte alles

an ihnen und ihre Berührung - denn Deine Berührung war jetzt

so selten geworden - und ich hätte sie mit meinem Leben

verteidigt, wenn es nötig gewesen wäre.

Ich kroch heimlich in ihre Betten, hörte ihren Sorgen und

Träumen zu, und gemeinsam warteten wir auf das Geräusch Deines

Wagens in der Auffahrt. Es gab einmal eine Zeit, da zogst Du

auf die Frage, ob Du einen Hund hättest, ein Foto von mir aus

der Brieftasche und erzähltest Geschichten über mich. In den

letzten Jahren hast Du nur noch mit "Ja" geantwortet und das

Thema gewechselt. Ich hatte mich von "Deinem Hund" in "nur

einen Hund" verwandelt, und jede Ausgabe für mich wurde Dir

zum Dorn im Auge.

.............

Jetzt hast Du eine neue Berufsmöglichkeit in einer anderen

Stadt, und Du und sie werdet in eine Wohnung ziehen, in der

Haustiere nicht gestattet sind. Du hast die richtige Wahl für

"Deine" Familie getroffen, aber es gab einmal eine Zeit, da

war ich Deine einzige Familie.

............

Ich freute mich über die Autofahrt, bis wir amTierheim ankamen.

Es roch nach Hunden und Katzen, nach Angst, nach Hoffnungslosigkeit.

Du fülltest die Formulare aus und sagtest "Ich weiss, Sie werden

ein gutes Zuhause für sie finden". Mit einem Achselzucken

warfen sie Dir einen gequälten Blick zu. Sie wissen, was

einen Hund oder eine Katze in "mittleren" Jahren erwartet - auch mit

"Stammbaum". Du musstest Deinem Sohn jeden Finger einzeln vom

Halsband lösen, als er schrie "Nein, Papa, bitte! Sie dürfen

mir meinen Hund nicht wegnehmen!" Und ich machte mir Sorgen um

ihn und um die Lektionen, die Du ihm gerade beigebracht

hattest: über Freundschaft und Loyalität, über Liebe und

Verantwortung, und über Respekt vor allem Leben. Zum Abschied

hast Du mir den Kopf getätschelt, meine Augen vermieden und

höflich auf das Halsband und die Leine verzichtet. Du hattest

einen Termin einzuhalten, und nun habe ich auch einen.

................

Nachdem Du fort warst, sagten die beiden netten Damen, Du

hättest wahrscheinlich schon seit Monaten von dem

bevorstehenden Umzug gewusst und nichts unternommen, um ein

gutes Zuhause für mich zu finden. Sie schüttelten den Kopf und

fragten "Wie konntest Du nur?"

................

Sie kümmern sich um uns hier im Tierheim so gut es eben geht.

Natürlich werden wir gefüttert, aber ich habe meinen Appetit

schon vor Tagen verloren. Anfangs rannte ich immer vor ans

Gitter, sobald jemand an meinen Käfig kam, in der Hoffnung,

das seiest Du - dass Du Deine Meinung geändert hättest - dass

all dies nur ein schlimmer Traum gewesen sei... oder ich

hoffte, dass es zumindest jemand wäre, der Interesse an mir

hätte und mich retten könnte. Als ich einsah, dass ich nichts

aufzubieten hatte gegen das vergnügte

Um-Aufmerksamkeit-Heischen unbeschwerter Welpen, ahnungslos

gegenüber ihrem eigenen Schicksal, zog ich mich in eine ferne

Ecke zurück und wartete.

................

Ich hörte ihre Schritte als sie am Ende des Tages kam, um mich

zu holen, und trottete hinter ihr her den Gang entlang zu

einem abgelegenen Raum. Ein angenehm ruhiger Raum. Sie hob

mich auf den Tisch und kraulte meine Ohren und sagte mir, es

sei alles in Ordnung. Mein Herz pochte vor Aufregung, was

jetzt wohl geschehen würde, aber da war auch ein Gefühl

der Erleichterung. Für den Gefangenen der Liebe war die Zeit

abgelaufen. Meiner Natur gemäss war ich aber eher um sie

besorgt. Ihre Aufgabe lastet schwer auf ihr, und das fühlte

ich, genauso wie ich jede Deiner Stimmungen erfühlen konnte.



Behutsam legte sie den Stauschlauch an meiner Vorderpfote an,

während eine Träne über ihre Wange floss. Ich leckte ihre

Hand, um sie zu trösten, genauso wie ich Dich vor vielen

Jahren getröstet hatte. Mit geübtem Griff führte sie die Nadel

in meine Vene ein. Als ich den Einstich fühlte und spürte, wie

die kühle Flüssigkeit durch meinen Körper lief, wurde ich

schläfrig und legte mich hin, blickte in ihre gütigen Augen

und flüsterte "Wie konntest Du nur?"

................

Vielleicht verstand sie die Hundesprache und sagte deshalb "Es

tut mir ja so leid". Sie

umarmte mich und beeilte sich mir zu erklären, es sei ihre

Aufgabe dafür zu sorgen, dass ich bald an einem besseren Ort

wäre, wo ich weder ignoriert noch missbraucht noch ausgesetzt

werden könnte oder auf mich alleine gestellt wäre - einem Ort

der Liebe und des Lichts, vollkommen anders als dieser

irdische Ort. Und mit meiner letzten Kraft versuchte ich ihr

mit einem Klopfen meines Schwanzes zu verstehen zu geben, dass

mein "Wie konntest Du nur?" nicht ihr galt. Du warst es, mein

geliebtes Herrchen, an den ich dachte. Ich werde für immer an

Dich denken und auf Dich warten.

.........

Möge Dir ein jeder in Deinem Leben so viel Loyalität zeigen.

Quelle Internet





Signatur
Echte Hundefreunde haben immer ein Lächeln auf dem Gesicht. :-)
E.H.

AndreaV ...



...

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Registriert seit: 10.06.2006
Beiträge: 129
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...   Erstellt am 17.04.2007 - 08:24Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Liebe Edith,

ich habe das Gedicht schon ein paarmal im Netz gelesen und bin immer wieder traurig, nicht wegen des Schlusses, sondern weil es ja heutzutage wirklich so oft vorkommt. Da wird sich schnell ein Hund angeschafft und ein halbes Jahr später merkt man, viel Arbeit, viele Kosten oder "Oh Gott so ein Hund kann ja bellen".
Eingeschläfert werden die Hunde ja bei uns denke ich nicht, aber es ist sicherlich für sie nicht schön länger im Tierheim zu sitzen.

Traurige Grüsse

AndreaV





Signatur
Was uns mit Hunden so verbindet,ist nicht ihre Treue , ihr Charme oder was es sonst sein mag, sondern die Tatsache, daß sie nichts an uns auszusetzen haben.

Max ...



...

Status: Offline
Registriert seit: 19.03.2007
Beiträge: 32
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...   Erstellt am 18.04.2007 - 14:19Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hallo!

Solche Dinge machen mich immer unendlich traurig. Leider ist dies allzu oft Realität.

Am liebsten lese ich so was erst gar nicht, da mich das dann wochenlang nicht mehr los lässt.

Schade, dass es keinen weinenden Smiley gibt, sonst hätte ich den hier hin geschrieben.

Grüße
Susanne





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