WHISPER  Hohepriesterin
       

Status: Offline Registriert seit: 21.04.2005 Beiträge: 2710 Nachricht senden | Erstellt am 10.11.2005 - 10:52 |  |
Körperbehinderte und Kriegsinvaliden mit zumeist amputierten Gliedmassen waren im MA meist auf Almosen angewiesen. Sie zählten zu den "würdigen Armen", die einen Anspruch darauf hatten, mehr oder weniger ungestört auf Märkten, an Stadttoren etc. betteln zu dürfen. 1370 erließ die Stadt Nürnberg die erste Bettelordnung in Deutschland, da diese Stadt wegen ihrer Größe besonders viele Almosenempfänger anzog. Das Betteln musste fortan genehmigt werden. 1.) Einheimische Bettler wurden bevorzugt. 2.) Die Zulassung musste durch sichtbar getragene Bettelzeichen nachgewiesen werden. Eine Erweiterung erfolgte 1518: Kein arbeitsfähiger Bettler durfte an Werktagen betteln, nur die arbeitsunfähigen.
Bei Behinderten glaubte man an die Einwirkung von Dämonen, an Kindstausch durch den Satan (Wechselbalg), auch an die Strafe Gottes für Sünden durch Vorfahren. Schwachsinnige wurden auf Jahrmärkten als Narr zur Schau gestellt zum Spielzeug missbraucht und zum Gespött der Leute vorgeführt. Sie wurden einerseits als Dämon gefürchtet, aber auch als besonders schwaches Wesen unter den Schutz Gottes gestellt. Die "teuflische Besessenheit" bot sich natürlich im Rahmen zahlreicher Hexenprozesse und Exorzismen an.
Thomas v. Aquin (1225-1274) prägte die Entwicklung der frühen Diakonie durch seine Almosenlehre, es entstanden zahlreiche Stiftungen, die teilweise durch die Städte unterstützt wurden. Arme und Behinderte sind Teile der sozialen Ordnung Arme sind Brüder Christi Arm sein ist ein Sakrament Arme werden von Reichen unterstützt, jedoch nur zur Befriedigung der Grundbedürfnisse Unterscheidung, wodurch Armut erzeugt wird: Krankheit, Unfall, Missernte, andererseits Mönche, Nonnen in freiw. Armut, geprägt v. Franz v. Assisi (1181-1226). Diese Fürsorge schloss jedoch in der Praxis zahlreiche Personen aus, z.B. die geistig Behinderten. So empfahl Martin Luther(1483-1546), man solle die "Wechselbälge" und "Kielköppe" ersäufen, da ein solches Kind lediglich ein vom Satan in die Wiege gelegtes Stück seelenloses Fleisch (massa carnis) sei..........
[Dieser Beitrag wurde am 10.11.2005 - 16:24 von WHISPER aktualisiert]
Signatur Pazifisten sind wie Schafe, die glauben, der Wolf sei ein Vegetarier... |
Savertin  Der Burgvogt (coAdmin)
        

Status: Offline Registriert seit: 18.04.2005 Beiträge: 4907 Nachricht senden | Erstellt am 10.11.2005 - 14:32 |  |
WHISPER schrieb
Thomas v. Aquin (1225-1274) prägte die Entwicklung der frühen Diakonie durch seine Almosenlehre, später entstanden unter Franz v. Assisi (1181-1226)zahlreiche Stiftungen, die teilweise durch die Städte unterstützt wurden.
So empfahl Martin Luther(1483-1546), man solle die "Wechselbälge" und "Kielköppe" ersäufen, da ein solches Kind lediglich ein vom Satan in die Wiege gelegtes Stück seelenloses Fleisch (massa carnis) sei..........
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Wie kann das von Franz später gewesen sein, wenn er früher als Thomas lebte? Luthers Empfehlung zeigt mal wieder, wie selbst gebildete Leute damals solche Sachen einschätzten...
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(Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf) |
WHISPER  Hohepriesterin
       

Status: Offline Registriert seit: 21.04.2005 Beiträge: 2710 Nachricht senden | Erstellt am 10.11.2005 - 16:26 |  |
@ Sav.: Danke, hatte was im Text vergessen, daher die vermeintliche Unlogik in der Zeit, hab`s jetzt ergänzt.
Diese Einstellung ist doch wirklich erschreckend, nicht ? 
[Dieser Beitrag wurde am 11.11.2005 - 10:22 von WHISPER aktualisiert]
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Zahir Der Falkenkaiser
    

Status: Offline Registriert seit: 19.11.2005 Beiträge: 617 Nachricht senden | Erstellt am 15.12.2005 - 09:46 |  |
Hier sollte man natürlich die völlig andere Lebens- einstellung der Leute im MA im Gegensatz zu heute berücksichtigen. Martin Luther war einer der "dem Volke auf`s Maul geschaut" hat, wie es heisst. Und selbst ein gutes Beispiel dafür, dass "gut" und "böse" oft fliessende Übergänge haben.
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