Minotaurus  Hausherr und Gastgeber
    

Status: Offline Registriert seit: 13.06.2006 Beiträge: 1550 Nachricht senden | Erstellt am 08.07.2006 - 17:10 |  |
Ein Gleichnis oder eine Parabel ist eine bildhafte rhetorische Figur zur Veranschaulichung eines Sachverhalts mittels eines ausgedehnteren komplexeren Vergleichs.
Gleichnisse sind meist kürzere Texte, die mit didaktischem Anspruch einen komplexen oft theoretischen Sachverhalt in Form einer bildhaften und konkreten Darstellung abbilden. Man unterscheidet zwei Textebenen: die Ebene des Gesagten und die Ebene des Gemeinten.
Die bekanntesten Gleichnisse finden sich in der Bibel, im Neuen Testament. Das "Gleichnis vom barmherzigen Samariter" und das Gleichnis vom Verlorenen Sohn sowie die Parabel vom Blindensturz sind bekannte Beispiele dafür.
In der historisch-kritischen Bibelexegese der letzten Jahrzehnte wurde der Gleichnisbegriff weiter differenziert und untergliedert, was inzwischen auch in der Germanistik rezipiert wurde. Die Theologen unterscheiden meist zwischen Gleichnis im eigentlichen Sinne, Parabel und Allegorie. Der Unterschied zwischen Gleichnis/Parabel und Allegorie ist am deutlichsten. Parabel wie Gleichnis haben nämlich nur einen Vergleichspunkt, das heißt, ein zentrales Bild, dem eine bestimmte Bedeutung entspricht. Bei einer Allegorie korreliert hingegen jedes einzelne Element derselben mit einem bestimmten Bedeutungsgehalt. Das bekannte Höhlengleichnis Platons beispielsweise trägt stark allegorische Züge. Dort steht die Höhle, in welcher die Menschen gefangen sind, für die reale Welt. Doch nicht nur das Bild der Höhle ist zentral, sondern es gibt noch weitere Bild-Bedeutungs-Bezüge. So steht beispielsweise das Feuer in der Höhle für die Helligkeit der Sonne und die Schatten der Menschen stehen für die schattenhafte Existenz der Menschen in der realen Welt.
Das Gleichnis im eigentlichen Sinn und die Parabel unterscheiden sich nur durch Nuancen bei der Thematik. So stellt ein Gleichnis im eigentlichen Sinn eine Szene des alltäglichen Lebens dar, quasi ein ausgestalteter Vergleich. Eine Parabel hingegen beginnt mit einer scheinbar alltäglichen Szene, die aber dann durch eine überraschende Wendung zum Nachdenken anregen soll.
Quelle: Weblexikon
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Worte, Worte, nichts als Worte! Dazwischen manchmal ein Gedanke.
(Marcel Reich-Ranicki) |
mam Moderatorin a.D.
  

Status: Offline Registriert seit: 29.06.2006 Beiträge: 572 Nachricht senden | Erstellt am 27.08.2006 - 09:26 |  |
hi Mino,
danke für die ausführliche Beschreibung.
Glaubst du, dass Parabeln als solche in der heutigen Zeit noch aktuell sind? (von politischen Verspreche(r)n abgesehen)
Signatur Praesis ut prosis, non ut imperes (Stehe an der Spitze um zu dienen, nicht um zu herrschen) |
Minotaurus  Hausherr und Gastgeber
    

Status: Offline Registriert seit: 13.06.2006 Beiträge: 1550 Nachricht senden | Erstellt am 11.10.2006 - 20:26 |  |
Ja, ich glaube schon!
Wahrscheinlich waren sie zu jeder Zeit aktuell, nicht nur zu biblischen Zeiten oder im Altertum.
Früher wurden sie benötigt, um komplexere Zusammenhänge in vereinfachter Form zu erklären und ich glaube, das wird heute noch so gemacht.
Nicht nur in der Politik, auch in der Kindererziehung werden sehr oft Parabeln verwendet und kein Satiriker kommt ohne sie aus.
Mindestens eine meiner Story´s (Care-Paket nach Leipzig) hätte auch in diese Kategorie gepaßt, habe mich dann aber doch für eine andere Kategorie entschieden.
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