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...   Erstellt am 19.03.2007 - 22:41Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Marie Cristen - Beginenfeuer



Meine Meinung:

Fast wie ein Roman von Alexandre Dumas

Heute kaum noch vorstellbar gab es eine Zeit, in der die Frau keinerlei Rechte hatte und ohne Ehemann eigentlich nur ins Kloster gehen konnte. Und doch gab es auch immer wieder starke Frauen, die ihr Leben selbst in die Hände nahmen... und von der Inquisition verfolgt wurden...

Beginen sind solch starke Frauen, die eine Gemeinschaft führen, in der sie ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten und die Armen und Kranken versorgen. Sie sind von keinem Mann abhängig und auch nicht an strikte Ordensregeln gebunden wie in einem Kloster. Nur einige wenige Beginen-Gemeinschaften haben sich bis in die heutige Zeit erhalten.

Von Steuern und Schätzen

Ysée wächst mit ihrer Ziehmutter in einem Beginenhof auf. Sie arbeitet hart und hütet ein Geheimnis, das sich um ihre Herkunft rankt. Doch wie das im Leben so ist: Geheimnisse werden aufgedeckt und bringen Ereignisse ins Rollen, die eine Kettenreaktion auslösen. Während Papst und König ihre Machtpositionen sichern und festigen wollen, gerät Ysée zwischen die Fronten und mit ihr zwei Brüder, deren Loyalität auf eine harte Probe gestellt wird.

Der Gesandte des Königs und der geheime Schreiber seiner Heiligkeit

Es ist kurz vor dem Konzil zu Vienne, der Templerorden wurde angeklagt und viele Anhänger eingekerkert, die Lebensweise der Beginen erregt Anstoß, Ratgeber, Kardinäle und Schreiber in geheimen Missionen sind unterwegs, bespitzeln einander und fädeln Intrigen ein... Mathieu von Andrieu ist Diener des Königs Philipp IV und mit geheimen Aufträgen betraut, während sein Bruder Simon von Andrieu als geheimer Schreiber seiner Heiligkeit fungiert. Kein Wunder also, dass sie sich immer wieder über den Weg laufen. Doch wie passt Ysée da hinein? Was hat es mit ihrem Geheimnis auf sich? Was kann sie ausrichten?

Spannung ist garantiert

Marie Cristen versetzt uns spielend in das frühe 14. Jahrhundert nach Flandern und Frankreich, indem sie eine so atemberaubende Kulisse schafft, wie wir sie von Alexandre Dumas oder Victor Hugo kennen. Ihre Figuren besitzen vielschichtige Charaktere. Ysée, auf der Suche nach sich selbst und ihrem Platz in der Welt, stellt viele Dinge in Frage und versucht, ihren eigenen Weg zu gehen, obwohl sie immer wieder in ihre Schranken verwiesen und nicht selten schlecht behandelt wird. Und auch Simon, der Mönch wurde, um Buße zu tun, sieht sich Zweifeln ausgesetzt, Zweifel, die seinen Glauben in den Grundfesten zu erschüttern drohen. Wir haben teil an seinen Überlegungen, seinem verzweifelten Suchen nach der Wahrheit, sehen ihn standhaft und schwach, edelmütig und listig. Und Mathieu schließlich als Gesandter des Königs, ein Ritter durch und durch, bringt uns das Bild eines Musketiers vor Augen. Ein Streiter für die Gerechtigkeit, Helfer in der Not und in geheime Machenschaften verstrickt, sucht er Wege aus der Aussichtslosigkeit zu finden. Seine Dialoge sind hintergründig, diplomatisch und vermögen mit Andeutungen auszudrücken, was ungesagt bleiben muss.

Marie Cristen bedient sich einer Sprache, die in Stil und Ausdruck wunderbar in diese Zeit passen. Mühelos durchschreitet man die Jahrhunderte und sieht sich mit einer politisch hoch brisanten Situation konfrontiert, bangt um die einen, streitet mit den anderen und kann das Buch kaum aus der Hand legen. Wir begegnen historischen Persönlichkeiten wie Papst Clemens V., Philipp IV. und seinem Großsiegelbewahrer Guillaume von Nogaret, wir bekommen eine Vorstellung davon, welcher Winkelzüge und Taktiken sich die weltliche und die geistliche Macht bedienen, was ein Menschenleben wert ist. Und natürlich geht es auch um die Liebe.

Ein überwältigendes Epos. Ich selbst finde es besser als so manchen Mantel-und-Degen-Film.

Ich habe nichts gefunden, was nicht stimmig gewesen wäre oder sonst wie zu Punktabzug berechtigt hätte. Für mich ein klarer historischer Favorit!

Bewertung:





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