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<Johannes> unregistriert
| Erstellt am 10.03.2009 - 17:27 |  |
Seit zwei Wochen sehe ich die Beiden jeden Abend auf dem Bahnsteig.
Ein kurzer Abschied, ohne Kuss, nur ein Händedruck, bei ihm ein vielleicht schmerzliches Lächeln, sie stieg ein, der Zug ruckte an, eine müde erhobene Hand winkte Abschied.
Mehr nicht, aber doch ist es so viel mehr, was ich sehe. Zwei Menschen, die sich lieben.
Wer sie wohl ist, denke ich. Und als hätte der Mann meine Gedanken erraten, sprach er mich an
„Wissen Sie, das war nicht meine Frau!"
Ich nickte höflich, aber uninteressiert
„Eine Kollegin, mit der ich hier zu tun hatte", erklärte er weiter.
Ich versuchte, noch unintressierter auszusehen, denn ich befürchtete eine jener sattsam bekannten, rührenden bis abstoßenden Geschichten.
„Ne, ne, nicht woran Sie denken. Wir sind beide gut versorgt. Und da kommt nichts dergleichen in Frage. Wir verstehen uns gut und haben viele gemeinsame Interessen. Aber wenn auch manche glauben, wir schlafen miteinander, das ist nicht drin."
Ich schwieg, was soll man dazu auch sagen.
„Und doch habe ich manchmal ein schlechtes Gewissen!"
Jetzt sah ich doch erstaunt auf. „Aber eine Freundschaft ist doch", - ich zögerte, suchte ein harmloses Wort - und sagte dann doch: „Nichts Unmoralisches."
„Sehen Sie", erklärte er, „manchmal sehe ich das anders. Ich glaube, ich bin ein guter Ehemann und Vater, ja ich meine sogar, ich würde das bleiben, wenn ich mit ihr schliefe.
Mein Leben würde sich dadurch nicht ändern, meine alltägliche Treue bliebe davon unberührt, kurz das Leben ginge weiter.
Aber wohl nur, weil für dies Alltägliche ebeben nicht die große Übereinstimmung, nennen Sie es meinetwegen auch Liebe, nötig ist.
Es reicht, das beide wollen. Ja, und dieses große Einssein, das uns über den Alltag hinaushebt, das ... das erlebe ich mit ihr da!"
Sein Kopf machte eine Bewegung in Richtung Bahnhof.
„Es ist so etwas wie geistiger Ehebruch."
„Entschuldigen Sie bitte, das war wohl zu privat, entschuldigen Sie!"
"Einen schönen Abend noch", er drehte sich um und ging zum Ausgang.
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Angela 

Status: Offline Registriert seit: 01.01.2008 Beiträge: 541 Nachricht senden | Erstellt am 15.03.2009 - 08:29 |  |
Begegnungen
Wieder einmal ist von lieben Freunden ein Elternteil, dieses Mal die Mutter, gestorben.
Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit Freunden mit dieser Geste zu zeigen, dass ich nicht nur mit ihnen feiern kann, sondern auch ihre Tiefschläge und ihre Trauer mit ihnen teilen möchte.
Die Beerdigung war in diesem Fall morgens schon sehr früh.
Wieder auf dem letzten Drücker bin ich los gefahren
Schaffst du es rechtzeitig oder nicht? Ich schaffte es.
Hatte noch Zeit mich zu fangen und meine innere Ruhe kehrte zurück.
Der Trauerzug setzte sich in Bewegung zur Grabstätte. Ich hielt mich in den hintersten Reihen auf und hing meinen Gedanken nach. Ganz langsam und zaghaft bruderte sich ein Mann mittleren Alters an meine Seite.
Irgendwie merkt man, wenn jemand von einem etwas will. Ich ließ mich nicht stören und ging mit gesenktem Kopf weiter. Auf einmal höre ich aus der gleichen Kopfhaltung eine leise Stimme neben mir: „Entschuldigung, ist das hier die Beerdigung von Herrn ...?" In diesem Augenblick musste ich wirklich lachen und sagte ganz spontan: „Es ist wie bei Loriot, Sie sind auf der falschen Beerdigung!"
Verdattert sah der Mann mich an. „ich habe es mir doch gedacht, denn ich kenne hier keinen einzigen Menschen." Jetzt musste er selber lachen, nickte dankend, ließ seine Schritte etwas langsamer werden — alles noch immer in gebeugter Haltung — und verschwand in einem Seitenweg.
Nicht daß ich nicht mehr trauern konnte, aber Lachen und Weinen liegen auch in solchen Situationen nahe zusammen.
Auf dem Rückweg traf ich ihn wieder. „Haben Sie ,Ihre' Beerdigung gefunden?"
„Ja, danke, es ist die nächste!"
Ob er überhaupt bemerkt hatte, wie zweideutig meine Frage und seine Antwort waren?
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besucherin unregistriert
| Erstellt am 15.03.2009 - 10:23 |  |
ich hab verwandte in bratislava, von seiten meine mama.
mein onkel ist gestorben, und wir machten uns auf zu beerdigung.
zu sozialisten zeiten, also grenzkontrolle, und sonstiges.
in bratislava haben wir verzweifelt nach der friedhof gesucht.
nach 2 stunden rumirren hatte mein vater jede geduld verloren, und gab den losung aus, wir fahren heim.
an slovakische grenze angekommen, kam ein junge grensoldat auf uns zu.
dort sprachen die meisten auch ungarisch.
er kontrollierte unsere ausweise, ob unsere wartburg auch in ordnung ist.
dann kam........machen sie bitte den kofferraum auf.
papa machte es bereitwillig.
dort lag ein wunderschöne kranz.
der junge soldat fragte höflich, fahren sie zu eine beerdigung??
mein vater war entnervt und gereizt, und meinte nur ganz trocken.............ne, wir kommen von eine.
dass gesicht werde ich nie vergessen, der soldat sagte kein ton mehr, winkte uns nur wortlos durch.
ich dachte nur...einen penny für deine gedanken.
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<Johannes> unregistriert
| Erstellt am 16.03.2009 - 10:45 |  |
Begegnungen
Eine unsichtbare Hand berührte den Park.
Einer, der vorbeiging, sagte zu sich selbst, das sei der Wind.
Doch er irrte gewiss. Eine Hand war es, eine unsichtbare, die durch den Park tastete. Sie streichelte die Bäume, zerzauste blonde Locken, hob einem behäbigen Herrn den Hut vom Kopf und ließ die Blumen erzittern.
„Komm!" sagte jemand zu jemandem. „Du hattest recht, es kommt ein Gewitter!" Und „Ja!" sagte jemand.
„Es wird kühl bei diesem Wind." Schweigend gingen sie vorbei. Sie faßten sich an der Hand, und sie blickten sich an, und dann lachten sie.
Niemand zählte die Blumen, die im Winde zitterten. Niemand wusste, wie viele Blüten sich Wange an Wange berührten. Niemand erahnte, wieviel tausend Stimmen der Wind in den Vergissmeinnichtbeeten flüstern ließ.
Niemand fragte, welche der Veilchen in diesem Augenblick zum letzten Mal zitterten. Nur das Lied des Dompfaffes blieb noch bei den Blühenden.
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werner43 

Status: Offline Registriert seit: 04.12.2008 Beiträge: 345 Nachricht senden | Erstellt am 17.03.2009 - 12:15 |  |
Auch eine Begegnung...
http://www.razyboard.com/system/morethr … 371-0.html
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<Johannes> unregistriert
| Erstellt am 22.03.2009 - 08:26 |  |
Begegnung
Stumm sitz ich im Bus, die Tasche auf den Knien.
Noch lärmt der Zeichenschwall des Bildschirms im Gehirn.
Die Sonne schrägt, als unser Bus die Kurve dreht.
Sie lesen Zeitung,Schlummern unfriedlich.
Der Schwarze sitzt allein auf seinem Platz.
Die Mutter schüttelt hart die Kleine — wir sollten's wohl nicht sehn.
Vor mir zwei Ausländer, sie reden laut und Wortschwall wie Kaskaden.
Das Mädchen hinten, starrt sie mir ins graue Haar?
Mein Blick hinaus zur Straße, welch grauenhaftes Chaos.
Die Radler fetzen zwischen Autos, Bus und müden Gehern.
Und immer, wenn die Tür aufgeht,
Das schäumend klebrig Tosen von überall.
Dann seh ich ihn, den zierlich kleinen Mann.
Nen Rucksack auf dem Rücken,
Ein freundlich klar Gesicht,
Das Haar im Zopf nach hinten.
Er steht etwas gebückt am Randstein,
Um ihn herum das Hetzen, Rasen, Brausen, das infernalisch Lärmen unsrer Großstadt.
Er hält 'ne Flöte an die vollen Lippen,
Ein Lächeln zeigt er all den Furien um ihn her. Und wie aus Paradieses Zeiten stiehlt sachte sich die kindisch feine Melodie mir in das Ohr.
Ich fühl ein Glück, vergessen längst, zerstampft vom Fortschritt unsrer Tage.
Ich wag ein Lächeln auch. Und meine Frau fragt mich daheim: „Mein Lieber, was ist nur los mit dir?"
Ich küß sie auf die Wange und sag: „Ich hab den Mann gesehn, mit seiner Flöte. Und ihre Melodie hat sich so tief in mich versenkt."
„Und weiter?" fragt sie. „Nichts weiter" sag ich und lächle.
„Ein Mann mit seiner Flöte, 'ne kindlich simple Melodie, nichts weiter."
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<Zoe> unregistriert
| Erstellt am 25.03.2009 - 11:16 |  |
Begegnungen
Es sind der Seelen viele
die mein Herz berühren
Tag für Tag
die EINE reift
die ANDERE verabschiedet sich
Es streifen der Seelen viele
an meinem Sein entlang
Sonnengewandte
Schattenverdunkelte
Sternenklare
in manchen erkenne ich mich
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