<Tikala> unregistriert
| Erstellt am 13.02.2009 - 08:37 |  |

Beate Klarsfeld * 13. Februar 1939
mit einem Schlag berühmt
Am 07. November 1968 schmuggelt sie sich mit einem falschen Presseausweis in die Berliner Kongresshalle. Dort findet der Bundesparteitag der CDU statt - wichtigster Mann ist Kurt Georg Kiesinger, amtierender Bundeskanzler. Die junge Frau tritt hinter seinen Stuhl, schreit so laut sie kann "Kiesinger Nazi" und ohrfeigt ihn.
Es folgen Anklagen, Prozesse, die sie immer nutzt ihre Botschaft publik zu machen "Ich will als Deutsche stellvertretend für die junge Generation zeigen, daß wir keine alten Nazis in politischen Positionen dulden können". Heinrich Böll schickt rote Rosen, die bürgerliche Presse findet den Anschlag empörend. Im Ausland reagiert man mit Anerkennung und Preisen auch auf ihre weiteren Aktionen: sie spürte Klaus Barbie in Südamerika auf, sie tritt in Köln im KZ-Anzug auf ... sie wird die "Nazijägerin" und hat doch mit ihrer akkuraten Dauerwelle, den braven Kostümen und ihrer leidenschaftslos-disziplinierten Stimme so gar nicht von einer Jeanne d'Arc
Beate Klarsfeld jagte SS-Mann in Köln
Beate Klarsfeld - Aus Liebe zur Gerechtigkeit
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Robert 

Status: Offline Registriert seit: 25.08.2008 Beiträge: 353 Nachricht senden | Erstellt am 13.02.2009 - 18:22 |  |
Diese Aktion von Beate Klarsfeld war die Aktion der Kinder der Nazis, die mit dieser und anderen Aktionen sagen wollten: Stopp!! Keine Naziverbrecher in den offiziellen Funktionen.
Es war meine Generation, die wie Beate Klarsfeld dachten.
Der Höhepunkt war ja wohl, dass ein Nazipropagandist Bundeskanzlers der neuen deutschen Republik werden konnte.
Mit der Ohrfeige wollte sie eine größere Öffentlichkeit auf die NS-Vergangenheit Kiesingers aufmerksam machen. Schon im April 1968 beschimpfte sie ihn von der Tribüne des Bundestages von der Tribüne Kiesinger als Nazi und forderte seinen Rücktritt, woraufhin sie aus dem Saal entfernt worden war. Nach der Ohrfeige in Berlin war Kiesingers erste Frage denn auch: «War das die Klarsfeld? »
Kiesinger wehrte sich noch am gleichen Tag vor der Presse und seinen Parteigenossen gegen Beate Klasfeld mit den Worten:
„Sie hat ja auch einmal im Bundestag schon eine Lärmszene veranstaltet.
Das steht viel mehr in Verbindung mit den Radaugruppen, die wir in den letzten Jahren in Deutschland erlebt haben. Dort treibt sie sich lieber herum.
Bewaffnet sich mit Material, das aus östlichen Quellen gespeist wird.
Ich wollte es nur sagen „
Das öffentliche Aufsehen nach der Ohrfeige war seinerzeit gewaltig. Manche rechtfertigten das harte Urteil im Schnellgerichtsverfahren und erinnerten wie der Richter an die Weimarer Republik und die Versuche, politische Überzeugungen mit Gewalt durchzusetzen.
Andere meinten dagegen, das ungewöhnlich harsche und rasche Urteil rechtfertige die Tat und schrieben damals in Leserbriefen unter anderem, ohne «Mitläufer wie Kiesinger» wäre es Hitler nicht möglich gewesen, «unsere Generation um die Jugendjahre zu betrügen».
Und andere schrieben: «Für die Kiesinger-Ohrfeige von zarter Hand: ein Jahr Gefängnis. Für den Mord am Studenten Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967: Freispruch.»
Es sei «ein Untertanen-Urteil und ein maßgeschneidertes Kanzler-Urteil», die Justiz habe «sich nicht weniger hysterisch gebärdet als die kleine Attentäterin».
Von Hysterie war auch in den ersten Stellungnahmen der Unionspolitiker nach der Ohrfeige die Rede.
Der damalige Berliner CDU-Vorsitzende Franz Amrehn nannte Klarsfeld eine «hysterisch verhetzte Person».
Persönlicher in Richtung Stammtisch-Niveau wurde der CDU-Politiker Ernst Lemmer - er sprach von einer «unbefriedigten jungen Frau».
Die äußere Erscheinung der jungen Frau spielte in der damaligen Berichterstattung eine Rolle:
«Eine zierliche, nicht unansehnliche Erscheinung mit ihren roten Haaren, in rotem Rock und weißem Pullover...», so wurde sie geschildert.
Quellennachweis
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WordPerfekt

Status: Offline Registriert seit: 09.03.2007 Beiträge: 687 Nachricht senden | Erstellt am 13.02.2009 - 18:32 |  |
Vielleicht geht es euch ja genau so. Bei Bill Clinton ist meine erste Assoziation Monika Lewinski, bei Albert Einstein sehe ich die herausgestreckte Zunge und bei Beate Klarsfeld die Ohrfeige.
Wahrscheinlich ist es normal das die stärksten Bilder in den ersten Schubladen unserer Gehirne gelagert werden.
Ihre Arbeit als Journalistin, die zusammen mit ihrem Mann hartnäckig für die Verfolgung von Naziverbrechern kämpfte,
ihre Geschichte, die sie als deutsches Aupair Mädchen nach Frankreich brachte, wo sie über das Schicksal der Familie Klarsfeld einen Einblick über die Brutalität der Naziherrschaft bekam.
die Ironie der Geschichte ist, dass ihr Verteidiger Horst Mahler war, der sich später zum rechtsradikalen Holocaust Leugner wandelte,
all das hat offenbar nicht so starke Bilder, wie die Kanzlerohrfeige.
Signatur Der menschliche Geist gleicht einem Fallschirm;
er kann nur funktionieren, wenn er offen ist.
Franscis Picabia |