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focour 

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...   Erstellt am 15.10.2006 - 19:05Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Bäume in der Literatur

ich fange an mit A wie Affenbrotbaum,
oder Baobab auf französisch
aus "Der kleine Prinz"
Antoine de Saint-Exupéry
wikipedia


focour

V

Jeden Tag erfuhr ich etwas Neues über den
Planeten, über die Abreise und über die
Fahrt. Das ergab sich ganz sachte im Laufe
meiner Überlegungen. So lernte ich am
dritten Tage die Tragödie der
Affenbrotbäume kennen. Auch dies
verdanke ich schließlich dem Schaf, denn
unvermittelt fragte mich der kleine Prinz, als
wäre er von einem schweren Zweifel
geplagt:
»Es stimmt doch, daß Schafe Stauden
fressen?«
»Ja, das stimmt.«
»Ach, da bin ich froh!«
Ich verstand nicht, warum es so wichtig
war, daß Schafe Stauden fressen. Aber der
kleine Prinz fügte hinzu:
»Dann fressen sie doch auch
Affenbrotbäume?«
Ich erklärte dem kleinen Prinzen
ausführlich, daß Affenbrotbäume doch keine
Stauden sind, sondern kirchturmhohe
Bäume, und selbst wenn er eine ganze
Herde Elefanten mitnähme, würde diese
Herde nicht mit einem einzigen
Affenbrotbaum fertig werden.
Der Einfall mit den Elefanten brachte ihn
zum Lachen.
»Man müßte sie übereinanderstellen...«



Aber dann bemerkte er klugerweise:
»Bevor die Affenbrotbäume groß werden,
fangen sie ja erst damit an, klein zu sein.«
»Das ist schon richtig. Aber warum
willst du, daß deine Schafe die kleinen
Affenbrotbäume fressen?«
Er antwortete: »Schon gut! Wir werden ja
sehen!« als ob es sich da um das klarste
Ding der Welt handelte. Und ich mußte
meinen ganzen Verstand aufbieten, um der
Sache auf den Grund zu kommen.
In der Tat gab es auf dem Planeten des
kleinen Prinzen wie auf allen Planeten gute
Gewächse und schlechte Gewächse.
Infolgedessen auch gute Samenkörner von
guten Gewächsen und schlechte
Samenkörner von schlechten Gewächsen.
Aber die Samen sind unsichtbar. Sie
schlafen geheimnisvoll in der Erde, bis es
einem von ihnen einfällt, aufzuwachen.
Dann streckt er sich und treibt zuerst
schüchtern einen entzückenden kleinen
Sproß zur Sonne, einen ganz harmlosen.
Wenn es sich um einen Radieschen- oder
Rosentrieb handelt, kann man ihn wachsen
lassen, wie er will. Aber wenn es sich um
eine schädliche Pflanze handelt, muß man
die Pflanze beizeiten herausreißen, sobald
man erkannt hat, was für eine es ist. Auf
dem Planeten des kleinen Prinzen gab es
fürchterliche Samen... und das waren die
Samen der Affenbrotbäume. Der Boden des
Planeten war voll davon. Aber einen
Affenbrotbaum kann man, wenn man ihn zu
spät angeht, nie mehr loswerden. Er
bemächtigt sich des ganzen Planeten. Er
durchdringt ihn mit seinen Wurzeln. Und
wenn der Planet zu klein ist und die
Affenbrotbäume zu zahlreich werden,
sprengen sie ihn.
»Es ist eine Frage der Disziplin«, sagte
mir später der kleine Prinz. »Wenn man
seine Morgentoilette beendet hat, muß man
sich ebenso sorgfältig an die Toilette des
Planeten machen. Man muß sich regelmäßig
dazu zwingen, die Sprößlinge der
Affenbrotbäume auszureißen, sobald man
sie von den Rosensträuchern unterscheiden
kann, denen sie in der Jugend sehr ähnlich
sehen. Das ist eine zwar langweilige, aber
leichte Arbeit.«



Und eines Tages riet er mir, ich solle
mich bemühen, eine schöne Zeichnung
zustande zu bringen, damit es den Kindern
bei mir daheim auch richtig in den Kopf
gehe. »Wenn sie eines Tages auf die Reise
gehen«, sagte er, »kann es ihnen zugute
kommen. Zuweilen macht es ja wohl nichts
aus, wenn man seine Arbeit auf später
verschiebt. Aber wenn es sich um
Affenbrotbäume handelt, führt das stets zur
Katastrophe. Ich habe einen Planeten
gekannt, den ein Faulpelz bewohnte. Er
hatte drei Sträucher übersehen...«
Und so habe ich denn diesen Planeten
nach den Angaben des kleinen Prinzen
gezeichnet. Ich nehme nicht gerne den
Tonfall eines Moralisten an. Aber die
Gefährlichkeit der Affenbrotbäume ist so
wenig bekannt, und die Gefahren, die jedem
drohen, der sich auf einen Asteroiden
verirrt, sind so beträchtlich ,daß ich für
dieses eine Mal aus meiner Zurückhaltung
heraustrete. Ich sage: Kinder, Achtung! Die
Affenbrotbäume!



Um meine Freunde auf eine Gefahr
aufmerksam zu machen, die - unerkannt -
ihnen wie mir seit langem droht,
habe ich so viel an dieser Zeichnung
gearbeitet. Die Lehre, die ich damit gebe,
ist gewiß der Mühe wert. Ihr werdet euch
vielleicht fragen: Warum enthält dieses
Buch nicht noch andere, ebenso großartige
Zeichnungen wie die Zeichnung von den
Affenbrotbäumen ? Die Antwort ist sehr
einfach: Ich habe wohl den Versuch gewagt,
aber es ist mir nicht gelungen. Als ich die
Affenbrotbäume zeichnete, war ich vom
Gefühl der Dringlichkeit beseelt.





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contra torrentem

focour 

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...   Erstellt am 16.10.2006 - 08:28Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Annette von Droste-Hülshoff

Die Judenbuche

Ein Sittengemälde aus dem gebirgichten Westfalen

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Wo ist die Hand so zart, daß ohne Irren
Sie sondern mag beschränkten Hirnes Wirren,
So fest, daß ohne Zittern sie den Stein
Mag schleudern auf ein arm verkümmert Sein?
Wer wagt es, eitlen Blutes Drang zu messen,
Zu wägen jedes Wort, das unvergessen
In junge Brust die zähen Wurzeln trieb,
Des Vorurteils geheimen Seelendieb?
Du Glücklicher, geboren und gehegt
Im lichten Raum, von frommer Hand gepflegt,
Leg hin die Waagschal, nimmer dir erlaubt!
Laß ruhn den Stein - er trifft dein eignes Haupt!

Fortsetzung





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focour 

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...   Erstellt am 18.10.2006 - 17:04Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hermann Hesse

Vergänglichkeit

Vom Baum des Lebens fällt
mir Blatt um Blatt.
o taumelbunte Welt,
wie machst du satt,
wie machst du satt und müd,
wie machst du trunken!
Was heut noch glüht,
ist bald versunken.
Bald klirrt der Wind
über mein braunes Grab,
über das kleine Kind
beugt sich die Mutter herab.
Ihre Augen will ich wiedersehn,
ihr Blick ist mein Stern.
alles andre mag gehn und verwehn,
alles stirbt, alles stirbt gern.
Nur die ewige Mutter bleibt,
von der wir kamen,
ihr spielender Finger schreibt
in die flüchtige Luft unsre Namen.





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contra torrentem


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