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sjoe 
gollum: "My preciiiiious"
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...   Erstellt am 25.06.2006 - 12:11Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


doofe Sprüche und Tränen

Die anderen saßen im Bergrestaurant Söllereck. Sie hatten zwei Tische zusammen geschoben, so dass alle Platz fanden. Zwar tauchten immer mal ein paar Fans am Tisch auf und wollten ein Autogramm von den Springern, aber das war noch im Rahmen und sie fühlten sich einigermaßen ungestört. Das Essen war gut gewesen und nun waren sie satt und träge. Nike hatte den Kopf an Gunnars Schulter gelehnt und er streichelte unter dem Tisch ihre Hand.
Als Tommys Blick auf die Beiden fiel, fragte er grinsend in die Runde: „Was Siggen und Emma wohl gerade machen?“ Toril gab einen erstickten Laut von sich, dann stand er auf und verließ fluchtartig den Raum. Solveig eilte ihm hinterher. Tine funkelte Tommy böse an: „Musste das sein?“
„Häh? Was hab ich denn gemacht?“
Sie verdrehte die Augen: „Von Sigurd und Emma geredet. Toril macht das ziemlich fertig. Er ist in Emma verliebt.“
„Und woher soll ich das wissen? Ich blicke bei euren Beziehungen nicht so wirklich durch!“
„Och, da gibt es auch welche von uns, die bei ihren Beziehungen nicht so ganz durchblicken, du bist also in bester Gesellschaft!“ sagte Gunnar mit einem provokanten Blick auf Liv und Bjørn Einar. Liv wurde prompt rot und traute sich nicht, Gunnar anzusehen. Er hatte ja Recht!

Tine fing einen fragenden Blick von Nike auf und zuckte die Achseln. Sie wusste auch nicht, was Gunnar damit meinte. Hatte er ein Problem damit, dass Liv mit Bernar rummachte? War das mit Nike etwa nur, um Liv eifersüchtig zu machen? So schätzte sie Gunnar eigentlich nicht ein, gut, sie kannte ihn kaum… Aber für Nike hoffte sie, dass es nicht so war, die Jüngere war ihr nämlich sympathisch.

„Gibt’s hier eigentlich Liegestühle oder sowas?“ fragte Lars, „Ich würd mich dann nämlich eine Runde in die Sonne legen!“
„Wir können ja mal gucken gehen, das würde mir auch gefallen!“ sagte Tine und gähnte.
„Du willst dich mit Lars auf einen Liegestuhl legen?“ fragte Tommy lauernd.
Tine lachte: „Na klar!“ Lars machte große Augen.
„Was ist jetzt, kommst du mit?“ Sie stand auf und blickte ihn auffordernd an. Zögernd erhob er sich und folgte ihr nach draußen. Tommy überlegte nicht lange, sondern ging hinterher.

Solveig hatte schon Panik bekommen, als sie Toril nicht gleich fand, aber dann sah sie ihn auf einer Bank an der pistenabgewandten Seite des Gebäudes sitzen, zusammengesunken und die Hände vor’s Gesicht geschlagen. Es tat ihr in der Seele weh, ihn so gequält zu wissen.
„Darf ich mich zu dir setzen?“ fragte sie ihn leise. Er zuckte mit den Achseln und sie interpretierte das einfach mal als ‚ja’.
Lange saßen sie einfach nur schweigend nebeneinander, dann brach es plötzlich aus ihm heraus: „Was soll ich denn jetzt nur machen, Solveig? Ich meine, es war schon schlimm genug, dass Emma angeblich nichts von mir wollte und dann doch immer so halb ankam. Aber das jetzt….? Und ich bin auch noch selbst daran Schuld!“
„Was? Wieso solltest du Schuld sein??“
„Ich hab sie nach der Autofahrt angemacht, dass ich dieses ständige Hin und Her nicht mehr länger aushalte und sie sich endlich mal entscheiden solle! Was sie ja jetzt getan hat.“ Er starrte kopfschüttelnd vor sich auf den Boden.
„War auf der Autofahrt denn irgendwas Besonderes, dass du das ausgerechnet dann gefordert hast?“
„Ach, es war wie die ganze Woche schon. Sie war ziemlich anhänglich auf der einen Seite, aber auch abweisend auf der anderen.“
„Kannst du das mal genauer beschreiben? So kann ich mir nichts darunter vorstellen.“
Er seufzte: „Zum Beispiel haben wir im ‚Macondo’ getanzt und plötzlich hat sie ihre Hand in meine Hosentasche am Hintern geschoben. Und mich zurückgeküsst. Als ich dann wissen wollte, was das war, hat sie abgeblockt und gemeint, dass sie es nicht wüsste, es aber schön war. Und so ähnlich war das auf der Autofahrt auch wieder.“
„Ich denke, sie wusste es wirklich nicht. Zumindest hat sie mir genau das Gleiche auch gesagt, als ich sie auf ihre Reaktion wegen Anikki angesprochen hatte.“
„Na toll. Und warum hat sie das dann gemacht?“
„Das weiss ich leider auch nicht.“
Er schnaubte: „Ich meine, das einfach so machen, ist eine Sache, aber sie wusste doch genau, wie meine Gefühle aussehen und dass ich mir dann Hoffnungen mache, oder? Emma ist doch nicht doof! Und dann ist sie plötzlich ratz fatz mit…“ er brach ab, konnte es einfach nicht aussprechen.
„Plötzlich? Ratz fatz? Da belügst du dich aber gerade selbst, Toril! Die beiden haben sich von Anfang an mehr als gut verstanden und das weißt du auch! Ich hatte eigentlich schon viel früher damit gerechnet. Aber es lag an Emma, die sich ja offensichtlich nicht mit ihren Gefühlen auskannte.“
„Und jetzt tut sie es? Na toll!“
„Ja, jetzt tut sie es. Und du musst lernen, damit irgendwie klarzukommen.“
„Und wenn ich das gar nicht will?“
„Dann wird es dich so fertig machen, dass du irgendwann wahrscheinlich doch von einer Brücke springst. Willst du DAS?“
„Nein, natürlich nicht.“ kam es leise zurück.
„Na also!“
„Aber ich weiss echt nicht, wie ich das machen soll! Ich meine, ich kann doch meine Gefühle nicht einfach abschalten. Und wenn ich sie dann auch noch mit… also zusammen sehen muss, ich glaub, das steh ich nicht durch!“ Seine Stimme hatte zu zittern begonnen und Solveig zog ihn einfach in ihre Arme, wo er dann auch wenig später zu weinen begann.
Solveig tat er einerseits furchtbar leid, aber andererseits war sie froh, dass er jetzt weinen konnte. Der Zustand, in dem er sich seit dem Gespräch mit Emma befunden hatte, hatte sie viel mehr verunsichert. Er war herumgelaufen, wie ein Geist. Und das hatte ihr gar nicht gefallen.





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sjoe 
gollum: "My preciiiiious"
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...   Erstellt am 26.06.2006 - 11:33Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


„Hm, anscheinend gibt es Liegestühle!“ sagte Liv, als die anderen nicht wieder erschienen, „Ich glaube, da geh ich auch mal gucken. Kommst du mit?“ fragte sie Bjørn Einar dann.
„Nein, ich glaube, ich fahre noch ein wenig. Das muss ich doch ausnutzen.“
„Jaja, Mr. Sportsüchtig! Holst du mich nachher ab?“
„Na klar!“

So saßen Nike und Gunnar wenig später allein am Tisch.
„Du, Gunnar?“
„Ja?“
„Bist du eifersüchtig, dass Liv und Bjørn Einar…?“
„Eifersüchtig? Ich?“ er sah sie groß an, „Nein, wie kommst du denn darauf?“
„Weiss nicht. Ich finde, du reagierst so komisch auf die beiden.“
„Ja, das stimmt. Aber das hat nichts mit Eifersucht zu tun. Dachtest du, ich würde etwas von Liv wollen?“ Sie zuckte die Schultern und schaute zu Boden. Er legte eine Hand unter ihr Kinn und zwang sie so, ihn anzusehen.
„Glaubst du wirklich, ich würde dann mit dir Zeit verbringen wollen, wenn es mir eigentlich um Liv ginge?“ fragte er dann leise.
„Nein. Ich meine, ich denke nicht. Aber was ist es dann?“
„Liv hat einen Freund. Und der heißt nicht Bjørn Einar, sondern Kristian. Und den kann ich ganz gut leiden. Bernar mag ich auch, aber… Ich finde es einfach scheisse, was sie hier abzieht! Ich meine, so lange ich die beiden kenne, also jetzt Bernar und Liv zusammen, haben die eigentlich schon immer geflirtet, das ist nichts Neues. Aber eben nur geflirtet und nicht auf einer Piste übereinander hergefallen. Ich verstehe nicht, wie sie das machen kann, wenn sie doch eigentlich mit Kristian zusammen ist!“
„Wie lange sind die denn schon zusammen?“
„Nicht soo lange. Weiss nicht, zwei Monate vielleicht?“
„Hm. Vielleicht haben sie sich ja getrennt und du weißt es nur nicht?“
„Nein, das kann ich mir nicht vorstellen, das hätte ich mitgekriegt!“
„O.k., dann weiss ich es auch nicht.“
„Nein, ich auch nicht!“ er seufzte.
Dann lächelte er und sagte: „Wenigstens glaubst du jetzt nicht mehr, dass ich was von Liv will, oder?“
„Nein!“
„Gut. Weil, das ist ganz und gar nicht zutreffend, Nike!“ Er sah sie lange an und sie schaute zurück.
„Ich weiss.“ flüsterte sie. Dann beugte Gunnar sich vor und küsste sie sanft.

Emma hatte sich unter ‚in Ruhe Mittagessen’ etwas anderes vorgestellt, als das, was sie dann im Hotel hatten. Denn Mika und Geir waren auch dort und natürlich setzten Sigurd und sie sich zu ihnen. Nachdem sie ein wenig über die tolle Aussicht vom Nebelhorn geredet hatten, Mika war auch schon mal oben gewesen, Geir jedoch nicht, kam das Gespräch schon bald auf Skispringen. Und zwar ziemlich technische Sachen, von denen Emma keine Ahnung hatte. Zuerst fand sie es noch interessant, aber irgendwann verlor sie auf Grund mangelnder Vokabel-Kenntnis den Anschluss und langweilte sich. Zwischendurch dachte sie ein paar Mal, dass das Gespräch zu einem Ende käme, aber dann zeigt sich das, was Sigurd ihr schon mal erzählt hatte: Geir redete gern und er brachte damit immer neue Themen aufs Tablett, zu denen sowohl Mika als auch Sigurd etwas zu sagen hatten.

Und sie wollte sich nicht beschweren, um nicht unhöflich zu wirken. Was die anderen wohl gerade machten? Vermutlich kollektiv die Piste runterheizen. Ach man, da wäre sie jetzt wirklich auch gern dabei! Ihr letzter Skiurlaub lag schon 2 Jahre zurück und wenn sie den ganzen Schnee und das tolle Wetter sah, juckte es ihr richtig in den Beinen. Aber da hatte sie keine Chance! Unbewusst seufzte sie aufgrund dieser Gedanken und auf einmal richteten sich alle Blicke auf sie.
„Tut mir leid, wir langweilen dich mit unserem Gerede!“ sagte Mika entschuldigend.
Obwohl das natürlich auch stimmte, sagte Emma: „Nein, ich hab gerade daran gedacht, dass die anderen Skifahren sind. Und ich auch gern würde, aber nicht darf.“
„Deine Freunde sind Skifahren? Wo denn?“ fragte Geir grinsend.
„Söllereck, soweit ich weiss.“
„Ach nee!“ nun grinste auch Mika.
„Was denn?“ wunderte sich Sigurd.
„Na, rate mal, was deine Kameraden gerade machen und wo!“ lachte Mika.
„Nee, oder?“
„Doch!“
„Dann haben die sich doch 100 % schon getroffen und machen jetzt zusammen die Pisten unsicher. Die armen Urlauber!“ Sigurd grinste ebenfalls, „Wann habt ihr das denn beschlossen? Hab ich gar nicht mehr mitbekommen.“
„Kann sein, dass du da gerade schon weg warst. Bernar war kaum noch zu bremsen!“
„Das kann ich mir vorstellen! Nachdem er ja schon in Courchevel so wild drauf war…“
„Hoffentlich ist er nicht zu übermütig und verletzt sich am Ende noch!“ warf Geir mit besorgtem Unterton ein.
„Das glaube ich nicht! Nicht während der WM und dem knappen 4. Platz am Samstag! Der ist heiss aufs Springen!“ widersprach Sigurd entschieden. Mika nickte zustimmend. Dann stand er auf.
„Schönen Nachmittag!“
„Gleichfalls!“ Er verschwand und auch Geir erhob sich wenig später.
Als er weg war, sagte Sigurd: „Komm, wir gehen auch. Ich könnte jetzt wirklich eine Pause gebrauchen!“

Im Zimmer angekommen, zog Emma die Jacke aus und in dem Zusammenhang kam ihr die Kette wieder in den Sinn. Lächelnd holte sie das Etui hervor.
Als Sigurd das sah, fragte er: „Darf ich?“
„Klar!“ Sie hielt ihm die Schachtel hin, er nahm und öffnete sie und holte dann vorsichtig die Kette heraus. Emma hatte währenddessen ihre Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengefasst, so dass sie nicht im Weg waren. Er trat hinter sie und als sein Blick auf ihren Nacken fiel, musste er sich sehr zusammennehmen, um sie nicht sofort da zu küssen.
Kaum war der Verschluss eingerastet, legte er von hinten die Arme um sie, damit sie gar nicht erst auf die Idee kam, sich umzudrehen. Dann zog er sie an sich und legte seine Lippen in ihren Nacken. Es fühlte sich genauso seidig weich an, wie er das sich vorgestellt hatte! Nur die Kette störte ein wenig, aber er konnte sie ihr ja schlecht direkt wieder ausziehen. Mit dem ersten vorsichtigen Kuss, den er dort platzierte, lehnte sich Emma noch mehr gegen ihn, was er als Ermutigung auffasste. Er löste seine Hände, die er zuvor auf ihrem Bauch verschränkt hatte und ließ sie langsam ihre Seiten hoch und runter wandern, nicht zu weit. Bis leicht unterhalb der Hüften und definitiv unterhalb ihrer Brüste. Er wollte sie nicht verschrecken. Um so überraschter war er, als Emma plötzlich ihre Hände auf seine legte und diese dann genau dorthin führte. Oh man, das war Wahnsinn! Es fühlte sich soo gut an, so verdammt gut.
„Emma!“ flüsterte er.
„Mh?“
„Was machst du mit mir?“
„Ich? DU mit mir!“ Sie drehte den Kopf so weit wie möglich und sah ihn dann aus dem Augenwinkel heraus an.
„Alles kribbelt und ich kann absolut nicht genug davon kriegen! Von dir!“ sagte sie dann leise.
„Kommt mir sehr bekannt vor!“ gab er zurück. Nun drehte sie sich zu ihm herum, schlang die Arme um seinen Hals und küsste ihn. Wenig später gingen auch ihre Hände auf Wanderschaft, erst über seinen Rücken, was allein schon wohlige Schauer verursachte und dann irgendwann zu seinem Hintern, der sich genauso gut anfühlte, wie er aussah. Bevor sich sein Verstand ganz verabschieden konnte, machte er sich von ihr los und sah sie schwer atmend an.
„Emma… lass uns eine Pause machen, ja?“
„Mhm!“ Sie hatte gerötete Wangen und war ebenfalls ausser Atem. Sigurd ging ins Bad und klatschte sich Wasser ins Gesicht. Eiswürfel an einer ganz anderen Stelle wären jetzt wohl eher angebracht, aber…





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sjoe 
gollum: "My preciiiiious"
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...   Erstellt am 27.06.2006 - 12:39Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Als er wieder ins Zimmer kam, hatte sie die Balkon-Tür geöffnet und war nach draußen gegangen. Er folgte ihr langsam, immer noch bemüht, sich wieder unter Kontrolle zu bekommen.
„Wolltest du dich nicht hinlegen?“ fragte Emma und deutete auf die in der Sonne stehenden Liegestühle.
„Gute Idee!“ Sie schoben die Stühle direkt nebeneinander und da der Balkon geschützt lag, war es sogar recht gut ohne Jacken auszuhalten. Zuerst jedenfalls. Irgendwann ging Emma aber doch nach drinnen, um sich eine Decke zu holen.
„Hast du kalt?“ fragte Sigurd, als sie wieder kam.
„Ja, ein wenig.“
„Warum sagst du denn nichts? Ich kann dich doch wärmen.“
„Wie das denn, wenn du auf dem Stuhl neben mir liegst?“
„Naja, dann natürlich nicht. Aber du kannst doch zu mir kommen…“
„Auf den Liegestuhl?“
„Mhm.“
„Da passen wir doch nicht beide drauf!“
„Nicht?“ Er angelte nach ihr und zog sie einfach auf seinen Schoß.
„Siehst du, das geht!“
„Ich hatte irgendwie an nebeneinander gedacht...“
„O.k., nein, auch wenn ich dünn bin und du ebenfalls eine tolle Figur hast, DAS passt nun wirklich nicht!“ Emma breitete die Decke aus und lehnte sich zurück. Ihr Kopf passte perfekt in seine Halsbeuge und nachdem sie ihre Haare ein wenig gebändigt hatte, lagen sie Wange an Wange.
„Schööön!“ sie schloss genießerisch die Augen.
„Und wie!“
„Danke noch mal für die Kette, Sigurd! Sie ist wunderschön!“
„Sehr gern. Ich hab noch gar nicht geguckt, wie sie an dir aussieht…“ stellte er bedauernd fest.
„Tja, da kam wohl was dazwischen…“
„Allerdings. Ich schätze, wir müssen uns bald mal überlegen, wie… Nimmst du eigentlich die Pille?“
„Äh, nein!“ sie war überrascht.
„O.k., dann muss ich noch mal einkaufen gehen. Nicht, dass wir sonst ohne alles da stehen! Denn so wie ich das sehe, bleibt da bei mir nicht viel Verstand übrig, also könnte ich vermutlich nicht garantieren, dass ich darauf Rücksicht nähme.“
„Moment, jetzt komme ich gerade nicht mehr ganz mit. Du willst… ähm… Kondome kaufen gehen, ja? Damit wir welche da haben, für den Fall… Und dann?“
„Dann haben wir welche, die ich dann auch benutze. Wenn wir keine hätten, könnte es passieren, dass ich so in den Wolken bin, dass es mir egal ist. Du schaltest in dem Fall nämlich auch mein Gehirn aus… Und auch, wenn wir beide prinzipiell Kinder wollen, halte ich den Zeitpunkt für nicht angebracht.“
„Ich auch nicht!“
„Gut. Und jetzt lass uns das Thema wechseln, ein gewisses Körperteil findet das nämlich alles schon wieder ganz furchtbar anregend.“
Emma kicherte: „O.k.. Du wolltest mir doch eh noch von dem Gespräch mit Mika erzählen. Oder ist das Thema auch zu anregend?“
Sigurd lachte: „Nein, das war eher ziemlich peinlich. Aber der Reihe nach: Als Liv und du dann gefahren seid, war ja erst mal Hürdentraining angesagt. Danach waren alle völlig platt, die anderen haben schnell geduscht und sind dann verschwunden. Ich dagegen hab eher getrödelt und noch mal den Tag Revue passieren lassen. Wie erst alles so Scheisse anfing und ihr dann plötzlich auftauchtet und so. Als ich dann fertig war und gerade gehen wollte, hat Mika mich abgefangen. Wir haben uns in die leere Turnhalle gesetzt und er hat gefragt, was das war. Warum ich erst so schlecht gesprungen bin und dann so gut. Ich hab nur erzählt, dass ich am Vorabend bei dir war und es dann blöd lief und ich aufgewühlt und traurig gegangen bin. Deshalb die schlechten Sprünge.“ Emma nahm seine Hand und malte ein Herz in die Handinnenfläche. Er küsste sie auf die Schläfe.

„Und als ihr dann kamt und alles geklärt war, war der eine, gute Sprung das Resultat. Das fand er gar nicht gut, sondern meinte, dass du erst mein Krafttraining, dann das Meeting und nun die Sprünge beeinflusst. Und wie das nun weiter gehen solle.”
“Aber das waren doch gar nicht die ersten Sprünge, die wegen mir schlecht waren, oder?“
„Nein. Nur wusste und weiss Mika das nicht.“
„Ach so.”
“Was dann kam, ging wieder in Richtung ‘du musst dich entscheiden’, ähnlich wie in Lahti und da habe ich ihm erst mal gesagt, dass ich weder Springen noch dich aufgeben will und werde. Seine Frage darauf war schlicht und ergreifend: wieso nicht? Ich wusste absolut nicht, was er hören wollte und auch als er noch mal nachfragte, warum das denn so wäre, dass du mich erstens so beeinflusst und zweitens ich nichts dagegen tun will, wusste ich nicht, was das nun sollte. Das hat ihn köstlich amüsiert und ich kam mir beinahe schon verarscht vor.“
„Böser Mika!“
„Naja, im Nachhinein kann ich ihn sehr gut verstehen! Ich war ja so blind, dass es wirklich schon lustig war! Dann hat er mir direkt vor den Latz geknallt, dass das alles der Fall ist, weil ich mich eben in dich verliebt hätte. Meinen Protest hat er im Keim erstickt und gesagt, ich solle erst mal kurz darüber nachdenken und ihm danach dann meine Einwände nennen.“
„Du hast protestiert?“ Sie piekste ihn in die Seite.
“Heh! Naja, hättest du das in meinem Fall nicht auch getan?”
„Oh doch. Und du willst gar nicht wissen, wie oft ich das tatsächlich auch getan habe, weil ich ja genauso blind war…“
„Echt? Da haben sich wohl zwei Blindfische gefunden, hm?“ Er küsste sie auf die Wange.
„Nun, ich habe also wirklich mal in mich hineingehorcht und kam sehr schnell zu dem Schluss, dass Mika, so peinlich mir das auch vor ihm war, tatsächlich Recht hatte. Ich dachte, er sei deswegen voll sauer, besonders, weil du oder besser gesagt der Streit mit dir ja die Sprünge beeinflusst hat, aber er meinte bloß, ich dürfe dann halt nicht mit dir Streiten.“
Emma lachte: „Ob wir das schaffen?“
„Früher oder später vermutlich nicht mehr, nein. Er meinte dann noch, dass das, was ihn am meisten daran störe, sei, dass die VG damit sozusagen doch Recht hatte. Dass wir noch nicht am ersten Abend zusammen waren, ist für die sicher nebensächlich, sobald herauskommt, dass wir es sind. Was wir tunlichst auf nach die WM verschieben sollten.“
„Und dann läufst du Händchen haltend mit mir durch Oberstdorf? Oh Sigurd!”
“Ja, ich weiss! Aber alles andere erscheint mir … ich weiss nicht… falsch oder unehrlich! Ich meine, ich BIN doch mit dir zusammen!”
„Ja, sicher. Aber gerade in Anbetracht der Tatsache, dass die WM noch 2 Springen hat und du wirklich schon genug Presserummel um dich herum hast, sollten wir da wirklich ein wenig zurückhaltender sein.“
„Ja, du hast ja Recht.“ gab er zu, auch wenn ihm das nicht gefiel.
„Was denkst du eigentlich, warum hat Mika dich in dem einen Gespräch erst aufgefordert, dass du dich entscheiden sollst und im Zweiten hat er plötzlich kein Problem mehr mit uns?“
„Darüber habe ich auch schon nachgedacht. Schätzungsweise wusste er nicht so genau, was er davon halten sollte. Vielleicht wollte er so herausfinden, ob das bei mir was ernstes ist oder doch eben nur gute Freundschaft. Und als ihm das dann klar war, warum sollte er noch etwas daran ändern wollen? Er ist doch kein Unmensch! Wir mögen uns und er ist ein wirklich guter Trainer. Schließlich war er es, der mich bei seinem Amtsantritt vor 3 Jahren entdeckt hat!“
„Echt? Das wusste ich gar nicht.“
„Doch. Er macht jedes Jahr immer so ein Camp mit allen verfügbaren Springern und stellt dann daraufhin sein Team zusammen. Und 2002 war ich auch dabei und kam prompt in die Weltcup-Mannschaft.“
„Cool!“
„Und verdammt aufregend, ich hatte gar nicht damit gerechnet. Ich meine, ich hatte mich ganz gut geschlagen, das war mir schon bewusst, aber doch nicht, dass es für’s A-Kader reichen würde!“
„Das glaube ich sofort, dass das aufregend war. Schade, dass ich mich damals noch gar nicht für’s Springen interessiert habe. Oder auch letztes Jahr, wo du die 4Schanzentournee gewonnen hast!“
„Dafür bist du jetzt da!“ Er küsste sie zärtlich auf die Wange und schloss die Augen.
„Hast du es schon deinen Eltern erzählt?“
„Nein. Wann denn? Ich habe gestern Nachmittag mit ihnen Telefoniert, wegen der Disqualifikation. Aber da gab es ja noch nichts zu berichten.“ Er grinste.
„Stimmt. Oh man, ist das wirklich erst seit gestern Abend? Kommt mir schon viel länger vor!“
„Ist es aber. Und mir kommt es zwar auch schon länger vor, aber das war auch vorher schon der Fall, weil es mir eben früher klar war.“
„Warum hast du eigentlich nichts gesagt?“
„Ich hab doch gesehen, wie du auf Toril reagiertest. Sicher, du wolltest nichts von ihm, das kam noch dazu, aber es war dir doch auch so unangenehm, oder?“
„Ja, ein wenig schon. Vorallem am Anfang.“
„Und ich wollte eben nicht, dass es dir auch mit mir so geht. Also fielen offensichtliche Dinge schon mal aus. Ich hätte auch einfach so was sagen können, aber da ich nicht sicher war, wie das von deiner Seite aus aussieht, hab ich mich zurückgehalten. Ich wollte dich einfach nicht unter Druck setzen.“
„Du hättest also immer weiter gewartet, bis irgendwas passiert?“
„Ich hatte mir jetzt keinen Schlachtplan aufgestellt, oder so. Vorgestern noch dachte ich, dass ich es dir wohl nach der WM sagen werde, aber gestern dann… also, sehr lange hätte ich es wohl nicht mehr durchgehalten. Aber das hat sich ja jetzt erledigt.“
„Wieso? Ich weiss von nichts!“ sie sah ihn gespielt unschuldig an.
Er lachte und sagte dann: „Du, Emma? Weißt du was, ich hab mich sowas von total in dich verliebt, dass ich beinahe nicht weiss, wohin mit meinen Gefühlen!“
„Und ich mich in dich, Sigurd! Wie verrückt bin ich in dich verliebt!“ Sie küssten sich, aber so war es auf Dauer unbequem und sie drehte sich so, dass sie irgendwann Bauch an Bauch auf Sigurd lag.
„Boah, das ist aber auch nichts, so!“ sagte er, „Du liegst genau auf meinem vollen Magen!“
„Oh, tut mir leid!“
„Weißt du was, wir gehen rein und legen uns aufs Bett. Ist doch etwas bequemer zu zweit. Und irgendwie könnte ich wirklich gerade eine Runde schlafen!“

Liv war ebenfalls eingeschlafen, sie lag auf dem Liegestuhl, als Bjørn Einar nach der 2. Talfahrt nach der Mittagspause zu den anderen stieß. Tine alberte mit Tommy und Lars herum und Bernar fragte sich, wie man bei dem Gelächter schlafen konnte.

Aber Liv schien das nicht zu stören. Eine zeitlang betrachtete er sie. Liv. Wahrscheinlich würden die meisten Leute sie nicht als hübsch bezeichnen, mit ihren hellbraunen, leicht welligen Haaren, blaugrauen Augen und dem runden Gesicht. Aber sie hatte definitiv etwas, dass ihn schon seit ihrer ersten Begegnung magisch anzog. Vielleicht war es ihre lebensfrohe Art, die alles, was um sie herum geschah geradezu in sich aufzusaugen schien. Oder die Tatsache, dass sie zwar sensibel war und Stimmungen sofort mitbekam, einem aber auf der anderen Seite auch knallhart die Meinung sagen konnte? Oder lag es daran, dass Sigurd immer so positiv von seiner Cousine erzählt hatte?
Sicher, sie war ganz anders, als viele der Freundinnen, die er bisher gehabt hatte, aber auch das war etwas, das den Reiz ausmachte. Wie auch immer, es war, wie es war. Mit jeder Begegnung war es ein wenig intensiver geworden. Und so richtig erwischt hatte es ihn letzte Woche in Lillehammer, als Liv und Emma so überraschend aufgetaucht waren. Deswegen hatte er sich auch wie verrückt auf die gemeinsame Zeit hier gefreut und gehofft, dass dann… Er seufzte. Es war ja auch gut gelaufen, bis sie ihm eröffnet hatte, dass sie einen Freund hatte.
Kristian. Er hatte ihn einmal gesehen, wenn er sich recht erinnerte. Natürlich hatte er nicht besonders auf ihn geachtet, warum auch? Damals waren die ja noch nicht zusammen gewesen. Deswegen hatte er nur ein sehr undeutliches Bild von ihm. Angeblich war er DER Mann für sie. Aber war das wirklich so? Klar, er konnte das nicht beurteilen. Nur: warum verhielt sie sich in seiner Nähe dann so, wie sie es tat? Vorallem natürlich bevor sie ihm überhaupt von Kristian erzählt hatte. Aber auch das vorhin… das machte doch keine, die in einer Beziehung rundum glücklich war, oder?

„Was stehst du denn da rum, wie ein Affe vor dem Baum?“ fragte Tommy ihn und Bjørn Einar schreckte aus seinen Gedanken hoch.
„Was?“ er sah seinen Teamkollegen irritiert an und Lars und der lachten.
„Weck sie halt auf! Wir sollten noch ein paar Mal die Pisten nutzen, bevor Geir uns wieder einsammelt!“
„Jaja.“
Ein wenig unsicher, wie er sich nun verhalten sollte, ging Bjørn Einar neben Livs Kopf in die Knie und legte ihr die Hand auf die Schulter: „Liv! Aufwachen!“
Sie öffnete die Augen und blinzelte ein paar Mal, bevor sie ihn anlächelte: „Hei.“
„Hei! Ich sollte dich doch abholen kommen. Hier bin ich!“
„Das sehe ich.“ Bei dem Lächeln bekam er Herzklopfen! Sie setzte sich auf und er stellte sich wieder aufrecht hin. Dann streckte sie die Hand aus, damit er ihr beim Aufstehen helfen konnte, was er natürlich gern tat.

Tine, Tommy und Lars waren schon auf dem Weg, die Sonnenterrasse zu verlassen, als sich Lars umdrehte und den beiden anderen zurief, dass sie schon mal fahren würden. Bernar nickte.
„Ich müsste noch mal die Toilette aufsuchen. Wartest du so lange?“ fragte Liv ihn.
„Na klar!“





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...   Erstellt am 28.06.2006 - 07:49Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


bin heute den ganzen Tag weg, also...

Die anderen Drei lieferten sich mal wieder kleine Duelle auf der Piste. Lars und Tommy versuchten, sich gegenseitig auszubremsen, Tine aber dabei nicht zu viel Vorsprung zu lassen. Dabei ernteten sie so manches Kopfschütteln von anderen Skifahrern, aber das störte sie kein bisschen. Sie waren recht ausser Atem, als sie unten an der Talstation ankamen und Tine ließ sich auf eine Bank fallen, da sowieso eine Schlange bis vor die Tür reichte. Tommy und Lars setzten sich links und rechts neben sie.
„Na, schon platt?“ stichelte Lars.
„Kann ja nicht jeder so ein Super-Held sein, wie du!“
„Super-Held? Der?“ Tommy prustete los und erntete dafür einen Schlag ins Genick. “Heh!” Da er am Rand saß, hatte er ruck zuck in den Schnee gegriffen und Lars eine Ladung ins Gesicht geschaufelt. Tine bekam auch natürlich auch etwas ab, weil sie dazwischen saß und so war schnell eine wilde Schnee-Schlacht im Gange.

Als sie gerade mal eine kurze Pause machten, fiel Tines Blick auf die Schlange und sie erschrak. Da standen die beiden, die sie im Zug kennen gelernt hatte. Die waren riesige Norwegen-Fans, besonders natürlich von Bjørn Einar, aber auch von den anderen. Und sie hatte denen natürlich nicht auf die Nase gebunden, dass sie seit neuestem auf Du und Du mit dem Team war.
„Oh shit!“ entfuhr es ihr. Wenn die sie jetzt sahen…
„Was ist denn?“ Lars und Tommy sahen sie irritiert an.
„Äh, da sind 2 Mädels in der Schlange, die mich kennen. Riesen Norge-Fans. Wenn die mich jetzt mit euch sehen…“
„Fans? Ach du scheisse!“ Lars machte eine Hechtsprung von der Bank herunter und verschwand um die Ecke.
„Und wir beide? Sehe ich das Richtig, dass sowohl du als auch ich ein großes Interesse daran haben, dass die uns nicht erkennen?“ Tine warf aus dem Augenwinkel einen Blick auf die jungen Frauen. Die Schlange hatte sich verkürzt und sie kamen der Tür und damit Tommy und ihr stetig näher.
„Ein sehr großes!“ nickte sie. Tommy hatte derweil das Haargummi gelöst und schüttelte nun seine langen Haare.
„Na dann!“ Damit drehte er sich so, dass er mit dem Rücken zur Tür saß und zog Tine einfach in seine Arme.
Sie gab einen überraschten Laut von sich, und er sagte leise, aber breit grinsend: „Naja, verliebte Pärchen sind meist nicht halb so interessant wie ledige Skispringer!“
„Ach! Da spricht wohl jemand aus Erfahrung?“
„Allerdings!“
Sie lachte: „O.k.!“
„Du kannst ja immer mal zwischen meinen Haaren hindurchschielen, ob sie weg sind!“
„Mach ich.“ Beim ersten Mal gucken waren die beiden lediglich ein wenig mehr zur Tür gerückt, was sie Tommy dann auch leise berichtete. Aber beim zweiten Mal… ihr blieb vor Schreck beinahe das Herz stehen! Britta kam direkt auf sie zu und schien sich ein wenig umsehen zu wollen.
„Shit, die eine kommt her!“
„Wirklich?“
„Mhm!“ Die Konsequenz war, dass er sie noch ein wenig näher zu sich heranzog und sie küsste. Und zwar nicht nur einfach Lippen auf Lippen, sondern ehe sie auch nur mit einer Wimper zucken konnte, hatte er ihr seine Zunge in den Mund geschoben und spielte mit ihrer. Tine riss überrumpelt die Augen auf und blickte in die von Tommy, der den Lachfältchen nach grinste und ihr dabei zuzwinkerte.
Da die Gefahr noch nicht gebannt war, blieb ihr nichts anderes übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Immerhin küsste er ziemlich gut! Tine begann, das Ganze mit Humor zu sehen. Wer konnte schon von sich behaupten, dass er mit Tommy Ingebrigtsen geknutscht hatte? Aus dem Augenwinkel sah sie, wie Britta an ihnen vorbeiging und dann aber wenig später, nach einem Zuruf ihrer Freundin, wieder in die Schlange zurückkehrte. Tine löste ihre Lippen von ihm und raunte: „Dreister Kerl!“
„Was denn?“ er machte ein unschuldiges Gesicht, „So war es wenigstens sicher, dass sie nichts bemerken. Hat doch geklappt, oder?“
„Ach komm, das war doch nicht der einzige Grund!“ Breites Grinsen: „Glaubst du?“
„Weiss ich!“
„Und wenn schon? Ich denke nicht, dass du es bereut hast, oder?“
„Eingebildeter Affe!“
„Vorsicht! Du sprichst hier mit einem bösen Metal-Mann!“
„Der heute schon einmal von mir flachgelegt wurde, vergiss das nicht!“
„Wie könnte ich? Wo DU es doch warst!“
Sie sah ihn prüfend an: „Flirtest du mit mir?“
„Ich? Niemals!“ Sie tauschten ein albernes Grinsen, dann lunzte sie erneut durch seine Haare hindurch.
„Gleich sind sie weg!“
„Schade!“
„Wenn du so weiter machst, dann ruf ich die doch noch her!“
„Ich denke, dann hättest du ein Problem?“
„Das wäre es mir aber vielleicht wert!“
Er zog eine Augenbraue in die Höhe, meinte: „Das will ich mal lieber nicht riskieren!“ und damit küsste er sie erneut. Als er sie dann nach geraumer Zeit wieder los ließ, waren Britta und Maxie verschwunden.
„Und was hatte DAS jetzt für einen Grund?“ wollte sie wissen.
„Na, ich wollte bloß verhindern, dass du die herbeirufst!“
„Ach sooo! Sag das doch gleich!“ Tine schüttelte den Kopf, konnte ihm aber nicht wirklich böse sein.

Kurze Zeit später tauchte Lars wieder auf.
„Ihr seid immer noch hier? Haben die euch nicht gesehen? Ich dachte, ihr kommt hinterher!“
„Ja, wir sind immer noch hier. Nein, sie haben uns nicht gesehen, denke ich. Und nein, wir sind nicht hinterher gekommen!“ sagte Tine lachend.
„Und wie habt ihr das gemacht?“ Grinsendes Schweigen von beiden.
„Jetzt kommt schon! Raus mit der Sprache!“
„Nöö!“ Lars tat beleidigt und drehte sich in Richtung Piste. Genau rechtzeitig, um Bjørn Einar, Liv, Gunnar, Nike, Daniel und Roar die letzten Meter im Schuss fahren zu sehen.
„Ach, da kommt der Rest!“

Tine machte drei Kreuze, dass ihre Zugbekanntschaften bereits auf dem Weg nach oben waren, denn das Hallo, welches jetzt folgte, hätten sie unmöglich übersehen können!
„Das ist jetzt wirklich praktisch, dass wir alle zusammen haben! Geir hat nämlich gerade angerufen. Er ist gleich hier, um uns einzusammeln!“ gab Roar bekannt.
„Was denn? Jetzt schon?“ fragte Lars und Bernar lachte: „Ist dir das jetzt zu stressig, langsam und gemütlich zum Parkplatz zu laufen oder was?“ Der Angesprochene knurrte und zeigte seinem Kameraden den Mittelfinger. Tine verstand nur Bahnhof.
„Lars hasst Stress!“ flüsterte ihr Liv erklärend ins Ohr.

Als sie schon auf dem Weg zum Parkplatz waren, fiel Gunnar auf, dass Solveig und Toril noch fehlten. Keiner hatte die beiden gesehen und so zog er sein Mobiltelefon hervor und wählte Solveigs Nummer.
„Hei, hier ist Gunnar. Wo seid ihr denn? Die Hopper werden gleich abgeholt. Sollen wir erst mal mit denen ins Hotel fahren?“
„Hei. Ja, wie ihr wollt, wir sind grad noch auf der hinteren Piste. Wir kommen dann ins Hotel nach, ja?“
„O.k., viel Spaß noch!“ Er legte auf.
„Die kommen nach.“ sagte er dann. Sie warteten keine zwei Minuten, als der Bus auch schon vorfuhr.
„Denk dran, der muss uns irgendwie im Kaff raus schmeißen!“ sagte Tine zu Tommy.
„Jaja, das mach ich schon!“
Nike, die das mitbekommen hatte, fragte: „Ach, ihr wollt auch noch mal nach Oberstdorf? Das ist ja praktisch, dann kann ich gleich da aussteigen. Muss mich mal wieder bei meinen Eltern sehen lassen, so ein Skikurs dauert ja nicht ewig!“
Tine grinste: „Ach, ein Skikurs? Soso! Na, ich hoffe, Gunnar hat dir was Anständiges beigebracht.“
Leicht errötet antwortete sie: „Öh, nicht nur, aber auch.“ Sie lachten.

Tommy war, nachdem er ein paar Worte mit Geir gewechselt hatte, ein wenig zur Seite gegangen und hatte bei Sigurd angerufen: „Hei, hier ist Tommy. Sag mal, kannst du Tine und mich demnächst mal im Kaff abholen kommen?“
„Hei. Öh, ja, wieso nicht? Ich müsste da eh noch was besorgen. In einer halben Stunde am Bahnhof?“
„Ja, das klingt gut. Also, bis dann!“

„Abholung ist auch gesichert!“ sagte er zu Tine, als er wieder zu ihnen kam.
„Abholung?“
„Na, wolltest du etwa vom Kaff aus zum Hotel laufen? Ich dachte, du warst vorhin schon platt!“
„Nein, aber es fährt auch ein Bus, soweit ich weiss.“
„Ich fahre doch keinen Bus, wenn ich abgeholt werden kann!“
„Faule Socke!“
„In dem Fall: ja, hier!“ Sie lachten und stiegen dann ein.

Als der Bus dann erst mal zum Oberstdorfer Bahnhof fuhr, waren die anderen verwundert, noch mehr jedoch, als nicht nur Nike, sondern auch Tine und Tommy ausstiegen. Lars hatte halb gedöst, so dass er das erst mitbekam, als sie schon wieder weiter fuhren.
„Was ist das denn?“ fragte er perplex.
„Ach, fühlst du dich einsam ohne deinen Tommy?“ spottete Bernar.
„Hör mal Romøren, das ist schon dein zweiter Spruch heute, der total daneben ist. Das Konto ist voll!“
„Jaja, schon gut!“ Ein Grinsen konnte er sich aber natürlich nicht verkneifen.





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...   Erstellt am 29.06.2006 - 11:40Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Einkaufen....

Emma irrte mit suchendem Blick durch den Drogeriemarkt. Sie hatte keine Ahnung, wo das, was sie besorgen sollte, einsortiert war.
Eine Frau, die Waren in die Regale räumte, bemerkte dies und fragte: „Grüß Gott. Kann ich Ihnen irgendwie helfen?“
„Äh, nein, danke! Es geht schon!“ Kopfschüttelnd sah die Angestellte der jungen Frau hinterher, die den Gang beinahe fluchtartig verlassen hatte. Was war denn mit der los? Emma war das furchtbar peinlich. Schon allein der Gedanke daran, dass sie die Dinger kaufen sollte, ließ sie mit hochrotem Kopf beinahe im Erdboden versinken. Und ganz sicher würde sie nicht auch noch danach fragen. Sie hatte ja wenigstens noch genug Zeit, bis sie sich mit Tine und Tommy treffen würden.

Irgendwann hatte sie tatsächlich ein Regal mit Kondomen gefunden. Jetzt stand sie davor und starrte die verschiedenen Packungen an. Sie hatte nicht gewusst, dass es da überhaupt eine Auswahl gab. Woher sollte denn bitte ausgerechnet SIE wissen, was sie kaufen sollte?? Sigurd hatte auch keinerlei Angaben gemacht, sie lediglich gebeten, welche zu kaufen. Er war im Auto sitzen geblieben, weil genau in dem Moment, als er aussteigen wollte, eine Horde kichernder junger Mädels am Auto vorbeigelaufen war und er Angst hatte, in einem Drogeriemarkt erst recht auf Kreischies zu treffen. Und vor denen an der Kasse Kondome zu kaufen… sie konnte verstehen, dass er da keine Lust darauf hatte. Sie sah sich um. Also, die drei Mädels da hinten konnten wirklich gut und gern welche sein.

Aber sie war ja nicht deswegen hier, sondern wegen dieser peinlichen Teile. Was es da alles gab: gefühlsecht, mit Noppen, mit Geschmack. Mit Geschmack?? Oh man! Extra feucht, bunt oder auch XXL – besonders groß. Woher sollte sie das denn wissen? Weder hatte sie nachgemessen noch irgendeine Vergleichsmöglichkeit.
Sie überlegte gerade, ob sie einfach unverrichteter Dinge wieder abziehen sollte, Sigurd wusste da sicher besser Bescheid, als eine Stimme neben ihr sagte: „Also, XXL brauchst du ganz sicher nicht!“ Sie fuhr herum und sah in das breite Grinsen von Tommy. Ihr blieb auch echt nichts erspart!
„Ich…äh…“ stotterte sie, natürlich knallrot.
„Hat Sigurd dich geschickt?“
„Mhm.“
„Tz, wieso kann er denn SOWAS nicht selbst kaufen? Also wirklich!“
„Er wollte nicht von Kreischies damit gesehen zu werden…“
Tommy warf einen Blick durch den Laden und zog dann ein wenig den Kopf ein: „O.k., die Gefahr da hinten bei den Schminksachen ist wohl als recht hoch einzuschätzen. Trotzdem! Das ist so doch nicht wirklich Gentleman-like! Unfassbar! Komm, ich mach das!“ Er schnappte sich eine Packung von den Gefühlsecht-Teilen und ging dann in Richtung Kasse. Emma, immer noch mit rotem Kopf, mit ein wenig Abstand hinterher. Sie quetschte sich dann an der Kasse an ihm vorbei und zog es vor, draußen zu warten.

Tommy schaute grinsend auf die beiden Sachen, die er aufs Band gelegt hatte: neongrünes Haarspray und eine Packung Kondome. Geile Kombination, das sah aus, als würde er sehr schräge Spielchen treiben! Die Verkäuferin schien ähnliches zu denken, aber gut, wenn man ihn nicht kannte, sah er möglicherweise sogar danach aus.

Wenig später trat er zu Emma nach draußen. Er konnte sehen, dass es ihr immer noch peinlich war. Normalerweise hätte er sie jetzt damit aufgezogen, aber sie tat ihm leid. Er würde Siggen gleich mal ein paar Takte dazu sagen! Das war doch wirklich total daneben!
„Willst du nicht mal nach Tine gucken gehen? Sie ist mit Nike da drüben in dem Laden verschwunden. Ich geh so lange schon mal zu Siggen. Also, wenn du mir sagst, wo er parkt.“
„Am Bahnhof.“
„O.k., ich werde ihn schon finden. Bis demnächst.“ Obwohl sie ihm sehr dankbar war, war sie auf der anderen Seite doch froh, dass er sie nach dieser Sache allein ließ. Sie trödelte die Straße entlang, um das erst mal zu verarbeiten. Hatte ausgerechnet Tommy auftauchen müssen? Andererseits, ohne ihn hätte sie gar nichts gekauft. Na und? Dann hätte Sigurd das halt tun müssen. Oh man, das war wirklich so peinlich, sie würde immer noch am liebsten in das nächste Mauseloch verschwinden!

Tommy stieg wortlos zu ihm in den Golf, zog etwas aus seiner Tüte und haute es Sigurd um die Ohren.
„Heh! Was soll denn das?“ Er hob abwehrend die Hände. Tommy schmiss ihm den Gegenstand auf den Schoß. Eine Packung Kondome. Wieso hatte Tommy die? Eine leichte Röte stieg ihm in die Wangen.
„Du bist ein Vollidiot, Sigurd Pettersen! Wie kannst du denn dein Mädchen losschicken, um Verhüterlis zu kaufen? Das ist das allerletzte! Die arme Emma stand völlig ratlos vor dem Regal und es war ihr saupeinlich! Etwas mehr Feingefühl hätte ich gerade von DIR schon erwartet! Also echt!“ herrschte sein Teamkollege ihn an. Sigurd sah verlegen zu Boden. Tommy hatte ja Recht, er hatte sowas von Recht! Er hätte wirklich selbst gehen sollen, Kreischies hin oder her. Und ausgerechnet Emma, die sich ja nun wirklich Null damit auskannte… schickte er. Vielleicht erst denken und dann handeln, Sigurd!
„Scheisse!“
„Ja, DAS kannst du laut sagen! Und jetzt lass dir mal was verdammt Gutes als Entschädigung für sie einfallen. Aber zackig! Und dann darfst du dir überlegen, wie du es hinkriegen willst, dass sie jemals wieder mit mir reden kann, ohne an die Story vor dem Kondomregal zu denken! Ich mag Emma nämlich zufällig!“

Sigurd stieg kleinlaut aus und wandte sich in Richtung Ortskern. Eine Entschädigung? Dafür, dass er sowas von Gedankenlos gewesen war? So was Großes konnte er eigentlich gar nicht kaufen! Und vorallem: was??? Nicht schon wieder Schmuck, keine Süßigkeiten und schon gar keine mit Alkohol. Klamotten? Er wusste ja nicht mal ihre Größe und das traute er sich auch allein nicht zu. Blumen? Mh, ganz nett, aber eigentlich abgedroschen. O.k., er hatte ihr bisher noch keine geschenkt, wenn er also gar nichts Besseres fand… aber er hoffte, nicht darauf zurückgreifen zu müssen.





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...   Erstellt am 30.06.2006 - 11:58Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Einkaufen und Sorgen

Irgendwann kam er an einem Laden vorbei, der anders aussah. Ein paar Snowboards standen davor, und ein Ständer mit Klamotten, die definitiv keine Dirndl oder ähnliches waren. Und auch keine reinen Sportklamotten. Das war hier ja beinahe schon bemerkenswert. Aber auf den ganzen Sachen stand Alptraum… und den hatte Emma ja wohl gerade hinter sich gebracht. Ob das so schlau war? Außerdem, er hatte immer noch keine Ahnung, welche Größe und was…
„Hei, Sigurd!“ er drehte sich um, schon einen Fan erwartend und sah in das lächelnde Gesicht von Nike.
„Hei Nike. Bist du auf dem Heimweg?“
„Ja, genau. Und du? Willst du dir Alptraum-Klamotten kaufen?“
„Nein, eigentlich suche ich was für Emma. Ich hab da eben was verbockt…“
„Oh oh!“
„Mhm!“
„Und dann Alptraum-Klamotten?“
„Keine Ahnung, war nur einfach ein Laden, der mal anders war, als die anderen!“
„Das stimmt. Du hast also keine Idee?“
„Nicht wirklich.“
„Wie schlimm war’s denn?“
„Ziemlich. Ich hab sie in eine mehr als peinliche Situation gebracht.“
„Hm. Weiss nicht, da fände ich ein T-Shirt oder so irgendwie doof. Wie wäre es mit einer coolen Tasche?“
„Keine Ahnung, sie hat meist einen Rucksack.“
„Komm, lass uns mal reingehen!“ Er folgte ihr brav nach drinnen in den kleinen, ziemlich vollgestopften Laden. Aber ihm gefiel das irgendwie. Und auch das Logo, es hatte schon was! Vielleicht sollte er sich da so einen schönen dunkelblauen Pullover mit rot-weissem Schriftzug kaufen? Immerhin die norwegischen Farben.
Aber erst mal was für Emma finden! Natürlich waren da auch zwei Skisprung-Fans, die erst mal die Augen aufrissen, als sie ihn erkannten und dann offenbar eine Weile debattierten, ob sie ihn nun fragen sollten, oder nicht. Das fand er nun wieder amüsant, jedenfalls 1000 Mal sympathischer als kreischende Girlies die sich sofort auf einen stürzten.
Nike schleppte ihn aber erst mal zu den Taschen und hielt ihm die eine kleine, kompakte Version hin: „Was meinst du? Ich finde die schön und praktisch zugleich. Und ich glaube, sie könnte auch Emma gefallen.“ Jetzt trauten sich die Mädels doch.
„Hallo. Würdest du uns ein Autogramm geben?“ fragte die eine ihn schüchtern und hielt ihm Stift und Zettel hin.
„Na klar.“
Die andere war wohl etwas mutiger: „Ist das deine Freundin?“ sie deutete auf Nike.
Diese sah das Mädel verblüfft an und sagte: „Nein, Quatsch! Ich bin mit einem Kumpel von ihm zusammen. Und der ist kein Skispringer. Aber daher kennen wir uns.“
„Und jetzt geht ihr zusammen shoppen oder wie?“
„Warum nicht?“ Sigurd grinste. Dann wandte er sich wieder den Taschen zu. Zumindest hatten sie ein praktisches Innenleben, das musste man ihnen lassen. Also gut, auf jeden Fall besser als Blumen! Und wenn Nike auch dachte, dass die Emma gefallen könnte…
„Was meinst du, welche Farbe?“ wollte er wissen.
„Hellblau!“ kam es wie aus der Pistole geschossen.
„O.k., das hätte ich jetzt auch gesagt. Wunderbar. Die ist gekauft. Jetzt probier ich aber noch einen Pulli an.“ Doch dann fiel sein Blick auf den Preis. Die wollten ernsthaft 72 Euro dafür? Also nee, so viel Geld ausgeben wollte er nun doch nicht ausgeben. Nicht in Anbetracht der Tatsache, dass er sowieso die meiste Zeit in VG-Klamotten herumlief! Er legte ihn zurück auf den Stapel.
„Doch nicht?“ fragte Nike verwundert.
„Nee!“ Er ging zur Kasse und bezahlte. Das Mädel hinter der Kasse bat ihn auch noch um ein Autogramm, welches er natürlich gerne schrieb.

Vor dem Laden trennten sie sich.
„Ich bin gespannt, was Emma sagt. Erzählst du es mir?“
„Ja, klar! Du bist ja schließlich nicht ganz unschuldig dran!“
Sie grinste und meinte im Weggehen: „Nee nee, gekauft hast DU die!“

Als Sigurd zum Auto kam, saßen Tommy und Tine darin und unterhielten sich.
Er stieg ein und fragte dann: „Wo ist Emma?“
„Die hab ich getroffen, sie sagte, sie würde jetzt nicht mitkommen, sondern noch ein wenig shoppen gehen. Irgendwie war sie schräg drauf!“ Tommy und Sigurd tauschten einen Blick. Sigurd seufzte, zuckte dann die Achseln und startete das Auto.
Als sie gerade aus dem Ort herausfuhren, klingelte Tommys Handy: „Hei, hier ist der Metal-Mann!“ sagte er grinsend.
„Hei, hier ist Roar. Wo seid ihr denn? Ist Siggen auch da? Mika wartet auf uns!“
„Ja, Siggen ist auch hier. Und wir sind schon auf dem Weg!“
„Gut, dann bloß nicht mehr trödeln, ich glaub, der Cheffe ist schon ein wenig ungeduldig!“
„Jaja!“

Eine Besprechung und eine für Sigurd lockere Einheit Krafttraining später, stand er unter der Dusche. Die anderen mussten noch weiter machen. Er war in Gedanken und so erwischte er aus Versehen Roars Shampoo. Hm, das roch gut, fast ein wenig wie das von Emma. Emma. Oh man, er könnte sich immer noch in den Hintern beißen, dass er so gedankenlos gewesen war! Ob sie inzwischen ins Hotel gekommen war? Er beeilte sich nun, um nachsehen zu können.

Als er, noch mit leicht feuchten Haaren, durch die Flur lief, traf er erst mal auf Milla, die wie üblich versuchte, ihn in ein Gespräch zu verwickeln. Aber dafür hatte er jetzt keinen Nerv.
„Tut mir leid, Milla. Ich muss erst mal nach Emma sehen!“ sagte er recht kurz angebunden und ging weiter.
„Ist das die Tussi, die erst mit dir und dann mit Bjørn Einar und dann wieder mit dir rummacht?“ rief sie ihm hinterher.
Er fuhr herum, ging zurück und sagte in gefährlich leisem Tonfall: „Emma ist meine Freundin. Und ich verbitte mir solche Bemerkungen, hast du das verstanden?“ Milla riss die Augen auf, sagte aber nichts weiter. Sigurd war versucht, ihr noch ein paar Takte zu sagen, aber dann entschied er sich anders. Emma war wichtiger.

Er fand die anderen im Billardkeller, aber Emma war nicht da. Und es hatte sie auch keiner gesehen.
„Naja, du weißt doch, wie das mit Frauen und Shopping so ist… das kann dauern!“ meinte Gunnar nur.
„Ich dachte, Emma steht da nicht so drauf!“
„Mh, stimmt, eigentlich nicht. Aber wie ich vorhin schon mal sagte: sie war irgendwie leicht schräg drauf!“ sagte Tine.

Er verschwand wieder nach oben, da sein Handy im Zimmer lag. Dort angekommen wählte er Emmas Nummer. Es wurde langsam dunkel. Vielleicht sollte jemand sie abholen! Es klingelte. Und klingelte. Und sie ging nicht dran. Hörte sie es nicht? Oder wollte sie nicht mit ihm reden? Keine der beiden Möglichkeiten gefiel ihm wirklich. Aber als sie nach dem 25. Klingeln immer noch nicht abgenommen hatte, gab er einstweilen auf.
Um sich abzulenken, räumte er mal ein wenig seinen Kram zusammen, viel war es ja nicht. Als er den einen VG-Pulli faltete, kam ihm wieder der schöne dunkelblaue von Alptraum in den Sinn. Vielleicht hätte er den doch kaufen sollen? Naja, noch waren sie ja ein paar Tage hier. Er holte die Tasche aus der Papiertüte und entfernte das Preisschild. Huch! Was lag da denn noch unten drin? Zwei Buttons mit dem Alptraum-Logo. Er grinste. Witzig!

Dann versuchte er noch mal, Emma zu erreichen. Wieder nichts. Es klingelte zwar, aber das war es auch schon. Vielleicht hatte sie es ja nur lautlos gemacht und bekam es gar nicht mit?

Sollte er einfach mal auf Verdacht rüber fahren und nach ihr suchen? Nein, das war doof. Er legte sich aufs Bett und versuchte zu lesen, aber er konnte sich einfach nicht konzentrieren. Irgendwann gab er auf und versuchte gerade ein drittes Mal, Emma ans Telefon zu bekommen, als die Tür aufging und Roar hereinkam.
„Nanu? Ich hätte wetten können, dass du Billard spielen bist!“ sagte sein Kumpel verwundert.
„Tja, Wette verloren!“ kam es brummig zurück.
„Was ist denn mit dir los? Stress mit Emma?“
„So ähnlich. Sie ist noch nicht da und sie geht auch nicht ans Telefon.“
„Mutierst du jetzt zur Glucke? Wie alt ist Emma? Über 20, richtig? Sie wird doch wohl wissen, was sie tut!“
„Ich geb dir gleich mal Glucke! Man wird sich doch wohl noch Gedanken um seine Freundin machen dürfen!“
„Ja, aber doch nicht um kurz vor sechs! Abendessen ist übrigens auf Sieben verschoben worden.“
„Und? Ich hab eh keinen Hunger!“
„Oh scheisse, Sigurd! Vielleicht solltest du das mit Emma doch lieber lassen! Wenn die dich von Mr. Ausgeglichen in ein Nervenbündel verwandelt, kann das nicht gut sein!“ Sigurd schnaubte nur und stürmte dann aus dem Zimmer. So ein blödes Gelaber konnte er gerade echt nicht gebrauchen!





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...   Erstellt am 01.07.2006 - 11:55Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Als er in Richtung Billard-Keller ging, traf er Liv, die gerade auf der Toilette gewesen war.
„Was ist denn los? Warum bist du vorhin so schnell wieder abgehauen? Haben Torils Blicke dich verscheucht oder wie?“
„Toril? Äh nee. Ich wollte zu meinem Handy. Emma anrufen.“
„Wo ist sie eigentlich?“
„In Oberstdorf.“
„Aha. Allein?“
„Mhm.“
Sie sah ihn prüfend an: „Sigurd? Ist irgendwas?“
„Ja, ich bin so ein selbstsüchtiger Idiot, dass es auf keine Kuhhaut geht!“
„Selbstsüchtig? Du? Alles klar!“
„In dem Fall definitiv! Oder wie würdest du es nennen, wenn ich Emma in eine verdammt peinliche Situation gebracht habe, weil ich zu feige war, selber einkaufen zu gehen?“
„Klingt zumindest ziemlich bescheuert, aber wenn du mir noch ein paar Details nennst, kann ich vielleicht mehr dazu sagen.“ Er stöhnte auf, schloss die Augen und raufte sich die Haare.
„Bevor Emma es dir sowieso erzählt…“
„Pf, wenn das dein einziger Grund ist, kannst du es auch lassen! Und zu deiner Beruhigung, Emma erzählt mir sicher nicht alles! Ich wusste zum Beispiel nicht, dass du ihr erster Freund bist, das hab ich eher zufällig von Solveig erfahren.“
„Na, das passt ja prima zum Thema! ICH wusste das nämlich. Trotzdem hab ich sie losgeschickt, um Kondome zu kaufen.“
„Wie bitte?“
„Ja, ich weiss! Total daneben! Und nicht nur aus dem Grund. Das ist mir jetzt auch klar! Aber in dem Moment hab ich gar nicht groß nachgedacht. Als wir aussteigen wollten, sind da grad so Girlies vorbeigelatscht und die Aussicht, vor denen mit Kondomen an der Kasse zu stehen, hat mich völlig abgeschreckt. Deswegen habe ich Emma gebeten…“
„Und weiter?“
„Tommy hat sie gefunden, hilflos vor dem Regal. Letztendlich hat er welche gekauft.“
„Auch das noch! Die arme Emma! Sie ist bestimmt vor Scham beinahe gestorben!“
„Das fürchte ich auch!“
„Und dann wunderst du dich, dass sie allein in Oberstdorf bleiben will? An ihrer Stelle hätte ich auch keine Lust, Tommy oder dir ins Gesicht sehen zu müssen!“
„Ja, ich weiss ja. Aber das war vor fast 2 Stunden. Und es ist dunkel und…“
„Oberstdorf ist nicht die Bronx! Jetzt reg dich mal wieder ab! Geschieht dir ganz Recht, wenn sie dich ein wenig zappeln lässt! Das war wirklich total daneben, Sigurd!!!“
„Ich weiss doch! Bestimmt ist sie furchtbar sauer auf mich!“ er sah derart unglücklich aus, dass er seiner Cousine schon fast wieder leid tat.
„Entspann dich! Geh ne Runde joggen oder irgendwas! In einer halben Stunde wissen wir sicher mehr!“ Widerwillig trollte er sich.

Kaum war er um die Ecke verschwunden, zog Liv ihr Handy hervor und wählte Emmas Nummer.
„Hei, hier ist Emma. Zum Glück bist DU das und nicht schon wieder Sigurd!“
„Hei. Ist alles klar bei dir? Wo bist du?“ „In Oberstdorf. In einem Cafe. Das macht aber auch gleich zu.“
„Mhm. Soll ich dich abholen?“
„Oh ja, das wäre toll.“ „O.k., kann aber noch ne Weile dauern. So in einer halben Stunde am Bahnhof?“
„Gut.“
„Und sonst, Emma? Ist alles klar?“
„Naja…!“
„Kann ich mir denken! Sigurd hat mir schon erzählt, was er verbockt hat, dieser Depp!“
„Scheisse, Liv, das war sooo unendlich peinlich! Ich dachte echt, ich sterbe!“
„Du Arme! Immerhin bereut er es unheimlich und macht sich voll verrückt deswegen.“
„Soll er ruhig! Das war echt das Letzte!“
„Allerdings. Deswegen darf er ruhig noch ein wenig zappeln! Aber versuch, die Sache mit Humor zu sehen, hm?“
„Mit Humor? Wie das denn? Das war alles andere als witzig!“
„Stimmt. Aber auch kein Weltuntergang!“
Emma schnaubte: „Ich weiss echt nicht, wie ich Tommy jemals wieder ins Gesicht sehen soll!“
„Hat er sich über dich lustig gemacht?“
„Nein, eigentlich nicht.“
„Na also. Dann fand er das sicher genauso blöd von Sigurd wie du und ihr braucht da kein Wort mehr drüber zu verlieren!“
„Ja, das hat er auch gesagt, also, dass das von Sigurd total daneben war. Aber… er weiss jetzt erstens, dass ich keine Ahnung habe und zweitens, dass wir… also, dass er die Dinger für uns gekauft hat. Oh maan!“
„Ich glaub, das erstere ist ihm relativ egal und das Zweite… die Herren sind sowieso versaut von vorne bis hinten, da brauchst du dir keine Sorgen machen, was die denken oder nicht!“
„Das stimmt auch wieder. Aber trotzdem… oh man!“
„Emma! Was willst du denn jetzt machen? Dich bis in alle Ewigkeit verkriechen? Nie wieder mit Sigurd reden?“
„Keine Ahnung.“
„O.k., es war wirklich total daneben, peinlich bis zum Umfallen, aber es geht weiter, ja?“
„Bleibt mir ja nicht viel anderes übrig, oder?“
„Och, du könntest mit Sigurd Schluss machen und direkt nach Oslo fliegen oder so.“
„Was? Quatsch! Niemals!“
„Welches der beiden Teile?“
„Ersteres! Jetzt, wo ich endlich durchblicke und verdammt glücklich bin, soll ich wegen sowas mit ihm Schluss machen? Ich bin doch nicht bescheuert!“
„Aha, da haben wir es! Also, alles in Butter!“
„Du bist unmöglich, Liv!“
„Na und? Ich bin Norwegerin, ich darf das. Außerdem, du weißt doch: der Zweck heiligt die Mittel!“
„Bäääh!“
„Ich hab dich auch lieb! Bis später!“ Grinsend legte Liv auf und schaute auf die Uhr. 20 Minuten würde sie Sigurd noch zappeln lassen, dann durfte er Emma abholen.

Als sie dann zum wiederholten Male an die Zimmertür hämmerte, öffnete ihr Sigurd. Sofort zog er die Stöpsel seines MP3-Players aus den Ohren.
„Und?“ wollte er wissen.
Ohne darauf einzugehen, deutete sie auf die Kopfhörer: „Was ist denn das für ein infernalischer Lärm?“
„Das härteste, was ich dabei habe. Wieso?“
„Kleine Selbstbestrafung?“ Liv grinste.
„Irgendwie muss ich mich ja abreagieren, ohne zu viele Kalorien zu verbrennen! Aber du bist doch nicht hergekommen, um mit mir über Musik zu reden, oder?“
„Och, warum nicht?“
„Liv!“
Sie lachte: „Jaja, schon gut! Fahr nach Oberstdorf und hol Emma ab! Sie denkt allerdings, dass ich komme, also sei auf eine nicht allzu begeisterte Reaktion gefasst. Und sieh zu, dass du dieses Problem aus der Welt schaffst, bevor ihr hier wieder auftaucht, ja? Da wartet dann nämlich schon das nächste in Form von Toril auf euch!“
Sigurd stöhnte: „Erinnere mich bloß nicht daran. Ich hab keine Ahnung, wie ich mich ihm gegenüber verhalten soll.“
„Naja, es wäre schon mal nett, wenn du nicht vor seiner Nase mit Emma knutschen würdest oder sowas in der Art!“
„Das ist doch klar! Auch wenn ich mich manchmal wie ein Idiot benehme, ganz hohl in der Birne bin ich nun auch nicht!“
„Och, Sigurd, das weiss ich doch!“ Sie umarmte ihn spontan, „Und jetzt sie zu, dass du loskommst! Hier ist der Schlüssel!“

Emma stand bereits am Bahnhof und wartete. Als sie den Renault herannahen sah, lächelte sie erfreut. Doch als der Wagen hielt und sie den Fahrer erkannte, prallte sie zurück. Wieso war das Sigurd und nicht Liv? Da sie Liv kannte, kannte sie natürlich auch die Antwort. Eigentlich hatte sie jetzt echt keine Lust darauf, mit Sigurd zu reden, aber andererseits wurde es auch nicht besser, weil sie es länger herauszögerte. Also stieg sie ein.
„Hei!“ sagte Sigurd und lächelte unsicher.
„Hei.“ Sie war froh, dass er nicht versuchte, sie anzufassen oder so, das hätte sie jetzt nicht ertragen. Dafür spürte sie deutlich, dass sein Blick auf ihr ruhte, aber sie sah nicht hin, sondern blickte zu Boden. Bevor er sich selbst zu aufdringlich vorkam, sah er weg. Scheisse war das! Sie saßen einfach nur da, unsicher, schweigend und ohne den anderen anzuschauen. Sollte das jetzt die ganze Zeit so gehen?
Irgendwann hielt er es nicht mehr aus: „Ich… es tut mir leid…“ setzte er an, aber irgendwie beengte ihn der Raum und er brach ab. Er musste sich bewegen, umherlaufen können, sonst wurde das nichts!
„Du, Emma? Sollen wir irgendwo hinfahren und eine Runde spazieren gehen? Ich glaub, wir müssen was besprechen.“ Sie nickte nur. Ja, bewegen war gut.





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...   Erstellt am 02.07.2006 - 12:08Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Sigurd lenkte das Auto zu einem leeren Parkplatz ein ganzes Stück außerhalb. Klar, es war dunkel und kalt, wieso sollte da auch noch viel los sein? Sie stiegen aus und er schlug einen Waldweg ein.

Emma lief schweigend neben ihm her.
Irgendwann sagte er: „Oh man, Emma, das tut mir furchtbar leid! Ich bin echt so ein selbstsüchtiger Idiot!“ Sie sagte nichts dazu.
„Ich versteh mich im Nachhinein selbst nicht mehr, wie ich überhaupt auf die Idee kommen konnte, dich einkaufen zu schicken! Nur weil ich zu feige war, mich ein paar Kreischies zu stellen? Ich hab keinen einzigen Gedanken daran verschwendet, wie das für dich sein muss. So handelt eigentlich niemand, der bis über beide Ohren verliebt ist. Und doch bin ich es. Wenn ich es nur ungeschehen machen könnte, ich würde es sofort tun. Ich… es tut mir wirklich leid, Emma!“ Sie wusste nicht, was sie sagen sollte, sagen wollte. Sie glaubte ihm ja, dass es ihm leid tat und er einfach nicht nachgedacht hatte. Aber ganz so einfach war das nicht, nicht für sie.

„Emma! Bitte! Sag doch was. Irgendwas! Mach mich von mir aus zur Sau oder was auch immer! Aber nicht schweigen, das halt ich nicht aus!“
„Vielleicht bist du echt ein Egoist, Sigurd! Ich soll was sagen, weil du es nicht aushältst? Und was ist, wenn ich aber gerade nichts sagen will? Nicht weiss, was ich sagen soll? Hm?“
„Oh scheisse! SO war das doch nicht gemeint. Ich… ich wollte doch nur…“ er brach ab.

Sie war so abweisend, so wütend. Ihm war ganz flau im Magen. Was, wenn sie nun mit ihm Schluss machen wollte? Er traute sich nicht, sie anzusehen, hatte Angst vor dem, was er in ihrem Gesicht lesen würde. Er biss sich auf die Lippen und ging weiter den Weg entlang. Mit jeder Minute, die sie schweigend nebeneinander herliefen, fühlte er sich elender. Dass sie nichts sagte, das war wirklich wie körperliche Folter. Hatten sie sich jetzt nichts mehr zu sagen? Hatte seine Gedankenlosigkeit ihr gezeigt, dass er doch nicht das war, was sie sich vorgestellt hatte? Oh Gott, bitte nicht! Bitte nicht!

Er schluckte, konnte jedoch nicht verhindern, dass eine Träne seine Wange hinunterlief. Hastig wischte er sie weg. Sie sollte nicht denken, dass er es jetzt auf die heulende Tour versuchen wollte.

Er schielte zu ihr rüber, aber da war gar niemand. Wo…? Er wirbelte herum. Emma hatte sich ein ganzes Stück weiter hinten auf einen Holzstoß gesetzt und er hatte es nicht mal gemerkt, weil er nur mit sich und seinen Gedanken beschäftigt gewesen war. Oh scheisse, er war wirklich ein verdammter Egoist! Vielleicht war es besser, wenn sie mit ihm Schluss machte. Auch wenn es für ihn das Ende war. Er blieb mit hängenden Armen stehen. Was sollte er ihr denn noch sagen? Die nächste Träne ließ sich nicht mehr zurückhalten, aber er versuchte es auch gar nicht. War doch eh schon alles egal! Er drehte sich langsam um und ging den Weg weiter.





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...   Erstellt am 03.07.2006 - 10:13Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Emma sah ihm verblüfft hinterher. Es hatte sie eh schon gewundert, dass es so lange gedauert hatte, bis er überhaupt bemerkte, dass sie nicht mehr neben ihm lief. Und dann stand er erst da wie das letzte Häuflein Elend, nur um sich dann wegzudrehen und wegzugehen? Was war denn da los?

Entschlossen stand sie auf und lief ihm hinterher.
Der Weg hatte eine Biegung gemacht, aber wenig später sah sie ihn. Er stand auf einer Brücke, die Arme auf das Geländer gestützt und das Gesicht darin vergraben. Seine Schultern zuckten. Er weinte?
„Sigurd?“ sie trat leise neben ihn und er schrak zusammen, sah sie jedoch nicht an, sondern hielt sich weiter die Hände vors Gesicht.
„Heh! Was ist denn los?“ Sie stellte sich hinter ihn und legte die Arme um ihn. Nun brach er vollkommen zusammen. Emma legte den Kopf gegen seinen Rücken und streichelte vorsichtig seinen Bauch. Nach einer Weile beruhigte er sich ein wenig und sie wühlte mit der linken Hand in ihrer Jackentasche nach einer Packung Tempos, die sie ihm dann wenig später hinhielt.
„Danke!“ Er wischte sich das Gesicht ab und putzte sich dann die Nase. Nachdem er das Taschentuch in seiner Jacke verstaut hatte, legte er seine Hände leicht auf ihre. Sie angelte danach und verschränkten ihre Finger mit seinen.
„Warum bist du denn weggelaufen? Und warum hast du geweint?“
„Ich… du warst so sauer und abweisend und hast gar nichts mehr gesagt… ich… ich dachte…“
„Was dachtest du?“
„Dass du nichts mehr von mir wissen willst.“ sagte er leise.
„Oh Sigurd! Was wäre denn das für eine Beziehung, wenn das wegen dieser Sache der Fall wäre? Natürlich war es scheisse und ich war sauer, weil alles so unendlich peinlich war. Aber deswegen will ich doch nicht nichts mehr von dir wissen! Wie kommst du denn bloß auf sowas?“
„Weiss nicht. Vielleicht schließe ich von mir auf dich? Du weißt doch, wenn ich wirklich an was zu knabbern habe, wie zum Beispiel an Mikas Vorgabe, mich zwischen dir und Skispringen entscheiden zu müssen, dann sag ich erst mal gar nichts mehr. Und du hast auch gar nichts mehr gesagt, warst offenbar sauer. War es da nicht logisch, dass du nur überlegen konntest, ob es überhaupt eine gute Idee war, was mit mir anzufangen?“
„Die beste Idee, die ich je hatte, du dummer Kerl!“ sagte sie zärtlich und ließ ihn los, aber nur, um sich vor ihn zu stellen und ihn anzusehen. Er war natürlich furchtbar verheult, aber das war ihr sowas von egal!
„Jetzt hör mir mal gut zu, du Dummkopf! Ich hab dich furchtbar lieb, ich verlass dich doch nicht wegen so einem Kram, hast du das verstanden?“ Er nickte und versuchte ein Lächeln.
„Ich geb dich überhaupt nicht wieder her, merk dir das!“ Damit trat sich dichter an Sigurd heran und schlag die Arme um ihn. Er tat das gleiche bei ihr und vergrub sein Gesicht in ihren Haaren.
„Ich könnte es auch gar nicht ohne dich aushalten!“ murmelte er leise. Lange standen sie einfach nur da, hielten sich fest umschlungen und genossen die wieder gewonnene Gegenwart des anderen.

Als sie dann Hand in Hand zum Auto zurückliefen, fragte er: „Reden wir noch mal drüber?“
„Über was?“
„Meine Gedankenlosigkeit?“
„Willst du? Ich denke, es ist alles gesagt, oder? Du weißt, dass es scheisse war und mir verdammt peinlich. Und ich weiss, dass es dir furchtbar leid tut und du sowas sicher nicht nochmal machen wirst. Reicht doch, oder?“
„Ja, mir auf jeden Fall. Aber ich dachte, du möchtest vielleicht noch was zu dem Thema loswerden.“
„Ich grüble höchstens, wie ich es je schaffen soll, Tommy zu begegnen ohne an die Sache denken zu müssen.“
„Mh, das hat er schon befürchtet.“ „Naja, ist ja auch nahe liegend, oder?“
„Ja. Aber ich glaube nicht, dass er das noch mal von sich aus irgendwie anbringen wird. Er ist zwar ein alter Scherzkeks, aber nicht mit so Sachen, da brauchst du keine Angst zu haben!“
„Nein, das meinte ich auch gar nicht. Ich finde es halt unangenehm, dass er erstens weiss, dass ich keine Ahnung habe und zweitens, dass er weiss… also, … dass wir Kondome gekauft haben…“ Sie sah zu Boden.
„Also, ersteres findet er, glaube ich, nur Recht und Billig! So wie ich ihn verstanden habe, ist es nämlich für ihn das Allerletzte, eine Frau Kondome kaufen zu lassen. Deswegen ist es völlig normal für ihn, dass du keine Ahnung hast. Den Punkt kannst du also schon mal abhaken. Und den zweiten, nun ja... Du weißt doch, wie die anderen so drauf sind, die rechnen sowieso damit, dass wir früher oder später Sex haben werden. Also macht das eigentlich auch keinen Unterschied.“
„Klingt logisch. Darf ich es trotzdem noch peinlich finden?“
„Natürlich. Ganz wertfrei fühle ich mich dabei ja auch nicht!“ gab er zu.
„Ach?“
„Jaha. Wie du wissen solltest, habe selbst ich sowas wie Gefühle.“
„Blödi!“
„Magst du noch was Schönes sehen?“
„Was denn?“
„Warts ab!“ Anstatt ins Auto zu steigen, ging er mit ihr die Straße entlang. Es war ganz still und der Schnee knirschte unter ihren Schuhen, da sie weiter am Rand lief als Sigurd. Dann bogen sie auf einen Weg ab, der zunächst parallel zur Straße weiter verlief. In der Ferne konnte man Lichter erkennen.
„Ist das da der nächste Ort?“ wollte Emma wissen, aber Sigurd zuckte nur die Achseln.
„Du weißt es nicht?“
„Doch, natürlich! Aber ich verrate es nicht!“ Von weitem sah sie dass es zwar wirklich eine Beleuchtung war, aber Häuser konnte sie keine entdecken. Was da wohl angestrahlt wurde? Wenig später standen sie dann am Auslauf der Heini-Klopfer-Skiflugschanze.
„Was ist denn das für ein Riesen-Ding?“ fragte Emma entgeistert.
„Die Flugschanze von Oberstdorf. Und während der WM extra abends nett beleuchtet.“
„Hat was, ja.“
„Und wir sind ganz allein!“
„Jetzt sag aber nicht, du willst hier im Auslauf…“ Er prustete los.
„Nicht wirklich, keine Sorge! Aber ich hab dich schon verdammt lange nicht mehr geküsst und das tue ich am liebsten ohne Zuschauer!“ Er wartete ihre Antwort erst gar nicht ab, sondern legte seine Lippen auf ihre.

Als sie im Auto saßen, knurrte Emmas Magen und Sigurds schloss sich diesem wenig später an. Sie lachten.
„Weißt du, worauf Liv mich hingewiesen hat?“
„Nein. Aber mit der hab ich noch ein Hühnchen zu rupfen! Sagt mir, dass sie mich abholen kommt und dann schickt sie dich!“
„Was, echt? Das wusste ich nicht!“
„Natürlich nicht. Das ist doch mal wieder typisch deine Cousine, oder? Sie kann es nicht haben, wenn wer irgendein Problem hat, das muss umgehend gelöst werden.“
„Ja, nur ihr eigenes mit Bernar…“
„Naja, ich weiss ja nicht, wie es heute war, aber gestern sind die doch ganz gut klargekommen, oder?“
„Ja, schon. Aber ich glaub da irgendwie noch nicht so ganz dran… Aber was ich eigentlich sagen wollte, wegen Liv…“
„Ja? Sorry, hab dich da ganz rausgebracht!“
„Kein Problem. Sie hatte mich darauf hingewiesen, dass wir ja noch das erste Aufeinandertreffen mit Toril vor uns haben.“
Emma stöhnte: „Oh shit, ja! Das hatte ich bis eben richtig erfolgreich verdrängt.“
„Mhm, ich bis vorhin auch. Aber ich hab keine Ahnung, wie wir uns verhalten sollen. Ich meine, dass wir nicht vor seinen Augen die ultimative Kuss-Session abziehen, versteht sich von selbst, aber sonst…?“
„Wir sind einfach ganz normal.“
„Definiere normal!“
„Na, so wie wir uns halt einfach verhalten. Ich denke nicht, dass wir uns irgendwie verstellen sollten, zum Beispiel absichtlich nicht nebeneinander setzen oder so.“
„Nein, das würde es sicher nur schlimmer machen, weil ich dann die ganze Zeit zu dir rüberschmachten müsste!“ Sie lachte.
„Siehst du! Nein, abgesehen davon, dass wir uns wirklich nicht vor seiner Nase küssen sollten - und vor den Nasen der anderen auch nicht, wenn wir schon dabei sind - finde ich, sollte es keine Einschränkungen geben.“
„Was ist mit Händchen halten?“
„O.k., denke ich. Oder?“
„Ja.“
„Oh man, ich wünschte, wir hätten es schon hinter uns!“
„Ich auch. Aber das Schlimmste ist ja, dass es mit einer Begegnung nicht getan ist. Er wird jedes Mal leiden, wenn er uns zusammen sieht. Und zwar so lange, bis seine Gefühle für dich von ‚verliebt’ auf ‚normal’ zurückgeschaltet haben. Das kann dauern!“
Sie seufzte: „Ja, ich weiss. Es tut mir ja auch wirklich leid für ihn, aber ich bin nun mal in dich verliebt und nicht in ihn.“
„Ich weiss!“ Er strich ihr lächelnd über die Wange.





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...   Erstellt am 04.07.2006 - 12:16Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Als sie dann in den Speisesaal kamen, war von den anderen weit und breit nichts mehr zu sehen. Dafür waren Milla und Co. da. Emma war überrascht, dass Sigurd das Winken komplett ignorierte, aber sie hatte natürlich kein Problem damit.
Sie setzten sich nicht an den großen runden Tisch, den die Norweger sonst immer hatten, sondern an einen kleineren.
Die Bedienung kam und sagte: „Hallo, Herr Pettersen. Die anderen haben schon gegessen. Bekommen Sie das gleiche oder eine Karte?“
„Die Karte bitte.“ Wenig später hatten sie ausgewählt und unterhielten sich.
„Weißt du schon, wie dein Tag morgen aussieht?“
„Ja, wir hatten vorhin eine Besprechung, vor dem Krafttraining.“
„Hast du da auch mitgemacht?“
„Ja, aber nur ein wenig, die Hälfte etwa. Somit war ich schon duschen, während die anderen noch gerackert haben.“
„Blöd.“
„Ja, aber was soll ich machen?“
„Nee, kannst du ja nichts für. Und was steht morgen an?“
„Sprungtraining auf der großen Schanze. Drei Sprünge, um genau zu sein. Zwei Vormittags und einer am Nachmittag, schätze ich. Sonst nur ein wenig lockeres Training, Volleyball gegen die Finnen.“
„Echt? Darf ich da zugucken?“
„Aber nur, wenn du nicht zu sehr sabberst!“
„Ich sabbere nicht!“
„Auch nicht bei Janne?“
„Sag mal, wie oft muss ich dir das noch sagen: ich finde seine Leistungen toll. Ansonsten steh ich da weitaus mehr auf dich!“ Ein zufriedenes Lächeln überzog sein Gesicht.
„Du bist echt ein elender Komplimente-Geier, weißt du das, du unmöglicher Norweger?“
„Das kann nicht sein! Ich sammle nämlich nur Komplimente, die mir meine Emma macht!“ Nun war es an ihr, glücklich zu lächeln.

Nach dem Essen gingen sie auf der Suche nach den Anderen als erstes in den Billardkeller, aber der war verwaist. Sie klopften bei Bjørn Einar und Daniel, aber keine Antwort. Und auch Roar war nicht im Zimmer. Sigurd legte seine Jacke über den Stuhl.
„Wollen wir jetzt auf die Suche gehen?“
„Nee! Die könnten doch sonst wo sein! Ich brauch mal ne Pause!“ Sie ließ sich auf Sigurds Bett fallen und machte sich lang.
„Heh! So passe ich da aber gar nicht mehr hin!“
„Na und?“
„Das ist mein Bett, Frau Wegener!“
„Ach, wirklich, Herr Pettersen?“
„Ja, wirklich!“ Sie bewegte sich keinen Millimeter, sondern schloss die Augen. Er überlegte kurz, dann nahm er Anlauf und sprang aufs Bett. Emma fuhr erschreckt hoch und blickte direkt in Sigurds grinsendes Gesicht.
„Du machst meinem Vorurteil mal wieder alle Ehre, weißt du das?“
„Vorurteil?“
„Naja, du weißt doch, Norweger sind unmöglich…“ Weiter kam sie nicht, denn er startete mal wieder eine Kitzelattacke. Inzwischen traute sie sich eher, sich zu wehren und ihn dafür auch mal wirklich anzufassen, so dass er es nicht mehr ganz so leicht hatte, wie zuvor. Sie alberten weiter herum und irgendwann bekam Emma, die schon recht weit an der Kante saß, Übergewicht nach Hinten und obwohl Sigurd sie halten wollte, rutschte sie dann doch halb aus dem Bett. Es knisterte und raschelte, als sie dabei eine Tüte unter sich begrub. Sigurd grinste in sich hinein. Auch eine Methode, ihr die Tasche zu überreichen, er hatte schon die ganze Zeit über einen passenden Zeitpunkt und das ‚wie’ nachgegrübelt.
„Oh, hups! Wo bin ich denn da drauf gefallen? Da war doch hoffentlich nichts drin, was kaputt geht, oder?“
„Schau halt nach!“ sagte er in relativ unbeteiligtem Tonfall und ließ sich scheinbar erschöpft flach aufs Bett sinken. Emma rutschte zur Seite und zog die Papiertüte unter sich hervor.
Als sie das Logo erblickte, sagte sie: „Du warst auch in dem Laden? Die haben tolle Sachen da, oder? Was hast du denn gekauft?“ Sie warf einen Blick hinein und stutzte. Er kaufte sich eine hellblaue Tasche?
Sie sah ihn irritiert an und er musste lachen: „Schau nicht so entsetzt! Ich steh nicht auf kleine Täschchen! Aber ich habe eine Freundin, die das hoffentlich tut!“
Es dauerte ein paar Sekunden, bis Emma hinter die Bedeutung dieser Aussage gekommen war, dann zog sie strahlend die Tasche hervor: „Für mich? Die ist total schön! Ich hab schon die ganze Zeit nach so etwas in der Art gesucht, DANKE, Sigurd!“
„Dann passt das ja wie die Faust aufs Auge. Schön! Aber eigentlich ist das nur eine minderwertige Wiedergutmachung für den Alptraum im Drogeriemarkt…“ erklärte er.
„Minderwertig? Alptraum ist eine ziemlich teure Marke!“
„Ich weiss! Aber meine Gedankenlosigkeit und das, was deshalb passiert ist, lässt sich nicht mit Geld bezahlen!“
„Du bist süß, weißt du das?“
„Nö!“ Sie krabbelte wieder zu ihm aufs Bett, um ihn erst einmal zu küssen.
„Vielen Dank, Sigurd!“
„Sehr gern. Gehen wir da noch mal zusammen hin, in den Laden? Ich hab da so einen schönen Pulli gesehen… eigentlich war der mir zu teuer, aber der spukt mir immer noch im Kopf herum…“
„So ein toller dunkelblauer mit rot-weisser Schrift?“
„Woher weißt du das?“ er sah sie entgeistert an.
„Weiss ich gar nicht, aber den fand ich auch total schön und hab mich erst geärgert, dass es den nicht für Frauen gibt. Dann ist mir eingefallen, dass ich den ja dir aufschwätzen könnte.“ Sie piekste ihn in den Bauch, „Muss doch schließlich für was gut sein, dass ich jetzt einen Freund habe!“ fügte sie frech grinsend an.
„Nur dafür, ja? Und was ist hiermit?“ Er zog sie in seine Arme, um sie zu küssen. Die Art und Weise, wie sie darauf reagierte, war ihm Antwort genug.

Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und sie fuhren auseinander.
Roar sah sie zuerst überrascht und dann breit grinsend an: „Oh, sorry, ich wollte nicht stören. Hol nur grad meinen Foto…“ Er ging zu seinem Rucksack und wühlte darin herum. Emma war rot geworden.
Sigurd fragte: „Deinen Foto? Gibt’s was zu sehen?“
„Tommy und Tine beim Haare grün machen!“
„Was?“ Emma verschluckte sich beinahe, „Wieso das denn?“
„Irgendeine Wette, frag mich nicht, die sind derart albern, dass nicht wirklich viel aus ihnen herauszubekommen ist!“ Emma und Sigurd tauschten einen Blick, dann standen sie auf. Roar hatte inzwischen seinen Foto gefunden und ging wieder zur Tür, die anderen beiden im Schlepptau.

Das Zimmer von Lars und Tommy war voller Leute: Liv und Bjørn Einar saßen an die Wand gelehnt auf dem Boden, Gunnar auf dem einzigen Stuhl. Daniel lehnte sich an die Wand, während Tine, Tommy und Lars auf dem Bett hockten.
„Ach nee, wer kommt denn da?“ fragte Lars grinsend, als er Emma und Sigurd hinter Roar erspähte. Liv warf einen prüfenden Blick auf sie, aber seinem Strahlen nach war da alles geklärt. Sehr gut!
Emma dagegen wartete ängstlich gespannt auf eine Reaktion von Tommy, aber der lächelte nur und sagte: „Hei.“ Sofort ging es ihr wieder besser und sie setzte sich neben Liv. Roar machte schon mal ein paar Fotos.
„Hör mal, Fräulein Holmberg, mit dir habe ich ja noch ein Hühnchen zu rupfen!“ sagte Emma und versuchte, ein böses Gesicht zu machen.
„Mit mir?“ Liv tat ganz unschuldig.
„Jaha!“
Emma legte ihr die Hände um den Hals und deutete ein Würgen an: „Sagen, dass du mich abholst und wer taucht auf? Dieser unmögliche Kerl!“ Sie deutete mit dem Kinn auf ihren Freund.
„Beschwer dich nicht, hat doch genützt, oder etwa nicht?“
„Ja, hat es. Trotzdem!“
„Ich bin eben Norweger, du weißt, was das heißt!“
„Heh. Und ich bin auch einer und ich verbitte mir das!“ mischte sich Bernar ein.
„Pff!“ machte Liv, „DU musst grad was sagen, du bist doch der Unmöglichste von allen!“ Damit zerstrubbelte sie ihm liebevoll die Haare. Emma sah zu Sigurd und der zog eine Augenbraue nach oben. Er hatte es doch gewusst!

Tine und Tommy stritten derweil, wer zuerst herhalten sollte.
„Ich bin jetzt mal der Schiri und bestimme, dass Tommy zuerst seine Strähne bekommt!“ sagte Lars.
„Wieso das denn? Es heißt doch, Ladies first!“ beschwerte sich sein Kumpel.
„Lady Tommy!“ kicherte Daniel und erntete dafür einen mörderischen Blick.
„Nein, so doch nicht! Der Spruch stimmt, weil Tine zuerst sprühen darf, so einfach ist das!“ erklärte Lars.
„Wieso denn überhaupt?“ wollte Emma wissen. Tine und Tommy tauschten einen Blick und fingen dann an zu lachen.
„So geht das schon die ganze Zeit!“ sagte Roar und rollte grinsend mit den Augen, „Wir haben alle schon versucht, es heraus zu finden, aber die lachen immer nur!“ Emma schüttelte amüsiert den Kopf.
„Mir scheint, wir haben da heute was verpasst!“ sagte sie zu Sigurd.
„Offenbar.“ gab der zurück.
„Wo sind eigentlich Toril und Solveig?“ fragte Emma dann, da ihr gerade aufgefallen war, dass die beiden fehlten.
„Irgendwo Party machen. Ihnen war danach…“ „Ich könnte ja jetzt mal wieder meinen Beziehungsrevival-Spruch anbringen…“ sagte Gunnar grinsend.
„Und ich glaube da immer noch nicht dran. Aber wenn es Toril hilft, ist mir fast alles recht!“ entgegnete Liv. Emma nickte. Sigurd wurde es zu blöd, da allein rumzustehen und er setzte sich neben seine Freundin.

Tine hatte inzwischen eine Strähne von Tommys langen Haaren abgeteilt.
„Und wie machen wir das jetzt, ohne, dass hier alles rundrum grün wird?“
„Am besten im Bad!“ meinte Gunnar.
Sie standen auf und wollten ins Bad gehen, aber Roar sagte: „Stop! Bitte erst noch ein ‚vorher-Bild’!“ Tine stellte sich brav neben Tommy und die beiden lachten mal wieder albern in die Kamera. Emma schmunzelte, da hatten sich ja offenbar zwei Spaßvögel gesucht und gefunden! Auch im Bad ging das Gelächter weiter, immer mal unterbrochen von einem wüsten Fluch von Tommy. Erst fand er, dass das Zeug stinke, dann befürchtete er ein grünes Gesicht und irgendwann schnauzte Tine, er solle sich gefälligst nicht so anstellen. Die im Zimmer verbliebenen hatten daran natürlich auch ihren Spaß.
„Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich fast denken, die haben was geraucht!“ meinte Daniel irgendwann.
„Die waren schon fast den ganzen Tag so,“ merkte Gunnar an, „und soo lange wirkt Gras nun auch wieder nicht!“
„Hört hört, Meister Gunnar spricht!“ frozzelte Lars.
Dann war offenbar Tine an der Reihe, denn Tommy murmelte etwas von komischer Haarkonsistenz und Frauen. Tine lachte nur. Dann hörte man ein Sprühgeräusch und wenig später tauchten die beiden wieder im Zimmer auf, jeweils mit einer quietschgrünen Haarsträhne ausgestattet.
„Wunderbar, und jetzt das ‚nachher-Foto’!“ freute sich Roar.
„Kannste sicher für viel Geld an die VG verkaufen!“ lästerte Daniel. Tine und Tommy sahen sich kurz an und ehe es sich die anderen versahen, hatte Tommy seinen Kameraden in den Schwitzkasten genommen, während Tine in aller Ruhe seine Haarspitzen grün besprühte. Daniel fand das nicht gerade lustig und schimpfte wie ein Rohrspatz. Roar hielt auch das natürlich mit seinem Foto fest. Als sie mit Daniel fertig waren, verschwand der sofort im Bad, um die Bescherung zu betrachten.
Mit einem schiefen Grinsen kam er zurück: „Naja, hätte schlimmer sein können!“ meinte er. Dann kam Lars an die Reihe. Tommy hielt auch ihn fest und Tine machte ihm ein paar grüne Punkte auf die blonden Haare, aber dann war die Farbe leer.
„Geil, ein einseitig gepunkteter Lars!“ kicherte Bernar.
„Sei du nur froh, dass die Farbe leer ist!“ grummelte Lars, „Dein Konto war vorhin schon voller als voll!“ Bernar streckte ihm die Zunge heraus. Alle lachten.





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