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sjoe gollum: "My preciiiiious"
    

Status: Offline Registriert seit: 23.03.2006 Beiträge: 4920 Nachricht senden | Erstellt am 24.07.2007 - 13:41 |  |
Eigentlich war es schon reichlich spät, als die Besprechung fertig war, aber anstatt sie direkt auf die Zimmer zu schicken, sagte Mika nur: „Macht nicht mehr so lange!“
Dann verschwand er. Die Springer tauschten verwunderte Blicke. Morten, Anders, Henning und Bjørn Einar folgten dem Beispiel des Trainers, aber der Rest blieb noch sitzen.
„Boah, bin ich faul! Ach ja, Sig, muss ich heute eigentlich wieder auswärts schlafen? Sag’s gleich, damit ich auf dem Weg nach oben zur Not noch an der Rezeption nach einem Zimmer fragen kann.“ meinte Roar grinsend. Tommy und Lars gröhlten.
„Quatsch, morgen ist ein Wettkampf!“ schüttelte Sigurd abwehrend den Kopf.
„Stimmt, du bist ja nicht Romøren!“ frotzelte Lars.
„Wo ist DER überhaupt hin?“ wollte Tommy wissen.
„Keine Ahnung, er hat nichts gesagt“, antwortete Daniel.
„Apropos gesagt! Hat Mika eigentlich was zu dir gesagt, wegen Emma heute Morgen?“ wollte Roar dann wissen.
„Naja, nur, dass das nicht einreissen sollte, mehr nicht.“
„Wow! Naja, der Liebling vom Chef halt!“ Lars grinste breit. Sigurd verdrehte die Augen.
„Neid der Besitzlosen, wie?“ mischte Daniel sich ein.
„Hat wer mit dir geredet, Forfang?“ schnappte Lars, „Erzähl lieber, ob Bernar Liv jetzt endlich flachgelegt hat.“ Daniel zuckte mit den Schultern. Woher sollte er das wissen?
„Ich wäre dankbar, wenn du ein wenig respektvoller über meiner Cousine sprechen würdest!“ mahnte Sigurd mit einer hochgezogenen Augenbraue an, „Und für den Fall, dass du es noch nicht gemerkt hast, Bernar ist in der Sache ziemlich anders drauf, als sonst.“
„Als ob der sowas merkt!“ Daniel zwinkerte Sigurd zu. Roar lachte.
„Forfang, übertreib es nicht!“ Lars hob warnend seinen Zeigefinger.
„Wann kommt Tine? Weißt du das, Siggen?“ wechselte Tommy das Thema.
„Dienstag oder Mittwoch. Eigentlich wollte Emma deswegen heute Morgen mal nach Mails gucken, aber irgendwie…“
„Hattet ihr besseres zu tun?“ Lars grinste mal wieder breiter als breit.
„Ja, Roar zur Tür reinlassen.“ entgegnete Sigurd kühl.
„Manchmal übertreibst du es wirklich, Lars!“ Roar schüttelte missbilligend den Kopf, „Oder liegt das etwa daran, dass du selbst gerade akuten Notstand ohne Aussicht auf Besserung hast?“ Lars bekam leicht rote Wangen und sah zu Boden, was Daniel beinahe zu einem Lachflash brachte. Tommy schickte ihm einen wütenden Blick, was aber eher dafür sorgte, dass er noch ärger lachen musste.
„Komm, wir gehen, bevor der noch vor Lachen umfällt und Mika uns deswegen Ärger macht!“ sagte er zu seinem Freund und die beiden verließen den Besprechungsraum.
Roar schüttelte den Kopf, als Daniel nicht aufhören wollte, zu lachen.
„Soo witzig war das jetzt auch wieder nicht.“
„Hast du ne Ahnung! Was glaubst du, warum er rot geworden ist?“
„Weil ich den Nagel auf den Kopf getroffen habe. War ja auch nicht sonderlich schwierig.“
„Das auch. Aber ich könnte wetten, dass es Hauptsächlich war, weil er dabei an Tine gedacht hat.“
„Möglich. Und das ist witzig?“
„Schon.“
Roar schnaubte: „Ich kann mir witzigeres vorstellen. Kommt Emma eigentlich mit nach Planica?“ wandte er sich dann an Sigurd.
„Nein. Erstens ist Tine ja da und zweitens hat sie ja auch Uni. Und sie hat schon oft genug wegen mir gefehlt, dann noch der Urlaub demnächst… Das ist eh schon hart an der Grenze.“
„Mh, klar. Schade.“
„Allerdings. Ich kann mir das gar nicht vorstellen, schon wieder von ihr getrennt zu sein.“
„Naja, die paar Tage! Danach ist doch erst mal Urlaub angesagt und bis der Sommer-Grand-Prix losgeht, bist du doch auch die meiste Zeit zu Hause.“
„Ja. Und danach hab ich mich so sehr dran gewöhnt, dass ich noch mehr leide. Und Emma auch. Blöder Kram!“
Roar sah seinen Zimmergenossen erschrocken an: „Du überlegst jetzt aber nicht, deswegen aufzuhören, oder?“
„Quatsch, das steht überhaupt nicht zur Debatte! Ich bin nun mal Skispringer, so ist das eben. Ich höre auf, wenn es nicht anders geht oder ich keine Motivation mehr habe.“
„Naja, das klang aber eben schon stark danach, dass du möglicher Weise an akutem Motivationsmangel leiden wirst, oder?“
„Ach was!“
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sjoe gollum: "My preciiiiious"
    

Status: Offline Registriert seit: 23.03.2006 Beiträge: 4920 Nachricht senden | Erstellt am 25.07.2007 - 13:59 |  |
Das Telefonat mit Tine hatte Emma wieder an den bevorstehenden Urlaub mit Sigurd erinnert. Schon als sie das letzte Mal bei den last-minute-Angeboten geschaut hatten, war ihr aufgrund der Preise beinahe schlecht geworden. Aber alles, was halbwegs günstig war, hatte auch gleich solche gravierenden Nachteile gezeigt, dass sie sich schließlich zähneknirschend darauf geeinigt hatten, das zu nehmen, was ihnen zusagte.
Und den Preis, bis zu einem gewissen Rahmen versteht sich, erst einmal aussen vor zu lassen. Sie hatte zwar keine Ahnung, wie sie ihm das jemals zurückzahlen sollte, aber das musste eben gehen! Auf keinen Fall würde sie ihn das komplett bezahlen lassen!
Naja, vielleicht fand sich ja am morgigen Abend noch was halbwegs Günstiges.
Ausserdem war sie sehr gespannt darauf, wo es dann letztendlich hingehen würde. Das südlichste Land, in dem sie bisher gewesen war, war Italien. Einmal im Urlaub mit ihren Eltern in den Dolomiten und einmal auf Abschlussfahrt in Rom. Würde es eine Insel werden? Im Mittelmeer? Oder im Atlantik? Oder doch eher Festland? Griechenland fände sie ja ganz reizvoll, aber da hatte es beim letzten Mal nur ein Angebot gehabt und das war nicht wirklich toll gewesen. Mal sehen, ob es morgen eine bessere Auswahl geben würde.
Und dann, Urlaub. Mit Sigurd. Einerseits freute sie sich schon furchtbar darauf. Mit ihm einschlafen und aufwachen. Den ganzen Tag miteinander verbringen. Ohne Training oder Springen, Mika oder die anderen Springer. Nicht dass sie das störte, ganz im Gegenteil, das gehörte irgendwie einfach zu Sigurd, aber die Aussicht gefiel ihr dennoch.
Andererseits – was, wenn sie sich dann nach ein paar Tagen auf den Geist gingen? Oder Sigurd feststellte, dass sie doch nicht so das war, was er sich vorgestellt hatte?
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sjoe gollum: "My preciiiiious"
    

Status: Offline Registriert seit: 23.03.2006 Beiträge: 4920 Nachricht senden | Erstellt am 26.07.2007 - 13:14 |  |
Liv stand im Bad und putzte sich die Zähne, als es klingelte. Wer war denn das jetzt noch? Um diese Uhrzeit? Merkwürdig! Eilig spuckte sie die Zahncreme aus und nahm einen Schluck aus dem Becher. Nachdem sie sich den Mund abgewischt hatte, ging sie hinaus, um die Tür zu öffnen.
Gespannt blickte sie ins Treppenhaus, bereit, jederzeit schnell wieder in ihrer Wohnung zu verschwinden, wenn das irgendeine dubiose Gestalt wäre. Zwar war das bisher noch nicht vorgekommen, aber man konnte ja nie wissen! Das war eben der Nachteil, wenn man keine Gegensprechanlage hatte und allein wohnte!
Doch der blonde Haarschopf, der wenig später erschien, war alles andere als eine Bedrohung.
„Bernar! Was machst du denn hier?“ fragte sie überrascht.
„Na, wir müssen doch noch über gestern Abend reden. Außerdem hatte ich Sehnsucht nach dir!“
„Aber… hast du mal auf die Uhr geschaut?“
„Ja. Gehst du ins Bett?“ Damit spielte er auf ihren blaukarierten Pyjama an.
„Ich war gerade dabei, mich fertig zu machen, ja.“
„Lässt du mich trotzdem rein?“
„Ja, klar.“ Sie trat einen Schritt beiseite, so dass er eintreten konnte. Bjørn Einar schloss die Tür hinter sich, dann umarmte er Liv.
„Hei. Alles in Ordnung bei dir?“ fragte er dann.
„Ja. Geht. Und bei dir?“
„Naja, so richtig zufrieden war Mika mit unseren Quali-Ergebnissen nicht.“
„Mhm, das kann ich mir vorstellen. Und trotzdem bist du hier?“
Er lachte: „Glaubst du, das weiss er?“
Liv schüttelte mit tadelndem Blick den Kopf: „Und was, wenn er das rausfindet?“
„DANN hab ich ein Problem! Aber ich denke nicht, dass das passieren wird. Wie auch?“
„Dumme Zufälle gibt es immer!“
„Ja, stimmt schon. Tja, dann hoffe ich eben drauf, dass es keinen haben wird.“ Sie nickte zustimmend, denn für alles andere war es jetzt sowieso schon zu spät. Und sie freute sich ja auch, dass er da war.
„Möchtest du etwas trinken?“
„Oh ja, gern. Einfach einen Schluck Wasser.“ Sie holte zwei Gläser und eine Kanne mit Wasser aus der Küche und stellte alles auf den kleinen Tisch. Dann setzte sie sich auf die Couch und breitete eine Decke über sich.
Bjørn Einar setzte sich neben sie.
„Mh, wegen gestern Abend…“ fing Liv zögernd an.
„Ja?“
„Ich… leider hab ich da so ein paar dunkle Stellen…“
„Dunkle Stellen?“ er verstand nicht ganz.
„Naja, du kannst es auch Filmrisse nennen. Ich erinnere mich jedenfalls nicht mehr an alles. Und das, was ich noch weiss…“ Sie wurde rot und betrachtete das Muster der Fleecedecke.
„Du hattest halt Einiges intus.“
„Ja, vielen Dank, DAS weiss ich selbst!“ Schließlich hatte sie noch bis zum späten Nachmittag an den Folgen gelitten und bei ihren Eltern erst noch mal eine ganze Zeit lang geschlafen.
„Och, Süße! Das war eine Feststellung und kein Vorwurf!“
„Mh. Und was war jetzt?“
„Gestern Abend?“
„Ja.“
„Naja, du warst irgendwann ziemlich durch und ich hab dir eine Pause verordnet. Da du sehr anhänglich warst, sind wir in Richtung mein Zimmer…“
„Und dann?“ daran erinnerte sie sich noch, aber nicht an das, was dort gewesen war.
„Dir war warm und du hast Hose und Pulli ausgezogen. Aber, meine Fresse, du hast auch geheizt! Ich hab mir fast schon Gedanken gemacht, dass du Fieber hast. Aber es war wohl nur so, dass der Alkohol deine Adern und Venen weit gestellt hatte. War ein ziemlicher Kampf, dich dazu zu bekommen, mich loszulassen, damit ich mich auch ausziehen konnte.“
„Ausziehen?“ sie schluckte.
„Naja, was glaubst du, wie warm es mir war, mit dir kleinem Heizofen zusammen unter der Decke?“ Er sah sie liebevoll von der Seite an.
„Das… das war alles?“
„Wie, alles?“
„Wir haben nicht…?“
„Was? Miteinander geschlafen? Nein.“
Erleichtert atmete sie auf und er sah sie verwundert an: „Hast du das wirklich geglaubt?“
Liv zuckte mit den Achseln: „Ich erinnere mich daran, dass wir irgendwo langgegangen sind und zwar ziemlich eng umschlungen. Und ganz dunkel, dass da was mit einem Kuss war…“
„Da trügt dich deine Erinnerung nicht. Wie gesagt, du warst ziemlich anhänglich und bevor du dann eingeschlafen bist auch… mh… recht offensiv.“
„Oh!“ erneut vertiefte sich ihre Gesichtsfarbe, „Tut mir leid!“
„Schon gut.“
„Nein, ist es nicht. Ich meine, ich weiss doch, wie es dir geht und dann sowas. Das ist doch voll daneben!“
„Voll daneben wäre es gewesen, wenn du das nüchtern und als Spielchen abgezogen hättest, Süße. Aber du warst hacke, da kann das schon mal passieren.“
„Trotzdem!“
„Komm, lass gut sein. Ich mag es nicht, wenn du dich selbst zerfleischst!“
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sjoe gollum: "My preciiiiious"
    

Status: Offline Registriert seit: 23.03.2006 Beiträge: 4920 Nachricht senden | Erstellt am 27.07.2007 - 13:28 |  |
„Aber…“
Sie brach ab, als sie seinen Blick sah und fragte stattdessen: „Und warum bist du nicht drauf eingegangen?“
„Auf was? Deine Offensive?“
„Ja.“
„Naja, warum wohl? Nicht, dass ich gänzlich abgeneigt wäre, überhaupt nicht. Aber wenn dann hätte ich das gern mit DIR und nicht mit deinem besoffenen Zerrbild.“ Er sah leicht verlegen zu Boden.
„Oh Bjørn!!!“ Sie rutschte näher an ihn heran und lehnte den Kopf an seine Schulter.
„Hm?“ seine Stimmte klang unsicher.
„Na, wie viele Leute hätten in dem Fall die Wette verloren? Es geht hier schließlich um den womanizer Romøren!“
Oh, so meinte sie das?
„Ja, aber nicht nur um den. Sondern auch um Liv Holmberg. Und die ist was verdammt Besonderes!!!“ Er legte den Arm um sie und Liv sah ihn von unten herauf an. Er versank förmlich in diesem Blick. Alles wurde irrelevant, Zeit, Ort, Umstände. Einfach alles. Irgendwann, er konnte nicht sagen, ob es Minuten oder Stunden später war, nahm sie ihm vorsichtig die Sonnenbrille, die er nach oben in seine Haare geschoben hatte, ab und legte sie auf den Tisch.
Dann rutschte sie noch ein Stück näher und strich ihm erst über die Wange, dann durch die Haare und schließlich küsste sie ihn.
Geraume Zeit später lösten sie sich leicht atemlos wieder voneinander und er lehnte sich zurück. Eigentlich musste er müde sein. Es war ein langer Tag gewesen, aber Bjørn Einar war hellwach und die Gedanken jagten wild durch seinen Kopf. Liv saß neben ihm, den Kopf an seine Schulter gelehnt. Sie hatte zwar die Augen geschlossen, aber er wusste, dass sie genauso wach war, wie er.
Irgendwann hielt er es nicht mehr aus. „Liv?“
„Mh?“
„Was war das jetzt? Einfach so? Spaß? Oder…?“
Liv ruckte hoch und sah ihn empört an: „Aber sonst geht’s noch, ja? Als ob es mir darum gegangen wäre!“
Sie schnappte nach Luft, aber er hob abwehrend die Hände und sagte schnell: „Ich… Woher soll ich das denn wissen, Liv? Die ganze Zeit hältst du mich mehr oder weniger auf Abstand, sagst mir, dass du nicht weißt, ob und was das mit uns ist und dann auf einmal…“ Nun hatte ihr Blick etwas Betroffenes.
„Stimmt. So hab ich das noch nicht betrachtet. Unnskyld!“
„Schon o.k.. Das war es also nicht. Was dann?“ Er sah sie fragend an und ein wenig Hoffnung flackerte in seinem Blick.
Sie lächelte und sagte: „Das war meine Entscheidung. Für dich. Ich halte zwar nichts von diesem komischen Spruch ‚Küsse sind Worte, sprich dich aus!’, aber…“ sie zuckte mit den Schultern, „Irgendwie hat sich das so ergeben.“
Er lachte auf: „Oh, Süße! Weißt du, wie egal mir die Form ist? Also, ich meine, nicht dass mir das jetzt eben egal war, das… ganz im Gegenteil, aber…“ er verhedderte sich offenbar in seinen Gedanken, schloss einmal die Augen und holte tief Luft.
„Boah, man ich bin sooo glückl…“ er brach ab, beugte sich zu Liv hinüber und küsste sie.
Einige Zeit später schüttelte er den Kopf: „Ich kann es noch gar nicht fassen! Kannst du das noch mal sagen, Süße?“ Liv strubbelte ihm liebevoll durch die Haare.
„Ich.“ Kuss.
„Will.“ Kuss.
„Dich.“ Kuss.
Sein Strahlen daraufhin hätte jede Beleuchtung ersetzt.
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sjoe gollum: "My preciiiiious"
    

Status: Offline Registriert seit: 23.03.2006 Beiträge: 4920 Nachricht senden | Erstellt am 28.07.2007 - 14:19 |  |
Toril hatte nach einiger Zeit einen Platz an der Bar ergattert. Aber da es nicht so besonders spannend war, anderen Leuten beim Trinken zuzuschauen und auch irgendwelche Flirts zu beobachten mit der Zeit seinen Reiz verlor, ärgerte er sich inzwischen, dass er nicht doch zu Hause geblieben war, um DVD zu schauen. Da wäre er zwar auch allein gewesen, aber wäre sich sicher nicht ganz so fehl am Platz vorgekommen.
Ab und an war Pål in seinem Blickfeld aufgetaucht, hatte ihm einen argwöhnischen Blick zugeworfen und war dann wieder im Getümmel verschwunden. Toril wunderte sich, wie ein Typ, der wie ein Türsteher wirkte, so ein mangelndes Selbstbewusstsein haben konnte. Oder der war sowas von verliebt in Kajsa, dass er nicht wusste, wohin damit. Nur – warum traute er sich nicht, in entsprechender Richtung tätig zu werden? Spätestens dann sollte ihm doch wohl klar sein, dass Kajsa nur freundschaftliche Gefühle für ihn, Toril, hegte. Klar, wenn der das nicht tat, sah die Sache schon eher anders aus, von Påls Standpunkt. Kajsa und er hatten sich letzten Samstag hier unterhalten, gezofft und waren dann zusammen verschwunden. Tja, da konnte er ihm dann auch nicht helfen. Wollte er auch gar nicht. Er hatte genug eigene Probleme, da musste er sich nicht auch noch die von anderen Leuten aufhalsen, soziale Ader hin oder her.
Als Toril das nächste Mal aufsah, grinste ihm der Clubbesitzer triumphierend von der gegenüberliegenden Seite der Bar zu. Häh? Doch dann entdeckte er die wesentlich kleinere Kajsa in seinem Fahrwasser. Er schnaubte belustigt. Um gleich darauf erschreckt zusammenzuzucken, denn jemand hatte ein paar eiskalte Finger unter sein Shirt geschoben. Was zur Hölle…? Er wirbelte herum, sich damit nicht nur der Kälte entziehend, sondern auch, um zu sehen, welcher Idiot… Anikki. Eigentlich hätte er sich das ja denken können, als er Kajsa gesehen hatte.
„Hei!“ strahlte sie.
„Hei! Verdammt, hast du Eisflossen!!!“
„Unnskyld. Ich hatte schon zweimal gerufen, aber…“
„Oh. Hab ich gar nicht gehört.“
„Ja, das war nicht zu übersehen. Naja, ist ja auch nicht wirklich leise hier.“
„Nein. Woher wusstest du, dass ich hier bin?“
„Pål hat irgendwas von wegen aufdringlichem Kerl von letzter Woche zu Kajsa gesagt und als die dann meinte, dass nur du das sein kannst, hab ich ihn gefragt, wo du bist.“
„Ah.“
„Aufdringlich, hm? Musst du mir da vielleicht noch was erzählen, Toril Fjeld?“
Er verdrehte die Augen: „Ja, klar, ich steh auf Kajsa, ich kann mich kaum noch beherrschen!“
Anikki sah ihn leicht unsicher an und er schüttelte den Kopf: „Quatsch man! Wir haben uns letzte Woche hier gesehen, haben uns erst unterhalten und dann gab’s eine Meinungsverschiedenheit. Schließlich hab ich sie nach Hause gefahren und das hat dem guten Pål überhaupt nicht gepasst.“
„Ja, das kann ich mir vorstellen.“
„Na also! Ende der Geschichte.“ Er hatte sowas von keine Lust, das Thema zu vertiefen, denn das würde unweigerlich zu Dingen führen, über die er nicht reden wollte.
„Tanz mit mir!“
„Oh nee! Weißt du, wie lange es gedauert hat, diesen Platz hier an der Bar zu bekommen?“
„Um Cola zu trinken? Wow!“ Sie hatte nämlich mittlerweile einen Schluck aus seinem Glas genommen.
„Ich hatte gestern genügend Alkohol,“ zuckte er nur mit den Schultern.
„Komm schon!“ sie schnappte nach seiner linken Hand und zog daran.
„Ah, jetzt weiss ich! Du willst ja nur deine Hände warm kriegen!“
Anikki lachte: „Meinst du?“
Sie legte den Kopf schief und lauschte kurz, dann sagte sie: „Mist, die spielen grad gar nix langsames.“
Toril sah sie fragend an und sie deutete an, ihre Hand erneut unter sein T-Shirt schieben zu wollen: „Das geht ja wohl nur zu nem Schmusesong.“
Nun musste er auch grinsen: „Ach soo! Tja, ich schätze, wenn wir lang genug tanzen, wird früher oder später auch einer gespielt werden.“
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sjoe gollum: "My preciiiiious"
    

Status: Offline Registriert seit: 23.03.2006 Beiträge: 4920 Nachricht senden | Erstellt am 30.07.2007 - 13:18 |  |
Einige Songs später zog Anikki Toril erneut an der Hand hinter sich her. Als sie soweit aus dem Bereich der Boxen heraus waren, dass man sich ohne komplett brüllen zu müssen verständigen konnte, fragte er: „Was hast du vor?“
„Kajsa suchen.“
„Warum das? Ich dachte, du kommst mit zu mir?“
„Oh, sind wir bei dem Ding? Zu mir oder zu dir?“ Sie lachte und zwinkerte ihm zu.
„Ich würde sagen, das gibt sich momentan nicht allzu viel“, grinste er.
„Nein. Trotzdem möchte ich meine Schwester finden.“
„Mh, so lange wir da jetzt nicht irgendwo reinplatzen…“
„Glaubst du, Pål kommt endlich mal in die Gänge?“
„Nicht?“
„Ich weiss nicht. Gut, keine Ahnung, wie lange das jetzt genau geht, aber doch schon ein Weilchen. Sie schmachtet, er schmachtet, aber passieren tut rein gar nichts.“ „Bist du böse drum? Ich meine, Pål ist irgendwie…“
„Ein Türsteher? Stell dir vor, war er sogar mal, irgendwann früher.“
„Siehst du, das ist so ein Punkt. Der ist doch mindestens 35 oder?“
„Ja. Genau. Ist er. Und?“
„Kajsa ist 24…“
„Wie du, ich weiss. Lass sie doch, wenn sie das nicht stört.“ Toril zuckte mit den Achseln. Eigentlich hatte er damit gerechnet, dass genau DIESER Punkt Anikki Probleme bereiten würde, schließlich hielt sie ihrem Vater dessen jüngere Freundin vor.
„Und sonst, mh, mein Geschmack ist er sicher nicht, aber das muss Kajsa doch selbst wissen. Der letzte Kerl, den sie hatte, war um Klassen schlimmer, finde ich.“
„Ja?“
„Ja, wenn auch in einer ganz anderen Richtung. So ein Yuppie-Schnösel. Immer schnieke, immer bestens informiert, einfach so perfekt, dass es zum Kotzen war.“
„Oh.“
„Ja. Zum Glück kam sie recht bald dahinter, dass er alle Energie darauf verwendete, genau so zu sein. Viel mehr war da nicht. Also hat sie ihm den Laufpass gegeben.“
Eigentlich sollte er nicht fragen, aber er tat es trotzdem: „Und du?“
„Ich? Sowas hätte ich mir gar nicht erst an Land gezogen!“
„Mh, nein, ich meinte eher, wie dein letzter Kerl so war.“
„Na, da ist aber jemand neugierig!“
Toril bekam leicht rote Wangen und sah ertappt zu Boden.
„Warum willst du das wissen? Reicht das nicht, dass derjenige passé ist und somit keine Rolle mehr spielt?“
Er zuckte mit den Schultern. Klar war er einerseits einfach nur neugierig, aber da spielte doch auch noch einiges mehr mit rein, was er ihr aber ganz sicher nicht sagen würde.
„Vielleicht erzähle ich dir irgendwann mal davon, aber nicht jetzt. Ich will immer noch Kajsa finden.“
Tatsächlich entdeckte Anikki ihre Schwester einige Zeit später an einem der Tische. Sie saß dort mit Pål und zwei anderen Männern, die Anikki nicht kannte. Toril hatte gerade in die andere Richtung geschaut und wäre beinahe gestolpert, als sie plötzlich wieder losging, ihn immer noch an der Hand hinter sich herziehend.
„Na, ausgetanzt?“ fragte Kajsa grinsend.
„Mh, dafür, dass der Herr eigentlich gar nicht wollte, war es doch ganz okay, oder?“
„Was? Wirklich? Davon hat man aber gar nichts gemerkt, schon gar nicht bei dem langsamen Song!“ Kajsa zwinkerte ihrer Schwester zu. Dann bemerkte sie, dass die beiden immer noch Händchen hielten und sie hob fragend eine Augenbraue.
Pål hatte das offenbar auch gesehen, denn er wandte sich an Toril: „Was bist denn du für einer? Letzte Woche Kajsa, die nächste dann ihre Schwester?“
„Und du hörst wohl schlecht! Ich hab dir doch vorhin schon erklärt, dass mich Kajsa nicht die Bohne interessiert – unnskyld“, er warf der Angesprochenen einen entschuldigenden Blick zu, aber sie winkte ab.
„Hab ich kein Problem damit. Solange das nicht auch für Anikki gilt…“ Kajsa warf einen entsprechenden Blick auf die immer noch verschränkten Hände. Anikki sah ihre Schwester warnend an, aber diese grinste nur.
„Äh nein, natürlich nicht. Also, äh… ich meine…“ Toril brach ab. Hier war so oder so jede Antwort falsch!
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sjoe gollum: "My preciiiiious"
    

Status: Offline Registriert seit: 23.03.2006 Beiträge: 4920 Nachricht senden | Erstellt am 31.07.2007 - 13:56 |  |
Emma lag im Bett und las. Als ihr Mobiltelefon klingelte, griff sie eilig neben das Kissen und hob ab.
„Hei, hier ist Emma.“
„Hei, saltkringle, ich bin’s.“
„Schön, dich zu hören. Seid ihr fertig mit allem?“
„Ja, schon eine ganze Weile, aber wir haben uns noch ein wenig unterhalten. Ich war schon im Bad, Roar ist im Moment. Tja und jetzt liege ich hier im Bett und vermisse dich.“
„Ich weiss genau, was du meinst! Das dürfen wir echt nicht mehr machen!“
„Was?“
„Dass ich über Nacht bei dir bleibe. Wie soll ich denn jetzt allein einschlafen?“
„Soll das heissen, dass du morgen bis Mittwoch nicht mit zu mir kommst??“
„Doch, natürlich. Allerdings nur bis Dienstag.“
„Warum denn das?“
„Weil Tine am Dienstag kommt und wir dann bei mir schlafen werden.“
„Wir? Ich auch?“
Sie konnte hören, dass er das nicht ernst meinte, trotzdem protestierte sie ehrenhalber: „Aber sonst bist du noch ganz klar? Ich leg mich doch nicht mit dir ins Bett, wenn Tine daneben is.“
„Ich wäre auch ganz brav, versprochen.“
„Das kann gar nicht sein, du bist Norweger!“
Sigurd knurrte: „Der Norweger kommt dir gleich mal rüber!“
„Oooh ja!“ machte sie sehnsüchtig.
„Ich hätte wirklich nicht übel Lust dazu. Das ist sowas von affig, dass wir in Oslo alle im Hotel schlafen müssen! Ich meine, die eine Hälfte von uns wohnt doch hier und die andere Hälfte wäre auch untergebracht, wenn sie bei ersteren schlafen würde. Aber nein, wir schmeissen lieber jede Menge Geld aus dem Fenster…“
„Och Sigurd, das kannst du doch nicht ändern. Und schon gar nicht, indem du jetzt unvernünftig wirst und abhaust.“
Er gähnte: „Mh, ich weiss doch. Ausserdem bin ich ehrlich gesagt auch viel zu müde, um jetzt noch mal durch die halbe Stadt zu gondeln.“
„Gut.“
„Gut sagt sie da, gut? Eben gerade erzählt sie mir noch, dass sie nicht ohne mich einschlafen kann und jetzt findet sie es gut? Frauen!!!“ Er schnaubte gespielt empört.
„Ich liebe dich, mein Spinner, weißt du das?“
„Und ich dich, saltkringle! Wie verrückt! Und ich wünschte immer noch, dass ich jetzt bei dir wäre oder du bei mir. Oder nein, Letzteres doch nicht, Roar kommt nämlich gerade aus dem Bad!“
Emma kicherte.
„Was ein gutes Stichwort ist. Der killt mich nämlich, wenn ich noch länger telefoniere – au! Behalt dein Kissen bei dir, du Sack! Au! – Hilfe, Emma! Ich werde hier mit dem Kissen geknechtet, dabei wollte ich dir doch nur sagen, dass wir gleich auflegen sollten, damit dieser Volldepp – aua!- und ich mal schlafen können.“
„Heh, der soll dich mal nicht kaputt machen! Mika würde das nicht gut finden…“
„Mika? Na danke! Wenn das alles ist, was dir dazu einfällt…“
„Ich war noch nicht fertig, Herr Pettersen! Der Satz sollte noch weiter gehen. Nämlich mit ‚und ich kann ziemlich ungemütlich werden, wenn man meinem Sigurd auch nur ein Haar krümmt’.“
„Oj. Gefällt mir gleich viel besser, saltkringle. Das werde ich doch gleich mal weitergeben, vielleicht hilft’s ja!“
„Das will ich doch mal stark hoffen. Aber noch hilfreicher wird es wohl sein, wenn wir jetzt wirklich auflegen, damit der Herr Ljøkelsøy auch genug Schönheitsschlaf bekommt.“
„Ja. Ich hoffe, du kannst trotzdem einschlafen. Vielleicht mit meiner Mütze kuscheln? Oder ein Foto von mir angucken?“
„Oh, apropos Foto. Unnskyld, aber das muss jetzt noch kurz sein. Annaleen, meine eine Freundin aus Deutschland, hatte wohl mal nach Fotos von dir gegoogelt, nachdem ich ihr von dir erzählt habe. Meinte, du sähest sympathisch aus. Und ich wollte mal gucken, was die da überhaupt gefunden hat.“
„Und? Schrecklich?“
„Ja.“
„Was??“
„Ja. Aber nur die mit diesen ganz kurzen Haaren. Boah, bitte, Sigurd, das darfst du nie wieder so schneiden lassen!“
„Nicht? Im Sommer war das eigentlich ganz praktisch.“
„Das kann ja sein, aber… nee!!!“
„O.k., wenn dir das nicht gefällt…“
„Nein, ganz und gar nicht.“
„Gut zu wissen.“
„Ja, ich dachte, nicht dass du mal zum Frisör gehst und ich anschließend die Krise kriege…“
„Das wäre nicht schön, nein. Also, kein Haare schneiden.“
„Heh! So war das auch wieder nicht gemeint! Ich glaube, Zöpfchen stehen dir auch nicht wirklich!“
„Zöpfchen?“ giekste er.
„Naja, wenn die lang genug wären, könnte es bei einem kreativen Anfall meinerseits durchaus passieren, dass du dann Zöpfchen hättest.“
„Oh oh, dann werde ich wohl mal sehen, dass die weder zu lang noch zu kurz sind. So und bevor hier doch noch ein Unglück geschieht, lege ich mal lieber auf. Gute Nacht, meine Emma!“
„Gute Nacht, mein Sigurd!“
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sjoe gollum: "My preciiiiious"
    

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Den ganzen Heimweg fürchtete Toril, dass Anikki noch einmal von dem Thema, dass Kajsa aufs Tapet gebracht hatte, anfangen würde, aber sie saß schweigend neben ihm im Auto und blickte abwesend nach draußen.
„Wie wars denn mit deiner Mutter und Schwester?“ fragte er schließlich, als er die Stille nicht länger ertragen konnte.
„Schön. Doch. War echt gut. Soll dir auch viele Grüße sagen. Auch von Siina, obwohl sie sich natürlich nicht erinnert. Aber sie meinte, jemand, der so nett ist und mich bei sich wohnen lässt, muss einen Gruß bekommen.“
Toril grinste: „Interessantes Argument.“
„Tja, Klein-Mädchen-Logik, schätze ich mal.“
”Vermutlich. Und denen geht es gut?”
„Mh, ja, doch. Allerdings ist Siina total auf Männer fixiert. Sobald der Nachbar da ist, hängt sie bei ihm rum, redet ständig vom Sportlehrer und so. Mama meint, das sei schon echt extrem inzwischen.“
„Oh.“
„Mhm. Aber was soll sie machen? Mein Onkel kommt zwar ab und an und unternimmt was mit ihr, aber der arbeitet halt ziemlich viel. Und das reicht ihr ja offensichtlich nicht.“
„Blöde Situation.“
„Ja. Mama meinte schon, sie müsse wohl dringend auf die Suche nach einem neuen Partner gehen, aber ich weiss nicht. Ich meine, was ist denn das für ein Grund?“
„Du meinst, weil sie eigentlich gar keinen will, oder wie?“
„Genau. Hat sie jedenfalls mal gesagt, dass sie die Schnauze voll hat. Kein Wunder, so wie das mit Papa gelaufen ist…“
„Mh ja, klar, das war bestimmt nicht einfach. Aber meinst du nicht, dass sie vielleicht ihre Meinung geändert hat? Dass Siina gar nicht der einzige Grund ist? Ich meine, wer ist denn schon gern allein?“
Kaum hatte er das ausgesprochen, biss er sich ärgerlich auf die Lippen. Wie blöd klang das denn jetzt bitte? Vielleicht nicht in Bezug auf Juulin, aber was, wenn sie es auf ihn und sich bezog?
„Meinst du? Irgendwie kann ich mir das gar nicht so vorstellen. Will ich eigentlich auch nicht. Und wenn doch, kann ich nur hoffen, dass sie einen besseren Geschmack an den Tag legt, als Papa!“ Sie seufzte. Toril wusste nicht, was er darauf sagen sollte.
Wenig später parkte er den Wagen. Immer noch schweigend betraten sie die Wohnung und Anikki gähnte.
„Geh du zuerst ins Bad, hm?“ schlug Toril vor.
„Danke.“ Sie machte ein paar Schritte, blieb dann stehen, drehte sich wieder zu ihm um und kam zurück. Er sah sie fragend an, aber sie reckte sich nur wortlos hoch und küsste ihn sanft auf den Mund, bevor sie endgültig im Bad verschwand.
Toril starrte ihr hinterher, unfähig sich zu bewegen. Sein Herz dagegen schien zu rasen und sein Magen fuhr Achterbahn. Verdammt! Jetzt hatte er es amtlich! Er hatte sich in Anikki verliebt!
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sjoe gollum: "My preciiiiious"
    

Status: Offline Registriert seit: 23.03.2006 Beiträge: 4920 Nachricht senden | Erstellt am 02.08.2007 - 13:53 |  |
Tine lag im Bett. Sie las in einer Frauenzeitschrift, die sie ihrer Mutter geklaut hatte, weil darin eine Fotoreportage über Jake Gyllenhaal, ihren Lieblingsschauspieler, abgedruckt war. Den ganzen Mode- und Klatschkram vorher hatte sie überblättert, es interessierte sie nicht die Bohne, was gerade wie ‚in’ war. Jetzt war sie gerade mit dem Bericht durch und wollte das Heft zuklappen, als ihr Blick an einer Überschrift hängen blieb.
„Spaß zu dritt!“ verkündete der kreischpinke Aufmacher. Meine Güte, was ihre Mutter sich da für einen Kram kaufte! Sie schüttelte den Kopf legte die Zeitschrift beiseite. Sie war ja ganz sicher nicht verklemmt, aber sowas? Ob das wirklich so ein Spaß war? Irgendwie konnte sie sich das überhaupt nicht vorstellen. Das war doch wohl eher eine gängige Praktik in Pornos, aber im echten Leben? Wie kam man denn bitteschön dazu? Hm. Sie griff doch noch einmal nach dem Heft und begann zu lesen.
Irgendwann meldete ihr Handy, dass sie eine SMS bekommen hatte. Um die Zeit noch? Wer war das denn? Sie stand auf und ging zum Schreibtisch, wo sie ihr Mobiltelefon hatte liegen lassen. Neugierig schaute sie aufs Display. Lars. Ach, meldete der sich doch noch? Sie grinste.
„Hei Tine! Vielen Dank für deine Glückwünsche, damit hatte ich ja gar nicht gerechnet, deswegen war’s umso netter! Tommy war ganz neidisch . Und du kommst nächste Woche? Ha det! Lars.“
„Tja, da muss Tommy eben mal aufs Treppchen springen, dann kriegt er auch so eine SMS von mir! Ja, ich komme am Dienstag! Aber wieso bist du noch wach? Morgen ist doch ein Springen, oder? Ha det! Tine.“
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sjoe gollum: "My preciiiiious"
    

Status: Offline Registriert seit: 23.03.2006 Beiträge: 4920 Nachricht senden | Erstellt am 03.08.2007 - 13:39 |  |
Keine halbe Minute später klingelte ihr Handy.
„Hei Lars!“
„Hei Tine. Wie geht’s?“
„Gut. Und dir?“
„Auch. Ich kann nur nicht einschlafen. Tommy dagegen sägt hier schon einen Baum nach dem anderen ab.“
„Der schnarcht?“ Tine kicherte.
„Aber hallo! Willst du hören?“ Bevor sie antworten konnte, hörte sie auch schon ein sonores Schnarchen.
„Kein Wunder, dass du nicht einschlafen kannst!“ meinte sie trocken.
„Ach, normalerweise stört mich das nicht…“
„Na dann. Wo bist du denn, dass es jetzt leiser ist?“
„Im Bad.“
„Oh.“
„Naja, ich will ihn ja nicht wecken durch unser Telefonat. Und was hast du gemacht, dass du noch wach bist?“
„Gelesen.“ Nein, sie würde ihm jetzt ganz sicher nicht erzählen, was!
„Ah, o.k. Ich hab die ganze Zeit überlegt, ob ich jetzt noch ne Nachricht schicken kann. Aber ich wollte das schon heute noch machen, war ja schlimm genug, dass das tagsüber so untergangen ist.“
„Ach was! Ich hab da doch gar keine Antwort erwartet. Auch wenn es natürlich nett war.“
„Irgendwie komisch, jetzt miteinander zu telefonieren, oder?“
„Mhm. Aber noch viel komischer wird es sein, sich am Dienstag wiederzusehen. Oder bist du nicht da?“
„Doch klar!“
„Das ist schön. Emma hat gesagt, sie weiss nicht, wer alles da sein wird, weil ja ab morgen nach dem Springen bis Mittwoch Abend frei ist.“
„Mh, ja, ich wollte eigentlich erst nach Hause fahren, aber das hat sich jetzt anders ergeben.“ Und zwar einzig und allein wegen ihr, aber das konnte er ihr natürlich schlecht sagen.
„Ah. Echt praktisch. Wenn ich wirklich erst meine blöde Hausarbeit fertig geschrieben hätte, wäre wahrscheinlich keine Sau da gewesen, das war eine gute Idee.“
„Oh, wolltest du die erst fertig machen, eigentlich?“
„Ja. Wird aber nichts, ich hänge und hänge und hänge. Also dachte ich, ich fahr lieber mal nach klein-Sibirien und treff ein paar verrückte Leute.“
„Klein-Sibirien? So schlimm ist es hier doch gar nicht!“
„Nicht? Emma hat gesagt, ihr habt noch unter Null tagsüber und Schnee.“
„Ja und?“
„Es ist Ende März, da bricht hier schon der Frühling aus!“
„Oh. Dann pack genügend dicke Klamotten ein, wenn du es wärmer gewohnt bist.“
„Na klar. Sonst frier ich ja fest.“
„Wahlweise hilft auch ein Norweger.“
„Zum Wärmen oder wie?“
„Genau.“
„Wenn du mir jetzt Tommy vorschlägst, dann hau ich dich!“
„Ach was! Das war nur eine allgemeine Bemerkung, die sagen sollte, dass sich Norweger im Allgemeinen darauf verstehen, schließlich ist es hier öfter kalt.“
Tine lachte: „Du meinst, da muss man das dann schon drauf haben, um die Frauen bei Laune zu halten?“
„Sowas, ja.“
„Da muss ich wohl bei Emma mal nachfragen.“
Lars grinste: „Jaa, mach mal! Da wird sie bestimmt wieder knallrot!“
„Quält ihr sie immer noch?“
„Och nö, ist schon viel weniger geworden, aber es ist doch immer wieder schön, so ein leichtes Opfer zu haben! Heute Morgen waren eher Bernar und Liv fällig, aber irgendwie haben die nicht so recht mitgespielt.“
„Ooooch!“
„Ach, es gibt Schlimmeres. Zum Beispiel, dass ich immer noch keine Ahnung habe, ob die beiden jetzt endlich gelandet sind oder nicht. Weißt du da mehr?“
„Nee, ich hab zwar vorhin mit Emma telefoniert, aber das Thema hatten wir nicht.“
„Schade aber auch!“
„Tja, Mister Neugier, da wirst du wohl weiter spekulieren müssen!“
„Sieht ganz so aus, ja.“
„Oh man, das wird echt irre, nächste Woche!“
„Wieso?“
„Naja, ich in Norwegen… das ist schon ne kleine Sensation. Und dann auch noch euch wieder sehen, das ist dann noch eins oben drauf gesetzt!“
Lars lachte: „Schraub deine Erwartungen mal nicht zu hoch, vielleicht wird es ja gar nicht soo toll!“
„Nein, ich weiss, Oberstdorf lässt sich nicht wiederholen. Aber ich freu mich trotzdem!“ sagte Tine und musste gähnen.
„Ich halte dich wach, oder? Du bist müde.“
„Ja, schon, aber von wach halten kann keine Rede sein.“
„Trotzdem sollten wir mal aufhören, ich glaub, wenn ich morgen früh total verpennt bin, bekomme ich ein Problem mit Mika.“
„Mh, das glaub ich. Aber kannst du denn jetzt schlafen?“
„Ich hoffe es.“
„Ich auch für dich. Dann sehen wir uns am Dienstag, ja?“
„Ja. Ich freu mich.“
„Ich mich auch. Gute Nacht, Lars!“
„Gute Nacht, Tine!“
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