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sjoe gollum: "My preciiiiious"
    

Status: Offline Registriert seit: 23.03.2006 Beiträge: 4920 Nachricht senden | Erstellt am 07.01.2007 - 14:45 |  |
Wenig später betrat sie Sigurds Wohnung. Sie schloss die Tür hinter sich und lauschte. Natürlich war alles still. Auf dem Küchentisch lag, wie versprochen eine Liste mit Adressen von Krankengymnastik-Praxen, sowie der Autoschlüssel. Emma steckte beides in ihre Tasche.
Dann ging sie in sein Schlafzimmer, wo ihre Tasche mit den Sachen darin auf sie wartete. Sie kramte zunächst nach ihrem Handy, aber das Display war leer. Keine Nachrichten, keine Anrufe in Abwesenheit. Hm. Sie sah sich um. Das breite Bett, zwar kein richtiges Ehebett, aber doch breit genug, um gemütlich für Zwei zu sein. Der Schrank, in dem sich seine Klamotten in ordentlichen Stapeln befanden, der Nachttisch mit dem schönen hellblau-geblümten Lampenschirm – ob er den selbst ausgesucht hatte?
Inzwischen war ihr hier alles so vertraut, sie hatte bei Sigurd geschlafen und um genau zu sein, nicht nur bei, sondern auch mit ihm… Bei dem Gedanken daran konnte sie fast wieder dieses unerträgliche und doch so wunderbare Kribbeln spüren, was seine Berührungen bei ihr auslösten. Sie ließ sich auf das Bett sinken und zog die Bettdecke ans Gesicht. Mhh, das roch einfach gut, nach Sigurd eben!
Seufzend erinnerte sie sich daran, dass erstens Liv unten im Auto auf sie wartete und sie zweitens immer noch nichts von ihrem Freund gehört hatte. Und sie fragte sich zum wiederholten Male, ob er vielleicht doch noch irgendwie sauer war.
Nike beugte sich über das kleine gelbe Buch, dass sie sich am Nachmittag in einem Anfall von Sehnsucht nach Gunnar gekauft hatte. Nun versuchte sie, mit Hilfe des Wörterbuchs, ein paar Sätze auf Norwegisch zusammen zu bekommen.
Der kleine Elch saß ebenfalls auf dem Schreibtisch und sie warf ihm immer mal wieder leicht hilflose Blicke zu. Die Wörter rauszusuchen, war nicht so das Problem, wenn man grob wusste, was man schreiben sollte, die Grammatik jedoch…? Vielleicht sollte sie sich mal erkundigen, ob man irgendwo einen Kurs belegen konnte! Wobei, das kostete sicher und sie glaubte nicht, dass ihr Vater Geld ausgeben würde, damit sie Norwegisch lernte. Und selbst nach ihrem 18. Geburtstag, wenn sie über das Geld von ihrer Oma frei verfügen konnte… soo dicke hatte sie es dann auch nicht, schon gar nicht in Anbetracht der Tatsache, dass es eine ganze Weile für Miete und dann auch noch für Besuche in Norwegen reichen musste.
Vielleicht sollte sie Gunnar einfach bitten, ihr mal ein paar grundsätzliche Regeln aufzuschreiben. Wobei sowas irgendwie immer schwierig war, ohne live-Erklärungen. Sie seufzte. Dann musste das wohl warten, bis sie sich das nächste Mal sahen und bis dahin hoffen, das er sich den Sinn, der hinter ihrem Kauderwelsch stecken sollte, auch so zusammenreimen konnte. Sie sah den Elch an und öffnete erneut entschlossen das Wörterbuch.
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sjoe gollum: "My preciiiiious"
    

Status: Offline Registriert seit: 23.03.2006 Beiträge: 4920 Nachricht senden | Erstellt am 08.01.2007 - 13:31 |  |
Irgendwie war Liv nach einer Weile in ihrer Wohnung die Decke auf den Kopf gefallen. Einen kleinen Teil an Uni-Kram hatte sie erledigt, nachdem sie Emma nach Kringsjå gebracht hatte. Doch dann war ihr die Stille unerträglich vorgekommen und sie hatte sich spontan bei ihren Eltern zum Abendessen eingeladen. Ihr Vater war noch nicht zu Hause. Sie half ihrer Mutter dabei, den Tisch zu decken.
Inken warf ihrer Tochter einen prüfenden Blick zu, dann sagte sie: „Ich habe heute übrigens Kristian getroffen.“
Liv sah ihre Mutter vollkommen überrascht an: „Getroffen?? Einfach so?“
„Naja, nein, um ehrlich zu sein, bin ich extra in die Filiale gegangen, wo er arbeitet.“
„Ah ja. Und wieso das, wenn ich fragen darf?“
„Nun, ich wollte einfach sehen, wie es ihm geht. Von dir erfährt man ja nichts.“
„Weil es nichts zu erfahren gibt! Wir haben im Moment keinen Kontakt, von dem zufälligen Treffen am Montag mal abgesehen.“
„Ja, das hat er mir auch gesagt.“
„Und jetzt geht es dir besser, ja?“ Liv fand das ganz schön dreist, dass ihre Mutter sich einmischte.
„Du weißt, dass ich Kristian mag, Liv. Ich verstehe einfach nicht, wie du überhaupt in Erwägung ziehen kannst, dich von ihm zu trennen!“
„Boah, ich geh wieder! Ich bin echt nicht hergekommen, um mir das anhören zu müssen!!!“ Ihr Bruder Aril, der bisher in einem Sessel gesessen und in einer Zeitschrift geblättert hatte, sah interessiert auf.
„Nichts da, mein Fräulein, du bleibst hier!!!“ Inken baute sich vor ihrer Tochter auf und fuhr fort: „Ich kann mir schon vorstellen, dass du keine Lust hast, darüber zu reden, aber so kann das nicht weiter gehen!“
„Und wieso nicht?“ gab Liv pampig zurück.
„Weil ich wissen will, was für ein Spiel du hier mit Kristian spielst!“
„Wenn das ein Spiel wäre, wäre es wenigstens lustig, Mama! Ist es aber nicht, überhaupt nicht! Ausserdem – wie kommst du bitte darauf, dass ich mit ihm spiele?? Ich versuche lediglich, mir darüber klar zu werden, ob ich mit Kristian oder mit Bjørn Einar zusammen sein will.“
„Was bitte ist so toll an diesem Skispringer, hm? Das will mir wirklich nicht in den Kopf, zumal du doch von Sigurd weißt, was es bedeutet, im Weltcup zu springen.“
„Ja, das weiss ich. Und?“
„Wie kannst du so jemanden einem Bankkaufmann vorziehen??“
„Im Moment ziehe ich niemanden vor. Ausserdem, das klingt vielleicht… als ob Skispringer so ziemlich das Letzte wären. Und das von jemandem, der selbst mehr als gern zuschaut!!!“
„Das hat doch gar nichts miteinander zu tun! Natürlich gucke ich gerne zu, ich finde die Sportart faszinierend und habe großen Respekt vor den Leistungen der Springer. Aber so jemand ist doch kein Kerl für dich!“
„Woher willst du das wissen? Du kennst Bjørn Einar doch gar nicht!“
„Nein. Aber ich weiss genau, dass er kein unbeschriebenes Blatt ist!“
„Bei DEM Aussehen ja wohl auch kein Wunder!“ schaltete sich Aril ein.
Liv warf ihrem Bruder einen Blick zu: „Seit wann interessierst DU dich dafür, wie andere Männer aussehen?“
„Man muss doch die Konkurrenz kennen!“ Liv schüttelte überrascht und amüsiert den Kopf, wurde dann aber wieder ernst und wandte sich an ihre Mutter: „Bin ich denn ein unbeschriebenes Blatt??“
„Nein, aber du hattest nicht so einen hohen Männerverschleiss wie der an Frauen.“
„Das ist doch, wenn überhaupt, mein Problem, nicht deines!“
„Aber du bist meine Tochter und ich will nicht, dass du unglücklich wirst!“
„Ach, und Kristian ist die Garantie dafür, dass ich das nicht werde?“
„Nein, das nicht, aber…“
„Ja?“
„Er ist nun mal der solidere Mensch von beiden und bei ihm weißt du wenigstens, was du hast!“
„Na ganz toll. Heirate du ihn doch! Ach nee, geht ja nicht. Vielleicht lässt er sich ja adoptieren, wenn er sooo toll ist! Aber weißt du was? Mir ist echt der Appetit vergangen! Schönen Abend noch!“ Damit rauschte sie aus dem Zimmer.
„Liv!!!“ rief ihre Mutter ihr noch hinterher, aber sie dachte gar nicht daran, sich aufhalten zu lassen.
Gerade als sie die Haustür öffnen wollte, kam ihr Vater herein: ”Oh hei!”
„Nix hei. Ich gehe!“ fauchte seine Tochter.
„Wieso, was ist denn los?“
„Das kannst du deine Frau fragen!“ damit knallte sie die Türe hinter sich zu und ließ einen irritiert dreinschauenden Lars Hilmar Holmberg zurück.
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sjoe gollum: "My preciiiiious"
    

Status: Offline Registriert seit: 23.03.2006 Beiträge: 4920 Nachricht senden | Erstellt am 09.01.2007 - 08:47 |  |
Emma lag auf ihrem Bett und las. Mehr oder weniger jedenfalls, denn eigentlich war sie auch dazu zu müde. Aber zum Schlafen war es noch zu früh, nicht mal Acht. Sigurd hatte sich bisher nicht gemeldet. Naja, Liv hatte bestimmt Recht und die waren noch am trainieren oder analysieren. Nachdem sie die eine Seite das dritte Mal beginnen musste, um überhaupt irgendetwas zu verstehen, gab sie auf. Sie ging in die Küche und holte sich etwas zu trinken. Sie war schon gerade wieder auf dem Rückweg, als ihr Telefon klingelte. Eilig stellte sie das Glas auf ihren Schreibtisch und hob dann ab.
„Hei. Hier ist Emma!“
„Hei, hier ist Tine. Stör ich?“
„Nein, warum solltest du? Ich war gerade in der Küche und hab mir was zu trinken geholt.“
„Ich weiss ja nicht, vielleicht ist Sigurd ja da…“
„Nein, der ist in Lahti.“
„Oh, ah so. Steht schon wieder das nächste Springen an?“
„Ja, am Samstag.“
„Ganz schön heftig!“
„Schon. Wobei er ja eigentlich die ganze Woche mehr oder weniger Pause hatte, also, jedenfalls was das Sprungtraining oder so anging. Joggen war er schon noch oder auch im Kraftraum, wenn ich das richtig mitbekommen habe.“
„Wart ihr nicht zusammen?“
„Doch, klar. Aber ich hatte ja ganz normal Uni und was genau er währenddessen gemacht hat, habe ich nicht mitbekommen.“
„Hat er nichts erzählt?“
„Von seinem Training? Nein. Das ist irgendwie nicht so das Thema zwischen uns.“
„O.k. Und sonst? Alles klar?“
„Ja, ich denke schon.“
„Warum überzeugt mich das jetzt nicht so wirklich, hm?“
„Wir hatten einen ziemlich üblen Streit, gestern. Letztendlich haben wir das zwar aus der Welt geschafft, also, jedenfalls dachte ich das, aber er hat sich heute noch nicht gemeldet. Ich hoffe nur, er ist jetzt nicht doch noch irgendwie sauer oder so.“
„Oh. SO schlimm?“
„Ja, ziemlich. War aber meine Schuld! Ich hab mich total bescheuert aufgeführt.“
„Inwiefern?“
„Hm, wie soll ich das erklären? Weiss nicht, der Streit hat mich ziemlich verunsichert und ich hatte noch dran zu knabbern, deswegen war das bei unserem ersten Zusammentreffen danach auch keine wirkliche Versöhnung. Das hat Sigurd ziemlich fertig gemacht.“
„Zusammentreffen??“
„Mir war das alles zu blöd und ich bin gegangen. Später haben wir uns dann getroffen.“
„Verstehe. Und dann habt ihr euch aber doch noch vertragen, ja?“
„Noch einige Zeit später, ja. Nach einem sozusagen heilsamen Treffen mit Solveig und Toril.“
„Aber jetzt denkst du, dass er doch noch sauer ist?“
„Ich weiss nicht. Vielleicht hatte er bisher auch einfach keine Zeit sich zu melden. Mika wird für heute sicher ein straffes Trainingsprogramm auf dem Plan gehabt haben. Und er hatte eben gesagt, er meldet sich.“
„Schick ihm doch einfach ne SMS.“
„Ich weiss nicht. Ich will ihn auch nicht nerven! Und wenn er doch gesagt hat, dass er sich meldet…“
„Meinst du wirklich, das würde ihn nerven?“
„Wenn er noch irgendwie sauer ist, schon.“
„Kannst du dir das wirklich vorstellen? Ich meine, ich kenn ihn ja jetzt nicht besonders gut, aber irgendwie… das passt nicht zu Sigurd. Oder?“
„Dass er jetzt noch sauer ist? Eigentlich nicht. Andererseits, wir haben vorher noch nie gestritten, ich weiss also gar nicht, wie er da reagiert.“
„War er denn gestern noch sauer, also, nachdem ihr euch ausgesprochen hattet?“
„Nein, überhaupt nicht. Im Gegenteil, er hätte ja am liebsten sofort alles aus der Welt geschafft.“
„Ja, aber dann wäre es doch total unlogisch, wenn er jetzt plötzlich, sozusagen über Nacht, doch wieder böse wäre, findest du nicht?“
„Ja, schon. Ich weiss auch nicht. Vielleicht, weil wir die letzten Wochen so viel Zeit miteinander verbracht haben und er jetzt plötzlich wieder weg ist…“
„Mh, ja, das ist sicher komisch.“
„Total. Er fehlt mir jetzt schon ganz furchtbar.“
„Das glaub ich.“
„Aber boah, sag mal, wir reden hier die ganze Zeit nur über mich, dabei geht es mir doch eigentlich gut, während bei dir… Wie isses denn so?“
„Naja, eher bescheiden. Aber lassen wir das! Gestern Abend war ich mit Luisa weg und es war ganz nett.“
„Das ist doch gut. Wo wart ihr denn?“
„Im Starclub. Das ist der über dem Kino, weißt du?“
„Ja, schon mal gesehen, aber drin war ich noch nie.“
„Ich auch erst das zweite Mal. Und dabei hab ich herausgefunden, dass es da eine ziemlich coole Dachterrasse gibt.“
„Echt? Klingt gut.“
„Ja, doch. Sehr netter Blick über Mainz! Muss man sich mal merken!“
„Schon gespeichert. Irgendwann muss ich Sigurd ja schließlich mal mitnehmen…“
„Meinst du, er kommt mit?“
„Haben wir bisher nicht drüber gesprochen, aber warum denn nicht? Ich denke schon, dass er meine Eltern und Sören mal kennenlernen möchte. Und bisher sieht es nicht so aus, als ob die mal herkommen. Weißt du denn schon, wann du kommst?“
„Mh, nicht genau, nein. Ich habe mir vorgenommen, erst die eine Hausarbeit abzugeben. Heute bin ich endlich mal ein gutes Stück damit vorangekommen, aber ein Ende kann ich noch nicht wirklich absehen. Ich denke, wenn ich die Hälfte zusammen habe, werde ich mich mal nach einem Flug umschauen und wenn ich den habe, dann sag ich dir gleich Bescheid. Dir ist es wirklich egal, wann?“
„Im Prinzip schon, ja. Leider überschneiden sich unsere Ferien ja nicht, wir haben erst Mitte April eine Woche, da fängt bei dir das Semester ja schon wieder an. Das heisst, ich hab so oder so Uni. Wann Sigurd genau frei hat und ob und was wir dann machen, weiss ich noch nicht. Aber sobald das raus ist, geb ich dir Bescheid. Nicht, dass sich das überschneidet.“
„Das wär blöd, ja! Und da habt ihr auch noch gar nicht drüber geredet?“
„Nee. Eirik hatte das in dem Interview angesprochen. Vorher hab ich gar nicht dran gedacht, dass Sigurd ja auch irgendwann mal Urlaub hat, wenn die Saison rum ist. Soweit bin ich einfach in dem Skisprung-Ablauf noch nicht drin.“
„Eirik? Interview?“
„Eirik ist der eine VG-Reporter, der mein Interview ganz am Anfang gemacht hatte. Ein echt netter, fairer Kerl. Offenbar eine Seltenheit in dem Gewerbe, Sigurd war zuerst furchtbar misstrauisch. Vorallem, als wir ihn in Oberstdorf getroffen haben. Er hat gesehen, dass wir uns küssten, woraufhin Sigurd befürchtet hatte, dass der uns sozusagen auffliegen lässt.“
„Hat er aber nicht?“
„Nein. Wir haben gestern ein Interview mit ihm gemacht, wo wir das eigentlich bekannt geben, dass wir zusammen sind.“
„Eigentlich?“
„Ja, ist bisher noch nicht erschienen, weil der Redakteur mit dem Foto von uns unzufrieden war.“
„Oh.“
„Mhm. Vorallem, weil die Konsequenz diese ist, dass wir bei nächster Gelegenheit regelrecht verfolgt werden, um ein entsprechendes Bild zu bekommen.“
„Ääääh!“
„Genau.“
„Und was war das mit dem Urlaub dann?“
„Ach, Eirik hatte Sigurd gefragt, was er in der nächsten Zeit vorhat. Und er meinte, dass er nach einem hoffentlich guten Saison-Abschluss erst mal in den Urlaub will. Woraufhin Eirik natürlich gleich wissen wolle, ob ich da mitfahre. Das war das erste Mal, wo das Thema auf den Tisch kam. Und dann bei dem Streit noch mal…“
„Ihr habt deswegen gestritten?“
„Nein, nein. Da ging es im Groben um Geld. Vorrangig um meines und dass ich da gern mein eigener Herr bin und sicher nicht vor habe, mir Vorschriften machen zu lassen oder mich gar von ihm aushalten zu lassen. Da hat er dann gefragt, ob ich auch nicht mit ihm in den Urlaub fahren würde, wenn er mich dazu einladen würde.“
„Und? Würdest du??“
„Boah, keine Ahnung. Ich weiss nicht. Irgendwie widerstrebt mir das!“
„Oh man, Emma, man kann sich auch anstellen! Was wäre denn so schlimm daran? Wenn er dich doch gern dabei haben will und dich deshalb einlädt? Wenn das so ein Problem für dich ist, darfst du ja keinerlei Geschenke von ihm annehmen!!!“
„Ja, aber ein Urlaub… das ist so teuer!“
„Klar. Aber das ist doch wohl Sigurds Sache, ob er das Geld dafür ausgeben will oder nicht. Ich sag dir, wenn du deswegen rumzickst, bekommst du Ärger mit mir!“
„Bäääh!“
„Nix bääh! Ich mein das ernst!“
„Ich überleg es mir, o.k.?“
„Nix überlegen! Wenn er dich fragt, dann sagst du gefälligst ‚ja’, hast du mich verstanden, Emma Wegener?!?!“
„Aber…?“
„Keine Widerrede!“
„Oah, Tine!!“
„Ja? Hier?“
„Das kannst du doch nicht machen!“
„Oh doch, ich kann! Wenn du es allein nicht hinkriegst, dann muss ich dich eben zu deinem Glück zwingen!!!“ Emma schnaubte genervt, wagte aber nicht, erneut zu Widersprechen. Sie kannte Tine gut genug, um zu wissen, wann etwas keinen Zweck mehr hatte.
Und auch wenn es ihr immer noch mehr als widerstrebte, sagte sie resignierend: „Na guut, wenn es denn sein muss…“
„Muss es! Überleg dir doch mal, wie das für ihn aussehen muss, wenn du seine Einladung ablehnst!!! Ich dachte, du liebst ihn?“
„Tu ich ja auch!“
„Na also! Ich weiss, das ist alles Neuland für dich, aber eine Beziehung ist nun mal Geben und Nehmen und das auch nicht immer zu gleichen Teilen.“
„Mh!“
„Ist so, glaub mir, Emma!!!“
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sjoe gollum: "My preciiiiious"
    

Status: Offline Registriert seit: 23.03.2006 Beiträge: 4920 Nachricht senden | Erstellt am 10.01.2007 - 10:55 |  |
In dem Moment klingelte es.
„Ist das dein Handy? Ist bestimmt Sigurd, oder? Dann mach’s mal gut, Emma. Und vergiss nicht, was du mir versprochen hast!“
„Neihein! Pass auf dich auf, ja?“
„Du auch!“
Emma legte also auf und griff dann nach ihrem Handy.
„Hei.“
„Hei, Emma. Sag mal, hast du den Hörer nicht richtig aufgelegt? Ich hab schon x-mal auf dem Festnetz versucht…“
„Ähm, nein, ich hab gerade mit Tine telefoniert.“
„Oh, ach so. Unnskyld! Wenn ihr noch nicht fertig seid, ich kann auch später noch mal anrufen…“
„Nein, nein, wir waren soweit fertig.“
„Wirklich?“ er klang genau so unsicher, wie sie sich fühlte.
„Ja, ganz wirklich.“
„Dann ist ja gut. Wie war dein Tag?“
„Ganz o.k., ich war nur ziemlich müde. War ja auch spät genug, gestern.“
„Ja. Schon. Aber wichtig, denke, ich. Oder?“ Er war sich also auch nicht ganz sicher, ob tatsächlich alles aus der Welt war?
„Auf jeden Fall! Ich weiss nicht, wie es sonst hätte gehen sollen. Das… das wäre nicht gut gewesen!“
„Nein. Deswegen bin ich froh, dass es so war. Trotz der Uhrzeit.“
„Ja, ich auch.“ Man, das war vielleicht ein herumgedruchse!
Um gar nicht erst ein unsicheres Schweigen aufkommen zu lassen, fragte sie: „Und wie war der Tag bei dir?“
„Anstrengend, Mika hat uns echt rangenommen. Dachte wohl, dass wir schon zu lange eine Auszeit hatten!“
„Oh weh, du armer Kerl!“
„Morgen habe ich sicher Muskelkater!“
„Blöd.“
„Und wie geht es Tine?“
„Ja, so lala. Sie war gestern mal aus und das war wohl ganz gut. Ansonsten schreibt sie an ihrer Hausarbeit. Die will sie erst fertig haben, bevor sie mich besuchen kommt.“
„Vernünftige Einstellung.“
„Ja, auf jeden Fall. Ähm… du?“
„Ja?“
„Mh… ich hab ne Mail von Eirik bekommen…“ Irgendwie war sie immer noch unsicher, ob sie es ihm wirklich sagen sollte.
„Oh. Und?“
„Naja… sein Redakteur fand das Interview ganz gut.“
„Es war aber heute noch nicht drin, ich hab extra nachgeschaut.“
„Nein, ich weiss…“
„Gibt es ein Problem?“
„Ja.“
„Ja und? Was ist es denn??? Hat er das auch geschrieben?“
„Ja, hat er. Das Foto…“
„Oah, sag jetzt nicht, der wollte lieber so ein ‚wir sind ja soo verliebt’-Ding haben!!!“
„Doch, genau das.“
„Oh man, ist das ätzend!“
„Es kommt noch viel schlimmer…“
„Schlimmer??“
„Ja. Er hat wohl eine Art Wettbewerb ausgerufen. Wer das beste Foto von uns macht, bekommt eine Belohnung!“
Sigurd stöhnte auf: „Verdammt! Genau so etwas wollte ich eigentlich vermeiden. Tut mir leid, Emma!!! Wenn ich das gewusst hätte…“
„Woher solltest du das denn wissen?“
„Naja, ich habe ja schon ein wenig mehr Erfahrung mit der Presse! Andererseits, wenn ich mir das recht überlege… selbst wenn wir mit Eirik so ein Foto gemacht hätten, heisst das noch lange nicht, dass nicht trotzdem genau das Gleiche passiert wäre!“
„Glaubst du?“
„Ja. Ich meine, was wäre denn so richtig sensationell? Mindestens ein Kuss-Foto, oder? Und das hätte Eirik sicher nicht bekommen!“
„Warum eigentlich nicht?“
„Weil ich sowas nicht darstellen mag, egal, wie authentisch es auch ist! Das ist privat!!! Wenn uns jemand dabei fotografiert und ich es nicht mitbekomme, finde ich das jetzt auch nicht gerade toll, aber irgendwie ist das was anderes. Oder wie siehst du das?“
„Schon ein wenig, ja.“
„Trotzdem, es tut mir Leid, Emma. Ich hätte dich wirklich gern herausgehalten…“
„Aber das funktioniert doch nicht, Sigurd! Ich meine, du bist doch nun mal eine Person von öffentlichem Interesse, gerade in Norwegen. Und wenn ich mit dir zusammen bin, dann färbt das sozusagen auch auf mich ab, ganz automatisch.“
„Ja, ich weiss. Ich… ich hab nur Angst, dass das unsere Beziehung belastet. Besonders nach gestern…“ Er war also wirklich genauso unsicher wie sie, was das alles betraf? Irgendwie erleichterte Emma das ungemein.
Sie fasste sich ein Herz: „Du?“
„Ja?“
„Ich… mir geht es genauso. Das hat mich ganz schön verunsichert, gestern. Aber ich bin mir trotzdem sicher, dass wir genau das Richtige tun!“
„Ja?“ Sie konnte sein Lächeln förmlich hören.
„Ja. Sehr. Auch, wenn das gestern echt total daneben von mir war und blöd und unfair und …“
„Emma! Lass gut sein! Wir waren da beide beteiligt!“ unterbrach er sie.
„Am Streit schon. An dem Theater hinterher aber nicht!“
„Theater? Das hast du doch nicht einfach inszeniert! Die Situation war für uns beide eben neu und nicht gerade einfach!“
„Ja, schon, aber trotzdem. Das war schon mehr als überreagiert!“
„Weißt du was?“
„Nein?“
„Wenn ich jetzt bei dir wäre, wäre diese Diskussion ganz schnell beendet!“
„Ja?“ Wie meinte er das denn jetzt?
„Oh ja!“
„Und wieso?“ Er lachte leise.
„Sigurd!“
„Jaa?“
„Sag schon!“
Er lachte wieder: „Nun, ich würde einfach deine Lieblingsmethode anwenden, mit der du MICH sonst immer zum Schweigen bringst!“
Nun musste Emma auch lachen: „Du Spinner!“
„Was denn? Ist doch äußerst effektiv, oder nicht?“
„Mh, ja, kann schon sein…“
„Kann schon sein?? Soll das etwa heissen, dass ich nicht gut küsse?“ tat er entrüstet.
„Nein, soll es nicht! Und das weißt du auch ganz genau, Herr Pettersen!“
„Weißt du, wie furchtbar gern ich jetzt bei dir wäre?“
„Dito!“
„Kannst du nicht einfach herkommen?“
„Ja, klar! Haben wir nicht bereits das letzte Mal festgestellt, dass Lahti nicht gerade um die Ecke von Oslo liegt?“
„Dooch.“ gab er gedehnt zurück.
„Und wenn es schon verdammt teuer ist, eine Mütze hin und her zu schicken, möchte ich gar nicht wissen, was ein Mensch so kostet!“
„Woher willst du wissen, dass die Mütze teuer war, hm?“
„Das kann ich mir an zwei Fingern abzählen, ich hab auch schon in ner Poststelle gearbeitet und weiss, was 24-Stunden-Sendungen ins Ausland so kosten! Ausserdem meinte das die Frau an der Rezeption in Lillehammer auch!“
Natürlich ignorierter er diese Aussage geflissentlich und sagte stattdessen: „Aber ich kann hier nicht weg! Man, Emma, du fehlst mir ganz furchtbar!“
„Du mir doch auch! Trotzdem kann ich doch nicht dauernd hinter dir her reisen! Weder hab ich die Zeit dazu - morgen ist zum Beispiel Uni und ich war heute zu müde, um den Kram nachzuarbeiten, der liegen geblieben ist - noch das Geld.“
„Bitte, lass uns das Thema ausklammern, ja?“
„Du hast Recht! Nicht schon wieder und schon gar nicht am Telefon!“
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sjoe gollum: "My preciiiiious"
    

Status: Offline Registriert seit: 23.03.2006 Beiträge: 4920 Nachricht senden | Erstellt am 11.01.2007 - 11:50 |  |
„Genau. Also gut, dann freuen wir uns halt auf Donnerstag…“
„Donnerstag?“
„Ja, ab da sind wir in Lillehammer. Und ihr doch auch, denke ich. Oder?“
„Äh, keine Ahnung. Wann ist denn das Springen?“
„Freitag.“
„Oh. Hm. Ja, dann kann das natürlich gut sein, dass wir donnerstag Abend da sind! Ach so, da fällt mir ein…“
„Ja?“
„Hast du die Möglichkeit, noch Karten für Oslo zu bekommen?“
„Für Oslo? Keine Ahnung, aber ich kann fragen. Warum?“
„Ach, Lene bräuchte noch eine für Henning und Margaret und ihre Familie haben auch noch keine…“
„Hast du einen Laden aufgemacht?“ frozzelte er.
„Nein, noch nicht, aber ich habe es mir schon ernsthaft überlegt!“ gab sie in gleichem Tonfall zurück.
„Wär sicher lukrativ, aber wir wollten das Thema ja aussen vor lassen… Ich kann aber wirklich mal fragen, wenn du möchtest.“
„Das wäre total lieb, danke.“
„Gern.“ Schweigen. Zwar kein gänzlich unangenehmes, aber auch nicht so, dass es nicht irgendwie komisch war.
„Was machst du heute noch?“ fragte er schließlich nach einer Weile, sich um ein Thema bemühend.
„Nicht mehr viel, denke ich.“ Sie sah auf die Uhr. Kurz vor Neun inzwischen.
„Meinen Kram für Morgen zusammen packen, vielleicht noch einen Pudding essen und dann schlafen gehen. Ich schätze, für mehr reicht es nicht mehr.“
„Du musst es sagen, wenn ich dich hier wach halte!“
„Ach was, so war das doch nicht gemeint! Ich telefoniere gern mit dir, Sigurd. Auch wenn das irgendwie keins unserer ganz normalen Telefonate ist.“
„Nein. Nicht wirklich. Aber… ich denke, das ist ganz normal. Das war heftig, gestern und wir sind beide noch dem anderen gegenüber unsicher, vielleicht auch etwas verletzt, von dem, was so alles gesagt wurde. Da wäre es doch beinahe komisch, wenn sofort alles wieder so wäre, wie zuvor, oder?“
„Hm, ja, wahrscheinlich. Aber es macht mich unsicher.“
„Mich doch auch.“
„Vorallem, weil es doch gestern Abend, also, als ich noch mal runtergekommen bin, eben doch so war, wie vorher. Alles war gut. Für mich jedenfalls.“
„Ja, für mich auch. Nur ist es halt was anderes, wenn man sich gegenübersteht, als wenn man über tausende Kilometer nur durch eine Telefonleitung verbunden ist.“
„Womit wir wieder dabei wären, dass die Entfernung Oslo – Lahti scheisse ist!“ seufzte Emma.
„Du sagst es!“
„Nur leider können wir immer noch nichts daran ändern.“
„Nein, können wir nicht.“
Dann fiel ihr noch etwas ein.
„Sag mal, bei der Haar-Färbe-Aktion hat Roar doch Fotos gemacht…“
„Du meinst, die von Tine und Tommy?“
„Ja, genau.“
„Ja, da hat er Fotos gemacht. Und du meinst, ich soll mal fragen, ob es da auch eines von uns gibt?“
„Ja, Eirik hat gemeint, vielleicht würde es auch reichen, wenn wir ein entsprechendes Foto haben!“
„Mh, ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass die Fotografen da mitspielen! Nicht, nachdem die einmal heiss gemacht wurden! Die werden ihre Bilder so oder so machen. Aber vielleicht würde dann wenigstens der Artikel vorher erscheinen. Ich kann Roar auf alle Fälle mal fragen, schaden tut es nichts!“
„Ja mach das! Ich hätte eh nichts gegen ein nettes Bild von uns einzuwänden!“
„Och, in Lillehammer gibt es sicher einen Fotografen, zu dem man gehen kann!“
„Ähh?“ Emma kam nicht so ganz mit.
„Na, einen niedergelassenen Fotografen meine ich. Der Portraits und so macht. Da könnten wir doch ein Foto von uns machen lassen. Oder?“
„Einfach so?“
„Na, wenn du doch gerne eines hättest? Ich wäre auch nicht abgeneigt, das wären also schon zwei. Meine Mutter ist auch so ein Foto-Fan, die wäre begeistert und bestimmt fallen uns noch ein paar mehr Leute ein, denen man damit eine Freude machen könnte.“
„Ja, schon.“
„Aber? Ist nicht dein Ding? Oder?“
„Nein, nein, ich wäre nur einfach nicht auf diese Idee gekommen!“
„Nicht? Aber was macht man denn sonst, wenn man gern ein Foto hätte? Darauf hoffen, dass irgendwer irgendwann mal einen gescheiten Schnappschuss liefert?“
„Weiss nicht. Vermutlich hätte ich es so gemacht, ja.“
„Hm. Naja, war ja nur ein Vorschlag!“
„Oh Sigurd! Das heisst doch nicht, dass ich die Idee nicht gut finde. Ich… ich muss mich vielleicht einfach nur daran gewöhnen. Das…“ sie brach ab.
„Das was??“ hakte er nach, wollte der Sache auf den Grund gehen.
„Ich weiss nicht. Macht man sowas nicht nur bei Hochzeiten oder so?“
„Hm, ja, stimmt schon. Irgendwie… ja. Ich dachte nur, weil wir doch beide gern eines hätten…“
„Ja, aber wir können doch auch einfach Roar oder irgendwen fragen, der eine Kamera hat, oder? Muss doch nicht gleich ein Profi sein. Oder wäre dir das lieber?“
„Nein, Quatsch. Das wäre vollkommen in Ordnung. Das mit dem Fotografen ist mir nur zuerst in den Sinn gekommen, weil wir sowas schon öfter verschenkt haben. Meiner Mutter oder an die Omas oder so. Waren immer echt schöne Fotos! Aber du hast schon Recht, das hat wirklich noch etwas Zeit!“
Emma war froh, dass er das auch so sah.
Schweigen. Sie grübelte verzweifelt nach einem anderen Gesprächsthema, aber ihr müdes Hirn wollte einfach nichts Brauchbares hervorbringen und sie seufzte: „Du, Sigurd, sei mir nicht böse, aber ich glaube, inzwischen bin ich so müde, dass ich einfach keine gute Gesprächspartnerin mehr bin. Lass uns auflegen, ja?“
„Ja, klar. Schlaf gut, Emma. Ich melde mich bei dir, morgen ist ja schon die Quali, das wird also wieder sicher ein anstrengender Tag!!!“
„Schlaf du auch gut, Sigurd! Und ich drück dir die Daumen für morgen!“
„Danke!“
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sjoe gollum: "My preciiiiious"
    

Status: Offline Registriert seit: 23.03.2006 Beiträge: 4920 Nachricht senden | Erstellt am 12.01.2007 - 13:10 |  |
Liv lag im Bett und verfluchte ihre Mutter in Gedanken. Man, jetzt hatte sie eine Nacht endlich mal wieder gut geschlafen und dann machte die am nächsten Abend so ein Fass auf!
Nicht dass sie nicht selbst immer noch genug darüber grübelte, wie es mit ihr und Kristian und Bjørn Einar weitergehen sollte, aber das war doch irgendwie noch mal eine Stufe verschärft gewesen. Klar, sie wusste ja, dass Inken Kristian mochte, die beiden kamen gut miteinander aus, aber dass diese gleich so massiv Partei für ihn ergreifen würde, damit hatte sie nicht gerechnet.
Aber das schlimmste war, dass sie nun selbst wieder massiv hin und hergerissen war. Bjørn Einar war nun mal wenig zu Hause und tatsächlich als Weiberheld bekannt. Und nur, weil es zwischen ihnen schon immer besonders gewesen war und er sich nun in sie verliebt hatte, hiess das noch lange nicht, dass er diese Eigenschaft abgelegt hatte. Und wenn sie ehrlich war, legte sie keinerlei Wert darauf, als irgendeine Nummer unter vielen zu enden, die irgendwann sang- und klanglos abserviert wurde, weil eine andere, hübschere, interessantere Frau aufgetaucht war.
Natürlich gab es auch für Kristian keine Garantie, die gab es ja sowieso nie, aber er war definitiv niemand, der sich alle 10 Minuten nach irgendwelchen Frauen umschaute. Und wenn er sagte, dass er sie liebte, dann tat er das auch. Und würde auch alles versuchen, um das weiterhin zu tun.
Naja, fast alles! Immerhin hatte er keinerlei Anstalten gemacht, die Kontaktsperre zu brechen. Zunächst hatte sie das irgendwie gut gefunden, aber jetzt, nachdem das mit Bernar ganz anders lief, war sie doch ein wenig enttäuscht, dass Kristian das so einfach hinnahm. Auch wenn es bedeutete, dass er sich einfach an die Absprache hielt.
Trotzdem! Keinerlei Kampfgeist. Höchstens, wenn es darum ging, den Konkurrenten auf die Palme zu bringen. Und das dann auch noch mit mehr als unschönen Mitteln. Gut, damit hatte sie von ihm auch überhaupt nicht gerechnet, das hatte sie schon negativ überrascht, als sie es herausgefunden hatte. Andererseits, da hatte Bjørn Einar schon Recht, hatte er ziemliche Größe damit bewiesen, dass er von selber mit der Geschichte herausgerückt war und sich entschuldigt hatte. Das wog sich also sozusagen wieder auf.
Nein, irgendwie ärgerte sie das wirklich, dass von Kristian so gar nichts kam. Allein das zeigte ihr mal wieder deutlich, wie unterschiedlich die beiden Männer doch waren. Kristian war bodenständig, treu und eher ruhig, während Bernar ein flippiger Typ mit 1000 Ideen und noch mehr Sprüchen war.
Beides hatte definitv Vor- und Nachteile. Nur, dass es nichts brachte, diese logisch gegeneinander abzuwägen, hatte sie im Laufe der Woche schon feststellen können.
Aber woher sollte sie wissen, welcher Typ, welcher Mann der richtige für sie war? Konnte man das überhaupt wissen? Oder musste sie dafür erst beides ausprobieren? Das würde bedeuten, dass jetzt Bernar angesagt wäre, denn Kristian hatte sie bereits gehabt. Mh. War das wirklich so einfach?
„Sag mal, willst du dich vielleicht gar nicht entscheiden? Gefällt dir das so? Zwei Kerle, die dich unbedingt wollen?“ mit diesen Sätzen erschien Jan Erik vor ihrem geistigen Auge und sah sie provozierend an.
„Ach, leck mich!“ Wütend drehte sie sich auf die andere Seite und versuchte zu schlafen.
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sjoe gollum: "My preciiiiious"
    

Status: Offline Registriert seit: 23.03.2006 Beiträge: 4920 Nachricht senden | Erstellt am 13.01.2007 - 12:50 |  |
Was natürlich nicht funktionierte. Und so war sie eine halbe Stunde später, als ihr Mobiltelefon mit einem Piepston den Eingang einer SMS verkündete, immer noch wach.
„Na? Einschlafprobleme?“ Haha, sehr witzig, Herr Romøren!!!
Leicht angenervt tippte sie: „Ja, allerdings! Mit vielem Dank an meine Mutter und deinen Bruder!!!“ Keine Minute später ertönte ihr Klingelton: „Ja?“
„Mein Bruder? Ist der dir etwa schon wieder auf die Nerven gefallen?“
„Nur virtuell sozusagen. In meinem Gehirn.“
„Oh. Naja, auch das kann bei DEM durchaus schon reichen!“
„Mhm.“
„Was wollte er denn?“
„Ach, er ist auf meinem Entscheidungsproblem rumgeritten, was denn auch sonst?“
„Lass dich bloss nicht ärgern, das geht den gar nichts an!“
„Tja, das scheint heutzutage niemanden mehr davon abzuhalten, sich einzumischen!“ sagte Liv bitter.
„Deine Mutter?“ tippte der Springer.
„Genau die! Ist doch tatsächlich heute zu Kristian in die Bank gegangen und hat mir dann später einen Vortrag darüber gehalten, wie ich es bloss wagen kann, überhaupt einen Anderen in Erwägung zu ziehen!“
„Echt jetzt?? Sie ist da hin? Und was wollte sie von ihm?“
„Keine Ahnung! Fragen, wie es ihm geht, ihn bemitleiden, ihm ihre Unterstützung zusichern, was weiss ich. Irgendwann war es mir echt zu blöd und ich bin gegangen!“
„Kann ich verstehen! Boah, ich glaub, ich hätte meine Mutter… weiss nicht…!“
„Aber hallo! Ich koche ja jetzt noch, wenn ich bloss dran denke!“
„Also, ich meine, wenn du jetzt 16 wärst, o.k., aber so??“
„Weißt du, was das scheinheiligste an der ganzen Sache ist?“
„Nee.“
„Sie hat so getan, als ob Skispringer das Letzte sind. Dabei ist ihr gelieber Neffe Sigurd einer und sie ist die erste, die vor dem Fernseher hockt, sobald eine Übertragung kommt! Da könnte ich echt einen Anfall kriegen!“
„Naja, ich meine, dass wir selten zu Hause sind, ist sicher alles andere als ein Pluspunkt, oder?“
„Ach? Na und? Das wäre doch, wenn, mein Problem! Genau wie…“ sie unterbrach sich selbst. Das war eigentlich kein Thema, was sie jetzt und am Telefon anschneiden wollte, aber natürlich war er jetzt hellhörig geworden.
„Genau wie was???“
Liv seufzte, dann sagte sie: „Dein Frauenverschleiss. Gefällt meiner Mutter natürlich auch kein bisschen!“
„Und was ist mit dir? Wie siehst du das? Ich meine, du weißt, dass ich da nicht gerade der Zurückhaltendste bin.“
„Ja.“
„Ja, und?“
„Boah, was soll ich dazu sagen? Das ist nun mal so. Ich finde es affig, sich über Verflossene Gedanken zu machen, wenn das von deiner Seite aus vorbei ist. Aber natürlich gefällt mir die Vorstellung nicht, auch nur irgendeine Nummer zu sein, die sich irgendwann von selbst erledigt!“
Er schwieg eine Weile, dann sagte er: „Nein, das würde ich wohl auch nicht sein wollen, an deiner Stelle. Hör zu, Liv, ich kann dir da nichts versprechen, also, jedenfalls nicht, dass es für immer ist oder so. Das… das wäre nicht fair! Ich weiss nicht, ob ich das kann. Oder will. Aber es war schon immer irgendwie besonders zwischen uns und ich glaube, das würde es auch bleiben, wenn wir uns wieder trennen würden. Ich weiss auch nicht, sowas hatte ich noch nie. Weder das vorher, noch dass ich mich dann so in dich verliebt habe. Das ist einfach speziell! Und sowas ist auch dann nicht aus der Welt, wenn die Gefühle sich ändern. Oder?“
„Keine Ahnung. Klingt schon irgendwie logisch oder zumindest im Bereich des Möglichen, ja. Aber ich kenn mich da doch auch nicht aus, SOWAS wie mit dir hatte ich bisher auch noch nie. Es ist einfach ganz anders!“
Sie konnte sein Lächeln förmlich hören: „Oh ja, das ist es! Ich schätze, wenn ich jetzt eine Pulskontrolle hätte, würde der Doc entsetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen!!!“
„Echt jetzt?“
„Mhm!“
„Und ich dachte immer, Sportler hätten sowas nicht!“ frozzelte Liv, weil sie sonst nichts darauf zu sagen wusste.
„Was? Beschleunigten Pulsschlag? Tjaa, verliebte Sportler aber alle Mal! Ich wette, dein Cousin kann auch ein Lied davon singen!“
„Das kann gut sein!“
Dann, nach einer kurzen Stille: „Ich hoffe bloss, dass Daniel morgen die Quali schafft und auch für das Teamspringen aufgestellt wird! Sonst knurrt der wieder die ganze Zeit vor sich hin und ich muss mir das anhören!“
„Anhören? Du hast doch eh ständig Kopfhörer auf, jedenfalls, wenn man den Fotos so glauben darf!“ Bernar fragte amüsiert: „Du guckst dir Fotos von mir an?“
„Naja, manchmal kommt man eben nicht drumrum, wenn man sich informieren will.“
„Soso.“
„Jaha! Da brauchst du dir jetzt gar nichts drauf einbilden, Romøren!!!“
„Schade!“
Nun musste Liv lachen: „Du bist echt sowas von unmöglich, weißt du das?“
„Ja, weiss ich. Aber was soll ich machen?“
„Du meinst, deine Kindheit ist Schuld oder so?“
„Jaa, genau, sowas wird es wohl sein!“
„Ooooch, armer Bernar!“
„Tröstest du mich?“
„Wenn du mir verrätst, wie das über’s Telefon gehen soll?“
„Leider nicht soo gut, wie ich mir das vorstelle!“
„Eben!“
„Soll das heissen, wir teilen die Vorstellung??“ fragte er, das Geplänkel zwar weiterführend, aber doch mit einem gewissen Ernst.
„Sagen wir mal so, ich weiss, was du meinen könntest und DAS geht übers Telefon definitiv nicht.“
„Sehr diplomatische Antwort!“
„Man, Bjørn Einar! Wenn das so einfach wäre, dann hätte ich mich wohl längst entschieden, oder?“
„Ja, ich schätze schon. Unnskyld! Hast du eigentlich mal irgendwas… also, ich meine, hat Kristian sich irgendwie gemeldet?“
„Nein.“
„Oh. Der hält sich wohl an Absprachen, im Gegensatz zu mir, wie?“ meinte er geknickt.
„Ja, sieht so aus. Aber keine Sorge, ich bin dir deswegen nicht böse oder so. Es macht es zwar nicht unbedingt einfacher, weil ich auch ein klein wenig ein schlechtes Gewissen Kristian gegenüber habe, aber schließlich verdanke ich dir eine Nacht mit gutem Schlaf!“
„Stimmt. Das ist natürlich ein Argument! Und wer weiss, vielleicht ja sogar zwei, schließlich haben wir schon wieder am späteren Abend miteinander telefoniert.“
„Möglich, ja.“
„So ungern ich das jetzt auch sage, ich fürchte, ich muss mal auflegen. Morgen ist Training und Quali und heute war es echt anstrengend!“
„Natürlich! Tut mir leid, ich hab gar nicht nachgedacht!“
„Quatsch, ich hab dich doch angerufen! Das passt schon. Also: schlaf gut, Liv!“
„Du auch, Bjørn Einar!“
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sjoe gollum: "My preciiiiious"
    

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sorry, war gestern mal wieder migräne-technisch ausgeknockt! 
Nach seinem letzten Freitags-Seminar fuhr Toril in seine Wohnung. Er musste dringend mal wieder ein paar Minuten für sich haben! Und die würde er bekommen, selbst wenn Anikki da war. Die war einfach sensibel für solche Stimmungen. Solveig normalerweise auch, aber im Moment war einfach nichts mehr normal.
Ihre Hormone fuhren offensichtlich Achterbahn mit ihr und er war mittendrin. Nicht dass er sich beklagen wollte, überhaupt nicht, schließlich war er genauso daran beteiligt, wie sie, aber manchmal war es eben auch ihm zu viel. Mal in Ruhe aufs Bett legen, abschalten und später vielleicht ne Runde Langlauf machen, einfach so. Kein Training, nur Spaß.
Er hatte Solveig bereits per SMS informiert, dass er erst wieder am Abend vorbeischauen würde und bis jetzt war kein Protest gekommen. Aber den hätte er sowieso abgeschmettert. Zwar nur ungern, aber dennoch…
Als er die Wohnungstür aufschloss, hörte er Stimmen. Anikki hatte Besuch. Er warf einen Blick ins Wohnzimmer und wurde daraufhin freudig von seiner Mitbewohnerin und ihrer älteren Schwester begrüßt. Da die beiden aber offenbar in ein Gespräch vertieft waren, war es kein Problem, sich gleich ins Schlafzimmer zu verkrümeln.
Er zog seine Schuhe aus und ließ sich dann ächzend auf das Bett fallen. Es dauerte ein wenig, bis er eine gemütliche Position gefunden hatte, dann begann er mit seinen üblichen Entspannungsübungen. Durch die geschlossene Tür drang aus dem Wohnzimmer leises Gemurmel zu ihm, aber das störte nicht weiter.
Einige Zeit später hatte er sich nicht nur körperlich vollkommen entspannt, sondern auch sein Gehirn wunderbar leer bekommen.
Und er tauchte auch erst wieder aus diesem Zustand auf, als die Wohnungstür mit einem lauten Knall zuschlug. Verwundert richtete er sich ein wenig auf und sah auf die Uhr. Etwa 40 Minuten waren vergangen und er fühlte sich quasi wie neu. Wenn er jetzt noch ne Runde durch den Schnee drehte, war die nächste Woche gesichert.
Doch dann fiel ihm wieder ein, was ihn sozusagen ‚geweckt’ hatte. Die Wohnungstür.
Hatten Kajsa und Anikki gestritten? Nicht dass das nicht auch mal vorkommen konnte, aber eigentlich waren doch beide keine, die dann Türen knallten. Also, jedenfalls würde er das von früheren Erfahrungen her eher ausschließen. Vielleicht sollte er also besser herausfinden, was los war!
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sjoe gollum: "My preciiiiious"
    

Status: Offline Registriert seit: 23.03.2006 Beiträge: 4920 Nachricht senden | Erstellt am 16.01.2007 - 08:03 |  |
Als er seine Tür öffnete, war alles still und er dachte schon, Anikki wäre auch gegangen, als er dann auf einmal ein leises Schniefen hörte. Sie weinte? Zögernd trat er in den Türrahmen und blickte ins Wohnzimmer. Seine Mitbewohnerin saß auf dem Sessel, biss auf einem Finger herum und wischte mit der anderen Hand eher ärgerlich als traurig die Tränen weg.
„Darf ich?“ fragte er leise.
„Klar. Ist doch dein Wohnzimmer!“
„Oh Anikki! Jetzt vergiss das doch mal! Du wohnst genauso hier, wie ich und wenn du lieber allein sein möchtest, dann ist das dein gutes Recht!“
„Nein. Also, ich meine, ich will nicht lieber allein sein.“
„O.k.“ Er ließ sich auf der Couch nieder.
„Magst du drüber reden?“ fragte er nach einer Weile.
Und als ob es nur dieser Worte bedurft hätte, sprudelte es förmlich aus ihr hervor: „Kajsa war hier. Sie hat mir von den neusten Entwicklungen im Hause Grönning berichtet. Oh man, ich könnte so kotzen, echt! Die haben doch echt einen an der Klatsche!
Mein Vater hat doch diese Freundin. Die sind seit Mitte Januar zusammen. Erst. Und jetzt ist sie wohl schwanger und die machen einen auf glückliche Familie. Ekelhaft! Die ist gerade mal zwei Jahre oder so älter als Kajsa! Die kann mir doch nicht erzählen, dass sie wirklich auf so einen wie meinen Vater steht!
Ich meine, er ist wirklich o.k., normalerweise, aber mit Mitte 20 einen Kerl der Ende 50 ist? Boah! Allein das ist doch schon der totale abturn! Und jetzt kriegt die ein Kind von ihm? Ich fasse es nicht! Und er muss wohl einen auf mega-glücklicher Daddy machen! Dabei hat er sich schon um Siina kaum gekümmert!
Kajsa war total fertig, als sie das mitbekommen hat. Und der hat nichts Besseres zu tun, als ihr vorzuwerfen, dass sie ihm sein Glück nicht gönne. Glück? Hah!!! Als ob die Schnalle bei ihm bleibt!!! Die lässt sich jetzt ein Kind machen, damit ihr Unterhalt gesichert ist… Praktischer Weise muss er ja für Kajsa und mich nicht mehr zahlen, weil wir beide ja eine abgeschlossene Ausbildung haben, nur noch für Siina. Also wird es an der Kohle wohl nicht scheitern. Gelernt hat er aus der Trennung von Mama ja wohl keinen Deut! Oh man!!!!“ Sie biss sich auf die Lippen, um die erneut aufsteigenden Tränen zu unterdrücken, aber es funktionierte nicht.
„Komm her!“ Toril klopfte neben sich auf die Couch und Anikki ließ sich das nicht zweimal sagen. Sie setzte sich neben ihn und er zog sie in seine Arme.
Nach dem sie ein wenig geweint hatte, sagte sie: „Das war schon hart, dass er überhaupt ne Freundin hatte. Halt einfach ein Zeichen, dass es das wirklich endgültig war. Schätze, Kajsa und ich haben unterbewusst immer noch gehofft, dass Mama und er sich doch noch mal einkriegen. Aber das jetzt…?“ Sie schüttelte den Kopf.
„Hat so was von ‚ich ersetze das, was mir nicht mehr passt’, hm?“ meinte Toril und strich ihr über die Haare.
„Ja, genau das. Oh man! Ich meine, ich bin ja wenigstens hier, bei dir, aber Kajsa…“
„Kann sie nicht auch bei irgendwem unterkommen? Ich meine, das muss sie sich doch wirklich nicht geben!“
„Ja, das hab ich ihr ja auch gesagt, aber sie will nichts davon hören! Ich glaube, sie bildet sich ein, sie könnte vielleicht doch noch was retten, wenn sie zumindest mitbekommt, was läuft. Dabei geht sie daran kaputt, das kann man direkt schon sehen!“ Toril versuchte, sich Kajsas Aussehen vorhin ins Gedächtnis zu rufen, aber es gelang ihm nicht. Da war er einfach zu sehr auf sich selbst fixiert gewesen.
„Scheisse! Und deswegen habt ihr gestritten?“
„Genau. Und ihr letzter Satz war, dass sie mir inzwischen wohl auch schon egal sei. Dabei… niemals!!!“ Sie kämpfte erneut mit den Tränen.
„Das hat sie doch nicht wirklich so gemeint, Anikki! Dafür steht ihr euch viel zu nahe!“
„Eigentlich schon, ja. Aber warum sagt sie dann sowas?“
„Weil sie mit dem ganzen Kram auch total überfordert ist! Soll ich mal mit ihr reden?“
„Weiss nicht, dann denkt sie bestimmt, dass ich dich geschickt hab. Ich will sie echt nicht noch mehr verärgern!“
„Hm.“ Sie schwiegen eine Weile.
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sjoe gollum: "My preciiiiious"
    

Status: Offline Registriert seit: 23.03.2006 Beiträge: 4920 Nachricht senden | Erstellt am 17.01.2007 - 11:33 |  |
Dann klingelte das Telefon. Er angelte nach dem Gerät, das auf dem Wohnzimmertisch vor ihm lag: „Hei, Toril hier.“
„Hei, hier ist Liv. Ich wollte nur fragen, wie wir das morgen und übermorgen mit Skispringen machen. Gucken wir bei mir oder bei dir?“
„Warte, ich sprech mal kurz mit Anikki darüber!“ Er bedeckte die Hörermuschel mit seiner Hand und fragte: „Wäre das o.k. für dich, wenn wir hier morgen und übermorgen Skispringen gucken? Wenn nicht, kein Problem, wir können auch zu Liv gehen.“
„Quatsch! Das war doch immer bei dir, wenn ich es richtig verstanden habe. Und nur weil ich hier bin…“
„Nur?? Fräulein Grönning, ich glaube, wir müssen da mal ein paar ernste Worte miteinander reden! Wenn du lieber deine Ruhe hättest, anstatt ein paar durchgeknallte Skisprungsfans im Wohnzimmer hocken zu haben, dann kannst du das ruhig sagen!“
„Nein, kein Problem. Wenn ich weit genug genäht habe, gucke ich vielleicht eine Runde mit, ansonsten verziehe ich mich eben in die Küche.“ Toril sah sie prüfend an, aber sie schien es so zu meinen, wie sie gesagt hatte.
Deshalb sagte er zu Liv: „Wir gucken bei mir. Sagst du den anderen Bescheid oder soll ich?“
„Emma wollte ich sowieso noch anrufen. Und Berit. Aber vielleicht könntest du die anderen…?“
„Berit???“
„Ja, die muss ich wegen der Karten für Lillehammer und Oslo fragen. Also, ob sie die haben will und dann mitkommt.“
„Ist das dein Ernst? Sie hat sich doch immer noch nicht bei Emma und Sigurd und uns allen entschuldigt!!!“
„Nein, hat sie nicht. Aber vielleicht wäre dieses Wochenende eine Gelegenheit dazu? Vielleicht wartet sie ja nur darauf, dass sie eine Chance bekommt…“
Toril schnaubte ungläubig, meinte aber: „Von mir aus kannst du gern dein Glück bei ihr versuchen. Ich informiere dann den Rest.“
„Danke! Dann sehen wir uns morgen bei dir, ja?“
„Genau. Ha det, Liv!“
„Ha det, Toril!“ Nachdem er aufgelegt hatte, schüttelte er den Kopf. Berit. Der Gedanke behagte ihm gar nicht. Nach so einem Auftritt war es seiner Meinung nach nicht mit einer einfachen Entschuldigung getan, vorallem nicht Emma gegenüber. Aber natürlich konnte es gut sein, dass er eben, weil es sie betraf, besonders kritisch war.
„Ärger?“
„Nein, nicht wirklich. Aber Liv will Berit fragen, ob sie auch kommen will. Das ist die, die auf Emma so eifersüchtig war, wegen Sigurd und sie dann beschimpft hat. An dem Tag, als Solveig und ich dann…“
„Ja, ich weiss schon. Aber wieso will sie ausgerechnet, dass DIE kommt?“
„Sie meint, dass die vielleicht auf eine Gelegenheit hofft, sich zu entschuldigen.“
„Und du glaubst das nicht?“
„Weiss nicht, vielleicht bin ich ein wenig arg negativ, weil es Emma betraf. Aber ich meine, das war vor über einem Monat! Wenn es ihr so wichtig gewesen wäre, hätte sie sich doch auch melden können, oder? Ich meine, wir waren alle entsetzt und auch sauer, aber ich glaube nicht, dass wer sie abgewiesen hätte, wenn sie sich hätte ehrlich entschuldigen wollen.“
„Tja, ob sie das auch so gesehen hat? Naja, ich denke, das wird Liv am Telefon schon rausfinden, ansonsten gibt es immer noch ne Tür hier, zu der man sie hinausschicken kann!“
„Stimmt schon.“
Er stand auf und streckte sich: „Ich geh langlaufen. Kommst du mit?“
„Jetzt?“
„Ja, jetzt. Warum nicht?“
„Ich… eigentlich muss ich echt noch nähen, bin eh schon im Rückstand!“
„Ach komm, es tut dir sicherlich auch mal ganz gut, was anderes, als nur den Stoff zu sehen!“
„Das auf jeden Fall. Aber nächste Woche muss ich arbeiten, da komme ich dann noch weniger zum Nähen!“
„Bitte, Anikki!“
Sie seufzte, lächelte dann aber und sagte: „Aber wehe, wenn du mich einfach abhängst, Toril Fjeld!“
”Ich wollte eigentlich ganz gemütlich eine Runde laufen, ich denke, da solltest du mithalten können.“
„Versprech dir lieber nicht zu viel, ich hab schon lange nichts mehr gemacht!“
„Um so mehr wird es Zeit!“
„Bäääh!“
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