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...   Erstellt am 29.03.2007 - 23:46Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ausweg zur Liebe

1.Autorin: Steffi Pancke
2.Art der Story: Drama?
3.Hauptpersonen: Tom, Bill, Jana, Gustav, Georg
4.Rating: PG-14
5.Disclaimer: TH gehören mir nicht, ich verdiene kein Geld mit der Story, alle Handlungen sind frei erfunden...
6.Claimer: Die Handlungen und alle anderen Personen und Tiere gehören mir. & die Idee ist von mir


Prolog

„Schau mal, Dad“, staunte Jana und wies auf das Schaufenster vor ihnen.
Janas Vater Hannes folgte ihrem Finger, auf seinem Gesicht bildete sich ein Lächeln und er nickte. „Ja, wirklich schön. Das hättest du wohl gern, was?“
Er grinste seine Tochter an.
Jana nickte eifrig. „Hm.“ Hannes tat, als müsste er überlegen. „Sei nicht so fies zu Jana“, lachte seine Frau und somit Janas Mutter Kate. Hannes streckte die Zunge heraus. „Na ja. So viel müsste ich wohl noch übrig haben“, erklärte er dann.
Jana stieß einen kleinen Freudenschrei aus, anschließend eilte sie ins Geschäft.
Jana Menken war vierzehn Jahre alt und wohnte in Magdeburg. Sie hatte blondes Haar, mit ein paar dunkelblonden und schwarzen Strähnchen und blau-grüne Augen.
Jana war 1, 64 Meter groß und sehr schlank.
Momentan war sie mit ihren Eltern Hannes und Kate in Frankreich.
Urlaub.
Nun folgten Hannes und Kate ihrer Tochter ins Geschäft, in dem Jana das Kleid entdeckt hatte.
Suchend schaute Kate sich nach ihrer Tochter um. „Da ist sie doch“, lachte Hannes.
Er fand es äußerst amüsant, wie seine Tochter da vor dem Kleid stand und es anstarrte.
Er fragte nicht nach dem Preis. Jana probierte das Kleid an und ließ sich von ihren Eltern mustern.
Das Kleid war schwarz, eng und ziemlich kurz und sehr schick. Es betonte Janas gute Figur äußerst gut.
„Gefällt es euch?“, fragte Jana mit glänzenden Augen. Hannes und Kate nickten. „Toll, wirklich toll!“
Jana grinste zufrieden, zog sich wieder um und gemeinsam gingen die drei zur Kasse.
Hannes bezahlte das Kleid. „Danke Dad“, freute sich Jana und umarmte ihren Vater kurz.
„Na, dann wollen wir mal weiter. Übermorgen geht’s wieder nach Hause und morgen müssen wir noch packen und so weiter. Wollen wir wenigstens diesen Tag noch so richtig genießen“, schlug Hannes vor und legte jeweils einen Arm um Jana und Kate.
So schlenderte die Familie durch die Stadt.

Kapitel 1

Seit dem Urlaub in Frankreich waren mittlerweile sechs Wochen vergangen.
Kate und Jana waren gerade in der Küche und richteten das Abendbrot her, als Hannes heim kam.
„Schau, dein Vater kommt“, bemerkte Kate und Jana nickte. Als die Küchentür aufflog, wollte Kate ihrem Mann einen Kuss geben, doch Hannes schubste sie unsanft weg. Der Schäferhund Bobby schien sofort zu verstehen, dass etwas nicht stimmte, er flitzte rasch unter die Eckbank und verkroch sich in die hinterste Ecke.
Die Katze Nora sprang von der Fensterbank und verließ das Zimmer fluchtartig.
Jana riss die Augen auf. Was war denn mit dem los?
Hannes sah wütend aus, sehr wütend!
So wütend, dass Jana Angst bekam.
„W…w…was ist los, Dad?“, fragte sie mit zittriger Stimme. Kate schaute ihren Mann nur erschrocken an. „Was los ist?“, rief er aufgebracht. „Was los ist? Nichts ist los! Sie haben mich entlassen, fristlos entlassen haben mich diese Schweine!“ Oh ja, er war wütend.
Seine Augen funkten vor Wut, seine Stimme war laut.
Jana zuckte erschrocken zusammen. So kannte sie ihren Vater gar nicht.
Kate schien zu begreifen, was Hannes da eben gesagt hatte. „Sie haben sich entlassen? Du hast deinen Job verloren? Wieso?“
Erst nun kapierte Jana, wieso ihr Vater so aufgebracht war. „Ich war ihnen nicht mehr gut genug! Sie haben jemanden gefunden, der besser arbeiten kann! Diese Schweine!“
Das konnte nur ein schlechter Witz sein!
Janas Vater konnte doch nicht einfach so seinen Job verlieren!
„So eine Scheiße“, fluchte Hannes und ließ sich am Tisch nieder. „Iss doch erst einmal etwas“, schlug Kate vor und schob Hannes’ Teller näher an Hannes heran.
Hannes schnaubte wütend. „Ich will nichts essen“, schrie er. „Aber…“, begann Kate. Hannes sprang auf und schmiss den Teller zu Boden.
Beim Klang des Aufpralls zuckte Jana zusammen.
Was war denn mit ihrem Vater los?
Sie verspürte Angst. Wieso war er so?
Kate schaute ihren Mann irritiert an. „Hannes“, sagte sie dann ruhig. „Nichts Hannes.“, schrie der Vater, schnappte sich seine Jacke und fuhr weg.
Kate sank zurück auf ihren Platz und lehnte ihren Kopf auf den Händen. „Mum“, sagte Jana leise, ging auf ihre Mutter zu und strich ihr über den Arm.
Kate atmete tief durch.
„Das ist bestimmt nur so eine Phase“, behauptete sie.
Eine Phase…
Jana schluckte und erhob sich. „Willst du nichts essen?“, fragte Kate. „Nee, kein Hunger…“ Kate lächelte gespielt. „Ich eigentlich auch nicht.“
Gemeinsam deckten Jana und Kate den Tisch wieder ab. „Komm, Bobby“, sagte Jana leise.
Endlich kam Bobby unter der Eckbank hervor gekrochen. „Komm, wir gehen nach oben“, murmelte Jana, schenkte ihrer Mutter einen Blick und verschwand mit dem Hund die Treppe herauf.
In ihrem Zimmer angekommen, schmiss sie sich aufs Bett, Bobby sprang ebenfalls aufs Bett und schaute Jana an. Jana bildete sich ein, Bobby schaute sie auf irgendeine Art und Weise fragend an. „Ach Bobby. Dad dreht komplett durch, du hast es ja gesehen. Er hat seinen Job verloren. Mum sagt, es ist nur so eine Phase… Ich hoffe, das stimmt. Wenn mein Dad nun dauerhaft so drauf ist, werde ich damit bestimmt nicht fertig und Mum schon lange nicht.“
Sie kraulte Bobby hinter den Ohren.
Das liebte er.
Er legte sich hin und bettete seinen Kopf auf Janas Schoß. Jana streichelte ihn unentwegt und irgendwann nickte sie ein.

Kapitel 2

Heiße Tränen strömten Jana über ihr Gesicht.
Warum?
WARUM?
Ihr Vater war wieder einmal vollkommen ausgerastet.
Seit er entlassen worden war, waren zwei Monate vergangen.
Seitdem betrank er sich täglich und kam immer wieder total betrunken nach Hause.
Kate oder Jana durften ihn niemals ansprechen, Bobby versteckte sich jedes Mal unter der Eckbank.

Nun hatte Hannes Janas Mutter schon wieder geschlagen.
Kate lag zusammengekauert auf dem Boden, ihre Lippe war aufgeplatzt, sie weinte und ihre Nase blutete.
„Hannes“, schluchzte sie.
KLATSCH.
Wieder hatte er Kate eine Ohrfeige verpasst.
Wieso tat er das?
Kate konnte doch nichts dafür, dass Hannes seinen Job verloren hatte.
Außerdem war es mittlerweile doch schon zwei Monate her.
Wieso riss er sich nicht zusammen und suchte sich einen neuen Job?
Wieso mussten Jana und Kate nur so darunter leiden?

Hannes riss die Schränke auf, dann war minutenlang nur lautes Klirren zu hören.
Schon wieder hatte er Teller und Tassen aus dem Schrank gerissen, das Geschirr war auf den Boden gefallen und wieder einmal in tausend Teile zersprungen.
So ging es täglich.
Kate war klug, sie packte immer nur fünf oder sechs Teller und genauso viele Tassen in die Schränke.
Mittlerweile war es fast zur Gewohnheit geworden, dass Hannes jeden Abend, wenn er betrunken von der Kneipe kam, Kate und Jana schlug und das Geschirr aus den Schränken riss.
Jana hatte Angst.
Angst vor ihrem eigenen Vater.
Kate ging es nicht anders, das wusste Jana, doch ihre Mutter würde es sich niemals eingestehen.
Wieder schlug Hannes auf Kate ein.
Sie lag zusammen gekauert auf dem Boden und versuchte, ihr Gesicht vor seinen Schlägen zu schützen.
Die Zeit schien unendlich langsam zu vergehen.
Endlich ließ Hannes von seiner Frau ab.
Jana stand im Türrahmen, Hannes schubste seine Tochter unsanft zur Seite und verließ das Zimmer.
Jana verlor das Gleichgewicht und ihr Kopf schlug hart auf die Treppe auf.
Keine fünf Sekunden später tropfte Blut von der Stufe.
Jana brauchte einen Moment, bis sie das alles realisierte.
Sie setzte sich auf, rieb den schmerzenden Kopf und starrte ihre blutüberströmte Hand an.
„Kind.“ Erschrocken und weinend sprang Kate auf und ging kraftlos auf ihre Tochter zu.
Jana verlor immer mehr das Bewusstsein.
Kate zerrte ihr Kind auf die Eckbank, schnappte sich das Handtuch, das über einen der Stühle hing und presste es Jana gegen die blutende Wunde.
„Bleib wach, Jana“, schrie Kate fast.
Dann erhob sie sich und sagte: „Press das Handtuch fest gegen deinen Kopf, Jana.“
Jana gehorchte kraftlos.
Plötzlich wurde ihr ganz schwindelig, doch sie zwang sich, wach zu bleiben.
Kate zog ihre Jacke an und legte auch Jana eine Jacke um.
„Komm“, sagte sie leise, half Jana beim Aufstehen und stützte sie.
Gemeinsam schafften sie es, das Auto zu erreichen.
Jana saß auf der Rückbank, während Kate den Autoschlüssel aus ihrer Jackentasche kramte und das Auto startete.
„Jana, bleib wach.“
Immer wieder schaute Kate besorgt in den Rückspiegel.
Das Handtuch konnte man bereits auswringen, so sehr blutete Jana.
Sie hielt ihre Augen halb geschlossen, immer wieder sagte Kate: „Bleib wach, Jana.“
Jana gehorchte, es fiel ihr schwer, doch sie gehorchte.
Immer, wenn sie beinahe einnickte, meldete sich Kate wieder zu Wort.
Wach bleiben…

Kapitel 3

Es schien eine Ewigkeit vergangen zu sein, ehe Kate und Jana endlich beim Krankenhaus ankam.
Kate eilte hinein und ließ ihre mittlerweile halbbewusstlose Tochter auf dem Rücksitz des Autos zurück.
Nur eine Minute später kam Kate wieder.
Mit zwei Ärzten.
Jana wurde auf eine Bare gelegt und ins Krankenhaus getragen. Kate redete besorgt auf ihre Tochter ein, Jana bekam das alles nicht mehr richtig mit.
Jana wurde sofort behandelt.
Sie hatte eine ziemlich große Platzwunde.
„Wie ist das denn passiert?“, fragte der Arzt, während er Janas Wunde abtupfte.
Jana fing sich einen warnenden Blick von ihrer Mutter ein.
„Bin die Treppe herunter gefallen“, log Jana.
In diesem Moment war Kate stolz darauf, dass Jana so gut lügen konnte. „Man, da bist du aber unglücklich gefallen“, bemerkte der Arzt, der Jana diese Lüge offenbar abkaufte.
Die Platzwunde musste genäht werden.
Vorher bekam Jana jedoch eine Spritze, wegen den Schmerzen.
„Na, ich schlage vor, Ihre Tochter bleibt heute Nacht hier.“ Panik breitete sich in Jana aus.
Was?
Nein, ihre Mutter konnte unmöglich allein nach Hause fahren. Hannes würde ausrasten.
„Kann meine Mum nicht auch hier bleiben?“ Bittend schaute Jana den Arzt an.
Man, nun dachte der bestimmt, Jana wäre das totale Mama-Kind!
Egal…
„Natürlich.“, erwiderte der Arzt lächelnd, wirkte jedoch ziemlich verwirrt.
Kate und Jana hatten ein Zimmer für sich allein.
Zwei Betten.
„Mum, ich hab Angst“, gestand Jana, nachdem der Arzt das Zimmer verlassen hatte.
Kate schaute ihre Tochter an, sie hatte Tränen in den Augen. „Ich auch, Jana, aber das wird wieder…“, murmelte sie fast.
Jana setzte sich auf.
„Nein Mum! Und das weißt du auch! Dad wird sich nicht ändern. Er besäuft sich doch nur noch.
So kann das nicht weiter gehen. Mum, der schlägt dich noch mal tot!“
Erst nun wurde ihr bewusst, dass sie diese Sätze fast geschrieen hatte. „Kind“, begann Kate, „wir können doch nichts machen. Was soll ich denn deiner Meinung nach tun?“
Verzweifelt schaute sie Jana an.
„Du kannst viel tun! Verlass ihn. Mum, er wird sich nicht ändern. Irgendwann wird er vollkommen ausrasten! Mum, wieso lässt du das mit dir machen? Du bist doch sonst so stark!“
Fast verständnislos musterte Jana ihre Mum.
„Ich kann ihn nicht verlassen! Ich liebe ihn.“
Jana schnaubte.
Dafür hatte sie nun wirklich kein Verständnis!
„Mum, du liebst ihn? Er schlägt dich. Schau dich an! Schau, was er dir angetan hat! Und schau, was er mir angetan hat!“

Der Arzt, der Jana behandelt hatte, saß nachdenklich in der Küche und schlürfte Kaffee.
Eine Schwester kam ins Zimmer.
„Was ist los, Klaus?“, fragte sie, als sie bemerkte, dass er nachdachte.
„Hm? Ach, ich hab nur nachgedacht. Die Jana, die vor einer Stunde eingeliefert wurde… Sie behauptet, sie wäre die Treppe herunter gefallen und hätte sich dabei die Platzwunde zugezogen…“
„Und?“ Die Schwester schien nicht zu begreifen, was der Arzt ihr sagen wollte.
„Na ja… Ich weiß nicht, wieso, doch irgendwie glaub ich ihr das nicht.“
„Hm“, machte die Schwester nur und schwieg.
Irgendwann sagte sie: „Die Frau, ihre Mutter sah auch nicht viel besser aus. Es hatte den Anschein, sie wäre geschlagen worden…“
Der Arzt nickte.

Kapitel 4

Es war mitten in der Nacht.
Jana lag in diesem Krankenhausbett und konnte einfach nicht einschlafen.
Kate schlief schon lange, Jana hörte ihre Mutter gleichmäßig atmen.
Wieso tut Dad das?, fragte Jana sich wahrscheinlich zum tausendsten Mal.
Und wieso ließ Kate sich das gefallen?
Jeden Tag verprügelte der Vater sie, Jana bekam meist auch etwas ab…

Gegen halb zehn wachte Kate auf. Jana lag wach im Bett, sie hatte fast die ganze Nacht kein Auge zu bekommen.
„Morgen“, sagte Kate leise.
Jana sah auf.
Erst jetzt bemerkte sie, dass ihre Mutter wach war. „Morgen“, erwiderte sie.
„Heut geht’s wieder heim“, stellte Kate fest, in ihrer Stimme lag ein ängstlicher Unterton.
„Ja…“, murmelte Jana nur und setzte sich auf.

Kurz darauf kam der Arzt und untersuchte Jana noch einmal. „Alles bestens. Du kannst heute heim. Demnächst werden dann die Fäden gezogen.“
Jana nickte.

Nachdem Kate und ihre Tochter sich fertig gemacht hatten, verließen sie das Krankenhaus mit gemischten Gefühlen.
Vielleicht hätten sie ja Glück und Hannes würde nicht zuhause sein…

Sie hatten Glück.
Zufall oder Schicksal?

Jana hatte Angst, schreckliche Angst.
Zwar war Hannes momentan nicht zuhause, er konnte jedoch jeden Moment wieder kommen.
Dann würde es wieder von vorn losgehen…
Er würde Kate wieder verprügeln.

Kate und Jana saßen stumm am Küchentisch und aßen zu Mittag. Hannes war immer noch nicht zuhause, worüber keiner der beiden traurig war.
Nein, im Gegenteil. Sie freuten sich, wenn Hannes nicht daheim war.
Nach dem Essen ging Jana in ihr Zimmer, kramte ihr Tagebuch aus der Nachttischschublade hervor und begann zu schreiben:

-> Liebes Tagebuch! 07.09.04

Zuhause ist es immer noch der Horror.
Gestern musste ich ins Krankenhaus! Dad hat Mum schon wieder geschlagen, dann ist er total wütend an mir vorbei gerauscht, hat mich geschubst und ich bin mit dem Kopf auf die Stufe der Treppe geknallt.
Es tat höllisch weh.
Mum ist sofort mit mir zum Krankenhaus gefahren, Dad hat sich wieder mal nur einen Dreck um mich geschert.
Ich hatte eine große Platzwunde am Kopf, es musste genäht werden…
Mum und ich sind über Nacht im Krankenhaus geblieben und erst heute Vormittag wieder heimgefahren.
Dad war zum Glück nicht zuhause, ich hoffe, es dauert noch, bis er heim kommt…
Ich will das nicht mehr.
Mum kann sich irgendwie nicht von ihm trennen, sie liebt ihn, hat sie gesagt.
Ich versteh das nicht. Sie liebtdiesen Kerl.
Das ist doch verrückt! Er schlägt uns immer wieder und sie kommt einfach nicht von ihm weg…
Ich hoffe, dieser Albtraum hat bald ein Ende…
Ich kann das nicht mehr!!!
Bis später.

Jana -





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...   Erstellt am 29.03.2007 - 23:47Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Kapitel 5

Jana saß auf ihrem Bett und starrte ins Nichts.
Plötzlich vernahm sie Schreie.
NEIN!
Die Schreie kamen ganz deutlich aus der Küche, Jana sprang auf und rannte die Treppe herunter.

Ihre Vermutung wurde bestätigt, als sie in die Küche kam.
Hannes war wieder zuhause, Kate saß zusammengekauert neben der Eckbank, Hannes schlug immer wieder auf sie ein, Kate schrie vor Schmerz auf.
Jana beobachtete alles kurz, aus Angst war sie wie gelähmt. Sie schluckte.
„Hör auf, Dad!“, schrie sie und begann zu weinen.
Unter Tränen rannte sie auf ihren Vater zu und schlug mit der Faust auf seinen Rücken.
„Hör auf“, wimmerte sie, die Kraft in ihren Armen ließ nach, Hannes drehte sich um und schaute seiner Tochter für einige Sekunden in die Augen.
Jana erwiderte seinen Blick, sie wusste jedoch nicht, was dieser Blick bedeuten sollte.
„Du siehst doch, wie fertig sie ist. Wieso tust du das, Dad? WIESO? Wir können doch nichts dafür, dass du deinen Job verloren hast. Außerdem kannst du dir auch einen neuen Job suchen, anstatt dass du in irgendwelchen Kneipen herum hängst und dich sinnlos besäufst.“, schrie sie unter Tränen. „Wo ist mein alter Dad? Wo ist der nette Dad? Dad, das bist doch nicht du“, fuhr sie leise fort.
Nun weinte sie noch heftiger.
Sie hatte Angst vor der Reaktion ihres Vaters.
Hannes verpasste Jana mehrere Ohrfeigen und schrie: „Geh in dein Zimmer.“
Jana musste gehorchen, doch sie hatte Angst um ihre Mutter. „Geh“, flüsterte Kate.
Jana nickte langsam und verließ mit schmerzendem Gesicht die Küche.
Jana tapste ins Bad, sie weinte immer noch.
Als sie in den Spiegel sah, erschrak sie.
Ihre Nase blutet, außerdem war ihre linke Unterlippe aufgeplatzt.
Jana sank auf dem Boden zusammen und vergrub ihr Gesicht in ihren Handflächen.
Wieso war Hannes so?
Warum nur?
Was hatten Kate und Jana ihm getan?
NICHTS!
Gar nichts!
Endlich hatte sie ihre Meinung sagen können, es war ihr egal, dass ihr Vater sie geohrfeigt hatte.
Den Schmerz nahm sie nicht wirklich wahr, nein, sie spürte immer nur den tiefen Schmerzen in ihrem Herzen.
Als würde immer jemand mit einem Messer zustechen…

Wieder hörte Jana die verzweifelten Schreie ihrer Mutter.
Sie schluckte und plötzlich war es still.

Jana wartete kurz ab, dann tapste sie auf Zehenspitzen die Treppe herunter.
Als sie in die Küche kam, zuckte sie erschrocken zusammen. „Mum.“, sagte sie fast tonlos.
Ihre Mutter lag am Boden, weinte und blutete.
„Oh mein Gott, Mum.“
Jana bekam Tränen in den Augen.
Was hatte Hannes mit ihr gemacht? „Es geht schon“, behauptete Kate mit zittriger Stimme. „Nein Mum. Du brauchst einen Arzt.“, widersprach Jana besorgt.
„Es geht schon“, wiederholte Kate mit lauter Stimme, „lass mich bitte.“
Jana schluckte.
Nein, sie wollte ihre Mutter nicht in Ruhe lassen.
Trotzdem gehorchte sie, gab ihrer Mutter eine Packung Taschentücher und verschwand.

Zwei Tage später musste Jana wieder in die Schule.
Schon am frühen Morgen hatte Hannes das Haus verlassen und Jana hoffte, er würde erst abends wieder kommen.

Als Jana um ein Uhr von der Schule heim kam, hatte sie ein komisches Gefühl in der Magengegend.
Als sie in die Küche kam, war keiner da, doch Jana wusste, dass Hannes schon zuhause gewesen war.
Wieder hatte er die Teller aus dem Schrank gerissen, der Küchenboden war voller Scherben.
Auf dem Küchentisch lag ein Zettel.
„JANA“ stand darauf.
Anhand der Schrift erkannte Jana, dass der Brief von ihrer Mutter kam.
Jana ließ sich auf der Eckbank nieder und faltete den Brief auseinander.
Während sie las, bildete sich ein dicker Kloß in ihrem Hals.
Nein, das konnte nicht wahr sein!

Kapitel 6

„Liebe Jana“, schrieb Kate, „das, was ich dir jetzt sage, fällt mir wirklich schwer.
Weißt du, ich kann einfach nicht mehr. Ich halte es nicht mehr aus, dass dein Vater mich schlägt. Wenn ich ihn verlasse, sind wir beide trotzdem nicht geschützt vor ihm.
Ich kann so einfach nicht weiter leben und es tut mir in der Seele weh, dass ich dich mit ihm allein lasse.
Bitte Jana, pass auf dich auf.
Sei stark, du schaffst das.
Du bist stark, ich nicht. Das hast du von deinem Vater geerbt. Ich habe viel nachgedacht und ich weiß jetzt, dass es keine andere Möglichkeit gibt.
Ich kann so nicht leben und ich will es auch nicht.
Bitte pass auf dich auf und vergiss mich nicht.
Weine nicht um mich, mein Kind. Es ist besser so.
Ich will einfach nicht mehr leben.

In Liebe,
deine Mutter
Kate.“

„NEIN!“, schrie Jana.
Nein, nein, nein!

Wieso?
Wieso tat Kate das? Wieso wollte sie sich umbringen?
Jana wusste nicht, was sie tun sollte, sie war wie gelähmt.
Doch schließlich schaltete sich ihr Verstand wieder ein und sie dachte: Ich muss sie finden, bevor sie sich was antut!

Jana hetzte zurück in den Flur, streifte sich ihre Jacke über und riss die Haustür auf.
Gerade war ein Polizeiwagen vor dem Haus gehalten und zwei Beamte stiegen aus.
„Wohnt hier die Familie Menken?“, fragte einer der Polizisten. Jana nickte langsam. „W-w-was ist denn los?“, stotterte sie und erwartete das Schlimmste.
„Hein mein Name. Dürfen wir kurz rein kommen?“ Jana nickte und bat die Polizisten ins Haus.
Sie wollten die Küche betreten, doch Jana lotste sie ins Wohnzimmer.
„Ist dein Vater nicht zuhause?“, fragte der Hein. Jana schüttelte den Kopf, doch im selben Moment flog die Wohnzimmertür auf und Hannes trat ein. „Was ist hier denn los?“, fragte er und schaute Jana warnend an.
Anhand seiner Augen konnte sie erkennen, dass er getrunken hatte. „Hey Dad“, sagte Jana nur.
Die Polizisten stellten sich vor und Hannes nahm auf dem Sessel Platz.
„Also… Es tut mir wirklich leid, aber Frau Menken wurde gefunden… Am See… Tot“, sagte der Hein.
Jana schluckte und Hannes riss die Augen auf. „Kate? Meine Frau?“ Der Polizist nickte.
„Es tut uns leid.“ „Woran ist sie gestorben?“, fragte Jana. „Sie hat sich die Pulsadern aufgeschnitten.“, erwiderte der andere Polizist.
Jana begann zu weinen und verließ fluchtartig das Zimmer.
Sie stürzte in die Küche, nahm den Abschiedsbrief ihrer Mutter und rannte in ihr Zimmer.
Tot…
Tot…
TOT!
Ihre Mutter war tot und Hannes war schuld daran.
Jana hörte, wie die Polizisten etwas zu Hannes sagten und dann das Haus verließen.
Plötzlich verspürte Jana mehr Hass, als je zuvor.
Hannes trug die alleinige Schuld an Kates Tod!

Kapitel 7

Ohne nachzudenken eilte Jana die Treppe herunter. Hannes saß am Küchentisch und weinte.
Als er Jana sah, wischte er sich die Tränen weg. „Jana“, sagte er leise. „Nein Dad!“, schrie Jana zurück. Sie war wütend. „Du bist Schuld an Mums Tod! Hättest du sie nicht geschlagen, dann würde sie jetzt noch leben.“ Sie schmiss ihm den Abschiedsbrief von Kate vor die Nase. „Wie kannst du nur, Dad?“
Sie wartete ab, während Hannes den Brief las.
„Oh mein Gott…“, murmelte er und ließ den Brief zurück auf den Tisch fallen. „Es ist deine Schuld, Dad! Wir konnten nie etwas dafür, dass du deinen Job verloren hast. Bist zu jetzt zufrieden?“
Jana stapfte zurück in ihr Zimmer und weinte hemmungslos.
„Jana?“, rief Hannes plötzlich die Treppe herauf. „Was?“, zischte Jana. „Hast du den Polizisten etwas erzählt?“ „Nein! Haben sie was zu dir gesagt?“ „Nein… Sie haben gefragt, ob Kate irgendwelche Probleme hatte“, erwiderte Hannes.
Jana tapste zur Treppe und schaute ihren Vater hasserfüllt an. „Und?“ Auffordernd schaute sie ihn an. „Ich hab nichts gesagt…“, sagte Hannes leise.
„Du bist so feige, Dad! So feige!!!“
Jana ging zurück in ihr Zimmer, schmiss sich aufs Bett und weinte.

Zwei Wochen waren seit Kates Tod vergangen.
Hannes war nun den ganzen Tag in der Kneipe, besoff sich und kam abends stink besoffen heim.

Als er am Freitag heim kam, saß Jana im Wohnzimmer und schaute fern.
Hannes verlor wieder einmal die Kontrolle über sich und schrie Jana an: „Wie kannst du fernsehen, wenn deine Mum tot ist? Vermisst du sie denn gar nicht?“, fragte er wütend.
„Doch, aber…“, begann Jana. „Sei ruhig!“, schrie Hannes und schlug auf Jana ein.
„Dad“, wimmerte Jana, während sie sich schützend die Hände vors Gesicht hielt.
Hannes war nicht zu stoppen.
Er ließ seine ganze aufgestaute Wut an seiner Tochter aus.
Jana hoffte nur, es würde bald vorbei sein.

Die Zeit schien endlos langsam zu vergehen, ehe Hannes von seiner Tochter abließ und das Zimmer verließ.

Jana wartete kurz, dann stand sie auf.
Ihr ganzer Körper schmerzte und ihr Gesicht blutete. Wieso tat er das?

Jana humpelte die Treppe herauf in ihr Zimmer. Sie wollte nicht mehr.
Sie konnte nicht mehr.
Bloß weg hier…, dachte sie und beachtete den Schmerz nicht weiter.
Sie zog ihren großen unter dem Bett hervor und stopfte so viele Kleidungsstücke wie möglich herein.
Danach holte sie ihren Kulturbeutel, wo Schminke, Haarbürste, Zahnbürste, Zahnpasta und ein kleiner Spiegel drin waren.
Anschließend plünderte sie ihre Spardose, nahm ihre Umhängetasche und schlich die Treppe herunter.
In der Küche holte sie einige Essenssachen und etwas zu trinken und stopfte es in die Umhängetasche.
Dann verließ sie leise das Haus und hoffte, ihr Vater hätte nichts mitbekommen.

Kapitel 8

Hannes hatte nichts gemerkt.
Jana entfernte sich immer weiter vom Haus, ohne, dass sie wusste, wo sie gerade hinlief.

Mittlerweile befand sie sich mitten in der Innenstadt Magdeburgs.
Hier und dort standen einige Gruppen von Jugendlichen, die sich sinnlos betranken oder Drogen vertickten.

Irgendwann kam Jana bei einem Fabrikgebäude an. Ein ziemlich herunter gekommenes Haus…
Die Farbe blätterte von den Wänden ab und es sah aus, als wäre hier seit hunderten von Jahren niemand mehr gewesen.

Vorsichtig betrat Jana das Gebäude.
Sie nahm die Treppe, die nach oben führte, da ihr der Lift ein wenig Angst machte.
Wer wusste denn schon, ob der überhaupt noch richtig funktionierte.
Im zweiten Stock roch es nach Pizza.
Moment, Pizza?
Für den Bruchteil einer Sekunde dachte Jana, sie hätte Halluzinationen.
Nein, hatte sie nicht.
In der Luft lag der Geruch von Pizza, hundertprozentig!

Jana lief zögernd weiter und kam bei einem anderen Raum an.
Die Tür bestand aus einem Gitter und erinnerte Jana ein wenig an ein Gefängnis.
So ein Quatsch!
Ein Glück aber, dass die Tür nicht verschlossen war.
Zögernd betrat Jana den Raum.
Hier sah es richtig wohnlich aus und nun wusste Jana auch, wo der Pizzageruch weg kam:
Auf dem Tisch und auf dem Boden verteilt lagen leere Pizzakartons herum.
Lecker, lecker…
Bei dem Anblick wurde Jana glatt übel.
Auf einem Podest standen ein Schlagzeug und ein Mikrofonständer, an einer Wand lehnten zwei Gitarren.

Jana hatte keine Ahnung, wem dieses Zeug gehörte, doch sie hielt es für besser, nichts anzufassen.
Jana entdeckte ein Sofa, auf dem Pizzakartons und andere Sachen herumlagen.
Vorsichtig packte sie den Kram auf den Fußboden und testete das Sofa.
Ja, hier konnte man schon ziemlich gut schlafen.

Jana lächelte und machte es sich auf dem Sofa bequem.

Einschlafen konnte sie jedoch nicht sofort.
Wie sollte es denn nun weitergehen?
Für immer hier bleiben konnte Jana wohl kaum.
Immerhin gehörte dieser Raum irgendjemanden und Jana hatte schreckliche Angst vor der Reaktion der Besitzer, wenn sie Jana zu Gesicht bekommen würden…
Jana schluckte und schob den Gedanken rasch zur Seite.
Ob Hannes merken würde, dass Jana nicht mehr da war?
Nein, sicher nicht.
Seine Tochter war ihm schließlich egal.
Aber…
Er würde es sicher merken, wenn die Person, an der er seine Wut ausließ, nicht mehr da war.
Jana begann zu zittern.
Nein, Hannes würde sie sicherlich nicht finden!
Plötzlich vernahm Jana Geräusche.
Oder bildete sie sich das nur ein?
Nein, da waren sie, ganz deutlich! Ein Hecheln.
Jana wurde starr vor Angst und starrte die Tür an. Was würde nun kommen?

Kapitel 9

Die Geräusche kamen immer näher.
Jana starrte weiterhin die Tür an, voller Angst, es könnten die Besitzer dieses Raumes sein.
Keine zwei Sekunden später musste Jana los lachen.
Nein, das waren definitiv nicht die Besitzer von diesem Raum.
Es war ein Tier.
Ein großes Tier auf vier Pfoten.
Es war Janas Schäferhund Bobby.
Der Hund war ihr also gefolgt. Er winselte leise, kam auf Jana zu und schleckte ihre Hand, die sie ihm entgegen streckte, ab. „Mensch Bobby, hast du mir einen Schrecken eingejagt.“, lachte Jana mit Tränen in den Augen.
Tränen der Freude.
Nachdem Jana den Hund ausführlich gekrault hatte, ließ er sich vor dem Sofa nieder und schloss die Augen.
Jana wollte es sich gerade wieder bequem machen, als sie ein „Miau“ hörte.
Träumte sie nun? Nein, da war es wieder:
Die Geräusche einer Katze.
Jana schaute zur Tür und musste erst einmal einige Male blinzeln.
Nein, das konnte nun nicht wahr sein.
Es war Nora, Janas Katze.
„Nora“, sagte Jana lächelnd.
Die Katze kam auf Jana zu und sprang aufs Sofa, wo sie sich am Fußende der Couch nieder ließ.
Nun war es still.
Man hörte nur den gleichmäßigen Atem von Bobby und Noras beruhigendes Schnurren.
Jana machte es sich wieder bequem und fiel kurz darauf in einen tiefen Schlaf.

„Bill, beeil dich, wir wollen gleich nach Magdeburg“, drängte Tom seinen Zwillingsbruder Bill.
„Ja, ich bin gleich fertig“, kam es nur genervt aus dem Bad. „Das sagst du schon seit einer halben Stunde!“, bemerkte Tom trocken.
Fünf Minuten später ging dann endlich die Badezimmertür auf und ein perfekt gestylter Bill stand vor ihm. „Na endlich“, brummte Tom.
Nach einem flotten Frühstück ging es mit dem Bus nach Magdeburg, wo die Zwillinge sich mit den beiden Bandkollegen Gustav und Georg treffen wollten.
„Wie spät sollten wir da sein?“, wollte Bill wissen und schaute seinen Bruder fragend an. Tom warf einen Blick auf seine Armbanduhr. „Um halb Elf. Jetzt ist es viertel vor.“
Er warf Bill einen vorwurfsvollen Blick zu.
Bill rollte nur die Augen gen Himmel und starrte wieder aus dem Fenster.
Um elf Uhr kamen Bill und Tom endlich in Magdeburg an. Gustav und Georg warteten bereits ungeduldig an der Bushaltestelle.
„Wo wart ihr so lange?“, fragte Gustav auch sofort wütend und schaute dabei Tom an.
Dieser hob beschwichtigend die Hände. „Hey, frag Bill. Der war wieder eine Stunde oder so im Bad.“
Gustav und Georg schauten Bill wütend an, der murmelte nur ein: „Sorry.“
„Seit wann seid ihr denn hier?“, wollte Tom wissen. „Fünf vor halb Elf.“, erwiderte Georg.
„Na egal, dann lasst uns jetzt zum Proberaum gehen.“, schlug Gustav vor, der sich wieder beruhigt hatten.
Zu viert schlenderten Tom, Bill, Gustav und Georg durch Magdeburg und nach zehnminütigem Fußmarsch kamen sie beim alten Fabrikgebäude an.





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...   Erstellt am 29.03.2007 - 23:48Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Kapitel 10

Mit dem alten Lift ging es in den zweiten Stock.
Gustav bemerkte es als erstes:
Die Tür zum Proberaum war nur angelehnt. „Wer war zuletzt hier?“, wollte er wissen und deutete auf die Tür. „Ja, ihr“, sagte Tom. „Stimmt, Tom und ich waren das letzte Mal mit euch hier, letzte Woche“, warf Bill ein.
„Haben wir nicht abgeschlossen?“, fragte Gustav mehr sich selbst, als die anderen drei.
„Offenbar nicht“, erklärte Tom mit einem leicht vorwurfsvollen Unterton in seiner Stimme. „Wie? Jetzt sind wir Schuld?“ Gustav funkte Tom an.
„Leute, kommt runter“, sagte Georg und hielt die beiden Streithähne auseinander.
„Na, egal“, murmelte Bill mit einer abwehrenden Handbewegung und drängte sich an Tom, Gustav und Georg vorbei, um in den Proberaum zu gelingen.
Als er den Raum betrat, traf ihn fast der Schlag.
Zuerst einmal kam ihm ein großer Schäferhund Schwanz wedelnd entgegen und beschnupperte ihn, sodass Bill entsetzt zurück wich.
Nicht, dass er Angst vor Hunden hatte, aber er kannte diesen Hund ja gar nicht.
Tom drängte sich an seinen Bruder vorbei. „Was ist denn mit…?“
Ihm blieben die Wörter buchstäblich im Hals stecken.
Zuerst war da dieser Hund.
Auf der Sofalehne lag eine Katze und… „Sind wir hier im Zoo, oder was?“, brummte Tom und erst nun entdeckte er das Mädchen, das friedlich schlummernd auf der Couch lag.
„D…Da…“, stammelte Tom und deutete aufs Sofa.
Erst nun bekamen Gustav und Georg mit, dass sich in ihrem Proberaum ein Hund, eine Katze und ein Mädchen befanden, sie bekamen vor Staunen jedoch keinen Ton heraus.
Tom musterte das Mädchen genauer.
Sie hatte blonde Haare mit einigen schwarzen und dunkelblonden Strähnchen und war ungefähr vierzehn oder fünfzehn Jahre alt.
Ihr Gesicht war zerkratzt, die Lippe aufgeplatzt und ein Auge war blau und lila angeschwollen.
Was war denn mit der passiert?
Bill und Tom wechselten einen Blick und dachten das Selbe: Dieses Mädchen war eindeutig geschlagen worden!
„Äh… W…was geht jetzt denn?“, wollte Bill wissen. Tom zuckte die Achseln und lief langsam aufs Sofa zu. „Was hast du vor?“, wollte Gustav wissen. „Na, ich weck sie auf. Oder wollt ihr nicht wissen, wer sie ist und was sie hier macht?“ „Doch“, murmelte Georg nur.
Tom bückte sich, sodass er dem Mädchen genau in die Augen schaute. „Hallo?“, fragte er und wartete.
Nichts.
Verdammt, dieses Mädchen hatte wirklich einen tiefen Schlaf…
Er schubste sie leicht an. „Hey? Du da?!“
Wieder nichts.
Georg musste sich zusammen reißen, um nicht laut los zu lachen, Gustav und Bill machten eigenartige Gesichter und Tom wusste nicht so genau, was er davon halten sollte.
Für den Schäferhund waren die vier Fremden nun wieder uninteressant, er legte sich neben den Tisch und die Katze…
Ja, die Katze ließ sich gar nicht stören, sie lag immer noch auf der Sofalehne.
„Was sollen wir jetzt denn machen?“, fragte Tom, der sich ein wenig hilflos vorkam.
„Weck sie doch“, schlug Georg vor.
Tom verdrehte die Augen. „Das hab ich doch grad versucht!“ Bill zuckte die Achseln. „Du bist eben zu sanft.“
Er schubste seinen Bruder unsanft zur Seite und rüttelte das Mädchen. „Hey? Steh auf!!!“, schrie er.
Und endlich riss das fremde Mädchen erschrocken die Augen auf.

Kapitel 11

Jana riss erschrocken die Augen auf und blickte in zwei haselnussbraune Augen.
Verdammt und was sollte sie nun sagen?
Nichts.
Richtig, Jana bekam keinen einzigen Ton heraus und auch der Junge sagte nichts.
Sie musterte ihn.
Er hatte schwarze Haare, die wirklich einzigartig gestylt waren: Eine dicke Strähne hing ihm im Gesicht, der Rest war nach hinten gestylt.
Seine haselnussbraunen Augen waren schwarz geschminkt, Piercing zierte seine Augenbraue und nun blickte er Jana an.
Erst nun entdeckte sie drei weitere Jungs:
Einer hatte kurze, blonde Haare und braune Augen, der andere kinnlanges, braunes Haar und der Dritte…
WOW.
Er hatte ebenso haselnussbraune Augen, wie der Junge mit der einzigartigen Frisur und Dreadlocks.
Ein Piercing zierte seine linke Unterlippe und er trug überweite Hip Hop-Klamotten.
Alle vier Jungs schauten Jana an, sie konnte ihre Gesichtsausdrücke nicht deuten.
„Äh…“, begann endlich der Junge mit der komischen Frisur, „wer bist du?“
Jana räusperte sich und wollte etwas erwidern, bekam jedoch keinen Ton heraus.
Mensch Jana, stell dich nicht so an!
„Ich…äh… Ich heiße Jana.“, antwortete sie schließlich.
Mit dem Namen Jana konnten die Jungs natürlich nicht viel anfangen. „Und… was machst du hier?“, wollte der Junge mit den Dreadlocks wissen. „Ich…“ Jana brach ab. Sie konnte diesen Jungs doch nicht erzählen, dass sie von zuhause abgehauen war, oder? „Ich… hab hier heute Nacht geschlafen“, berichtete sie schließlich wahrheitsgemäß. „Und wieso?“, fragte der Typ mit den braunen Haaren. „Weil… weil…“ Jana senkte den Blick. „Weil ich nicht wusste, wo ich sonst hingehen sollte.“
Der Blonde lachte auf. „Und wie kamst du auf unseren Proberaum?“ „Ich… Ich bin durch Zufall hierher gekommen. Ich hab aber nichts angerührt, außer die Tür und die Couch, ehrlich“, beteuerte Jana.
Plötzlich grinsten alle Vier.
Irritiert schaute Jana sie an. „Was?“ „Na ja… Also, Jana, wieso pennst du bitte hier und nicht zuhause?“ Der Typ mit den Dreadlocks schaute sie fragend an und auch die Augen der anderen drei Jungs ruhten auf Jana. „Weil ich von zuhause abgehauen bin“, sagte Jana leise.
Verdammt, nun hatte sie mehr gesagt, als sie wollte.
Die Augen der Jungs weiteten sich. „Wie? Im Ernst?“, fragte der mit den Dreadlocks. Jana nickte langsam. Der Typ mit den braunen Haaren räumte rasch den Müll vom anderen Sofa und ließ sich darauf nieder.
Auch die anderen drei Jungs setzten sich. „Okay, dann wollen wir uns erstmal vorstellen. Ich bin Gustav.“, sagte der Blonde. „Ich bin Georg“, erklärte der Braunhaarige. „Ich bin Bill und das ist mein Zwillingsbruder Tom.“ Das kam von den Typen, der seine Haare so eigenartig stylte und der mit den Dreadlocks hieß also Tom.
Nicht, dass Jana dachte, dieser Bill erzählte Stuss, aber sie konnte kaum glauben, dass er und der Tom Zwillinge waren.
Das sagte sie jedoch nicht.
„Wieso bist du von zuhause abgehauen?“, wollte Tom wissen. Jana schluckte. „Ich… ich kann’s euch nicht sagen. Ich hab sowieso schon zu viel gesagt. Ihr werdet nur die Polizei rufen und dann muss ich zurück und dann geht der Horror weiter…“
„Und wer war das?“, fragte Bill und deutete auf ihr blaues Auge und die restlichen Verletzungen.

Kapitel 12

Jana wich den Blicken der vier gezielt aus. „Das… das kann ich euch nicht sagen.“, sagte sie rasch.
Tom hob die Augenbrauen. „Ich schätze, dir bleibt nichts anderes übrig. Ich mein… Du hast in unserem Proberaum gepennt…Also haben wir auch das Recht, zu erfahren, wie du dir derartige Verletzungen zugezogen hast.“
Verdammt, wo er Recht hatte, hatte er nun mal Recht.
Fieberhaft suchte Jana nach einer Ausrede. „Ich bin die Treppe heruntergefallen“, log sie schließlich.
Diese Ausrede war so billig, dass Jana beinahe selbst darüber lachte, würde sie sich nicht gerade in so einer beschissenen Situation befinden.
„Na klar“, brummte Gustav. „Wie wär’s mit der Wahrheit?“ Prüfend musterte Georg sie.
Bill griff nach ihrer Hand. „Wir wollen dir doch nur helfen.“
Jana schluckte und als sie den vier Jungs der Reihe nach in die Augen schaute, wurde ihr urplötzlich warm ums Herz.
Moment, hatte sie das nun richtig verstanden?
Diese Jungs wollten ihr tatsächlich helfen? Es interessierte sich doch sonst niemand sonderlich für sie.
„Na ja… Das… Das ist der Grund, warum ich abgehauen bin“, gestand Jana endlich. „Deine Eltern… schlagen dich?“ Völlig fassungslos schauten die vier Jungs drein. „Mein Dad“, verbesserte Jana rasch, „wegen ihm hat meine Mum sich umgebracht…“
Und dann musste Jana die Geschichte, ja, die ganze Geschichte erzählen.
Tom, Bill, Gustav und Georg unterbrachen sie kein einziges Mal, sondern hörten einfach nur zu.
Es tat gut, endlich über die ganze Sache zu reden.
Reden, ja, das hatte Jana vermisst.
Die Zeit verging im Fluge und nach einer halben Ewigkeit beendete Jana ihre Erzählung.
Tom bekam erst einmal keinen Ton heraus, Georg und Gustav schwiegen ebenfalls betreten und endlich ergriff Bill das Wort: „Das ist wirklich heftig… Was willst du jetzt machen?“ Jana zuckte die Achseln. „Ich will nicht mehr nach Hause. Ich hab Schiss…“
„Kann ich verstehen“, murmelte Tom. Gustav schlug vor: „Geh zur Polizei. Erzähl ihnen die Geschichte.“
Jana schüttelte energisch den Kopf. „Nein, das kann ich nicht. Was, wenn mein Vater keine Strafe bekommt? Dann wird er mich bestrafen und dann…“
Sie konnte nicht weiter reden. Nein, sie wollte sich gar nicht ausmalen, was passieren würde, wenn… Wenn ihr Vater sie bestrafen würde.
„Aber irgendetwas musst du tun. Du kannst ihn nicht so davon kommen lassen. Ich mein, deine Mum…“ Georg verstummte. Ein eiskalter Schauer lief ihm den Rücken hinunter.
„Wegen ihm hat sie sich das Leben genommen“, murmelte Jana den Tränen nahe.
Bill sprang auf. „Georg hat Recht, du musst etwas tun. Tatenlos herum sitzen kannst du nicht, Jana.“
Jana wusste genau, dass Bill Recht hatte. Irgendwann müsste sie wieder nach Hause und dann…
Dann würde der Horror weitergehen.
Als die vier Jungs Jana so anschauten, bekam sie eine Gänsehaut.
Wieso waren sie so?
Fürsorglich…
„Und dann? Was passiert dann? Was, wenn mein Dad in den Knast wandert? Was passiert dann mit mir?“
Ängstlich und verzweifelt schaute Jana die Jungs an.

Kapitel 13

Lange saßen Tom, Bill und Jana schweigend im Proberaum, Georg und Gustav waren schon vor einiger Zeit gegangen. Keiner sagte etwas, ab und zu wechselten die Zwillinge einen Blick.
Bobby, der neben Jana auf dem Sofa lag, hatte seinen Kopf auf ihren Schoß gebettet. „Irgendetwas müssen wir tun“, murmelte Bill nach einiger Zeit. „Hm“, brummte Jana nur und Tom sagte gar nichts.
Er schien schwer nachzudenken.
Plötzlich sprang er auf. „Ich hab’s!“, rief er so laut, dass die Katze, die bis zu Toms Schrei friedlich geschlummert hatte, sprang entsetzt von der Sofalehne. „Erzähl“, forderte Jana ihn auf und Bill nickte.
Tom begann mit glänzenden Augen zu erzählen.
Die Idee gefiel Jana am Anfang gar nicht…
Die Folgen jedoch wären nur zu reizend.
Ohne Vorwarnung sprang sie auf. „Okay, ich bin dabei.“ Bill und Tom grinsten sich an.
„Wollen wir Bobby nicht mitnehmen?“, wollte Bill wissen. „Hab ich eine Leine?“ Ironisch blickte Jana die Jungs an. „Nee, ich aber“, grinste Tom, wühlte ein wenig neben dem Sofa und zog nach kurzer Zeit eine schwarze Hundeleine hervor. „Die kommt von unserem Hund“, verriet er.
Nachdem Jana Bobby angeleint hatte, sagte sie zur Katze: „Sei brav.“
Anschließend machten sich Tom, Bill und Jana auf dem Weg.
Sie nahmen die Treppe herunter und gingen zu Fuß zur Bushaltestelle.
Bill checkte den Fahrplan ab, Tom und Jana setzten sich mit Bobby in die Bushaltestelle.
„Der nächste Bus fährt in zehn Minuten“, erklärte Bill fachmännisch. Jana musste grinsen. „Na, dann warten wir doch eben so lange“, schlug Tom vor, als Bill sich neben ihn setzte. „Hm“, machte Bill nur und ließ seinen Blick über den Steinboden schweifen.
Das Schweigen war ätzend und endlich ergriff Tom das Wort: „Ich bin mal gespannt, wie das dort laufen wird…“ „Ich auch“, murmelte Jana.
Langsam bekam sie wirklich Zweifel.
War diese Entscheidung wirklich die Richtige?
Ja, eindeutig ja!
Es musste sein. Man musste Janas Vater helfen, sonst würde er sich selbst noch in Gefahr bringen…
…Und Jana!
Jana wurde aus ihren Gedanken gerissen. „Der Bus ist da“, bemerkte Bill.
Da der Bus relativ leer war, machte der Busfahrer eine Ausnahme und auch der Hund durfte mitfahren. Jana musste jedoch extra bezahlen.
Schweigend setzten Tom, Bill und Jana in die letzte Reihe.
Jeder ging seinen Gedanken nach.
Es war die letzte Chance für Janas Vater, das wusste Jana. Was sollten sie denn sonst tun?
Jemand musste ihm helfen. Man musste es einfach!
Jana bekam gar nicht mit, dass die drei ihr Ziel erreicht hatten.
Plötzlich rüttelte jemand an ihrem Arm.
Erschrocken sah Jana auf und schaute genau in Toms Augen. Für einen Moment wurde ihr warm ums Herz, die Schmetterlinge in ihrem Bauch meldeten sich zu Wort.
Stopp!
Jana konnte nun unmöglich von Tom schwärmen, es ging hier schließlich um ihren Vater.
Nach einem kurzen Fußmarsch standen die drei vor einem großen Gebäude. „So, da wären wir!“, bemerkte Bill.

Kapitel 14

Jana musterte das große Haus.
Tja, da waren sie nun- Beim Jugendamt. „Was sollen wir mit Bobby machen?“, wollte Jana wissen. „Den nehmen wir mit“, schlug Bill vor und öffnete die Tür. Jana zögerte kurz, folgte ihm dann jedoch und zog den Hund hinter sich her. Tom bildete das Schlusslicht.
Eine Weile irrten die drei in dem riesigen Gebäude herum, dann hatte Tom die klügste Idee: „Wir gehen einfach zum Empfang und fragen da jemanden.“ Damit waren Bill und Jana einverstanden und die drei gingen weiter.
Sie wurden zu einer gewissen Frau Seibolt geleitet, die ihnen weiterhelfen sollte. „Zweiter Stock, vierte Tür rechts“, hieß es.
Da Jana nicht gerne mit dem Fahrstuhl fuhr, nahmen die drei die Treppe.
„Vierte Tür?“, vergewisserte sich Tom, als sie den zweiten Stock erreicht hatten. „Ja“, entgegnete Jana. „Links oder rechts?“, wollte Tom wissen.
Man, was hatte der Junge denn für ein Gedächtnis?
„Rechts“, erwiderte Bill leicht genervt.
Tom klopfte, höflich, wie er nun einmal war, an und wartete. „Ja, bitte“, ertönte eine Stimme. Vorsichtig und ein wenig zögernd öffnete Tom die Tür und die drei traten ein. Ein wenig fragend schaute die Frau Tom, Bill und Jana an, dann schenkte sie Bobby einen leicht angewiderten Blick, sie sagte jedoch nichts. „Hallo, ich bin Tom Kaulitz, das ist mein Bruder Bill.“ „Und ich bin Jana… Jana Menken“, erklärte Jana. „Mein Name ist Christin Seibolt“, stellte die Frau sich vor, „setzt euch.“
Tom, Bill und Jana nahmen Platz und auch Bobby legte sich auf den Teppichboden.
„Was gibt’s denn?“, wollte Frau Seibolt wissen. „Also…“, begann Jana und erzählte die ganze Geschichte.
Die Arbeitslosigkeit ihres Vaters, dass Hannes zum Alkohol gegriffen hatte und die Familie geschlagen hatte, der Tod von Janas Mutter und dass Jana von zuhause abgehauen war, da sie Angst vor ihrem Vater hatte.
Während Janas Erzählung hatten Bill und Tom ihren Blick gesenkt, Frau Seibolt hörte aufmerksam zu.
Als Jana ihre Erzählung beendet hatte, schwieg Frau Seibolt kurz. „Nun ja… Er hat erst angefangen zu trinken, nachdem er seinen Job verloren hatte, richtig?“ Fragend schaute die Seibolt Jana an. Jana nickte. „Dann hat er dich und deine Mutter geschlagen?“ Wieder nickte Jana und begann zu zittern. „Deine Mutter hat…“ Frau Seibolt verstummte. „…Selbstmord begangen, ja“, beendete Jana den Satz.
Die Seibolt lächelte schwach und machte sich weitere Notizen. „Dein Vater hat dich danach wieder geschlagen?“ „Ja…“, murmelte Jana. „Dann bist du abgehauen?“ Wieder nickte Jana. „Hast du den Hund mitgenommen?“, wollte die Frau wissen, obwohl es eigentlich nicht viel zur Sache tat. „Nein, er ist mir von allein gefolgt“, erklärte Jana.
Wieder machte Frau Seibolt sich einige Notizen. „Hm… Ich muss kurz telefonieren“, erklärte sie und verließ ihr Büro. „Was denkt ihr, hat sie jetzt vor?“, fragte Jana leise. Tom schaute sie mit seinen braunen Augen an, ein Kribbeln durchfuhr ihren Körper. „Ich weiß es nicht“, sagte er leise, ohne den Blick von ihr abzuwenden.
Die Schmetterlinge in Janas Bauch tobten, sie konnte ihren Blick einfach nicht von ihm abwenden.
Bills Augen ruhten auf dem Fußboden.
Nach ungefähr fünf Minuten ging die Tür wieder auf und Frau Seibolt trat ein. „Und jetzt?“, fragte Jana vorsichtig. Frau Seibolt holte Luft.





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...   Erstellt am 29.03.2007 - 23:49Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Kapitel 15

„Nun ja. So, wie du es beschrieben hast, hat dein Vater ein Alkoholproblem. Keine Frage, ihm muss geholfen werden.“ Kurz verstummte Frau Seibolt. „Woran dachten Sie da?“, fragte Jana ein wenig verunsichert. „An eine Entzugsklinik. In… Bayern.“, entgegnete die Frau.
Jana riss entsetzt die Augen auf. Bayern? „Bayern“, wiederholte Jana leise. „Ja…“, nickte Frau Seibolt, „nur eine Frage bleibt offen? Wo sollst du bleiben? Gäbe es da irgendwelche Möglichkeiten? Irgendwelche Verwandten?“ Jana überlegte.
Ja, ihre Tante Silke. Sie wohnte in…
Hannover.
NEVER! Nach Hannover würde Jana ganz sicher nicht gehen.
Plötzlich dachte Jana an ihre Oma Brunhilde, die kurz auch Bruni genannt wurde. Sie wohnte in einem Kaff außerhalb von Magdeburg. Wie hieß es gleich?
Jana kam nicht auf den Namen. „Meine Oma… Bruni, Brunhilde Frerichs.“
Frau Seibolt nickte. „Hast du vielleicht ihre Nummer?“ Jana nickte. So eine leichte Nummer konnte man nicht vergessen. Sie gab der Frau die Nummer ihrer Oma und wieder verschwand Frau Seibolt.
„Wo wohnt deine Oma denn?“, wollte Tom wissen und Jana glaubte, einen leicht besorgten Unterton in seiner Stimme gehört zu haben. „Außerhalb von Magdeburg. Ich hab den Namen von diesem verdammten Kaff vergessen“, gestand Jana.
Tom und Bill wechselten einen Blick, sagten jedoch nichts.

Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis alles geklärt war. Jana wurde von zwei Leuten nach Hause begleitet. Tom und Bill fuhren ebenfalls mit, aus welchem Grund auch immer.

Hannes war glücklicherweise zuhause.
Mit gemischten Gefühlen betrat Jana das Haus. Sie wusste, dass ihr Vater ausrasten würde. Aber bei ihr waren Tom und Bill und außerdem noch diese beiden Männer.
Tom bemerkte, dass Jana zitterte, während sie durch den Flur lief. Er legte ihr kurz eine Hand auf die Schulter und schaute sie mit seinen braunen Augen beruhigend an.
Ja, es war beruhigend.
Was sollte Jana denn großartig passieren?
Sie waren in der Küche angelangt. Hannes saß auf der Eckbank, in der linken Hand hielt er eine halbvolle Bierflasche. „Wo warst du?“, schrie er, als er Jana bemerkte. Die anderen schien er gar nicht zu sehen.
Wütend sprang er auf, Jana wich ängstlich zurück und stieß gegen Tom.
„Moment, beruhigen Sie sich doch“, bat einer der Männer, der nun endlich eingetreten war.
Irritiert und leicht überrascht musterte Hannes die fremden Leute. „Wer ist das, Jana? Was sind das für Leute? Und wo warst du?“ „Dad, glaub mir, es ist das Beste für dich“, sagte Jana leise und blickte ihren Vater an, der sie mit einem Blick ansah, den Jana nicht deuten konnte.

Hannes wurde mitgenommen, er sollte erst einmal nüchtern werden.
Dann war es still im Hause Menken. Tom, Bill und Jana saßen schweigend am Küchentisch.
„Nora ist doch noch im Proberaum, oder?“
Fragend schaute Jana die Zwillinge an. Diese wechselten einen Blick und plötzlich huschte ein Grinsen über ihre Lippen. „Stimmt… Vielleicht kommt sie ja von allein nach Hause. Sie kam schließlich auch von allein zum Proberaum“, meinte Bill. „Hm“, machte Jana und schwieg.
Nach einer Weile sprang sie auf und sagte: „Ich geh eben duschen.“ Tom und Bill nickten nur und Jana verschwand.

Kapitel 16

Die warme Brause hatte verdammt gut getan. Als Jana wieder fertig angezogen und mit einem Handtuch auf dem Kopf in die Küche kam, waren die beiden Männer bereits wieder da.
Sie saßen mit Tom und Bill am Küchentisch und redeten. Niemand schien Jana zu bemerken, also räusperte sie sich kurz.
Alle Blicke richteten sich auf sie. Verdammt, das war nun echt unangenehm. „Da bin ich wieder“, murmelte Jana ein wenig verlegen und setzte sich neben Tom. „Und jetzt?“, wollte Bill wissen. „Nun packst du erst einmal deine Sachen. Deine Oma erwartet dich in drei Stunden.“ Jana nickte und wollte aufstehen. „Deine Sachen und die Katze sind noch im Proberaum“, warf Tom ein und zog Jana zurück auf die Eckbank. Stimmt!
Daran hatte Jana gar nicht gedacht. Sie warf den Männern einen Blick zu. „Na gut, fahren wir.“
Jana grinste und sprang auf. „Ich bleib hier“, meinte Bill. Tom zuckte die Achseln. „Ich fahr mit.“
Einer der beiden Männer blieb ebenfalls im Hause Menken. Jana und Tom ließen sich auf der Rückbank des Wagens fallen. Während Tom den Weg erklärte, starrte Jana gedankenverloren aus dem Fenster.
Oma Bruni war wirklich total nett, Jana war immer gerne bei ihr gewesen. Das Gästezimmer war ziemlich groß…
Eine Stimme riss Jana aus ihren Gedanken: „Hey, wir sind da!“ Sie blickte auf…
Genau in Toms braune Augen.
Da war es wieder, dieses verdammte Kribbeln.
Jana hatte keine Zeit, darüber nachzudenken. Rasch stieg sie aus.
Tom und Jana eilten die Treppe herauf zum Proberaum.
Tatsächlich, Nora lag schlummernd auf dem Sofa. Sonst hatte diese Katze wohl auch nichts zu tun, oder?
„Nora“, sagte Jana leise und sofort öffnete die Katze die Augen. Tom griff nach Janas Taschen, Jana nahm Nora auf dem Arm.
Sie ließ ihren Blick noch einmal durch den Proberaum schweifen. Wer wusste denn schon, ob sie diesen Raum jemals wieder sehen würde?
Niemand!
Jana wusste nicht wieso, doch dieser Gedanke versetzte ihr einen tiefen Stich ins Herz.
Darüber hatte sie noch gar nicht nachgedacht.
Würde sie mit Tom, Bill, Gustav und Georg in Kontakt bleiben? Sie schluckte und verließ zusammen mit Tom und Nora den Proberaum.
Nachdem die beiden ihre Sachen im Kofferraum verstaut hatten, fuhren sie wieder zurück zu Jana nach Hause.
Nach Hause…
War dieses Haus noch ihr Zuhause? Jana wusste es nicht und sie wollte nun auch nicht darüber nachdenken.

Tom und Bill halfen Jana, ihre restlichen Sachen zusammen zu packen. „Wie viele Klamotten hast du denn?“, fragte Tom leicht gereizt.
Nein, das war noch längst nicht alles!
Die drei stopften immer mehr Kleidung und anderes Zeug in die Kartons und Taschen und nach einer Stunde hatten sie das Nötigste eingepackt.
„Halt, meine Schulsachen“, bemerkte Jana, als sie gerade die Treppe heruntergehen wollten.
Rasch packte Jana all ihre Schulsachen zusammen und dann verließen sie das Zimmer.
Die Männer saßen in der Küche und rauchten eine Zigaretten. „Jana, denk daran, dass die Lebensmittel auch mit müssen.“ Jana nickte und zusammen mit den Zwillingen stopfte sie alle Lebensmittel in einen Karton.
„Na, dann wollen wir mal“, sagte einer der Männer und lachte, „deine Oma hat uns eine Wegbeschreibung gegeben.“
Tom und Bill fuhren selbstverständlich mit. Immerhin mussten sie doch wissen, wo Jana in Zukunft wohnen würde.
Sie entfernten sich immer weiter von Magdeburg und so langsam dämmerte es den Zwillingen…

Kapitel 17

Die Vermutung der Zwillinge bestätigte sich.
Zwanzig Minuten später fuhren sie an dem Ortsschild „Herzlich Willkommen in Loitsche“ vorbei. Die Brüder wechselten einen Blick, es sagte jedoch keiner etwas.

Natürlich, Loitsche! Wieso war Jana nicht gleich darauf gekommen? Sie schüttelte den Kopf, woraufhin sie sich komische Blicke von den Zwillingen einfing.
Fünf Minuten später parkten sie vor einem großen Haus. Das Haus von Oma Bruni.
Jana stieg als erstes aus und keine zwei Sekunden später wurde die Haustür aufgerissen.
Oma Bruni eilte, so schnell sie eben konnte, aus dem Haus und fiel ihrer Enkelin um den Hals. „Kind, es ist ja alles so schrecklich. Nein, wenn ich das gewusste hätte“, sagte sie leise, ohne Jana loszulassen. „Hey Omi, ich freu mich auch, dich mal wieder zu sehen“, erwiderte Jana gelassen und löste sich aus der Umarmung ihrer Oma.
Kurz musterte Bruni ihre Enkelin. Mittlerweile standen Tom, Bill und dieser Mann hinter Jana. Tom räusperte sich, während Jana ihre Oma prüfend anschaute.
Das Schweigen wurde von Jana unterbrochen: „Ach Omi, ich möchte dir zwei…“ Sie zögerte. Zwei? „Zwei Freunde von mir vorstellen, das sind Tom und Bill!“
Oma Bruni reichte den beiden die Hand. „Ach, euch sehe ich ja oft hier.“ Tom und Bill grinsten. „…Und das ist ein Mann vom Jugendamt…“ „Herr Olchers“, unterbrach ihre Oma sie. Jana lächelte höflich. „Genau…“
Omi Bruni bat Jana, Herr Olchers, Tom und Bill ins Haus.
Dort nahmen sie alle am Küchentisch Platz. „Kind, du kennst das Zimmer ja schon. Wenn ihr wollt, können die Jungs dir ja beim Auspacken helfen.“, schlug die Großmutter vor. Jana grinste die Zwillinge an, diese schluckten schwer. Sie wussten ganz genau, was nun auf sie zukommen würde.
„Na los, kommt schon“, forderte Jana die beiden auf und erhob sich.
Tom und Bill erhoben sich eher widerwillig und folgten Jana.
Als erstes wurde die Kleidung in Janas neues Zimmer geschleppt.
Zuerst schauten die drei sich im Zimmer um. Verdammt, Jana war wirklich eine Ewigkeit nicht mehr hier gewesen.
Die Wände des Zimmers waren dunkelrot und in einem dunklen Pink gestrichen. Beim Streichen hatte Jana damals die Farben ausgesucht und auch beim Streichen hatte sie sich fleißig beteiligt.
Das Bett war riesig. Kein Ehebett, aber auch kein normales Bett, irgendwie so etwas dazwischen.
Ja, Jana liebte dieses Zimmer.
Am besten war immer noch der Kleiderschrank. Er war einfach riesig, genau richtig für Jana.
Während die Jungs weitere Kartons die Treppe herauf schafften, packte Jana die Kleidung in den Kleiderschrank.

Nach knapp drei Stunden war das Zimmer fertig eingerichtet. Jana, Tom und Bill hatten das komplette Zimmer umgestellt, nur der Schrank stand noch an seinem ursprünglichen Platz.

„Puh“, stöhnte Jana erschöpft und ließ sich neben Tom auf dem Bett fallen.
Bill ließ sich aufs Sofa fallen.
Alle drei schwiegen.
Nach einer Weile bemerkte Bill dann, dass er Jana noch sagen wollte, dass Tom und er ebenfalls in Loitsche wohnten. „Ach Jana?“, fragte er.
Jana schaute auf. „Hm?“ „Tom und ich, wir wohnen übrigens auch in Loitsche.“
Erstaunt schaute Jana die Zwillinge an.

Kapitel 18

Damit hatte Jana nun wirklich nicht gerechnet. Darum hatten Tom und Bill sich vorhin also andauernd so komische Blicke zugeworfen.
Zuerst einmal wusste Jana gar nicht, was sie sagen sollte, sie strahlte die Zwillinge einfach nur an.
„Das… das ist doch cool. Ich mein…“ Weiter kam sie nicht, denn urplötzlich lachten Tom und Bill los. „Was denn?“, fragte Jana leicht irritiert. „Natürlich ist das cool… Ich mein, es ist sogar mehr als cool“, grinste Tom und schaute sie an.
Und wieder dieses verdammte Kribbeln im Bauch…
Jana, komm klar!, sprach ihre innere Stimme.

Bis halb Elf blieben Tom und Bill bei Jana, dann gingen sie heim.
Jana gönnte sich erst einmal ein heißes Bad, anschließend zog sie ihre Schlafsachen an und kroch unter ihre Bettdecke.

Verschlafen schlug Jana die Augen auf. Irgendetwas hatte sie geweckt, sie wusste nur nicht genau, was es war.
Genüsslich reckte sie sich und schaute sich anschließend im Zimmer um.
Plötzlich hörte sie wieder diese Geräusche. Als wenn jemand an der Tür kratzte.
Jana vernahm ein Winseln und nun wusste sie, was sie geweckt hatte.
Sie schlug die Bettdecke zur Seite, sprang auf und tapste zur Tür.
Mit einem Lachen öffnete Jana sie und vor ihr stand, wie er wartet, Bobby. „Komm rein, Süßer“, grinste sie und ging zurück ins Zimmer. „Gerne, Süße“, lachte auf einmal jemand, als Jana gerade die Tür schließen wollte und Jana fuhr erschrocken herum.
Vor ihr stand Tom und grinste sie schief an. „Mensch Tom, hast du mich erschrocken“, fauchte Jana. „Wieso? Dachtest du, dein Hund kann plötzlich reden?“ „Haha“, lachte Jana ironisch und streckte die Zunge heraus. Tom kniff ihr spielerisch in die Seite. „Man, du begrüßt mich heute mal wieder nett. Ich will dich freundlich wecken und dann so etwas. Ich hab mir extra Bobby als Hilfe geholt.“
Vorwurfsvoll blickte er sie an, doch Jana merkte, dass er sich ein Lachen unterdrücken musste.
Lächelnd schüttelte sie den Kopf und ließ Tom eintreten. Anschließend schloss sie die Tür wieder und streckte sich.
Zu spät bemerkte sie, wie Tom sie betrachtete und erst nun checkte sie, wieso er so glotzte:
Sie trug ja noch ihr sexy Schlafzeug:
Ein knallgelbes Top und eine Hotpants mit Bart Simpson auf der linken Pobacke.
Sexy, sexy… „Ups“, bemerkte Jana und wurde rot.
Rasch sprang sie ins Bett und deckte sich bis zur Nasenspitze zu. „Du bist verrückt“, lachte Tom und ließ sich auf der Bettkante nieder. „Gar nicht“, murmelte Jana empört.
Tom und Jana schauten sich minutenlang stumm in die Augen. Jana spürte unentwegt die Schmetterlinge im Bauch, ihr Herz schlug so laut, dass sie schon fast befürchtete, Tom könnte es hören.
Jana lächelte, Tom konnte seinen Blick nicht von ihr losreißen.
Ach, dieses wundervolle Lächeln. Sie sah so verdammt süß aus, wenn sie lächelte.
Tom hatte sich selbst kaum noch unter Kontrolle. Er merkte, wie er sich Jana langsam näherte.
Jana wusste nicht, was los war. Minutenlang hatte Tom sie nur angeschaut, nun kam er langsam näher…
…Und immer näher. Sie spürte seinen heißen Atem in ihrem Gesicht und die Schmetterlinge tobten so sehr, dass sie schon fast Bauchschmerzen bekam.





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Kapitel 19

Sekunden später spürte Jana Toms weiche Lippen auf ihren. Ihre Gefühle spielten verrückt.
Es schien endlos lange zu dauern, ehe die beiden sich voneinander lösten. Tom schaute sie kurz an und begann nun: „Ich… Äh…“ Er brach ab und verließ fluchtartig das Zimmer. Jana schaute ihn irritiert und gleichzeitig ein wenig verletzt hinterher.
WOW… Sie hatten sich geküsst, ja, Jana und Tom hatten sich geküsst- und Tom konnte definitiv gut küssen!
Und nun?
Was hatte dieser Kuss bedeutet?
Keine Frage, dieser Kuss hatte Jana viel bedeutet- Wahrscheinlich zu viel.
Und Tom? Wieso war er abgehauen?
Jana stützte ihren Kopf auf ihren Handflächen. Oh man…

Jana hörte das Klopfen an der Tür nicht.
Erst, als die Tür aufging und Bill vor ihr stand, wurde ihr klar, dass es wohl geklopft haben musste. „Jana?“, fragte Bill vorsichtig und trat ein.
Jana setzte ein gespieltes Lächeln auf. „Hey…“
Sie senkte den Blick und Bill setzte sich neben sie. „Was ist los?“, wollte er wissen.
„Nichts, was soll sein?“ Jana schaute ihm genau in die Augen. Er hatte genauso schöne Augen, wie Tom.
Tom. Verdammt. Jana stiegen Tränen in die Augen. Abermals senkte Jana den Blick. „Jana.“ Bill suchte ihren Blick, Jana wich jedoch gezielt aus.
Bill seufzte. „Was ist denn los, Jana?“ Jana schluckte. „Nichts“, log sie und verließ beinahe fluchtartig ihr Zimmer.
Auf dem Flur erschrak sie:
Tom kauerte an der Wand neben Janas Tür auf dem Boden und hatte seinen Blick starr auf den Boden gerichtet.
Kurz schauten die beiden sich in die Augen, dann verschwand Jana ins Bad.
Sie setzte sich auf den Badewannenrand und grübelte. Was hatte dieser Kuss gebracht?
Plötzlich hörte Jana Stimmen vom Flur: „Was ist los, Tom?“, fragte Bill. „Nichts“, zischte Tom gereizt.
Bill schwieg kurz, dann murmelte er: „Was ist hier heute eigentlich los? Jana und du, ihr seid total komisch.“
Jana…
Bei diesem Namen wurde Tom warm ums Herz. Er hatte Jana geküsst, konnte jedoch nicht mit ihr zusammen sein, weil…
Ach, Mist!
Wieso war das alles denn so kompliziert? Er hatte Gefühle für Jana, das spürte er ganz deutlich, aber…
Er wusste nicht genau, was er wollte, er wusste jedoch, dass er Jana wollte.
Und…
In Gedanken brach Tom ab. „Tom.“
Geduldig blickte Bill seinen Zwillingsbruder an. „Es ist nichts, Bill“, presste Tom mit zusammen gebissenen Zähnen hervor, sprang ruckartig auf und schlüpfte in seine Schuhe.
Anschließend verließ er das Haus und die Haustür flog geräuschvoll ins Schloss.
Irritiert schaute Bill seinem Bruder hinterher.
Was war hier heute eigentlich los? Bill raffte gar nichts mehr, er zuckte die Achseln und verließ das Haus ebenfalls.

Am nächsten Tag klingelte um halb zwei das Telefon. „Ich geh schon“, rief Jana gutgelaunt und eilte ins Wohnzimmer. „Ja?“, meldete sie sich. „Hey Jana, ich bin’s Bill. Willst du nicht vorbei kommen?“ „Klar“, erwiderte Jana. „Okay, bis gleich“, lachte Bill. „Bye“, sagte Jana noch und legte auf.

Rasch machte Jana sich fertig und ging los.
Keine zehn Minuten später war sie beim Haus der Zwillinge angekommen und klingelte.
Bill öffnete ihr die Tür. „Hey“, begrüßte er sie und umarmte sie kurz. „Na…“
Bill ließ Jana eintreten. „Wir gehen ins Wohnzimmer.“
Jana nickte und vernahm ein Lachen aus der Küche.
Während Jana zum Wohnzimmer lief, schaute sie in die Küche und was sie dort sah, brach ihr das Herz!

Kapitel 20

In der Küche saß Tom. Tom saß auf einem der Stühle, er war jedoch nicht allein. Auf seinem Schoß saß eine hübsche Blondine und Jana musste mit ansehen, wie die beiden wie verrückt Speichel austauschten.
Dieser Anblick versetzte Jana schmerzende Stiche mitten ins Herz.
„Jana?“ Erschrocken drehte Jana sich um. Bill stand neben ihr und schaute sie prüfend und besorgt an. „Hm?“ „Alles okay? Wieso weinst du?“
Erst nun bemerkte Jana, dass ihr einige Tränen die Wangen herunter kullerten.
Rasch wischte sie sie weg und log: „Es ist nichts, ich hab nur etwas ins Auge bekommen.“ Sie ging einige Schritte vorwärts, Bills Blick fiel in die Küche, wo Tom und seine Freundin Natalie herumknutschten.
War das etwa der Grund dafür, dass Jana…
Nein, das konnte doch nicht sein! Hatte Jana sich etwa in Tom verliebt?
Bill wusste es nicht, doch er wollte es auf jeden Fall herausfinden.
Jana eilte die Treppe herauf in Bills Zimmer. Immer wieder hatte sie die Bilder von Tom und diese Blondine vor Augen, wie sie sich leidenschaftlich küssten…
Jana schluckte. Also war das mit ihr und Tom wirklich nur ein einfacher Kuss gewesen.
Dieser Gedanke schmerzte.
Wieso tat Tom ihr so etwas an? Wieso nur?
Wieder so eine Frage, auf die es einfach keine Antwort gab.
Was hatte Jana auch erwartet? Hatte sie ernsthaft geglaubt, dieser Kuss war etwas Ernstes?
Hatte sie gedacht, Tom und sie wären nun ein Paar.
Ja, das hatte sie gedacht und wie immer hatte sie daneben gelegen.
Bill kam ins Zimmer und lehnte sich an den Schrank. „Wer ist sie?“, fragte Jana tonlos. „Natalie. Tom und sie… Sie sind schon seit einiger Zeit ein Paar. Bis vor kurzem war Natalie noch im Urlaub. Spanien…“ Bill brach ab.
Und Jana hatte sich gewundert, dass Tom sich nie mit seiner Freundin getroffen hatte.
„Verdammt“, fluchte Jana und sie konnte die Tränen einfach nicht zurückhalten.

„Ich geh nun erstmal heim, mein Schatz“, sagte Natalie und schaute Tom in die Augen. „Okay“, nickte Tom.
Natalie erhob sich von seinem Schoß und Tom stand ebenfalls auf.
Er brachte seine Freundin noch zur Tür und zum Abschied küsste er sie.
Kurz schaute er Natalie hinterher, wie sie auf ihrem Fahrrad davon fuhr.
Er hatte ihr nicht erzählt, dass er Jana geküsst hatte.
Jana…
Wieder spürte er Schmetterlinge im Bauch.
Für den Bruchteil einer Sekunde meinte er ihre weichen Lippen auf seinen eigenen zu spüren… Er schluckte.
Bild dir nichts ein, Junge!
Er schlenderte in die Küche, holte sich ein Red Bull aus dem Kühlschrank und setzte sich an den Küchentisch.
Wieso war es überhaupt soweit gekommen?
Wieso hatte er Jana geküsst?
Er wusste es selbst nicht, er wusste nur, dass er starke Gefühle für Jana hatte.
Er hatte jedoch auch Gefühle für Natalie…
Ach, Scheiße!
Er nahm sein Red Bull und ging die Treppe herauf.
Bills Zimmertür war einen Spalt offen, er lugte herein und erkannte Jana.
Es fiel Toms Name und er konnte nicht anders:
Er musste einfach lauschen!

Kapitel 21

„Was ist los, Jana? Wieso weinst du? Hat es etwas mit Tom zutun?“, fragte Bill gerade. „Scheiße, man“, sagte Jana nur. „Komm, erzähl schon.“ Vorsichtig legte Bill einen Arm um Janas Schulter. „Tom hat mich gestern geküsst und…“, begann Jana. „Ihr habt euch geküsst?“
Bill riss die Augen auf. „Ja und…“ „Hat dir der Kuss etwas bedeutet?“, wollte Bill gerade wissen. „Ja… Wahrscheinlich zu viel! Tom hat mich geküsst und dann ist er abgehauen. Als er auf dem Flur saß…“ Jana brach ab und wischte sich die Tränen weg.
„Hey“, sagte Bill leise.
„Wieso tut er das, Bill? Wieso?“ „Ich weiß nicht, Jana…“, flüsterte Bill. Jana legte ihren Kopf auf Bills Schulter. „Ich bin doch total verknallt in ihn.“ „Ich weiß…“
„Es tut irgendwie verdammt weh. Meinst du, er tut das extra?“, wollte Jana wissen. „Nein, sicherlich nicht. Er hat dich doch gern!“
Tom hatte genug gehört. Mit gemischten Gefühlen schloss er sich in seinem Zimmer ein.
Hatte er Jana das Herz gebrochen, ohne das er es wollte? Wieso kam es zu diesem Kuss? Wieso war Natalie da? Wieso war Tom in zwei Mädchen verliebt?
Fragen, Fragen und keine Antworten.
Vor Wut boxte Tom in sein Kopfkissen und fluchte: „Scheiße, verdammte!“
„Ich geh heim“, sagte Jana urplötzlich, erhob sich und verschwand ohne ein weiteres Wort.
Bill schaute ihr hinterher, wie sie die Treppe herunter ging und verschwand.
Kurz darauf eilte er zu Tom. Ohne zu klopfen betrat er das Zimmer. Tom hockte auf seinem Bett und starrte ins Nichts. „Tom, was hast du gemacht?“, fragte Bill. „Wie?“ Tom schaute auf und schien nichts zu verstehen. „Wieso hast du Jana geküsst?“ „Weil ich sie liebe?“
„Was ist mit Natalie?“, wollte Bill wissen. „Ich liebe sie.“ Bill drehte sich um und wollte das Zimmer verlassen. „Entscheide dich. Du solltest wissen, dass du Jana irgendwie das Herz gebrochen hast.“
Er verließ das Zimmer.
Jana oder Natalie? Natalie oder Jana?
Tom grübelte und grübelte…

Die ganze Nacht hatte Tom nachgedacht und somit kein Auge zu bekommen.
Am nächsten Tag rief er Natalie an. „Hey Schatz“, begrüßte sie ihn. „Hey… Kannst du vorbei kommen? Ich muss dringend mit dir reden!“ „Klar, bis gleich. Ich liebe dich.“ Ohne etwas zu erwidern, legte Tom auf.
Hatte er die richtige Entscheidung getroffen? JA, eindeutig ja!
Zehn Minuten später klingelte es an der Haustür. Tom eilte die Treppe herunter, öffnete die Tür und es war, wie erwartet, Natalie. „Hey Schatz“, lächelte sie und wollte ihn küssen. Tom wich zurück.
Er beschloss, gleich zur Sache zu kommen: „Natalie, ich habe dich her gebeten, um dir zu sagen, dass… ich Schluss mache!“ Natalie riss die Augen auf. Kurz darauf stiegen ihr Tränen in die Augen. „Wieso? Hast du eine andere?“ „Nein, aber ich habe mich neu verliebt. Es tut mir Leid, Natalie!“ „Schon okay“, sagte Natalie resigniert und drehte sich um. Ohne etwas zu sagen, haute sie ab.
Nachdem Natalie weg war, zog Tom sich seine Schuhe und Jacke an und eilte zu Jana.
Mit ihr musste er nun dringend sprechen.

Nach knapp zehn Minuten kam Tom bei Jana zuhause an. Er klingelte und einige Sekunden später öffnete Oma Bruni die Tür. „Hallo. Ist Jana vielleicht da?“ „Hallo Tom. Ja, sie ist in ihrem Zimmer. Ihr geht’s nicht so gut, aber du kannst ja mal hoch gehen!“ „Danke“, lächelte Tom, trat ein und rauschte die Treppe herauf.
Zögernd klopfte er an Janas Zimmertür. Was sollte er überhaupt sagen?
„Ja?“, erklang Janas Stimme. Sie klang weinerlich, traurig…
Tom öffnete die Tür und lugte herein. „Tom“, sagte Jana überrascht, „komm rein…“
Tom trat ein und ließ sich auf dem Schreibtischstuhl nieder. „Hör zu, Jana, ich muss mit dir reden.“
Jana schaute auf. „Ich hör zu.“ „Ich habe mitbekommen, dass du mich und Natalie gestern in der Küche gesehen hast und ich habe das Gespräch zwischen dir und Bill mitbekommen. Hör zu, Jana. Ich weiß, du wirst mir wahrscheinlich sowieso nicht glauben, aber ich habe vor ungefähr zwanzig Minuten mit Natalie Schluss gemacht…“ „Wieso sollte ich dir nicht glauben? Na ja, wieso hast du Schluss gemacht?“ Tom schluckte. „Weil ich dich liebe!“
„Im Ernst?“ „Nee, im Dieter. Jana, glaub mir doch!“
Jana grinste, erhob sich und ging auf Tom zu. Sie stand genau vor ihm und sagte: „Der Kuss… bei mir im Zimmer, neulich. Den würde ich schrecklich gern wiederholen.“ Tom grinste ebenfalls, Jana beugte sich zu ihm herunter und sie küssten sich.

The Eeeeeeeeeeeend^^





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obwohL es immer wieder weh tut ... ~

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...   Erstellt am 29.03.2007 - 23:50Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


&?? Meine 7. FF, ich maq die wohL xD

& ihr??? :-P





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