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fatmita ...
Einwanderungs-Expertin
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...   Erstellt am 06.07.2008 - 07:39Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


Der Begriff des Auswanderns wird in allgemeiner Wortbedeutung synonym zu dem der Emigration verwendet. Im engeren Sinne versteht man unter Auswanderung das freiwillige Verlassen des jeweiligen Heimatlandes in der Absicht, in einem anderen Staat dauerhaft zu wohnen und zu arbeiten. Diese beiden Dimensionen des Auswanderungsphänomens werden unter das Migrationsverhalten subsumiert. In seinen Ursprungsdimensionen geht es auf die Zeiten der Völkerwanderung zurück, konkret jedoch datiert man die Anfänge des deutschen Auswanderungsverhaltens auf die Zeit des endenden 17. Jahrhunderts. Innerhalb dieses Zeitraums macht sich ein tief greifender Wandel bemerkbar, der sowohl die Kontinuität als auch die Zielpräferenz betrifft.
Zur Geschichte und Soziologie des Phänomens der Auswanderung

Motive, Ideen und Weltbilder: Die Gründe für den Entschluss, im Ausland einen Neubeginn zu wagen, sind so vielfältig, wie die Menschen, die sie angeben. Zusammengefasst gibt es folgende Hauptargumentationen:

* Verbesserung der Berufsperspektiven oder der Wohnsituation
* politische Unzufriedenheit
* höhere Lebensqualität/Lebensstandard
* ein besonderes Interesse an der Bevölkerung, dem Land, der Kultur
* private Gründe (Partnerschaft, Familiengründung)
* klimatische Gegebenheiten
* schiere Abenteuerlust
* idealistische Aspekte (Entwicklungshilfe, Völkerverständigung)
* Erweiterung des persönlichen Horizonts/Erfüllung eines Lebenstraumes

Ursprung, Zeit und Wandel: Die Ursprünge der Auswanderungstendenzen lassen sich bis in die Zeit der Völkerwanderung und der Besiedlung von Ost- und Südosteuropa feststellen. In etwa zeitgleich mit der merkantilistischen Peuplierungspolitik, die die Förderung von Einwanderungstendenzen vorantrieb, setzte vom Ende des 17. Jahrhunderts bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts eine starke innereuropäische Mobilität ein. Diese konzentrierte sich besonders auf Russland und das Gebiet der mittleren Donau. Bald darauf ließ sich zudem eine Orientierung nach Nordamerika erkennen, die durch die Wirren der Napoleonischen Kriege unterbrochen wurde. In der Folgezeit galt das Interesse auch Südamerika, Afrika und Australien. Besonders eklatant wuchs die Bereitschaft, das Land zu verlassen, in den Jahren der Großen Depression um 1880, als es rund 0,5% der deutschen Gesamtbevölkerung zu neuen Ufern zog.

Jüdische Einwanderer in Pardess-Channa, Israel; 1949
Corbis-Bettmann, New York
Jüdische Einwanderer in Pardess-Channa, Israel; 1949

Bereits 1890 war der Gipfel überschritten und die Marge der realisierten Emigrationsprojekte bewegte sich etwas unter 0,1%, um schließlich während der Zeit des Ersten Weltkrieges völlig auszusetzen. Die 1920er und 1930er Jahre, geprägt von der Weltwirtschaftskrise und dem aufkommendem Nationalsozialismus, führten zu einem erneuten Anstieg der Zahl der Ausreisewilligen beziehungsweise der Zwangsausgewiesenen auf 0,2%. Diese Tendenz wurde mit der Machtergreifung Hitlers zurückgedrängt und erfuhr eine Zäsur durch die Kriegsjahre 1939-1945. Nach der bedingungslosen Kapitulation zeitigte die Währungsreform einen weiteren Höhepunkt der Auswanderungsbereitschaft um das Jahr 1950. Diese ebbte trotz des einsetzenden Wirtschaftswunders nur langsam ab.

Seit 1990 geht der Prozentsatz der Auswanderung zwar zurück, ein kontinuierliches Emigrationsverhalten besteht jedoch nach wie vor. Es wird gefördert durch berufliche Mobilitätsanforderungen und das Phänomen des Massentourismus. Durch den deutlichen Rückgang von Fertilität (Geburtenrate) und Mortalität (Sterberate) ist diese Entwicklung aus demographischer Sicht nicht ganz unproblematisch. Dem Wanderungsverhalten internationaler Prägung ist jedoch ein weitaus geringerer Stellenwert beizumessen als demjenigen der Land-Stadt-Verschiebungen.

Seit dem Schengener Abkommen, dem am 1. April 1998 außer Großbritannien und Irland alle anderen damaligen 13 EU-Staaten sowie Island und Norwegen beigetreten sind, ist die innereuropäische Mobilität mit dem Fall der Binnengrenzen deutlich erleichtert worden. Der Prozentsatz von Bürgern benachbarter Staaten betrug dennoch lediglich 1,5%. Zudem wurde der Auswanderung durch diverse Spezialregelungen (Anerkennungsbedingungen von Hochschulabschlüssen, Bonitäts- bzw. Krankenversicherungsnachweisen bei Erwerbslosen etc.) geradezu entgegengewirkt.
Juristische Regelungen

Von deutscher Seite aus ist ein Auswanderungsansinnen nicht genehmigungspflichtig und bedarf insofern keiner besonderen Anträge, Fristen etc. Anders sieht dies jedoch meist im entsprechenden Einwanderungsland aus. So verlangen die USA zum Beispiel den Erwerb einer "Green Card", die eine befristete Aufenthaltserlaubnis gewährt. Sie ist entweder in einem ebenso komplizierten wie langwierigen Antragsverfahren oder per Losglück (im jährlichen Turnus) zu bekommen. Andere Staaten binden ihre Einwanderungszustimmung an die Zahlung eines einmaligen höheren Geldbetrages, an die Schaffung von Arbeitsplätzen im Rahmen existenzgründerischer Bemühungen oder an die Zugehörigkeit zu einer dringend benötigten Berufsschicht (Mediziner, Architekten etc.). Die detaillierten Anforderungen erfährt der Ausreisewillige bei den jeweiligen Generalkonsulaten, deren Adressen das Auswärtige Amt zur Verfügung stellt. Darüber hinaus gibt es inzwischen immer mehr kommerzielle Beratungs- und Organisationsagenturen, deren Konditionen man über Internet/E-Mail in Erfahrung bringen kann. Eine spezialisierte Ratgeberliteratur bietet häufig Adressen von deutschsprachigen Rechtsanwälten im Ausland, die Auskünfte über steuerrechtliche Gepflogenheiten und Versicherungswesen des jeweiligen Landes erteilen.
Bevor Sie in die Luft gehen oder Was gilt es zu bedenken?

Politisch-wirtschaftliche, medizinische und psychologische Aspekte

Andere Länder, andere Sitten! Was sich Reisebüros als Appell an ihre Kunden auf die Fahnen geschrieben haben, gilt erst recht für einen längeren oder gar dauernden Auslandsaufenthalt. Zunächst sollte man sich umfangreiche Informationen über das jeweilige Ziel beschaffen: Kann man den Lebensstandard, der in Mitteleuropa eher gehoben ist, anpassen? Wie verhält es sich mit der politischen Situation? Ist die Sozialstruktur durchlässig oder werden einem "Newcomer" wenig Chancen eröffnet? Diese Fragen sollte man genauso abklären wie den (meist geringen) Wahrheitsgehalt persönlicher Klischeevorstellungen. Ausdrücke wie "das Land der unbegrenzten Möglichkeiten", "das gelobte Land" oder die "neuen Ufer" implizieren eine durchgängig positive Wertung, die im Vorfeld zu korrigieren sicherlich ebenso notwendig ist wie die Wohnungs- und Arbeitsplatzsuche.

Unter dem medizinischen Aspekt sind besonders die klimatischen Bedingungen zu beachten. Oft wird deren Bedeutung aus touristischer Sicht saisonbedingt unterschätzt. Gesundheitlich bedenklich sind aber nicht nur zum Beispiel Kreislaufprobleme in den Subtropen, sondern die vielfach völlig ignorierte Notwendigkeit sämtlicher vorgeschriebener Schutzimpfungen. Über potenzielle Gefahren und ratsame Immunisierung gegen Malaria, Gelbfieber etc. gibt zum Beispiel das Tropeninstitut der medizinischen Universität München (Leopoldstraße 5, 80802 München, Tel.: 089-336038 oder 089-336112) oder gegebenenfalls der Hausarzt Auskunft.

Psychologische Gesichtspunkte

Gerade bei einer Auswanderung tauchen ungeahnte Schwierigkeiten auf, die von den Betroffenen zunächst unterschätzt werden. Zuerst sind die Entscheidungsfindung und die eingehende Recherche zu bewältigen, etwaige versteckte Xenophobie (Fremdenfeindlichkeit) aufzuspüren, potenzielle Fehlinformationen zu korrigieren, die zahllosen Papiere für den Visumantrag beizubringen und eventuell auch Eigentum (Haus etc.) zu verkaufen. Das oft als verwirrend erlebte Ausfüllen und Einreichen des Antrags sorgt, verbunden mit der Konfrontation im Familien- und Freundeskreis, für Verunsicherung und Orientierungslosigkeit. Nach Erteilung der Einreisegenehmigung sind organisatorische Dinge wie die Auflösung von Arbeits- oder Mietverhältnis, die Überführung sperriger Güter (z. B. Kraftfahrzeug) und die Beauftragung einer Spedition für den Umzug zu regeln. Hinzu kommt neben der wirtschaftlichen eine starke emotionale Belastung durch die Lösung aus dem sozialen Kontext, Verabschiedungen etc. Die Anreise selbst und die Zollformalitäten sind die letzte Etappe in einem komplexen Anforderungsprozess, den der Ausreisende zu bewältigen hat. Zu guter Letzt ist die Hürde der Akkulturation (Eingliederung in kultureller Hinsicht) und der Assimilation (Eingliederung in geistig-sozialer Hinsicht) zu nehmen, um vollständige Integration in der neuen Lebenswelt zu erlangen - eine große Herausforderung, die ebenso viel Selbstvertrauen wie Zähigkeit verlangt. Für immer ist ganz schön lang.

Alternativen

Will man sich für längere Zeit oder gar für immer in fremde Gefilde begeben, so ist es sicherlich für den Einsteiger ratsam, seine Vorstellungen vom "Neuen Leben" erst einmal auf Zeit zu überprüfen. In Frage kommt hier ein zeitlich befristeter Aufenthalt, der von jüngeren Kandidaten zum Beispiel im Rahmen eines Schüleraustausches, eines Au pair-Arbeitsverhältnisses oder eines Auslands- oder Sprachenstudiums angetreten werden kann. Für ältere Anwärter würde sich eventuell ein Trainee-Programm in einer ausländischen Filiale des Arbeitgebers oder eine Forschungsreise anbieten. In jüngster Zeit bieten viele Firmen zudem die Möglichkeit, ein Sabbatical (vorübergehender Ausstieg) wahrzunehmen. Seine regenerativen Wirkungen sind inzwischen nicht mehr nur in US-amerikanischen Unternehmen anerkannt. Die Zeit zur Selbstfindung kann man auch im Rahmen eines ein- oder mehrjährigen Engagements innerhalb eines Entwicklungshilfe-Projekts nutzen. Die Einrichtung von Work Camps, in denen die "Auswanderer auf Zeit" je nach ihren beruflichen oder persönlichen Qualifikationen eingesetzt werden, vermittelt schon vor dem endgültigen "Absprung" ein Gespür für das soziale Regelwerk. So ist der erste Schritt in Richtung Integration bereits getan, bevor man sich für immer verabschiedet.
Reif für die Insel? Wichtige Anlaufpunkte und Beratungsstellen

In Deutschland ist das Bundesverwaltungsamt in Köln (Barbarastraße 1, 50735 Köln, Tel.:0188-8358-0, Fax: 0188-8358-2823 ) für Beratung im Falle eines Auswanderungsvorhabens zuständig. Dort kann man nützliches Informationsmaterial anfordern, welches auf die spezifischen Vorgaben des jeweiligen Zielstaates zugeschnitten ist. Da die Auswanderung in Deutschland normalerweise keiner amtlichen Erlaubnis bedarf, ist weder auf die Vorlage bestimmter Papiere noch auf etwaige Antragsfristen zu achten. Die Organisation des Umzugs erfolgt wie ein Inlandsumzug. Die Anschriften der einzelnen Konsulate sind beim Auswärtigen Amt (11013 Berlin, Tel.: 030-5000-0) zu erfragen. Eine kostenfreie Auswanderungsberatung einschließlich Informationsmaterial erhalten Ausreisewillige auch beim Raphaels-Werk der Caritas (Norbertstraße 27, 50670 Köln, Tel.: 0221-28362-0, Fax: 0221-28362-14). Details zu verschiedenen Formen des Schüleraustausches sind zum Beispiel beim Bayerischen Jugendring zu erfragen (Herzog-Heinrich-Straße 7, 80336 München, Tel.: 089-51458-0).
Bibliografie

B. Riedel: Lebe deinen Traum. Ein Ratgeber für alle, die woanders besser leben wollen. Perspektiven, Projekte und Praxistips, 2002
© Wissen Media Verlag



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SPIEGEL

[Dieser Beitrag wurde am 06.07.2008 - 07:41 von fatmita aktualisiert]





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Ich bin Hamburgerin und Betriebwirt


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