lachrizzi 

Status: Offline Registriert seit: 21.07.2008 Beiträge: 23 Nachricht senden | Erstellt am 30.07.2008 - 21:40 |  |
So, auf Wunsch einer einzelnen Dame *grins* schreib ich euch mal etwas über die Ausbildung unserer Wauzis. Vorrangig vom kleinen, da ich die Ausbildung da hautnah miterleben konnte.
Wir haben den kleinen - wie üblich - mit 8 Wochen geholt. Die erste Woche war ne Katastrophe, der kleine musste erstmal lernen, dass er nun nicht mehr in seiner Welpenfamilie ist, sondern bei uns. Erschwerend kam hinzu, dass Mira ihn am Anfang nicht mochte und angeknurrt hat, so dass wir beide circa 2 Monate getrennt lassen mussten. Das bedeutet für Mira natürlich rein in die Wohnung, wenn wir mit dem kleinen auf dem Hof waren. Aber mittlerweile verstehen sich beide blendend und Mira ist auf ihre Tage richtig aufgeblüht.
So, nun zur Ausbildung. Begonnen haben wir mit Futterschleppen. Einfach Nassfutter auf bissl Küchenpapier, das ganze nochmal nass machen und dann über den Rasen ziehen (so circa 15m), zwischendurch sind extra ein paar Futterbröckchen liegengeblieben und dann ne halbe Stunde "stehen lassen". Sodenn wurde der kleine "angehalst" (war sehr schwierig die ersten Wochen, ihn an das Halsband zu gewöhnen....das juckt nämlich immer und man fällt beim kratzen um,wenn mans abmachen will *g*...) und ihm er durfte arbeiten.
Am anfang hat er das noch nicht so geschnallt gehabt, da is er die Fährte zum teil wieder rückwärts gelaufen, denn es könnt ja noch futter drauf liegen.....aber das haben wir relativ flott hinbekommen, dass er es schnallt, bis ans ende zu laufen (einfach futter weggelassen und erst am Ende gefüttert)Die Stehzeiten und Längen wurden erweitert, bis unser Garten zu klein war... Im abstand von 1-2 Wochen haben wir immer mal ne Futterschleppe gelegt.
Dann gings weiter auf eine Wiese, mit niedrigem Bewuchs (wichtig, da die Hunde lernen müssen, mit tiefer Nase zu arbeiten, und bei hohem Gras bleiben die Geruchspartikel oben am Gras haften und somit muss der Hund nicht die Nase runter nehmen). Da haben wir glaub ich mal ein herz vom Schwein oder Rotwild gezogen und auch schon die Länge erweitert, einen kleinen Haken eingebaut und auch die Stehzeit erweitert.
Zwischendurch hatte mein Freund mal einen 5kg Frischling geschossen, den haben wir gekauft und als Übungsobjekt erstmal eingefroren. Aber vorher haben wir Sandor mal das minischweinchen gezeigt (beide waren gleich groß) und der kleine war total begeistert und hat sich rangetraut 
Irgendwann wars dann soweit, die erste Fährte mit dem Fährtenschuh konnte gearbeitet werden. Dabei werden sich Schuhe angeschnallt, an denen sich Schalen (=Füße vom Wild) befinden. Die war relativ kurz, denn der kleine musste ja von der Futterschleppe umschwenken zur getretenen Fährte. Dabei ist das tolle, dass der Hund nur anhand der Bodenverwundung und der hinterlassenen Gerüche arbeitet. Wir haben Sandor komplett ohne Schweiss eingearbeitet. Nur kurz vor der Prüfung bekam er mal ein paar Fährten, damit er nicht irritiert schaut, wenn da auf einmal Schweiss da ist.
Die Fährten wurden auch hier immer länger, mit Haken, längere Stehzeiten, bis man bei nem 1000m angelangt war. (den schafft er mittlerweile in 15-20 minuten) Zu beachten ist, dass man nie die gleichen Fährten nehmen sollte, da sich die Hunde die Fährten merken und die quasi aus dem Gedächtnis laufen. Man kann den Hund testen, in dem man ne kurze, bekannte Fährte tritt und die nach hinten verlängert. Weiterhin sollten immer unterschiedliche Personen die Fährten treten, weil beim treten ja auch Hautschuppen vom "Fährtentreter" abfallen und der auch geruchsspuren hinterlässt. Wir haben so 7-10 Leute gehabt, die immer mal eine getreten haben und wir haben natürlich auch ab und zu welche getreten. Denn wenn der Hund auf den Hautschuppen vom "Führer" läuft, kann er Probleme in der Prüfung bekommen, da ja fremde Leute die Fährten treten.
Nun zur Prüfung, die der kleine mit 14 Monaten als 5. bester (von 11) bestanden hat!
Abends wurde jeder Hund einzeln auf ne Wiese geschickt und ein Schuss fiel. (=Wesenprüfung), da kam schonmal raus, dass Sandor schussfest ist (wussten wir aber schon vorher, aber jetzt isses amtlich).
Dann wurden die Gruppen ausgelöst Im Vorfeld wurden am morgen vorher die Fährten gelegt, mit in einer Länge von 1000m. Zustäzlich kommt noch 1/4Liter Schweiß auf die gesamte Strecke dazu (ich glaube auf den ersten 200m und den letzten 200m, die ZWischenstrecke bleibt schweißlos und der Hund muss die Fährte anhand der Bodenverwundung (+ abgesondere Geruchspartikel) der Fährtenschuhe mit der Nase finden und arbeiten. Das Ganze hat dann ne "Stehzeit" von mindestens 24 Stunden bevor es gearbeitet wird. Um das Ganze zu Erschweren rennt da dann nachts noch Wild drüber und schafft sogenannte Verleitungen. Aber die waren dann schon fast alle weg, als Sandor dann gesucht hat, weil er erst gegen 13:30 dran war.
Wir hatten bissl befüchtet, dass es eng zu geht, da es sehr trocken war und auch im Laub getreten wurde, wo kaum Geruchspartikel haften bleiben. Aber hat ja alles geklappt.
Dann wird noch das Ablegen getestet. Der Hund wird am Rucksack abgelegt (evtl angeleint), der Hundeführer entfernt sich aus der Sichtweite des Hundes und dann fällt ein Schuss. Dabei sollte sich der Hund nicht bewegen. Bzw. Aufstehen und sich drehen, dann wieder hinlegen is erlaubt und auch ein Kopfheben beim Schuss. Steht der Hund auf und setzt sich auf den Schuss, gibts schon Punktabzug. Weglaufen sollte er auch nicht.....
Dann wurde "Verhalten am Stück" geprüft, also ob der Hund das Stück, was er gefunden hat "anschneidet"(frisst)/ oder ein sogenannter "Tötengräber" (einbuddelt) ist. Und ob er Angst zeigt, wenn sich jemand dem Stück nähert oder aggressiv ist. (Bei Mira wars so, dass die Aggressiv sein sollten "verteidigung des stückes" hieß das bei ihr. Also das wurde damals gewollt, dass die einen evtl anknurren oder ähnliches)
Die Verhaltensprüfung hat den Hintergrund, dass früher ja kaum Autops etc vorhanden waren. Wenn nun ein Jäger/Förster ein Stück wild geschossen hatte, musste er nach Hause und seine Waldarbeiter holen. Damit das Stück in der Zeit nicht geklaut wird, wurde der Hund dagelassen und musste es bewachen.
Als nächstes wurde dann noch die Leinenführigkeit geübt.....das war etwas unser problemfach jedoch relativ "unwichtig" fürs bestehen, da alles andere gut geklappt hat.
Nach dem Arbeiten der Kunstfährte (hier wird der Anschuss dem Hundeführer gezeigt, der Hund wird abgelegt, Hundeführer schaut sich Anschuss an, erkennt, wo der Schuss sitz, von welchem Tier etc...., dann wird dem Hund der Anschuss gezeigt) erfolgte dann die sogenannte "Vorsuche". Da muss der Hund in einem 30x30m² großen Gebiet den Anschuss finden und verweisen. Hat den Hintergrund, da manchmal die Schützen nicht ganz so genau wissen, wo der Anschuss ist, dass der Hund den selber findet und dann anfängt, die Fährte zu arbeiten
Und der kleine is in den Zuchtpunkten *freu*, aber dafür brauch er noch die Hauptprüfung, welche aus einer reellen und schwierigen Nachsuche besteht. Diese wird er aber vielleicht erst in 3-4 Jahren machen. Je nach dem, wie sich die Situation anbietet.
So, das wars erstmal 
[Dieser Beitrag wurde am 30.07.2008 - 21:41 von lachrizzi aktualisiert]
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