WHISPER  Hohepriesterin
       

Status: Offline Registriert seit: 21.04.2005 Beiträge: 2702 Nachricht senden | Erstellt am 05.12.2005 - 13:53 |  |
DAS RITTERTUM IM MITTELALTER Beim Begriff Rittertum denken wir heutzutage an prächtige Burgen, in denen die edlen Ritter mit ihren Frauen prunkvolle Feste feierten. Aber aus etlichen Überlieferungen erfahren wir, daß es eine durchaus rauhe und brutale Zeit war und daß selbst die Ritter ihre Tugenden nicht ernst nahmen und daher auch in der Bevölkerung äußerst unbeliebt waren.
Vom Pagen zum Ritter
Um Ritter zu werden, mußte der Sohn eines Adligen, eine lange Ausbildung durchlaufen. Bereits im Alter von sieben Jahren trat er als Page in den Hofdienst eines Fürsten. Mit 14 Jahren wurde er dann in den Rang eines Knappen erhoben und mußte das Kriegshandwerk und die Kunst der Jagd erlernen. Außerdem hatte er seinen Herrn auf Feldzügen zu begleiten, wo er ihm die Lanze und sein Schild trug und ihm beim Anlegen der Rüstung behilflich war. Nach 14 Jahren Ausbildung (!) wurde dem Knappen in einer heiligen Zeremonie, der sogenannten "Schwertleite", das Ritterschwert umgelegt. Ab dem 12.Jahrhundert nannte man diese Erhebung in den Ritterstand auch den Ritterschlag. Mit ihm bekam der Junge Ritter das Recht ein Lehen zu erhalten und im Turnier mitzukämpfen.In Deutschland wurde das erste Ritterturnier im Jahre 1127 in Würzburg ausgetragen. Von diesem Zeitpunkt an fanden 400 Jahre lang solche Turniere auf deutschem Boden statt, die auch für Künstler sehr interessant waren. So wurden z.B. viele Turnierszenen von Malern gezeichnet oder von Dichtern besungen.Das Turnier bestand in der Regel aus zwei Teilen:Aus der Tjost und aus dem Buhurt. Die Tjost war der Einzelkampf Mann gegen Mann, bei dem zwei kampfmäßig gerüstete Ritter auf dem Pferd versuchten, sich mit einer langen Lanze gegenseitig aus dem Sattel zu hieven.Zu den Waffen eines Ritters gehört in erster Linie das Schwert. Es wurde hauptsächlich aus Stahl hergestellt und wog ca.1,3kg. Der Beruf des Waffenschmieds hatte folglich im Mittelalter ein hohes Ansehen. Das Schwert diente als Allzweckwaffe, sowohl zum duellieren, als auch als Kriegsgerät.Weitere wichtige Waffen im Mittelalter waren die Streitaxt, der Streitkolben und der Morgenstern. Diese drei Waffen konnten selbst dicke Eisenrüstungen durchschlagen.Spieß und Hellebarde waren bekannt als Pferdekampfwaffen. Sie wurden hauptsächlich bei Turnieren und großen Schaukämpfen gebraucht.Die Erfindung von Armbrust und Bogen schließlich veränderte die Kriegstaktik, da Reiter schon von großer Entfernung aus gestoppt werden konnten. Ein Bolzen einer Armbrust, zum Beispiel, durchbohrte selbst die dicksten Ritterrüstungen.
Das Fehdewesen Das im Mittelalter weit verbreitete Fehdewesen diente als Mittel zur Durchsetzung ritterlicher Interessen.Fehden waren in den wenigsten Fällen direkte Kämpfe zwischen den einzelnen Rittern. Sie wurden hauptsächlich am Besitz des jeweiligen Feindes ausgetragen. Ziel war es möglichst viel Beute zu machen. Man versuchte dies indem man die Leibeigenen Bauern des einzelnen ausbeutete und so viele Gefangene wie Möglich machte um anschließend Lösegeld zu erpressen.Das Fehdewesen war ursprünglich ein Selbsthilferecht der Ritter, da die öffentliche Gewalt nicht fähig war, Recht und Frieden zu garantieren. Das Fehdewesen verkam aber im Laufe der Zeit immer mehr zu Raubzügen. Der jagsthausener Schlossherr Götz von Berlichingen betrieb das Fehdewesen professionell und brachte es auf diese Weise zu enormem Reichtum.Zum Fehdewesen gehörte auch der Zweikampf. Bei solchen Meinungsverschiedenheiten war am Ende immer der im Recht, der den Zweikampf gewann. Die Menschen im Mittelalter sahen den Ausgang eines Zweikampfes als eine Art Gottesurteil an. Der körperlich stärkste war also folglich auch immer der gläubigste und bravste.Der Buhurt war eher ein Geschicklichkeitsspiel, bei dem es auf die Reitkünste ankam. Folglich mußten die Ritter keine volle Rüstung tragen, sondern nur Schild und Speer. Das eigentliche Turnier bildeten dann Tjost und Buhurt zusammen.Auf diese Weise wurde das Turnier zu einer Übung für den Ernstfall, nur mit dem Unterschied, daß alles in einem festlichen Rahmen ablief. Wer allerdings glaubt, daß dieses "Vergnügen" harmlos war, der täuscht sich gewaltig. Denn es kam durchaus zu schweren, ja sogar tödlichen Unfällen, da die Kämpfer in der Hitze des Gefechts oftmals wütend auf ihre Gegner einschlugen.
Die ritterlichen Tugenden Um als Ritter erfolgreich gewesen zu sein, brauchte man vor allem Kraft, Mut und Geschicklichkeit. Die Ritter wurden einer langen militärischen Ausbildung unterzogen, denn man brauchte viel Übung, um in voller Rüstung reiten zu können und dabei noch mit einer 4-6m langen Lanze genau zu treffen.Der Kampf war die Hauptaufgabe eines Ritters. Tapferkeit, Standhaftigkeit, Ehre und Treue waren deshalb seine obersten Werte.Jedoch widmeten sich die Ritter auch dem Schutz der Schwachen und Unterdrückten. Dieses Ritterbild wurde im Minnesang und in Heldenliedern zum Ausdruck gebracht.Die Ritter hielten sich jedoch nicht immer an diese Ideale. Oft raubten, mordeten und brandschatzten sie, um ihren eigenen Wohlstand zu mehren.
Signatur Pazifisten sind wie Schafe, die glauben, der Wolf sei ein Vegetarier... |