Daggi 
      

Status: Offline Registriert seit: 20.02.2007 Beiträge: 569 Nachricht senden | Erstellt am 01.03.2007 - 11:18 |  |
Aufregende Düfte
Ich saß in meiner Mittagspause mit einer Kollegin in der Kantine. Sie war zurück aus dem Urlaub und ihr Mund stand keine Sekunde still, soviel hatte sie zu erzählen. Ihre Urlaubsberichte ließ ich noch still und leidenschaftslos über mich ergehen aber dann kam sie auf ihren Geburtstag zu sprechen. „Stell dir bloß mal vor, mein Mann hat mir ein Parfüm geschenkt!“
Ich wusste überhaupt nicht, warum sie so außer sich war, denn an sich war ein Parfüm ja nun wirklich kein außergewöhnliches Geschenk. Wenigstens für sie nicht, denn sonst bekam sie immer ein Schmuckstück geschenkt, auf das sie ihren Mann schon Wochen vorher aufmerksam gemacht hat.
Mit irritiert gerunzelter Stirn blickte ich sie nun kopfschüttelnd an und ihr Redefluss stoppte auch nicht, als sich zwei Männer mit ihren voll beladenen Tabletts zu uns gesellten.
Nun, allein schon die Tatsache, dass er dieses Parfüm selbst ausgesucht hatte, ohne auf irgendwelche Wunschesäußerungen ihrerseits zu warten, empfand sie schon als wahre Glanzleistung, klärte sie mich sogleich auf. Sie grinste und imitierte ihren gespannt und stolz dreinblickenden Mann, als sie das Parfüm auspackte. „Ich kann dir sagen… Liebling, das war soooo teuer… wirklich nicht auszudenken teuer! Das Teuerste in der gesamten Parfümerie! Aber ich musste es dir unbedingt mitbringen… es hat mich zum Träumen inspiriert und ich finde, es passt soooo gut zu dir!“
Jetzt war es an mir, zu grinsen und auch die beiden Männer konnten sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Ich staunte. Die beiden würden in ein paar Jahren Silberhochzeit feiern und wenn das Parfüm dabei half, ihn auch jetzt noch von seiner Ehefrau träumen zu lassen, war das natürlich nicht zu verachten! Allein schon aus diesem Grund bauchpinselte sie ihn entsprechend und über alle Maßen, auch wenn sie wusste, dass diese Marke NICHT die teuerste auf der ganzen Welt war.
Aber ein Umstand machte ihr dann doch schwer zu schaffen. Das Parfüm war furchtbar. Diesen süßen und schweren Geruch, der ihr allein schon aus der Flasche entgegen strömte, fand sie einfach unerträglich. Pflichtbewusst hatte sie sich aber ein wenig auf das Handgelenk gesprüht, ihrem Gatten einen schmelzenden Blick geschenkt, ihn liebevoll geküsst mit den Worten „Oh Schatz, wie süß von dir! Und du hast es ganz allein ausgesucht!“ Die Lüge, dass sie das Parfüm ganz wunderbar fände, brachte sie dann aber doch nicht über die Lippen. Eine halbe Stunde später hielt sie es dann nicht mehr aus, und sie musste sich ins Badezimmer begeben, um sich den Gestank abzuwaschen.
In den nächsten zwei Wochen erfand sie hunderttausend Ausreden, um das Parfüm nicht auftragen zu müssen. Jeden Morgen hielt sie die Luft an, gönnte dem Badezimmer zwei drei Spritzer des „Duftes“ und beeilte sich, die Tür von draußen zu schließen. Die Flasche wurde leerer und ihr Mann war glücklich in seinem Glauben, ER hätte einen guten Geschmack.
Ich fand das alles ziemlich lustig und amüsierte mich köstlich über die anschaulichen Ausführungen meiner Kollegin, während einer der Männer sich schließlich in unser Gespräch einmischte und die Partei für seinen Geschlechtsgenossen ergriff. Er warf lautstark ein, dass er aus eben diesen Gründen seiner Frau mit Sicherheit niemals ein Parfüm kaufen würde, ohne ihr vorheriges Okay dafür einzuholen. Er würde sich schließlich nicht zum Gespött solch einer Weiberrunde machen wollen!
Der andere Mann indes sah ziemlich irritiert drein. „Oh scheiße!“ entfuhr es ihm entsetzt. „Ich hab meiner Holden das gleiche Parfüm gekauft, weil ich das auch so toll fand. Jetzt brauche ich mich wohl nicht mehr zu wundern, warum sie es nicht benutzt!“
Jetzt prusteten wir alle erst recht. Allerdings hatte dieses Thema meine Neugier geweckt. Ich hatte nämlich irgendwo gelesen, dass in Parfüms diverse Lockstoffe enthalten sein können, die erregend auf das andere Geschlecht wirken sollen. Vielleicht wäre es ja irgendwann von Vorteil, wenn ich mich dahingehend mal schlau machen würde? Ich hatte schließlich auch so ein Exemplar an meiner Seite, welches hin und wieder mal inspiriert werden muss!
In meiner nächsten Mittagspause stürmte ich also die Parfümabteilung bei Karstadt. Ein wunderschöner blonder Engel, wohl gerade den Kinderschuhen entwachsen, schwebte auch sogleich auf mich zu und fragte liebreizend nach meinen Wünschen. Zielstrebig nannte ich das von mir begehrte Parfüm.
Nun ja, ein Verkäufer wäre mir in diesem Augenblick sehr viel lieber gewesen, hätte er doch aller Wahrscheinlichkeit nach sein Näschen nicht so gerümpft wie diese Verkäuferin es gerade tat. „Sie sind sich wirklich sicher?“ raunte sie mir vertraulich zu. „Das ist nämlich eher ein Duft für ältere Damen.“ Oh, aber ich war schließlich auch schon über 30 Jahre auf dieser Welt – ein Alter, in dem man für viele 20-Jährige doch so häufig schon jenseits von gut und böse ist!? Nun, meine Wenigkeit war in ihren Augen jedenfalls doch noch nicht bereit für diesen Duft und sie wurde mir gleich wieder sympathischer.
Aber egal, ich wollte meinem Gatten die Duftprobe unter die Nase halten, wollte wissen, ob er ebenfalls solch Lockstoffen erlegen wäre. Allerdings nahm ich noch ein weiteres Duftkärtchen mit nach Hause, ein Duft, der wahrlich wie für mich kreiert wäre… jung, frisch und dynamisch, wie Engelchen meinte. Was war diese Frau doch wundervoll!
Berauscht und glücklich zog ich mit meinen beiden Duftkärtchen ab. Im Büro hielt ich jeder Kollegin diese Kärtchen unter die Nase, ob sie es wollten oder nicht. Wie erwartet, schüttelte es jede beim Erschnüffeln des besagten Duftes.
Ich denke ihr wisst, für welches Kärtchen mein Mann sich entschied? Er nickte zwar zustimmend beim frischen Duft, aber das andere Kärtchen riss er mir förmlich aus der Hand und hielt es sich äußerst lange unter die Nase. Zu lange, und ich versäumte es deshalb nicht, ihm zu erklären, WIE ABARTIG ich den Geruch fand… er sollte schließlich nicht auf die Idee kommen, MIR dieses Parfüm zu schenken!
Meine Neugier war nun erst einmal gestillt.
Ich kaufe mein Parfüm weiterhin lieber selbst, allerdings auch das für meinen Mann. Erst vor einer Woche habe ich ihm wieder eins mitgebracht. So oberlecker und irre erregend, wie das roch, konnte ich einfach nicht daran vorbei gehen.
Mir war so sehr nach diesem Duft, dass ich es am nächsten Morgen sogar gleich selbst benutzte.
Es kam, wie es kommen musste. Dauernd flogen mir an diesem Tag irgendwelche Frauen an den Hals und umschwirrten mich wie die Bienchen. Frau hatte Witterung aufgenommen… was zur Folge hatte, dass ich sein Parfüm jetzt strikt unter Verschluss halte und er es nur tragen darf, wenn ich an seiner Seite bin…
Mein Mann versteht das alles natürlich überhaupt nicht. Muss er auch nicht, denn ich kläre ihn ganz bestimmt nicht über Lockstoffe im Allgemeinen und sein Parfüm im Besonderen auf! Bin doch nicht bescheuert und stoße ihn noch mit der Nase darauf, welche Wirkung dieser Duft auf uns Frauen hat!
Allerdings erwähne ich auch ganz bestimmt nicht, dass ich mir ein Pröbchen des von ihm so andächtig beschnupperten Damenduftes besorgt habe… ich weiß ja schließlich nicht, wozu ich es mal brauchen könnte!
*zwinker*
[Dieser Beitrag wurde am 01.03.2007 - 16:32 von Daggi aktualisiert]
Signatur Sei nicht traurig, wenn etwas vorbei ist - sei froh, dass es gewesen ist...
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