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Status: Offline Registriert seit: 31.08.2005 Beiträge: 4683 Nachricht senden | Erstellt am 23.06.2006 - 06:35 | |
Steaks aus Argentinien werden knapp
Rindfleisch: Hamburger Block-House-Kette zahlt höhere Einkaufspreise. Ausfuhrstopp gilt 180 Tage. Grund: zu hohe Inflation. Nur hochwertige Ware darf das Land noch verlassen.
Von Bob Geisler
Hamburg -
Wenn es um Maßnahmen gegen die galoppierende Inflation geht, dann ist Argentiniens Staatschef Néstor Kirchner um unorthodoxe Methoden nicht verlegen. Jüngst erst beschimpfte der Präsident die Betreiber einer heimischen Supermarktkette als Räuber und Diebe, weil diese es gewagt hatten, bei Grundnahrungsmitteln Preiserhöhungen von zwölf Prozent für das laufende Jahr in Aussicht zu stellen. Postwendend wurden die Händler in den Präsidentenpalast zitiert und versprachen dort, die Preise erst einmal konstant zu halten.
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Nun greift Kirchner zu noch drastischeren Methoden, um speziell die explodierenden Kosten für Rindfleisch, eine Art Grundnahrungsmittel der Argentinier, zu senken. Diese sind im vergangenen Jahr um rund 30 Prozent in die Höhe geschnellt - eine Tatsache, die dazu angetan ist, die Popularität Kirchners zu untergraben.
Sein Land werde in den nächsten 180 Tagen - mit wenigen Ausnahmen - kein Rindfleisch mehr ausführen, kündigte der Präsident daher kurzerhand auf einer Kundgebung an. "Wir sind nicht daran interessiert, auf Kosten des Hungers und des Geldbeutels der Argentinier zu exportieren", sagte er. Zugleich erhöhte die Regierung die Exportsteuer von fünf auf 15 Prozent.
Dieser Schritt des weltweit fünftgrößten Fleischproduzenten dürfte die Lage auf dem ohnehin angespannten Weltmarkt weiter verschärfen. "Rindfleisch ist derzeit unter anderem wegen einer erhöhten Nachfrage aus Asien knapp", sagt Fleischexperte Dietmar Weiß von der Zentralen Markt- und Preisberichtsstelle für Agrarprodukte (ZMP) dem Abendblatt. "Dies hängt unter anderem mit der Vogelgrippe zusammen, die die Konsumenten auf andere Fleischarten ausweichen läßt." Wenn Argentinien nun als Lieferant ausfalle, könnten andere Erzeugerländer wie Uruguay oder Brasilien einspringen.
In Deutschland bewegen sich die Großhandelspreise für Rinder schon heute auf dem höchsten Niveau seit zehn Jahren. "Dies hängt auch damit zusammen, daß sich viele Bauern wegen veränderter Förderbedingungen in der EU von der Rinderzucht verabschiedet haben", sagt Weiß. "Im Gegensatz zur BSE-Krise, während der sich überhaupt kein Rindfleisch verkaufen ließ, ist diese Fleischsorte heute fast schon zu einem knappen Gut geworden", so der Experte.
Deutschland ist von dem argentinischen Exportstopp allerdings nur indirekt betroffen, da qualitativ hochwertiges Rindfleisch, das über die sogenannte Hilton-Quote nach Europa gelangt, nach wie vor aus dem südamerikanischen Land ausgeführt werden darf. Die EU importierte im Januar 2867 Tonnen der Hilton-Quote für 19,4 Millionen Euro. Auf Deutschland als wichtigstes Importland entfielen davon allein 1878 Tonnen. Zugleich führte Argentinien im Januar insgesamt 27 093 Tonnen frisches Rindfleisch aus, das nicht zur Hilton-Quote gerechnet wurde, zumeist in Länder wie Chile und Rußland.
Große deutsche Abnehmer wie etwa die Hamburger Block-House-Gruppe decken ihren Rindfleischbedarf ausschließlich aus der Hilton-Quote. Neben Argentinien kommen die Steaks in den Block-House-Restaurants - 35 000 pro Tag - vor allem aus Brasilien. "Es muß sicher niemand fürchten, bei uns kein Fleisch mehr serviert zu bekommen", sagt Unternehmenssprecher Cord Schellenberg.
Signatur ich bin Uruguayaner und habe 15 Jahre in Deutschland gelebt. |