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Republicain ...
Dieses Baums Blatt
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Registriert seit: 14.10.2005
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...   Erstellt am 10.11.2005 - 07:42Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Salut,
mir ist vor kurzem aufgefallen und das fand ich recht schockierend, als ich so meine Bücher wälzte, dass gerade die Antikenbegeisterung sich ja um 1800 umgekehrt hat oder sagen wir lieber nahtlos übergegangen ist in die Romantik. Deren erster Vertreter vielleicht Hölderlin am Besten den Übergang in seinem Hyperion aufzeigt.
Die ehemals aufklärerisch-freidenkerischen Salons in Berlin und auch anderen Städten, wandelten ihr Hauptinteresse doch zusehends hin zur Romantik. Man kann vielleicht Madame de Stael mit ihrem Werk über Deutschland ein wenig die Schuld geben, dieses Werk, stellt es nicht eine Absage an die "französische" Antikenbegeisterung da? Na und Füsslis Bilder zeugen dann schon gänzlich von der neuen Linie. Irgendwie unheimlich, aber auch die Geschichten die dann nach 1800 kursierten und auch ihren Umlauf in der malerischen Kunstform fanden mit den Druiden und keltischen Mythologieanspielungen...
Die eigentlich großen Antiken-Sammlungen der Fürsten wurden ja auch tatsächlich eher in den 80er und 90er Jahren angelegt.
Wollen wir in den Puffärmeln, erst bei den Damen, dann bei den Herren eine erste Huldigung an die Romantik sehen. Biedermeier-Romantik das gehört irgendwie für mich zusammen. Nur für wann will man den Beginn ansetzen? Ist die Republik logisch antikenfixiert und das Kaisertum (ich weise nochmals auf diese Pseudomittelalterkleidung auf dem großen Krönungsgemälde Davids) logisch romantisiert. Ist es nicht ganz einleuchtend, dass ein Herrscher, der seine Wurzeln in der Herrschaft Karls des Großen sucht (auch aus dem "Nichts" emporgekommen zu kaiserlichen Würden), damit die Romantik auch fördert? Ist nicht die Romantik ungefährlicher auch für einen konservativen oder zumindest ungeliebten Staat als die Antike (wenn man diese mit Brutus und dergleichen asoziiert)?
Viele Hypothesen. Ich weiß.





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... Das Sturmläuten, das nun anheben wird, ist kein Alarmsignal, es bedeutet den Generalangriff auf die Feinde des Vaterlandes. Um sie zu besiegen, brauchen wir Mut, meine Herren, Mut und nochmals Mut; dann ist Frankreich gerettet.

Elisabeth 
Ast
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Registriert seit: 13.10.2005
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...   Erstellt am 10.11.2005 - 08:54Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen



1806 Auflösung des heiligen römischen Reiches deutscher Nation.
1811 Turnvater Jahn richtet seinen ersten turnplatz ein
1812 Russlandfeldzug,Grimms Märchen werden veröffentlicht
1813 De l'Allemagne von G.de Stael erscheint
1814 Wiener Kongress
1815 Waterloo , Rückkehr der Bourbonen auf den französischen Thron
1818 Mary Shelleys Frankenstein erscheint-

fehlen noch die Brentanos,Wilhelm Hauff et al......

Epochen
enden und beginnen nicht mittags um 1200-;- )))

Wie es die eigentliche Renaissance nur in Italien gegeben hat ,ist die eigentliche Romantik eine typisch deutsche Epoche , so sagt man.....
Hab einmal irgendwo gelesen , daß der Rückzug in die Mystik des Mittelalters eine Reaktion war auf eine größe Enttäuschung :Das Zeitalter der Vernunft hat über die Menschen nur Krieg und Elend gebracht -Statt der verkündeten Freiheit herrschte Fremdbestimmtheit.

Die Rückbesinnung in der Mode könnte man ansetzen mit den Forderungen EM Arndts und des Turnvater Jahns nach einer deutschen Nationaltracht ca 1808 +/- als Gegenpol zum vorherrschenden französischen Stil.

Die neuen Impulse wurden vom übrigen Europa begierigst aufgenommen- Im einen Land aus dem Mittelalter,in einem anderen aus der Renaissance.






Signatur
der Unterschied zwischen Einbildung und Bildung besteht in Anstrengung und darin , daß man sich die Finger schmutzig macht .....

Suzette ...
Zweig
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Registriert seit: 26.10.2005
Beiträge: 164
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...   Erstellt am 10.11.2005 - 13:26Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Werter Republicain,

das kommt ganz drauf an, was Du unter "Antikenbegeisterung" verstehst.
Wenn es sich auf die Sammelleidenschaft bzw. ganz generell das Interesse an der griechischen (das römische interessierte damals weniger) Skulptur/Vasen bezieht: Falls ich etwas korrigieren darf: Die wirklich großen Sammlungen der Fürsten (außerhalb Italiens/Roms) sind nämlich im wesentlichen erst nach dem Italienfeldzug entstanden. Mal abgesehn von der Tatsache, dass Napoleon ziemlich viel für sein Musée Napoléon (heute Louvre) abgeschleppt hat. Wurden erst in der Folgezeit zahlreiche große italienische Antikensammlungen aufgelöst und zum Teil ganz oder nur zum Teil verkauft (Albani, Bevilacqua, Aldobrandini, Braschi etc. um nur einige zu nennen) - die brauchten halt dringend Geld.
Nutznießer waren u.a. Ludwig, damals noch Kronprinz von Bayern, der erst ab 1806 so richtig anfing zu sammeln. In seinem Briefwechsel mit Martin von Wagner - seinem Aufkäufer in Rom - regt er sich ständig auf über die Konkurrenz auf, die er durch die Franzosen hat. und nach dem Fall Napoleons über die reichen Engländer, die dann erst beim Kaufen so richtig zum Zuge kommen. Ludwigs Lieblingsprojekt - ein Museum antiker Skulptur, die Glyptothek - ist erst am 13. Oktober 1830 eröffnet worden - ein Gesamtkunstwerk und Meisterwerk des Klassizismus. Bis in die damals nicht-sichtbare Wandgestaltung eine Referenz an antike Bauten und die Antike. Und Ludwig war in dieser Beziehung beileibe kein "Provinzler", sondern die Glyptothek ist neben dem Louvre (zunächst Musée Napoléon) eines der ältesten öffentlichen Museen, indem die Skulptur einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. (Zuvor waren nämlich solche Antikensammlungen im wesentlichen Bestandteil der fürstlichen Repräsentation und nur wenigen zugänglich).
Was wiederum die Malerei und von Dir angeführte Schriftstellerei angeht, da gehen die Uhren wiederum etwas anders. Freilich war trotzdem für jeden Künstler der Rom bzw. Italien oder gar Griechenlandaufenthalt zum intensiven Studium der Antike gar Pflicht. Wenn sich dies auch nicht immer in der Umsetzung der Studiengegenstände ins Bild niederschlägt.
Insofern kann ich Elisabeth nur zustimmen - Epochen enden halt leider nie so linear wie wir das gerne hätten. Auch laufen verschiedene Tendenzen durchaus gerne mal parallel zueinander. So läuft ja auch bei den Germanisten, die Epoche der Romantischen Literatur mit ihren Vertretern Schlegel, Novalis, Tieck, Brentano und von Armin, durchaus parallel zur Klassik als deren bedeutenste Vertreter hier Schiller und Goethe genannt werden können. Und sitzt auch noch das von Dir so geschmähte "Puffärmelchen"-Biedermeier sitzt immer noch auf Möbeln, die ihre antikisiernde Herkunft nicht verleugnen können.

Soviel erstmal zur Anregung und weiteren Diskussion




britta 
Ast
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Registriert seit: 12.10.2005
Beiträge: 380
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...   Erstellt am 10.11.2005 - 16:30Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Tja, der Begriff Romantik...vielfach zu verwenden...early romanticsm und classicism verlaufen in England z.B. auch ganz anders, gehen sogar vorweg.
Biedermeier läuft unter Möbelfachleuten u.a. auch mit Empire parallel und bezeichnet Stil und keine Epoche in dem Sinne.
Antikenbegeisterung hats schließlich schon immer gegeben, was der Begriff Renaissance allein schon impliziert. Suzette hat mit ihrem geradezu enzyklopädischem Wissen (klasse, wie immer ) schon super aufgelistet, wie dieser Antikenwahn seine Bahn gebrochen hat. Wo soll man anfangen? Schon bei den Sammlungen, die durch die Ausgrabungen in Herculaneum und Pompeji entstanden sind (Prinz d´Elboeuf?), Winckelmanns Anregungen und Auflistungen von antiken Preziosen, die Napoleon regelrecht als Einkaufs- oder Mitnehmliste abarbeiten konnte (und somit einer der ersten war, der alles öffentlich zugänglich machte - naja, unser kleiner Kurpfälzer Kurfürst Carl Theodor öffnete seine Sammlungen ebenfalls, war nur nicht soooo viel drin)?
Übrigens befinden sich in Petit Malmaison (Gartenhaus der Josephine) im Salon mindestens 5 ReliefPlatten, die die frühesten Abgüsse darstellen von Werken des Athena-tempels aus Athen, Parthenon...Lord Elgin wollte sie nach England transferieren, die Marmore lagen aber in Marseille in Warteschleife...tssss, da war jemand ganz fix und hat schnell abgeformt!
In good ol´Britain hat man auch bereits in den 1760ern angefangen, Mausoleen und Tempietti nach Palladio-vorbild in den schönen Parks zu errichten.
In Deutschland setzt die Romantik als Gegenpol zum Klassizismus ein, aber - wie elisabeth und suzette bereits erwähnen - beides läuft eben länger parallel, ob in darstellender Kunst oder der Literatur. "Romantik" bricht allerspätestens seit 1810 aus, als die Gebrüder Boisseree mit ihrer mittelalterlichen Kirchenschatzsammlung (Aufkauf aus säkularisierten Klöstern) vom frz. besetzten Köln nach Heidelberg flüchten, dort die Sammlung präsentieren - dort auf einen frz. Exilgrafen Charles de Graimberg treffen, der die Schloßruine von allen Seiten im Kupferstich reproduziert und dieses Bild von der wildromantischen großen "deutschen" Vergangenheit prägt - und somit alle weiteren Künstler dorthin anzieht: Arnim, Brentano, Eichendorff, Weber, versch. Maler, sogar Goethe (der sich hier letztendlich immerhin vom Wert der Mittelalterlichen Kunst überzeugen läßt)





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