"Ich bin kein Rassist. Ich bin nur ein Palästinakritiker. Kritik an Palästina, finde ich, darf in Deutschland kein Tabu sein. Man wird doch die palästinensische Politik noch kritisieren dürfen, oder sind wir schon wieder soweit? Gerade weil mir das Schicksal Palästinas so am Herzen liegt, muss ich diese wichtige und notwendige Kritik üben, um meine palästinensischen Freunde von ihrem Irrweg abzubringen, der beide Völker nur ins Unglück stürzt. Gerade als Deutscher kann ich zu ihrem Judenhass nicht länger schweigen."

Claudio Casula


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Yael ...
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...   Erstellt am 01.04.2007 - 17:37Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Endlich Fakten

Das Forschungsinstitut gfs.bern hat in Kooperation mit der tachles-Herausgeberin JM Jüdische Medien AG im Februar eine Befragung zu «antijüdischen und antiisraelischen Einstellungen in der Schweiz» gemacht. Das Projekt stand unter dem Patronat der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus. Heute Freitag wird die Studie publiziert. Das jüdische Wochenmagazin publiziert exklusiv die Resultate und Reaktionen zur Studie...

Editorial von Yves Kugelmann, tachles, 30.03.2007

Die Fakten. Endlich liegen Fakten zur Frage nach den Einstellungen von Schweizerinnen und Schweizern zu Jüdinnen und Juden sowie zu Israel auf dem Tisch. In einer äusserst substanziellen Studie hat das Forschungsinstitut gfs.bern in Kooperation mit der tachles-Herausgeberin JM Jüdische Medien AG unter dem Patronat der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus im Februar eine Befragung zum Themenkomplex durchgeführt. Diese füllt nun jene Lücke, die politische oder Nichtregierungsorganisationen auf der einen und verschiedene jüdische Organisationen auf der anderen Seite seit nunmehr zehn Jahren beim Vorpreschen in die Öffentlichkeit oder bei Behörden vor allem mit Bauchgefühlen, Meinungen oder ideologischen Ansätzen anstatt empirischen und professionell aufgenommenen Fakten durchsetzten. Bei der Bevölkerung führen Meinungen, Stereotype, Emotionen zu Einstellungen die messbar sind. Solche bringen wichtige Anhaltspunkte für eine Standortbestimmung ein.

Die Resultate. Zehn Prozent «harte» Antisemiten und rund 28 Prozent mit punktuell antijüdischen Einstellungen zeigen auf, dass nicht nur beim so genannten Bodensatz Handlungsbedarf besteht, sondern weit darüber hinaus in der Schweiz breite Vorurteile gegenüber Jüdinnen und Juden vor allem in ländlichen Teilen oder bei Menschen ohne höhere Bildung herrschen. Dass allerdings die kritische Haltung vieler Schweizer gegenüber Israel nicht automatisch in Antisemitismus übergeht, kann die Studie eindrücklich nachweisen und bringt hier erstmals etwas Licht in die endlos geführte Debatte darüber, wo Kritik an Israel in Antisemitismus kippt. Vor allem zeigen die Ergebnisse auf, dass Schweizerinnen und Schweizer durchaus sehr differenzierte Unterscheidungen zwischen Israel und Judentum machen, zugleich die zivilgesellschaftliche Verantwortung gross ist: Denn fast 90 Prozent sind für den Kampf gegen Antisemitismus, 66 Prozent für das Antirassismus-Gesetz. Sprengstoff für die politische Debatte birgt die Tatsache in sich, dass Antisemitismus in politisch rechten Kreisen frappant höher ist als in Linken. Die Studie zeigt, dass Israel-Kritik nicht automatisch zu Antisemitismus führt, Antisemiten aber in der Regel antiisraelisch eingestellt sind, und sie zeigt auf, dass Israel-Kritik nicht mit Antzionismus gleichgestellt werden kann.

Die Erkenntnisse. All dies muss Behörden, Politik und Gesellschaft aufhorchen lassen, wenn in einer aufgeklärten, säkularen Gemeinschaft Vorurteile derart stark verankert sind, und dies wohl kaum nur bei Fragen zu Juden oder Israel der Fall sein wird. Auch der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) muss einen grundsätzlichen Kurswechsel in seiner Argumentation vornehmen. Denn in erster Linie ist eben nicht Kritik an Israel das wesentliche Problem, sondern es sind immer noch antijüdische Stereotype. Die Abkehr vom prioritären Israel-Fokus muss auch bedeuten, dass der SIG seine Einschätzung der politischen Landschaft vor den Nationalratswahlen 2007 und im Umfeld der Debatte um das Antirassismus-Gesetz neu vornimmt. Denn gerade die SVP hat unter ihrer Wählerschaft ein massives und systematisches Antisemitismus-Problem.

Die Forderungen. Die Studie ist eine Momentaufnahme, sie zeigt einen Ausschnitt im Verhalten der Schweizer Bevölkerung. Nun muss ein Monitoring ebenso her wie die Ausweitung der Studie auf diskriminierende und rassistische Phänomene in der Schweiz generell. Es muss endlich zu einer faktenbezogenen und nicht mehr vor allem ideologisch geführten Diskussion in der Mehrheitsgesellschaft kommen. Auch in der jüdischen Gemeinschaft muss endlich wieder offen und sachbezogen u. a. über diese effektiven Problembereiche debattieret werden und gerade jene Schnittmenge mit jener Zivilgesellschaft erkannt werden, die sich etwa in der Studie als Allianzpartner gegen Diskriminierung und für ein friedliches Zusammenleben herauskristallisiert.





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