Ansumya unregistriert
| Erstellt am 19.04.2007 - 16:28 |  |
Ansumyas Räumlichkeiten, von ihr selbst auch gerne als 'Höhle' bezeichnet, liegen beinahe genau mittig zwischen einem der Ausgänge aus der Villa und Amuns eigenen hauptsächlich genutzten Sälen und Zimmern. Konzentriert und über Tage und Nächte hinweg feilte und arbeitete die Dakerin an der Aufgabe, von diesem Ausgangsort alle erdenklichen Routen zu verschiedenen Zimmern und aus dem Gebäude hinaus entlangzuspurten, trainierte das Abbiegen und Sprinten, bis sie mit den Ergebnissen zufrieden war und in Rekordzeiten die nötige Strecke zurücklegen konnte. Egal ob bei Licht oder in völliger Dunkelheit.
Vor der Eingangstür aus hartem Holz befindet sich ein schleierhafter Vorhang, den man zwangsläufig berühren muss, will man denn den Raum dahinter betreten. Am unteren Saum des Schleiers sind einige Dutzend dünner, kleiner Metallplättchen frei über dem Boden hängend befestigt, deren Klirren zwar nicht sehr laut erscheint, von dem sich aber annehmen lässt, dass die Bewohnerin hinter der Tür es auf alle Fälle hören wird, wenn sie nicht schon von den Schritten im Gang zuvor Notiz genommen hat. Denn genau auf dieser Strecke liegt absichtlich kein dämpfender Teppich aus.
Hat man dieses Hindernis überwunden und wurde einem die Tür, welche oft von innen noch zusätzlich mit einem stabilen Holzkeil gesichert wird, bereitwillig geöffnet, so erkennt man auf den ersten Blick, weshalb Ansu ausgerechnet den Begriff 'Höhle' hier ins Spiel gebracht hat. Große Flächen von Wänden und Boden sind mit den verschiedensten Fellen ausgelegt und behängt, hauptsächlich denen von Raubtieren wie Wölfen, Bären, Luchse, oder etwas exotischere (für Daker), wie Tiger, Schakal, Löwe, Hyäne, Panther, Leopard, sowie die Haut eines Krokodils. Schmale Schächte im oberen Drittel einer der Wände gestatten zwar eine spürbare, stetige Luftzirkulation, lassen aber, da ebenfalls fast komplett mit dunklen Stoffen verhangen, nur wenig Tageslicht hindurch.
Die Haupt-Lichtquellen stellen entweder Fackeln oder auf Ständern stehende Flammschalen und Kohlebecken dar; für die letzten beiden verwendet Ansumya gerne ein spezielles Pulver, das die Flammen in ein blutiges Rot färbt und den Raum in bedrohliche Schatten taucht.
Insbesondere, wenn das glutrote Licht auf einige der an verschiedenen Stellen im Raum platzierten 'Trophäen' fällt, bei denen es sich hauptsächlich um Knochen und Schädel verschiedenster Abstammung handelt. Es handelt sich größtenteils um die Überreste ähnlicher Bestien wie diejenigen, deren Felle bereits Wände und Boden zieren.
Mobiliar ist in diesem Bereich sehr spärlich gesät. Als Bett dienen der Jägerin einige aufeinander geschichtete, weiche Felle auf dem Boden, ansonsten existieren lediglich eher achtlos in einer Ecke aufgestellt ein einfacher Holztisch und ein ebensolcher Stuhl, sowie ein Rüstungsständer und eine große Truhe, die meistens abgeschlossen vorzufinden ist.
Zwischen all den Fellen ist ein Wandbereich reserviert für ein ca. ein Meter langes und siebzig Zentimeter breites, unregelmäßig geschnittenes Stück Pergament, auf dem verwischt aber deutlich das Prankensymbol Macalars abgebildet ist, vermutlich mit verschieden altem Blut gemalt und regelmäßig aufgefrischt. Schaut man genauer hin und hat man ein wenig Ahnung vom Gewerbe der Gerber, so lässt sich vermuten, dass das Pergament wohl einmal einen menschlichen Rücken bedeckte.
Der zweite Bereich dieser Räumlichkeiten, dessen Durchgang hinter einem großen, dunklen Vorhang verborgen liegt, ist deutlich anders eingerichtet und hat auch weit weniger mit 'Gemütlichkeit' zu tun. Es handelt sich um das Badezimmer, das beinahe schon als eine Art kleines Caldarium, also Heißbad, bezeichnet werden kann, wenn Ansus bevorzugtes heißes Wasser in das breit geschwungene Becken eingelassen wurde. Die Fenster hier sind meistens unverdeckt, obwohl auch hier Vorrichtungen existieren, um jene Öffnungen zu verhängen.
An diesem Ort spiegelt sich das Bedürfnis der Jägerin nach Hygiene und Sauberkeit wider, um sich nicht mögliche Krankheiten einzufangen und daran elendig zugrunde gehen zu müssen. Dafür lässt sie sogar Sklaven in ihre hochheiligen Räumlichkeiten, auch wenn sie besser versuchen, sich so unauffällig wie möglich zu benehmen. Doch wenn Ansumya schon (während der meistens sehr kurzen Zeit zwischen ihren Aufträgen) in der Villa festhängt, dann will sie auch ihre Ansprüche befriedigt sehen, soweit etwas Niederes wie Sklaven und zivilisierte Baumeister dazu in der Lage sind.
In diesem Bereich befindet sich zudem, man mag überrascht sein, eine kleine Sammlung verschiedener Dokumente und Schriften zum Thema Gesundheit, Krankheiten und Körperaufbau und -funktionen, hauptsächlich von Griechen geschrieben. Vermag Ansumya selbst auch nicht alles davon zu lesen, so kann sie zumindest einen Sklaven rufen und sich neue Werke ihrer Sammlung vorlesen lassen. Ihr gutes Gedächtnis verhindert zumeist, dass sie bestimmte Stellen allzu oft wiederholt hören muss.
Über allem schweben oft die Düfte verschiedener Räucherungen, allerdings nichts Blumiges, Einschläferndes, sondern eher ein leicht herber Moschusgeruch mit verschiedenen Kräutern gemischt.
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Ansumya unregistriert
| Erstellt am 06.05.2007 - 19:05 |  |
tbc von: Unterkünfte und Paläste » Villa Zerbul » Sklaventrakt | Gänge
Es war eine geübte, fließende Bewegung von Ansumya, in ihre heiligen Räumlichkeiten einzutreten, die Tür hinter sich zuzuknallen, und den perfekt geschnitzten Holzkeil darunter zu klemmen, um sie vorerst von dem widerlichen Rest der Villa anzuschneiden. Ein befriedigtes Knurren entstieg ihrer Kehle, als ihre Augen die gewohnten Umrisse ihrer Trophäen streiften und ihre Nase den noch schwachen Duft von Moschus wahrnahm. Sicher, es war immer noch ein von unfähiger Menschenhand geschaffener Raum unter Amuns Kontrolle, trotzdem barg es für sie in diesem Augenblick eine Oase der Erholung. Da Macalar sowieso nichts auf längerfristige Ruhe und Frieden gab, durfte Ansu sich in ihrem Teil der Villa ohnehin nicht zu wohl fühlen. Und echte Sicherheit war auch hier ein lächerliches Trugbild, auf das sie verzichten wollte und konnte.
Ebenfalls wie meist nach ihrer Rückkehr führten ihre Schritte zuerst zu jenem Pergament an der Wand, auf dem mit Blutspuren verschiedensten Alters das Symbol der drohenden Pranke gemalt war. Mit Zeige- und Mittelfinger strich die Jägerin kurz über einen Teil ihrer Rüstung, der von dem Blut der soeben getöteten Wache noch getränkt war, und zog eine neue, leuchtend rote Linie auf das Pergament, so dass es schien, als tropfe frischer Lebenssaft von den Klauen des Biestes. Ansus Blick konzentrierte sich auf die hervorstechenden Umrisse, bis sie nichts anderes mehr wahrnahm und begann mit deutlichen, heiseren Worten zu sprechen.
*Ehre und Blut dem Herrn der Wildnis, dem Fürsten der Bestie, dem Meister der Jagd. Erfülle mein Herz auch in Zukunft mit Wut, schenke mir Kraft, in deinem Namen zu jagen und zu reißen, auf dass ich dein Wohlwollen finde jetzt und bis zu meinem letzen Herzschlag. Lass mich dir meine Stärke zeigen und dir Opfer darbringen, die deiner würdig sind. Ich werde meine Klauen tief in die Kehlen deiner und meiner Feinde treiben, bis ihre schmerzerfüllten Schreie zu dir vordringen und dein Loblied singen.*
Nach einigen Sekunden des Schweigens fügte die Dakerin noch hinzu:
*Und lass mich die Zeichen erkennen, die meine Freiheit verkünden.*
Noch einen kurzen Moment starrte die Jägerin auf die im Halbdunkel liegenden Umrisse, dann wandte sie sich ab und unterdrückte ein Seufzen. Ihr Weg führte zu den Behältern mit Räucherungen, aus denen sie scheinbar wahllos eine Komposition erstellte und in zwei der bereitstehenden Brennschalen füllte. Vielleicht gab es gar kein Zeichen, vielleicht sollte sie selbst wissen, wann der geeignete Zeitpunkt für die Rückeroberung ihres Lebens gekommen war. Wie gerne würde sie Macalar zum nächsten Vollmond Amuns Herz darbringen, doch diesen Gedanken hatte sie schon öfters gehabt. Wie der nicht existierende Zufall es wollte befand sie sich in Vollmondnächten immer weit fort von ihrer Beute, irgendwo in der Wildnis, und musste sich mit einem meist minderwertigeren Opfer begnügen. Aber womöglich sollte sie in diesem Fall einmal nicht auf den Mond achten und zuschlagen, wenn ihr Instinkt ihr dies mitteilte. Diese miserable Stadt mochte vor ignoranten, dummen und schwachen Menschen wimmeln wie ein aufgebrachter Ameisenhaufen, doch trotzdem konnte Ansumya nicht ausschließen, dass einer von Amuns Plänen einmal so mächtig schief lief, dass er noch den Blindesten der Horde auf sich aufmerksam machte. Dann käme sie irgendwann wie heute von einem Auftrag zurück und es würde heißen: 'Amun? Den haben wir letzte Woche angeklagt und bei lebendigem Leib verbrannt.' Das würde ihrem Stolz wirklich nicht gefallen.
Die Räucherschalen verströmten inzwischen einen würzig-schweren Duft, belebt wie so oft durch blutrot flackernde Flammen. Die Dakerin schob ihre Überlegungen erst einmal von sich und entledigte sich ihren Waffen ebenso wie ihrer Rüstung. Die Säuberung und Pflege ihrer Klingen glich in seiner Wichtigkeit beinahe einem Ritual und sollte stets an erster Stelle stehen. Obwohl es Ansu eigentlich mehr danach gelüstete, zuallererst ihren Körper einer ausführlichen Reinigung zu unterziehen. Wie zumeist fand sie einen Mittelweg und behandelte erst einmal nur ihre Katar mit Öl und Wetzstein, um Macalar zu besänftigen. Soweit es überhaupt möglich war, ihn zu besänftigen. Ihre Langschwerter würden bis nach ihrem eigenen Bad warten müssen, das, wie sie an den Dämpfen bereits erkannt hatte, schon im Nebenraum angerichtet worden war. Hoffentlich hatten diese verfluchten Sklaven brauchbare Arbeit geleistet. Ansu liebte ihr Badewasser heiß, wirklich heiß, so dass sie sich vorstellen konnte, wie die Krankheiten von ihrem Körper geradezu ausgebrannt wurde. Aber aus verschiedenen Quellen fand sie genügend Bestätigungen, dass heißes Wasser deutlich wirkungsvoller wäre als kaltes oder lauwarmes und so führte ihr Weg sie - zwar verhasst, aber notwendigerweise - öfters in Bäder und Therme. Eine der wenigen positiven Errungenschaften der 'Zivilisation', auch wenn ihr natürlich heiße Quellen immer noch um einiges lieber waren.
Ihre Körperpflege nun aber keinen Augenblick länger aufschieben wollend betrat die Jägerin den abgetrennten Badebereich und ließ den Blick knapp über die gewohnte Umgebung schweifen, die einen so harten Gegensatz zum vorherigen Ambiente bot. Nach einer kurzen Temperaturprobe mit der Hand fand auch das bereitete Wasser Ansus Zustimmung. Sie entledigte sich den letzten Kleidungsstücken und begutachtete flüchtig diverse mehr oder weniger verheilte Narben und Blessuren ihres Körpers. Nichts war entzündet, doch die Hitze des Bades würde so manch halb abgeheilte Wunde vermutlich wieder zu grimmigem Leben erwecken. Nicht, dass es der Dakerin sonderlich viel ausmachte.
Mit schnellen, geschmeidigen Bewegungen ließ sie sich in das Wasser gleiten und genoss gleichermaßen Hitze und den an verschiedenen Stellen pochenden Schmerz. Es war eine Mischung, die man wohl als 'belebend' bezeichnen konnte.
Fast genießerisch tauchte Ansu einmal komplett unter, verweilte ein Weilchen dort, der pulsierenden Hitze ausgeliefert, ehe sie mit einem tiefen Atemzug wieder zum Vorschein kam und sich die schwarzen Haare aus dem Gesicht strich. Dann erst wählte sie, wieder nur aus Gründen der Vernunft, ein leichtes Kräuteröl aus einer der verkorkten Flaschen auf einem Tischchen neben sich. Sie roch kurz an der herben Mischung aus Wacholder, Rosmarin, Lorbeer und Beifuß und verteilte anschließend eine kleine Menge im dampfenden Wasser. Es war die übliche Mixtur nach ihrer Rückkehr, die sie, wie sich viele verschiedene Quellen einig waren, vor Krankheiten schützen und reinigen sollte. Sie hoffte gerade für diese Quellen, dass dies der Wahrheit entsprach. Anschließend begann ihre ausgiebige Waschorgie, die auch beim letzten bisschen Haut, das vom Wasser noch nicht rot gefärbt war, die Blutzirkulation erhöhte.
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Ansumya unregistriert
| Erstellt am 12.06.2007 - 11:22 |  |
Ein mächtiger Donnerschlag riss Ansumya aus dem kurzen, wie immer überaus leichten Schlaf, in den sie zwischenzeitlich verfallen war. Eben noch relativ ruhig auf ihrem Felllager zusammengerollt, befand sie sich schon im nächsten Moment in angespannter, hockender Haltung und verfolgte die harten weißen Schatten, die von den flackernden Blitzen durch die oberen Fenster an die Wände geworfen wurden. Sie gab einen leisen, knurrenden Laut von sich und nahm sich noch kurz die Freiheit, sich und ihre Glieder ausgiebig zu strecken. In diesem nur gar zu flüchtigen Augenblick gestattete sie sich eine fast schläfrige, gelöste Phase, vergaß wo sie war und die Realität, die sie gleich wieder mit aller Gewalt einholen würde, gleich mit dazu. Stattdessen genoss sie ihren noch wohlig prickelnden, angenehm gereinigten Körper, die Duftvielfalt des schwach rauchgeschwängerten Raumes und die einfache Stille, die sie nach dem Donnergrollen wieder umfing. Ihre Waffen und die Rüstung waren penibel gesäubert und gepflegt worden, ähnlich wie ihre Haut, die an manchen Stellen mit Balsam eingerieben, und an anderen mit sauberen Verbänden bedacht worden war. Sie hatte einige frische Früchte gegessen und Milch getrunken, natürlich persönlich auf dem Weg zur Villa gekauft. Beide Nahrungsmittel waren nicht unbedingt ihre Lieblinge und nicht zu vergleichen mit Fleisch und Blut, doch hatte sie auch diesbezüglich in einigen Quellen von deren Nutzen den Körper betreffend gehört und nahm das Zeug deshalb eben notwendigerweise zu sich.
Dann, als sie mit einem rauen Stöhnen aus ihren Streckübungen hinausschnellte, hatte die Wirklichkeit sie auch schon wieder. Immer noch die Villa und immer noch Amun, bei dem sie sich vermutlich aufgrund neuer Aufträge melden sollte.
Energisch und irgendwie um ihre eben noch recht neutrale Stimmung gebracht zog sie ihre leichteren, geschnürten Lederstiefel an, die selbstredend ähnlich dunkel gefärbt waren wie die leichte Stoffhose und das Hemd aus Wildleder, bei dem sie allerdings die Ärmel fast vollkommen hochgekrempelt und festgebunden hatte. Um Ansus Unterarme waren wie zumeist dunkle Armschienen aus Rindsleder befestigt und um die Hüfte trug sie den gewohnten Gürtel mit drei Schnallen, an welchem die Halterungen für ihre Katardolche festgenietet waren. Kurz prüfte die Dakerin den perfekten Sitz ihrer Stiefel, fuhr sich dann durch die schwarze Haarmähne und stellte fest, dass diese bislang nicht ganz getrocknet war. Eher locker und einige Strähnen außen vor lassend band sie sich ihre Haare im Nacken zu einem Zopf und warf noch einen abschätzenden Blick auf ihre Langschwerter, ehe sie endgültig beschloss, sie nicht mitzunehmen. Innerhalb der Villa eigneten sich so lange Klingen sowieso nicht für einen effektiven Kampf.
Noch ein letztes Mal nahm die Jägerin einen tiefen Atemzug des köstlichen Duftgemisches in sich auf und trat dann zur Tür, um auf die Geschehnisse im Gang davor zu lauschen. Alles schien ruhig zu sein und so kickte sie den Holzkeil zur Seite um, nun wieder mit der alten, wachsamen Anspannung ausgerüstet, aus ihren Räumlichkeiten zu treten. Weiterhin lauschend konnte sie nur in einiger Entfernung einige dumpfe Geräusche und vielleicht Stimmen ausmachen, doch sobald das Gewitter sich wieder meldete war es ohnehin vorbei mit der genaueren Differenzierung der Schwingungen.
Einige wenige Kerzen und Fackeln beleuchteten unwirklich den Verlauf des Ganges. Nachdem Ansumya die Tür sorgfältig hinter sich geschlossen hatte, trat sie in die Mitte des Flures und legte Mittel- und Ringfinger einer Hand auf die schwach pulsierende Ader an ihrem Hals, um ihren Herzschlag zu kontrollieren. Dann schloss sie die Augen, atmete noch einmal tief durch, und rannte los, derweil in Gedanken die Zahl ihrer Schritte zählend. Oftmaliges Training hatte sie jene 'Notfallübung' inzwischen nahezu perfektionieren lassen, doch aufgrund ihrer dauernden, längeren Abwesenheit von dieser Residenz war es nötig, ihr Gedächtnis was den Kurs zu Amuns Räumlichkeiten anging, so oft wie nur möglich auf die Probe zu stellen. Und es wäre äußerst unangenehm geworden, würde sie vielleicht vor den Augen eines Sklaven mit voller Wucht aufgrund einer Fehleinschätzung gegen eine Wand rennen.
Aber sie ließ es darauf ankommen. Ohne auch nur einmal zu stocken oder in der Geschwindigkeit nachzulassen lief sie blind die Gänge entlang, dabei auch darauf bedacht, so wenig eigene Geräusche zu verursachen wie möglich, um eventuell doch unerwartete Hindernisse rechtzeitig zu erkennen und darauf reagieren zu können. Natürlich war um diese Zeit des Tages nicht mehr ganz so viel in diesem Ameisenhaufen aus Sklaven und Satanasanhängern los, wenigstens nicht in den meisten Bereichen, die sie durchquerte. Nur ein einziges Mal hörte sie vor sich das hastige Lufteinziehen irgendeines weiblichen Wesens, das sie blitzschnell mehr rechts als links einordnete und so ungehindert an ihm vorbeihasten konnte. Mit gezielten Sprüngen hetzte sie über einige flache Stufen, die ihre Position erfreulicherweise auch nicht geändert hatten, und hielt so direkt wieder auf Amuns Arbeitszimmer zu.
tbc: Unterkünfte und Paläste » Villa Zerbul » Arbeitssaal
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Ansumya unregistriert
| Erstellt am 17.07.2007 - 14:28 |  |
tbc von: Unterkünfte und Paläste » Villa Zerbul » Kerker
Ansumyas Blick zuckte zu den schmalen Fensterschlitzen hinauf, hinter denen sich das vormalig angenehme Dunkel zu einer milchigen, gräulichen Röte zu wandeln begann. Bald schon würde die unerbittliche Hitze der Spätsommersonne wieder die Straßen zum Glühen bringen, wenn auch längst nicht so intensiv wie in den endlosen Weite der Wüste. Trotzdem hätte es die Jägerin bevorzugt, erneut in dieses sandige, ungebändigte Niemandsland entsandt zu werden, anstatt in den örtlichen Hafen, der vor Menschen wimmelte wie ein konfuser Ameisenhaufen. Befände sich dort nicht eine gar zu lohnenswerte Beute, hätte die Dakerin vielleicht sogar Einspruch gegen diesen zweifelhaften Auftrag erhoben. Einspruch im Sinne von konsequenter Verweigerung. Ein halbes Kind und eine wenig kampffähig wirkende Frau stellten an und für sich kein lohnenswertes Ziel dar und lebend zu fangende Beute war ihr schon immer ein Dorn im Auge gewesen, einfach wegen der vermeidbaren Komplikationen, die ein solcher Auftrag stets mit sich brachte. Zudem war es innerhalb der Stadtmauern eigentlich unkontrollierbar, eine Gefangennahme ohne auch nur einen einzigen lästigen Zeugen zu bewerkstelligen. Ein Mord war schnell und zügig. Eine Geiselnahme war zäh und voller unvorhersehbarer Entwicklungen und Wendungen.
Nein, Ansu war recht schnell bewusst geworden, dass sie es aus verschiedenen guten Gründen nicht versuchen sollte, ihre Beute bei Tageslicht in der Stadt zu ergreifen. Das bedeutete: bescherte ihr Macalar nicht in seinem Großmut eine ordentliche Portion Jagdglück, hieß dies vermutlich ein längeres Lauern auf die gute, richtige Gelegenheit, die sich im Bruchteil eines Augenblicks eröffnen und gleich danach wieder für immer verschließen konnte. Auch deswegen wollte die Jägerin wenigstens bei den Vorbereitungen noch nichts dem Zufall anvertrauen. Aus diesem Grunde hatten sie sich bis zur Morgendämmerung hingezogen.
Mit zügigen, aber auch ehrfürchtigen Bewegungen legte sich die Kriegerin ihre frisch gereinigte und gepflegte Lederrüstung an, sog den herb würzigen Duft des harzigen Balsams ein und prüfte den sicheren Sitz, bevor sie die Schnallen an den Seiten zuzog. In Gedanken ging sie die Aufstellung des Gepäcks durch, das sie mitnehmen würden. Diesem besserwisserischen Schreiberling hatte es gar nicht gefallen, mitten in der Nacht von seinem Lager gerissen zu werden, doch Ansumya hatte schon immer diese 'Gabe' besessen, andere Menschen dazu zu bringen, ihr einen Gefallen zu erweisen - auch wenn sie dieses Mal ärgerlicherweise tatsächlich Amuns Namen hatte erwähnen müssen, was sie ein wenig fuchste. Vielleicht wäre sie auch ohne zum Ziel gekommen, aber dieses Gestottere und Gejammere war derart unerträglich gewesen, dass sie das ganze Prozedere unbedingt beschleunigen wollte. Dauerte es in ihren wütend blitzenden Augen doch sowieso schon viel zu lange, zwei lächerliche Schreibstücke für schwächliche Sklaven herzustellen.
Doch es war ihre eigene Idee gewesen und würde hoffentlich im Zweifelsfall die erwünschte Wirkung nicht verfehlen. Wenn doch würde sie diesen Bastard von Schreiberling mit seinen eigenen Rippen von innen aufspießen. Das hatte sie ihm bereits versprochen.
Auch passende Sklavenkleider... oder besser Lumpen... hatte sie bereits besorgt und diese wenigen Fetzen stellten nicht wirklich eine körperliche Belastung dar. Und, einer der wenigen Vorteile des gesamten Unternehmens, man würde zur Not eine Geisel mit der anderen erpressen können. Ansu hatte eigentlich nicht vor, einen von ihnen bewusstlos durch die Stadt zu tragen, obwohl sie zur Not auch dafür Vorsorge getroffen hatte. Doch sie wusste einfach nicht, ob Amuns Haus nicht bereits ebenso unter Beobachtung stand wie umgekehrt Prinz Nicolais Schiffe. Daher konnte es verdächtig wirken und unerwünschte Aufmerksamkeit erregen, trüge sie ein menschlich geformtes Bündel zum Hauseingang hinein.
Erneut erklang ein unzufriedenes Grollen aus ihrer Kehle. Die beiden Köpfe mochten lausig gestunken haben, aber der Transport war eindeutig leichter und unauffälliger möglich gewesen.
Wenigstens hatte sie den Spion aus den Kerkern noch innerhalb der Villa wiederfinden können, bevor jener sich nach Auffrischung einiger Vorräte wieder auf den Weg zum Hafen hatte machen können. Bevor Yun und sie dort unten jede zwielichtige Gestalt abklappern mussten um zu überprüfen, ob sie für denselben Arbeitgeber schufteten, war es deutlich einfacher, einen Informanten mitzunehmen und sich 'herumführen' zu lassen. Zudem wollte sie denjenigen kennen lernen, der unter diesen Kerlen bislang das Kommando führte - und ihn für die Dauer ihres eigenen Auftrages ersetzen. Das Letzte, was sie brauchen konnte, waren vorschnelle, kopflose Wichtigtuer, die sich vor Amun hervortun wollten und ihre eigenen Pläne über die der Jägerin stellten. Ohnehin hoffte die Dakerin sehr, dass es in letzter Zeit nicht zu solch einschneidenden Übergriffen gekommen war, die ihre schwächlichen Landsleute in noch größere Alarmbereitschaft gebracht hatten und sie nun jeden unschuldigen Passanten, der an ihren dämlichen Schiffen vorbeilief, dreimal überprüfen ließen. Wenn sie eins hasste, waren es unüberlegte, unausgegorene Angriffe von kampfschwachen Amateuren, die vielleicht mit Fernkampfwaffen einiges leisteten, im Nahkampf jedoch jämmerlich untergingen. Solange man noch nicht dem Blutrausch erlegen und bei klarem Verstand war, durfte man ihn schließlich auch benutzen, das beanstandete kein Gebot Macalars. Solange das Ende stimmte, war der Anfang einerlei.
Ansumyas Blick senkte sich neuerlich auf den blutigroten Umriss der göttlichen Pranke, die im Licht der Kohlebecken noch stärker zu leuchten schien und deren Anblick eine erfolgreiche Jagd versprach. Mochte der Herr des Biestes ihr auch keine Freiheit gewähren, ihre Beute hatte er ihr bislang stets gewährt. Vollkommen konnte sie bei ihm also noch nicht in Ungnade gefallen sein. Auch wenn sie noch mit jedem Atemzug Buße tun musste für ihr Versagen, so spürte sie doch die Präsenz ihres Gottes immer noch tief in sich, eingegraben mit langen, gierigen Klauen. Er war bei ihr und er würde sie führen, ihr Kraft und Ausdauer verleihen und sie bestehen lassen gegen ihre Feinde. Erst die beiden Daker, dann der Rest mitsamt ihrer Schiffe. An fremdem Hafen angespült und fern der dakischen Wälder, so wie sie würden sie sein, doch im Gegensatz zu Ansu selbst würde deren Leiden nicht so lange währen. Es sei denn, auch ihre ruhelosen Geister irrten noch in der Zwischenwelt umher und klagten, wenn ihre Körper schon längst verfault waren.
Die Vorstellung ließ ein wie mit scharfer Klinge geschnittenes Lächeln auf ihren Lippen entstehen. Vielleicht hatte Macalar diese Entwicklung auch von Beginn aller Zeit an in seiner unermesslichen Weisheit geplant. In Dakien war er unter Ungläubigen als grausame, blutgierige Illusion verschrieen, als Ergebnis eines fiebernden, rachsüchtigen und wahnsinnigen Geistes, der all den ähnlich kriegslüsternen Barbaren als Ausrede diente, um ruhigen Gewissens weitermorden zu können, immer mit dem Vorwand einer Gottheit zu folgen. In Wahrheit fürchteten sie sich natürlich vor Macalars ungezähmter Stärke, seiner Wildheit, seiner Wahrheit. Gerade weil sie schwach und nichtswürdig waren und wussten, dass sie nicht gegen einer seiner Anhänger im direkten Kampf gewinnen konnten.
Vielleicht war es nun tatsächlich Zeit, die alten Götter in Dakien dem preiszugeben, was sie verdienten. Dem Vergessen, dem Spott, dem Nichts. Vielleicht sah Macalar die Entwicklung des Dämonen Satanas wirklich wohlwollender, als der Jägerin zunächst bewusst geworden war. Und zu seiner Unterstützung, zum Zeichen, dass man sich auf dem rechten Weg befand, hatte er sie zu Amun geschickt, ihn auf sie treffen lassen. Die Anhänger des Jagdgottes waren stets einzelgängerisch veranlagt, trafen selten und nur zu besonderen Ereignissen an heiligen Orten aufeinander und waren zumeist eher mit Konkurrenzkämpfen untereinander, als mit geordneter Zusammenarbeit für dasselbe Ziel beschäftigt. Es war eine sehr lockere, sehr freiheitsliebende Verbindung von Menschen, die nicht wirklich dazu veranlagt waren, sich zu verbünden und geschlossen in eine Richtung zu gehen. Kein wirklicher Anführer existierte, sah man einmal von einigen Priestern und Jagdführern ab. Doch auch jene erhoben sich kaum über die normalen Krieger. Und nie im Leben würde einer von ihnen alle überzeugen können, sich ihm anzuschließen.
Beim Satanas-Kult sah dies freilich anders aus. Auch wenn Ansumya es sich nicht wirklich erklären konnte, weswegen alle so geschlossen Amuns Befehlen folgten. Von einigen wenigen Aufständischen abgesehen, die sie höchstpersönlich auszusortieren wusste. Natürlich waren einige wesentliche Faktoren Furcht, Geld und Einfluss, welche die Gefolgsleute bei Laune hielten. Und auch wenn die Dakerin persönlich den rein Gläubigen nicht traute, so existierten sie doch in nicht zu unerschätzender Zahl. Die Sache mit dem Glauben war natürlich eine schwer nachzuweisende Angelegenheit und manch einer besaß vermutlich einfach eine sehr sadistische, grausame Ader, die er hier ungehindert und sogar noch von anderen bewundert ausleben konnte. Vielleicht war Amun sogar einer von ihnen. Aber diese Gemeinschaft war durch ihren Zusammenhalt und einen zielgebenden Kopf um einiges leistungsfähiger und entschlossener als Macalars verstreute Anhänger. Wollte der Biestgott tatsächlich etwas erreichen und Dakien zu seinem Reich machen ohne die Bewinselung anderer, schwacher Götter, so würde er dies schwerlich allein durch seine Gefolgsleute bewerkstelligen können. Mithilfe eines Verbündeten allerdings sah dies schon deutlich besser aus. Auch wenn Ansu sich selbstredend nicht erlaubte, vorhersagen zu können, wie Macalar dachte und plante. Tatsache blieb jedoch, dass sich dadurch einiges erklären würde....

"Ansumya. Die Dokumente sind bereit und der Spion wartet am Eingang."
Die Jägerin nickte knapp und griff zu dem dunkelbraunen, einfachen Umhang, den sie sich über ihre Rüstung warf und der unauffälliger sein würde, als eine durch und durch schwarze Erscheinung. Auch verbargen sich unter dem weit fallenden Stoff ihre Waffen, die ebenfalls frisch geschärft das schwächer werdende Leuchten der sterbenden Glut reflektierten und in Ansus Geist wirkten sie für einen flüchtigen Herzschlag wie hungrig aufblitzende Raubtieraugen. Ein schmales Lächeln entzündete sich auf ihren Lippen, verlosch allerdings schon, noch bevor ihre Aufmerksamkeit auf Yun fiel, der geduldig wartend an der Tür stand und dessen Blick kurz zuvor nur nichtssagend das blutverschmierte Stück Pergament an der Wand gemustert hatte.
Es war eine Ausnahme, dass der hochgewachsene Asiate einmal keine von Schnitt und Material aus deutlich östlich wirkende Kleidung trug, doch so interessant dieser Stil auch war, so würde er doch nur unnötig Aufmerksamkeit auf sich ziehen, die man verhindern konnte. In einer anderen Stadt hätte sich die Dakerin womöglich auch noch an seinem exotischen Äußeren gestört, aber nicht auf Mediterranea. Im Gewühl der Stadt traf man oft genug auch auf Abgesandte der asiatischen Länder. Das, was sie durch Yuns Anwesenheit bekam, glich dieses Risiko mehr als aus.
Ansumyas scharfer Blick zuckte knapp über die ordentlich am Hinterkopf hochgefassten schwarzen Haare, die ruhigen, wachsamen Mandelaugen, den ebenfalls unter einem Umhang halb verborgenen Langbogen mit Köchern und verschiedenen Pfeilen, sowie die angespannte Haltung des Mannes, ehe sie ein bereits gepacktes Bündel zum leichteren 'Abtransport' der Beute an sich nahm und an Yun vorbei das Zimmer verließ.
"Dann los. Und lass uns hoffen, dass uns Macalar und alle Götter deines Schreins einen raschen Erfolg bescheren, der es uns erspart, wochenlang diesen dreckigen Lumpen von Pferdeflagge vor Augen haben zu müssen."
tbc: Öffentliche Gebäude » Hafen » Verwinkelte Gassen am Kai
[Dieser Beitrag wurde am 19.07.2007 - 17:56 von Ansumya aktualisiert]
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