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kurt 
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...   Erstellt am 03.11.2005 - 13:59Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ein paar (vielleicht voreilige) Bemerkungen zum Kittler-Text.

These:
Es gibt keine Software (F.A. Kittler)
Kittler stuetzt seine These unter anderem auf folgende Umstaende:

1. Die elementare Software eines Personalcomputers, das BIOS (Basic Input Output System) ist gemeinhin in Form eines ROM (Read Only Memory) Chips als Teil der Hardware implementiert. "Kein einziges Anwenderprogramm, ja nicht einmal das zugrunde liegende Mikroprozessorsystem könnte jemals starten, wenn ein paar elementare Funktionen, die aus Sicherheitsgründen in Silizium gebrannt sind, also Teil der unlöschbaren hardware bilden, nicht über Münchhausens Fähigkeit verfügten, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen." Friedrich A. Kittler. Es gibt keine Software

Hier bleibt freilich zu bedenken, dass es sich bei jeder Form von Datentraegern um Hardware handelt, ganz gleichgueltig, ob es sich hier bei um Papierboegen, Quipus, Tontafeln, Papyri, Baender, Disketten, Harddisks, RAM oder (CD-)ROM handelt und das auch ein ROM Baustein letztlich nichts anderes als ein Datentraeger ist (und damit der Peripherie des Systems angehoert), der zwar nicht ueberschrieben werden, aber jederzeit durch einen anderen, des gleichen Typs, der eine andere Beschreibung enthaelt getauscht werden kann. Ersetzt werden kann ein solches ROM aber auch durch ein sog. EPROM (Erasable Read Only Memory), dass unter verwendung eines sog. EPROM_Brenners von jederman (mittels geeigneter Software) beschrieben werden kann. Es sei hier auf die ATARI ST Rechner hingewiesen, bei denen sich nicht nur das BIOS, sondern das komplette OS (nebst GUI) in solchen ROMs befand. Ein Update des Betriebssystems erfolgte durch einfaches austauschen der entsprechenden Bausteine. Viele User lasen das System aus, "patchten" es und schrieben es in EPROMS, die dann anstelle der urspruenglichen Bausteine in den Rechner eingesetzt wurden. Zeitweilig gab es sogar einen ROM-Satz mit einem "alternativ" OS (KAOS), dessen Verbreitung allerdings von Atari alsbald unterbunden wurde (und dessen Entwickler einen Job bei Atari bekam).

2. Den "Protected Mode", der "den einzigen Zweck verfolgt, 'untrusted programs' und 'untrusted users' von jedem Zugriff auf Systemressourcen wie Eingabe/Ausgabe Kanäle oder Operationssystemkern abzuhalten" und mithin verhindert, dass der Nutzer bzw. Anwendungsprogramme die "eigentliche" Maschine direkt (an)steuern können. Und dieses Wort "direkt" ist das eigentlich entscheidende, denn selbstverstaendlich koennen sowohl Programme als auch Anwender auf alle Schnittstellen zugreifen, aber eben nur vermittelt durch einen Satz vorab festgelegter Instruktionen und Routinen, die speziell bei Systemen, die Multitaskingfaehigkeit besitzen dafuer Sorge tragen, dass die Hardware nicht infolge unkoordinierter oder fehlerhafter Zugriffsversuche kollabiert. Und auch der Zugriff auf den "Operationssystemkern" ist keineswegs unwiderruflich vereitelt, er laesst sich (wie bereits unter 1. erlaeutert veraendern ("patchen") , aber eben nicht, waehrend das System laeuft, also aktiviert ist.

"Antithese":
Bei einem Computer [...] handelt es sich um eine universelle, Symbole verarbeitende Maschine, die man schon "an sich" als bloß virtuell bezeichnen kann. Sein konkreter Teil, die Hardware, ist, für sich besehen, zu rein gar nichts in der Lage, außer Energie zu verbrauchen. Um diese "potentielle" Maschine zu irgendeiner Funktion zu bringen, muss sie zunächst "beschrieben" werden, d.h. die eigentliche Maschine wird aus Symbolen gebaut und ist in der Tat nur virtuell (als "Text") vorhanden. Stark verkürzt können wir sagen: Die (eigentliche) Maschine besteht aus Symbolen, empfängt und verarbeitet (andere) Symbole und gibt (wieder andere!) Symbole aus. Das Medium "Sprache" ist also der "konkrete" Baustoff, der eigentlichen, erst als Software realisierten Maschine. Das Besondere in Bezug auf den Computer ist, dass er jedes Symbol in eindeutiger Weise "auffasst", während Menschen Symbole nicht nur kontextabhängig sondern auch emotional gefärbt interpretieren. Der Computer "spricht" eine rein formale Sprache.

Die Universalität dieser Maschine beruht wesentlich auf ihrer prinzipiellen Primitivität; sie kennt nur ein elementares Symbol (Bit), das zwei verschieden Zustände (es ist entweder "gesetzt" oder nicht) annehmen kann. Eine Anzahl dieser Zustände kann, zu komplexeren Gruppen formiert, neue Symbole ergeben, die ihrerseits wieder zu Gruppen geordnet werden können und so fort.

Ein vollständiger Satz so geordneter Muster (ein Programm) konstituiert dann erst die eigentliche - jetzt allerdings mehr oder minder spezialisierte - Maschine, die durch andere Skripte in gleicher Weise beschrieben werden kann usw.

Ein Beispiel aus dem Alltag: Die Hardware eines PC als solche kann als eine universelle Maschine bezeichnet werden. Sie enthält allerdings bei der Auslieferung bereits eine Beschreibung (BIOS), die sie in gewisser Weise spezifiziert; sie ist jetzt eine Maschine mit bestimmtem Funktionsumfang, die auf bestimmte Eingaben über die Tastaur in bestimmter Weise reagiert, bestimmte Ausgaben auf einen angeschlossenen Bildschirm oder Drucker schreibt, Daten von in bestimmter Weise präparierten Datenträgern liest etc. Damit wird aus ihr eine Maschine die sich in bestimmter Weise weiter spezifizieren lässt: Das Betriebssystem das nun geladen werden kann, das Anwenderprogramm das unter diesem System gestartet wird, alles dies sind Beschreibungen von Maschinen, die zuvor beschriebene Maschinen weiter beschreiben.

Quelle

Ein Bei-Spiel:
Die Abbildung unten zeigt den Desktop eines normalen zeitgenoessischen PC auf dem das Betriebssystem OS/2 laeuft. Auch das Fenster in der Bildschirmmitte zeigt einen "PC" - allerdings einen, der als Hardware nicht existiert. Dieser PC verfuegt ueber ein eigenes BIOS und ueber "eigene" Hardware Erweiterungen, wie z.B. eine Grafikkarte, eine Festplatte etc., die in der physikalischen Maschine NICHT zu finden, sondern ihr nur vor- oder besser: eingeschrieben sind.

Auf dieser - nur als Software existenten -virtuellen Maschine laeuft (unsichtbar) MS-DOS 5.0.

Unter diesem DOS wird nun ein (Anwendungs-Programm ausgefuehrt, das eine weitere Maschine emuliert und zwar einen Non-Intel Rechner mit Motorola 68k
Prozessor (also eine VOLLSTAENDIG verschiedene Hardware)
auf dem gerade das Betriebsystem TOS (nebst GEM) eines Atari ST Computers laeuft,
unter dem nun Anwendungen gestartet werden koennen, die auf der realen Maschine nicht ausgefuehrt werden koennten.



Die Maschine (Anwendung) in der Maschine (Atari ST) in der Maschine (Atari-Emulator) in der Maschine (DOS 5.0) in der Maschine (Virtual PC) in der
Maschine (OS/2) in der Maschine (eigentliche Hardware: PC mit AMD Sempron)
laeuft tadellos und schneller als das Original ...

[Dieser Beitrag wurde am 09.08.2007 - 17:48 von Kurt aktualisiert]





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