Paula 

Status: Offline Registriert seit: 23.04.2008 Beiträge: 271 Nachricht senden | Erstellt am 23.04.2008 - 18:51 |  |
Vielleicht noch ein Jahr...
„Das Beste kommt zu Schluss“ – zumindest im gleichnamigen Film mit Jack Nicholson und Morgan Freeman. Beide erhalten die erschütternde Diagnose, dass sie schwerkrank sind und nicht mehr lange leben werden. Daraufhin erstellen sie eine Liste mit Dingen, die sie vor ihrem Ableben noch gern machen möchten: „The bucket list“ – angelehnt an den englischen Ausdruck „to kick the bucket“, „den Löffel abgeben“.
Die beiden Todkranken reisen in fremde Länder, erleben ungewöhnliche Abenteuer und versöhnen sich mit Menschen, die ihnen einmal sehr nahe standen.
Liebe Barbara,
vielleicht geht es Deinem Exmann auch so:
Er möchte sich versöhnen mit sich und mit den Menschen, die ihm sehr nahe stehen.
Liebe besucherin,
danke auch Dir für Deine Erfahrungen mit dem Sterben Deiner Mutter und Deiner Fast-Schwiegermutter.
Deine Gedichte sind eine Hommage an die Verstorbenen.
Der Tod ist immer noch ein Tabuthema in unserer Gesellschaft. Einer Gesellschaft, in der fast alles salonfähig ist, was unsere Eltern, Großeltern und Urgroßeltern noch schamhaft verschwiegen haben.
Aber im gleichem Maße wie, wie Traditionen, Bräuche, Tugenden, Moral, Ethik und die christlichen Religionen an Verbindlichkeit verlieren, steigt das Bedürfnis nach einem anderen Umgang mit dem Tod. Hospizen, Sterbebegleitung und Trauerbegleitungen werden zu einem festen Bestandteil für uns.
herzlichst
Paula
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Tagtraeumerin 

Status: Offline Registriert seit: 24.03.2007 Beiträge: 323 Nachricht senden | Erstellt am 25.04.2008 - 12:28 |  |
Als meine Schwägerin die Diagnose "Krebs mit Metastasen in lebenswichtigen Organen" erfuhr, wollte ich zunächst weder wahrhaben noch akzeptieren, dass sie bald sterben würde.
Und während ich im Internet recherchierte, mit Ärztinnen sprach, Erfahrungen über ihre Erkrankung sammelte, machte sie ein Testament und bereitete sich aufs Sterben vor.
Überraschend war für mich auch, dass ich nicht nur Trauer und Schmerz empfand, sondern auch Wut. Ich wollte, dass sie kämpft.
Ich wünschte mir, dass sie leben wollte, aber alles in ihr nahm Abschied. Ich verbrachte jede freie Minute bei ihr, versuchte sie mit optimistischen Fallgeschichten aufzubauen, schließlich kapitulierte ich vor ihrer Klarheit.
Sie wollte keine Hilfe zum Leben, sie forderte mich heraus, ihren Weg in den Tod so zu begleiten, wie sie es wollte.
Sie schloss meisterhaft mit ihrem Leben ab, verabschiedete sich von den Menschen, die sie liebte, gab den Groll zurück, den einige in ihr ausgelöst hatten, verbannte ungeliebte Besucherinnen und rechnete mit denen ab, die ihr Schmerz zugefügt hatten.
Sie übertrug ihre Aufgaben und kämpfte sich schmerzvoll mit nur wenig klaren Momenten in den Tod.
Sie wurde im Haus aufgebahrt, und ich begann an ihrem Totenbett alle Lieder zu singen, die sie so gern hörte und sang.
Ich sang mich frei von meinem Schmerz über ihren Tod, die Wut, dass sie nicht kämpfen wollte. Die Familie sah mich erst irritiert an, begriff worum es ging und nach und nach sangen alle weinend, traurig, inbrünstig mit und gaben ihr damit ein Abschiedskonzert.
Eine Woche nach der Beerdigung legten wir Familie, Freunde, Kollegen und Nachbarn unter ihren Lieblingsbaum all die Dinge aus dem Haus, die sie gern hatte.
Wir zündeten rundherum einen Kreis Kerzen an und erzählten uns von ihr. Wir erzählten alles, was uns einfiel. An Stelle einer Trauerklage erinnerten wir an all das, was wir lustiges, wunderbares, schönes, skurriles mit ihr erlebt hatten.
Wir tranken selbstgebrannten Schnaps, den sie gern getrunken hat, tranken auf sie und schütteten etwas in die Luft für sie.
Seit diesem Abschieds-Erinnerungsritual mit dem Schnaps in die Luft schütten, habe ich das Gefühl, dass sie immer mit einem Windstoß durch mein Leben tanzt.
Das Zitat "Alles was dein Leben ausmacht, bleibt am Leben" ist wunderbar und passt mit dem, was ich durch die Krankheit und den Tod meiner Schwägerin erfahren habe.
Signatur Wer nicht
an sich selbst arbeitet,
kann sich weder entwickeln,
noch entfalten. |