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Paula 

Status: Offline Registriert seit: 23.04.2008 Beiträge: 1299 Nachricht senden | Erstellt am 23.04.2008 - 18:51 |  |
Vielleicht noch ein Jahr...
„Das Beste kommt zu Schluss“ – zumindest im gleichnamigen Film mit Jack Nicholson und Morgan Freeman. Beide erhalten die erschütternde Diagnose, dass sie schwerkrank sind und nicht mehr lange leben werden. Daraufhin erstellen sie eine Liste mit Dingen, die sie vor ihrem Ableben noch gern machen möchten: „The bucket list“ – angelehnt an den englischen Ausdruck „to kick the bucket“, „den Löffel abgeben“.
Die beiden Todkranken reisen in fremde Länder, erleben ungewöhnliche Abenteuer und versöhnen sich mit Menschen, die ihnen einmal sehr nahe standen.
Liebe Barbara,
vielleicht geht es Deinem Exmann auch so:
Er möchte sich versöhnen mit sich und mit den Menschen, die ihm sehr nahe stehen.
Liebe besucherin,
danke auch Dir für Deine Erfahrungen mit dem Sterben Deiner Mutter und Deiner Fast-Schwiegermutter.
Deine Gedichte sind eine Hommage an die Verstorbenen.
Der Tod ist immer noch ein Tabuthema in unserer Gesellschaft. Einer Gesellschaft, in der fast alles salonfähig ist, was unsere Eltern, Großeltern und Urgroßeltern noch schamhaft verschwiegen haben.
Aber im gleichem Maße wie, wie Traditionen, Bräuche, Tugenden, Moral, Ethik und die christlichen Religionen an Verbindlichkeit verlieren, steigt das Bedürfnis nach einem anderen Umgang mit dem Tod. Hospizen, Sterbebegleitung und Trauerbegleitungen werden zu einem festen Bestandteil für uns.
herzlichst
Paula
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Tagtraeumerin unregistriert
| Erstellt am 25.04.2008 - 12:28 |  |
Als meine Schwägerin die Diagnose "Krebs mit Metastasen in lebenswichtigen Organen" erfuhr, wollte ich zunächst weder wahrhaben noch akzeptieren, dass sie bald sterben würde.
Und während ich im Internet recherchierte, mit Ärztinnen sprach, Erfahrungen über ihre Erkrankung sammelte, machte sie ein Testament und bereitete sich aufs Sterben vor.
Überraschend war für mich auch, dass ich nicht nur Trauer und Schmerz empfand, sondern auch Wut. Ich wollte, dass sie kämpft.
Ich wünschte mir, dass sie leben wollte, aber alles in ihr nahm Abschied. Ich verbrachte jede freie Minute bei ihr, versuchte sie mit optimistischen Fallgeschichten aufzubauen, schließlich kapitulierte ich vor ihrer Klarheit.
Sie wollte keine Hilfe zum Leben, sie forderte mich heraus, ihren Weg in den Tod so zu begleiten, wie sie es wollte.
Sie schloss meisterhaft mit ihrem Leben ab, verabschiedete sich von den Menschen, die sie liebte, gab den Groll zurück, den einige in ihr ausgelöst hatten, verbannte ungeliebte Besucherinnen und rechnete mit denen ab, die ihr Schmerz zugefügt hatten.
Sie übertrug ihre Aufgaben und kämpfte sich schmerzvoll mit nur wenig klaren Momenten in den Tod.
Sie wurde im Haus aufgebahrt, und ich begann an ihrem Totenbett alle Lieder zu singen, die sie so gern hörte und sang.
Ich sang mich frei von meinem Schmerz über ihren Tod, die Wut, dass sie nicht kämpfen wollte. Die Familie sah mich erst irritiert an, begriff worum es ging und nach und nach sangen alle weinend, traurig, inbrünstig mit und gaben ihr damit ein Abschiedskonzert.
Eine Woche nach der Beerdigung legten wir Familie, Freunde, Kollegen und Nachbarn unter ihren Lieblingsbaum all die Dinge aus dem Haus, die sie gern hatte.
Wir zündeten rundherum einen Kreis Kerzen an und erzählten uns von ihr. Wir erzählten alles, was uns einfiel. An Stelle einer Trauerklage erinnerten wir an all das, was wir lustiges, wunderbares, schönes, skurriles mit ihr erlebt hatten.
Wir tranken selbstgebrannten Schnaps, den sie gern getrunken hat, tranken auf sie und schütteten etwas in die Luft für sie.
Seit diesem Abschieds-Erinnerungsritual mit dem Schnaps in die Luft schütten, habe ich das Gefühl, dass sie immer mit einem Windstoß durch mein Leben tanzt.
Das Zitat "Alles was dein Leben ausmacht, bleibt am Leben" ist wunderbar und passt mit dem, was ich durch die Krankheit und den Tod meiner Schwägerin erfahren habe.
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Paula 

Status: Offline Registriert seit: 23.04.2008 Beiträge: 1299 Nachricht senden | Erstellt am 26.04.2008 - 00:47 |  |
Liebe Marlene,
das ist ein so schönes Abschiedsritual, das ihr für deine Schwägerin gemacht habt.
Mir gefällt auch die Symbolik mit dem Schnaps in die Luft schütten. Der Wind bringt ihn zu ihr und mit dem Wind ist deine Schwägerin bei dir.
herzlichst
Paula
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wortundbild unregistriert
| Erstellt am 26.04.2008 - 00:50 |  |
Marlene,
dein Beitrag hat mich sehr angerührt.
h finde es wirklich großartig wie ihr mit der Situation des Abschieds umgegegangen seid.
In Lateinamerika übrigens spielt der indie Luft geschüttete Schnaps aucheine wichtige Rolle.
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Romi 

Status: Offline Registriert seit: 31.07.2007 Beiträge: 2148 Nachricht senden | Erstellt am 26.04.2008 - 09:01 |  |
Nicht die Geschichte war für mich das Wesentliche,
sondern die Art und Weise und die Worte berührten mich,
mit denen Marlene ihre Geschichte erzählte. Marlene
kann wunderbar erzählen, das fiel mir bereits bei
der Gestaltung unseres gemeinsamen Adventkalenders auf.
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Romi 

Status: Offline Registriert seit: 31.07.2007 Beiträge: 2148 Nachricht senden | Erstellt am 08.05.2008 - 21:49 |  |
Romi schrieb
Bewunderung, weil er es jetzt im Angesicht
des zu erwartenden Todes schafft, sich mit allem
Gewesenen auseinanderzusetzen und zu versöhnen,
auch mit sich selbst.
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Heute Mittag ist er verstorben.
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<Pola> unregistriert
| Erstellt am 09.05.2008 - 10:28 |  |
tränen
fließen wie bäche
brennen sich ein
wie tropfen
auf dem heißem stein
es schmerzen die sinne
tränen fließen
befreit
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wortundbild unregistriert
| Erstellt am 10.05.2008 - 11:27 |  |
Abschied tut immer weh, auch wenn schon eine Reihe von Abschiedsschritten gegangen waren.
Die Zeit mit ihm war ein Stück Deines Lebens und die Lücke bleibt schmerzhaft.
Ich fühle mit dir.
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Carpenoctem 

Status: Offline Registriert seit: 19.02.2007 Beiträge: 470 Nachricht senden | Erstellt am 22.02.2009 - 12:32 |  |
Lavida schrieb
Alles, was dein Leben ausmacht, bleibt am Leben.
Ein schöner, hoffnungsvoller Gedanke von Frida Kahlo. Ein Gedanke, der uns friedvoll stimmen sollte, den Tod als lebensnotwendig anzusehen.
Leben und Tod gehören zusammen, bestimmen unser Leben.
Wir müssen dem Tod wieder seinen Platz in unserem Leben zurückgeben.
Neue Wege finden und sich dem Unabänderbarem öffnen, denn alles was unser Leben ausmacht, lebt weiter.
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Den ernsten Gedanken des Todes ins Leben einüben / Und doch ist es ja, als läge dem Tode ein Scherz zugrunde / Sich selbst tot denken, ist der Ernst; Zeuge sein beim Tode eines andern ist Stimmung
SÖREN KIERKEGAARD
Und da ist die Frage, sollen wir uns beizeiten tot denken, also den eigenen Tod meditieren oder sollen wir den Tod zu Lebzeiten ganz von uns fernhalten?
Oder den Gedanken an den eigenen Tod erst zulassen, wenn wir schwer erkrankt oder alt und gebrechlich sind?
Es kann keiner für den anderen sterben, das hat Martin Luther gesagt.
Es macht also einen Riesenunterschied, den Leichnam eines anderen zu sehen, als den Tod auf sich selbst zu beziehen.
Sich mit dem eigenen Tod zu beschäftigen, hilft die Kostbarkeit des eigenen Lebens zu sehen, ohne jetzt der Hektik und der Angst zu verfallen,aber wir sind oft näher dem Leiden als der Wahrnehmung des Glücks.
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Romi 

Status: Offline Registriert seit: 31.07.2007 Beiträge: 2148 Nachricht senden | Erstellt am 22.02.2009 - 23:07 |  |
Was heißt, sich mit dem Tod auseinadersetzen?
Ist das nicht alles Theorie? Wir können uns doch
gar nicht auf den Tod einstellen, weil wir gar
nicht wissen, in welcher Form er uns heimsuchen wird.
Erkranken wir schwer und wir haben keine Lebens-
erwartung mehr, dann können wir uns auf den Tod
einlassen. Ansonsten wird uns hoffentlich unser
Lebenswille aufrechterhalten...und das ist auch
gut so.
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