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Lavida ...



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...   Erstellt am 10.02.2008 - 16:06Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Es war einer dieser unangenehm feucht-kalten Tage im November, wo die gefühlte Temperatur und das Thermometer so gar nicht übereinstimmen.

Wir kamen von einem Besuch des einmaligen Musee des Tissus und einem ausgedehnten Bummel durch die Rue Victor Hugo, Lyons berühmter Einkaufsmeile, und waren herzlich froh, als wir ziemlich verfroren durch die Glastür in den großen Gastraum von „La Mere Vittet" gelangten.

Freundlich empfangen durch Wärme und Licht, das sich in der hohen, hellen Holztäfelung der Wände schimmernd brach.

Der Garcon, ebenfalls freundlich, führte uns zu dem reservierten Tisch, nahm uns selbstverständlich unsere Mäntel ab und kam kurz darauf mit den Menuekarten und dem von uns gewünschten Aperitif.

Jetzt hatten wir Zeit, den Raum etwas aufmerksamer zu betrachten: Da waren wir nun, in dem berühmten Restaurant, wo ein bunt gemischtes Völkchen einkehrte und jedermann von mere Vittet persönlich begrüßt worden war.

1957 hat Alice Vittet am Cours de Verdun eine „Brasserie Lyonnaise" eröffnet, ein Restaurant, das seit 1981 „La Mere Vittet" heißt, zu Ehren der Gründerin, einer Frau, die den Beinamen „mère" führen durfte.

Die „haute cuisine" war immer von Männern geprägt, aber an den Kochherden begüterter Bürger - und davon gab es im reichen Lyon wirklich viele - standen oft Frauen.

Sie kamen aus sehr einfachen Verhältnissen. Natürlich waren sie, nachdem sie meist bereits im Kindesalter als Küchenmädchen angefangen und dann bei entsprechender Begabung eine harte Lehre absolviert hatten, ausgezeichnete Köchinnen, denn der Gaumen der finanzstarken Lyoner Bürger war verwöhnt.

Diese Köchinnen hielten ihre Rezepte oft in kleinen Heften schriftlich fest.

Für das 19. Jahrhundert gibt es erste Belege dafür, dass sich solche Köchinnen selbständig machten und eine kleine Gaststätte, oft einen „Bouchon", eröffneten.

Hier stellten sie sich mit ihrem Speisenangebot auf den großen Appetit und den kleinen Geldbeutel ihrer Gäste, oft Seidenweber, Fuhrleute und andere Angehörige der unteren Schichten, ein. Sie boten nur eine schmale Auswahl an Gerichten, diese aber frisch zubereitet aus den Produkten der Region, schmackhaft und nahrhaft gleichermaßen - und für die Zeit erschwinglich.

Nun wieder zurück zu Alice Vittet.
Sie wurde 1905 in einem Dorf in der Nähe Lyons geboren, ihr Vater Fuhrmann, die Mutter eine exzellente Köchin und die Großmutter betrieb einen Ausschank am Ufer der Rhone.

Alice ging mit 13 Jahren nach Lyon und wurde Verkäuferin in einem Milchgeschäft.

Hier lernte Alice Henri Vittet, einen Laufburschen, kennen, den sie 1926 heiratete.

Sie machten sich mit einem kleinen Laden selbständig und hatten kurz darauf einen Käsestand in den alten Lyoner Markthallen.

Dann, als nächste unternehmerische Etappe, eröffneten sie wenige Schritte von den Hallen ein Cafe.

Als ihr Mann starb, führte sie die Geschäfte alleine weiter.

Die Kleinunternehmerin war so erfolgreich, dass sie 1957 die erwähnte „Brasserie Lyonnaise, eröffnen konnte.

Das war ein Schritt in eine völlig andere unternehmerische Dimension, und wieder bewies sie, dass sie der neuen Herausforderung mit
Einfallsreichtum begegnen konnte.

Mit einer einfachen, zur damaligen Zeit aber überraschenden Strategie verblüffte sie die Konkurrenz:

Sie entschloss sich, ihr Restaurant 24 Stunden geöffnet zu halten und hatte damit die erste Gaststätte in Lyon, die zu jeder Tageszeit Speisen anbot.

Die außerordentlich günstige Lage zum Bahnhof und die guten Parkmöglichkeiten machten ihr Mut, und das Konzept ging auf.

Es kamen nicht nur Reisende, auch Sportler, Politiker, Schauspieler nach der Vorstellung, Lastkraftwagenfahrer -eine bunte Mischung.

Alle fanden einen einladenden Tisch und schmackhafte Gerichte. Madame hatte den Herd inzwischen verlassen und war „Vollzeit-Unternehmerin" geworden.

Auch Paul Bocuse zollte ihr Respekt, ihr, die die Gäste persönlich empfing, keinen Unterschied nach Ansehen der Person machte, und so für eine offene, zwanglose Atmosphäre sorgte, die auch heute noch den Aufenthalt so angenehm macht.





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