WHISPER  Hohepriesterin
       

Status: Offline Registriert seit: 21.04.2005 Beiträge: 2710 Nachricht senden | Erstellt am 30.03.2006 - 13:08 |  |
Der Ahorn – Ein streitbarer Engel?
„Engelsköpfchenbaum“ wird der Ahorn (Acer) oft genannt, weil seine großen Flügelsamen (Nashorn)wie Engel von der hohen Krone herunterfliegen und sich dabei so schön im Kreis drehen.
Dieser Name passt wenig zu diesem stattlichen Baum, der in sechzig bis achtzig Jahren bis zu dreißig Metern Höhe heranwächst. Aber der Widerspruch zwischen diesem Namen und seinem Aussehen ist eben doch treffend. Denn der Bergahorn liebt die Berge, aber für den harten Lebenskampf im rauen Klima ist er nicht besonders geeignet. In höheren Gegenden leidet er durch Wind, Schnee und Eisbruch viel mehr als die Nadelbäume, die Buche oder die Eiche. Trotzdem eifert er den genannten Bäumen nach. Im gemischten Hochwald nimmt er sich ein Beispiel an den Tannen und wächst mit kleinen Kronen, wie diese, hoch und gerade hinauf. Alleinstehend verwurzelt er sich zwar stark und gut wie die Eiche. Doch seine Krone, mit ihrer dichten Belaubung will dem Wind so sehr wiederstand leisten, das der Stamm solchem Ehrgeiz nicht gewachsen ist. Er teilt sich „leider“ häufig schon am Boden oder kurz darüber in zwei Stämme, vermindert die Tragkraft. Dessen ungeachtet zweigen die kräftigen Äste in aufwärtsstrebenden eleganten Bögen ab. Nur nicht gerade wachsen. Eigenwillig drehen, winden und kreuzen sie sich auf dem Weg nach oben. Ein gerader Ast oder Zweig ist am Ahorn kaum zu finden. Sie sind alle nach oben gekrümmt.
Wie alt ein Ahorn wird, weiß man nicht. Man schätzt auf 150 bis 200 Jahre. Aber in Truns in Bündnerland stand bis vor 117 Jahren der mächtige Ahorn, unter welchem 1424 die Landsgemeinde tagte, die den Grauen Bund stiftete. So alt wie die Eiche wird also auch der Ahorn. Nur dort wo der Mensch seine Geschichte mit einem Baum verbindet siegt das Gefühl von Nutzen und baumtötenden Zweck. Das Holz des Bergahorns glänzt weiß wie ein Engel. Weiß bleibt es aber nur, wenn es nach der Winterfällung sofort geschnitten wird und die Bretter auf den Kopf gestellt werden. Was am Baum oben war muss am Brett unten sein.
„Weiß wie Schnee ist das Holz des Bergahorns, aber nur vorrübergehend, wie der Schnee, der im April noch fällt!“, sinnierten die Kelten. Sie bemerkten auch wie häufig er zweistämmig wächst und so lassen sie nach dem Tage der Eiche zweimal zehn Tage vergehen bis zum Beginn der Ahorntage. Sie dauern vom 11. bis 20. April. Im Herbst zapften sie dem Ahorn gerne etwas von seinem Saft ab. Er schmeckt leicht süßlich und kühlt hitzige Menschen. So friedlich macht auch der Ahornblättertee.
Überhaupt bringt sein „Fünffingerblatt“ die Beziehung zwischen Menschen und Bäumen zum Ausdruck. Dem Ahorn im Herbst (14. bis 23. Oktober) folgen 5 Bäume dann ist der Tag der Buche, der Baum der Notwendigkeit, erreicht, einer der vier Anker des Baumkreises. Die Naturerscheinungen der Baumwelt sind mit der „Natur“ der natürlichen Zahlen verflochten. Sie waren nicht nur zum Zählen da, sie wurden als Boten göttlicher Ordnung verehrt.
Wer bin ich eigentlich?
Diese Frage stellt sich wohl jeder irgend wann mal. Aber wer in den Tagen des Ahorns zur Welt kam, ist mit den üblichen Antworten nie richtig zufrieden. Deshalb spielt Kampf um Identität die große Rolle. Auf Sicherheit, Bequemlichkeit und vieles mehr können sie verzichten, aber nicht auf Anerkennung oder Geltung in der Gemeinschaft, der sie sich zugehörig fühlen. Entweder spiegeln sie sich in der Gemeinschaft oder sie halten der Gemeinschaft den Spiegel hin.
Was sie auch tun, sagen oder denken, es ist Ausdruck ihres Eigenwillens. Und dieser Drang nach Eigenständigkeit kommt ihrem Bedürfnis nach Gemeinsamkeit häufig ins Gehege. Hauptsächlich sie leiden darunter, nicht ihre Umgebung. Sie bewundern Menschen, die sich klar und konsequent durchsetzen. Deren Härte und Rücksichtslosigkeit übersehen sie. Einerseits weil sie an sich selbst oft zu hohe Ansprüche stellen und andererseits weil sie Herausforderungen lieben. Hinzu kommt noch das sie Unbekanntes, Fremdes, ja sogar „Feindliches“ gerne „umarmen“. Für ihre persönliche Entwicklung ist das ausgezeichnet. Aber ihre Umgebung will nicht, wie sie, offen und ehrlich Konflikte austragen und an ihnen wachsen, und sie wollen ohne deren Einverständnis nicht vorwärts gehen.
Bewundernswert ist die Geduld, die sie als ungeduldiger Mensch aufbringen, bis sie ihre Umwelt überzeugt haben von dem, was für sie schon längst klar war, weil sie sich Neuem stellen.
Wenn sie allein durchs Leben gingen wären sie schon längst im Paradies angelangt. Aber sie gelüstet es, für andere die Kohlen aus dem Feuer zu holen, auch wenn sie sich dabei nicht selten die Finger verbrennen.
Meine Antwort auf die Frage, wer sie sind kann sie nicht befriedigen. Zur Ruhe führt sie nicht. Vielleicht ist sie ihnen deswegen sympathisch. Sie fühlen sich ja dort am ruhigsten, wo alles in Bewegung ist und am unruhigsten wenn nichts läuft. Vergessen sie dabei nicht das der Ahorn auch das Alter der Eiche erreichen kann. Er wird vielerorts schon sechzigjährig gefällt.
Die Gier nach Holz will es so. Die Gier nach dem Leben hat manchen schon früh müde gemacht. Er wie ein Kelte meint, er müsse jeden Tag der Held des Tages sein, geht unter, bevor er ausgereift ist. Nicht umsonst haben die Weisen unter ihnen, die Druiden, immer laut wiederholt: „Mensch schätze dich hoch ein, dann musst du dich nicht wichtig nehmen!“ Sie wussten, wie schwierig das ist für so leidenschaftliche, impulsive Menschen die sie selber waren. Können sie, lieber Leser unterscheiden zwischen Wertschätzung und Wichtigkeit? Erfüllen sie sich lieber ihre Wünsche oder richten sie ihr Leben gemäß ihrem festen Willen ein? Wünsche sterben mit ihrer Erfüllung, das Wollen ist Teil des Ewigen. Fragen machen munter, Antworten schläfern ein!
In den Tagen des Ahorn geboren sind:
Alfred Nobel, Peter Ustinov, Erich von Däniken, Wilhelm Busch, Charlie Chaplin, Ferdinand Lasalle, Nikita Chruschtschow, Lisa-Marie Morerod, Richard von Weizsäcker, Heinrich von Kleist, Oscar Wild, Anatole France, Freiherr von Knigge und Sara Kirsch
All dies sind Menschen sind durch ihren extremen Eigenwillen, überzeugenden Gemeinschaftssinn und unermüdliche, angagierte Aktivität aufgefallen, die auch in ihnen steckt.
Stein: Der rote Karneol mildert den Zorn.
Fixstern: Baten, Kaitos und Spica
Zahl: 7
Medizinische Verwendung: Ausgequetschte Blätter dämmen Entzündungen von Insektenstichen
Psychologische Empfehlung: Wer stark ist unterstützt die Schwachen.
Bezug auf die griechische Mythologie: Ares als Gott der Verwicklung.
Signatur Pazifisten sind wie Schafe, die glauben, der Wolf sei ein Vegetarier... |