Willkommen in unserem Forum! Anders als im Gästebuch besteht hier die Möglichkeit, auf einzelne Themen genauer einzugehen. Wenn ihr was zu sagen habt, dann tut es einfach.

Bis zum 21.02.2009 war dies ein offenes Forum, in dem jeder unangemeldet einen Gasteintrag verfassen konnte. Aufgrund der massiven Spameinträge, die weit unter der Gürtellinie lagen, haben wir dies geändert. Einträge sind nur noch durch registrierte Benutzer möglich!

Was hat euch gefallen und was nicht? Was sollen wir ändern und was nicht? Egal zu welcher Thematik ihr was zu sagen habt, hier könnt ihr euch verewigen. Wollt ihr gar eine neue Rubrik? Alles kein Problem, denn bis zu einem gewissen Punkt sollen/können unsere Leser mitbestimmen.

Man liest sich ... (www.querblatt.com, www.tomundmary.de sowie www.myspace.com/tomundmary)

... auch auf unserer Partnerseite:
Seit Herbst 2008 arbeiten wir mit Gerd Müller zusammen. Seine "etwas andere Webseite" ist eine echte Bereicherung für unser musikalisches Spektrum.

ForumNewsMitgliederSuchenRegistrierenMember LoginKostenloses Forum!


Neuer Thread ...


ErstellerThema » Beitrag als Abo bestellenThread schließen Thread verschieben Festpinnen Druckansicht Thread löschen

Hannibal ...



...

Status: Offline
Registriert seit: 27.02.2008
Beiträge: 13
Nachricht senden
...   Erstellt am 21.03.2008 - 20:04Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


So, also wenns hier schonmal ein Forum gibt, in dem ein paar Metaller rumlaufen und wo´s auch noch eine Rubrik „Philosophie“ gibt, nutz ich das jetzt einfach mal um ne Frage loszuwerden, die mich echt beschäftigt:
Warum gibt es Metal? Oder, was ist die Ästhetik des Metal?

Also, was ich damit meine: Metal ist ja schon ne sehr krasse Musik. Viele Leute würden es vielleicht nicht mal als Musik bezeichnen. Warum gibt es dann aber andere Leute (so wie zum Beispiel mich selbst...), die sich das anhören? Das schrille Geschrei, das hässliche Gekrächze, das finstere Gegrowle, die super verzerrten Gitarren, das prügelnde Schlagzeug, usw.

Damit kommt man natürlich auch direkt zur Frage, was Musik überhaupt ist, aber das würde jetzt wohl zu weit führen. Zumindest aber denke ich, dass man sagen kann, dass Metal irgendeine Funktion erfüllen muss, die andere Musik nicht erfüllen kann, sonst gäbs ihn ja nicht, logisch. Aber was ist diese Funktion?

Hier mal ein paar mögliche Antworten:
- Abgrenzung von der Gesellschaft (mich stört was an der Gesellschaft -> ich will anders sein -> ich hör Musik die die anderen doof finden)
- Herauslassen von Aggressionen, Wut, Angst, usw.: Ich trage diese Gefühle in mir, will sie aber nicht an der Welt auslassen (also z.B. selbst aggressiv werden), darum hör ich aggressive Musik, identifiziere mich mit ihr lebe somit die Gefühle aus
- Gewöhnung: wenn man sich einmal an „harte“ Musik gewöhnt hat, empfindet man andere Musik nicht mehr so intensiv
- Überschreiten von Grenzen, Zerbrechen von Tabus (damit, dass man Musik hört, die z.B. Satanismus, Gewalt, Hass, .. lobt), (zumindest empfundene) Befreiung von Normen
- Suche nach Gefühlstiefe: in einer Spaßgesellschaft mit missglückten Ehen, oberflächlichen Beziehungen zu Menschen, ohne Religiosität/Vaterlandsliebe/sonstigen Kollektivempfindungen sucht man nach Gefühlen -> Liebe/Treue/Vertrauen/usw ist kitschig, wird auch in anderer Musik (Pop und so) unglaubwürdig verarbeitet -> man findet im Metal „negative“ Empfindungen intensiv ausgedrückt und hält sich daran

Besonders vom letzten Punkt bin ich noch nicht so überzeugt. Na, von den anderen auch nicht ganz. Meine gefundenen Begründungen sind auch mehr psychologische als ästhetische, aber das hängt ja auch zusammen, denke ich .
Also, mich würds echt interessieren wie ihr so darüber denkt.




Thomas ...
Dark Lordchen
...

...

Status: Offline
Registriert seit: 30.10.2004
Beiträge: 7497
Nachricht senden
...   Erstellt am 22.03.2008 - 16:09Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hannibal schrieb

    - Herauslassen von Aggressionen, Wut, Angst, usw.: Ich trage diese Gefühle in mir, will sie aber nicht an der Welt auslassen (also z.B. selbst aggressiv werden), darum hör ich aggressive Musik, identifiziere mich mit ihr lebe somit die Gefühle aus

Ich denke mal, hier hast du einen der Hauptgründe genannt. Metaller haben viel Wut im Bauch, sind aber (meistens) ein friedlicher Haufen. Gewalt wird im Prinzip abgelehnt, doch als Ventil auf der Bühne präsentiert. Diese ganze Szene ist in ihrer Wirkung vielleicht mit einem gigantischen Blitzableiter zu vergleichen!

Die anderen Gründe, die du genannt hast, stimmen aber ebenfalls. Und zwar alle! Besonders der gewisse Effekt der Gewöhnung. Worin natürlich auch eine gewisse Gefahr besteht.
Es ist tatsächlich so, dass man andere Musik als nicht mehr so intensiv wahrnimmt. In der Klassik ist das, zumindest in meinem Fall, ganz ähnlich. Der "härteste" Vertreter dieses Genres war wohl Richard Wagner, der mit seinen düsteren Monumentalwerken alle Grenzen überschritten hat. Vor allem die emotionalen!!! Ich muss wirklich aufpassen, dass ich nicht sämtliche Kollegen sozusagen überhöre, da sie diese Tiefe an Ausdruck niemals erreichen werden. Aus meiner Sicht natürlich ...

Letztlich ist die Faszination der Hartwurstfraktion aber schwer zu erklären. Klar, wollen wir anders sein. Ich wollte schon immer anders sein. Anders als die Eltern und anders als die "Spießer". Nun hätte ich aber auch Punker, Rock'n'Roller, Politiker, Massenmörder oder Terrorist werden können. Warum ich mich für andere Wege entschieden habe, ist mir letztlich nicht klar.

Thema ist die "Ästhetik des Metal". Eigentlich schwer zu sagen, da ich SO noch nie darüber nachgedacht habe. Ich weiß nur, dass ich mich aufs nächste Konzi in zwei Wochen freue ... auf den Krach ... auf die Location ... auf die Leute ... das ganze Drumherum ... und überhaupt. Es ist bei jedem Metal-Event eigentlich das Gleiche. Ob es nun ein kleiner Club ist oder ne riesengroße Walhalla, spielt keine Rolle. Ich denke jedes Mal: "Hier gehöre ich hin. Das ist meine Welt. Hier geht es mir gut."

Bei anderen Konzis ist das nicht so. Komisch eigentlich ...





Signatur
Alles klar ... kein Problem!

Hannibal ...



...

Status: Offline
Registriert seit: 27.02.2008
Beiträge: 13
Nachricht senden
...   Erstellt am 25.03.2008 - 10:37Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hm, cool, danke für die Antwort! Muss gleich mal nachhaken - "Metaller haben viel Wut im Bauch" - das ist nicht bei allen dieselbe Wut, oder? Jeder hat einfach persönliche Gründe, sie zu haben? Oder gibts da irgendeine Art Kollektivwut auf irgendwas bestimmtes (hab sowas nie feststellen können, aber vielleicht weißt du ja eher was)?

Wagner, krass. Was hörst du denn von dem? Ich hab mal bisschen was von ihm angehört, hab es aber nie als intensiver und auch nicht als düsterer empfunden als Werke von einigen seiner Kollegen. Hab ich die falschen Stücke gehört?

Dieses Gefühl von wegen "Hier gehör ich hin" bei Metal-Veranstaltungen ist voll krass. Geht mir auch so, und ich bin echt noch nicht lange dabei. Oh Mann, echt, diese ganze Metal-Welt ist krass. Super faszinierend und voll beeindruckend und letztendlich extrem unverständlich..




Thomas ...
Dark Lordchen
...

...

Status: Offline
Registriert seit: 30.10.2004
Beiträge: 7497
Nachricht senden
...   Erstellt am 27.03.2008 - 14:07Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Klar, es gibt jeweils eine ganz persönliche Wut, aber eine kollektive Komponente scheint mir ebenfalls vorhanden zu sein. Diese richtet sich zum Beispiel gegen Kriegstreiber, die fieberhaft in andern Ländern Massenvernichtungswaffen suchen und dabei die eigenen wohl völlig vergessen haben ... ! Es gibt aber auch die Wut und die Verzweiflung vor der eigenen Endlichkeit. Je nach metallischer Ausrichtung spielt das Thema Tod eine zentrale Rolle.

Wagner hörte mit holden 17 erstmals. Dabei wollte ich mit meinem "Aufzug" eigentlich nur das Publikum schocken und provozieren. Ich ging also lediglich aus Jux und Dollerei in die Oper. Wagners Lohengrin war also purer Zufall. Ich ahnte damals freilich nicht, dass diese gnadenlosen emotionalen Breitseiten meine Hörgewohnheiten für immer verändern würden. Auch die bekloppte Story hat mich bis heute nicht losgelassen, und genau deshalb bekomme ich sogar beim Schreiben dieser Zeilen eine monumentale Gänsehaut!
Ansonsten habe ich mir mal den kompletten Ring gegeben. Ich dachte zwar an das übliche Vorurteil und erwartete endloses Gedudel und ewig in die Länge gezogene Arien, aber dem war nicht so. Und die Story gibt ja im Prinzip auch nicht viel her. Der Depp von Alberich klaut das Gold der drei Rheinschlampen, und Hinz und Kunz kloppen sich drum, bis gar die Götter mitmischen und am Ende die ganze Walhalla zum Arsch ist. Blödsinn eigentlich, aber als nach vier Tagen der Vorhang zugegangen ist, war ich zutiefst erschüttert und gar traurig, dass es schon vorbei war ... ! Auch diese Welt ist "voll beeindruckend und letztlich extrem unverständlich". Glücklich ist aber der, der mit offenen Öhrchen durch die Welt spaziert ...

... man muss ja nicht unbedingt alles kapieren.





Signatur
Alles klar ... kein Problem!

Hannibal ...



...

Status: Offline
Registriert seit: 27.02.2008
Beiträge: 13
Nachricht senden
...   Erstellt am 02.04.2008 - 18:31Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


du gehst ja voll ab! Hm, okay, also das klingt ja mal ziemlich lohnenswert. Falls ich mal les dass irgendwo in der Nähe Wagner gespielt wird werd ich an deine Worte denken.. mein Musiklehrer hat damals auch mal gesagt dass man aus Wagner-Konzerten nicht unberührt raus gehen könnte, aber ich war mir nie so sicher ob ich seinem Urteil da trauen sollte *g*.

"... man muss ja nicht unbedingt alles kapieren."

Ja, das stimmt. Aber cool wärs schon




Thomas ...
Dark Lordchen
...

...

Status: Offline
Registriert seit: 30.10.2004
Beiträge: 7497
Nachricht senden
...   Erstellt am 04.04.2008 - 18:36Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Das war ein prima Musiklehrer!





Signatur
Alles klar ... kein Problem!

Thomas ...
Dark Lordchen
...

...

Status: Offline
Registriert seit: 30.10.2004
Beiträge: 7497
Nachricht senden
...   Erstellt am 06.04.2008 - 19:55Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


By the way ... die Ästhetik DIESES Abends war geniös. So was erlebste nur in kleinen Clubs. Auf keinem größeren Festival gibt es eine gnadenlosere Nähe. Basser, Sänger (wuhahahahaaaa) und Keyboarder standen im Publikum, weil die Bühne zu klein war ...

http://home.arcor.de/tomary/Musik/Live/ … uttg_.html





Signatur
Alles klar ... kein Problem!

silent ...
Fireflower
.....................

...

Status: Offline
Registriert seit: 03.06.2007
Beiträge: 328
Nachricht senden
...   Erstellt am 09.06.2008 - 06:47Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Interessantes Thema. Viele sagen ja auch zu mir: "Sowas hörst du?!" Eine Kollegin, die ich mal mitgenommen habe, wollte schon beinah aus dem fahrendem Auto aussteigen...

Vielleicht darf man auch nicht alles, wo allgemein "Metal" draufsteht, in einen Topf werfen.

In dem Bereich finde ich halt (für mich) am ehesten Sachen, die mir aus der Seele sprechen UND die nicht extra dafür gemacht sind, der breitan Masse zu gefallen.

Hannibal schrieb

    Dieses Gefühl von wegen "Hier gehör ich hin" bei Metal-Veranstaltungen ist voll krass.


Die Erfahrung hab ich auch gemacht. Ok, Deppen gibts überall. Aber im Großen und Ganzen hab ich bei meinen bisherigen Konzertbesuchen immer nette Leute kennengelernt.

Ich glaube, das Wesentliche ist die Kombination aus allem und nicht nur ein Aspekt alleine: Protest, Wut, Emotionen, Schmerz. Und, was Thomas schon geschrieben hat: das Thema Tod. Das hat mich schon fasziniert, bevor ich angefangen habe, diese Art von Musik zu hören. Daher hab ich mich da auch gleich zu Hause gefühlt.

Aber auch innerhalb des Metal geht es mir meistens so wie in der Musik allgemein. Ich war immer auf der Suche. Vieles gefällt mir und ich bin immer neugierig und immer dabei, meine Fühler in alle Richtungen auszustrecken (meine neueste Entdeckung ist elektronische Musik).

Thomas schrieb

    Glücklich ist aber der, der mit offenen Öhrchen durch die Welt spaziert ...


Ja, sehr treffend auf den Punkt gebracht.





Signatur
Ich kann die Musik SEHEN - sie hat Fransen.


Ähnliche Themen:
Thema Erstellt von Antworten Forumname
Ästhetik nenson 49 mandodiao
Ästhetik pur Harada 8 ralfk
Ästhetik Archangelus 0 viaveritas
Ästhetik der hohen Taillie ? Katja 17 empirekultur
Muslimische Kunst - Die „wahre“ Ästhetik des Islam focour 0 focour
Neuer Thread ...

Geburtstagsliste:
Heute hat kein User Geburtstag!
----------------------------------



NetZähler

Impressum

Dieses Forum ist ein kostenloser Service von razyboard.com
Wollen Sie auch ein kostenloses Forum in weniger als 2 Minuten? Dann klicken Sie hier!



Verwandte Suchbegriffe:
ästhetik metal
blank