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Minotaurus ...
Hausherr und Gastgeber
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...   Erstellt am 14.10.2006 - 00:49Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Gudrun schrieb
    „Mach ich! Mach ich! Tschüss Hermann!“ und bevor er noch mit seinen glitschigen Abwaschhänden nach mir greifen kann, für eine Abschiedsumarmung, eile ich auch schon die Treppen runter.
    Schließlich muss ich zur Arbeit! Leider!
    Manchmal beneide ich Hermann fast ein wenig um sein selbständiges Dasein als Hausmann.
    In den nächsten zehn Minuten werden unsere drei Kinder sich auf zur Schule machen und
    er kann sich einen guten Vormittag lang ausruhen. Kaffee trinken, Zeitung lesen, fernsehen, ein Pläuschchen mit den Nachbarn, ... Nun, ich gönne es ihm. Schließlich liebe ich ihn.
    Im Büro gebe ich sogar ein bisschen an mit meiner guten Wahl. Immerhin ist Hermann einer der wenigen Ehemänner, die sich voll und ganz der ehrenvollen Aufgabe der Familienbetreuung verschrieben haben. Gutes Hermännchen!
    „Muss heute pünktlich nach Hause. Mein Goldstück kocht groß auf.“, reibe ich weniger glücklichen Kolleginnen gerne unter die Nase, wenn ich um siebzehn Uhr alles fallen und liegen lasse.

    Als ich abends den Schlüssel in die Haustür stecke, fällt es mir siedendheiß ein: „Der Salat! Ich hätte auf dem Heimweg noch schnell Salat besorgen sollen!“
    „Hallo mein Schatz!“ Wie immer empfängt mich Hermann freudestrahlend.
    „Hallo!“ begrüße ich ihn mit einem gequälten Lächeln. Wie sonst soll er merken, dass ein, auch wie immer, unvorstellbar harter Bürotag hinter mir liegt.
    Hermanns Gesicht zeigt einfühlsame Besorgnis. „Geht’s Dir nicht gut?“
    „Doch, doch.“, erwidere ich ernsthaft und lasse mich auf das Sofa sinken. „Muss nur kurz was trinken.“
    Hermann eilt zum Kühlschrank. Die Bänder seines fleckigen Kochschürzchens flattern neckisch um seinen Po. Heute ist Mittwoch. Unser Tag!
    Wir haben nämlich zwei pro Woche. Mittwoch und Samstag.
    Schließlich arbeite ich hart (Erwähnte ich das überhaupt?) und brauche daher viel Entspannung.
    „Warst Du noch einkaufen?“ überreicht mir Hermann ein kühles Bier.
    „Muss es denn immer Salat zu den Koteletts sein?“ Unwirsch schüttle ich den Kopf. „Andere Männer zeigen da wirklich mehr Phantasie!“
    Röte überzieht sein ohnehin etwas zerflossenes Gesicht. Beleidigt verzieht er sich wieder in die Küche. Ich nehme einen erfrischenden Schluck und suche einen Platz für meine Beine auf dem spielzeugübersäten Couchtisch. Warum ist der nicht abgeräumt? Was macht er nur den ganzen Tag?
    Maniküre kann’s nicht gewesen sein! Den sanften Wink mit den dreißig Euro mehr Haushaltsgeld hätte ich mir also sparen können.
    Enttäuscht schließe ich die Augen.

    Ring! Riiing! Riiiiiiiiiing!
    Besitzt denn hier niemand die Güte, die Tür auf zu machen?
    „Papa ist in der Küche.“, begrüße ich unsere drei schmutzigen Bälger. Wie oft musste ich Hermann schon ermahnen, er solle die Kinder nicht immer bei den Nachbarn spielen lassen!
    Die haben einen Bauernhof. Und ich drei stinkende Quälgeister. Kurz vorm Abendessen!
    Der Kleine, klar, wieder mit zerrissenen Hosen. Wer zahlt das alles? – Ich! Natürlich!
    Herdmännlein jammert dann höchstens über meine zahlreichen Überstunden.
    Na gut, im Moment findet er ohnehin keine Zeit für seine Quengeleien. Er huscht von der Küche zum Bad, zum Kinderzimmer – Kochen, Kinder waschen, Tisch decken, frische Kleider raussuchen, ... .
    „Kann ich Dich vielleicht irgendwie unterstützen?“ frage ich teilnahmsvoll.
    „Hmpf!“ knurrt Hermann.
    „Schön! Wenn er nichts sagen kann. Er bräuchte mich doch bloß zu bitten, ich bin sehr hilfsbereit. Wie er meint. Lass ich ihm halt seinen falschen Stolz für heute noch mal durchgehen und guck mich selber um, was zu tun ist.
    Am besten in der Küche.
    „Hermann! Was machen die abgelaufenen Joghurts im Kühlschrank? Willst Du etwa warten, bis die von alleine den Weg zum Mülleimer antreten?“
    „Hermann?“
    „Hermann??“
    „Papa ist gerade weggegangen.“ piepst da der Kleine aufgeregt hinter mir.
    Weggegangen? Warum?
    Holt er jetzt den Salat?
    Oder was?


Den Salat?
Das glaube ich weniger! Ich vermute mal, daß Hermann mal kurz Zigaretten holen ging.
Wußtest Du übrigens, daß bereits ganze Armeen von Männern beim Gang zum nächsten Zigarettenautomaten spurlos verschwunden sind?
Die Kriminalstatistiken aus aller Herren Länder sind voll von Vermißtenmeldungen und die letzten Worte waren immer: "Schatz, ich gehe nochmal kurz Zigaretten holen!"
Also gibt es doch dieses ominöse Bermudadreieck zwischen dem häuslichen Herd, der aufregenden Geliebten und dem Zigarettenautomaten? Lange Zeit hielt man nämlich dieses Phänomen nur für eine Erfindung von Science-Fiction Autoren wie Charles Berlitz und Konsorten.
Kluge Frauen entscheiden sich inzwischen für einen nichtrauchenden Hermann, da ist das Risiko eines plötzlichen Verlustes wesentlich geringer.

Obwohl - wenn ich mir das so recht überlege...

[Dieser Beitrag wurde am 21.03.2007 - 15:21 von Minotaurus aktualisiert]





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Worte, Worte, nichts als Worte! Dazwischen manchmal ein Gedanke.
(Marcel Reich-Ranicki)


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