Gudrun
     

Status: Offline Registriert seit: 01.03.2007 Beiträge: 454 Nachricht senden | Erstellt am 10.08.2007 - 16:44 |  |
„ …Blablabla…blablabla…blubber…blubber…“ Hermann redet ohne Unterlass auf mich ein als ginge es um sein Leben. Aufgeregt, laut, Worte verschluckend, weinerliches Gedöns zwischendurch.
„Ja Hermann. Ja. Jaja. Wie recht Du doch hast.“ Alle Viertelstunden nicke ich, blicke verständnisvoll in den Spiegel und schenke mir ein aufmunterndes Lächeln. Diskussionen dieser Art führen wir nämlich grundsätzlich im Bad. Hermann sitzt auf der Wäschekiste, ich am Badewannenrand, direkter Blick auf den Alibert. Wegen der Kinder. Schließlich, meint Hermann, könnten die ja nichts für unsere Beziehungsprobleme. Unsere? Naja, wenn er meint. So ein Haushalt scheint ihn echt nicht auszufüllen. Auch wenn er behauptet, ich wäre der nicht ausfüllende Teil. Haha. Intellektuelles Gewäsch! Typisch Hermann! Immer in Bewegung seine drei Gehirnwindungen. Die Haut darüber scheint mir allerdings ein bisschen blass.
„Wie wär’s Hermann? Lust auf Kino?“
Ah, der hoffnungsvolle Blick aus braunen, feuchten Hundeaugen. Ja! So liebe ich ihn.
„Was läuft denn?“ fragt er.
„Häh? Woher soll ich das wissen. Du sitzt doch den ganzen Tag zu Hause rum und durchblätterst die Zeitschriften!“
Zack! Hermann schaut zur Seite. Beleidigt.
Fix noch mal, was für ein Mimoserl der Mann doch ist! Bei ihm müsste man quasi jeden noch so unwichtigen Satz auf die Goldwaage legen! Als hätte ich dazu Zeit und Muße nach einer äußerst anstrengenden Arbeitswoche. Das wird ja oft unterschätzt, wie belastend so ein Tag im Bürosessel sein kann. Selbst wenn man sich zurücklehnen darf. Beim Telefonieren zum Beispiel. Oder, wenn man den Lehrling runterputzt. Ja, auch das gehört seit kurzem zu meinen Aufgaben. Wieder eine Stufe höher auf der Karriereleiter! Aber so was zählt ja nicht bei Hermann, dem Gefühlsdussel. Nur die Liebe zählt. Wo lebt denn der? Na klar, nie die Härten der Berufswelt kennen gelernt, was will man da schon erwarten!
„Die Sieglinde aus dem Büro hat, glaube ich, was von einem kürzlich angelaufenen Film mit Julia Roberts erwähnt.“, meine ich begütigend.
„’Szenen einer Ehe’ wäre mir momentan lieber!“, erdreistet er sich zu antworten und wirft den Kopf zurück.
„Du weißt aber schon, dass du ein verdammt schwieriger Mensch bist.“
„Find ich nicht.“
„Find ich schon!“
„Warum?“
„Warum, warum, warum? So fragen kleine Kinder. Deshalb. Andere Männer freuen sich, wenn die Frau abends heimkommt und du. Du, du, du,…“ Ich glaube, ich bin ein bisschen wütend. Und wie immer, wenn ich das bin, werde ich ganz, ganz leise und spreche in vernünftigem Tonfall auf ihn ein. Soll mir schließlich keiner Emotionalität vorwerfen.
Obwohl Hermann provoziert, wo er nur kann. „Du gefühlskaltes Arschloch, du!“ musste ich mir letztens anhören. Nur weil ich unserem Sechsjährigen kein Mitleid entgegenbrachte, als er in den Bach fiel. Pah! Als wäre nicht ich diejenige gewesen, die ihm das Spielen an diesem verboten hätte. Woran er sich nicht hielt. Naja, jetzt weiß er, wie sich fünf Grad anfühlen. Wieder was gelernt! Kein Grund zu heulen also. Lernen macht Spaß. Haha!
„Weißt du was? Ich leg mich jetzt ein bisschen hin und sobald du dich beruhigt hast, kannst du von mir aus ins Kino und ich passe den ganzen Abend auf die Kinder auf.“ Das war aber jetzt mein letzter Vorschlag zur gütlichen Einigung. Wenn er das nicht annimmt, dann, dann …
„Okay.“ Er trollt sich. Raus in den Garten. Wahrscheinlich Rosen schneiden, wie ich ihn kenne. Das mag er nämlich nicht und deshalb tut er’s nur, wenn er ein schlechtes Gewissen hat. So wie jetzt. Im Grunde ist er ein netter Kerl und bereut relativ schnell den Ärger, den er mir zumutet. Schuld trägt nur seine labile Art. Das meint auch Gernot in der Firma, dem ich kürzlich nicht umhin konnte, mein bitteres Leid zu klagen. Tat schon gut, mich an seine breite Schulter zu lehnen. Wenn auch nur kurz. Ich bin eine treue Seele. Außerdem riecht Gernots Parfum nicht recht gut.
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