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Status: Offline Registriert seit: 20.02.2007 Beiträge: 569 Nachricht senden | Erstellt am 14.12.2007 - 21:02 |  |
Advent, Advent
Advent, Advent, die erste Kerze brennt… und bei uns - wie jedes Jahr - die Luft. Ich sollte wohl wirklich langsam die Hoffnung auf die viel gepriesenen ruhigen und besinnlichen Tage voller Wärme und Vorfreude aufgeben. Obwohl… wenigstens ist es bei uns nie langweilig.
In diesem Jahr habe ich ja wenigstens rechtzeitig meine Weihnachtsshoppingrunde gedreht und das Geschenk für meine Tochter versteckt sich schon seit September hübsch verpackt ganz hinten im Kleiderschrank. Selbst wenn sie wie ein Trüffelschweinchen auf die Suche ginge, würde sie es übersehen, so winzig ist es. Ganz fest habe ich mir vorgenommen, dass sie wirklich nur dieses eine kleine aber ziemlich teure Geschenk bekommt.
Nun ja. Das war im September und auch noch im Oktober mein perfekter Plan, auf dem ich mich zwei wundervoll ruhige Monate ausruhen konnte. Er begann bereits im November zu bröckeln. Eigentlich bräuchte mein Töchterchen ja noch dies und das und eigentlich sieht es ja auch doof aus, wenn unterm Weihnachtsbaum nur ein einziges Päckchen liegt. Also ein paar zusätzliche Kleinigkeiten würden uns ja nun nicht gleich am Hungertuch nagen lassen. Na ja… ein paar Tage habe ich ja noch Zeit.
Der zweite Adventssonntag naht mit riesigen Schritten und meine Tochter will Plätzchen backen. Zur Verstärkung hat sie sich gleich eine Freundin eingeladen. Verstärkung? Beide sitzen an bewusstem Samstagmorgen am Küchentisch und schauen mich blass und verschlafen mit Augen an, die mich leicht an Pandabären erinnern. Nun ja, ich hab nichts anderes erwartet, als ich in der vergangenen Nacht gegen zwei Uhr vom Sofa hoch schreckte und die beiden Mädchen immer noch im Zimmer meiner Tochter vor sich hin kicherten.
Ich schicke sie also lieber noch einmal ins Bett und entkorke mir in aller Ruhe eine Flasche Rotwein, die bereits zur Hälfte geleert ist, als sich die Mädchen drei Stunden später wieder zu mir gesellen. Ihre Bäckchen sind noch vom Schlaf gerötet. Meine sind das auch… vom Wein, und ich kichere jetzt fast genauso albern, wie die Mädchen in der vergangenen Nacht. Die Augen rollend tuschelt meine Tochter mit ihrer Freundin. Ich verstehe nur „… die ist nicht immer so peinlich!“, wirbele herum und will schon loswettern, aber die Antwort von ihrer Freundin holt mich sofort wieder von meiner Palme herunter. „Wieso? Ich finde deine Mutter cool!“ Was für ein nettes Mädchen!
Einmal zu Hochtouren aufgelaufen, bin ich nicht mehr zu bremsen. Ganz nebenbei fällt mir ein, dass ich ja zwischendurch noch Gardinen waschen könnte. Ich lasse die Mädchen den Teig kneten und nehme rasch die Gardinen ab, niese mich dabei halb tot, so staubig sind sie, und eile mit dem Stoffberg im Arm die Treppe hinunter in den Keller. Dort trifft mich fast der Schlag… ich stehe mitten in einer riesigen Wasserlache, und als ich ungläubig einen Fuß hebe, rutscht mir die voll gesogene Stricksocke vom Fuß und landet mit einem Platsch auf dem Boden.
Ich kreische los und lasse vor Schreck die Gardinen fallen – natürlich mitten hinein in die Überschwemmung. Nach Luft schnappend streife ich mir die zweite Socke ab, ehe ich zur Treppe flüchte. Ein Fehler, wie ich gleich darauf merke, denn die Granitstufen sind spiegelglatt und ich komme mit meinen nassen Füßen ganz schön ins Schlittern, kann mich aber gerade noch am Geländer festhalten und damit einen Sturz verhindern.
Die Mädchen, durch mein Schreien alarmiert, wollen mir zu Hilfe eilen, aber ich sehe bereits die Wände des Flures mit Teigresten verziert und scheuche sie mit schriller Stimme zurück in die Küche. Dann stehe ich auf der eisig kalten Treppe draußen vor der Haustür und schreie mir die Seele aus dem Leib nach meinem Mann, der gerade mit dem Hund vor der Tür herum tobt. Beide machen, dass sie schnell wieder rein kommen, bevor ich das ganze Dorf zusammen schreie.
„Was is’n los?“ Fragender Blick und leichtes Stirnrunzeln wegen meinem Gekreische.
„Ach nix. Was soll schon sein? Ich schreie aus reiner Langeweile so herum!“ Mein Gesicht spricht Bände. Der Hund wedelt mit dem Schwanz, blickt mich freundlich hechelnd an und macht sich dabei so klein wie nur möglich. Er weiß schließlich, wie man mir am besten begegnet, wenn ich mich in diesem Zustand befinde. Mein Mann weiß das wohl nicht. Er lacht mich an und wuschelt mir durch die Haare – ich hasse das, wenn ich gerade dabei bin, mich aufzuregen!
Im vergeht das Grinsen, als er schließlich den Keller inspiziert. „Scheiße… Hebeanlage im Arsch… Scheiße, Scheiße, Scheiße!“ Mehr verstehe ich nicht von dem, was er da vor dem Klo hockend vor sich hin murmelt. Ich sehe nur meine sechs Wäscheberge, die alle schon vorsortiert vor der Waschmaschine liegen. Allesamt sind nass. Meine Augen auch und heulend fange ich an, die Wäsche auszuwringen, während mein Mann den Keller trocken legt. Immer, aber auch wirklich immer geht pünktlich zum Weihnachtsfest irgendetwas kaputt. Der Kühlschrank, die Waschmaschine, die Heizung, die Lichterkette vom Weihnachtsbaum… und in diesem Jahr ist es eben die Hebeanlage. Ich sollte mich wohl langsam daran gewöhnt haben.
Als wir eine halbe Stunde später fertig sind und ich meine Küche betrete, halten die Mädchen mir strahlend die riesige Kugel Mürbteig unter die Nase. Hilfe! Ich will nicht backen! Ich will auf mein Sofa und mich unter meiner flauschigen Decke verkriechen! Ich will einfach nichts mehr sehen und nichts mehr hören, aber weil ich eine liebe Mama mit einem sonnigen Gemüt bin, lächele ich tapfer und nur der Hund würde es wohl als Zähnefletschen deuten. Ich krame die Ausstechförmchen und die Teigrolle hervor und fröhlich Weihnachtslieder trällernd fangen die Mädchen an, den Teig auszurollen und Plätzchen auszustechen, was das Zeug hält.
Während sich das Blech mit Schaukelpferdchen, Herzchen, Monden, Glocken, Pilzen und Sternen füllt, entspanne ich mich wieder ein bisschen und weil seit dem letzten Jahr unsere Tannenbaum-Form fehlt, fange ich an, mit einem kleinen Messer ein paar Weihnachtsbäumchen auszuschneiden. Zwischendurch genehmige ich mir immer wieder ein Schlückchen von diesem leckeren trockenen Rotwein. Die Flasche ist leer, noch bevor ich das letzte Backblech aus dem Herd hole.
Dann geht es ans Dekorieren der Plätzchen. Als ich sehe, wie pingelig die Mädchen die Pferdchen bemalen und die Bäumchen mit bunten Kügelchen und silberfarbenen Streuseln dekorieren, kann ich mir ein Lächeln nicht verkneifen. In dem Tempo werden wir zwar morgen früh noch nicht fertig sein, aber ich selbst ertappe mich dabei, mich geschlagene fünf Minuten an einem Keks aufzuhalten. Es macht Spaß und ich bin richtig glücklich, weil ich in diesem Jahr erstmalig nicht nach einer halben Stunde allein in der Küche sitze, weil die Kinder keine Lust mehr haben.
Nach zwei Stunden tummelt sich auf unserem Küchentisch eine riesige Pferdeherde und dazwischen liegen bunt geschmückte Weihnachtsbäumchen, Pilze und all die anderen kunterbunten Plätzchen, die - wie jedes Jahr - in Null-Komma-Nix in den Bäuchen meiner Kollegen oder in denen der ewig hungrigen Reiter landen. Macht nichts, denn ich genieße in Gedanken schon mal die Lobeshymnen der Süßschnäbel…
Den Tag beschließe ich in feucht-fröhlicher Nachbarschaftsrunde mit etlichen Bechern Glühwein und ich kann den Kummer über meine Weihnachtsbescherung vergessen. Erstmal. Am nächsten Morgen geht es mir schlecht und während ich stöhnend die Wäsche in die Waschmaschinen meiner Nachbarinnen stopfe, nehme ich mir fest vor, nie wieder in meinem Leben Alkohol zu trinken!!! Einen Vorsatz, den ich schon am gleichen Nachmittag wieder vergesse. Der Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt schmeckt doch immer wieder lecker! ;o)
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Und weil schon wieder eine Woche vergangen ist, sind nicht mehr viele Plätzchen übrig…

Signatur Sei nicht traurig, wenn etwas vorbei ist - sei froh, dass es gewesen ist...
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