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DRACHENSCHMIED unregistriert
| Erstellt am 15.10.2009 - 16:33 |  |
Hallo !
Es war im Jahre 2009, im Sommer, ich segelte über den Greifswalder Bodden. Der Wind blies stark aus Südwest. Mein Ziel war der Zicker See- eine Bucht nördlich des Boddens. Dort wollte ich abwettern und dann auf die Ostsee zum angeln.
Im Zicker See ist eine Fahrrinne von der Zufahrt der Bucht bis zum Hafen. Auf meiner Karte war die Tiefenangabe (0,9) weit von der Fahrrinne, um Steuer- oder Backbord zu Ankern.
An der Backbordseite lag in der Höhe meines potentiellen Ankerplatzes bereits ein Boot. Das bestärkte mich dort zu ankern.
Anker über ca. 2 Meter geworfen. GPS- Ankerwache aktiviert. 35 Meter Ankertau, mit Kettenvorlauf und Bleieinlage, gesteckt. Mit dem Motor den Anker unter Vollast eingefahren.
Draußen waren etwa 0,5-1 Meter Welle.
Nach dem zweiten Bier- Ankeralarm. Ich raus, Rundumsicht und ein Blick auf das GPS- nichts ungewöhnliches.
Nach einer weiteren Stunde war es ungewöhnlich ruhig. Draußen war das Wetter wie gehabt mies. Aber trotz Welle stampfte mein Boot nicht.
Fest!
Bis Mitternacht habe ich versucht frei zu kommen. Nichts.
Zwei Tage habe ich alles versucht um frei zu kommen. Nichts.
Am Sonntag, bei viel (Segler)- Verkehr, habe ich auf dem Bug gestanden und gewunken; bis der Arm lahm war. Mein Boot lag mittlerweile auf der Backe.
Der Fischer, der jeden Morgen und Abend vorbeikam hat mein Boot wohl für ein Backenlieger-Fanclub gehalten.
Am Montag früh setzte ich dann einen pan-pan Notruf ab, mit der Hoffnung im Hafen reagiert jemand. Nichts.
Es meldete sich „Bremen rescue“.
Während ich am funken war motorten draußen zwei Segelboote vorbei. durch das Fernglas konnte ich sehen, dass scheinbar niemand mein Boot wahrnahm.
Ein Lob an die DGzRS!!
Die „Jungs“ kamen sofort. Einer der Männer ist sogar für mich ins Wasser gestiegen. Sie haben mein Boot kompetent, mit viel Sachverstand ins Tiefe Wasser geschleppt.
Während meines Befreiungs-Versuchs habe ich natürlich meine Schraube benutzt, um mich freizuspülen. Dabei habe ich hinter dem Boot ein ca. 2 Meter langes und etwa 0,5 Meter tiefes Loch gespült. Darin drei Schichten- eine Dunkle oben ca. 0,1 Meter- eine Helle ca. gleichdick- darunter eine Undefinierbare. Als geologischer Laie, und aus Erfahrung s.o., nehme ich mal an es handelt sich um Foulschlamm.
Die Seenotretter haben mich, auf meinen Wunsch hin, auf die andere Seite der Fahrrinne geschleppt- natürlich zum Ankern. Dort lag ich jetzt vor 2 Ankern. Dort lagen noch zwei Boote.
Aus heiterem Himmel kam eine Regenfront, mit viel Wind. Ich schätze mal Böen von 8. meinem Nachbarn hat es den Anker rausgerissen. Und er trieb sofort rollend ab. Er hatte mehr Glück als ich. Es war bei dem Wetter, und am Tage.
Warum habe ich das alles erzählt?
Weil ich den Spruch von der „Seemannschaft“ jetzt mit anderen Augen sehe.
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mclaus 

Status: Offline Registriert seit: 10.04.2007 Beiträge: 123 Nachricht senden | Erstellt am 15.10.2009 - 23:22 |  |
Hallo Kalle,
das passiert den Besten und wenn man daraus die Erfahrung zieht und niemandem etwas koerperlich passiert ist, ist es ja okay. Ich hab mit meiner "Sail La Vie" schon etliche Segler auf Grund "gelockt", denn bei 41' hab ich nur 4' Tiefgang...
Hier im Land der unbegrenzten Moeglichkeiten braucht man keinen Fuehrerschein, keinen Qualifiaktionsnachweis, nur Geld und dann kann man kaufen was man glaubt bewaeltigen zu koennen. Auf Grund laufen, oder -sitzen, ist so normal, dass es hier 2 Organisationen gibt - TowBoat US und SeaTow, da zahlt man so ca $ 100,00 Jahresbeitrag und wenn man dann auflaeuft (oder einem sonstwas fehlt) ruft man sie einfach auf Kanal 16 an, sagt wo man ist, und schon kommen sie mit der Schleppleine und runter ist man...
Und das kostet dann ja auch weiter nichts, also ist der durchschnittliche Wasser'sportler' hier auch nicht sonderlich navigationsinteressiert.
Auf die Jungs von der DGzRS kann man sich immer verlassen. Als ich noch in Bremen wohnte und die Wochenenden auf Helgoland verbracht habe, gingen die immer mit uns raus, dh von Helgoland in die Wesermuendung, wenn es draussen etwas ruppiger war. Da ja alle immer die Tide kriegen mussten, sind die meisten Segler zu ungefaehr derselben Zeit ausgelaufen, und die "Wilhelm Kaisen" (war das damals) immer parallel zum Rudel. Gibt einem doch Sicherheit, denn die Nordsee ist ja nicht immer ganz einfach.
Wie gesagt, eine tolle Organisation und meine erste Frau arbeit immer noch fuer die DGzRS in Hamburg!
Die Rettungsleute riskieren Kopf, Kragen und manchmal Leben, um Leute wie uns zu retten, wenn sonst keiner mehr rausgeht und das finde ich toll.
Wir wissen das Alle, aber ich wollte es trotzdem mal sagen/schreiben !
Signatur fair winds and following seas
Michael
SY "Sail La Vie"
TO-Stuetzpunkt Miami, Florida |
DRACHENSCHMIED unregistriert
| Erstellt am 16.10.2009 - 14:56 |  |
hallo michael,
glaub mal nicht, dass es in deutschland sooooo schön ist.jedes mal, wenn sie dich retten- kostet das 250,--€.
ist denn die "seemannschaft" in der neuen welt besser als bei uns?
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mclaus 

Status: Offline Registriert seit: 10.04.2007 Beiträge: 123 Nachricht senden | Erstellt am 16.10.2009 - 18:10 |  |
Kalle,
das mit dem bezahlen kannte ich nich garnicht, aber trotzdem.....
Seemannschaft in der Neuen Welt? Also es gibt hier eine Menge toller Segler, die haben Alles drauf, egal ob Weltumseglung, Arctic/Antarctic Toerns oder Regatten oder der 'normale Wochenendsegler'. Aber hier gibt's natuerlich auch ein paar mehr Segler als in Deutschland. Der durchschnittliche Segler hier ist eher weniger ausgebildet. Das kommt daher, weil sich Leute Boote leisten koennen, auch kaufen, und nie nicht irgendeine Qualifikation vorweisen muessen.
Hier geht jetzt so langsam die Wintersaison los, dh viele Canadians und Segler aus dem Nordosten der USA verziehen sich nach hier wg des Wetters und dann liegen viele zb in Key Biscayne und warten auf ein Wetterfenster, um in die Bahamas zu gehen - Bimini, die westlichste der Inseln ist 48 sm weg. Wetterfenster heisst, moeglichst kein Wind, denn ueber den Golfstrom motoren ist "sicherer". Wenn ich sie anspreche und sage, Nord 15-20 kn, Traumbrise um nach Osten zu gehen, verweisen sie auf den Seegang 8-10' im Golfstrom und warten weiter auf das Wetterfenster.
Ich meine, okay das ist Seegang, aber die Gischt kommt mit + 26-30 Grad ins Gesicht!
Gut, nun will ich mich daruber nicht lustig machen, denn Vorsicht ist besser als Schiffbruch zu erleiden. Was ich damit sagen will ist, die Standards snd bei den Durschnittsseglern nicht so hoch wie zb bei uns zu Hause. Schoene Kameradschaft ist das hier trotzdem, unter Seglern, Motorbootfahrer in den USA sind eine andere Gattung und extrem ruecksichtslos, obwohl mein Admiral (meine Frau) immer sagt, "die wissen es einfach nicht besser" und ich denke, sie hat Recht.
Signatur fair winds and following seas
Michael
SY "Sail La Vie"
TO-Stuetzpunkt Miami, Florida |
DRACHENSCHMIED unregistriert
| Erstellt am 16.10.2009 - 22:43 |  |
hallo michael,
wie ich sehe, ist es ziemlich egal, wo auf dem wasser man sich bewegt.
irgendwann (in ca. 4jahren) komme ich dich besuchen. die karibik ist meine herausforderung.
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mclaus 

Status: Offline Registriert seit: 10.04.2007 Beiträge: 123 Nachricht senden | Erstellt am 17.10.2009 - 23:02 |  |
Hallo Kalle,
immer willkommen!
Es gibt ein paar schoene Plaetze hier....
Signatur fair winds and following seas
Michael
SY "Sail La Vie"
TO-Stuetzpunkt Miami, Florida |
Kos 

Status: Offline Registriert seit: 06.11.2009 Beiträge: 1 Nachricht senden | Erstellt am 06.11.2009 - 19:23 |  |
Das mit den 250 Euro ist mir vollkommen neu. Bisher waren Hilfeleistungen durch die DGzRS kostenlos. Sie baten hinterher hoechstens um eine freiwillige Spende.
Mich haben sie jedenfalls vor Warnemuende ohne Kostenrechnung in den Hafen geschleppt, weil ich mich einhand und mit Motorschaden nicht traute, unter Segel anzulegen. Die Hilfe habe ich auch als aeusserst kompetent empfunden.
Gruss
Kos
P.S. Solange ich noch in DE lebte, war ich auch Foerdermitglied der DGzRS.
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DRACHENSCHMIED unregistriert
| Erstellt am 06.11.2009 - 23:47 |  |
hallo kos,
nach der bergung habe ich ein papier(bergung erfolgt etc.)unterschreiben müssen. daraufhin habe ich die jungs gefragt, was mich das denn jetzt kostet.
antwort: 250,-- teuro!
später habe ich in der home page des dgzrs nachgesehen.
du musst schon richtig tief graben, um die info zu finden.
korrekter weise muss ich sagen, bis dato habe ich noch keine zahlungsaufforderung bekommen.
an alle leser: das ist hier keine kritik, sondern nur info.
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Wolfgang 

Status: Offline Registriert seit: 04.11.2005 Beiträge: 111 Nachricht senden | Erstellt am 06.11.2009 - 23:56 |  |
Hallo Kos,
die Hilfe der DGzRS war schon immer kostenpflichtig, es sei denn, es geht um´s nackte Leben!
Rettung von Sachgütern ist (m.E. auch zu Recht) auch bei der DGzRS "gebührenpflichtig".
Gruß
Wolfgang
Signatur www.katamaran-blueliner.de |