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besucherin unregistriert
| Erstellt am 28.12.2008 - 11:10 |  |
Müde war er, es war alles so anstrengend.
Es hat auch schöne Zeiten gegeben, wo dass ganze Land froh und munter war.
Aber die Tiefschläge waren herb, und überall.
Hunger, Katastrophen, Mord und Totschlag.
Seine Zeit war beinahe um, als er noch mal alles Revue passieren ließ.
Seine Nachfolger stand schon ganz ungeduldig am start, unschuldig und neugierig, was alles kommt.
Er wusste, dass der Nachkömmling gefeiert wird, wie er auch vor 365 tagen.
Er dachte nach, was aus dem ganze gute Vorsätze geworden ist, die man bei seiner Ankunft fasste.
Ob die verwirklicht wurden?
So viel passt in 365 tage rein, so viel böses, gutes, trauriges und schönes.
Der Neuling wird es noch nicht wissen, und er kann es nicht weitergeben.
Der wird auch an folgen, was er hinterließ zu leiden haben, aber auch Freude erleben, hoffte er.
Er war müde, er hatte ja nur noch knapp 4 tage zeit.
Leise wird er gehen, und dass Freudenlärm den neuen überlassen.
Er geht Heim in der große Zeit, wie so viele schon vor ihm.
Ob die Menschen aus seine vergangene 365 tagen was gelernt haben???
© by J.B.
[Dieser Beitrag wurde am 29.12.2008 - 06:20 von besucherin aktualisiert]
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Lavida 

Status: Offline Registriert seit: 14.12.2006 Beiträge: 3915 Nachricht senden | Erstellt am 28.02.2009 - 12:09 |  |
Nun gut, Du hast gewählt!
Die Erinnerung ist Dir offensichtlich eine wichtige Gegenwart geworden.
Es gäbe aber noch genug Gegenwart zu erleben. Erinnerung ist noch nicht notwendig.
Außerdem: Ich brauche keine »Erinnerung an einen jugendlichen Helden«.
Ich brauche einen Vater.
Und egal wie alt, wie zusammengehutzelt oder klapprig.
Einen Vater.
Glaubst Du ernsthaft, ich könnte Dir nicht Deine Gebrechlichkeit vergeben! Und ich würde mich nicht erbarmen ob eines alten Vaters???
Es zieht Dich sehr nach der »Zeit jenseits der Sterne«.
Normalerweise brauchen die Kinder den Segen der Eltern, wenn sie ihr Leben hinausziehen. So viele Märchen berichten von dieser wichtigen Wahrheit.
Hier ist es kurioserweise andersherum.
So will ich Dich denn mal gehen lassen! Wenn es so sehr Dein Wunsch ist.
Dort warten auch schon ein paar Leutchen auf Dich. Sie hatten lange Zeit zum Beobachten. Ich denke, dass besonders Dein Vater ein paar Fragen an Dich hat. Ihm wirst Du Dein Leben erklären müssen.
Ich habe verstanden, dass Du mir nicht hilfst.
Ich werde mit Dir keine Diskussionen mehr führen.
Davor hättest Du Dich nicht zu fürchten brauchen.
Das wird en anderer für mich übernehmen.
Daher kann ich so ruhig sein und Dich, ruhig gehen lassen.
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<Johannes> unregistriert
| Erstellt am 06.03.2009 - 19:21 |  |
Auch ein Abschied
Du räumst deinen Schreibtisch aus,sprichst mit deinem Nachfolger.
Überreichst Unterlagen, erklärst fachlich notwendige Fakten.
Höfliche Worte, sachliche Worte.
Mine cool, beherrscht, nur keine Verwundbarkeit zeigen!
Gibst allen Mitarbeitern die Hand:
Ein rasches, kurzes Schulterklopfen für ein paar Auserwählte.
Du bist freundlich, fair, ein guter Verlierer.
Du kennst die Spielregeln, du halst dich daran. Auch jetzt noch. - Jetzt gerade! - Jetzt erst recht!
Du füllst den Aktenkoffer.
Sie stehen um dich herum. Starre Masken, Augen wachsam und lauernd, Wolfsaugen.
Einige beklommen, etwas hilflos, Mitleid im Blick.
Mitleid? Du willst kein Mitleid!
Fühlst Zorn in dir aufsteigen, zum ersten Mal. Hilfloser Zorn, heiß, brennend, nach Galle schmeckend.
Darfst es nicht zeigen, schluckst es hinunter.
Du warst wie sie. Nichtbesser, nichtschlechter. Wolf unter Wölfen.
Ein Leitwolf: Listig, klug, ein wenig einsam.
Du öffnest die Tür. Es gibt nichts mehr zu sagen. Aufrecht gehst du, Kopf hoch!
Immer hoch den Kopf! Jetzt erst recht!
Sie beobachten dich,du spürst es.
Du siehst dich nicht um, kennst die Regeln, die Spielregeln.
Du warst ein guter Spieler. Immer nach außen hin ehrlich, Augen offen und klar, unterm Tisch wird gemogelt.
Du spieltest wie alle, mal besser, mal schlechter.
Aber du beherrschtest die Spielregeln, immer. Immer?-Warum dann dieser bittere Geschmack auf der Zunge, und warum hat deine Sekretärin feuchte Augen?
Du gehst über den Parkplatz. Langsam gehst du, ohne Eile, weil du weißt, sie sehen dich noch immer, wollen sehen, wie du die Bühne verläßt.
So sind die Regeln, die Spielregeln!
Du schließt den Wagen auf, ruhig, sicher, kontrollierst jede Bewegung, denn noch ist es nicht vorbei, nein, noch nicht...
Noch hast du die Bühne nicht verlassen, die große Schaubühne, noch ist der Vorhang nicht gefallen. Und du spielst deine Rolle. - Du spielst gut. - Spielst auch diese Rolle perfekt - Diese Rolle, für die es niemals Applaus gibt.
Du steigst ein, läßt den Motor an. - Du rollst vom Parkplatz, machst deinen Platz frei.
Du wurdest abgewählt. Du, der Politiker. - Beherrschter Herrscher. -Besiegter Sieger. - Betrogener Betrüger. - Ein Mensch.
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<Johannes> unregistriert
| Erstellt am 08.03.2009 - 08:18 |  |
Auch ein Abschied
Er ist gesprungen. Hinunter in die Tiefe. Ich habe es am Fenster mit angesehen. Jetzt sehe ich seine gekrümmte Gestalt auf dem Bürgersteigliegen.
Kein schöner Anblick. Wer blickt schon gern in ein Gesicht, das keine menschlichen Züge mehr hat. Arme und Beine von sich gestreckt, wirkt er wie einer, den man ans Rad gebunden hat, oder wie Christus, der am Kreuz gestorben ist.
Ich schlucke die Ohnmacht hinunter, die mich immer überkommt, wenn ich dem Tod in dieser Form begegne.
Dieser Tod hat nichts an sich, von Frieden und Ruhe sanft. Da unten liegt ein Mensch, ein Mensch, der das Ende gesucht hat.
Ein Nachbar. Einer, dem man manchmal auf dem Flur oder im Treppenhaus begegnet ist.
Einer von uns. Ein Sprung in die Tiefe, als Abschluß des Lebens.
Ich kann nicht atmen. „Können Sie das verstehen?" fragt mich eine Frau, die im dritten Stock wohnt. Und eine andere: „Aber er war doch immer so nett Konnte keiner Fliege etwas zuleide tun..."
Ein Gemisch aus Mitleid und Ekel steigt in mir hoch.
Wohnkästen - vierundzwanzig Wohnungen. Und jeder lebt für sich allein, hinter vierundzwanzig verschlossenen Türen. Eine Gesellschaft, die sich einschließt.
„Man hat ihn aber auch so selten zu Gesicht bekommen." „Ein ganz verschlossener Mensch. Das war er." Ich lebe in einer Welt, in der die Nachbarn alle Türen verschließen.
„Der hatte doch überhaupt keine Freunde." Und sowas muß in unserem Haus passieren, hier wohnen doch nur anständige Leute."
Es wird getuschelt, geraunt, geflüstert.
„Neulich sah ich ihn noch..." „...Aber ja doch. Er war ein Sonder ling..." So ist sie, die Wohlstandsgesellschaft. Und ich beziehe mich mit ein. Auf den Fluren streift man sich kühl und ohne Gedanken. „Ich habe nie ein einziges Wort mit ihm gewechselt. Man hat ja auch mit sich selber genug zu tun." „Er war aber auch immer so abweisend." Ich blicke in ein stark gepudertes Gesicht und sehe die strenge Form der Augenbrauen. „Ja, ja", erwidere ich nur und setze mich ab.
Früh gehe ich aus dem Haus, am Abend schließe ich meine Wohnungstür auf und verriegele sie hinter mir. Bin ich anders als die anderen...? Abschirmen, immer abschirmen. Distanz bewahren!
Es könnte einer kommen, der mich braucht.
Heute ist einer in den Tod gesprungen. „Er soll ja in einem Büro ... aber mehr weiß ich auch nicht."
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Ingeborg 

Status: Offline Registriert seit: 08.12.2008 Beiträge: 754 Nachricht senden | Erstellt am 08.03.2009 - 08:29 |  |
Es liegt an jedem Einzelnen, ob er sich
bekannt macht.
Als ich vor fünf Jahren hier einzog, begrüßte
ich jeden Nachbar, der gerade vor dem Haus
hantierte.
Viele freuten sich, meinten, das hat noch
niemand gemacht, einige waren etwas brüskiert,
grüßen auch jetzt noch kaum.
Doch ein kleiner Zuruf, wenn man sich begegnet,
ein kleiner Wink aus dem Auto, ein "hallo,
mich gibts noch" ist immer eine Freude.
Will sagen: Es hat jeder in seiner Hand, ob
man ihn kennen lernen darf.
Ingeborg
Signatur lasst uns wachsam sein |
Romi 

Status: Offline Registriert seit: 31.07.2007 Beiträge: 2176 Nachricht senden | Erstellt am 08.03.2009 - 08:43 |  |
So dramatisch ein solcher Freitod ist,
oftmals sind auch genetische Faktoren
mitursächlich oder auch eine psychische
Erkrankung.
Eine Ex-Kollegin von mir mit gutem finanziellen
Background, ihr Bruder ein hochangesehener Manager
in der Wirtschaft suchte eines Tages den Freitod.
Weshalb? Wie war intelligent, attraktiv, kommuni-
kativ und perfekt. Perfekt auch im Styling. Ihr
Gesicht wirkte durch ihre Schminke maskenhaft.
Als sie eines Tages einen kleinen Altersfleck auf
ihrem Handrücken entdeckte, geriet sie in Panik.
Der Gedanke, dass sie Hautkrebs bekäme, verfolgte
sie permanent.
Kurz vor ihrem Freitod beendete ihr 85-jähriger
Vater - mit den gleichen Attributen ausgestattet
wie die Tochter - im Seniorenstift sein Leben.
Wenige Monate später ging sie über die Straße di-
rekt zu Gleisen, wo der ICE München-Nürnberg fuhr.
Keiner konnte sie aufhalten.
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