DelFina18  ~Kraine no Aikosha~
    

Status: Offline Registriert seit: 17.03.2007 Beiträge: 246 Nachricht senden | Erstellt am 19.01.2008 - 12:30 |  |
Tja... Das hier ist die Fortsetzung von EEB (Every End is also a Beginning). Es wird hiernach noch drei weitere Fortsetzungen geben. In jeder lass ich zwei Charas aus einer meiner anderen Geschichten auftauchen (wobei es hier nur indirekt zwei sind... Oi... Wenn ichs mir recht überlege, lass ich hier schon eine Person auftauchen, die erst im nächsten Teil auftauchen sollte... Aber das macht nichts, das weiß man dann sowieso erst im nächsten Teil )
Ich will mal noch nicht sagen, um was für Charas es sich handelt, die meisten kennt ihr sowieso noch nicht, weil sie aus SaL (Shadow and Light, auch bekannt unter Elaros oder in der langen Fassung The endless Fight between Shadow and Light, hab ich jetzt aber gekürzt...) oder WotM (Warriors of the Moon) kommen...
Nun... Gibt es noch was zu sagen? Nuja... Zu dieser Geschichte habe ich sogar ein Outtake und zwei Pannen Kann ich ja auch nochmal reinstellen... Eto... Sonst... Hab ich glaub ich nichts mehr zu sagen... Außer, dass ich die Geschichte manchmal recht langweilig fand und dass ich egtl gar keinen Plan hatte, was ich alles schreiben wollte 
Aso... Am Ende mögen noch einige Fragen offen sein, zum Beispiel was es mit dem einen Haus auf sich hat und dem Grün und den Fröschen... Aber das wird noch aufgeklärt im nächsten Teil, also geduldet euch ein wenig! Vermutlich dauert es auch noch ein wenig, bis ich diesen Teil schreibe, da ich erst mal SaL beenden möchte. (Wird auch langsam mal Zeit ) Aber ich kenn mich inzwischen gut genug (wie das klingt ), um zu wissen, dass ich vermutlich trotzdem bald mit der Fortsetzung anfange und SaL genau wie WotM ein wenig zur Seite schiebe... *seufz*
Ach, genug gelabert!
A Year of Celebrations 2: The Kid inside everybody
Kratos betrat das Haus. Es war niemand zu sehen, aber das war auch nicht weiter verwunderlich. Genis schlief vermutlich noch und er war sich ziemlich sicher, dass er Raine in ihrem Lieblingszimmer finden würde: in ihrer eigenen kleinen Bibliothek. (Ich beneide dich, Raine… XDDD)
Als er das Zimmer betrat, stand Raine gerade vor einem Regal und schien angestrengt nach einem bestimmten Buch zu suchen.
„Raine, wie oft muss ich dir noch sagen, dass du dich nicht überanstrengen sollst?“, seufzte Kratos.
„Kratos, ich lese doch nur! Das ist wohl kaum eine Überanstrengung!“, wandte Raine ein.
„Hör mal, wenn du dich draußen auf eine Liege legen würdest und einen Roman lesen würdest… Das wäre ja in Ordnung. Aber du springst ständig auf und suchst nach irgendwelchen Büchern mit komplizierten Zeichen und Symbolen, um irgendeine Inschrift eines seltenen Artefakts zu übersetzen! Dabei sollst du dich doch schonen!“
„Aber…“, setzte Raine an, aber Kratos unterbrach sie mit einem sanften Kuss.
„Keine Widerrede, Raine. Du legst dich jetzt draußen hin und genießt die Sonne.“
Raine seufzte ergeben und schmiegte sich in Kratos’ Arme. „Also gut… Hast du alles vorbereitet?“
Kratos nickte. „Jetzt muss Genis nur noch aufwachen.“
„Wollen wir mal hoffen, dass er sich nicht allzu lange Zeit lässt, sonst schmilzt die ganze Schokolade…“
Raine legte sich also draußen auf eine Liege, wie Kratos es gewollt hatte.
„Ich habe für dich übrigens auch noch ein Überraschungs-Ei“, meinte Kratos und gab ihr ein riesiges aufklappbares Ei.
„Vanilleeis mit sauren Gurken! Oh, danke, Kratos! Das kann ich jetzt gut gebrauchen!“ Sofort fing sie an, das Ei leer zu futtern.
Kratos erstaunte es immer wieder, dass ihr diese merkwürdige Mischung so sehr schmeckte, aber letztendlich war es in ihrem Zustand nichts Ungewöhnliches.
„Raine, verschling das Essen nicht so, sonst verschluckst du dich noch womöglich…“
„Ach was!“ Raine mampfte weiterhin genüsslich das saure Gurken-Eis-Gemisch.
Kratos seufzte und schüttelte nur den Kopf.
„Hmm… Waf if daff denn?“, fragte Raine verwundert und holte sie etwas kleines Metallisches aus ihrem Mund. Es war ein silberner Ring mit einem kleinen Saphir.
„Raine, willst du…“ Kratos konnte die Frage aller Fragen nicht einmal beenden, da fiel Raine ihm schon um den Hals und schrie: „JA!!! Natürlich will ich!“
In diesem Moment kam Genis aus dem Haus. „Was ist denn hier los? Hat Kratos dir ein seltenes Artefakt zum Geburtstag versprochen oder warum schreist du so vergnügt rum? Moment mal… Dieser Ring… ist das etwa…?“
Raine nickte. „Ein Verlobungsring. Kratos hat mir gerade einen Antrag gemacht!“ Sie strahlte übers ganze Gesicht.
„WAAAS?! Das ist ja großartig! Herzlichen Glückwunsch! Das muss ich sofort Lloyd erzählen!“ Der weißhaarige Junge drehte sich um und wollte losrennen, aber Kratos fragte: „Warte, was ist jetzt mit deinen Ostereiern?“
„Du hast sie doch wohl nicht etwa versteckt, oder?“, fragte Genis verwundert.
„Aber das wolltest du doch!“, meinte Raine.
„Ich bin doch schon längst aus dem Alter raus! Ostereier suchen ist doch was für Jüngere! Ich geh dann jetzt zu Lloyd.“ Schon war Genis verschwunden.
Raine seufzte. „Vor einer Woche hat er doch noch gesagt, wir sollen die Eier verstecken…“
„Vielleicht hat es ja was mit Presea zu tun“, vermutete Kratos.
„Ja, das ist gut möglich…“ Raine umarmte Kratos. „Ach, Kratos, ich bin so glücklich!“
Kratos küsste sie. „Das will ich doch hoffen. Ich hoffe, unsere Kleine ist auch glücklich.“ Er streichelte sanft Raines Bauch.
„Ich bin ja immer noch der Ansicht, es wird ein Junge“, meinte Raine lächelnd.
Kratos schüttelte den Kopf. „Ein Mädchen. So schön wie ihre Mutter…“
„… und so stur wie ihr Vater, oder wie?“, lachte Raine.
„Nein, die Sturheit erbt sie von uns beiden“, behauptete Kratos lächelnd.
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„LLOYD!!! COLETTE!!!“, rief Genis aus vollem Hals und lief auf das Haus der beiden in vollem Karacho zu. Kurz bevor er ankam, stolperte er und lief gegen die Wand. „Au…“
„Genis, ist alles in Ordnung?“, fragte Colette, die aus dem Haus kam.
„Alles bestens“, meinte Genis grinsend. „Ich muss euch supertolle Neuigkeiten verkünden!“
„Komm doch rein, Lloyd sucht gerade nach seinen Ostereiern…“
Genis sah Colette verwundert an. „Er macht das immer noch?!“
Colette zuckte mit den Schultern. „Ja, warum denn nicht?“
Als Genis das Haus betrat, sah er Lloyd unterm Tisch kriechen, wo er nach Ostereiern suchte. Genis lachte laut los. „Und dabei dachte ich, du seiest erwachsen!“
„Bin ich doch auch…“, meinte Lloyd, ohne unter dem Tisch hervorzukommen.
„Anscheinend ja nicht, sonst würdest du wohl kaum immer noch nach Ostereiern suchen!“
„Mir macht es halt Spaß… Aber weswegen bist du eigentlich hier?“, wollte Lloyd wissend.
„Ach ja! Kratos und Raine wollen heiraten!“, platzte Genis heraus.
„Was?!“ Lloyd richtete sich auf und vergaß dabei, dass er immer noch unterm Tisch hockte, so dass er sich den Kopf stieß. „Au… Sie wollen wirklich heiraten? Das wurde ja auch mal langsam Zeit… Wie geht es Raine überhaupt?“
„Super! Nun ja, sie isst immer noch wie ein Scheunendrescher, vor allem diese komischen Sachen wie Vanilleeis mit sauren Gurken, aber immerhin geht ihre morgendliche Übelkeit langsam zurück.“
Colette nickte. „Ja, jetzt fängt langsam die etwas erholsamere Phase an…“
„Wo ist denn Anna?“, fragte Genis neugierig.
„Die schläft gerade“, antwortete Colette.
„Boah, ich kann es gar nicht mehr erwarten, bis ich Onkel bin!“, rief Genis aufgeregt.
„Nun, im Prinzip bist du ja mein Onkel…“, bemerkte Lloyd, der sich immer noch den Kopf rieb.
„Richtig! Wie geht es denn meinem Neffen heute so?“, fragte Genis und zwickte Lloyd zum Spaß in die Wange. „Warst du heute auch schön brav?“
Lloyd schüttelte Genis ab. „Du führst dich auf wie eine alte Oma, nicht wie ein Onkel, Genis…“
Genis lachte. „Hey, was haltet ihr davon, wenn wir den anderen die Neuigkeit verkünden?“
Colette klatschte begeistert in die Hände. „Das ist eine tolle Idee! Warum laden wir sie nicht auch gleich noch ein? Ich finde, wir sollten Ostern auch gemeinsam feiern…“
„Ja, aber diesmal machen wir es dann bei uns zu Hause. Ich bin mir sicher, Kratos und Raine haben nichts dagegen“, meinte Genis.
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„Kommt nicht in Frage“, sagte Kratos, als Genis ihm von seiner Idee erzählte.
„Was?! Aber warum nicht?!“
„Raine braucht so viel Ruhe wie möglich. Außerdem haben wir doch gar nichts vorbereitet. Unser Essen reicht nicht für alle.“
„Bis auf den ersten Punkt hat Kratos Recht. Wenn wir das eher gewusst hätten, hätten wir noch alles vorbereiten können, aber jetzt haben die Läden geschlossen…“, meinte Raine.
Kratos verdrehte die Augen. „Warum leugnest du immer, dass du Ruhe brauchst?“
„Weil ich mich super fühle, Kratos. Ich bin erst im dritten Monat und noch nicht hochschwanger!“
„Man kann nie vorsichtig genug sein…“, murmelte Kratos.
Genis seufzte ungeduldig. „Hallo, können wir jetzt zum eigentlichen Problem zurückkommen?! Vielleicht kann Regal ja was zu essen mitnehmen! Ich denke, er hat neulich ein Restaurant eröffnet?“
„Da muss er aber ganz schön viel mitnehmen. Immerhin haben wir mindestens vier Personen unter uns, die vier Mammuts am Stück verschlingen könnten, wenn es sie noch gäbe… Lloyd, Zelos, Yuan und…“
„Raine“, beendete Genis den Satz.
Raine verpasste beiden eine Kopfnuss. „Ihr wisst genau, dass ich nichts dafür kann!“
Genis kicherte, dann wurde er wieder ernst und versuchte noch einmal, die beiden von seinem Vorhaben zu überzeugen. „Ich bin mir sicher, es ist für Regal kein Problem, so viel Essen mitzubringen. Außerdem haben wir die anderen seit Silvester nicht mehr gesehen!“
„Mit Ausnahme von Lloyd, Colette und Anna, die gleich um die Ecke wohnen, Presea, die inzwischen so oft hier ist, dass sie eigentlich auch gleich einziehen kann…“, bemerkte Kratos und bei der Erwähnung von Preseas Namen lief Genis rot an, „… und Yuan, der erst vor ein paar Tagen hier war. Blieben also nur noch Sheena, Zelos und Regal.“
Genis biss sich auf die Unterlippe und dachte angestrengt nach, bis ihm ein neues Argument in den Sinn kam. „Aber wir müssen doch eure Verlobung feiern!“
Raine winkte ab. „Ach, weißt du… Ich mag es nicht, wenn so viel Trubel um mich gemacht wird…“
Kratos stimmte ihr zu. War ja klar. Genis seufzte genervt. Warum mussten beide bloß so sturköpfig sein? Und warum schienen sie die anderen nicht sehen zu wollen? Sollte man Ostern nicht auch mit Freunden und Familie feiern, so wie andere Feste auch? Selbst wenn nicht, so war die Verlobung der beiden immer noch Grund genug, die anderen einzuladen. Und wenn die beiden es auch nicht wollten, er würde es trotzdem tun.
„Also gut, dann eben nicht!“ Beleidigt ging Genis nach draußen, schwang sich auf seinen Rheaird und flog zum Stützpunkt der Abtrünnigen in Triet, wo er Yuan um Hilfe bitten wollte.
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Yuan seufzte unaufhörlich. Sein Kopf lag träge auf dem Tisch und er schaute wie gebannt auf die kleine Uhr, die vor ihm stand. Es war kurz nach Mittag und noch immer war sie nicht zurück. Er machte sich langsam Sorgen. Aber wem auch immer er diese Sorgen mitteilte, er wurde nur ausgelacht.
„Lord Yuan, Sie machen sich doch sonst nicht so viele Sorgen!“, hieß es immer.
Aber verdammt, bei dieser speziellen Person machte er sich nun einmal Sorgen! Sie war neu, hatte noch nicht so viel Erfahrung, war wunderschön, intelligent, selbstsicher… Yuan seufzte laut. Und er hatte sich in sie verliebt. Vom ersten Moment an, als er in ihre kastanienbraunen Augen gesehen hatte, war er verzaubert gewesen… Er erinnerte sich noch so gut da dran, als wäre es erst gestern gewesen… Was auch nicht weiter verwunderlich war, da es wirklich nur ein paar Tage zurücklag.
Als Yuan zu Besuch bei Kratos, Raine und Genis war – aus keinem bestimmten Grund eigentlich, er wollte nur sehen, wie es den dreien, besonders Raine, ging – zerrte Kratos ihn schon nach kurzer Zeit nach draußen und flog mit ihm nach Triet. Dort wollte er Kleidung für das Kind kaufen, das unterwegs war. Als ob der Schrank nicht langsam voll genug wäre! Er musste bald platzen, bei der vielen Kleidung, die er aufbewahren sollte. Dabei würde das Kind noch ein halbes Jahr brauchen, um zur Welt zu kommen. Vermutlich musste Kratos bis dahin auch noch zusätzliche Schränke kaufen…
Yuan verstand seinen besten Freund einfach nicht. Dass er sich auf das Kind freute, war logisch und dass er alles schon vorbereitete, war löblich, aber Kratos übertrieb es langsam! Noch dazu war Kratos unglaublich redselig geworden, aber natürlich gab es bei ihm nur das eine Thema: das ungeborene Baby. Würde es ein Junge werden oder ein Mädchen? Würden die Haare rot werden oder weiß oder eine Mischung aus beidem? Wäre das Kind eher ein Mensch oder ein Halbelf? Würde es lernen, mit dem Schwert zu kämpfen oder mit dem Stab? Würde es sich auf Heilmagie spezialisieren oder ebenfalls auf Angriffsmagie?
Und jeden Tag kam Kratos mit neuen Fragen an, über die er diskutieren wollte, egal mit wem. Er scheute sich nicht einmal mehr davor, fremde Leute zu fragen! Ja, genau, gerade er, Kratos Aurion, der vorher immer so verschlossene Schwertkämpfer, verkündete nahezu der ganzen Welt, dass er Vater wurde!
Es war Yuan langsam peinlich, sich mit diesem Mann in der Öffentlichkeit sehen zu lassen. Aber Kratos schaffte es immer wieder ihn mitzuschleppen. Heute also nach Triet. Um wieder einmal Kleidung zu kaufen.
Yuan seufzte. Wenn Kratos jetzt schon so euphorisch war, wie würde es dann erst sein, wenn das Kind da war? Yuan konnte, besser gesagt, wollte es sich gar nicht ausmalen. Kratos’ momentaner Zustand reichte ihm.
Insgeheim plante er sogar schon, zur Geburt des Kindes irgendwohin zu reisen, wo niemand und schon gar nicht Kratos ihn finden konnten. Andererseits… hatten Kratos und Raine ihn zum Patenonkel erklärt. Außerdem wollte er das Kind ja auch sehen… Und irgendjemand musste es immerhin vor der erdrückenden Liebe des Vaters schützen.
Auch, wenn Lloyd es vermutlich anders sah, aber im Grunde hatte er Glück gehabt, dass Kratos ihn nicht hatte aufziehen können. Wer weiß, was für eine Person er jetzt sonst wäre…
Nein, Yuan musste bei dem Kind bleiben und ihm Beistand leisten. Und vielleicht musste er auch versuchen, Kratos ein wenig zur Vernunft zu bringen. Wahrscheinlich war sogar heute der Tag gekommen, an dem er mit dieser schweren Arbeit anfangen konnte.
Mit großer Zuversicht, diese Arbeit bewältigen zu können, merkte er, dass sie Triet erreicht hatten. Sie landeten mit den Rheairds vor den Stadttoren und begaben sich auf den Markt.
Gerüche von verschiedenen Gewürzen, Töpferläden an jeder Ecke, Tuchverkäufer mit den feinsten Stoffen und Stände mit exotischer Kleidung – das alles machte den Markt von Triet aus.
Kratos stürmte natürlich sofort auf einen der Kleidungsstände zu.
„Yuan, sieh dir das an! Das ist doch perfekt, findest du nicht? Das kann sowohl ein Junge als auch ein Mädchen tragen!“, rief Kratos begeistert und hielt einen roten Strampelanzug aus Seide in den Händen, der mit Sicherheit ein Vermögen kostete.
„Kratos, ich würde nicht…“ Aber Yuan kam gar nicht zu Wort, weil Kratos sich längst mit dem Verkäufer beschäftigte und ihm sofort erzählen musste, dass er Vater wurde.
Während Kratos also vom Verkäufer in Sachen Babymoden beraten wurde, beschloss Yuan, sich selber ein wenig auf dem Markt umzusehen. Sein Freund schwebte einfach auf Wolke Sieben und diese war für Yuan unzugänglich.
Er schaute sich ein paar Töpferarbeiten an, aber es waren keine besonders Schönen dabei. Nicht, dass Yuan welche gekauft hätte… Was sollte er schon mit einer Vase oder einer Schale? Blumen gab es in seinem Stützpunkt eh keine, denn er war gegen die meisten allergisch und Schalen brauchte er auch keine, denn um etwas aufzubewahren, hatte er viel neumodischere Dinge. Er wandte sich also von dem Stand ab und schlenderte weiter, als auf einmal jemand in heller Aufregung rief: „Haltet den Dieb!“
Yuan sah gerade noch im Augenwinkel eine in ein schwarzes Tuch gehüllte Gestalt an sich vorbeirennen, als sich seine Beine schon in Bewegung setzten. Er hastete dem Dieb hinterher, hatte ihn bald eingeholt und warf ihn zu Boden.
Als er dem Dieb die Kapuze vom Kopf riss, sah er erstaunt, dass es ein Mädchen war. Lange weiße Haare umrahmten sein Gesicht, während die kastanienbraunen Augen ihn wütend anstarrten.
Der Bestohlene – ein fettwanstiger Obstverkäufer – kam inzwischen schwer keuchend angelaufen und riss dem Mädchen den Apfel aus der Hand, den es gestohlen hatte.
„Pfui Teufel!“, rief er und spuckte das Mädchen an, bevor er weg ging.
Das Mädchen wischte sich verächtlich die Spucke weg und sah Yuan fragend an. „Was ist nun, willst du bis zum Sankt Nimmerleinstag auf mir drauf liegen?!“
Yuan lief rot an und stand schnell auf. „Äh… Ähm… N-Natürlich nicht…“, stammelte er.
Verdammt, warum war er bloß so nervös? Sie war eine Diebin und seine Aufgabe als Abtrünniger war es, sie festzunehmen. (Die Abtrünnigen sind inzwischen so eine Mischung aus Polizei, Feuerwehr, Detektei und was sonst eben alles so nötig ist.) Aber von ihrem Anblick war er wie gelähmt. Sie war wunderschön… Dabei war sie bestimmt noch viel schöner, wenn sie nicht vor Dreck strotzte. Ihr war eindeutig anzusehen, dass sie auf der Straße lebte, insofern hatte sie vermutlich nur gestohlen, um endlich wieder etwas in den Magen zu bekommen. Yuan konnte sich ausmalen, wie hart ihr Leben sein musste, obwohl er nie etwas Ähnliches hatte durchmachen müssen, wenn man einmal von der Halbelfenverfolgung absah.
Er räusperte sich. „H-Hast du Hunger?“
„Nein, weißt du?! Ich habe mir gerade den Bauch voll geschlagen, wie ich es jeden Tag mache! Es ist eigentlich verwunderlich, dass ich nicht so aussehe, wie der Fettwanst vom Obststand!“, meinte sie sarkastisch. „Natürlich habe ich Hunger, sonst hätte ich wohl kaum den Apfel geklaut! Worauf wartest du eigentlich, warum verhaftest du mich nicht?!“
Yuan sah sie verwirrt an. „Woher weißt du…?“
Das Mädchen zeigte auf ein kleines Abzeichen, dass auf seinen Umhang gestickt war. „Das weißt dich somit als Abtrünnigen aus, dessen Aufgabe es ist, für ‚Recht und Ordnung’ zu sorgen. Als ob ihr wüsstet, was Recht ist…“
Dieses verdammte Abzeichen! Er hatte es total vergessen. Aber das spielte keine Rolle. Normal wurde jeder Abtrünnige, der seine Arbeit nicht korrekt ausführte, gefeuert. Zum Beispiel, wenn er eine Diebin nicht verhaftete, so wie Yuan es tat. Aber da Yuan der Anführer der Abtrünnigen war, hatte er natürlich nichts zu befürchten.
Und er konnte dieses Mädchen einfach nicht verhaften…
„Hör zu. Ich werde dich nicht verhaften. Aber ich habe Bedingungen“, sagte Yuan.
Das Mädchen zog eine Augenbraue nach oben. „Ich höre?“
„Erstens: Du gehst mit mir essen. Zweitens: Du verrätst mir deinen Namen und erzählst mir mehr über dich. Und drittens: Du arbeitest für mich. Natürlich wirst du bezahlt.“
Das Mädchen sah ihn halb erstaunt, halb misstrauisch an. „Warum solltest du so gut zu mir sein?“
Yuan zuckte hilflos mit den Schultern. Ja, warum eigentlich? Warum raste ihm das Herz so schnell und das Blut schoss ihm in die Wangen, wenn er sie ansah? Warum hatte er das Gefühl, dass sie eine wichtige Person in seinem weiteren Leben sein würde? Warum, verdammt?!
Aber das Mädchen schien sich bereits entschlossen zu haben und erwartete keine Antwort mehr von ihm. „Also gut. Aber du bezahlst das Essen. Und du musst mir deinen Namen verraten!“
Yuan lächelte. „Natürlich. Ich bin Yuan, Anführer der Abtrünnigen.“
Das Mädchen blinzelte verwundert. „Du bist der Anführer?“
Yuan nickte. „Klar, sonst könnte ich dich doch nicht so einfach einstellen.“
„Oh, ja, stimmt… Ich bin Kiya, Kiya Hiarie. Ich war höchstens mal Anführerin einer Straßenbande.“
Beide lachten und Yuan führte sie in ein kleines Restaurant, in dem ein gemütliches Ambiente herrschte.
Yuan seufzte wieder einmal. Gestern war Kiya zu ihrer ersten Mission aufgebrochen, sie sollte ein vermisstes Kind aufspüren. Zwar hatte sie Helfer dabei, aber trotzdem machte sich Yuan Sorgen. Sie waren immer noch nicht zurückgekehrt… Natürlich konnte es auch einfach daran liegen, dass sie das Kind noch nicht gefunden hatten, aber irgendetwas sagte Yuan, dass sie womöglich eher in Schwierigkeiten waren… Warum saß er dann eigentlich noch hier und wartete darauf, dass sich etwas änderte? Er sprang auf. Ja, natürlich, wenn er sich schon so sicher war, dass etwas nicht stimmte, warum hatte er sich dann nicht längst auf dem Weg gemacht, um sich davon zu überzeugen? Er wollte gerade aus der Tür stürmen, als er gegen jemanden stieß, der daraufhin zu Boden fiel.
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Genis blickte zu der Person auf, gegen die er gelaufen war.
„Genis, was machst du denn hier?“, fragte Yuan und half ihm auf.
„Du wirst es nicht glauben! Ich habe großartige Neuigkeiten!“, rief Genis aufgeregt.
Yuan sah ihn skeptisch an. „Was, ist der Schrank voller Babykleidung endlich geplatzt und Kratos ist wieder zur Vernunft gekommen?“
Genis sah ihn verwirrt an. „Äh… Nein, aber…“
„Tut mir Leid, Genis, ich habe jetzt keine Zeit.“
Der Anführer der Abtrünnigen war schon drauf und dran, aus dem Raum zu stürmen, aber Gens hielt ihn fest.
„Nun warte doch mal! Kratos hat Raine heute einen Antrag gemacht!“
„Ach, echt? Schön, schön, ich muss jetzt gehen…“
Yuan schien ihn nicht richtig verstanden zu haben, also versuchte Genis, ihm seine Worte noch einmal etwas deutlicher zu machen.
„Warte, Yuan! Hast du mich nicht verstanden?! Sie wollen HEIRATEN!“
„Ja, und? Ich meine, es war doch nur eine Frage der Zeit… Eigentlich war dieser Schritt schon längst überfällig… Nun, kann ich dann jetzt gehen?“
Genis schüttelte den Kopf.
„Unglaublich, jetzt wird man schon im eigenen Haus festgehalten…“, murmelte Yuan missmutig. „Was gibt es denn noch?! Ich habe es wirklich eilig, es geht möglicherweise um Leben oder Tod!“
„Ähm… Kannst du den anderen Bescheid geben und sie zu uns einladen? Kratos und Raine wollen das zwar eigentlich nicht, aber ich finde, Ostern und ihre Verlobung sind ja wohl Gründe genug, um zu feiern…“
Yuan seufzte. „Sprich mit Teren, meinem Stellvertreter, er wird sich darum kümmern. Ich habe jetzt wirklich keine Zeit dafür!“
Bevor Genis ihn erneut aufhalten konnte, verschwand Yuan aus dem Zimmer. Dafür betrat Teren wie gerufen das Zimmer. Genis hatte ihn schon ein paar Mal getroffen, hatte sich aber noch nie wirklich mit ihm unterhalten. Jetzt sah er den Stellvertreter fragend an. „Was ist denn mit Yuan los?“
Teren strich sich übers kurze blonde Haar, während er auf einem Zahnstocher kaute. „Weißt du… Im Stützpunkt geht das Gerücht herum, dass er sich verliebt hat.“
Genis sah ihn erstaunt an. „Verliebt? In wen denn?“
„Ein Mädchen, das er vor ein paar Tagen in Triet gefunden hat. Ihr Name ist Kiya Hiarie.“
„Hiarie?!“, rief Genis verwundert.
Teren nickte. „Kennst du sie?“
Genis schüttelte den Kopf. „Nein, aber ich kenne jemanden mit dem gleichen Nachnamen…“
„Vielleicht sind sie miteinander verwandt?“, vermutete Teren mit einem Schulterzucken. „Wie auch immer… Du wolltest doch etwas, oder?“
Genis war in Gedanken verloren, so dass er eine Weile brauchte, um zu registrieren, dass Teren ihn etwas gefragt hatte. „Äh… Was hast du gefragt?“
„Du wolltest doch etwas, oder?“, wiederholte Teren geduldig seine Frage.
„Äh… Ja. Für euch Abtrünnigen ist es doch bestimmt leichter, all unsere Freunde zu benachrichtigen, dass sie zu einer Osterfeier nach Iselia kommen sollen.“
Teren rieb sich den Kopf. „Ja, das wäre kein Problem… Aber sollen denn eure Freunde noch heute nach Iselia kommen? Ich denke, das lohnt sich schon fast nicht mehr… Außerdem würde Lord Yuan mit Sicherheit auch gerne mitfeiern, sobald er seine Angebetete wieder gefunden hat…“
Genis dachte kurz nach. „Stimmt… Dann sollen sie morgen erst kommen. Vielleicht kann ich Kratos und Raine in der Zwischenzeit ja doch noch überzeugen…“
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Kiya sah den Fleischklops verächtlich an, das ängstliche Kind beschützend an sich gedrückt. „Was willst du von diesem Kind?“ Ihre Stimme war kein bisschen ängstlich, nur eine unbändige Wut konnte man ihr entnehmen. Kiya hatte es noch nie gemocht, wenn Kinder auf irgendeine Weise ungerecht behandelt wurden. Und wenn es sich dabei um Straßenkinder handelte, wie es bei diesem der Fall war, kannte ihre Wut gar keine Grenzen mehr.
„Der Rotzbengel hat mir etwas gestohlen, das ich mir jetzt zurückholen möchte!“, grölte der massige Mann.
Der Junge zitterte und sah den Mann trotzig an. „Das habe ich nicht gestohlen! Es gehört mir!“
„Nein. Dein Vater schuldete mir noch etwas. Also nehme ich das da“, sagte der Mann und zeigte auf ein Medaillon, das dem Jungen um den Hals hing.
„NEIN!!! Niemals!“, schrie der Junge wie von Sinnen.
„Dann werde ich es mir eben mit Gewalt holen.“
Kiya stand auf. „Dazu musst du erst an mir vorbei!“ Sie wandte sich an den Jungen: „Versteck dich irgendwo.“
Der Junge erhob Einspruch. „Nein, ich bleibe hier und…“
Kiya sah ihn wütend an. „Nun verschwinde schon!“
Er nickte und verschwand durch die dichten Büsche. Kiya zog das Schwert, das sie bei sich hatte. Ihr Bruder hatte ihr vor Jahren den Schwertkampf gelehrt. Mal sehen, wie viel sie davon noch konnte. Viel wichtiger war aber eigentlich die Frage, was dieser Fleischklops drauf hatte. Sie war allein, sie hatte sich von ihren Begleitern getrennt, um weiter nach dem Kind zu suchen, während die anderen schliefen. Es war vielleicht keine so gute Idee gewesen, aber wer wusste, was jetzt sonst mit dem Kind wäre…
Der Berg von einem Mann zog keine Waffe, ihm reichte es wohl, mit den Fäusten zu kämpfen. Wahrscheinlich dachte er, sie wäre nur ein schwaches Mädchen, vor dem man keine Angst zu haben brauchte, aber darin täuschte er sich. Mit Kiya war nicht zu spaßen, wenn sie wütend war. Ihre Angriffe waren vielleicht nicht stark oder geschickt, aber sie war flink und fand immer eine Lücke in der Abwehr eines Gegners.
Kiya stürmte auf den Mann mit einem wütenden Kampfschrei zu und versuchte, eine seiner mächtigen Pranken zu verletzen. Aber er wich aus und hätte es beinahe geschafft, ihr Schwert festzuhalten, wenn sie sich nicht auf den Boden hätte fallen lassen und zur Seite gerollt wäre. Sie war flink wie eine Katze, deswegen war es auch nicht weiter verwunderlich, dass sie in ihrer damaligen Straßenbande den Namen ‚White Cat’ bekommen hatte.
Trotzdem erntete sie einen Faustschlag, als sie kurz unaufmerksam war. Ihre Lippe blutete, aber das störte sie nicht weiter. Im Kampf um das tägliche Überleben hatte sie sich oft mit anderen Straßenkindern ums Essen prügeln müssen.
Eine Faust raste auf ihren Magen zu, aber sie wich geschickt aus und wollte ihren Gegner mit dem Schwert am Bauch verwunden, aber dieser konnte der scharfen Klinge entkommen. Ihr Kampf ähnelte einem grotesken Tanz und Kiya fragte sich, wer am Ende die Oberhand haben würde.
Kiya und der Mann kämpften auf einer kleinen Lichtung im Wald und im nächsten Moment stand Kiya so ungünstig, dass sie von der Sonne geblendet wurde und nichts mehr sehen konnte. Dafür spürte sie umso deutlicher die Faust, die sich jetzt doch noch einen Weg zu ihrem Magen hatte bahnen können.
Betäubt von dem Schmerz war sie eine Sekunde unfähig, sich zu bewegen. Der Mann nutzte diese Zeit, um sie am Hals zu packen und in die Luft zu zerren. Sie ließ ihr Schwert fallen und versuchte sich von den fleischigen Händen zu befreien. Sie bekam keine Luft mehr. Panisch strampelte sie in der Luft, versuchte, den Mann zu treten und zu beißen, aber er ließ sie nicht los. War das ihr Ende? Wenigstens würde sie in einem Kampf sterben. In einem Kampf, den sie gekämpft hatte, um einen kleinen Jungen zu schützen. Es war wenigstens ein ehrenwerter Tod.
Aber wenn sie es sich recht überlegte, wollte sie noch nicht sterben. Auf einmal schoss ihr das Bild von Yuan in den Kopf. Komisch, dass sie ausgerechnet in diesem Moment an ihn dachte. Ihre Kräfte schwanden langsam und sie hörte auf, sich zu wehren. Wenn sie Yuan doch nur hätte besser kennen lernen können… Auf einmal hörte sie eine Stimme wie aus der Ferne rufen: „Lass sie los oder du wirst dir wünschen, niemals geboren worden zu sein!“
Die Stimme klang wie Yuans… Aber vielleicht war es auch nur ihre Einbildung gewesen. Im nächsten Moment umfing sie eine kühle Schwärze.
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Yuan wartete gar nicht darauf, dass der Fleischklops ihm antwortete, er stürmte gleich auf ihn zu und hieb mit seinem Doppelspeer auf ihn ein. Seine Wut verlieh ihm ungeahnte Kräfte und obwohl der Riese erstaunlich flink für seine Statur war, war es bald um ihn geschehen.
Yuan stürmte zu Kiya, die bewusstlos auf dem Boden lag. Zumindest hoffte Yuan, dass sie nur bewusstlos war.
„Kiya… Kiya! Wach auf!“, rief er und schüttelte sie an den Schultern. „Oh, bitte Kiya! Du darfst nicht tot sein! Das… darf einfach nicht sein…“
Erst jetzt kam er auf die Idee, zu überprüfen, ob sie noch atmete. Erleichtert atmete er auf, als er einen leichten Luftzug aus ihrem Mund strömen fühlte. Er wartete darauf, dass sie aufwachte, aber sie tat ihm diesen Gefallen einfach nicht. Angst machte sich in seinem Herzen breit. Was war, wenn sie doch noch sterben würde? Yuan würde es sich und Genis, der ihn ja aufgehalten hatte, niemals verzeihen, wenn Kiya starb.
Er drückte sie an sich und murmelte immer wieder: „Kiya, bitte stirb nicht…“
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Kiya war wie in Trance. Alles war verschwommen und in ihrem Kopf schwirrten die Gedanken wie wütende Wespen. Was war geschehen? Wo war sie?
Sie spürte, dass jemand sie an sich drückte und hörte diese Person zwischen Schluchzern murmeln: „Kiya… Du darfst nicht sterben… Ich… Ich liebe dich doch…“
Die Röte stieg ihr ins Gesicht, bevor sie die Worte überhaupt verstand. Ihr wurde schlagartig bewusst, dass es Yuan war, der sie an sich drückte, sie bat, nicht zu sterben und ihr gerade eben seine Liebe gestanden hatte. Was sollte sie jetzt tun? Sie war total verwirrt. Hatte Yuan seine Worte ernst gemeint? Er kannte sie doch kaum… Andererseits zweifelte sie nicht daran, dass er wirklich dachte, sie wäre kurz vorm Sterben. Und warum sonst sollte er so etwas sagen, wenn er es nicht ernst meinte? Viel wichtiger war: Was empfand sie für ihn?
Sie dachte nach und… fand keine richtige Antwort. Sie mochte ihn, er war immerhin sehr nett zu ihr gewesen und hatte ihr einen Job gegeben… Aber sie kannte ihn doch kaum…
‚Dann lern ihn besser kennen! War es nicht das, was du wolltest?’, fragte eine Stimme in ihr.
Ja, das stimmte, das hatte sie sich gewünscht, bevor ihr schwarz vor Augen geworden war. Und sie war am Leben, sie hatte die Chance dazu.
„Yuan…“ Ihre Stimme war kaum lauter als ein sanfter Windzug, aber Yuan hörte sie trotzdem.
„Kiya! Du lebst, was für ein Glück…“
Sie sah, dass er Tränen in den Augen hatte. Und als er sie jetzt so erleichtert und glücklich anschaute, breitete sich ein warmes Kribbeln in ihrem Körper aus, das die ganze Kälte der Bewusstlosigkeit vertrieb. Sie wusste nicht, was sie dazu bewog, sich vorzulehnen und ihn zu küssen, vielleicht ließ sie sich einfach von ihrem Herzen leiten.
Sie küssten sich eine Weile. Es schien so lange zu dauern und doch war es so schnell vorbei. Yuan umarmte sie. Selten hatte sie sich so geborgen gefühlt. Doch jetzt kamen die Fragen in ihr hoch und bevor sie es verhindern konnte, fanden sie ihren Weg zu ihrer Zunge.
„Wie hast du mich gefunden?“
„Das war eigentlich purer Zufall… Als ich die anderen gefunden haben, sagten sie mir aufgeregt, dass du verschwunden bist… Und dann kam dieser Junge aus dem Wald, der meinte, dass eine weißhaarige Frau für ihn gegen einen Riesen von Mann kämpfte…“
Ach ja, der Junge! Den hatte sie fast vergessen. „Wie geht es ihm?“
„Nun, soweit gut, denke ich. Ich weiß es nicht genau, ich bin ja gleich in den Wald, um dich zu suchen“, meinte Yuan und strich ihr sanft über den Rücken. „Aber in Zukunft möchte ich dich bitten, nicht so leichtsinnig zu sein und einfach abzuhauen…“
Kiya sah Yuan trotzig in die Augen. „Aber wenn ich nicht weiter gesucht hätte, wäre der Junge jetzt vielleicht tot!“
Yuan seufzte. „Und wenn ich nicht rechtzeitig gekommen wäre, wärst du jetzt vielleicht tot…“
„Aber das ist nicht der Fall. Ich fühl mich sogar ziemlich lebendig“, bemerkte Kiya lächelnd.
„Und, fühlt es sich gut an?“, fragte Yuan.
„Sehr gut.“ Sie küsste ihn solange, bis sie auf einmal ein Räuspern hörten.
Die beiden fuhren erschrocken auseinander. Vor ihnen standen die anderen Abtrünnigen, die Kiya begleitet hatten.
„Ähm… Äh… Ja… Ich… Ich denke, wir sollten zurück, oder?“ Es schien fast, als müsste Yuan sich erst einmal daran erinnern, wie man Worte bildete.
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Raine lag draußen auf der Liege und döste ein wenig. In letzter Zeit war sie oft müde. Vielleicht hatte Kratos Recht und sie musste sich wirklich öfters ausruhen. Aber sie konnte doch nicht den ganzen Tag faulenzen! Es gab Schriften, die übersetzt, Artefakte, die untersucht und Ruinen, die erforscht werden mussten. Und da konnte Raine keine Ausnahme machen, nur weil sie schwanger war! Trotzdem… Es tat auch gut, einfach mal die Füße hochzulegen und sich hin und wieder bedienen zu lassen.
Als sie verschlafen die Augen öffnete und die Sonne ihr heiter ins Gesicht schien, hörte sie auf einmal ein leises Schmatzen. Als sie sich umsah, bemerkte sie ein grün-weißes hundeähnliches Wesen, das anscheinend etwas zwischen den Büschen aß.
„Noishe!“, rief Raine und begab sich zu ihm. Jetzt sah sie auch, was er fleißig futterte: Genis’ geschmolzene Schokoladen-Eier.
Raine seufzte und schüttelte den Kopf. „Da ist er jetzt selber dran schuld… Mach ruhig weiter, Noishe…“
Sie nahm ein Geräusch wahr, das immer lauter wurde. Sie erkannte es, es war das Geräusch eines sich nähernden Rheairds. Das musste Genis sein. Nachdem er gelandet war, kam er mit einem breiten Grinsen auf sie zu. Es freute sie, dass er anscheinend gut gelaunt war, andererseits machte es sie auch ein wenig misstrauisch.
„Warum bist du denn so fröhlich?“, fragte Raine.
„Ach, warum denn nicht? Immerhin scheint die Sonne. Außerdem habe ich gehört, dass Yuan verliebt sein soll!“
Raine sah ihren Bruder verwundert an. „Echt? Ist auch besser für ihn.“
Genis nickte und betrachtete Noishe. „Hmm… Was frisst Noishe denn da?“
„Ach, nur deine Schokoladen-Eier“, antwortete Raine gelassen.
„Ach so, wenn es weiter nichts… WAS?! Noishe, geh da weg, lass das, das sind meine!!!“, schrie Genis und versuchte, Noishe wegzuzerren.
Raine lachte amüsiert. „Genis, sie sind sowieso schon geschmolzen. Ich glaube kaum, dass du das noch essen möchtest.“
Genis seufzte. „Aber ich will Schokolade…“
Aus seiner Stimme sprach der Trotz und in diesem Moment wirkte Genis trotz seines Alters wie ein kleines Kind, das etwas nicht bekam, was es sich sehnsüchtig wünschte. Genis sah sie mit einem Hundeblick an.
Raine wich zurück. „S-Schau mich nicht so an, Genis! Du weißt genau, dass ich dabei immer schwach werde…“
Aber eben genau weil Genis das wusste, schaute er sie weiterhin so an.
Raine seufzte ergeben. „Also gut, ich kaufe dir übermorgen Neue…“
„Yeah!“ Genis sprang fröhlich in die Luft. „Wo ist eigentlich Kratos?“
„Der ist drinnen und streicht das Kinderzimmer…“
„Schon wieder?! In welcher Farbe denn diesmal?!“, fragte Genis.
Raine zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Er meinte nur, es würde mir und dem Kind mit Sicherheit gefallen…“
„Dann wette ich, dass es euch oder zumindest dir ganz sicher nicht gefällt!“, lachte Genis.
„Warum das denn?“, fragte Raine verwundert.
„Weil ich denke, dass Kratos das Zimmer eher nach seinem Geschmack streicht. Und ihr habt nun einmal nicht den gleichen Geschmack. Wahrscheinlich streicht er es… giftgrün!“, vermutete Genis.
„Giftgrün? Bah! Nein, ich glaube nicht, dass Kratos die Farbe gefällt… Und wenn er das Zimmer doch so streicht, kann er sich darauf gefasst machen, es noch einmal streichen zu müssen. So eine Farbe kommt mir nicht ins Haus!“
Genis lachte laut. „Soll ich mal nachschauen?“
Raine zuckte mit den Schultern. „Von mir aus. Ich werde mich wieder hinlegen.“
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Kratos pfiff eine fröhliche Melodie, während er die Wände des Kinderzimmers strich. Er war sich ziemlich sicher, dass die Farbe Raine und dem Kind gefallen würde. Viel besser als dieses langweilige Rot davor. Rot war einfach zu… zu Rot! Und zu normal. Ein rotes Zimmer hatte doch fast jeder. (Ach ja? Davon wusste ich ja noch gar nichts XDDDD) Aber ein Zimmer in dieser Farbe hatte die Welt noch nicht gesehen. (Weißt du, Kratos, das glaube ich dir sogar… Obwohl… Nein, eigentlich stimmt das nicht XDDDD)
Die Tür wurde geöffnet und Genis trat ein. Auf einmal fing er aus heiterem Himmel zu lachen an.
„Was ist?“, fragte Kratos irritiert.
Genis brauchte erst einen Moment, bis er sich von seinem Lachkrampf erholt hatte. „Ach, nichts, nichts… Du… Du hast dich nur angemalt…“, antwortete Genis.
„Das kann schon mal passieren. Könntest du mir einen Gefallen tun und Raine noch nicht verraten, wie das Zimmer aussieht?“
Genis nickte grinsend. „Das wird ihr bestimmt gefallen!“ Wieder fing er an zu lachen, als er aus dem Zimmer ging.
Kratos konnte sein Lachen auch noch hören, als er im Wohnzimmer war. Er fragte sich, was mit diesem Jungen bloß los war, machte sich wieder an die Arbeit und strich die Wände weiter.
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Genis kam aus dem Haus, ein breites Grinsen auf dem Gesicht. „Ach, Raine, das Zimmer wird dir bestimmt gefallen!“
Raine sah ihn skeptisch an. „Wirklich? Das will ich doch hoffen…“
Nachdenklich sah sie den Himmel an, der durch die untergehende Sonne orange gefärbt wurde und strich sich über den Bauch, der inzwischen etwas rund war. Sie schien glücklich zu sein und doch konnte er in ihren Zügen auch etwas Trauriges erkennen. Er wusste, was Raine bedrückte. Es war etwas aus der Vergangenheit, das jetzt wohl wieder hochkam.
Auch Genis betrachtete den Himmel. Er hoffte, dass diesmal alles anders war. Raine hätte so etwas nicht noch einmal ertragen können.
Während des Abendessens versuchte Genis noch einmal, Kratos und Raine von seiner Idee zu überzeugen – auch wenn die anderen so oder so kommen würden.
„Wo liegt denn jetzt eigentlich noch das Problem? Für das Essen wäre gesorgt“, meinte Genis.
„Warum können wir nicht ein Fest mal für uns haben?“, fragte Kratos.
Genis sah ihn skeptisch an. „Wie ein Fest kam mir das aber heute auch nicht vor. Du hast gearbeitet, Raine hat geschlafen und ich war im Stützpunkt der Abtrünnigen… Außerdem würde ich Ostern nicht unbedingt als Fest bezeichnen…“
„Ach, aber trotzdem willst du es feiern? Du widersprichst dir selbst, Genis“, wandte Raine ein.
Genis schüttelte den Kopf. „Ich will eure Verlobung feiern.“
„Das können wir auch unter uns machen“, bemerkte Kratos.
Genis seufzte. „Das ist einfach nicht das Gleiche! Es sollten alle da sein!“
„Mir reicht es schon, wenn sie auf der Hochzeit sind…“, murmelte Kratos.
Raine nickte. „Ich glaube, du willst eher einen Grund haben, Presea zu sehen.“
Genis lief rot an. „D-Das stimmt nicht! Ich könnte sie jederzeit sehen, wenn ich wollte!“
Raine zuckte mit den Schultern. „Ist doch auch egal, warum du so versessen darauf bist, unsere Verlobung zu feiern. Jedenfalls wollen wir das nicht und das solltest du akzeptieren.“
Genis stand wütend auf. „Gut, macht doch was ihr wollt!“ Verstimmt ging er in sein Zimmer. Es war so ätzend, wie Erwachsene sich manchmal aufführten! Und wer war schon so verrückt und wollte seine eigene Verlobung nicht feiern? Diese beiden waren echt eine Klasse für sich.
Genis legte sich auf sein Bett. Er grinste hämisch. Er freute sich schon auf ihre Gesichter, wenn ihre Freunde eintrudeln würden. Auch wenn er wusste, dass sie vermutlich sauer auf ihn wären und ihm irgendetwas verbieten würden. So etwas musste einfach gefeiert werden.
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Am nächsten Tag gingen Lloyd, Colette und die kleine Anna zu Kratos, Raine und Genis. Sie klopften an die Tür und Kratos öffnete ihnen.
„Was macht ihr denn hier?“, fragte er verwundert.
„Was für eine tolle Begrüßung, Dad! Brauche ich einen Grund, um meinen Vater zu besuchen? Außerdem wollten wir euch gratulieren!“
Anna lief auf ihren Großvater zu und umarmte sein Bein. „Gratulieren!“
Kratos lächelte seine Enkelin an und hob sie hoch. „Hallo Anna! Wie geht es denn meinem kleinen Sonnenschein heute?“
„Gut“, antwortete Anna fröhlich.
Lloyd seufzte. „Anscheinend muss man ein Kind sein, um von dir freundlich begrüßt zu werden…“
Raine kam die Treppe herunter. „Ach, hallo! Was macht ihr denn hier?“
„Fangen Sie nicht auch so an, Professor…“, murmelte Lloyd.
„Lloyd, wie oft soll ich dir noch sagen, dass du mich endlich duzen sollst?“, fragte Raine ärgerlich.
Lloyd rieb sich verlegen den Hinterkopf. „Sie… Äh… Du hast Recht. Es ist nur so ungewohnt…“
Gut gelaunt kam Genis aus der Küche. „Ihr kommt gerade rechtzeitig, das Frühstück ist fertig!“
Lloyd saß natürlich als Erster am Tisch. „Hmm, das duftet ja wieder lecker, Genis!“
„Es sieht auch köstlich aus“, stimmte Colette zu.
Genis reichte jedem einen Teller mit Pfannkuchen in Ostereier-Form. „Lasst es euch schmecken!“
Kratos hatte Anna auf dem Schoß und fütterte sie. Er war wirklich nicht wieder zu erkennen, wenn ein Kind in seiner Nähe war. „Schmeckt es dir?“
Anna nickte. „Lecker.“
Als Kratos, Genis, Colette und Anna schon längst mit frühstücken fertig waren, aßen Lloyd und Raine immer noch. Genis musste ständig in die Küche rennen und neue Pfannkuchen machen.
„So, Lloyd, du bekommst nichts mehr! Du hast genug gegessen!“, verkündete Genis seinem Freund.
„Was?! Und warum bekommt Prof… äh… Raine noch was?“, fragte Lloyd beleidigt.
„Weil sie schwanger ist, deswegen!“
Lloyd seufzte. „Ich will auch schwanger sein…“ (O.o Das willst du glaub ich nicht wirklich…)
Raine und Colette verpassten ihm jeweils eine Kopfnuss. (Was ziemlich ungewöhnlich für Colette ist, aber Ausnahmen bestätigen ja bekanntermaßen die Regeln XDDD)
„Schwanger zu sein ist kein Zuckerschlecken! Zuerst die Übelkeit…“, erzählte Colette.
„… dann muss man eine riesige Kugel vor sich herschleppen…“, fuhr Raine fort.
„… und schließlich muss man ein Kind auf die Welt bringen!“, endete Colette.
Lloyd rieb sich die beiden Beulen am Kopf. „Ja, ist ja schon gut…“
„Abgesehen davon… Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie viel du essen würdest, wenn du schwanger wärst! Du verdrückst ja jetzt schon die Portionen einer Schwangeren!“, bemerkte Genis.
Plötzlich klopfte es an der Tür.
„Wer ist das denn?“, fragte Kratos verwundert und ging mit Anna im Arm zur Tür.
Genis grinste breit.
„Yo, Kratos! Danke für die Einl-“
„Zelos! Sei still!“, zischte Sheena und trat ihm auf den Fuß. „Ehehehe… Schön, euch zu sehen! Wie geht es euch denn so?“
Kratos blinzelte verwirrt und ließ die Freunde eintreten. „Was… Was macht ihr hier?“
„Wir waren gerade in der Gegend“, antwortete Presea, die sich neben Genis gestellt hatte und seine Hand hielt.
„Alle? Rein zufällig?“, fragte Raine misstrauisch.
Regal nickte. „Und rein zufällig habe ich Essen mitgebracht… Ich gehe dann schon mal in die Küche.“
Raine und Kratos sahen Genis an. „GENIS?!“
Genis tat unschuldig und verschränkte die Arme hinterm Kopf. „Was ist?“
„Hast du etwas damit zu tun?! Du hast sie eingeladen, stimmt’s? Dabei haben wir dir doch gesagt, dass wir das nicht wollen!“, bemerkte Raine.
„Warum das denn?“, fragte Sheena.
„Erstens: Jedes Mal, wenn ihr irgendeine Party feiert, endet das in einem Chaos! Zweitens: Raine braucht ihre Ruhe!“, erklärte Kratos.
„Kratos, wie oft muss ich dir noch sagen, dass ich keine Ruhe brauche, zumindest nicht so viel, wie du glaubst?!“, wollte Raine wissen.
„Du kannst mir nicht weismachen, dass du keine Ruhe brauchst! Du hast mir doch selber gesagt, dass du in letzter Zeit ständig müde bist!“
Bevor Raine zu einer Antwort ansetzen konnte, sagte Lloyd: „Apropos Ruhe… Ich glaube, es ist Zeit für Annas Mittagsschlaf…“
„Ah, sie kann im neuen Kinderzimmer schlafen! Ich habe es gestern fertig gestrichen!“, sagte Kratos mit leuchtenden Augen. „Raine, du kannst es dir ja auch gleich ansehen!“
„Ähm… Ich weiß nicht, ob das so eine gute…“, murmelte Genis, aber Kratos, Raine und Lloyd, der Anna in den Armen hielt, waren schon oben.
„Oha… Ich ahne Schlimmes…“, flüsterte Genis.
„Wieso?“, fragte Presea.
„Raine wird das Zimmer nicht gefallen… Normal wäre ihre Reaktion darauf vielleicht nicht so schlimm gewesen, aber da sie jetzt sowieso schon angekratzt ist…“
„Verstehe. Also werden sie sich streiten“, vermutete Presea.
„Höchst wahrscheinlich…“, stimmte Genis zu.
„Na, dann ist hier wenigstens mal wieder etwas los!“, meinte Zelos begeistert.
Sheena verpasste ihm eine Kopfnuss. „Idiot!“
„Aber einer, den du liebst“, meinte Zelos lachend.
Sheena seufzte. „Ja und ich frage mich heute noch, wie das passieren konnte…“ Sie gab ihm einen Kuss.
„Ich hoffe, Kratos und Raine streiten sich nicht so heftig wie an Silvester…“, murmelte Colette.
„Hmm… Andererseits… Vielleicht wäre das ganz gut…“, bemerkte Genis nachdenklich.
„Wie meinst du das?“, fragte Presea.
„Nun… Nachdem sie sich an Silvester gestritten haben, waren sie zusammen… Wenn sie sich jetzt also streiten… stärkt das womöglich ihre Liebe…“
„Hoffentlich…“, meinte Colette.
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Kratos öffnete die Tür zum Kinderzimmer. „So… Hier wären wir…“ Er ließ Raine und Lloyd hinein kommen. „Na, wie gefällt es euch?“
Giftgrüne Wände mit hässlichen Fröschen starrten Raine entgegen. Ihre Hände ballten sich zu Fäusten. „Kratos…!“
„Ist es nicht schön? Dieses Grün hat eine beruhigende Wirkung, findet ihr nicht?“
Bei dem Wort ‚beruhigend’ blitzte es in Raines Augen und sie verpasste Kratos eine gewaltige Kopfnuss.
„Au! Wofür war das denn?!“, fragte er verwirrt.
„Ich hasse Grün! Und Frösche erst recht! Und wenn ich noch einmal die Worte ‚Ruhe’ oder ‚beruhigend’ aus deinem Mund höre, dann kannst du die nächsten Nächte draußen schlafen!“, rief Raine wütend.
„Ähm… Ich geh dann mal besser…“, murmelte Lloyd und verließ mit Anna das Zimmer.
„Woher soll ich denn wissen, dass du Grün und Frösche nicht magst?! Außerdem habe ich es langsam satt, dass du dich darüber aufregst, dass ich mich um dein Wohlbefinden sorge!“, antwortete Kratos.
„Vielleicht hättest du Genis mal fragen sollen, was ich mag und was nicht! Und wenn du dich um mein Wohlbefinden sorgen würdest, würdest du mich vielleicht mal fragen, wie es mir geht und was ich will, anstatt mir ständig zu sagen, dass ich mich ausruhen soll! Weißt du eigentlich, warum ich in letzter Zeit so müde war? Weil es mich erschöpft hat, ständig nichts zu tun!“, rief Raine.
„Wenn dein Bruder so gut über dich Bescheid weiß, warum hat er mir dann nicht gesagt, dass dir das Zimmer nicht gefallen wird, als er hier war?! Und ich habe dir nicht gesagt, dass du nichts tun sollst, sondern dass du dich nicht überarbeiten sollst!“
„Ach, weißt du was?! Ich habe keine Lust mehr auf diese Diskussion!“ Wütend verließ Raine das Zimmer und ging nach draußen.
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Genis sah bedrückt zu Boden, als Raine das Haus verließ. „Das ist alles meine Schuld…“
Presea umarmte ihn. „Ach was… Das ist einfach nur… die Aneinanderreihung unglücklicher Zufälle…“
Lloyd legte Anna aufs Sofa, wo sie fast sofort einschlief. „Die beiden klären das schon noch wieder. Immerhin wollen sie heiraten und bekommen ein Kind.“
Genis seufzte. „Ihr habt Recht… Sagt mal… Wo ist eigentlich Yuan? Er sollte doch auch kommen…“
„Ah! Genau, er hat mir gesagt, dass er nicht kommen wird, weil er anderweitig beschäftigt ist…“, meinte Sheena.
In diesem Moment kam Kratos langsam die Treppe runter. In der Mitte des Raumes blieb er stehen. „Ich sollte sie suchen gehen, nicht wahr?“
„Ach, ein wenig kannst du noch war-“ Zelos bekam von Sheena einen Fußtritt verabreicht.
„Ja… Kratos, es tut mir Leid, dass ich dich angelogen habe und behauptet habe, das Zimmer würde Raine gefallen, obwohl ich wusste, dass das nicht wahr ist…“, murmelte Genis.
„Schon gut. Ich hätte sie fragen sollen, was ihr gefallen würde… Oder es einfach bei der alten Farbe belassen sollen…“, antwortete Kratos, bevor er das Haus verließ.
Zelos blickte ihm nach. Als er einen Blick nach draußen warf, fing er an zu fluchen.
„Verdammt!!! Kann sich Raine vielleicht mal abgewöhnen, immer meinen Rheaird zu nehmen?! Von wo darf ich ihn diesmal abholen?! Wieder von Altamira?! Genis, wozu hat Raine eigentlich einen eigenen Rheaird?!“
Genis zuckte nur mit den Schultern. „Ich denke mal, sie nimmt sich nun mal immer den, der ihr am nächsten ist…“
„Okay, nächstes Mal verstecke ich ihn irgendwo!“
Sheena legte beschwichtigend den Arm um ihn. „Was ist jetzt? Feiern wir oder regen wir uns über die Angewohnheiten von Raine auf?“
„Du hast Recht… Lasst die Party beginnen!“, stimmte Zelos zu.
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Der Wind wehte durch Raines Haare und trocknete ihre Tränen, die ihr übers Gesicht liefen. Sie stand vor einem Haus, dessen Wände aus morschem Holz bestanden. Zögernd machte sie einen Schritt darauf zu. Warum wurde sie in letzter Zeit so oft daran erinnert? Warum konnte sie es nicht endlich vergessen? Andererseits… Wollte sie das? Durfte sie das überhaupt? Wohl nicht.
Zitternd betrat sie das Haus. Das letzte Mal hatte sie dieses Haus vor sieben Jahren betreten. Damals war es noch ein Haus voller Leben und Freude gewesen, jetzt war es ein verrottendes Haus, so verlassen wie ein Strand im Winter und so kalt wie Eis.
Ihre Füße führten sie wie von selbst in ein bestimmtes Zimmer. Durch das wenige Sonnenlicht, das durch die dreckigen Fensterscheiben schien, sah man die Konturen des Mobiliars. Es war nur spärlich eingerichtet, mehr als ein kleines Kinderbett und einen Schrank gab es nicht. Als Raine den Schrank öffnete, sah sie nur von Motten zerfressene Klamotten.
Raine begab sich wieder zur Mitte des Raumes. Sie war umgeben von giftgrünen Wänden mit Fröschen darauf. In Raine stieg eine Erinnerung auf.
„Hey, Raine! Wie gefällt dir die Farbe?“
„Gut! Dieses Grün wirkt beruhigend.“
„Ich habe vor, die Wände noch mit Fröschen zu verzieren. Wie findest du das?“
„Toll. Es wird ihm bestimmt gefallen.“
Raine fing wieder an zu weinen. Es tat so weh, sich daran zu erinnern.
„Raine, was machst du hier?“
Raine erschrak und drehte sich um. Kratos stand hinter ihr und sah sich verwundert um.
„Ist das hier der Grund, warum du das Zimmer nicht magst?“, fragte er.
„Ja.“
„Und warum? Was hast du mit diesem Haus eigentlich zu tun?“
Raine ging nach draußen, Kratos folgte ihr.
„Das… kann ich dir nicht erzählen“, antwortete Raine bedrückt.
Kratos schien erst protestieren zu wollen und öffnete den Mund, aber dann überlegte er es sich wohl anders und nahm sie einfach nur in die Arme.
„Es tut mir Leid, Raine. Nächstes Mal frage ich dich, was dir gefällt und was nicht… Und das Zimmer streichen wir noch einmal neu, zusammen, einverstanden?“
Raine sah Kratos lächelnd an. „Hey, ich dachte, ich bräuchte Ruhe?“
„Ach, du scheinst mir noch ganz fit zu sein.“
Raine schlang die Arme um seinen Hals und küsste ihn leidenschaftlich. Nach einer Weile lösten sie sich wieder.
„Was machen wir jetzt? Zurückgehen?“, fragte Kratos.
„Nein. Sollen die doch ihre Party feiern, aber ohne uns. Wir machen uns einen schönen Tag. Wir könnten ja… Ruinen besichtigen!“, schlug Raine vor.
Kratos seufzte. „Ich hoffe, das war nur ein Scherz…“
Raine lachte. „Natürlich! Ich glaube sowieso nicht, dass man heute irgendwelche Ruinen besichtigen kann, zumindest keine öffentlichen.“
„Dann schlage ich vor, dass wir essen gehen.“
Raine sah ihn skeptisch an. „Glaubst du, du hast genügend Geld, um alles zu bezahlen, was ich esse?“
Kratos lächelte. „Lass das mal meine Sorge sein.“
Sie verließen die Stadt und vergaßen dabei den Rheaird, mit dem Raine gekommen war.
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Als Kratos und Raine spät am Abend zurückkehrten, erwartete sie genau das, was sie befürchtet hatten: ein Chaos. Überall am Boden lagen Weinflaschen verstreut – noch dazu von einem teuren Wein, der zum Genießen gedacht war, nicht zum Saufen – allerlei Chipstüten und… ihre Freunde.
Zelos schnarchte, sein Mund war weit geöffnet, so dass ihm der Sabber das Kinn hinab lief. Sheena lag dicht an ihn geschmiegt, eine Hand auf seiner Brust. Genis fanden sie auf dem Sofa, er war wohl im Sitzen eingeschlafen. Presea saß neben ihm, ihr Kopf lag auf seiner Schulter.
Raine fing an, die Weinflaschen und den restlichen Müll wegzuräumen, aber Kratos hielt sie fest.
„Lass sie das doch morgen machen. Sie wollten diese Party unbedingt feiern, also sollen sie auch aufräumen. Ihre Kopfschmerzen werden ihnen eine zusätzliche Strafe sein.“
Raine nickte. „Du hast Recht.“ Dann seufzte sie. „Ich hoffe nur, Genis und Presea haben nicht auch etwas getrunken…“
„Und wenn sie es getan haben, werden auch sie morgen die Konsequenzen spüren.“
Auf einmal kam Regal aus der Küche. „Ach, ihr seid wieder zurück.“
„Ja… Sie scheinen ja ordentlich gefeiert zu haben… Wo sind eigentlich Lloyd, Colette und Anna?“, fragte Kratos.
„Die sind schon vor einer Weile gegangen. Anna konnte bei dem Lärm nicht schlafen und auch Lloyd und Colette hatten keine große Lust, morgen mit Kopfschmerzen aufzuwachen“, antwortete Regal.
„Hmm… Für so klug hätte ich Lloyd gar nicht gehalten…“, murmelte Raine.
„Er ist halt immer für Überraschungen gut… Und warum bist du noch hier, Regal?“, fragte Kratos.
„Ich habe noch abgewaschen. Ich will ja nicht, dass ihr morgen das ganze Chaos beseitigen müsst.“
„Das ist nett von dir. Aber wir haben beschlossen, dass die für dieses Chaos Verantwortlichen morgen aufräumen müssen. Ich denke, du solltest jetzt auch ins Bett gehen, Regal“, bemerkte Raine.
Regal nickte. In seinen Augen spiegelte sich die Müdigkeit, aber er hatte ja im Prinzip auch den ganzen Tag gearbeitet. „Gute Nacht.“
Nachdem er das Haus verlassen hatte, holte Raine noch ein paar Decken und bedeckte die Schlafenden damit. Dann gingen Kratos und Raine auch ins Bett.
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Als Raine am Morgen die Treppe herunterkam, schliefen die vier immer noch. Sie seufzte. Es war höchste Zeit, dass diese Schlafmützen aufwachten.
Um Genis und Presea zu wecken, brauchte es nicht mehr als ein leichtes Schulterrütteln. Aber Sheena und Zelos wollten aus dem Reich der Träume einfach nicht zurückkehren und so holte Raine einen nassen Lappen aus der Küche und warf ihn den beiden in die schlafenden Gesichter.
Sheena öffnete als Erstes die Augen. „Ahh… Mein Schädel fühlt sich an, als würde er platzen…“
„Das kommt davon, wenn man so viel trinkt“, meinte Raine ernst. Genis und Presea schienen zum Glück nichts getrunken zu haben, zumindest konnte man es ihnen nicht anmerken.
Zelos richtete sich langsam auf und hielt sich den Kopf. „Wassen los? Kann man nicht mal ausschlafen?“
„Nein, heute nicht. Ihr werdet dieses Chaos aufräumen.“ Raines Stimme war streng.
„Haha! Das habt ihr nun davon!“, meinte Genis lachend.
Raine sah ihn an. „Oh, du wirst ihnen dabei helfen.“
„Waaaaaas?! Warum?!“, fragte Genis aufgebracht.
„Weil es deine Idee war zu feiern.“
Zelos grinste hämisch. „Wer zuletzt lacht, lacht eben doch am besten!“
„Ich werde auch helfen. Ich bin immerhin für die Chipstüten verantwortlich“, sagte Presea.
Als die vier also das Wohnzimmer aufräumten, beobachtete Raine sie. Während Sheena zu starke Kopfschmerzen hatte, um besonders gesprächig zu sein, und Presea auch schwieg, stritten Genis und Zelos sich, wer nun Schuld an dem ganzen Chaos hatte.
„Es war deine Idee, diese Party zu machen!“, rief Zelos wütend.
„Aber du wolltest unbedingt was trinken!“, konterte Genis.
„Es ist deine Schuld!“, behauptete Zelos.
„Nein!“
„Doch!“
„Nein!“
„Do-“ Zelos bekam von Raine eine Kopfnuss verpasst.
„Ihr sollt nicht streiten, sondern aufräumen!“
Die beiden schwiegen jetzt zwar, warfen sich dafür aber weniger freundliche Blicke zu. Raine schüttelte den Kopf. Womit hatte sie es hier eigentlich zu tun? Mit Kindern oder Erwachsenen – beziehungsweise halbwegs Erwachsenen? Vermutlich mit beidem. Denn in jedem von ihnen steckte wohl immer noch ein Kind, das hin und wieder zum Vorschein kam.
by Fina, 17.1.2008
[Dieser Beitrag wurde am 02.05.2008 - 11:09 von DelFina18 aktualisiert]
Signatur
Crynil, do rical nade;
Elran, do tilial nade;
Mina, ris fris antaras nideras ko offim desto;
Boli dyx strimur syrax windalk!
© by DelFina18
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