DelFina18  ~Kraine no Aikosha~
    

Status: Offline Registriert seit: 17.03.2007 Beiträge: 246 Nachricht senden | Erstellt am 07.01.2008 - 14:19 |  |
A Year of Celebrations 1: Every End is also a Beginning
Als der 16-jährige Junge Iselia betrat, fiel der Schnee und bedeckte das ganze Dorf mit einer weißen Decke. Es knirschte unter seinen Füßen, als er sich in Richtung eines der Häuser begab. Aus dem Schornstein stieg Rauch, wie aus vielen anderen auch. Vor der Tür machte der Junge halt.
„Hoffentlich erkennt sie mich auch wieder…“
Er klopfte an die Tür. Stürmische Schritte waren zu hören und die Tür wurde mit solch einer Wucht aufgerissen, dass es nicht weiter verwunderlich gewesen wäre, wenn sie aus den Angeln gehoben worden wäre.
„GENIS!!!“
Der Junge wurde heftig umarmt, so dass er in den Schnee fiel.
„Hi, Raine…“, murmelte Genis verlegen.
„Meine Güte, wie du gewachsen bist! Du siehst aus wie ein junger Mann!“, meinte Raine und betrachtete ihren jüngeren Bruder, der ebenso weiße Haare hatte wie sie.
„Du hast dich aber auch verändert, Raine.“
Raines Haare waren in den letzten vier Jahren natürlich gewachsen und sie trug sie als lockeren Pferdeschwanz.
„Trotzdem wäre ich ganz froh, wenn du jetzt von mir runter gehen würdest…“, bemerkte Genis.
„Oh, natürlich! Tut mir Leid!“ Hastig stand Raine auf. „Ach, Genis, ich hab dich so vermisst!“ Sie umarmte ihren Bruder.
„Ich dich auch, Raine. Wie geht es den anderen?“
„Lass uns erst einmal reingehen.“
Genis sah sich erstaunt das Innere des Hauses an. „Wow! Es ist größer geworden! Ich dachte, ihr hättet es nur wiederaufgebaut.“
Raine lächelte. „Nun, Dirk meinte, es würde sich anbieten, bei der Gelegenheit auch gleich anzubauen… Setz dich. Ich mache dir einen Tee und Kekse habe ich vorhin auch gebacken.“
„Also, den Tee nehme ich gerne, aber die Kekse…“ Genis hatte schreckliche Erinnerungen an das letzte Mal, als er Raines Kekse gegessen hatte.
Raine lachte leise. „Sie sind viel besser geworden, Genis. Man kann sie jetzt essen.“ Sie hielt ihm die Schüssel mit Keksen hin.
Genis seufzte und nahm sich einen. Vorsichtig biss er ab. „Hmm… Die kann man nicht nur essen… Die sind sogar richtig gut!“
„Regal hat mir ein paar Tipps gegeben“, erklärte Raine und goss den Tee in zwei Becher.
„Was macht er so?“, fragte Genis, während er am Tee nippte.
„Nun, er leitet immer noch die Lezareno-Bergbaugesellschaft. Außerdem hat er viel beim Aufbau von Ozette geholfen. Die Stadt sieht inzwischen wieder genauso aus wie früher. Ich war erst vor kurzem dort, um Presea zu besuchen.“
Genis sah von seinem Becher auf. „Wie geht es P-Presea?“
Raine kicherte. „Oh, ihr geht es sehr gut. Sie freut sich schon darauf, dich wieder zu sehen.“
Genis lief rot an. „W-Wirklich?“
„Klar. Alle freuen sich, dich wieder zu sehen. Lloyd und Colette haben mich gestern mindestens zehnmal gefragt, ob du auch wirklich zurückkommst. Sie freuen sich riesig, vor allem, weil sie dir ihre Tochter zeigen wollen.“
Der weißhaarige Junge verschluckte sich am heißen Tee und hustete erst einmal eine Weile. „Sie haben eine Tochter?!“
„Ja, sie ist jetzt ein Jahr alt. Sie haben sie Anna genannt.“
„Und wie sieht es bei Sheena und Zelos aus?“
Raine seufzte. „Eigentlich so wie immer. Zelos baggert Sheena immer noch ständig an, aber diese tut so, als wolle sie nichts von ihm wissen. Aber ich glaube, sie empfindet mehr für ihn, als sie zugeben will.“
„Und wie sieht es bei dir in Sachen Liebe aus?“, fragte Genis grinsend.
Raine hustete. „Wie sollte es da schon aussehen…“
„Raine, du bist jetzt 27! Es wird doch langsam mal Zeit, dass du dir einen Mann suchst!“
Raine lief rot an. „D-Das hat noch Zeit…“
Genis schüttelte nur den Kopf.
„Ich denke, wir sollten langsam zu Lloyd gehen. Die anderen dürften auch bald da sein“, meinte Raine.
~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~
Sheena betrat den Stützpunkt der Abtrünnigen in Flanoir.
„Yuan?!“, rief sie verwundert, als sie den blauhaarigen Halbelfen nicht in seinem Büro fand. „Wo ist der Kerl?“
Auf einmal meinte sie, merkwürdige Geräusche aus dem Nebenzimmer zu hören. Als sie den Raum betrat, sah sie Yuan, der an einer kompliziert aussehenden Maschine auf Knöpfe drückte und Hebel betätigte.
„Yuan? Was machst du da? Ich dachte, du wolltest mit zu Lloyd kommen!“, meinte Sheena.
„Ich brauche nicht mehr lange… So… Jetzt müsste es…“
Auf einmal wurden die beiden von einem gleißend hellen Licht geblendet. Als es langsam verschwand, musste Sheena noch ein paar Mal blinzeln, bis sie wieder sehen konnte.
„Ach, DAS ist also deine Überraschung!“, rief Sheena verblüfft.
„Ja. Na, was denkst du? Das wird doch jeden umhauen, nicht wahr?“, fragte Yuan grinsend.
„Bestimmt!“, antwortete Sheena, die ebenfalls grinste.
~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~
„Lloyd, sie sind hier! Genis und Professor Raine sind hier!“, rief Colette begeistert, als sie die Tür öffnete.
Lloyd rannte schnell die Treppe runter. „Wow, Genis, du bist ja gewachsen!“
„Hast du was anderes erwartet?“, fragte Genis kopfschüttelnd.
„Es ist so schön, dich zu sehen, Genis!“, meinte Colette fröhlich.
„Und du bist jetzt fertig mit der Schule?“, fragte Lloyd.
Genis nickte.
Auf einmal krabbelte hinter Colettes Beinen ein kleines Baby hervor. Die stolze Mutter hob es hoch.
„Das ist Anna. Ist sie nicht schön?“, fragte Colette.
Genis lächelte. „Ja, das ist sie.“
„Ich hoffe nur, der Lärm nachher macht ihr nichts aus…“, bemerkte Lloyd.
„Aber Dirks hämmern macht ihr doch auch nichts aus“, erwiderte Colette.
„Da hast du auch wieder Recht. Ach ja, Sheena meinte, Yuan kommt auch noch. Außerdem hat er wohl eine Überraschung für uns.“
„Wahrscheinlich wieder ein neues Modell der Rheairds…“, murmelte Raine.
„Ach ja, Professor, hier ist das Buch, das sie mir ausgeliehen haben! Danke, es hat mir sehr geholfen“, meinte Lloyd und gab ihr ein Buch.
„Das wurde aber auch langsam Zeit…“, bemerkte Raine.
Genis sah ihn verwundert an. „Du hast gelesen, Lloyd?! Freiwillig?!“
„Gelesen? Ach, Unsinn! Ich habe es zum Pressen von Blättern benutzt!“ Sofort bekam er eine Kopfnuss von Raine.
„Dafür habe ich dir das Buch aber nicht ausgeliehen!“
Lloyd rieb sich den Kopf. „Ich habe aber nun mal kein eigenes Buch…“
„Ich werde mich dann mal um das Essen kümmern. Nimmst du Anna, Lloyd?“, fragte Colette und gab ihm seine Tochter. „Ach, Professor, haben Sie Salz? Ich hatte vorhin einen kleinen Unfall und jetzt haben wir kein Salz mehr…“
„Natürlich, ich hole es schnell“, meinte Raine lächelnd und ging nach draußen.
Es wurde langsam dunkel, doch der Schnee fiel weiterhin. Raine fand es ein wenig schade, ein klarer Himmel wäre heute Nacht eigentlich schöner gewesen. Sie war nicht mehr weit von ihrem Haus entfernt, da sah sie jemanden bei dem kleinen Teich vor ihrem Haus stehen. Die Person schien ihre Schritte zu hören und sah sie misstrauisch an.
„Kann ich hel…“ Raine ließ erschrocken das Buch fallen. „Kra… tos?“
„Raine? Meine Güte… Ich hätte dich fast nicht wieder erkannt…“, murmelte Kratos.
Raine hob das Buch wieder auf. „Ja, in vier Jahren kann sich einiges tun.“ Ihre Stimme hatte einen eisigen Unterton, der Kratos natürlich nicht entging.
„Ist irgendetwas?“
„Nein, alles bestens. Wenn du mich jetzt entschuldigst. Ich muss Salz für Colette holen. Und du solltest vielleicht endlich deinen Sohn besuchen.“
„Oh, das würde ich ja gerne, aber ich wurde zur ‚Überraschung des Jahres’ gewählt und soll deswegen noch ein wenig in der Kälte stehen, bis Yuan der Ansicht ist, dass er seine ‚Überraschung’ endlich präsentieren kann.“
Raine öffnete die Tür. „Du bist also seine Überraschung.“ Sie trat ins Haus.
„Ja… Kann ich mit reinkommen?“, fragte Kratos.
Raine zuckte mit den Schultern. „Aber ich gehe sowieso gleich wieder rüber.“
Kratos betrachtete das Innere des Hauses ebenso erstaunt wie Genis. „Ihr habt angebaut.“
Raine nahm ihren Salzstreuer und sagte: „Ja. Ich muss jetzt wieder rüber, also…“
„Warte! Würde es dir etwas ausmachen… noch ein wenig hier zu bleiben und dich mit mir zu unterhalten?“
Raine zog eine Augenbraue nach oben. „Kommunikationsbedürftig, was? Nun, tut mir Leid, Colette braucht das Salz. Wenn ich dich nun bitten dürfte, mein Haus zu verlassen.“
„Sag mal, was ist eigentlich dein Problem?“, fragte Kratos wütend.
Raine trat näher an Kratos heran. „Was mein Problem ist? Du verlässt uns einfach so, ohne dich von uns zu verabschieden, bleibst vier Jahre weg und tauchst auf einmal wieder auf, das ist mein Problem!“
„Ist es bei deinem Bruder nicht genau das Gleiche?! Yuan hat mir erzählt, dass er mitten auf eurer Reise gegen die Halbelfendiskriminierung beschlossen hat, in Palmacosta zur Schule zu gehen und auch erst heute zurückgekehrt ist!“
„D-Das ist etwas ganz anderes!“, behauptete Raine.
„Nein, ist es nicht und das weißt du!“
„Ach, du hast doch keine Ahnung!!! Du kannst nicht verstehen, wie ich mich gefühlt habe!“ Wütend verließ Raine das Haus.
Kratos lief ihr hinterher. „Dann versuch doch, es mir zu erklären!“
„Das würde so ein Idiot wie du sowieso nicht verstehen!“, schrie Raine und betrat Lloyds und Colettes Haus.
Kratos wollte ihr folgen, aber auf einmal warf ihn etwas auf den Boden und leckte sein Gesicht ab. „Noishe! Geh runter von mir…“
Noishe tat, was Kratos ihm befahl und sprang vor Freude um ihn herum.
„Ich freue mich ja auch, dich zu sehen, Noishe.“ Kratos streichelte das grünweiße Wesen. „Du weißt auch nicht, was mit Raine los ist, oder?“ Kratos schüttelte den Kopf. „Frauen!“
~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~
Yuan und Sheena bewunderten gerade die kleine Anna, die liebend gerne an Genis’ Haaren zog, als Raine wütend die Tür öffnete und „Das würde so ein Idiot wie du sowieso nicht verstehen!“ schrie. Sie schlug die Tür mit solcher Wucht zu, dass die Bilder an der Wand wackelten und Anna vor lauter Schreck noch stärker an Genis’ Haaren zog.
„Aua… Au… Raine, was ist mit dir los?“, fragte Genis und versuchte, seine Haare Annas Händen zu entwinden.
„Ich bin nur gerade der Überraschung begegnet!“, antwortete Raine und stürmte in die Küche.
„Sie scheint wütend zu sein, Yuan“, bemerkte Sheena.
„Hmm… Das kann ich gar nicht nachvollziehen… Ich dachte, sie würde sich freuen… Nun, solange sich die anderen freuen!“, meinte Yuan grinsend.
Lloyd zog an Yuans Umhang. „Hey, denkst du nicht, du kannst uns die Überraschung nicht auch zeigen, wo Professor Raine sie jetzt schon gesehen hat?“
Yuan zuckte mit den Schultern. „Nun, meinetwegen… Eigentlich wollte ich ja warten, bis alle hier sind…“ Er öffnete die Tür und winkte Kratos zu sich.
„Ach, wird die ‚Überraschung des Jahres’ doch noch heute präsentiert?! Ich dachte schon, ich müsste erst hier draußen erfrieren!“, brummte Kratos.
„Oh… Deine Laune war aber auch schon mal besser… Und sei nicht so laut, du verdirbst noch die Überraschung…“, meinte Yuan.
„Yuan, ICH bin die Überraschung! Lass mich jetzt endlich reingehen, mir ist kalt!“
Yuan seufzte und ließ Kratos ins Haus. Lloyd fiel die Kinnlade nach unten.
„DAD!!!“ Lloyd fiel seinem Vater um den Hals.
Dieser war ein wenig überfordert mit der Situation und stand steif da. Er räusperte sich. „Lloyd.“
„Oh, Dad, es ist so toll, dass du hier bist! Ich muss dir unbedingt jemanden vorstellen!“ Lloyd nahm Anna in die Arme und kümmerte sich nicht weiter darum, dass seine Tochter immer noch Genis’ Haare festhielt.
„AUA!!! Lloyd, ich wollte meine Haare noch behalten!“, rief Genis und rieb sich mit Tränen in den Augen den Kopf.
Anna hatte zu seinem Glück doch noch losgelassen.
„Das ist Anna, meine und Colettes Tochter!“, stellte Lloyd stolz seine Tochter vor.
„Eure… Tochter?“, fragte Kratos perplex.
Yuan schlug Kratos auf den Rücken. „Ich habe dir doch gesagt, es lohnt sich, hierher zu kommen!“
„Hier, Dad, nimm sie doch mal!“ Lloyd drückte Anna seinem Vater in die Arme. „Ich werde kurz mal bei Colette und Professor Raine nachschauen!“
„Yeah, das solltest du aber wirklich… Die beiden in einer Küche bedeutet Chaos…“, meinte Genis.
Lloyd verschwand, während Kratos da stand und seine Enkelin betrachtete. Sie hatte kastanienbraune Haare und himmelblaue Augen und lächelte ihn an.
„Dass ich das noch erlebe…“ Auf Kratos’ Gesicht machte sich ein kleines Lächeln breit.
~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~
Währenddessen hatte Raine Colette angeboten, ihr beim Kochen zu helfen.
„Ähm… Das ist sehr nett von Ihnen, Professor, aber ich denke, ich…“
„Was soll ich tun? Gurken schneiden? Kartoffeln schälen? Ich bereite sogar die Zwiebeln zu!“ Raine blieb hartnäckig.
„Also gut… Wenn Sie sich um die Zwiebeln kümmern könnte, wäre ich Ihnen sehr dankbar…“
„In Ordnung!“ Nachdem Raine die Zwiebeln geschält hatte (Ich bin mir nicht so sicher, ob man die schälen muss, aber ich glaube schon… *keine Erfahrung in Sache Küche hab* XDDDD Bin Raine also ähnlich XDDDD Nur dass man meine Sachen wohl essen könnte XDDDD), schnappte sie sich ein Messer und fing an, die Zwiebeln kurz und klein zu hacken.
„P… Professor, passen Sie auf, Sie schneiden sich noch…“, warnte Colette.
„Ich pass schon auf!“, versicherte Raine und hackte unaufhörlich weiter.
Verdammter… Idiot!
Tränen sammelten sich in ihren Augen, aber das kam nicht von den Zwiebeln, zumindest nicht nur. Sie hatte sich oft gefragt, wie sie reagieren würde, wenn Kratos zurückkäme, ob sie sich freuen würde oder erstaunt wäre. Aber letztendlich war sie einfach nur wütend auf ihn und hätte ihn am liebsten bis zum anderen Ende der Welt geohrfeigt. Stattdessen hackte sie jetzt Zwiebeln klein, um ihre Aggression los zu werden. Auf einmal betrat Lloyd die Küche.
„Hey, Colette! Rat mal, was die Überraschung war!“
„Ich weiß es nicht.“
Lloyd grinste breit. „Es war Dad! Er ist wieder hier!“
Colette sah ihn verwundert an. „Kratos?“
Lloyd nickte. „Yeah, er kümmert sich gerade um Anna. Und wie läuft es hier so?“ Er betrachtete die Zwiebeln, die Raine gehackt hatte.
„Soll das so sein?“, fragte er.
„Lloyd, könntest du die Küche verlassen? Du störst meine Konzentration“, sagte Raine.
„Aber ich…“
Raine sah ihn eisig an. „Geh endlich!“
Lloyd wich erschrocken zurück. „Woah! Ähm… Ich denke, ich werde mal schauen, ob die anderen inzwischen da sind…“ Schnell verließ er die Küche.
Colette sah Raine verwundert an.
„Was ist?!“, fragte Raine mürrisch.
„Oh, nichts, nichts!“, sagte Colette schnell und machte sich wieder an die Arbeit.
~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~
„Genis, deine Schwester ist Furcht einflößend…“, bemerkte Lloyd, als er zurück ins Wohnzimmer kam.
„Das war sie schon immer“, behauptete Genis.
„Hey, Lloyd, mein Kumpel!“
„Zelos, du bist ja auch schon da!“, bemerkte Lloyd fröhlich.
„Yup! Ihr habt ja echt eine supersüße Tochter! Die verdreht später bestimmt allen Männern den Kopf! Ich stell mich dann schon mal an!“, lachte Zelos.
Sheena verpasste ihm wütend eine Kopfnuss. „Vor dir ist auch kein weibliches Wesen in Sicherheit, oder?“
„Au… Sheenalein, du bleibst natürlich immer noch meine Nummer eins…“ Zelos rieb sich den Kopf.
„Tse.“ Sheena wandte sich von ihm ab.
„Ich glaube, ich besuche mal Colette und Rainechen in der Küche“, meinte Zelos.
„Oh… Zelos, da würde ich nicht hingehen… Professor Raine hat sehr schlechte Laune…“, bemerkte Lloyd.
„Ach was!“
Lloyd sah dem ehemaligen Auserwählten dabei zu, wie er zur Küche ging. Er zuckte nur mit den Schultern. Wenn er nicht hören wollte, musste er eben fühlen. Lloyd sah seinen Vater, der gerade Anna fütterte.
„Ein Happen für Papa Lloyd… Und ein Happen für Mama Colette… Und ein Happen für Opa Kratos…“
Lloyd musste bei dem Anblick laut loslachen. Kratos drehte sich verwirrt zu ihm um.
„Was ist? Hast du noch nie einen Großvater gesehen, der seine Enkelin füttert?“
„Es… passt nur irgendwie nicht zu dir“, erklärte Lloyd prustend.
„Yeah, da hat er Recht“, stimmte Genis grinsend zu.
„Hmpf.“ Kratos wandte sich wieder Anna zu. „Dann werdet ihr euch wohl daran gewöhnen müssen.“
~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~
„Colette, Rainechen, da seid ihr ja!“, rief Zelos begeistert.
„Zelos, verschwinde aus der Küche!“, befahl Raine wütend.
„Aber Rainechen! Ich wollte euch doch nur begrüßen!“
Raine sah ihn eisig an. „Und da du das jetzt getan hast, kannst du ja auch wieder gehen!“
„Ach komm schon! Wird es dir wehtun, mir ein winzigkleines Begrüßungsküsschen zu geben?“, fragte Zelos grinsend.
In Raines Augen blitzte es. Blitzschnell warf sie das Messer, das sie in der Hand hatte, in Zelos’ Richtung. Es verfehlte ihn haarscharf am Kopf, schnitt ihm allerdings ein paar Haare ab. In der Wand blieb es stecken.
Zelos sah Raine mit großen Augen an. „Woah! O-Okay, ich denke, ich geh noch mal zu Sheenalein…“
Schneller als der Blitz war Zelos aus der Küche verschwunden. Er rannte in Richtung Wohnzimmer, direkt auf Sheena zu.
„Sheenalein!!! Tröste mich, Raine hätte mich fast mit einem Messer erstochen!“ Er umarmte Sheena, was dieser natürlich nicht gefiel.
Schnell befreite sich Sheena aus Zelos’ Umklammerung. „Ich bin mir sicher, du hast es verdient.“
„A-Aber Sheenalein…“
„Ich bin mir nicht so sicher, ob es nur an Zelos lag… Sie scheint heute wirklich leicht reizbar zu sein…“, meinte Lloyd.
„Das ist komisch. Vorhin als ich gekommen bin, war sie noch total fröhlich. Eigentlich ist sie ja erst so, seit sie… das Salz für Colette geholt hat…“, murmelte Genis.
„Kratos, habt ihr euch etwa gestritten?“, fragte Yuan.
Von dem Schwertkämpfer kam nur ein „Hmpf“ als Antwort.
Yuan seufzte. „Also ja… Und worüber?“
„Erstens geht dich das nichts an und zweitens weiß ich das selber nicht so genau… Sie scheint aus irgendeinem Grund sauer auf mich zu sein, dabei habe ich gar nichts gemacht…“
„Anscheinend ja doch…“, meinte Genis.
„Vielleicht solltest du dich bei Professor Raine entschuldigen“, schlug Lloyd vor.
„Ich entschuldige mich doch nicht bei ihr, wenn ich nicht einmal weiß, wofür!“, erwiderte Kratos.
„Dann haben wir den ganzen Abend wohl eine schlechtgelaunte Raine…“, seufzte Genis.
Auf einmal klopfte es an der Tür. Lloyd öffnete sie.
„Regal, Presea, schön, dass ihr…“
Presea stürmte an ihm vorbei. „GENIS!!!“
Zum zweiten Mal an diesem Tag wurde Genis bei einer Umarmung von den Füßen gerissen.
„Genis, endlich seh ich dich wieder!“, rief Presea glücklich.
Genis lief rot wie eine Tomate an. „H-Hi Presea…“
„Und was ist mit mir?“, fragte Zelos beleidigt. „Sheena, warum hast du mich vorhin nicht umarmt?“
„Warum sollte ich?“, fragte Sheena mürrisch.
„Aber wir sind doch das Traumpaar schlechthin!“, behauptete Zelos.
„WIE BITTE?! Davon träumst du wohl!“, schrie Sheena und verpasste ihm eine Kopfnuss.
„Au… Aber Sheenalein…“ Zelos rieb sich wieder einmal den Kopf.
„Wie sieht es denn hier so mit dem Essen aus?“, fragte Regal neugierig.
„Colette und Professor Raine kümmern sich darum…“, antwortete Lloyd.
„Dann sollte ich vielleicht besser mal nachsehen…“, meinte Regal.
„Nein!“, riefen Lloyd und Zelos gleichzeitig.
„Professor Raine ist heute ganz schlecht drauf!“, erklärte Lloyd.
„Sie hätte mich fast mit einem Messer erstochen!“, fügte Zelos hinzu.
Regal zuckte nur mit den Schultern. „Wird schon nicht so schlimm sein.“
Lloyd und Zelos seufzten nur.
~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~
Als wieder einmal die Küchentür geöffnet wurde, hielt Raine das Küchenmesser gleich drohend vor sich. Sie hatte die ganzen Störungen langsam satt.
„Hallo“, ertönte Regals Stimme.
„Raus hier!“, schrie Raine und stürmte auf Regal mit dem Messer zu.
Dieser wich erschrocken zurück und machte sich aus dem Staub. Raine keuchte.
„Ich habe es satt! Wer jetzt noch einmal hier rein kommt, der kommt nicht mehr nur mit einem bloßen Schrecken davon!“
„Professor…“ Colette sah ihrer ehemaligen Lehrerin verwundert dabei zu, wie diese auf ein Stück Papier ‚Zutritt nur für befugtes Personal (Colette und Raine)!!! Wer diesen Raum unbefugt betritt, bekommt es mit mir zu tun! Raine’ schrieb und das Papier an die Tür klebte.
„So. Jetzt können wir hoffentlich in Ruhe arbeiten. Was steht als Nächstes an? Die Gurken, richtig?“
Colette nickte. Raine schnappte sich die Gurken und fing an, sie unbarmherzig zu schneiden.
~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~
Kratos sah Regal aus der Küche kommen.
„Was ist mit dieser Frau los? Ich habe nur ‚Hallo’ gesagt und schon ist sie mit einem Messer auf mich los!“, rief Regal geschockt.
„Wir haben dich ja gewarnt“, bemerkte Lloyd, der seine Tochter im Arm hatte.
Anna schien langsam müde zu werden.
Auf einmal hörte man Raines Stimme rufen: „Au! Verdammt!“
Danach hörte man ein Geräusch, das sich anhörte, als wäre etwas Schweres auf den Boden gefallen.
„Colette!“, rief Raine.
Lloyd drückte seine Tochter Yuan in die Arme und rannte in Richtung Küche. Kratos und die anderen folgten ihm. Kratos sah an der Küchentür die Warnung hängen, aber weder ihn noch Lloyd störte das weiter und sie betraten beide die Küche.
~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~
Raine drehte sich zu Kratos und Lloyd um. Sie wäre am liebsten auf die beiden losgegangen, aber dieses Mal konnte Raine den beiden noch verzeihen, auch wenn sie nicht gerade begeistert darüber war, Kratos sehen zu müssen.
Sie hatte sich beim Schneiden der Gurken geschnitten. Colette hatte sich die Wunde angesehen und war in Ohnmacht gefallen. Während Raine an ihrem Finger lutschte – sie fand es schwachsinnig, so eine kleine Wunde mit Magie zu heilen – trug Lloyd seine Frau nach draußen. Kratos hingegen blieb in der Küche und ging auf Raine zu.
„Geh weg!“, rief Raine.
„Du hast dich geschnitten, nicht wahr? Zeig her!“ Kratos schnappte sich Raines Hand und betrachtete die Wunde. Er heilte sie.
„Lass das, das kann ich selber!“, schrie Raine. Als sie die Hand wegzog, war die Wunde schon geheilt.
Die anderen wurden jetzt etwas mutiger und betraten die Küche.
„Vielleicht sollte ich weiterkochen?“, fragte Regal.
„NEIN!!! Ich mach das alleine! Raus hier! Alle!“, schrie Raine.
Sofort verschwanden alle aus der Küche, nur Kratos erwies sich als stur, also schob Raine ihn nach draußen und schloss die Tür hinter sich ab.
„Raine, nun sei doch vernünftig! Du benimmst dich wie ein kleines Kind!“, bemerkte Kratos.
„Verschwinde!“ Raine hörte, wie Kratos sich entfernte und atmete tief durch. Kratos hatte eine kleine Strafe verdient. Ihr kam auch schon eine Idee.
„Diesen Tag wirst du nicht so schnell vergessen, Kratos Aurion!“, murmelte sie und grinste hämisch. (Nein, das wird er bestimmt nicht XDDD)
~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~
Colette wachte auf dem Sofa auf. „Uh… Was ist passiert?“
„Du bist anscheinend in Ohnmacht gefallen“, erklärte Sheena.
„Ja… Als ich das Blut gesehen habe, wurde mir auf einmal schwindelig…“ Colette setzte sich erschrocken auf. „Oh nein, das Essen!“
„Keine Sorge, Raine kümmert sich darum“, meinte Lloyd.
„Das ist eher ein Grund, sich ganz gewaltige Sorgen zu machen!“, erwiderte Genis seufzend.
Regal nickte. „Ich hoffe nur, dass sie einige meiner Tipps befolgt und nicht irgendwelche verrückten Kreationen erschafft…“
Kratos stand an der Wand und hatte die Arme vor der Brust verschränkt. „Wir sollten beten, dass wir diesen Tag noch überleben…“
„Oh, das will ich doch hoffen! Ich kann es kaum bis heute Abend erwarten!“, rief Zelos begeistert.
„Das war ja wieder einmal klar…“, meinte Sheena seufzend.
~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~
Nach einer weiteren Stunde kam Raine endlich aus der Küche und stellte das Essen auf den Tisch.
„Hm, das riecht gar nicht mal schlecht“, bemerkte Presea.
„Setzt euch“, forderte Raine die anderen auf.
„Endlich! Ich habe riesigen Kohldampf!“, rief Lloyd. Zögernd nahm er den ersten Bissen von dem Auflauf, den Raine gekocht hatte. „Hm! Das schmeckt wirklich lecker, Professor!“
„Das will ich doch hoffen“, meinte Raine lächelnd. Grinsend sah sie dabei zu, wie Kratos den ersten Bissen runterschluckte.
Kratos hustete. „Ist da… Tomate dran?“
Raine nickte und sah zufrieden dabei zu, wie Kratos weiß wie eine Wand wurde. Aber als er immer stärker hustete und dann vom Stuhl fiel, machte sich Panik in ihr breit.
„Kratos!“, rief Yuan und kniete sich besorgt neben ihn hin. „Er ist gegen Tomate allergisch!“
Raine stürmte zu Kratos und untersuchte ihn. „Ich… Ich wusste nicht, dass es so schlimm ist…“
Kratos war kurz vorm Ersticken. Raine heilte ihn, aber er blieb bewusstlos liegen.
~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~
Kratos wachte in einem weichen Bett auf. Yuan saß neben ihm.
„Da hast du aber Glück gehabt, dass Raine anscheinend doch noch Panik bekommen und dich geheilt hat“, bemerkte er.
„Wo ist Raine jetzt?“, fragte Kratos.
„Sie hat sich im Zimmer hinten rechts eingeschlossen und will nicht mehr rauskommen. Genis hat schon alles versucht, aber… Nun, sie ist halt stur.“
„Ich werde nach ihr sehen“, beschloss Kratos.
„Hältst du das wirklich für eine gute Idee? Vielleicht sollten wir einfach abwarten, bis sie sich beruhigt hat.“
Kratos schüttelte den Kopf und stand auf. Er ging zu dem Zimmer, in dem Raine sich eingeschlossen hatte.
„Raine, ich bin es.“
„Geh weg… Ich will niemanden sehen…“, ertönte schwach ihre Stimme.
„Raine… Was ist los mit dir?“
„Es tut mir Leid, Kratos… Ich habe dich fast umgebracht… Dabei wollte ich nur… Es war so eine dumme Idee… Bitte lass mich allein, bevor ich noch mehr Unheil anrichte…“
„Ich gehe erst, wenn du mir sagst, warum du so wütend auf mich bist.“
„Ich habe dir doch schon gesagt, du würdest es nicht verstehen!“ Raines Stimme klang jetzt wütender.
„Woher willst du das wissen?! Verdammt, Raine, du benimmst dich wirklich wie ein kleines Kind! Ich weiß gar nicht, warum es mich eigentlich interessiert, was los mit dir ist! Kleine Kinder sollte man ignorieren, wenn sie wütend sind, weil man etwas nicht so macht, wie sie es wollen!“
Kratos wandte sich zum Gehen, als die Tür aufgerissen wurde.
„Nimm das zurück!“, schrie Raine.
„Nein. Solange du dich weiterhin so aufführst, werde ich das nicht zurücknehmen.“
„Du bist so ein Idiot, Kratos! Du könntest mich gar nicht verstehen, selbst wenn ich dir erklären würde, was mit mir los ist! Jemand mit einem Herzen aus Eis kann das nicht!“
Kratos sah Raine wütend an. „Ich habe schon viertausend Jahre gelebt und einiges gesehen, aber so eine aggressive Verrückte, die sich wie eine beleidigte Leberwurst aufführt, sobald nicht alles nach ihrer Nase läuft, ist mir noch nie begegnet!“
Raine trat näher an ihn heran. „Soll ich dir mal was sagen?! So ein kaltherziger Narr, der zudem so störrisch ist wie ein Esel, ist mir auch noch nie untergekommen!“
Die beiden merkten nicht, dass die anderen alle neugierig um die Ecke schauten.
„Und es geht in die nächste Runde! Bis jetzt steht es unentschieden, aber vielleicht ändert sich das ja noch?“, flüsterte Zelos im Moderatoren-Ton.
„Halt die Klappe, Zelos!“, zischte Sheena und trat ihm auf den Fuß.
„Sturkopf!“, rief Kratos.
„Verräter!“
„Halbelfe!“
Raine sog scharf die Luft ein. „Du… du… du Mörder!“
Die anderen sahen sich erschrocken an.
Kratos stand noch eine Weile da und sah Raine an. Sie hatte Tränen in den Augen und sie schien schon wieder zu bereuen, was sie gesagt hatte, aber andererseits wollte sie es auch nicht zurücknehmen. Kratos drehte sich um, ging an den anderen vorbei und verließ das Haus.
~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~
„Ich glaube… Das war ein Foul von Raine, oder?“, fragte Zelos.
„Ja, ein großes…“, stimmte Sheena zu.
„Ich sollte mit Raine reden…“, beschloss Genis und er ging zu dem Zimmer, in dem sich Raine inzwischen wieder eingeschlossen hatte.
„Raine…“
„Geh weg!“, schrie sie.
„Raine, bitte, lass mich rein“, bat Genis.
Genis konnte hören, dass seine Schwester weinte.
„Nein… Ich… muss allein sein…“
Genis seufzte. „Raine, willst du wirklich, dass ich allen sage, was los mit dir ist? Ich weiß es. Du liebst…“
Schnell machte Raine die Tür auf und legte ihrem Bruder eine Hand auf den Mund. Sie zog ihn rein und schloss die Tür wieder.
„Du liebst Kratos, nicht wahr?“, fragte Genis.
„Wieso erkennst du das und er nicht?“, wollte Raine schluchzend wissen.
„Die Personen, die davon betroffen sind, merken es meistens nicht. Außerdem… So wie du dich benimmst, denkt er noch eher, du hasst ihn.“
„Aber das sind doch zwei vollkommen gegensätzliche Gefühle!“, widersprach Raine.
„Das stimmt nicht. Hass und Liebe sind sich sehr ähnlich. Liebe kann sich sehr schnell in Hass umwandeln, genauso ist es schon vorgekommen, dass Hass zu Liebe wurde.“
Raine warf sich aufs Bett. „Warum mache ich heute alles falsch? Was soll ich jetzt tun?“
„Ich denke, du solltest ihm sagen, was du für ihn empfindest. Noch ist es nicht zu spät. Und du willst doch nicht wieder eine Chance verpassen, so wie vor vier Jahren, oder?“
Raine sah ihren Bruder verwundert an. „Woher…?“
„Ach, Raine! Ich bin doch nicht blind! Ich wusste schon immer, dass du ihn magst!“
Raine lief rot an und räusperte sich. „Wo, denkst du, ist er jetzt?“
„Wo denkst du wohl, dass er sein wird? Ich meine, er war vier Jahre lang weg…“
Raine umarmte ihren Bruder. „Danke, Genis… Du bist so erwachsen geworden… Viel erwachsener, als ich es bin…“
~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~
Kratos stand an Annas Grab. Raine hatte ja nicht Unrecht gehabt, er war ein Mörder. Er hatte seine eigene Frau umgebracht… Aber er hatte keine andere Wahl gehabt. Wenn er es nicht getan hätte, wäre Lloyd jetzt vermutlich nicht mehr am leben. Trotzdem hatte Raine kein Recht, ihm so etwas an den Kopf zu werfen. Andererseits hatte er sie auch als Halbelfe beschimpft. Er war keinen Deut besser…
„Oh, Krrratos, Sie sind wiederrr hierrr?“
Kratos drehte sich um und sah den Zwerg Dirk vor sich stehen.
„Ja. Aber ich werde jetzt wieder gehen. Ich denke… ein Kasino ist jetzt das, was ich brauche.“ (Oho, Kratos ist doch wohl nicht spielsüchtig? XDDDD)
Bevor der Zwerg irgendetwas erwidern konnte, war Kratos schon weggeflogen.
~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~
Raine verließ das Haus und machte sich durch den Wald von Iselia auf den Weg zu Dirks Haus. Sie vermutete, dass Kratos bei Annas Grab war. Als sie dort ankam, sah sie eine Person dort stehen.
„Kratos, ich…“
Die Person drehte sich um und sie erkannte Dirk.
„Oh, tut mir Leid… Ich dachte, Kratos wäre hier…“
„Errr warrr vorrrhin hierrr, meinte dann aberrr, ein Kasino wärrre jetzt das, was errr brrräuchte“, erzählte Dirk.
„Ein… Kasino? Dann ist er wohl nach Altamira… Aber… was will er in einem Kasino? Nun, danke jedenfalls, Dirk.“
„Kein Prrroblem…“
Raine ging zurück nach Iselia, um sich einen der Rheairds auszuleihen, mit denen die anderen gekommen waren.
Es war ziemlich kalt und der Schnee fiel immer noch, aber als sie in die Nähe von Altamira kam, wurde es spürbar wärmer und es hörte auf zu schneien. Raine landete mit dem Rheaird vor den Toren der Stadt und machte sich dann auf den Weg zu dem Kasino.
Es roch nach Qualm und Alkohol, als Raine eintrat. Sie sah viele Leute am einarmigen Banditen oder Roulette spielen, aber nirgendwo Kratos. Sie ging ein wenig weiter, doch dann hielt sie jemand am Arm fest.
„Heeeeeeeeeeeeeeey, Süsche… Willste net mit mir kommen?“
Es war ein Mann mit Halbglatze und gelben Zähnen. Sein Atem roch nach Whiskey und allerlei anderer alkoholischer Getränke. Raine versuchte, sich seinem Griff zu entwinden, aber der Mann war für seinen betrunkenen Zustand erstaunlich kräftig. Sie wollte ihm gerade eine Ohrfeige verpassen, als er ihren anderen Arm auch noch festhielt.
„Lass mich los, du Mistkerl!“, schrie sie.
Aber der Mann ließ sie nicht los und niemand achtete auf sie.
„Komm her, Schnecke…“
„Ich würde an deiner Stelle lieber die Finger von ihr lassen. Oder du wirst durch eine Hölle gehen, die schlimmer ist als alles, was du dir vorstellen kannst“, sagte eine ruhige Stimme.
„Kratos!“, rief Raine erleichtert.
„Es wäre zum Beispiel nicht weiter verwunderlich, wenn sie nur, um sich zu rächen, dir etwas ins Essen mischt, gegen das du höchst allergisch bist. Mal abgesehen davon, dass ihre Kochkünste einen sowieso umbringen…“
Der Mann ließ Raine los, ob nun wegen Kratos’ Beschreibungen zu Raine oder wegen des Schwertes, welches Kratos bei sich trug, stand nicht fest.
Kratos ging davon; Raine folgte ihm.
„Kratos, was sollte das eben?!“
„Ich habe dich vor diesem Kerl gerettet. Ich dachte, das wolltest du.“
„Warum hast du ihm dann nicht einfach mit dem Schwert vor der Nase herumgewedelt, sondern musstest mich nebenbei noch beleidigen?! Außerdem sind meine Kochkünste viel besser geworden!“, rief Raine wütend.
„Nun, ich wäre trotzdem fast dran gestorben.“
„Es tut mir Leid, okay?! Ich weiß, dass das eine dumme Idee war! Nun bleib doch endlich mal stehen!“
~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~
Kratos hörte nicht auf Raine und ging weiter. Er ging in Richtung Strand; es kümmerte ihn nicht, dass er nachts gesperrt war, er sprang einfach über die Absperrung. Raine folgte ihm hartnäckig. Er war genervt von ihr, er wollte allein sein.
„Raine, lass mich allein“, forderte er.
„Nein! Du wolltest doch wissen, was mit mir los ist! Jetzt bin ich bereit, es dir zu sagen!“
Kratos ging unbeirrt auf das Wasser zu. Wasser war immer noch eine gute Möglichkeit, sie loszuwerden, denn dorthin würde sie ihm nicht folgen. (Na, wenn du dich da mal nicht täuschst… XDD)
„Es interessiert mich nicht mehr. Du kannst wieder umkehren.“
Er tappte in das kalte Wasser. Normal hätte er jeden Kerl, der zu dieser Jahreszeit ins Wasser ging, als verrückt bezeichnet, aber er sah es als einzige Möglichkeit an, Raine loszuwerden. Abgesehen war es nicht ganz so kalt, da Altamira eine warme Region war.
„K-Kratos, was machst du da?!“, fragte Raine verwundert.
„Ich gehe eine Runde schwimmen.“
„Bist du verrückt?! Du holst dir noch den Tod!“, schrie Raine.
„Den hol ich mir anscheinend so oder so…“, murmelte Kratos.
Er war jetzt soweit im Wasser, dass er schwimmen konnte. Er entfernte sich immer weiter von Raine, die unschlüssig am Strand stand.
~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~
Vielleicht fing Raine doch langsam an, Kratos zu hassen – ein Beweis dafür, dass Genis Recht hatte. Der Kerl brachte sie noch auf die Palme, er wusste genau, dass sie ihm nicht ins Wasser folgen würde, nicht folgen konnte. Aber sie war auch nicht bereit, jetzt aufzugeben. Wenn sie jetzt die Chance nicht nutzte und Kratos sagte, was sie für ihn empfand, konnte sie es womöglich nie wieder tun, denn er würde wohl schon am nächsten Tag von Yuan fordern, ihn nach Derris-Kharlan zurückzuschicken. Zögernd machte Raine einen Schritt in das Wasser. (Hab ich es nicht gesagt, Kratos? XDDDD Ich kann hellsehen! XDDDDDDD) Ein Schauer überzog sie, was nicht nur an der Kälte lag, sondern auch an dem Wasser selbst. Was Frauen nicht manchmal alles für Männer taten! Sie ging immer weiter, schließlich stand ihr das Wasser bis zur Brust und sie beschloss, zu schwimmen. Zumindest wollte sie es versuchen. Aber sie kam nicht weit. Schon bald versuchte sie nur noch verzweifelt, über Wasser zu bleiben. Sie schluckte eine Menge Wasser, bis endlich starke Arme sie über Wasser hielten und zum Strand brachten.
Keuchend und hustend lag sie am Strand, Kratos über ihr.
„Was hast du dir dabei gedacht?! Willst du mir irgendetwas beweisen?! Raine, was machst du heute bloß für Dummheiten?! Warum machst du das?!“, bombardierte er sie mit Fragen.
Raine krallte sich an seinem Oberteil fest. „Ich mache das, weil ich dich liebe, verdammt!“
Kratos sah sie verwirrt an. „Aber ich dachte… ich dachte, du hasst mich…“
„Nein…“
„Warum hast du das nicht schon früher gesagt? Wenn ich das gewusst hätte… wäre ich gar nicht erst nach Derris-Kharlan gegangen…“ Kratos schloss Raine in seine Arme. „Ich liebe dich auch, Raine…“
Raine lachte leise. „Und warum hast du nicht eher was gesagt? Vier Jahre haben wir dadurch vergeudet…“
„Wir sind wohl beide daran schuld.“
Raine nickte. Sie zitterte. „Wir sollten uns was anderes anziehen, sonst erkälten wir uns noch.“
Kratos hob Raine hoch. „Ich fliege uns zurück.“
„Warte, der Rheaird!“, wandte Raine ein.
„Wem auch immer er gehört, der kann sich den selber wieder holen“, meinte Kratos lächelnd.
Raine lächelte ebenfalls.
~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~
Sie flogen erst einmal zu Raine, damit sie sich dort umziehen konnte.
„Du kannst in Genis’ Schrank mal gucken. Da sind bestimmt Sachen, die dir passen. Da ich nicht genau wusste, wie sehr er nun gewachsen ist, habe ich alle möglichen Größen gekauft…“, meinte Raine verlegen.
Kratos nickte, aber er ging nicht. Stattdessen küsste er Raine und wurde dabei immer leidenschaftlicher. Raine war nicht weniger leidenschaftlich und zog ihn langsam zu ihrem Bett. Kratos zog Raine den tropfnassen Umhang aus und ließ seine Hand langsam unter ihr Hemd wandern. Während sie sich langsam auszogen, blieben ihre Lippen immer aufeinander, sie wollten diesen Kontakt nicht verlieren.
~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~
„Genis, du bist dir wirklich sicher, dass Professor Raine Dad zurückholt?“, fragte Lloyd seinen Freund.
„Lloyd, das fragst du mich nun schon zum zehnten Mal! Meine Antwort ist immer noch die Gleiche: Ja, sie holt ihn wieder zurück!“
„Aber es ist schon fast Mitternacht…“, bemerkte Lloyd.
„Lloyd, nun mach dich nicht verrückt! Die kommen schon noch rechtzeitig“, versicherte ihm Yuan.
„Wir können ja in der Zwischenzeit schon einmal alles vorbereiten, Lloyd“, schlug Colette vor.
„Gute Idee!“, meinte Lloyd und gab ihr einen Kuss. „Yuan, pass du auf Anna auf.“
„Ach, ich werde hier zum Babysitten verdonnert oder wie? Schön, mit mir könnt ihr es ja machen…“
Lloyd und Colette verließen das Haus. Anna sah Yuan strahlend an.
Yuan lief leicht rot an. „Vielleicht ist es ja doch nicht so schlimm…“
„Hey, Genis! Lass uns einen Schneemann bauen!“, meinte Presea begeistert.
„Aber es ist dunkel draußen…“, gab Genis zu Bedenken.
„Na und? Komm jetzt!“ Presea zog ihn mit nach draußen.
„Wow, Presea geht ja richtig ran…“, bemerkte Sheena lachend.
Zelos umarmte sie von hinten. „Mehr als ich, Sheenalein?“
Sheena verpasste ihm einen Faustschlag ins Gesicht. (Kann mich so vorstellen wie das N aus S-O-N-G aus Miss Undercover 1+2 XDDDD)
„Jetzt, wo keine Verrückte mehr ihr Unwesen in der Küche treibt, werde ich mich um einen kleinen Mitternachtssnack kümmern“, beschloss Regal und verschwand in der Küche.
~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~
Kratos fuhr Raine sanft durchs Haar. Sie lag mit ihrem Kopf auf seiner Brust. Sie fühlte sich so gut an…
„Ich fürchte, wir müssen bald rüber… Es ist fast Mitternacht…“, murmelte sie.
„Hmpf… Ich weiß. Aber eigentlich würde ich viel lieber hier bleiben…“
Raine lächelte ihn an und küsste ihn sanft. „Ich auch…“ Dann stand sie auf und zog sich an. Kratos ging in Genis’ Zimmer, das direkt neben Raines lag und suchte sich etwas raus, das ihm passte. Es war ein weißroter Kimono.
„Hmm… Der steht dir… Ich denke, den kannst du behalten… Genis passt er sowieso noch nicht“, meinte Raine und umarmte ihn.
Sie gingen rüber zu Lloyds und Colettes Haus. Draußen sahen sie Lloyd und Colette, die eifrig am Arbeiten waren und Genis und Presea, die einen Schneemann bauten, der tagsüber wohl eher wie eine Vogelscheuche aussah.
„Dad, Professor, da seid ihr ja endlich! Ich dachte schon, wir müssten ohne euch anfangen!“, meinte Lloyd zufrieden.
„Ich habe es dir doch gesagt!“, erwiderte Genis seufzend.
„Nanu, habt ihr euch umgezogen?“, fragte Colette.
„Ja, wir… wir sind ein wenig nass geworden“, antwortete Raine.
„Zelos, lass mich endlich in Ruhe!“, rief Sheena, die aus dem Haus gerannt kam.
„Aber Sheenalein… Ich habe doch nur gefragt, ob du auch einen Schneemann mit mir bauen willst…“, sagte Zelos.
„Ja, aber gleich darauf meintest du, er solle aussehen wie das ‚ultraheißeste Zuckerpüppchen des Jahres’!“
„Sheenalein… Damit meinte ich doch dich…“
Sheena blieb stehen. „Was?“
„Du bist das ultraheißeste Zuckerpüppchen dieses Jahres… Aller Jahre…“, meinte Zelos und ging auf Sheena zu.
„Ich…“ Sheena sah Zelos in die Augen und lief rot an. Sie drehte sich schnell weg, damit er es nicht sah.
Jeder sah, wie sehr Zelos sich beherrschen musste, um Sheena nicht zu umarmen und alles zu ruinieren.
Yuan, der Anna auf dem Arm trug, und Regal kamen aus dem Haus.
„Es ist gleich soweit“, teilte Regal den anderen mit.
Yuan gab Anna ihrer Mutter. Dann bemerkte er Kratos und Raine. „Ach, seid ihr auch wieder da?“
„Sieht so aus…“, erwiderte Kratos.
„Puh, wenigstens ist jetzt alles vorbereitet…“, sagte Lloyd. „Von mir aus kann es losgehen.“
„Hat jemand von euch eine Uhr?“, fragte Presea. (Ich weiß nicht, ob die Uhren haben, aber die brauchen jetzt eine, also gibt es da welche, basta XDDDD)
„Ich habe eine“, meinte Yuan. „10… 9… 8… 7… 6… 5… 4… 3… 2… 1… Frohes Neues Jahr!!!“
„Frohes Neues Jahr!“, riefen auch die anderen.
Lloyd zündete die Raketen an, die er und Colette vorher vorbereitet hatten, Regal holte ein Tablett mit Snacks, Sekt und Orangensaft für Genis und Presea aus dem Haus und die anderen sahen sich das Feuerwerk am Himmel an.
„Zelos“, sagte Sheena, „wusstest du, dass es in Mizuho eine alte Tradition an Silvester gibt?“
„Nein.“
„Wenn Mitternacht ist, dann küsst man eine Person, die man gern hat…“ Sheena drehte sich zu ihm um und küsste ihn.
Presea schien dies gehört zu haben und obwohl sie nicht aus Mizuho kam, küsste sie Genis trotzdem. Diesem wurde so heiß, dass der Schneemann neben ihm zu schmelzen anfing.
„Lloyd, das ist einfach wunderschön!“, lobte Colette und gab ihrem Mann einen Kuss.
Auch Anna schien es zu gefallen.
„Ach… Silvester gehört immer noch zu meinen Lieblingsfesten…“, bemerkte Yuan und nahm einen Schluck Sekt.
„Ich mag jedes Fest, weil ich da besondere Dinge kochen kann“, erzählte Regal. „Vorausgesetzt, man lässt mich…“ Er warf Raine einen kurzen Blick zu.
„Das alte Jahr endet…“, sagte Raine.
„Und ein Neues beginnt“, fügte Kratos hinzu.
„Auch wir machen einen Neuanfang…“, meinte Raine und umarmte ihn.
Kratos nickte, gab ihr einen Kuss auf die Stirn und beide betrachteten sie das bunte Feuerwerk, das den Himmel erhellte und das neue Jahr ankündigte.
[Dieser Beitrag wurde am 02.05.2008 - 11:08 von DelFina18 aktualisiert]
Signatur
Crynil, do rical nade;
Elran, do tilial nade;
Mina, ris fris antaras nideras ko offim desto;
Boli dyx strimur syrax windalk!
© by DelFina18
 |