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aBaer 
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...   Erstellt am 20.02.2011 - 21:55Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hilla
ist nicht zu fassen

von a-baer



Diese Geschichte ist einer Frau gewidmet, die ich in meiner "späten Jugend" kennen und lieben gelernt habe. Sie ist dafür verant-wortlich, dass ich bis heute nicht verstehen kann, warum das Wort Schwiegermutter einen so negativen Beiklang hat. Mit ihr habe ich persönlich das ganz anderes erfahren dürfen. Ich bin dankbar da-für, dass sie bis heute Bestandteil meines Lebens ist.
Hilla, danke für alles.
Bär


Vorwort
Die folgenden Erzählungen sind wahr. Ich habe sie so aufgeschrieben, wie ich sie in Erinnerung habe. Zugegeben, ich verfüge lediglich über ein Bä-rengedächtnis und das ist bekanntermaßen nicht das Beste. Aber ein ande-res habe ich nicht. Und es gibt auch keine Aufzeichnungen über die Ereig-nisse außer hier und da vielleicht mal ein Foto. Sollte sich also jemand in anderer Weise an diese Ereignisse erinnern, so will ich das großzügig ge-statten. Ich erinnere mich halt so.
OK, vielleicht habe ich hier und da mal eine ganz kleine dramaturgische Überhöhung eingefügt. Aber dann wirklich nur eine klitzekleine. Und sollte ich einmal etwas ausgelassen haben, dann nur in allerbester Absicht. Näm-lich damit es für mich nicht zu peinlich wird.
Man könnte jetzt die Frage stellen, warum jemand solche Dinge überhaupt aufschreibt, dazu noch nach so langer Zeit. Die Antwort ist nicht einfach. Vielleicht, weil es an der Zeit war. Vielleicht, damit es nicht völlig in Verges-senheit gerät. Möglicherweise liegt das Motiv auch tief in meiner Seele ver-borgen und ein Psychologe würde daran Abgründe herausarbeiten. Ein Grund liegt jedenfalls auf der Hand. Einem so netten Menschen wie dem, um den es hier geht etwas zum achtzigsten Geburtstag zu schenken, ist schon verdammt schwer. Und in so weit kann man dann doch auf die Ab-gründe meiner Seele schließen. Ich habe es mir leicht gemacht, und mir die Suche in den Läden erspart. Dafür bekommt Hilla keine neue Kaffeema-schine, und auch keinen neuen Toaster.
Wichtig ist, ihr könnt also sicher sein, dass sich alles genau so abgespielt hat, wie ich es hier schildere. Also – fast genau so. Oder so ähnlich.
a-baer, Febr. 2011 


Der Beginn
Hilla! – Anfang. Ja klar, aber wo fange ich da an?
Logisch, am Anfang natürlich. Aber wo ist der?
Nun, einer der Anfänge war der Sommer 1979.
Ich war Student. Nicht ganz ohne Stolz, ich gebe es zu. Der erste in der Familie, der es bis zu einem Studium geschafft hatte. Aber das ist hier ne-bensächlich. Es war ein schöner Sommer. Und es waren Semesterferien. Wieder einmal hatte ich beschlossen, etwas für meine Fitness zu tun. Und so drehte ich in einem kleinen Hallenbad in meinem Wohnort meine Run-den.
Irgendwann war neben mir im Wasser ein Mädchen . Wir erkannten uns. Gemeinsam hatten wir ein paar Jahre lang die Abende der Deutschen Le-bensrettungsgesellschaft besucht und tauchten sehr gern. Petra war der Schwarm aller Jungen damals (außer mir) und der Albtraum aller Jungs, die sie näher kennenlernten und sich Hoffnungen machten. Wir kamen ins Gespräch und ich lud sie auf ein Glas Mineralwasser ein. Nicht besonders originell, ich weiß. Aber immerhin nahm sie an. Und so lernte ich Petra kennen, die ich ja schon kannte. Ich brauche bei Frauen immer etwas län-ger. Und ein paar Jahre Anlauf konnten da nicht schaden.
Nun irgendwie hat das mit dem Mineralwasser aber geklappt. Wir redeten über alte Zeiten und ich erfuhr, dass ihr Vater kurz zuvor verstorben sei, und sie nur deswegen in der Gegend war. Sie studierte in Bonn. Wir verab-redeten uns für den nächsten Tag. Und noch einmal. Und wieder. Ich bin kein Mensch, der sich Hals über Kopf verliebt. Bei mir braucht das Zeit, viel Zeit zum wachsen.
Es dauerte ein paar Tage bis ich irgendwann einmal bei ihr zu Hause war. Oder besser – bei ihrer Mutter zu Hause. Ich weiß nicht mehr, ob ich offiziell eingeladen war oder nur so vorbei kam. Jedenfalls lernte ich bei dieser Gelegenheit ihre Mutter kennen. Hilla. Eigentlich hieß sie Hildegard. Aber in einem ernsten Gespräch erklärte sie mir irgendwann einmal, dass sie es bevorzugen würde mit Hilla angesprochen zu werden. Warum hab ich nie erfahren.
Hilla war relativ jung. Naja, sie war jünger als ich heute, wo ich dies schrei-be. Aber irgendwie hat sie es geschafft, bis heute so jung zu bleiben. Sie ist immer noch blond. OK, ich weiß, sie mogelt da ein wenig. Aber man sieht es nicht.
Außerdem ist sie auf eine andere Art jung geblieben. Es ist schwer zu er-klären. Am Besten du versuchst, sie mal auf einen Besuch einzuladen. Wenn ich nur daran denke, öffnen sich vor meinem inneren Auge Termin-planer, ganze Reihen von Termindateien. Virtuelle Sekretärinnen geraten in Aufregung, internationale Telefonkonferenzen werden durchgeführt. Man sieht das alles nicht. Was man sieht ist ein (etwas erstaunter) Augenauf-schlag. Der folgende Satz beginnt mit: "Ach ja…" Etwa so: "Ach ja, Uwe. Du weißt doch wie das bei mir ist. In der Woche bin ich…" Es folgt eine Reihe von Aufzählungen verschiedener Termine wie Urlaub auf Mallorca, gesellschaftliche Verpflichtungen wie Hochzeiten, Housesitting, Beerdigun-gen. Ich weiß nicht, wie das möglich ist. Aber ich schwöre, dass sie Beerdi-gungstermine bereits einen Monat im Voraus kennt und plant. Das Ergebnis jedenfalls ist, dass sie unglaublich gerne der Einladung folgen würde, es aber beim besten Willen nicht geht. Auch jeder andere vorgeschlagene Termin ist fast machbar. Aber eben nur fast.
Der fünfzigste Geburtstag
Aber dieses Terminproblem ist auch nicht der Anfang, denn so ist Hilla im-mer. Ziemlich am Anfang stand jedoch ein Geburtstag. Es war ihr fünfzigs-ter. Und sie hatte etwas Besonderes vor. Sie lud nämlich ein in ein Restau-rant in Mariental. Ich glaub', ich muss das jetzt kurz erklären. Dieses Res-taurant war damals für so einfache Menschen das, was für den französi-schen Gourmet ein Dreisterne-Restaurant ist. Ganz edle Küche mit einem guten Ruf im Umkreis von vielen Kilometern. Und natürlich den passenden Preisen dazu. Und dahin lud Hilla ein. Mich auch. Ich hätte nicht damit ge-rechnet. Entsprechend war ich hocherfreut. Wir sind dann mit mehreren Autos dahin gefahren und erlebten beim Studium der Speisekarten erstmal einen kleinen Schock. Grünkohl mit Pinkel, gab's zur Auswahl. Hoppel-Poppel und andere bewährte Gerichte aus einer deutschen Küche der Jahrhundertwende. Wir hatten die "Deutsche Woche" im Restaurant er-wischt. Und außer dieser typisch deutschen Einfachküche fand sich nichts mehr auf der Speisekarte. Die Enttäuschung beim Studium der Gerichte wurde größer und größer.
Aber Hilla wäre nicht Hilla, wenn sie nicht auch dafür eine Lösung gehabt hätte. Noch bevor ich mich für die Erbsensuppen entscheiden konnte, be-stellte Hilla den… Koch.
Der kam und hörte sich einige Minuten Hillas Vortrag an. Dabei nahm sein Gesicht einen immer freudigeren Ausdruck an bis er schließlich mit einem ekstatischen Lächeln in seine Küche zurückschwebte. Ich kann mich heute nicht mehr an Einzelheiten erinnern. Aber ich weiß noch genau, dass es mindestens fünf Gänge gab. Jeder einzelne als eigene Mahlzeit geeignet. Einer davon enthielt Wild, das weiß ich auch noch. Dass es dass beste Essen war, das ich bis dahin genießen durfte, das weiß ich auch noch. Ich weiß auch noch, dass ich irgendwann am Ende des Essens kurz vor dem Platzen stand. Ich hatte getan, was ich konnte. Ehrlich. Eine einzige Erbse mehr und es hätte eine ziemliche Schweinerei gegeben. Und nicht nur mir ging es so. Aber – ich bereute nichts. Dachte ich zumindest.
Wie gesagt, ich kannte Hilla noch nicht so lange und noch nicht so gut. Noch während wir alle damit beschäftigt waren, irgendwie mit den verputz-ten Mengen fertig zu werden, erschien noch einmal der Koch. Das an sich wäre nicht so schlimm gewesen. Aber mit ihm kam ein Spiegel, der als Träger der Nachspeise diente. Ich weiß noch genau, dass es ein runder Spiegel war. Einer von der Größe, in denen man sich ganz betrachten kann. Und an diesem Tag stimmte wohl auch die runde Form für das Betrachten des ganzen Körpers. Nur wurde dieser Spiegel nicht aufrecht, sondern waagerecht getragen. Und er war gefüllt mit Früchten, Eiscreme und Sahne. Was sage ich – gefüllt. Aufgehäuft hatte man das Zeug.
Nach erstem Entsetzen besannen wir uns dann doch auf unsere Pflicht als gut Gäste. An diesem Tag sind wir alle über uns hinausgewachsen. Und als der Spiegel abgeräumt wurde, konnte man sich auch wieder darin sehen. Habe ich noch etwas vergessen? Ach ja, eine Kleinigkeit. Ich habe hinterher mitbekommen, was Hilla für das Essen bezahlt hat. Ich war erschrocken über den Betrag. Aber so ist eben Hilla. Wenn es um Gäste geht.
Nichts im Haus
Bleiben wir beim Essen. Natürlich war dieser fünfzigste Geburtstag spei-sentechnisch schon etwas Besonderes. Aber sooo besonders für Hilla war er dann doch wiederum nicht.
Hilla hat eine große Küche. Sehr groß. Und sehr gemütlich. Und diese Kü-che ist ein Ereignisfeld. Wie beim Monopoly, nur dass es keine negativen Karten gibt. Man gewinnt immer. So ist es immer schon gewesen.
Später hat Hilla das Haus noch einmal ausgebaut. Und was soll ich sagen? Diese Familie ist immer für eine Überraschung gut. Ihr Mann, der ja ver-storben war hatte in jahrelanger Arbeit das halbe Grundstück untergraben. Und, nachdem man ein wenig Erde beiseite geschaufelt hatte, stieß man auf Gebäudeteile ungefähr in den Dimensionen eines kleineren U-Bahnhofs. Ich habe gehört, er hätte das alles mit der Hand ausgegraben und selbst die Fundamente gegossen und gemauert. OK, wahrscheinlich war es die Arbeit von Jahrzehnten. Kurz und gut, Hilla machte daraus einen Anbau, der zu einem eigenen Haus wurde. Vor dem Souterrain wurde ab-geböscht und riesige Fenster eingebaut. Und irgendwie schaffte Hilla es, dieses ganze Teil auch noch vom Bauamt genehmigen zu lassen. Nee, fragt mich nicht, wie. Aber ich schweife ab.
Die Küche wurde natürlich noch einmal größer und hat mich für mein spä-teres Leben geprägt. Nicht nur, was die Räumlichkeiten anging, sondern auch wegen dessen, was auf den Tisch kam. Ich will mich hier nicht in Ein-zelheiten verlieren. Aber wenn Hilla zum Beispiel zum Frühstück einlud , waren zwei Dinge klar. Erstens, nimm dir nichts anderes an diesem Tag vor. Zweitens, ein Frühstück ist eine ausreichende Mahlzeit für den ganzen Tag.
Und noch eines, wenn Hilla für Gäste einkaufen ging, dann zeigte sie Phantasie, Kreativität und Anspruch. Und das galt auch für das, was in ihrer Küche entstand. Ich führe das nicht weiter aus. Wer bei Hilla schon einmal gegessen hat, weiß was ich meine. Wer nicht, der lasse einfach seine Phantasie spielen und stelle sich einen gedeckten Tisch vor, der bei einem Wettbewerb sofort einen Preis gewinnen würde. Er stelle sich die leckersten Dinge vor, die man sich gerade vorstellen kann. Ja, fast, noch ein wenig mehr. Noch etwas schöner. OK, das kommt dem schon ziemlich nahe.
Einer von meinen Lieblingssätzen von Hilla lautet: "Schön, dass ihr kommt. Aber ich habe gar nicht mit euch gerechnet. Ich habe nichts im Haus, was ich euch anbieten kann." Dieser Satz ist traditionell. Er hat nicht das Ge-ringste mit dem zu tun, was Hilla im Kühlschrank oder ihren Vorräten hat. Ich denke heute, es ist einfach ein traditioneller Willkommensgruß. Es folgt eine herzliche Umarmung und ein strahlendes Gesicht, dass bestätigt, dass das Willkommen keine Höflichkeitsfloskel ist.
Von der Haustür gelangt man mit zwei Schritten durch eine volldurchsichti-ge Glastür in die Küche. Das sagt eigentlich schon alles. – Apropos Glastür. Gegenüber der Küche befindet sich ein winzig kleines Gäste-WC. Ebenfalls mit einer Glastür. Das ist so ein Ornamentglas, man kann also nicht so ohne weiteres hindurchsehen, sagte man. Aber als das alles so gebaut wurde, kam mir das doch merkwürdig vor. Ich hatte mal in einer Glaserei gearbeitet. Aber wir wurde versichert, dass durch diese Tür nichts zu sehen wäre. Stimmte aber nicht. Hinzu kam, dass das Örtchen kein Fenster hatte und somit von innen beleuchtet wurde, wenn es jemand benutzte. Das tat aber keiner so gern. Ich jedenfalls nicht. Denn – immer wenn man da saß, hatte man den Eindruck in einem Schaufenster zu sitzen. Und dieser Eindruck täuschte nicht wirklich. Stehpinkler wurden sofort entlarvt. Es hatte aber zur Folge, dass die Benutzung dieses Örtchens immer auf die kürzest notwendige Zeit beschränkt wurde. Heute hängt übrigens ein großes Poster an der Tür, so dass die Privatsphäre wieder hergestellt ist. Aber ich wollte ja von der Küche erzählen. Obwohl – gehört ja irgendwie zusammen.
Also – in der Küche angekommen, wird traditionell die Begrüßung fortge-setzt mit: "Habt ihr Hunger?" Wichtig ist, das ist keine Frage, sondern ein Hinweis. Ein Widerspruch wäre… ach, vergesst das mit dem Widerspruch. Entweder man sagt nichts oder bestätigt das. Das Ergebnis ist in jedem Fall das gleiche. Erneut, die Versicherung, absolut nichts im Haus zu haben.
Darauf wird der Kühlschrank geöffnet. Wahrscheinlich in der Hoffnung, wenigstens etwas Butter und Käse zu finden. Es folgt der "Hilla-Kühlschrank-Blues".
"Ach…"
Dieses 'Ach' ist wichtig. Es zeigt auf, dass Hilla ganz vergessen hat, dass da ja doch noch eine 'Kleinigkeit' ist. Also…
"Ach… da habe ich ja doch noch ein paar Scheiben Parmaschinken. Und ein wenig Leberpastete habe ich auch noch".
Der Leser möge sich vorstellen, dass zwischen den Sätzen kleine Pausen entstehen, während derer die Suche in einem durchaus wohlgefüllten Kühl-schrank fortgesetzt wird.
Ich möchte eure Geduld nicht überstrapazieren. Diese Aufzählung hält eine Weile an und umfasst in etwa das Angebot eines durchschnittlichen Delika-tessengeschäftes. Sie wird anschließend mit dem Öffnen des Brotschranks fortgesetzt.
An diese Stelle ist Hilla immer ein wenig beschämt, weil sie "nichts Rechtes" anbieten kann. Es folgt der Vorschlag, noch einmal im Keller nachzusehen, da müsse doch noch…
Wer Wert darauf legt, diesen Tag kalorientechnisch zu überleben, sollte an dieser Stelle doch besser unterbrechen, sich begeistert zeigen und darauf bestehen, mit den Vorräten aus Kühl- und Brotschrank vorlieb zu nehmen. Wenn man es geschafft hat, auch die folgenden Angebote, eine 'Kleinigkeit' zu kochen, abzuwehren, kann man alsbald die Vorzüge eines 'so gut nicht vorhandenen' Angebots genießen. Unnötig zu erwähnen, dass sich hierzu immer auch noch zufällig eine gekühlte Flasche Sekt, Wein, Sherry oder was auch immer findet. Einfachere Getränke wie Wasser, Fruchtsaft und Kaffee sind ohnehin obligatorisch.
Ich denke, jetzt muss ich nicht mehr erzählen, wie das aussieht, wenn Hilla Gäste erwartet. Die Erlebnisse in dieser Küche, die Geselligikeit und die Gastfreundschaft sind mir in meinem Leben Vorbild geworden. Auch wenn ich zugeben muss, es nie ganz erreicht zu haben.
Auf in den Urlaub
Zwei Jahre nachdem ich Petra und Hilla kennenlernte, ich glaube es war 1981, bahnte sich ein großes Projekt an. Wir wollten Urlaub machen. Mit vier Leuten, Petra, Annet, das ist Petras jüngere Schwester, Hilla und ich. Von meinen Freunden und Bekannten wurde ich für verrückt erklärt. Urlaub mit der Schwiegermutter? Ein no go. Unmöglich. Das geht ja gar nicht. Mit Betonung auf 'gar nicht'.
Also, wenn ich ehrlich bin, ich hatte auch meine Zweifel. Also jetzt nicht wegen Schwiegermuttersyndrom oder so. Nee, im Gegenteil. Ich mag Hilla. Sehr sogar. Aber Hilla war ja nun fünfzig und wir wollten mit dem Zelt los. Aber dachte ich mir, sie ist alt genug, um das selbst zu wissen. Wusste sie auch und von da an war das den ganzen Urlaub lang kein Thema mehr.
Hilla hatte sich damals ein neues Auto gekauft. Einen VW Passat. So eine größere Limousine mit Heckklappe. Gibt es ja heute auch noch. Dann kam die Kunst des Packens. Immerhin waren wir zu Viert. Dazu zwei Zelte, Tisch, Stühle, Kochgeschirr, Luftmatratzen, Schlafsachen, ein paar Vorräte und, und, und. Mit Hilfe eines Dachträgers und einer mathematisch ausgek-lügelten Packtechnik (Petra studierte Informatik) brachten wir alles unter. Sechs Wochen wollten wir unterwegs sein. Quer durch Westeuropa bis Portugal und zurück. Ich kann vorweg nehmen, es wurde ein traumhafter Urlaub.
Die erste Etappe hieß natürlich Paris. OK, war ganz nett. Ich bin aber nicht der Fan von Städten, erst recht nicht von Großstädten. Aber Eiffelturm, Champs Elysee etc. mussten schon drin sein. Mit Annet hatten wir auch jemanden dabei, die französisch sprach. War ein Hauptfach in der Schule. Nur – sie sprach das nicht. Jedenfalls nicht in Frankreich. Machte aber gar nichts. Wir wurschtelten uns durch. Und nachdem wir herausgefunden hat-ten, dass in Frankreich nicht die Straßen brennen sondern feu nicht nur Feuer, sondern auch Ampel heißt, mussten wir nur noch 'links' und 'rechts' lernen, und schon konnten wir mit Hilfe eines Polizisten von Paris nach Versailles finden. Das war schon eher nach meinem Geschmack.
Gefahren sind meist Hilla oder ich. Petra und Annet fanden sich in der Re-gel auf der Rückbank wieder. Eine lustige Aufgabe war es immer, abends einen Campingplatz zu finden. Aber auch das hat irgendwie (fast) immer geklappt. Unsere Zelte waren so kleine Hundehütten. Platz für jeweils zwei Personen und die Tasche mit den persönlichen Utensilien. Davor ein kleiner Campinggaskocher , ein Tisch und ein paar winzige Klappstühle. Es war ein einziges Abenteuer. Es war toll. Wir sind dann noch ein Weilchen durch Frankreich gerollt und schließlich an der Biscaya in Biarriz gelandet. Hier weiß ich nicht mehr viel, außer dass es einen tollen Sandstrand gab. Und einen scharfen Wind, der den Sand bis in Kniehöhe so vor sich hertrieb, dass man das Gefühl hatte, vor einem Sandstrahlgebläse zu stehen. Das hat uns aber nicht abgeschreckt.
Und hier habe ich zum ersten Mal erlebt, was passiert, wenn man Hilla fo-tografiert. Ich versuche jetzt nicht, das zu erklären. Kann ich auch nicht. Das Ergebnis ist aber jedesmal ein Foto, das aussieht, wie in einer stun-denlangen Session in einem Studio entstanden. Gut, Petra, die die 'Kame-raarbeit' übernommen hatte, hatte auch Ahnung davon. Dennoch schafft Hilla es immer wieder professionelle Posen einzunehmen, wenn sie foto-grafiert wird, selbst dann, wenn sie es gar nicht bemerkt haben kann. Viel-leicht hat das heute ein wenig nachgelassen, ich weiß es nicht. Aber schaut euch mal Bilder von diesem Urlaub an. Ich hätte das ganze auch nennen können 'Hilla – ein Model tourt durch Europa'.
Nee, kein Spaß. Wenn ihr das für einen Scherz haltet, kennt sie nicht.
Nach Portugal
Also Biarriz war nicht schlecht, aber wir hatten ein Ziel. Am nächsten Tag ging es weiter über die Pyrenäen nach Spanien. Dann weiter über Burgos nach Valladolid. Unterwegs immer wieder endlose Sonnenblumenfelder. Besonders eindrucksvoll waren Sie, wenn wir mittags die Sonne links von uns hatten und die Felder rechter Hand lagen. Dann blickten wir direkt in die Blüten, ein endloses, gelb/braunes Meer. Irgendwo vor Salamanca fanden wir einen herrlichen, kleinen Campingplatz direkt an einem Fluss. Durch Salamanca wollten wir nicht einfach hindurch fahren. Die Sonne stand schon sehr tief, als wir die Stadt erreichten. Ein wundervolles Licht beleuchtete die alten Bauten und Türme. Hoch oben in den Türmen nisteten viele Störche. Ich konnte den Blick nicht mehr abwenden. Das gelang mir erst wieder, als ein Auto laut hupend um mich herumkurvte. Aus dem geöffneten Fenster kam der Arm des Fahrers mit einer Geste von der ich sicher bin, dass sie beleidigend gemeint war. Und das "Mordio!" habe ich auch verstanden. Dennoch ist Salamanca für mich die Stadt des Sonnen-untergangs und der Störche geblieben.
Irgendwo auf diesem Weg hatten wir noch ein kleines Erlebnis. Es war vor dem Wochenende, schon relativ spät und wir hatten keine Vorräte mehr. Da entdeckten wir im Licht der Abendsonne vor uns ein kleines Bergdorf. Für etwas Brot und Gemüse sollte das doch reichen. Nun, wir fanden wirklich einen ganz kleinen Laden. Allerdings keinen Supermarkt. Ich kann nur Supermarkt-spanisch. Alles in den Einkaufswagen legen und an der Kasse nachschauen, welche Zahl die anzeigt. Das muss man dann bezahlen und gracias sagen. Genau das ging hier nicht, weil alle Waren hinter der Theke lagen. Das schafften wir aber noch mit zeigen. Dinge die nicht sichtbar waren, mussten auf deutsch, englisch und schnell erfundener Gebärden-sprache ins spanische übersetzt werden. Die zunehmende Zahl der Dorf-bewohner war dabei sehr behilflich. Am Ende, war der Laden voll, niemand verstand überhaupt irgendjemand. Aber wir hatten, was wir brauchten und alle hatten Spaß. Sogar einen Campingplatz haben wir später noch gefun-den.
Weiter ging es Richtung Lissabon. Die Landschaft war schon längst eher wüstenartig geworden, jetzt in Portugal wurde sie bergig. Recht enge, ge-wundene Straßen in Richtung der Hauptstadt und viel Verkehr. Teilweise Kolonnenverkehr. So lernten wir das portugiesische Äquivalent zum Auto fahren kennen. Das geht ungefähr so. Wenn vor dir eine Reihe von Autos hast, dann überholst du. Es ist gleich, ob du die Straße übersehen kannst. Das passt schon. Irgendwie. Wenn Gegenverkehr aufkommt. Keine Panik. Das passt schon. Besonders hervorgetan haben sich die LKW-Fahrer. Ir-gendwann war ich mit dem Fahren dran. Ich glaube, Hilla hatte entnervt aufgegeben. Ich fuhr also in einer endlosen Kolonne. Vor mir einige LKW. Überholen? Völlig unmöglich. Dachte ich. Dann sah ich im Außenspiegel den LKW. Der überholte grad' ein paar Autos und LKW hinter uns. Das passte auch so gerade eben. Die Straße war wirklich nicht breit. Dann kam die nächste Kurve und es kam Gegenverkehr. Und bei mir kam Spannung auf. Ich hatte keine Ahnung, wie der Fahrer das auflösen wollte. Habe ich eigentlich schon von den vielen Autowracks erzählt, die immer wieder un-terhalb der Straße lagen? Na, ich will niemanden beunruhigen. Apropos Unruhe, die verspürte der LKW-Fahrer überhaupt nicht. Der überholte näm-lich weiter. Ich gab Gas, fuhr so dicht wie möglich auf meinen Vordermann auf, um die Möglichkeit zu schaffen, hinter mir einzuscheren. Der Gegen-verkehr war jetzt sehr nahe. Ebenfalls ein großer Truck. Dann begann das Unglaubliche. Der Wahnsinnige begann, uns zu überholen. Ich versuchte, eine Lösung zu finden um den Frontalzusammenstoß zweier LKW direkt neben uns zu überleben. Ich fand – eine Felswand zur Rechten und einen (gefühlten) Vierzigtonner zur Linken. Unmittelbar vor mir, ihr ahnt es, die hässliche, massive Rückseite eines weiteren Lasters. Eine Lösung fand ich nicht. Aber der Wahnsinnige hatte eine. Unmittelbar vor dem Frontalzu-sammenstoß - ich kann keine Millisekunden beziffern weil es keine Zeit mehr gab. Sie war vor Schreckt stehen geblieben. Aber unmittelbar vor dem Zusammenstoß zog dieser gottverlassene Mensch sein Ungetüm scharf nach rechts. Nur, da waren wir. Habt ihr schon einmal gesehen, wie groß die Räder eines Lastwagens sind, wenn die sich unmittelbar neben dem Seitenfenster drehen und sehr, sehr böse dreinschauen? Ich werde den Anblick nicht vergessen. Nie. Ich konnte auch nicht mehr reagieren. Wie gesagt, es gab ja keine Zeit mehr. Ein Impuls von meinen Augen zum Gehirn und von da aus zu irgendwelchen Extremitäten um zu lenken oder zu bremsen hätte Monate gebraucht. Mir war klar, wir sind tot. Blöd, nicht mal die Hälfte des Urlaubs genossen und schon tot.
Wären wir auch gewesen. Aber die Extremitäten eines Bären wie mich interessieren sich nicht für solche Phänomene wie Zeit. Sie sind nicht un-bedingt auf das Vorhandensein eines Gehirns angewiesen.
Wer an dieser Stelle meint, damit auf das Vorhandensein oder die Leis-tungsfähigkeit eines Gehirns bei mir schließen zu können… Bitteschön, ich halte das aus.
Wo war ich? Ach ja, wir waren tot. Mein rechtes Bein war allerdings noch nicht davon überzeugt. Es tappte auf die Bremse.
Man sagt, die Kontaktfläche eines Autoreifens sei etwa so groß wie eine Postkarte. Auf dieser Fläche habe ich etwa einen Millimeter Gummi von Hillas Reifen verbraucht. Die einschwenkende, hinter Stoßstange des LKW verfehlte uns um eine Länge, deren Bemaßung sonst in der Atomphysik verwendet wird. Damit nicht genug fing der Fahrer hinter uns an, lang und böse zu hupen. Immerhin hatte er wegen uns bremsen müssen. Mir war das egal. Wir lebten. Ein wenig zittrig zwar, aber wir lebten. Und hatten bis Lissabon ganz viel Gesprächsstoff. Wäre ich eine Katze, hätte ganz sicher hier irgendwo ein Zählwerk von einer kleinen Zahl eine Eins abgezogen.
Lissabon war traumhaft. Ich sagte schon, ich mag keine Städte. Außer Lis-sabon. Und San Francisco. Aber Lissabon war meine erste Großstadtliebe. Aber das soll ja kein Reisebericht werden.
Von Lissabon ging es die Küstenstraße in Richtung Süden, Richtung Algar-ve. Da wollen wir zwei Wochen bleiben. Unterwegs viele malerische Dörfer und kleine Küstenstädtchen. Und immer wieder sahen wir im Vorrüberfah-ren merkwürdige Kleidungsstücke auf einfachen Drahtkleiderbügeln zu Trocknen aufgehängt. Alle in einem schmutzigen graubraun und alle mit merkwürdigen Troddeln oder Zipfeln, die herunterhingen. Irgendwelche merkwürdigen Schulterwärmer oder Schals? Wir hatten keine Ahnung. Die Lösung ergab sich, als wir irgendwo Halt machten, weil ein kleines Volksfest stattfand. Dort hingen an einem Stand wiederum diese merkwürdigen Stücke. Tatsächlich handelte es sich um ausgenommene Tintenfische, die dort so zum Trocken ausgehängt werden.
Das Schlimmste aber ist, wenn die so richtig getrocknet sind werden die gegrillt und gegessen. Wobei – gegrillt beschreibt die Art einer Zubereitung. Getrocknetes verbrennt auf dem Grill. Tintenfische machen da keine Aus-nahme. Sie wissen es eben auch nicht besser. Also gibt es auf portugiesi-schen Volksfesten getrockneten, verbrannten Tintenfisch, der sich großer Beliebtheit erfreut. Ich weiß es nicht sicher, aber ich könnte mir vorstellen, dass dies zum Niedergang einer einstmals so großen Seefahrernation we-sentlich beigetragen hat. Und nein, wir haben den Fisch nicht probiert. Wir haben ihn gerochen. Und das reicht.
Vom Ende der Welt und südlicher Sonne
Bevor wir die Algarve erreichten, machten wir noch einen Abstecher zum Cabo de Sao Vicente. Das ist der südwestlichste Punkt Europas. Also von da aus geht es 100 Meter senkrecht nach unten und dann immer geradeaus nach Amerika. Nach Amerika wollten wir aber an dem Tag nicht hin. Und von dem Kap gibt es außer dem kräftigen Wind gibt es nichts Erzäh-lenswertes. Man gewinnt ein wenig einen Eindruck davon, warum die Por-tugiesen diesen Fado erfunden haben. Wenn man den einmal gehört hat, dann begreift man, was es bedeutet, dass dieses Volk schon immer am Ende der Welt lebte.
Jedenfalls hatte ich hier, am Ende der Welt ein kleines persönliches Erleb-nis. Ein paar Händler hatten dort Stände aufgebaut. Einer davon versuchte mir einen Pullover, sagen wir 'zu verkaufen'. Er wollte einfach nicht glau-ben, dass er keinen in meiner Größe anbieten konnte. Und um ihm das zu beweisen, habe ich einen anprobiert. Ich würde ihn wahrscheinlich heute noch tragen, wenn mir nicht Hilla und die anderen da wieder heraus gehol-fen hätten.
Was folgte war die Algarve.
Doch, ich finde, allein der Name hat schon einen eigenen Absatz verdient.
Algarve!
Habe ich schon das Wort traumhaft verwendet? Ich suche verzweifelt nach anderen Begriffen. Der Thesaurus schlägt mir anmutig oder phantastisch vor. Naja. Geht so. Aber wie beschreibt man die Algarve wirklich?
Ockerfarbene Felsen in phantastischen Formationen. Kristallklares Wasser. Ein tiefblauer Himmel und Sonne, Sonne, Sonne. Man muss es erlebt ha-ben. Und da ich gerade bei Sonne bin, fällt mir Annet ein. Die war ja immer dabei. Manchmal ein wenig zickig. Aber wirklich nur ein wenig. Obwohl Petra da wahrscheinlich… aber egal. Nee, meist war sie unauffällig. Aber Annet wollte braun werden. Also lag sie in der Sonne. Wir im Schatten der Felsen. Und Annet wurde braun. Also so ein wenig rotbraun. Aber es ging noch. Bis sie auf die Idee kam, ganz braun zu werden. Also so … obenrum. Insgesamt. Nun ist oben ohne zwar zu der Zeit verboten gewesen, aber in den vielen Felsnischen war das kaum zu kontrollieren. Und es hat wohl auch niemanden interessiert. Trotz unserer Warnungen hielt Annet also ihren Busen der Sonne entgegen. Die tat das Ihre in gewohnter Manier. Annet hat dann auch sofort ihren Fehler erkannt. Sofort heißt in diesem Falle sofort am Abend des Tages. Nee, ich will da nicht feixen und das auch nicht weiter ausführen. Wenn ihr wollt, könnt ihr euch das selber vorstellen. Außer Hilla. Die braucht das nicht. die war ja dabei.
Ach ja. Fische! Die darf ich nicht vergessen. Das Meer wimmelte nur so von Fischen. Und da wir alle keine Kostverächter waren, beschlossen wir, diese Tiere für unsere Bratpfanne zu begeistern. Das ging am besten mit Hilfe einer Harpune. Dachten wir. Also gekauft und ab zu den Fischen. Es gab nur ein Problem. Es gab keine Fische mehr. Glaubt es oder auch nicht. Sobald wir mit der Harpune ins Wasser gingen, waren alle größeren Fische weg. Nur die kleinen schwammen noch herum. Wahrscheinlich haben die Schmiere gestanden. Ließen wir die Harpune draußen, waren alle wieder da. Unser Jagdglück war mäßig. Nachdem wir ein paar unvorsichtige, mit-telgroße Fische verletzt hatten, machten wir einen letzten Versuch. Ein Tintenfisch kam uns vor die Harpune. Wir hatten ihn mit einem sauberen Schuss.
Wer Tintenfische kennt, der weiß allerdings, dass damit noch gar nichts gesagt ist. Die Viecher denken nicht daran, einfach zu sterben. Schlimmer noch. Selbst wenn die tot sind, weigern die sich, das zu glauben und ma-chen einfach weiter. Nun dieser Tintenfisch war weder tot noch dachte er daran, sich töten zu lassen. Statt dessen versuchte er von dem Dreizack los zu kommen, saugte sich am Schaft fest und zog mit aller Kraft. Leider in die falsche Richtung. Das gute Tier war dabei, sich selbst zu zerreißen, bis wir ihn so halbwegs getötet hatten. Ich weiß, dass die dortigen Fischer noch ganz anders mit den Tieren umgehen. In den Markthallen sterben sie den ganzen Tag auf den Verkaufstischen, um ihre "Frische" zu behalten. Petra und ich haben nach einem halben Tag des Harpunierens dieses Hobby endgültig aufgegeben. Damit das Tier nicht sinnlos gestorben war, haben wir ihn am Abend ehrenvoll zu einer leckeren Mahlzeit mit viel Knoblauch und Tomaten verarbeitet.
Übrigens, vom Auto fahren war ja schon öfter die Rede und wird es auch hier und da noch mal sein. Eines der kleinen Fischerdörfchen an der Algar-ve bescherte mir eine der lustigsten Verkehrsregeln die ich je erlebt habe. Wir hatten uns in dem kleinen Nest auf dem Weg zum Hafen ein wenig in die kleinen Gassen verirrt. Schließlich kamen wir an eine Kreuzung. Drei Straßen zweigen ab. Alle drei waren als Einbahnstraßen mit "Durchfahrt verboten" ausgeschildert. Ich war verblüfft. Zum Wenden war es zu eng. Rückwärts wäre gegangen, jedoch war der hupende Autofahrer hinter uns dazu nicht bereit. Gerade hatte ich mich entschlossen, dies als Notfall zu betrachten und verbotswidrig geradeaus zu fahren, als von dort ein LKW kam und in "meine" Straße einfahren wollte. In landesüblicher Weise hupte er lang und anhaltend, damit ich ihm auch Platz mache. Ich habe erst ein-mal fröhlich zurück gehupt. Das muss man dort so tun. Und ihm dann be-deutet, dass ich durch ihn hindurch wolle. Eine Zeit lang haben wir uns dann nett in portugiesischer Gebärdensprache unterhalten, untermalt von dem fröhlichen Hupen sich ansammelnder Autos. Dann aber entschloss er sich auszusteigen, sein Fahrzeug abzuschließen und eine Kneipe, Bodega oder was auch immer aufzusuchen. Nachdem mein freundlicher Ge-sprächspartner verschwunden war, habe ich mich schnell für die einzige noch freie Einbahnstraße entschieden. Wäre von dort auch noch ein Auto gekommen, wir wären heute noch dort. Ohne weitere Zwischenfälle haben wir dann den Hafen erreicht.
Ich glaube auch Hilla hat die Algarve genossen. Jedenfalls wirkte sie sehr gelöst und entspannt, eben urlaubsmäßig. Es tat uns schon Leid, dass die Abreise dann schließlich bevorstand.
Eine tiefgreifende Erinnerung habe ich noch an die Algarve. Ich hatte mir direkt bei unserer Ankunft einen Virus zugezogen. Ich erspare mir nähere Ausführungen und weise lediglich darauf hin, daß ich nicht nur in Albufeira und Umgebung jeder Toilette kenne. Jede.
Spanien
Nun ging es also weiter. Malaga hieß eine Station. Hört sich malerisch an. Ich habe es als Dreckloch in Erinnerung. Mit einem Notstellplatz in der hin-tersten Ecke eines Riesencampingplatzes. Und so ging es am nächsten Tag weiter nach Granada.
Was für ein Unterschied. Granada. Ich liebe es. Schon von weitem wird Spanien plötzlich grün. Pappeln, saftiges Gras, grüne Felder. Das Jahr-hunderte alte Bewässerungssystem der Mauren funktioniert als wäre es gerade angelegt. Merkwürdig, dass es so etwas selbst heute nur hier gibt. Wir fanden einen Campingplatz nicht weit der Alhambra. Und das war ein Glücksgriff. Unsere Zelte standen unter schattigen Bäumen. Ein richtiger Swimmingpool lud zum Baden ein. Zumindest optisch. Als ich nämlich hi-neinsprang, weigerte sich mein Körper sekundenlang ins Wasser einzutau-chen. Erst nachdem die Schwerkraft noch einmal kräftig zugegriffen hatte, versank ich im Wasser. Und bereute das sofort. Das Wasser war eiskalt. Ich war noch schneller wieder draußen, als ich hineingesprungen war. Das hatte ich bei 35 Grad Außentemperatur nicht erwartet. Des Rätsels Lösung war einfach. Dieser Pool hatte keine Filteranlage. Statt dessen wurde das Wasser alle drei Tage abgelassen und der Pool aus frischem Quellwasser wieder aufgefüllt. Sehr kaltes Quellwasser übrigens. Nachdem wir uns dar-an gewöhnt hatten, gab es aber nichts Erfrischenderes, als ein Bad in die-sem Pool. Besonders, wenn er gerade aufgefüllt wurde. Dann schoss näm-lich das frische Wasser aus einem dicken Rohr oberhalb des Poolrandes hinein und stellte eine absolute Superdusche dar.
Dann lernten wir Granada kennen. Viel weiß ich nicht mehr. Aber nachdem ich von Annets peinlicher Sonnenpanne erzählt habe, ist es jetzt vielleicht mal an der Zeit in eigener Sache zu berichten. Wir waren in Granada un-terwegs. Ich fuhr. In Hillas brandneuem Passat. Irgendwann kamen wir an eine Gasse mit einem Straßenschild, das eine Straßenbreite von 1,75 m anzeigte. Ich stoppte kurz. So ein Schild kannte ich noch nicht. Neben mir fragte Hilla, wie breit denn ihr Auto sei. Nun sind Bären ja Optimisten, um nicht zu sagen, hoffnungslose Optimisten. Deshalb war mir völlig klar, wenn die Straße 1,75 breit ist, dann müssen Autos natürlich schmaler sein. Sonst würden sie ja nicht da durch passen. Also sagte ich mit bärischer Überzeu-gung. Das passt schon. (Erinnert ihr euch noch an die LKW-Fahrer in Por-tugal?).
Also, ich fuhr los. Und das passte auch. Locker. Zunächst. Dann wurde es doch ein wenig eng und enger. Natürlich bin ich langsamer gefahren. Es wurde wirklich ziemlich eng. Und dann stieß der rechte Außenspielgel an der Hauswand an. Und fast in der gleichen Sekunde nahm auch der linke Außenspiegel Kontakt auf. Und Sekunden später kam mir der Verdacht, du hast da ein Problem. Nochmals später viel mir auf, dass das Problem grö-ßer war, als angenommen. Die Türen ließen sich nämlich nicht öffnen. Ir-gendwie waren diese doofen Häuser im Weg. Aussteigen und ein Bild ver-schaffen, war nicht einmal mehr durch die Fenster möglich. Vielleicht wenn die Häuser Fenster in der Höhe gehabt hätten. Hatten die aber nicht.
Jetzt hatte VW damals schon die geniale Idee des einklappbaren Außen-spiegels verwirklicht. Das half weiter. Aber nur einen oder zwei Meter. Diese verdammten Häuser kamen immer näher. So eng war die Gasse vorher nicht. Vorwärts ging nichts mehr. Und rückwärts? Ein Blick nach hinten ließ mich verzweifeln. Auch hinter mir waren die Häuser enger zusammenge-rückt. Das ging nicht mit rechten Dingen zu. Und es wurde warm im Auto. Habe ich schon erwähnt, dass wir nicht die einzigen in der Gasse waren? Fußgänger waren unterwegs. Hinter mir kam ein kleines Auto. Bremste und fuhr ohne Umstände wieder zurück. Das Problem des gefangenen Touris-tenautos war wohl nicht neu. Ein freundlicher Spanier vor unserem Auto hat uns dann gerettet. Kurz bevor die Leute begannen, über unser Auto (ich meine Hillas sehr neues Auto) hinweg zu steigen, bedeutete er mir zurück zu fahren. Mit Handzeichen nach links und rechts gelang es ihm tatsächlich, uns aus dieser Falle wieder heraus zu lotsen. Während der Rückfahrt habe ich nicht einmal in den Rückspiegel geschaut. Auch nicht zu den Wänden, die nur Zentimeter von meinen Ellbogen entfernt waren. Ich habe diesem unbekannten Menschen einfach grenzenlos vertraut. Seit dem habe ich niemals wieder ein Verkehrszeichen nicht ernst genommen. Und ich weiß heute, warum in Granada so viele kleine Autos mit eingeklappten Au-ßenspiegeln fahren.
Dann stand die Besichtigung der Alhambra an. Ich bin kein Architekturfana-tiker. Auch Gärten finde ich ganz nett, man kann sie sich mal ansehen, aber selber gärtnern? Nein, danke. Hilla sieht das ganz anders. Aber hier waren wir alle einer Meinung. Die Alhambra ist eine Welt für sich. Man muss sich noch einmal in Erinnerung rufen. Rings um Granada ist Wüste. Granada ist quasi Dank der Mauren eine grüne Insel in dieser Wüste. Die Alhambra ist die begreifbare Fata Morgana dazu. Eine Perle aus Architektur und Gärten. Treppengeländer, von Wasser durchflossen. Ein winziger Bachlauf, der ein Schlafzimmer klimatisiert. Gestalteter Putz, Räume mit Decken, da geht man nur noch mit dem Kopf in dem Nacken durch, so toll sind diese Decken gestaltet. Und die Gärten! Wie gesagt, ich bin kein Gartenfan. Hier aber hat sich das ein wenig geändert. Ich glaube, Hilla war auf Wolke sieben. Hey, kann mir jemand sagen, warum wir es als abendländische Leistung ansehen, die Mauren aus Europa vertrieben zu haben. Können wir die eventuell noch mal zurückholen? Ich wüsste da ein paar Projekte. Zum Beispiel in Benidorm, da wäre einiges zu tun. Oder im Ruhrgebiet. Ich denke, wenn wir hier schon Skihallen aus Blech bauen, wo die Leute von kilometerweit hinfahren oder Einkaufszentren. Wie gut würde eine zweite Alhambra zum Beispiel am Rhein auf dem alten Thyssengelände daher kommen?
Aber vielleicht kann es so etwas auch nur einmal geben. Wie das Taj Mahal oder den Grand Canyon.
Ich kann mich nicht mehr genau erinnern aber ich glaube es war von hier aus, als wir den Ausflug in die Sierra Nevada machten. Ziel war der Cerro de Mulhacén, mit 3.480 Metern der höchste Berg auf dem spanischen Fest-land. Gleichzeitig ein Skigebiet. Hier kann man bis in den Frühsommer noch Ski fahren oder in ungefähr 50 Kilometern Entfernung im Mittelmeer baden. Mit etwa 2.900 Metern Höhenunterschied erlebt der geneigte Rennradfahrer hier den längsten, ununterbrochenen Anstieg in Europa. Und – ja, es gab wirklich einige Rennradfahrer, die sich daran versuchten. Auch wir wollten uns das nicht entgehen lassen. Leider hatten wir keine Rennräder dabei, sonst hätten wir das doch sicher gemacht. So blieb uns nur der immer noch fast neue Passat von Hilla . An diesem Tag fuhr sie wieder selbst und allmählich, Serpentine für Serpentine, schraubten wir uns mit dem Passat in die Höhe.
Ach nee. Hier geht es ja um Hillas "Fahrkünste", da spanne ich euch doch noch mal ein wenig auf die Folter. Ihr könnt aber gespannt sein. Verspro-chen.
Danach stand dann wieder eine Abreise an. Wir wollten diesmal aber nicht weiterfahren, ehe wir nicht eine typische Spezialität ausprobiert hatten. Eine Sangria.
Da wir alle Selfmadeleute waren, kam der Kauf einer primitiven Sangriafla-sche nicht in Frage. Also holten wir guten, spanischen Rotwein , Orangen-saft, Orangen und Zitronen. Die ersten beiden Produkte wurden in einer Plastikschüssel zusammengemischt, das Obst in Scheiben geschnitten hinzugefügt. Zucker spielte noch eine nicht unbedeutende Nebenrolle. Auf stärkeren Alkohol verzichteten wir. Was fehlte, waren Eiswürfel. Aber die gab es auf dem Campingplatz. Das Ergebnis war ein kühles, leckeres Ge-tränk. Sehr lecker. Wirklich sehr, sehr lecker.
Leider ein bisschen wenig für vier Personen.
Aber wir hatten noch ausreichend Vorräte. Also wurde eine zweite Sangria angesetzt. Ich bin wieder losgestiefelt, um weiteres Eis zu holen… und er-lebte eine Überraschung. Es gab nur noch Eis in den Farben rosa, himmel-blau und gelb, bunt gemischt. Diese Töffel färbten das Eis ein. Farbloses war alle. Nun eine Sangria ohne Eis war undenkbar. Den Alkoholspielgel einfach wieder absinken lassen ebenfalls. Man muss auch mal Opfer brin-gen können. Also gefärbtes Eis.
Die zweite Sangria war dann schnell fertig. Wir haben sie genossen. Auch diese war wieder sehr legga, ähh lecker. Un wir haddn ein' vergnlchn, ver-sseihung ein' vergnichluch… also ein' lustign Abend haddn wir. Jawoll.
Erst spät sind wir dann fröhlich in unsere Zelte gekrochen.
Und dann ging es durch das spanische Hinterland immer weiter. Überwie-gend nachts um der Hitze zu entgehen. Die machte uns nämlich ganz schön zu schaffen. Hilla hatte vergessen, ihr Auto mit Klimaanlage zu be-stellen. – Nee, war Spaß. Klimanlage war damals Sonderausstattung der Oberklasse. Aber nachts fahren ging auch. Ich erinnere mich noch an Wüs-te. Viel Wüste. Und Olivenbäume. Und an schwarze Stiere aus Blech im-mer oben auf den Hügeln. Das war die Werbung für ein alkoholisches, spanisches Getränk. Welches, habe ich vergessen. Hilla weiß das be-stimmt. Da kennt sie sich aus. Frühmorgens erreichten wir wieder die Küste bei Benidorm. Es war gegen vier. Wir kamen aus dem dunklen, wüsten Hinterland. Und plötzlich war es fast taghell. Nicht etwa, weil die Sonne sich verfrüht hatte. Nix da. Aber Straßenbeleuchtung und die vielen Leucht-reklamen machten die Nacht zum Tag. Dazu kam der Lärm aus den Disko-theken. Und Betrunkene. Viele Betrunkene. Auto fahren wurde gefährlich. Hier wollten wir nicht bleiben.
Langsam neigte sich unser Urlaub dem Ende entgegen. Barcelona war noch ein schöner Zwischenstop. Der Dom sicherlich sehenswert. Petra und ich ließen es uns dort nicht nehmen, uns dort mal in einer 'Imbissbude' durchzuprobieren. Das war schnell vereinbart und der Besitzer servierte uns alle Speisen, die wir sahen als Appetithäppchen auf einem kleinen Un-terteller. Wir brauchten nur darauf zu zeigen. Das war spannend und echt lecker. Später erst habe ich herausgefunden, dass das Zeug mit dem sechseckigen Muster Pansen war. Hätte ich nie gegessen, wenn ich das vorher gewusst hätte. War aber lecker. Ein Imbiss ist mir noch in Erinnerung geblieben. Irgendwo im Niemandsland. Einfache Salzkartoffeln und gegrillte Sardinen. Ein wirklich leckeres Essen. Vielleicht hatten wir aber auch nur Hunger. Egal, seit dem gehören Sardinen zu meinen Lieblingsfischen.
Der Rest lohnt sich nicht zu erzählen. Frankreich blieb ereignislos. Bis viel-leicht auf die Sache mit dem 'privaten Campingplatz'. Es war halt Sommer und die Campingplätze an der französischen Mittelmeerküste traditionell überfüllt. Wir fanden nichts. Bis uns eine Dame ansprach, die uns bedeute-te, sie habe auf ihrem Grundstück einen eigenen Campingplatz. Wir sind ihr dann gefolgt. Aber das soll mal Hilla auch mal selbst erzählen. Weißt du noch Hilla? Das WC hinter den Büschen und das Pappschild davor? Klar weißt du das noch. Aber in einem unbeobachteten Moment gelang uns die Flucht.
Und dann waren wir wieder in Dinslaken. Tief gebräunt und erholt, den Kopf voller Erinnerungen, überwiegend schöne. Sechs Wochen Urlaub und halb Europa lagen hinter uns. Viele Bilder sind entstanden. Sie schlummern heute in Petras Dia-Archiv und warten darauf, digitalisiert zu werden, um aus ihrem langen Schlaf wieder geweckt zu werden.
Ach ja, falls das noch nicht klar ist. Ich habe den Beschluss mit einer – nein – mit dieser Schwiegermutter in Urlaub zu fahren nie bereut. ich würde es jederzeit wieder tun.
Hilla im Auto
Ich habe es ja versprochen. Ich kann diese Erzählung nicht als vollständig betrachten, wenn ich nicht auch ein paar Worte über Hillas Fahrkünste verlieren würde.
Also, da war ja noch die Geschichte in der Sierra Nevada. Ihr wisst noch, Hilla kurvte gerade den Passat mit elegantem Schwunge durch die Kurven hinauf zu diesem Berg. Jetzt muss man zu Hillas Ehrenrettung sagen, die-ses Auto war damals mit 75 PS durchaus üblich motorisiert aber auch auf Benzinsparen getrimmt. Das hieß, lange Übersetzung der Gänge. Gut beim Reisen, schlecht in den Bergen. Und mir vier Personen und einem vollen Kofferraum auch nicht gerade ein Leichtgewicht. Aber Hilla machte die Sa-che gut. Immerhin ging es neben der Straße hier und da doch schon einmal ein paar hundert Meter nach unten. Jetzt ist es ja so, dass mit zunehmender Höhe die Luft immer dünner wird. Von den zunehmenden Nöten des Motors merkten wir allerdings erst einmal nichts. Schließlich saßen wir ge-mütlich im Auto und genossen die kühler werdende Luft.
Schließlich war es dann so weit. Hilla fuhr wie gewohnt in eine Serpentine hinein und beschleunigte beim herausfahren. Jedenfalls wollte sie das. Der Passat gab sich auch Mühe, hustete aber dann nur verzweifelt und starb ab.
Da ich neben Hilla saß, traf mich ihr etwas verwirrter, fragender Blick, was denn jetzt los sei? Nun, es gab keinen Grund zur Panik . Beim Blick zurück erblickte ich noch einige Meter Asphalt und dahinter blauen Himmel und – in der Ferne – die weite Landschaft Spaniens. Also erklärte ich ihr in aller Ruhen und mit Sachverstand (immerhin hatte ich im Zeugnis der mittleren Reife eine drei in Physik) die Geschichte mit der dünnen Luft und dem schwächer werdenden Motor. Ich hatte den Eindruck, dass sie mir nicht so richtig glaubte. Jedenfalls gab ich ihr den Tipp, mit etwas mehr Gas im ersten Gang wieder anzufahren und künftig kleinere Gänge als gewohnt zu verwenden. Immerhin ging es ja auch noch nicht unbeträchtlich bergauf.
Hilla nickte, griff zum Zündschlüssel und trat die Kupplung. Im Prinzip alles richtig. Aber es ging ja nicht nur bergauf, sondern hinter uns auch bergab. Das Auto rollte also zurück, das Stück sichtbare Straße hinter uns verkürzte sich. Ich bin bis heute stolz auf meine gelassene Reaktion. Ich wartete ab, bis Hilla die Bremse trat. Ich hatte einfach volles Vertrauen. Und das tat sie dann auch. Irgendwann. Nochmals ein fragender Blick. Ich habe dann aber auf die Möglichkeit hingewiesen, die Handbremse beim Anfahren zu verwenden. Als Niederrheinerin kannte sie auch die Theorie. Es fehlt uns halt an Bergen, um das auch zu üben. Es folgte der zweite Versuch. Hilla zog die Handbremse, trat die Kupplung, startete den Motor und löste die Handbremse. Das Auto rollte zurück. Also gab Hilla Gas, ließ die Kupplung kommen und würgte den armen Motor gnadenlos ab. Das Stück sichtbare Straße hinter uns verschwand. Hinter uns auf dem Rücksitz wurde Nervosi-tät spürbar. Auch fielen ein paar nicht so freundliche Anmerkungen. Auch ich überlegte, ob dies jetzt nicht ein geeigneter Moment für eine Panik sei, entschied mich aber dagegen.
Jetzt war Hilla endgültig durch den Wind. Sie trat die Kupplung, wollte den Motor starten, hatte aber die Handbremse nicht gezogen. Gut, da waren noch zwei, drei Meter Straße vor dem Fall. Aber dennoch, als der Wagen erneut rückwärts rollte, habe ich die Handbremse gezogen. Es wäre näm-lich sehr schwer gewesen, das Auto da wieder zu bergen. Und es wären wohl nicht nur die Spiegel verkratzt gewesen.
Hilla, ich hoffe, das gleicht meinen Faux pas von Granada wieder aus. Wir haben dann einen Fahrerwechsel vorgenommen. Das letzte Stück zum Gipfel bin ich gefahren und auch wieder talwärts. Oben auf dem Gipfel hat-ten wir eine Rundumsicht. Ich glaube, wir konnten sogar das Mittelmeer sehen. Also, der Ausflug hatte sich gelohnt. Und ich glaube, Hilla kommt jetzt auch beim Fahren in den Bergen besser klar.
Gut klar kommt sie auf alle Fälle auf den hiesigen Straßen. Wobei man sagen muss, sie fährt ihrem Alter angemessen . Sie fährt zügig. Ziemlich zügig. Also, ich bin jetzt schon länger nicht mehr mit ihr mitgefahren, des-halb muss ich nochmal in die Erinnerungskiste greifen.
Es war irgendwann Anfang der achtziger Jahre. Obwohl, die Zeit ist eigent-lich egal. Petra und ich waren mit Hilla auf dem Weg nach Duisburg. Jetzt war ja zu der Zeit noch in Walsum die B8 auf den mittleren Fahrspuren mit Kopfsteinpflaster versehen. Wahrscheinlich wegen der Straßenbahnschie-nen, die da lagen. Linie 9 war das damals. Ist aber auch egal. Nicht egal ist, dass es regnete. Und jetzt denkt man sich ja, Regen, Kopfsteinpflaster, Schienen? Da fährt man doch lieber ein wenig vorsichtiger. Und das tat Hilla auch. Sie hielt sich streng an ihr Limit: 70 km/h. Oder jedenfalls nicht viel darüber. Auf dem Rücksitz fühlte ich mich nicht so wirklich wohl, wollte aber auch nichts sagen. Dennoch war ich froh, als sie an einer Baustelle ein wenig gebremst wurde. Damals musste man immer noch über die Al-denrader Straße nach Fahrn, um da auf die Stadtautobahn zu kommen. Und auf dieser Aldenrader Straße versuchte Hilla verlorene Zeit wieder einzuholen. In Höhe der Schule wurden ihre Bemühungen dann auch von einem Blitz anerkannt und dokumentiert. Gestoppt hat sie ein junger Polizist mit der nicht ganz originellen Frage: "Wissen sie, warum wir sie angehalten haben?"
Hilla wusste es. Und sie wusste nicht nur das. Innerhalb weniger Sekunden hatte sie dem Polizisten, der immer verblüffter dreinschaute, ihre Geschich-te erzählt. Eine Geschichte von bösen Baustellen als Verkehrshindernissen, ein Geschichte von der Zeit, wie man sie verliert und wie man sie wie-dergewinnt. Also – mich hat das damals überzeugt. Den Polizisten jedoch nicht. Aber man weiß ja, dass die auch nicht flexibel denken können. Am Ende hat der sogar noch dreist Geld gefordert.
Dass ihr jetzt aber nichts Falsches denkt. Das waren 2 Erlebnisse mit Hilla in dreißig Jahren. Ich denke, sie ist schon eine gute Fahrerin. Gut, man hört hier und da schon mal etwas murmeln. Aber mal ehrlich, wenn bei euch immer jemand mitfahren würde, hätte der nichts zu erzählen? Wirklich nicht? Also, bei mir schon. Aber um mich geht es ja nicht. Und wenn je-mand schon achtzig Jahre alt wird, dann muss man den doch auch ein we-nig ärgern, oder?
Was es sonst noch so gab
Hatte ich eigentlich schon über Hillas Zeitmanagement gesprochen? Ach ja, gleich am Anfang. Man muss auch damit anfangen. Es gehört zu Hilla. Das macht Hilla aus. Ich bringe hierzu aber noch einmal ein Beispiel. Es wirft auch nicht das beste Licht auf mich. Aber die folgende Geschichte gehört einfach hier herein. Und diesmal weiß ich das Datum sehr genau.
Es war Weihnachten 1986. Es gab die üblichen Feiern u. a. bei Hilla. Über Feiern und Hilla habe ich reichlich berichtet. Mehr zu sagen, hieße Wasser in Wein zu schütten. Jedenfalls haben wir anlässlich des weihnachtlichen Familientreffens bei Hilla sie auch mal wieder zu uns eingeladen. Wir hatten nämlich eine Überraschung für sie. Eine tolle Überraschung. Petra war schwanger und wir wollten sie damit im engsten Kreis und in Ruhe bekannt machen. Was sie außerdem noch nicht wusste war, dass wir kurz zuvor aus gegebenem Anlass geheiratet hatten. Eigentlich sollte man seiner Mutter/Schwiegermutter da schon einen kleinen Hinweis, gar eine Einla-dung zukommen lassen wenn man schon heiratet. Aber Petra und ich leb-ten da schon fast 15 Jahre zusammen. Die Eheschließung war daher für uns eine Formsache, die dem damaligen Kindesrecht geschuldet war. Auch mein eigener Vater wusste nichts davon. Und in der Firma habe ich auch auf den Sonderurlaub verzichtet. Wir wollten es halt so. Heute sehe ich das als Fehler an und bedaure es. Zu spät.
Hilla versprach jedenfalls, so bald wie möglich zu kommen. Ihr wisst schon: "Ach, ihr wisst ja. Ich habe soviel… aber ich muss wirklich mal bei euch vorbeikommen". Hilla eben. Also warteten wir. Und irgendwann fasste Petra einen Entschluss. Nämlich jetzt erst einmal abzuwarten, bis Hilla käme. Und Hilla kam. Allerdings erst im Frühsommer, kurz vor der Geburt von Torben. Ich weiß es noch wie heute. Petra hatte die Form eines großen Wasserballs angenommen und öffnete die Haustür. Ich stand hinter ihr und konnte die Veränderung in Hillas Gesicht sehen. Ich hätte nie gedacht, dass in so kurzer Zeit so viele Empfindungen im Gesicht eines Menschen sichtbar werden können. Sie war regelrecht geschockt, aber man sah, sie wollte sich auch freuen. Dann war da etwas wie beleidigt sein, sofort wieder verdrängt von Fassungslosigkeit, Überraschung und wieder Freude, die langsam die Oberhand gewann. Später bei einem Kaffee hatte sie sich wieder etwas gefasst und wollte wissen, ob wir denn nun nicht an Heirat denken wollten. Dem konnten wir natürlich mit einem lockeren "schon erledigt" entgegnen. Und erneut huschte ein Schatten über ihr Gesicht.
Hilla, es tut mir ehrlich leid.
Aber sie fasste sich sehr schnell wieder. Auch das ist Hilla. Sie kann ein-stecken und sie trägt nicht nach. Ich weiß nicht, wie sehr sie darunter gelit-ten hat. Irgendwann werde ich es wagen, sie danach zu fragen. Unabhängig davon glaube ich, sie hat mir verziehen. Ich sagte ja, ich betrachte es heute als ein düsteres Kapitel meiner eigenen Historie.
Jetzt ist es aber an der Zeit, wieder von erfreulichen Dingen zu erzählen. Und das ist so viel, dass dies hier ein Buch werden würde. Aber eines muss noch gesagt werden. Und das ist ein großes Thema. Hilla liebt Blumen und Pflanzen. Hilla hat einen grünen Daumen für Pflanzen. Und einen bunten für Blühpflanzen. Das allein kann es aber nicht erklären. Deshalb – ich bin sicher – sie hat mindestens auch noch zwei grüne Füße. Ihr kennt Geschichten von Feen, die in ihren Fußabdrücken blühende Pflanzen hin-terlassen? Ja, so ähnlich.
Nein, ich weiß natürlich, dass ihr Garten ein Produkt harter Arbeit ist. Aber eben nicht nur. Und es ist nicht nur der grüne Daumen. Wenn ich allein sehe, wie sie die Böschung vor ihrem Souterrain bepflanzt hat. Das ist ja nicht nur irgendwie grün und so. Nein, das ganze Jahr über blüht es da in einer Art und Weise als wenn… als wenn… ja, als wenn da auf ihrem Bal-kon ein Dirigent stehen würde, der nach einer kunstvollen Partitur die Pflanzen anweist, wann und wo und wie sie zu blühen haben. Wie ein gutes Orchester, prachtvoll eingespielt und vorgetragen.
Übertrieben? Ja, vielleicht. Aber ich empfinde es so. Petra und ich haben uns unseren Garten damals von einem Gartenbaumeister gestalten lassen. Hilla hat ihren allein gestaltet. Und der ist mindestens ebenso gut. Nein, ich glaube, ich habe nicht übertrieben.
Nachwort
Die Geschichte begann mit einem Geburtstag. Sie endet hier ebenfalls mit einem. Diesmal ist es der achtzigste von Hilla. Mein Gott, achtzig. Und sie saust noch immer durch die Gegend wie mit fünfzig. Nichts hat sich bei ihr verändert. Ihr Lächeln, ihre Wärme hat sie behalten. Und das wird auch so bleiben. Man muss kein Prophet sein, um das zu wissen.
Nein, Hilla ist Hilla geblieben. Um sie herum hat sich vieles verändert. Petra und ich gehen längst getrennte Wege. Aus der jungen Annet ist eine erfolg-reiche Bilderbuchillustratorin geworden. Wenn ich bedenke, dass ich ihr einmal Tipps zum Malen und Zeichnen gegeben habe. Heiner, von dem war hier gar nicht die Rede. Ich habe ihm auch verziehen, dass er die beiden tollen Kirschbäume in Hillas Garten gefällt hat, nur weil er dort ein Haus bauen wollte. Heiner ist ein erfolgreicher Ingenieur. Aber der hat ja seine eigene Geschichte bekommen. Die Kinder, nicht nur meine, sind groß geworden.
Aber nähert man sich Hilla spürt man, dass Zeit hier eine andere Qualität hat. Hilla hat sie im Griff. Irgendwie, so schein es jedenfalls. Hillas Küche ist so, wie ich sie in Erinnerung habe. Es wäre auch keine Verbesserung denkbar. Sie ist mehr als ein Raum. Sie ist ein Teil von Hilla. Ebenso, wie der Garten draußen. Hilla prägt ihre Umgebung. Wer dort ist, fühlt sich wohl, wie zu Hause. Oder besser. Jedenfalls geht das mir so.
Dreißig Jahre mit Hilla. Was bleibt da noch zu sagen oder zu schreiben? Vielleicht einfach nur dieses:
Ich hoffe, eines Tages noch eine Fortsetzung dieser Geschichte schreiben zu dürfen. Und damit habe ich alles gesagt.

©2011 a-baer





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waldkatze 
Super!
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...   Erstellt am 27.03.2011 - 21:12Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Roll wegrollen ...





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aBaer 
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...   Erstellt am 14.12.2011 - 10:06Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Frühstück mit Katze(n)

Es ist früh, es ist dunkel draußen, es ist kalt. Das einzige, was tröstet ist die Aussicht auf frischen, heißen und duftenden Kaffee unten in der Küche. Also ab nach unten. Auf der ersten Stufe liegt – längs ausgestreckt und die Stufe komplett bedeckend, Jan Luc Picard, Katze Nr. eins. In der Küche wartet laut maunzend, Kami-Katze, Felltier Nr. zwei.

Würdest du gestatten, dass ich meinen Fuß auf die Stufe setze? Muss ich erst nachhelfen? (Vorsichtiges Drängen und Schubsen mit der Fußspitze). Fein. Danke. Und jetzt würde ich gern die zweite Stufe nutzen. Bleib bitte unter meinen Füßen weg. Ich will nicht die Treppe herunterfallen. Nein, ich rutsche nicht das Geländer herab, die Treppe gehört mir. Jedenfalls ein bisschen.

Nach nur kurzer Zeit erreiche tatsächlich ich ohne Sturz, Blessuren oder plattgetretene Katze den Fuß der Treppe und öffne die Küchentür. Sofort stürmt Picard in die Küche während Kami-Katze herausjagt. Die Folge: ein Frontalzusammenstoß zweier Katzen, und ein verworrenes Fellknäuel. Bis zur Kaffemaschine sind es nur drei Schritte. Auf dem langen Weg dahin habe ich das Gefühl auf einem Teppichboden aus Katzen zu laufen. Wo ich hintreten will, räkelt sich eine Katze während die andere versucht, sich um mein Standbein zu winden. Der Weg zum Brotschrank gestaltet sich ähnlich. Dennoch erreiche ich ihn schließlich. Als ich ihn öffne, streckt sich Picard in daran nach oben und erreicht mit seiner Pfote eine gefühlte Höhe von zwei Metern. Hier lagert normalerweise ein kleiner Vorrat Trockenfutter. Ich greife die Dose. Sofort vervielfacht sich die Zahl der anwesenden Katzen. Meine Füße kann ich nicht mehr sehen. Die Dose ist leer. Also stelle ich erst einmal den Brotkorb auf den Tisch. Besser gesagt, ich werfe ich, weil ich den Tisch kaum mehr zu Fuß erreichen kann. Später gelingt es mir, mit einem schlurfenden Seitenschritt (ja nicht auf eine der vielen Katzen treten) den Kühlschrank zu erreichen und zu öffnen. Die Anzahl der gefühlten Katzen nimmt weiter zu und erreicht Hüfthöhe. Ich werfe einen Teil des Inhalts auf den Küchentisch. An Gehen ist nicht mehr zu denken. Wenn ich stürze, werde ich niemals mehr das Telefon erreichen, um den Rettungsdienst zu rufen.

Die Stimmung der Katzen verschlechtert sich. Strichen sie zuvor schnurrend und mit der Hoffnung auf Fressen um meine Beine und versuchten freundschaftlich, mich zu Fall zu bringen, bekommt die Sache nun einen bedrohlichen Unterton. Ich spüre den sanften aber fordernden Druck scharfer Krallen durch meine Hose. Machtkampf. Zeit, diesen Tieren zu zeigen, wer der Chef ist. Demonstrativ lege ich Brettchen und Messer auf den Tisch. Noch einmal den Kühlschrank öffnen um die vergessene Butter zu entnehmen. Eine Kralle drückt sich tiefer in meinen Unterschenkel. Jetzt heißt es hart bleiben. Noch ist der Mensch Herr über das Tier. Jetzt wäre der ideale Zeitpunkt, sich an den Tisch zu setzen und erst einmal Kaffee zu trinken. Tiere fressen nach den Menschen. Man darf sie nicht verwöhnen. Zwei Hindernisse sprechen gegen diesen Plan. Eine der vielen von zwei Katzen sitzt auf meinem Stuhl. Und ihr Blick lässt mich zögern. Hindernis Nr. zwei: die Kaffeemaschine ist von hier ziemlich weit entfernt.

Hier hilft nur noch ein Sieg der Vernunft. Ausnahmsweise werde ich den Katzen schon jetzt ihr Futter geben. Nur – das Katzenfutter befindet sich im Schrank unter der Kaffeemaschine! Ich hebe einen Fuß, um einen ersten Schritt dorthin zu tun. Der Fuß ist schwer; auf ihm sitzt immerhin eine große Katze. Es ist die, die auf dem Stuhl sitzt. Es stimmt also, Katzen können an mehreren Orten zugleich sein. Schrödinger hat nur einen Teil der Wahrheit erkannt. Den Fuß wieder absetzen geht nicht, auch unter ihm befindet sich eine Katze. Ich finde Halt am Kühlschrank. Langsam wird mein Bein schwer.

Gerade will ich um Hilfe rufen, als sich die Küchentür erneut öffnet und wie ein Segen meine zweibeinige Katze und geliebte Frau erscheint. Sofort ist mein Teil der Küche frei von Felltieren. Nein, sie sind nicht zu meiner Frau gelaufen, sie waren plötzlich dort. Offensichtich müssen Katzen nicht laufen, um irgendwo hinzukommen. Und jetzt beginnt ein Monolog unter zwei- und mehrbeinigen Katzen: "Oh, ihr Ärmsten. Hat der böse Bär euch hungern lassen?" Bär, das bin ich. Aber böse? Hey, ich bin froh, dass ich das überlebt habe. "Ihr habt bestimmt Hunger. Ich gebe euch etwas". Sie geht zum Schrank mit dem Katzenfutter. Meine Bitte, den Kaffee mitzubringen verhallt ungehört. Dennoch habe ich Gelegenheit zu sehen, wie die Katzen exakt fünf Millimeter hinter ihrem jeweiligen Fuß hergehen. Eine links, die andere rechts. Bei mir machten sie das vor meinen Füßen und ohne Abstand. Liebe strömt zwischen ihnen hin und her. Die zuvor aufgekommene bedrohliche Stimmung ist bei mir hängengeblieben.
Ich nutze den günstigen Moment, springe zur Kaffeemaschine, entreiße ihr die Kanne und setze mich ganz schnell auf meinen nun freien Stuhl. Das Frühstück verläuft friedlich. Ich werden von den nun satten Katzen … sagen wir ignoriert.
Nach dem Frühstück beginnt das Tür-Ritual. Meine Frau kümmert sich nebenan um ihre pflegebedürftige Großmutter. Ich bin mit den Tieren allein. Aber ich habe keine Angst, sie sind ja vollgefressen. Während ich ein wenig Ordnung schaffe, sitzt Picard vor der Außentür. Gerade als ich denke 'das geht mich nichts an' trifft mich sein Blick. Also denke ich 'besser ist das' und öffne ihm die Tür. Ein kalter Windstoß fegt vorbei, es regnet. Picard zögert, denkt. Jedenfalls glaube ich, dass er denkt. "Wenn du nicht willst, mache ich die Tür wieder zu", sage ich. Jetzt rede ich auch schon mit Katzen. Picard zögert. Ich schließe die Tür. Mache weiter. Nach einem Moment spüre ich ein Kribbeln zwischen den Schulterblättern. Keine Ahnung, wie er das macht. Ich resigniere, öffne die Tür erneut. Das Vieh überlegt lange und verlässt schließlich die Küche nach draußen. Mir egal, das muss er selbst wissen. Schnell noch ein paar Teile in die Spülmaschine. Erneut dieses Kribbeln zwischen den Schulterblättern. Jetzt ist es die Kami-Katze, die vor der Tür sitzt. Ich seufze, öffne die Tür. Die Prozedur? Siehe oben. Nach nur kurzer Wartezeit verlässt auch er zögernd das Haus. Ich beeile mich, will schnell die Küche verlassen ehe… Zu spät. Erneut trifft mich der fordernde Blick einer Katze und verursacht mir Unbehagen. Dabei sind sie alle draußen. Ein kurzer Rundblick zeigt Jan Luc Picard auf der Außenfensterbank. Die Doppelverglasung können die schädlichen Auswirkungen der Katzenaugen nicht mindern.
Ich habe längst keinen eigenen Willen mehr und öffne höflich die Tür. Picard schreitet mit nassem Fell herein, hinterlässt mit schmutzigen Pfoten eine Spur in Richtung auf meinen Lieblingssessel. Ich schaffe es mit einem Sprung, eine alte Decke daraufzulegen ehe er Platz nimmt und mich anschaut, als würde er mich durch diese dreiste Inbesitznahme ehren.
Wieder in der Küche darf ich auch Tier Nr. zwei die Tür erneut öffnen. Die Katzenspuren auf dem Boden mehren sich. Eine gute Gelegenheit, die Küche zu wischen. Ich habe gerade begonnen, als Picard über die feuchte Fläche läuft, sich vor die Tür setzt und mich auffordert, diese zu öffnen. Ohne meinen Willen, sehe ich meine Hand zur Türklinke greifen. Diesmal will ich mich durchsetzen. Ich werde nicht zum Diener dieser Tiere. Ich kämpfe. Schweiß perlt von meiner Stirn. Dann muss ich bei vollem Bewusstsein erleben, wie meine Hand gegen meinen Willen die Türklinke herunterdrückt und die Tür öffnet.
Viel später gelingt mir die Flucht aus der Küche. Jetzt sitze ich hier und folge dem Rat meines Therapeuten, mir meine Probleme von der Seele zu schreiben. Langsam geht es mir besser. Jetzt höre ich ein Kratzen an der Bürotür…





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...   Erstellt am 15.02.2012 - 19:00Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen






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