charly666 
         

Status: Offline Registriert seit: 24.08.2005 Beiträge: 664 Nachricht senden | Erstellt am 19.11.2008 - 11:12 |  |
Die Legalisierung von Cannabis, über die das Schweizer Volk am 30.November abstimmt, wäre eine internationale Pioniertat. Sogar in den Niederlanden blieb die Tolerierung des Hanfs auf halbem Weg stecken.
Die Niederlande werden ein begehrtes Reiseziel für Drogenexperten und Politiker aus der Schweiz sein, falls das Volk am 30.November der Hanfinitiative zustimmen sollte. Denn die Niederlande kommen mit ihrer bereits dreissig Jahre alten Toleranz für Cannabis der angestrebten Legalisierung am nächsten.
Die Touristen, die in den Coffeeshops die Menükarten mit den Gras- und Haschsorten studieren, halten den Cannabiskonsum in Holland für legal – zu Unrecht. Er ist gesetzlich verboten, wird aber nach klaren Regeln in kleinem Umfang toleriert: Wer bis zu 5 Gramm Cannabis oder 5 Hanfpflanzen besitzt, den lässt die Polizei in Ruhe.
Ungemütliche Grauzone
In der Praxis ist damit die Forderung der Schweizer Volksinitiative nach straffreiem Konsum und Eigenanbau in den Niederlanden erfüllt – und auch kaum umstritten. Mehr Cannabis wird dort laut den neuesten EU-Zahlen deshalb nicht konsumiert. Bei den 15- bis 24-Jährigen etwa liegt der Anteil derjenigen, die mindestens einmal gekifft haben, in den Niederlanden mit 28 Prozent sogar leicht unter dem EU-Durchschnitt von 31 Prozent.
Doch bereits die Coffeeshops sind in Holland teilweise umstritten und befinden sich in einer ungemütlichen Grauzone: Inoffizielle, aber klare Kriterien gibt es nur für den Verkauf. So dürfen etwa nur über 18-jährige Kunden bedient werden. Ihre Ware aber müssen die Shops zwangsläufig auf einem Markt beschaffen, der illegal ist. Der kommerzielle Anbau von Cannabis wird auch in den Niederlanden strafrechtlich verfolgt.
Paradoxe Situation
Für die niederländische Stiftung für Drogenpolitik ist die Drogenpolitik auf halbem Weg stecken geblieben. «Man muss die Legalisierung konsequent zu Ende führen», fordert Raimond Dufour, Anwalt und Stiftungspräsident. «Dies würde die Coffeeshops aus der paradoxen Lage befreien, dass sie an der Vordertüre Cannabis verkaufen können, aber die Ware an der Hintertüre nicht kaufen dürfen.»
Nach den Vorstellungen der Stiftung sollte der Anbau für den Bedarf der Shops unter strenger staatlicher Kontrolle erlaubt werden. «So könnte man die Coffeeshops und die Produzenten endlich aus dem Umfeld der Drogenmafia herausholen», sagt Stiftungspräsident Raimond Dufour. Etwas Ähnliches sieht auch die schweizerische Hanfinitiative vor: Der Bund müsste laut Initiativtext den Anbau und Handel mit Cannabis staatlich regeln.
Chancenlose Legalisierung
Fraglich ist allerdings, ob mit einer solchen Legalisierung der Anreiz für die illegale Produktion verschwinden würde. Immerhin schätzt die niederländische Polizei, dass der illegale Hanfanbau jährlich um die 2 Milliarden Euro einbringt. Zum Vergleich: Der einheimische Gartenbau mit seinen riesigen Tulpenfeldern erwirtschaftet nicht einmal das Dreifache. Die Legalisierung mache dennoch Sinn, betont Raimond Dufour: «Die Polizei könnte bei einer klaren Trennlinie zwischen legaler und illegaler Produktion sehr viel effizienter gegen den kriminellen Sektor vorgehen.»
In den Niederlanden hat eine echte Cannabislegalisierung gegenwärtig jedoch nur geringe Chancen. Im Grenzgebiet steigt der Unmut über die ausländischen Cannabistouristen. «Das führt zu vielen Belästigungen, und es gibt Verbindungen zur Illegalität», beklagte etwa der Bürgermeister der Kleinstadt Bergen op Zoom nahe der belgischen Grenze – und schloss alle Coffeeshops. Dasselbe tat die Nachbarstadt Roosendaal.
Einen Cannabistourismus möchten allerdings auch die Initianten der Schweizer Hanfinitiative verhindern: Gemäss ihrem Modell sollen nur Erwachsene mit Wohnsitz in der Schweiz Cannabis für den Eigenbedarf kaufen dürfen. (Berner Zeitung)
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