Elisa

Status: Offline Registriert seit: 18.04.2009 Beiträge: 1621 Nachricht senden | Erstellt am 27.10.2009 - 21:09 |  |
*** w08 15. 3. „Wer ist weise und verständig unter euch?“ ***
Wer ist weise und verständig unter euch?“
„Wer ist weise und verständig unter euch? Er zeige aus seinem vortrefflichen Wandel seine Werke mit einer Sanftmut, die zur Weisheit gehört“ (JAK. 3:13).
WEN würdest du als wirklich weise bezeichnen? Vielleicht deine Eltern? Eine ältere Person? Oder einen Universitätsprofessor? Wen man für weise hält, kann davon abhängen, wie man aufgewachsen ist oder in welchem Umfeld man lebt. Dienern Gottes ist aber vor allem wichtig, wie Jehova darüber denkt.
2 Nicht jeder, den die Welt für weise hält, ist auch aus Gottes Sicht wirklich weise. Hiob hatte es zum Beispiel mit Männern zu tun, die ihre eigenen Reden für weise hielten, doch er kam zu dem Schluss: „Ich . . . [finde] keinen Weisen unter euch“ (Hiob 17:10). Der Apostel Paulus schrieb über Personen, die die Erkenntnis Gottes ablehnten: „Obwohl sie behaupteten, sie seien weise, wurden sie töricht“ (Röm. 1:22). Und Jehova selbst ließ durch den Propheten Jesaja ganz offen sagen: „Wehe denen, die in ihren eigenen Augen weise sind“ (Jes. 5:21).
3 Es gilt also herauszufinden, was nötig ist, um wirklich weise zu sein und so von Gott wohlwollend betrachtet zu werden. Einen Hinweis liefert Sprüche 9:10: „Die Furcht Jehovas ist der Weisheit Anfang, und den Heiligsten erkennen, das ist Verständnis.“ Weise zu sein setzt demnach eine gesunde Gottesfurcht und Achtung vor den göttlichen Maßstäben voraus. Allerdings reicht es nicht, rein verstandesmäßig anzuerkennen, dass Gott existiert und Maßstäbe hat. Der Jünger Jakobus gab dazu einen interessanten Denkanstoß. (Lies Jakobus 3:13.) Achten wir auf die Formulierung: „Er zeige aus seinem vortrefflichen Wandel seine Werke.“ Echte Weisheit sollte sich also tagtäglich in dem zeigen, was wir tun und sagen.
4 Unter echter Weisheit ist vor allem ein gesundes Urteilsvermögen zu verstehen sowie die Fähigkeit, Erkenntnis und Verständnis erfolgreich anzuwenden. Welches Verhalten verrät echte Weisheit? Jakobus zählt eine Reihe von Verhaltensweisen auf, durch die sich weise Menschen auszeichnen. Sein Rat kann uns helfen, mit Glaubensbrüdern wie auch mit Außenstehenden besser auszukommen. Was hat er uns zu sagen?
Wirklich weise Personen sind am Verhalten zu erkennen
5 Um es noch einmal zu betonen: Jakobus verknüpft Weisheit mit einem „vortrefflichen Wandel“. Da die Furcht Jehovas der Anfang der Weisheit ist, bemüht sich ein weiser Mensch, sein Verhalten mit den Wegen und Maßstäben Jehovas in Einklang zu bringen. Niemand von uns hat göttliche Weisheit in die Wiege gelegt bekommen. Aber wir können sie uns aneignen, indem wir regelmäßig die Bibel studieren und die Gedanken auf uns wirken lassen. Das hilft uns, die Aufforderung aus Epheser 5:1 zu befolgen: „Werdet Nachahmer Gottes.“ Je genauer unser Verhalten mit der Persönlichkeit Jehovas übereinstimmt, desto deutlicher ist es von Weisheit geprägt. Jehovas Wege sind denen der Menschen haushoch überlegen (Jes. 55:8, 9). Wenn wir uns an seinen Wegen ein Beispiel nehmen, können Außenstehende demnach an unserem Verhalten erkennen, dass wir anders sind.
6 Wie Jehova zu sein erfordert laut Jakobus unter anderem eine „Sanftmut, die zur Weisheit gehört“. Sanftmut schließt neben Milde gleichzeitig Charakterstärke ein, was ein ausgeglichenes Verhalten ermöglicht. Obwohl Gottes Macht keine Grenzen hat, ist er sanftmütig, und wir haben keine Angst, zu ihm zu kommen. Gottes Sohn spiegelte die Milde seines Vaters so gut wider, dass er sagen konnte: „Kommt zu mir alle, die ihr euch abmüht und die ihr beladen seid, und ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin mild gesinnt und von Herzen demütig, und ihr werdet Erquickung finden für eure Seele“ (Mat. 11:28, 29; Phil. 2:5-8).
7 Die Bibel berichtet noch von weiteren herausragenden Vorbildern an Milde oder Sanftmut. Moses war so jemand. Trotz seiner hohen Stellung war er „bei weitem der sanftmütigste aller Menschen, die es auf der Oberfläche des Erdbodens gab“ (4. Mo. 11:29; 12:3). Und denken wir nur daran, wie viel Kraft Jehova Moses verlieh, seinen Willen auszuführen! Jehova gebrauchte gern sanftmütige Personen für seinen Vorsatz.
8 Auch unvollkommene Menschen können demnach eindeutig „Sanftmut, die zur Weisheit gehört“, aufweisen. Wie steht es mit uns? Wie können wir uns darin verbessern? Milde gehört zur Frucht des heiligen Geistes Jehovas (Gal. 5:22, 23). Wir können also um seinen Geist beten und bewusst an dessen Frucht arbeiten — in dem festen Vertrauen, dass er uns hilft, sanftmütiger zu werden. Besonders anspornend ist dabei die Zusicherung des Psalmenschreibers, Gott werde „die Sanftmütigen seinen Weg lehren“ (Ps. 25:9).
9 Allerdings ist es gar nicht immer so einfach, auf diesem Gebiet an sich zu arbeiten. Aufgrund ihrer Herkunft liegt es manchen vielleicht überhaupt nicht, sanftmütig zu sein. Außerdem wird einem heutzutage oft genau das Gegenteil eingeredet, etwa: „Man darf sich nichts gefallen lassen!“ Aber ist das wirklich weise? Würde das nicht darauf hinauslaufen, Öl ins Feuer zu gießen, und die Lage nur noch verschlimmern? Eine sanftmütige Reaktion dagegen würde die Situation wahrscheinlich entschärfen. Das erinnert an den Bibelspruch: „Eine Antwort, wenn milde, wendet Grimm ab, aber ein Wort, das Schmerz verursacht, lässt Zorn aufkommen“ (Spr. 15:1, 18). Wie werden wir reagieren, wenn es das nächste Mal — ob in der Versammlung oder anderswo — zu Spannungen kommt? Erkennen wir, dass wir uns wirklich weise verhalten, wenn wir sanftmütig reagieren? (2. Tim. 2:24).
10 Wie schon erwähnt lassen sich heute viele vom Geist der Welt antreiben und sind überhaupt nicht sanft, friedlich und gelassen — im Gegenteil. Rücksichtslose, anmaßende Menschen gibt es zuhauf. Jakobus wusste um diesen verderblichen Einfluss und schrieb Warnungen auf, damit sich alle Christen davor schützen könnten. Was können wir noch aus seinem Rat lernen?
Charakterzüge derer, die nicht weise sind
11 Ganz offen nennt Jakobus in seinem Brief einige Merkmale, die mit der göttlichen Weisheit absolut unvereinbar sind. (Lies Jakobus 3:14.) Eifersucht und Streitsucht sind alles andere als Wesenszüge eines Geistesmenschen. Was passiert, wenn ein solches Denken vorherrscht, zeigt folgendes Beispiel. Die Grabeskirche in Jerusalem (errichtet über der Stelle, wo sich das Grab Jesu befunden haben soll) ist gemeinsamer Besitz von sechs sogenannten christlichen Gruppierungen. Seit jeher kommt es zwischen ihnen immer wieder zu Streitigkeiten. In einem Artikel über diese Kirche war 2006 in der Zeitschrift Time von einem früheren Vorkommnis die Rede, bei dem dort zwischen Mönchen „stundenlang die Fäuste flogen und sie . . . mit riesigen Kerzenständern aufeinander einprügelten“. Nicht zuletzt wegen des großen gegenseitigen Misstrauens ist der Schlüssel der Kirche der Obhut eines Moslems anvertraut.
12 So extreme Ausdrucksformen von Streitsucht sollten unter echten Christen natürlich völlig ausgeschlossen sein. Doch weil wir unvollkommen sind, kommt es ab und zu vor, dass manche stur auf ihrer Meinung beharren. Das führt leicht zu Zank und Streit. Der Apostel Paulus erfuhr im ersten Jahrhundert von einer solchen Situation in der Versammlung der Korinther und schrieb ihnen deshalb: „Solange es Eifersucht und Streit unter euch gibt, seid ihr da nicht fleischlich und wandelt ihr nicht wie Menschen?“ (1. Kor. 3:3). In jener Versammlung hielt dieser bedauerliche Zustand sogar einige Zeit an. Wir müssen also aufpassen, dass so eine Atmosphäre nicht auch heute in der Versammlung Einzug hält.
13 Wie entsteht denn eine derartige Stimmung? So etwas fängt meist ganz klein an. Zum Beispiel könnten beim Bau eines Königreichssaals die Meinungen darüber auseinandergehen, wie eine Sache anzupacken ist. Ein Bruder, dessen Vorschlag nicht berücksichtigt wurde, könnte einen Streit vom Zaun brechen und getroffene Entscheidungen massiv kritisieren. Womöglich weigert er sich sogar, weiter an dem Projekt mitzuarbeiten. So jemand vergisst, dass eine friedliche Atmosphäre für den Erfolg eines Versammlungsprojekts in der Regel viel wichtiger ist als eine bestimmte Vorgehensweise. Und segnen kann Jehova nur einen Geist der Milde, keine Streitsucht (1. Tim. 6:4, 5).
14 Noch ein Beispiel: Angenommen, eine Ältestenschaft kommt zu dem Schluss, dass ein — vielleicht langjähriger — Mitältester die biblischen Anforderungen für das Amt eindeutig nicht mehr erfüllt. Obwohl ihm konkret Rat gegeben wurde, hat er nicht an sich gearbeitet, sodass sich der Kreisaufseher bei seinem Besuch der Einschätzung anschließt und ebenfalls seine Entbindung empfiehlt. Wie wird der Betreffende damit umgehen? Wird er die einstimmige Entscheidung der Ältestenschaft akzeptieren, biblischen Rat demütig und sanftmütig beherzigen und an sich arbeiten, um die biblischen Voraussetzungen irgendwann wieder zu erfüllen? Oder wird er voller Groll und Eifersucht seinem verlorenen Dienstamt nachtrauern? Warum sich starrköpfig weiter für geeignet halten, wenn das in Wirklichkeit nicht mehr zutrifft? Weisheit zeigt sich doch viel eher darin, demütig und einsichtig zu reagieren.
15 Natürlich kann sich eine solche Einstellung auch noch ganz anders äußern. Aber unabhängig von der Situation müssen wir unbedingt dagegen ankämpfen. (Lies Jakobus 3:15, 16.) Der Jünger Jakobus nannte derlei Charakterzüge „irdisch“, weil sie rein fleischlich sind, nicht das Geringste mit der Denkweise Jehovas gemeinsam haben. Sie sind „animalisch“, weil sie das Produkt sinnlicher Neigungen sind, gleich Trieben vernunftloser Tiere. Sie sind „dämonisch“, denn sie spiegeln die Geisteshaltung der gottfeindlichen, abtrünnigen Engel wider — für einen Christen also völlig unpassend!
16 Jeder in der Versammlung tut gut daran, sich selbst unter die Lupe zu nehmen und solche Charakterzüge abzulegen. Den Aufsehern und Lehrern in der Versammlung sollte bewusst sein, dass auch sie sich davon befreien müssen. Leicht ist das nicht, denn wir sind alle unvollkommen und müssen gegen den Einfluss der Welt ankämpfen. Es ist vergleichbar mit dem Versuch, einen schlammigen und rutschigen Hang hinaufzuklettern. Hat man nichts, woran man sich festhalten kann, rutscht man immer wieder ab. Doch wenn wir uns mit festem Griff an den Rat der Bibel klammern und die Hilfe annehmen, die Gott durch die weltweite Christenversammlung bietet, kommen wir voran (Ps. 73:23, 24).
Eigenschaften derer, die weise sein möchten
17 (Lies Jakobus 3:17.) Es empfiehlt sich, einige Eigenschaften näher zu untersuchen, zu denen uns „die Weisheit von oben“ verhilft. Keuschheit schließt ein, im Verhalten und in den Beweggründen moralisch rein und unverdorben zu sein. Das erfordert, dass man Böses prompt — fast automatisch — zurückweist. Vielleicht hat uns schon einmal ein Arzt mit einem Reflexhammer gegen die Sehne unterhalb der Kniescheibe geklopft. Darauf ist unser Unterschenkel wahrscheinlich ganz automatisch nach oben geschnellt, ohne unser bewusstes Zutun. So ähnlich sollte unsere Reaktion ausfallen, wenn wir mit einer Versuchung konfrontiert werden. Unsere Keuschheit und unser biblisch geschultes Gewissen sollten uns veranlassen, das Böse sozusagen reflexartig zurückzuweisen (Röm. 12:9). Die Bibel berichtet über Menschen, die genau so reagierten, zum Beispiel Joseph und Jesus (1. Mo. 39:7-9; Mat. 4:8-10).
18 Voraussetzung für die von Gott kommende Weisheit ist außerdem, dass wir friedsam sind. Deshalb müssen wir uns vor Aggressivität und Streitlust oder ähnlichen Verhaltensweisen hüten, die den Frieden stören. Jakobus ging näher darauf ein, indem er schrieb: „Überdies wird der Same der Frucht der Gerechtigkeit unter friedevollen Verhältnissen für die gesät, die Frieden stiften“ (Jak. 3:18). „Frieden stiften“ ist das, worauf es hier ankommt. Fragen wir uns: Bin ich in meiner Versammlung als Friedensstifter bekannt oder eher als Störenfried? Bin ich oft in Differenzen und Meinungsverschiedenheiten verwickelt, weil ich schnell beleidigt bin oder andere verletze? Verlange ich von anderen, dass sie mich so nehmen, wie ich nun mal bin, oder arbeite ich demütig an Schwächen, über die sie sich zu Recht ärgern? Bin ich als jemand bekannt, der keine Mühe scheut, um Frieden zu schaffen — schnell bereit zu vergeben und zu vergessen? Uns ehrlich selbst zu hinterfragen hilft uns erkennen, wo wir an uns arbeiten müssen, um auch hier die göttliche Weisheit widerzuspiegeln.
19 Laut Jakobus zeigt sich die „Weisheit von oben“ auch darin, dass man vernünftig ist. Fragen wir uns: Bin ich dafür bekannt, schnell einzulenken, wenn es nicht um biblische Grundsätze geht, statt darauf zu bestehen, dass sich immer alle nach mir richten? Habe ich den Ruf, sanft und zugänglich zu sein? Wenn ja, lässt das erkennen, dass wir gelernt haben, vernünftig zu sein.
20 Wie schön ist doch die Atmosphäre in einer Versammlung, wenn alle Brüder und Schwestern stetig an sich arbeiten, um die von Jakobus beschriebenen gottgefälligen Eigenschaften auszuleben! (Ps. 133:1-3). Gehen wir sanftmütig, friedsam und vernünftig miteinander um, dann kommen wir bestimmt viel besser miteinander aus und zeigen, dass „die Weisheit von oben“ in uns wirkt. Noch leichter fällt uns das, wenn wir lernen, andere so zu sehen, wie Jehova sie sieht. Damit befasst sich der nächste Artikel.
[Fußnote]
Gemäß dem Zusammenhang hatte Jakobus in erster Linie die älteren Männer, die „Lehrer“ in der Versammlung, im Sinn (Jak. 3:1). Ganz bestimmt sollten gerade sie die göttliche Weisheit vorbildlich ausleben, aber auch alle anderen können aus seinem Rat lernen.
Signatur Die Himmel verkünden die Herrlichkeit Gottes |