| Ersteller | Thema » Beitrag als Abo bestellen |  |
lavalampe

Status: Offline Registriert seit: 19.01.2008 Beiträge: 0 Nachricht senden | Erstellt am 17.06.2006 - 14:56 |  |
1953.
eben las ich in der berliener zeitung ein interview mit marianne birthler.
sie sprach u.a. auch darüber, dass viele menschen sich nicht anwerben ließen von der stasi und dass es eben nicht so war, dass immer nur alle schweigend hingenommen haben, was da geschah.
dass nach dem 17. juni 1953 es kaum noch einmal zu einem großen aufstand gegen das ddr-regime kam, abgesehen von der revolte, die auf dem alexanderplatz am 7. okt. 1977 stattfand, die aber so schnell unter kontrolle gebracht wurde, dass man kuam bis 10 zählen konnte, bedeutet noch lange nicht, dass ein ganzes volk nur stillschweigend hinnahm, was geschah.
in dem interview ging es auch um den film" das leben der anderen", den ich sehr gut fand, so wie viele und der sicher den menschen, die nicht so viel darüber wußten, einen teil an einsicht gewährte, der ihnen bisher verborgen geblieben war, teils aus unwissen, teils sicher auch aus desinteresse.
der film hat jedoch einen entscheidenden fehler, auch wenn er letztlich den film nicht wirklich beschädigt in der erzählung einer fiktiven geschichte. der fehler besteht im zeitfaktor, denn im jahr 1986 war einiges schon ganz anders.
1986 war das jahr der großen ausreisewelle. ausserdem hatten viele schriftsteller und auch schauspieler oder regisseure dauervisa für westdeutschland und westberlin, viele haben dort verlegt (chrita wolf, stefan hermlin, klaus schlesinger zb) oder gearbeitet (ruth berghaus, harry kupfer) etc..
wer also wirklich artikel im westen veröffentlichen wollte, musste nicht diese abenteuerlichen umwege gehen, aus dem westen schreibmaschinen zu besorgen und die texte zu schmuggeln, das war zu diesem zeitpunkt längst ganz anders. in den 70ger jahren sah das ganz anders aus, der einschnitt, der nach biermanns rausschmiss kam, änderte alles. viele verließen ja danach das land, weil sie nicht arbeiten konnten oder wollten. (krug, domröse, thate) oder musiker nach dem knast, (pannach, kuhnert).
meine eltern führten die erste privatgalerie, in der sich 10 jahre lang alles versammelte, was rang und namen hatte, allerdings auch die stasi. die hatten wir teilweise monatelang vor unserer haustür, immer dieselben in immer demselben auto und ich hatte in meiner schulklasse einen an der backe, das war der freund meiner besten freundin, erst 1990 fand ich das in meinen akten heraus...
mir ist bei allen schwierigkeiten nach wie vor nicht nach ostalgie zumute, über die witze kann ich immer noch lachen, aber immer mit dem hintergedanken, dass ich heilefroh bin, dass dieses system beendet wurde.
wer sagt, dass die menschen sich das gefallen liessen, bedenkt vieeicht auch nicht, dass die ddr-bürger den fall des systems herbeigeführt haben.
auch wenn sie dafür 40 jahre brauchten.
|
|
|
Theo

Status: Offline Registriert seit: 14.02.2006 Beiträge: 40 Nachricht senden | Erstellt am 07.07.2006 - 21:34 |  |
Ich denke, als "Wessi" weiß man auch heute immer noch viel zu wenig darüber, was in den Jahren bis 1989 in der DDR wirklich geschah.
Ich würde es begrüßen, wenn es möglich wäre, hier im Forum seitens der "Ossis" einen Thread dazu zu eröffnen. Er muss keinesfalls hochpolitisch sein sondern einfach Erfahrungen wiedergeben.
Signatur |
maxi  Moderator

Status: Offline Registriert seit: 20.04.2005 Beiträge: 9205 Nachricht senden | Erstellt am 08.07.2006 - 12:03 |  |
gute idee, theo.
da gibt's wohl etliche geschichten. mal sehen, ob ich eine formulieren kann. aber später ... *s*
was mir spontan einfällt: schön wär's, den thread nicht auf "ossi"-erfahrungen zu beschränken. auch die "wessis" haben 'ne vergangenheit, die wiederum für die "ossis" interessant sein könnte.
Signatur Was immer auch geschieht - nie sollst Du soweit sinken, von dem Kakao, durch welchen man Dich zieht, auch noch zu trinken. (E. Kästner) |
Sophia

Status: Offline Registriert seit: 05.01.2006 Beiträge: 78 Nachricht senden | Erstellt am 16.07.2006 - 13:41 |  |
Vieles ist nur vom Hörensagen bekannt. Authentische Berichte von beiden Seiten würden in manchen Punkten sicher zu mehr Verständnis führen.
Signatur |
Hildebrand 

Status: Offline Registriert seit: 23.05.2006 Beiträge: 208 Nachricht senden | Erstellt am 27.07.2006 - 13:23 |  |
Vieles ist nur vom Hörensagen bekannt. Authentische Berichte von beiden Seiten würden in manchen Punkten sicher zu mehr Verständnis führen.
Sophia
************************************************
Nach meiner Entlassung als politische Gefangene in Hoheneck wurde ich großzügig resozialisiert, in dem ich zunächst nicht mehr nach Berlin zu meiner Familie, meinen Freunden, meinen Kindern durfte, sondern in Bitterfeld im VEB Chemiekombinat einen Arbeitsplatz bekam und wiederverheiratet wurde, mit einem Parteitreuen, der regelmäßig Berichte über mich abzuliefern hatte.
Mein damaliger Ehespitzelgatte hatte sehr viel Übung im Verrat und Vertrauensmissbrauch. Schon als Hausmeister unserer Hausgemeinschaft von 16 Familien, die alle im Chemiekombinat tätig waren, führte er über jeden ein Hausbuch.
Dies war nicht seine Idee sondern es war von der SED vorgeschrieben und ein Muss.
Alles was im Haus geschah wurde in das Hausbuch eingetragen. Wann der Nachbar ging, wer zu Besuch kam, wie lange der Besuch da war, was der Besuch mitgebracht hatte usw. Ganz besonders wurden Besucher aus dem kapitalistischem Ausland unter die Lupe genommen.
Unsere Nachbarn durften ihren Besuch nie allein empfangen. Es wurde in einem eigens dafür eingerichtetem Gemeinschaftskeller, ein Hausfest veranstaltet, um dem Staatsfeind zu zeigen, was Hausgemeinschaft, Nachbarschaftshilfe im Sozialismus bedeutet.
Der Raum wurde, wie wir hinterher erfuhren abgehört.
Das Hausbuch kontrollierte zunächst die Volkspolizei.
Beim geringsten Verdacht, dass die Daten nicht mit der Meldestelle übereinstimmten, wurden die Hausbewohner einzeln von der Stasi verhört.
Alles, was in der Hausgemeinschaft unter dem Siegel der Verschwiegenheit anvertraut wurde, war Gegenstand der nächsten Verhöre.
Misstrauen wurde systematisch gesät sowohl bewusst als auch unbewusst, weil wir nicht wußten, wer die Verräter waren.
Alles im Hintergrund. Von Gesicht zu Gesicht waren die Verräter immer die Freunde, die alles verstehen, die es nur gut meinen. Drehten sie sich um, war es ihr Vertrauensmissbrauch, der über das Wohl und Wehe eines Menschen beitrug.
Dies alles nur ,so die SED-Spitze , um das gemeinsame Miteinander und Füreinander als zwischenmenschlichen Zugewinn zu fördern.
Das korrekte Führen des Hausbuches sei somit nicht hoch genug einzuschätzen. * sarkastisch *
Signatur Es genügt nicht, sich keine Gedanken zu machen, man muss auch unfähig sein, diese auszudrücken. |
alpha

Status: Offline Registriert seit: 28.02.2006 Beiträge: 158 Nachricht senden | Erstellt am 28.07.2006 - 14:20 |  |
Oswesi ich bin mir nicht so ganz im klaren darüber, wie ich deinen Beitrag einordnen soll.
Signatur Immer wieder behauptete Unwahrheiten werden nicht zu Wahrheiten sondern, was schlimmer ist, zu Gewohnheiten.
(Oliver Hassencamp) |
Flaubert 

Status: Offline Registriert seit: 21.01.2006 Beiträge: 339 Nachricht senden | Erstellt am 28.07.2006 - 21:19 |  |
Oswesi schrieb
Hat schon mal einer drüber nachgedacht, dass es der Westen war, der die Mauer errichtete? Oder kann mir einer erzählen, woher der Stacheldraht, die Steine, Mörtel auf einmal kamen? Kein Haus konnte renoviert werden geschweige denn richtig wieder aufgebaut. Es gab ständige Materialknappheit.Alle Wessis , die sich über die Mauer stänkern, sollten nach den Schuldigen in ihren Reihen beginnen.Und noch was zu den Hausgemeinschaften. Sie waren gut. Ohne sie hätten wir gar keine Materialien bewilligt bekommen, um unsere Wohnungen zu reparieren. Wir bekamen das Material und die Arbeit haben alle gemeinsam gemacht. Nicht nur meckern, auch die guten Seiten sehen. Das Hausbuch war wichtig, damit nicht mehr Menschen in den Wohnungen waren, als aufgeführt beim Meldeamt.Und dann das mit der Überwachung und Bespitzlung. Hier und da gab es das auch. Kaum im Westen wurde jeder bespitzelt und war jeder im Knast.Lasst mal die Kirche im Dorf.
Wenn alles nur Lüge, Verrat, Bespitzelung war, seid doch jetzt froh, denn hier gibt es das nicht.
|
Hallo Ossiwessi,
ich glaube, du hast das Wichtigste an deinem Beitrag vergessen - die passende Überschrift:
ACHTUNG SATIRE!
Aber wenn's dich tröstet: Ich leide auch immer öfter an plötzlich auftretenden unerklärlichen Anfällen von Demenz. Muss wohl mit dem Alter zusammenhängen. Das Alter schlägt nun mal jeden, ganz ohne Rücksicht darauf, ob man Wessi oder Ossi ist. Da hilft nur noch, das gemeinsame Schicksal anzunehmen und im Leiden vereint dem Leben die Stirn zu bieten.
Mit aufrichtigem Mitgefühl und brüderlicher Solidarität
Flaubert
P.S.:
Liberté, Egalité, Fraternité - das ist keine Erfindung der Ossis. Das forderten die französischen Wessis schon vor 200 Jahren.
Signatur Wer sich weit gemacht hat, darf viel ablehnen. (Elias Canetti) |
alpha

Status: Offline Registriert seit: 28.02.2006 Beiträge: 158 Nachricht senden | Erstellt am 28.07.2006 - 21:48 |  |
Flaubert
Signatur Immer wieder behauptete Unwahrheiten werden nicht zu Wahrheiten sondern, was schlimmer ist, zu Gewohnheiten.
(Oliver Hassencamp) |
olga

Status: Offline Registriert seit: 09.10.2005 Beiträge: 912 Nachricht senden | Erstellt am 28.07.2006 - 22:10 |  |
flaubert, danke.
ich wüsste gerne, warum hildebrandt politisch gefangen war.
wenn ich mich recht entsinne.......müsste sie anfang40 sein, maximal.
der mauer ist jetzt 16 jahre weg........kinder, wiederverheiratung.......die rechnung geht nicht richtig auf.
irgendwie glaub ich es nicht ganz, sorry.
zumal ich mit meinen eltern ende 60er jahre zu besuch in dresden, leipzig und meissen war, und wir durften die leute besuchen, sogar auch dort schlafen.
ohne fisimatenten.ohne gemeinschaftskeller, und aufpasser.
ansonsten was ossiwessiwerauchimmer schrieb, spottet jede beschreibung.
aber wir können ja knasterfahrungen austauschen, die ich zwar nur indirekt kenne, da mein vater 1956 flugs eingesperrt wurde.........aus reine eigennutz der machthaber.
er hat mir haarklein alles erzählt.
[Dieser Beitrag wurde am 28.07.2006 - 22:28 von olga aktualisiert]
Signatur Des Menschen grausamster Feind ist der Mensch
Johann Gottlieb Fichte |
Hildebrand 

Status: Offline Registriert seit: 23.05.2006 Beiträge: 208 Nachricht senden | Erstellt am 28.07.2006 - 23:06 |  |
Oswesi schrieb
Hat schon mal einer drüber nachgedacht, dass es der Westen war, der die Mauer errichtete? Oder kann mir einer erzählen, woher der Stacheldraht, die Steine, Mörtel auf einmal kamen? Kein Haus konnte renoviert werden geschweige denn richtig wieder aufgebaut. Es gab ständige Materialknappheit.Alle Wessis , die sich über die Mauer stänkern, sollten nach den Schuldigen in ihren Reihen beginnen.Und noch was zu den Hausgemeinschaften. Sie waren gut. Ohne sie hätten wir gar keine Materialien bewilligt bekommen, um unsere Wohnungen zu reparieren. Wir bekamen das Material und die Arbeit haben alle gemeinsam gemacht. Nicht nur meckern, auch die guten Seiten sehen. Das Hausbuch war wichtig, damit nicht mehr Menschen in den Wohnungen waren, als aufgeführt beim Meldeamt.Und dann das mit der Überwachung und Bespitzlung. Hier und da gab es das auch. Kaum im Westen wurde jeder bespitzelt und war jeder im Knast.Lasst mal die Kirche im Dorf.
Wenn alles nur Lüge, Verrat, Bespitzelung war, seid doch jetzt froh, denn hier gibt es das nicht.
|
So wird Geschichte geschrieben
Der Mauerbau als 1. großes Gemeinschaftswerk von Ost und West.
Hausbücher als Kontrollfunktion zur Vermeidung überfüllter Wohnungen.
Überwachung und Bespitzlung als Profilneurose im Westen.
Knast eine Erfindung, um Schadensersatzforderungen zu stellen.
„Wenn alles nur Lüge, Verrat, Bespitzelung war, seid doch jetzt froh, denn hier gibt es das nicht.“
Hier gibt es das nicht?
Ich behaupte: Hier lebt die Reinkarnation der MfS-Methoden. Hier in der Forenwelt.
Systematische Diskreditierung des persönliches Rufes und des Ansehens
Dazu bediente sie sich einer Mischung aus nachprüfbarer Wahrheit und glaubhafter nicht widerlegbaren Zusatzgeschichten.
Das erzeugte Misstrauen und gegenseitige Verdächtigungen.
Es verstärkte die Rivalität und zerstörte Freundschaften.
Dies erreichte sie durch zielgerichtete Ausnutzung von Vertrauen, persönlichen Schwächen
Mit dem Ziel, diese Person von Gleichgesinnten zu entfernen.
Erst Vertrauen aufbauen, persönliches erfahren, um Hilfe bitten, Lobgesang, Abwerbung
alles unter dem Siegel der Verschwiegenheit
den operativen Vorgang akribisch speichern und an viele Personen mittels PM und Telefon melden
Durch die Verwendung anonymer oder pseudoanonymer Briefe wurde die Zersetzungsmaßnahme noch untermauert.
Diese Mittel und Methoden wurden schöpferisch ausgebaut und weiterentwickelt, so dass Unschuldige immer zu Tätern, die aufgrund wurden, und sich rechtfertigen mussten, wenn sie die Wahrheit aussprachen.
So wurde aenne, der ich 500% vertraue, als meine Informantin bezeichnet.
Meine Identität in Frage gestellt
und völlig Unbeteiligte ins Abseits befördert
und Freundschaften zerstört.
Und auch daran hat sich nichts geändert:
die IM’s werden belohnt durch Anerkennung, Einladungen und Freundschaftsbekundungen.
Eine Ausnahme? Mitnichten......bei diesen beiden Reinkarnationen der MfS-Methoden , ist es die Regel, gleich in welchem Forum ihre Wiedergeburt auch stattfindet.
Also Osswessi, wenn du immer noch nicht gelernt hast oder demenz bist, bleibe einfach hier.
Hier erhälst du eine Auffrischung.
Ein wunderbares Beispiel ist jetzt Olga, die praktiziert mit ihrem Beitrag das, was sie kann.
Sie ist eben die Reinkarnation .....,
Signatur Es genügt nicht, sich keine Gedanken zu machen, man muss auch unfähig sein, diese auszudrücken. |