Lavida 

Status: Online Registriert seit: 14.12.2006 Beiträge: 3914 Nachricht senden | Erstellt am 11.02.2008 - 17:59 |  |

100% Worte für Brot
Prosa & Lyrik - Brevier, Spendenausgabe, ProLyrik, Band 2 - FV-Verlag
Dieses Brevier ist durch die gemeinsame finanzielle und geistige Anstrengung der Schreibwerkstatt ProLyKu entstanden und die Verkaufserlöse gehen zu 100% an die Deutsche Welthungerhilfe.
Wir LiteratInnen und KünstlerInnen möchten in diesem Buch unsere Arbeiten vorstellen und ihnen zugleich einen höheren Sinn geben.
Wir strafen den Begriff der „brotlosen Kunst“ Lügen, indem wir aus Kunst Brot machen, im physikalischen, existentiellen Sinne – für jene, denen Brot nachvollziehbarerweise wichtiger als Bücher sind. Gemeint sind Menschen in der „3.Welt“, denen es selbst an den einfachsten Dingen mangelt, die für uns ganz selbstverständlich erscheinen. Kritisch, nachdenklich, fordernd.
Erste Auflage April 2006
Bevier, DinA6, 100 Seiten, teilillustriert, ISBN: 3-9810061-1-9
Preis: 4,40. Zu bestellen unter: elsa_rieger@fv-verlag.de / Pressetext
Quelle

Elsa Rieger
Die Wiener Autorin Elsa Rieger
arbeitet im Hauptberuf als niedergelassene Atemsynthesetrainerin.
Nach Schauspielausbildung und Buchhandelslehre war sie in der
Inspizienz und Abendregie des Theater der Courage beschäftigt und veranstaltet Performances mit Pantomime, Live-Musik und Text.
Das vorliegende Brevier umfasst ausgewählte Prosa und Lyrik.
Leseproben
Hörprobe
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HollyvanMekeren

Status: Offline Registriert seit: 28.05.2007 Beiträge: 116 Nachricht senden | Erstellt am 30.07.2009 - 11:16 |  |
Aus Polen stammt die Redensart
»Gegessen Brot ist schwer zu verdienen«.
Das ist der Stoßseufzer eines Mannes, der beim Händler oder Wirt in der Kreide steht oder auf andere Weise abhängig ist, und enthält eine Erfahrung, die jeder kennt, der »auf Vorschuss« gelebt hat und sich später einschränken muss.
Die Abhängigkeit vom Brotherrn ist in Deutschland, Holland und Russland ganz ähnlich usgedrückt:
»Wes Brot ich ess, des Lied ich sing«
sagt der Deutsche,
der Russe meint:
»Wessen Brot man ißt, dessen Wort man spricht«.
Im Neugriechischen findet sich eine Erkenntnis, die nirgend sonst ausgesprochen ist:
»Wer kein Brot backen will, der braucht fünf Monate zum Mehlsieben.«
Man kann die psychologische Situation eines Menschen, der etwas vor sich herschiebt und dafür Gründe anführt, kaum trefflicher ausdrücken.
Die Bitterkeit des Fremden, der am Tisch nur geduldet ist, haben die Schweizer und Rätoromanen ausgesprochen, wenn sie sagen
»Das Brot der anderen hat sieben Krusten«.
Auch hier findet die Erkenntnis keine knappere Formel als den Hinweis aufs Brot.
Zu den Brotvölkern gehören auch die Indios, die aus Mais Fladen buken, die Tortillas; auch hier ist das Brot Grundnahrung und Wohltat zugleich, obwohl das Maisbrot andersartig ist, kein gesäuertes Brot.
Ein altmexikanisches Sprichwort umschreibt das so;
»Gib deinem Manne Wasser für seine Hände und backe Brot für seine Familie.«
Es ist das einzige Sprichwort, das die Frau anspricht, und es beschreibt unabsichtlich die sklavische Situation der Frau. Es ist, als stände sie außerhalb der Familie, als sei sie nichts als Magd und Gebärerin für den Mann, und als wolle die Redensart der Frau mit einem Hinweis helfen: So muss sie es machen, wenn sie in Frieden mit dem Mann leben will.
Die Idee einer ausgleichenden Gerechtigkeit, nur umgekehrt, steckt in dem Satz
»Wer Brot gibt, findet Brot«,
und man geht davon aus, daß eine gute Tat das Gute nach sich ziehe wie das Böse seine Strafe. Eine kaum deutbare, mythische Scheu schließlich steckt in der italienischen Redensart
»Brot hat Verstand«.
Das Bild wäre unvollständig, wenn man nicht über die Grenzen dieses »Brotreiches« hinaussehen würde. Auch hier liefert ein Sprichwort die Erkenntnis in unübertrefflicher Kürze:
»Wo der Reistopf kocht, wird kein Brot gegessen«.
Auch der Reis ist »tägliches Brot« im allgemeinen Sinn, und im Chinesischen sind die Schriftsymbole für »Reis« und »Nahrung« identisch wie im alten Ägypten die Hieroglyphen für »Mahlzeit« mit Brot und Bier.
In Ägypten hat man die Menschen mit Brot bezahlt, in China mit Reis, und so sagt der Chinese vollkommen mit Recht, er arbeite für seinen täglichen Reis.
Egal ob Brot oder Reis das Grundnahrungsmittel ist, Hunger tut jedem weh, auch in Asien ist »ein Tag ohne Reis« lang.
"Brot für die Welt- 100 % Worte für Brot gegen den Hunger der Welt"
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