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Cherry 



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Registriert seit: 06.01.2005
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...   Erstellt am 21.02.2005 - 21:01Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


So jetz ma alles an einem Stück und endlich nem Titel xD
öh ja... recht viel o.o''

** When an Angel dies **

„Nein nein nein und nochmals nein, was ist bloss los?“
Yû verzog das Gesicht und versuchte unschuldig dreinzublicken, obwohl im das natürlich nichts nützte. Er hatte es gerade fertig gebracht seinen Produzent zu verärgern, indem er nun zum x-ten Mal eine Aufnahme verbockt hatte. Dabei hatte er sich eigentlich darauf gefreut, denn Flame nahmen gerade ein neues Lied auf, zusammen mit W-inds, die sich aber noch nicht im Studio befanden.
Durch die Glasscheibe konnte Yû Kyoheis besorgten Gesichtsausdruck erkennen. Yusu und Hisa waren zum Glück heute nicht im Studio. Yû wusste ja selbst nicht genau, was mit ihm los war. Schon seit einiger Zeit hatte er sich so leer und kraftlos gefühlt, was sich auf den Ausdruck seiner Stimme auswirkte. Er konnte die Gefühle nicht in dem Song widerspiegeln.
„Ich... ich fühle mich nicht so gut.“, meinte er entschuldigend und biss sich auf die Zunge als er den Gesichtsausdruck des Produzenten erblickte. „Na super, das hat uns gefehlt. Ok, dann geh gefälligst nach Hause und ruhe dich aus, sonst wird das ja nie was.“, er schüttelte den Kopf und seufzte. „Na gut, Kyohei dann machen wir halt mit dir weiter.“
Kyo tratt zu Yû der nur traurig auf den Boden starrte. Das war ihm noch nie passiert und er war wütend über sich selbst. Er spürte Kyos Hand auf seiner Schulter und erblickte sein aufmunterndes Lächeln, welches er aber nur gezwungen erwidern konnte.
Er verlies den Raum und lies sich von einem der Bodyguards nach Hause fahren. Dort angekommen setzte er sich missmutig auf das abgenutzte Sofa und starrte gedankenverloren an die hellblau gefärbte Wand gegenüber.
Was habe ich bloss? Wieso bin ich traurig, obwohl es gerade nicht besser laufen könnte mit Flame? Auf der Bühne stehen und den Fans ein Lächeln auf die Lippen zaubern war doch was ich immer wollte... ich sollte glücklich sein, das ist nicht fair, dachte Yû traurig und Wut stieg in ihm hoch. Wut über sich selbst, über seine Hilflosigkeit... mit Mühe unterdrückte er die ersten Tränen.
„Heul nicht du Dummkopf!“, murmelte er zu sich selbst. Er holte sich ein Kissen und eine Decke und legte sich hin. Noch einige Zeit verfolgten ihn diese Gedanken, aber nach einiger Zeit schlief er ein.

„Guckt euch mal den an.“, Stimmen und Gelächter drangen an Yûs Ohren. Er konnte Kyos unverkennbares Lachen hören und öffnete müde die Augen. Er blickte direkt in Kyoheis schadenfreudig grinsendes Gesicht. Hinter ihm befand Ryu von W-inds, der wieder mal sein süssestes Smile aufgesetzt hatte.
Yû schreckte auf, als er zwei andere Typen neben Ryu erblickte; Ryohei und Keita, die nicht weniger grinsend vor ihm standen. Im nächsten Moment bemerkte Yû sein Missgeschick; er hatte beim Schlafen leicht über das Kissen gesabbert, woran sich die anderen gerade köstlich amüsiert hatten. Er lief rot an und drehte das Kissen um. Es reichte wohl nicht, dass nur Kyohei seine Peinlichkeiten mitbekam, jetzt auch noch die Jungs von W-inds, die er ja noch nicht so gut kannte.
„Was ... was macht ihr überhaupt all hier?“, fragte Yû unsicher.
„Was wohl – dich besuchen natürlich.“, erwiderte Ryo und setzte sich auf einen Sessel.
„Dir geht’s nich gut, was?“, fragte Kyohei und setzte sich ebenfalls.
„Nicht wirklich.“, antwortete Yû. „Wartet, ich hol euch was zu trinken.“
„Nicht nötig.“, meinte Kyohei und deute auf die Gläser auf dem Tisch, die er vorhin hingestellt hatte.
„Oh...“, Yû lief einmal mehr rot an.
Die anderen blieben nicht lange, Ryu und Ryo mussten schon bald wieder gehen um ihre gemeinsamen Rap-parts aufzunehmen. Auch Kyo hatte noch einiges zu erledigen und verlies das Haus. Blieb also nur noch Keita übrig...
Keitas und Yûs Blicke trafen sich und Yû spürte, wie ihn eine ungewohnte Hitze überkam.
„Stimmt etwas nicht?“, fragte Keita besorgt.
„Ich ... weiss nicht, ich glaube ich werde noch krank.“, erwiderte Yû unsicher und getraute sich nicht in Keitas Augen zu blicken und griff nach seinem Glas Cola um sich abzukühlen. Doch im nächsten Moment hätte er sich auch schon verfluchen können, denn durch seine Schusseligkeit stiess er das Glas um und ihm rutschten ein paar unschöne Worte über die Lippen.
„Schon gut, bleib besser liegen ich wische es auf.“, sagte Keita und ging im die Küche um nach einem Putzlappen zu suchen.
Yû legte sich zurück. Was ist jetzt wieder? Warum bin ich so nervös? Es ist doch nur Keita! Reiss dich zusammen... Im nächsten Moment kam auch schon Keita zurück und fing an die verschüttete Cola aufzuwischen, während Yû es nicht lassen konnte ihm dabei zuzusehen. Er hätte sich am liebsten georfeigt, wieso konnte er seine Augen nicht mal eine Sekunde von Keita abwenden? Er atmete tief ein und aus und versuchte sich wieder zu entspannen.
„So, sieht aus wie neu.“, meinte Keita grinsend als er fertig war und setzte sich neben Yû. Yû spürte wie sein Herz zu kopfen begann und verärgert bemerkte er wie er schon wieder rot wurde. Das darf doch nicht wahr sein, dachte er wütend, ich bin eindeutig krank.
„Sag mal... wirst du immer so schnell rot?“, als Yû diese Frage von Keita hörte verschluckte er sich erstmals. „Nein! Natürlich nicht! Ich... das ist nur weil ich krank bin!“, stotterte er angestrengt zusammen. Mit empörtem Gesichtsausdruck blickte er zu dem überlegen grinsenden Keita, welcher sich ein Lachen nicht verkneifen konnte.
Was fällt dem ein!, dachte Yû. Sowas Unverschämtes, macht der sich etwa auch noch lustig über mich?!
„Haha... guck nicht so.“, meinte Keita lachend und zog mit den Händen Yûs Mundecken nach oben. (*arg* ihr wisst wie ich meine XD)
„Waaah lass das! Sowas wie du ist mir auch noch nie untergekommen!“, hilflos mit den Armen wedelnd entriss sich Yû.
Keita lachte, aber dieses Mal mit einem liebevollen Unterton. „Du bist wirklich krank, nicht nur physisch. Naja schlaf besser mal, du siehst müde aus.“, damit stand Keita auf und zwickte Yû dabei neckisch in die Wange.
„Au! Was fällt dir ein, was hab ich getan, dass du herkommst um mich zu beleidigen! Was soll das überhaupt?“
Keita grinste nur vielsagend und meinte: „Ganz einfach; du siehst süss aus, wenn du dich aufregst. Bye.“ Er verschwand und liess die Tür hinter sich zuschnappen.
Yû sass erstmal wie vom Blitz getroffen da. „Dieser unverschämte Kerl.“, murmelte er in sein Kissen. Doch trotzdem faszinierte ihn etwas an Keita und dieses Mal waren es andere Gedanken, die ihn beim einschlafen verfolgten... immer wieder hörte er wie Keita ‚du siehst süss aus’ sagen. Wie kam er bloss dazu so was zu sagen? Sagt er das etwa zu jedem, oder bin ich eine Ausnahme?, fragte sich Yû und er unterdrückte das Verlangen nach Keita, er wollte es nicht wahrhaben, doch etwas in ihm wollte Keita unbedingt wieder begegnen.
................................

Die warmen Sonnenstrahlen fielen durch das saubere Fenster und umschmeichelten Yûs perfektes Gesicht. Er blinzelte ein paar Mal und gähnte ausgiebig. Er hatte leichte Kopfschmerzen, kümmerte sich aber nicht weiter darum. Gelangweilt blickte er auf die Uhr an der Wand die bereits zwei Uhr nachmittags anzeigte. Er griff dann nach seinem Schreibblock. Darauf schrieb er seine eigenen Liedtexte, sein Traum war es irgendwann mal seine eigenen Lieder zu singen. In Liedern konnte er seine Gefühle viel besser ausdrücken. Er nahm ein neues Blatt und runzelte die Stirn. Verträumt schaute er aus dem Fenster...

„Never wanted to feel this pain,
who will break the chain that keeps all my sorrows?
Every day I feel helpless,
Who will take care of this?“

Noch während er wie in Trance diese Zeilen schrieb spürte er erneut diese unsichtbare Last die sich auf seine Schultern legte. Wie wird das alles enden?, fragte er sich im Stillen und missmutig stand er auf.
Das Haus erschien ihm kalt und leer. Genauso wie er sich im Moment fühlte. In der Küche schnitt er sich ein Stück Brot ab, als das Telefon klingelte.
„Hallo?“ – „Hallo hier ist Yusuke. Wie geht’s dir?“ – „Mhm geht so...“ Yû legte das Brot auf den Tisch, er hatte keine Lust etwas zu essen. „Wir sind fertig mit den Aufnahmen für heute, aber wir können dich nicht besuchen kommen, wir müssen nachher noch ein Interview geben. Na dann mal gute Besserung von allen.“ – „Danke.“
Yû legte auf. Dann bin ich heute also alleine... ich sollte mir ne Katze zutun, sonst veröde ich hier noch, dachte Yû und setzte sich auf einen Sessel. Lange Zeit sass er nur da, allerdings ging ihm das laute Ticken der Wanduhr gehörig auf die Nerven und seine schlechte Laune verstärkte sich nur noch. So nahm er kurzerhand ein Glas, das noch von gestern auf dem Tisch stand und schmetterte es gegen die Uhr. Er lachte in sich hinein, als es ein lautes Klirren gab und die Uhr endlich Ruhe gab.
„Soooo endlich is hier mal Ruhe einge...“, er hatte noch nicht mal fertig geredet, da hörte er auch schon wie seine Haustür schwungvoll aufgerissen wurde und ein fröhliches “Yuuuu-chan“.
„Hallo, na wie geht’s? Kyohei hat mir die Schlüssel ausgeliehen, weil er ja selbst nicht kommen kann... Oh gut, is das für mich? Ich habe Hunger.“, Keita kam reingesaust, sein übliches Grinsen im Gesicht und redete ohne Punkt und Komma. Er griff nach dem Brotstück und setzte sich direkt neben Yû. „Meine Güte, was ist denn hier passiert? Dich kann man wohl nich alleine lassen.“, staunend begutachtete Keita die kaputte Uhr und die Scherben am Boden.
„Hat dir schon mal jemand gesagt, dass du total unhöflich bist?“, meinte Yû und blickte Keita vorwurfsvoll an. Jetzt bloss nicht rot werden, ermahnte er sich und ärgerte sich, als sein Herz wieder zu rasen begann.
Keita blickte ihn leicht verwundert an. „Nee. Du bist der erste der so ein Aufheben drum macht.“, erwiderte er.
„Das stimmt nicht! Oh man echt ich kenn dich nich lange aba bisher hab ich nur mit dir gestritten. Du bist gemein!“, konterte Yû und starrte Keita rot werdend in die Augen.
„Bin ich nicht. Du fängst doch immer an, du streitest doch gern mit mir.“, meinte dieser. „Ich... ich, nein!“, stotterte Yû.
„Also gut... was willst du dann mit mir machen?“, fragte Keita und schaute Yû auffordernd an und seine Nasenspitze war nicht mehr weit von der Yûs entfernt. „Ich... du...“, darauf konnte und wollte Yû nicht antworten, stattdessen begannen sich die Gedanken in seinem Hirn zu überschlagen... was will ich von ihm? Wieso fühle ich mich so zu ihm hingezogen... er ist doch ein Mann...
Keita schaute den Kleineren einen Moment lang prüfend an. Dann beugte er sich nach vorn und drückte Yû einen Kuss auf die Lippen. Dieser wurde von bisher ungekannten Gefühlen übermahnt und sein Herz drohte zu zerspringen, als er Keitas sanfte Lippen auf seinen spürte. Es vergingen nur wenige Sekunden, in denen sich ihre Lippen berührten und Yû hätte sich gewünscht die Zeit wäre stillgestanden. Unsicher blickte er zu Keita. „Hast... hast du das schon mal gemacht?“, fragte er und wünschte sich im nächsten Moment er hätte das nicht gefragt, denn Keita würde ihm bestimmt wieder eine halbwegs beleidigende Antwort geben.
„Nein. Und ich würde es auch bei keinem anderen machen. Du bist... etwas Besonderes.“, umso überraschend kam diese Antwort und Yû lächelte zum ersten Mal an diesem Tag. Keita erwiderte es nur zu gern. Yû hatte das Gefühl spüren zu können wie es in der Luft um sie herum förmlich knisterte und sein Herz weiterhin vor Freude klopfte.
Keita hob das Kinn des Kleineren an und beugte sich erneut zu ihm. Ihre Lippen berührten sich und Yû fühlte wie sich ein angenehm warmes Gefühl bis zu seinen Fingerspitzen ausbreitete. Er schloss die Augen und riss sie im nächsten Moment auf, als er Keitas warme Zunge spürte. Er entspannte sich aber wieder und liess Keita gewähren und begann etwas unsicher Keitas Zunge zu umspielen. Er fühlte wie Hitze in ihm hochstieg und dieses warme Gefühl in Erregung überging. Doch er hielt sich zurück und löste sich von Keita. Er wollte nicht mehr, er war nicht bereit dazu, es reichte ihm im Moment in Keitas Nähe zu sein. Er getraute sich nicht, sein Herz ganz zu öffnen und seine Liebe zuzulassen. Etwas verwirrt schaute er zu Keita. Dieser strich ihm sanft über die glühende Wange und lächelte, was Yû Sicherheit gab. Er lehnte sich an den Grösseren und war einfach nur glücklich, als Keita die Arme um ihn legte. Er spürte keine Last mehr auf seinen Schultern, er musste nicht mehr daran denken, Keitas Anwesenheit gab ihm genügend Geborgenheit und er schloss die Augen, zufriedene Schnurrgeräusche von sich gebend.
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Eine Melodie... eine Melodie so schön wie Engel ... so traurig wie gefallene Engel...
Yû öffnete die Augen, als er sie wahrnahm. Verwirrt blickte er sich um, durch das Fenster konnte er den endlos weiten Himmel sehen, der von der untergehenden Sonne in ein sanftes orange getaucht wurde. Langsam wurde es dunkler draussen. Yû befand sich in seinem Schlafzimmer. „Wie bin ich hier hin gekommen?“, fragte er sich. Die Melodie war noch nicht abgeklungen und so stand er auf und folgte ihr. Sie kam vom Wohnzimmer und vorsichtig linste Yû durch den Türspalt. Sofort kehrten seine Erinnerungen zurück; Keita sass da und spielte auf dem Klavier das Yû im Wohnzimmer stehen hatte. Dann hat er mich also ins Schlafzimmer hinaufgetragen?, überlegte Yû.
Keita war ganz vertieft in sein Spiel, hatte die Augen geschlossen und bemerkte Yû nicht. Dieser stand immer noch fasziniert hinter der Türe, das Lied strahlte Leidenschaft und Sehnsucht aus. Ist es das, wonach ich suche? Ist das Liebe?, fragte sich Yû, denn das Lied berührte ihn bis in seinem tiefsten Inneren und er konnte sich die Tränen nicht erklären, die nun über seine Wangen rollten, doch er wehrte sich nicht dagegen, sondern schaute weiterhin Keita zu. Er ist so schön, bei allem was er macht... Sein Herz begann zu brennen. Er kannte dieses Gefühl nicht, noch nie hatte er so was gefühlt.
Er wusste nicht, wie viel Zeit verstrichen war, er wollte nur die Türe ein bisschen mehr öffnen um Keita besser sehen zu können. Doch seine Rechnung ging nicht auf und die Türe knarrte. Das Lied brach ab – erschrocken sah Keita auf, doch seine Gesichtszüge entspannten sich wieder, als er Yû erblickte. „Ach du bist es nur.“
„’Tschuldigung, ich... ich wollte dich nicht unterbrechen, spiel ruhig weiter.“, meinte Yû schüchtern.
„Nein.“, erwiderte Keita und setzte ein süsses Smile auf. Yû wusste darauf keine Antwort, einmal mehr war er überrumpelt, weil er diese Antwort nicht erwartet hatte. Keita grinste, stand auf und schaute erstaunt zu Yû. „Du hast geweint?“ Yû lief rot an und wendete sich ab. „Nein hab ich nicht! Was willst du eigentlich noch hier?“
Keita legte seine Arme von hinten um Yû. „Ich wollte sicher gehen, dass es dir gut geht.“, flüsterte er in Yûs Ohr und begann, seinen Hals zu küssen. Wieder flammte ein ungewohntes Gefühl in Yû hoch, doch er spürte wie Angst in ihm hochkroch und er entriss sich Keitas Griff. „Nein, nicht!!! Ich... es war ein Fehler! Vergessen wir das gestern!“
Im nächsten Moment hätte er sich gleich am liebsten geohrfeigt, das hätte er nicht sagen sollen, jedenfalls nicht auf diese Art.
Das Leuchten in Keitas Augen war verschwunden, er wirkte kalt und abweisend. „Ich hasse Leute wie dich! Du kämpfst nicht... du bist der Angst verfallen.“, als Keita diese Worte sprach, hätte er Yû auch gleich eine Teekanne gegen den Kopf schmeissen können, sie trafen ihn mit unglaublicher Wucht, er hatte das Gefühl sein Herz nicht mehr schlagen zu spüren. Keita rauschte an ihm vorbei ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen und liess die Tür hinter sich zuschnappen.
Yû stand immer noch wie angewurzelt da. „Neeeiiin!“, schrie er und sank zu Boden. „Wieso? Wieso bin ich so schwach?“, die Tränen rannen ihm über die Wangen. „Keita! Nein!“ Es schmerzte... es schmerzte unglaublich, sein Herz schien zu zerreissen. Er bekam kaum noch Luft unter den Heulkrämpfen. ’Ich hasse Leute wie dich!’, endlos hallten Keitas Worte in seinem Kopf. „Was habe ich getan? Wieso habe ich bloss solche Angst Liebe zu empfinden?“
Wütend kickte er gegen die onehin kaputte Uhr, die in noch mehr Scherben zersprang. Yû sank erneut unter Tränen zusammen, er war am Ende, wollte, dass dieser Schmerz und diese höllische Wut ihn los liessen. Seine Hand blutete, als er eine der scharfen Scherben streifte. Doch er fühlte keinen körperlichen Schmerz.

„Never wanted to feel this fear,
who will take it away from me?
I’m lost inside the dark of my heart
Who will show me the way out to the light?“

.................................................

„Wie geht’s dir? Immer noch nicht besser?“ – „Ähm nein.“, antwortete Yû auf Hisas Frage, welcher ihn gerade eben angerufen hatte. „Mhm das ist doof. Naja tut mir leid ich muss auflegen, wir haben heute noch einen Auftritt und wir beginnen hier gerade mit den Proben. Die Fans werden sich wohl wundern, wo du bist... Dann mal gute Besserung.“ – „Danke. Bye.“ Yû legte auf. Er hatte nicht gelogen, es ging ihm ja wirklich nicht besser, sogar schlechter. Er hatte gestern noch bis in die Nacht geweint und fühlte sich nun total ausgebrannt und schlapp. Er konnte immer noch nicht richtig fassen, was in den letzten zwei Tagen geschehen war, es kam ihm wie ein seltsamer Traum vor.
„Aber es ist Wirklichkeit...“, murmelte er bedrückt und zappte desinteressiert durch das Fernsehprogramm. Passend zu seiner Laune zogen am Himmel dicke Wolken auf und ein Gewitter machte sich bemerkbar. Yû fiel die Bedienung aus der Hand, als im Fernsehen eine Abend-Show gezeigt wurde; mit W-inds als Gästen. Die drei wurden gerade von einer Moderatorin interviewt. Yûs Blick fiel auf Keita, der gedankenverloren da sass. Es war nichts mehr zu sehen von der Lebensfreude die Keita sonst immer ausstrahlte und viele Herzen höher schlagen liess. Yû warf einen kurzen Blick ins Program; die Show war gestern aufgezeichnet worden, wahrscheinlich nachdem sie sich gestritten hatten.
„Und wie steht es mit dir Keita? Bist du verliebt?“, fragte die Moderatorin und lächelte. „Nein.“, Keitas Antwort fiel knapp aus, aber sie traf Yû. Während sich viele Mädchen im Studio gerade darüber freuten, da er ja so noch zu haben war und freudig rumquitschten, stiess Yû einen traurigen Seufzer aus.
Hat er es jemals ernst gemeint mit mir? Habe ich vielleicht doch richtig reagiert?, überlegte er, doch im nächsten Moment fühlte er wieder diesen stechenden Schmerz. Dann hatte er bloss mit mir gespielt? Ich war für ihn nur ein netter Zeitvertrieb?
Diesmal konnte Yû nicht mehr heulen, er hatte schon zu viele Tränen vergossen. Doch Wut kochte in ihm hoch.
„Hättet ihr gerne mehr Zeit für eure Freunde?“ – „Ja.“, antwortete Ryohei. „Aber sind gerade dran ein neues Album aufzunehmen, dann sind wir öfter als sonst zu Hause und dann können wir auch mal unsere Freunde treffen.“
Yû hörte schon gar nicht mehr zu. Er hatte einen Entschluss gefasst und er wollte ihn durchziehen - koste es was es wolle.
Er liess ein Taxi kommen und fuhr damit zu Keitas Haus. Er wusste ungefähr wo es sich befand und konnte den Fahrer lotsen. Als er die Auffahrt hinaufging, spürte er wie sein Herz wild klopfte vor Aufregung und er bemerkte wie er Angst davor hatte, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Aber seine Wut war grösser und trieb ihn vorwärts. Entschlossen drückte er auf die Klingel und wartete ab. Er würde hier stehen bleiben, bis Keita öffnete und wenn er hier Stunden warten musste, falls Keita nicht zu Hause war.
Doch die Türe wurde schwungvoll geöffnet und Yûs blickte direkt in Keitas erstaunte Augen. Für einen kurzen Moment glaubte er, ein Leuchten in seinen Augen zu sehen, doch Keita fing sich schnell wieder und schaute Yû kühl aber bestimmt in die Augen, was diesen verunsicherte. Du ziehst das jetzt durch, ermahnte er sich selbst und er schloss die Augen, um nicht in die von Keita sehen zu müssen. Er atmete tief durch und hörte darauf was sein Herz sagte. „Ich bin hergekommen, weil ich wütend bin. Zuerst dachte ich, es war ein Fehler dich abzuweisen, aber ich hatte Recht gehabt! Du hast es doch nie ernst mit mir gemeint! Ich war bloss dein Spielzeug und sonst nichts! ...“ Yû hätte noch weiter geredet, doch er wurde am Arm gepackt, reingezogen und hinter ihm wurde die Türe zugeschlagen. Ehe er sich versah, wurde er bereits von Keita umklammert und er stand wie angewurzelt da - dies war das letzte womit er gerechnet hatte.
„Yû... hör auf damit! Das stimmt nicht. Ich habe mir nach unserem Streit eingeredet, dass es sowieso besser ist so und ich habe meine Gefühle unterdrückt. Doch es war nicht richtig... ich, ich liebe dich!“
Yû war total überrumpelt, er war viel zu überrascht um zu antworten. An seiner Schulter spürte er etwas Feuchtes. Tränen? Keita weinte? Tränen der Wahrheit... er meinte es ernst.
Yû spürte wie auch ihm Tränen über die Wangen rollten. „Keita... ich ...“, er stockte, da war wieder diese Angst, aber er wollte sich nicht länger vor der Liebe verschliessen. „Ich liebe dich auch.“
Dann war eine Weile Stille, Keita schien überrascht zu sein. Er liess von Yû ab. Yûs Herz begann Freudesprünge zu machen, als er Keitas Gesicht erblickte; seine Augen strahlten vor Glück, sein süsses Lächeln war wieder unübertrefflich und seine Wangen schienen zu glühen. Yû lächelte ebenfalls endlich wieder.
Von oben hörte man plötzlich ein Platschen.
„Oh nein!“, rief Keita erschrocken auf und stürmte die Treppen hoch. Yû folgte ihm verwundert und bald bemerkte er was los war; Keita hatte sich anscheinend gerade ein Bad machen wollen und hatte laufen lassen und jetzt war alles übergelaufen.
Keita drehte sich um und machte ein ernstes Gesicht. „Yû-chan... daran bist du Schuld.“ Yû der immer noch Tränen in den Augen hatte wusste gar nicht was er antworten sollte und stand hilflos da. Keita grinste; „Hey, flenn nicht, ich habe es doch nicht ernst gemeint.“ Yû lächelte erleichtert. Doch plötzlich wurde ihm schwindelig und viele Punkte tanzten vor seinen Augen. „Nein...“, kam es jämmerlich von ihm. Er bemerkte, wie Keita losstürmte und ihn auffing, danach war alles schwarz.

***

Ein süsser Geruch stieg in Yûs Nase. Es roch nach Vanille. Yû öffnete die Augen. Wo war er hier? War das Keitas Bett? Sein Blick fiel auf Keita der ihn besorgt anschaute. „Was war los? Bist du immer noch krank?“, fragte er. „Nein... mach dir keine Sorgen, das liegt an meinem tiefen Blutdruck.“, antwortete Yû beschwichtigend.
„Du hast mir einen Schrecken eingejagt, weisst du das.“ – „Tut mir leid.“, meinte Yû kleinlaut und machte ein unschuldiges Gesicht. Keita grinste und beugte sich zu Yû hinunter. Doch er küsste ihn nicht, er schien zu zögern. „Keita... du darfst mich küssen.“, flüsterte Yû schüchtern und wurde rot. „Und du bekommst dann am nächsten Morgen aber keinen Anfall mehr wie das letzte Mal?“, fragte Keita grinsend, doch er konnte seine Freude nicht verbergen. „Nein!“, antwortete Yû bestimmt. „Vergessen wir das bitte, es war ein Fehler von mir, ich will...“, weiter kam er nicht, denn Keita hatte bereits seine Lippen auf Yûs gedrückt. Er schloss die Augen. Keitas Lippen fühlten sich so angenehm an. Plötzlich spürte er Keitas Zunge in seinem Mund, hielt aber dieses Mal die Augen geschlossen und entspannte sich wieder. Ein Kribbeln breitete sich über Yûs Körper aus und dieses warme Gefühl machte sich wieder bemerkbar. Yû wehrte sich nicht dagegen, er wollte, dass es anhielt, das war alles was er sich im Moment wünschte. Er wollte Keita berühren und schüchtern fuhr er mit der Hand über Keitas warmen Nacken. Keita kniete sich nun ganz über Yû und seine Küsse wurden immer leidenschaftlicher und fordernder. Er begann Yûs Hals zu küssen und öffnete langsam Yûs Hemd. Yû wurde wieder unsicher und öffnete die Augen. Keita hatte es bemerkt und blickte ihn fragend an. „Willst du nicht?“ - „Doch... aber ich habe Angst.“ Keita sah ihn liebevoll an und strich ihm durch die Haare. „Du bist ein kleiner Angsthase, Yû-chan. Vertrau mir doch, ich werde dir nicht weh tun, versprochen.“
Yû entspannte sich wieder und liess Keita weitermachen. Er schlüpfte aus seinem Hemd und bemerkte Keitas Blick. „Was ist?“, fragte er unsicher. „Nichts... du bist nur wunderschön.“, antwortete Keita, während er begann Yû zu küssen und über seine Brustwarzen zu lecken. Yû schloss erregt die Augen, während er ein Stöhnen unterdrückte und staddessen ein süsses Quicken von sich gab. Keita streifte sich das T-Shirt ab und Yûs Blick fiel auf seinen durchtrainierten Oberkörper was ihn in Wallung brachte. Er wünschte sich, Keita zu berühren... über seine engelsgleiche Haut zu streicheln. Er gab sich einen Ruck und fuhr langsam über Keitas Brust und Rücken. Er spürte Keitas Hände an seinem Hosenbund und blickte ihm direkt in die Augen, liess ihn aber gewähren. Keita lächelte nur und schaute Yû verführerisch an. Yû zog Keitas Kopf zu sich und gab ihm einen Kuss, ehe er Keita half, die Hosen auszuziehen. Auch Keita hatte sich dem Rest seiner Kleider entledigt. Yû lag nun schüchtern auf Keita, küsste vorsichtig seine Brust und saugte an seinen Brustwarzen. Keita stöhnte leise, was Yû gefiel und er getraute sich, Keita nun auch am ganzen Körper zu berühren. Es war ein unglaubliches Gefühl, Keitas erhitzten Körper zu spüren, und seine Berührungen und Küsse wahrzunehmen. Plötzlich spürte er Keitas Finger auf seinem Po und schaute zu Keita auf, welcher ihn gerade prüfend anschaute. Dann spürte er wie Keita vorsichtig einen Finger einführte. Yû verzog das Gesicht... es tat nicht weh, jedoch war es ungewohnt. Mit der anderen Hand fuhr Keita in kreisenden Bewegungen über Yûs Rücken, was ihm beruhigte und er entspannte sich wieder und schloss die Augen.
Er stöhnte auf, als Keita seinen Finger in ihm bewegte und schliesslich einen zweiten Finger dazunahm. Er fühlte eine höllische Hitze in seinem Körper und sein Herz schlug wie verrückt. Keita zog nach einer Weile seine Finger wieder zurück. Er stiess Yû mit sanfter Gewalt auf, aber Yû klammerte sich nun ängstlich an ihn, er wusste, was Keita jetzt vorhatte. Angst kroch in ihm hoch... Nein, vertrau ihm!, ermahnte sich Yû. Aber trotzdem konnte er sich nicht entspannen. Keita zog Yû auf sich, blickte ihn aber nicht an. Ehe sich Yû versah, spürte er wie Keita langsam sein Glied in ihn einführte. Doch es war nicht dasselbe wie vorhin und er verkrampfte sich, als es schmerzte. „Nein! Keita, nicht! Du hast versprochen, dass es nicht weh tut.“, wisperte er ängstlich und seine Hände krallten sich in Keitas Rücken. „Yû, entspann dich. Es wird schön werden. Bitte erfülle mir nur diesen einen Wunsch und vertrau mir endlich.“ Yû weinte zwar, aber Keitas Stimme wirkte besänftigend und langsam entspannte er sich. Keita wartete, bis Yû bereit war und drang tiefer in ihn ein. Yû verzog das Gesicht gab sich aber Mühe sich nicht wieder zu verkrampfen, sonst würde es nur weh tun. Er hatte den Kopf in Keitas starker Schulter vergraben. Keita wartete erneut einige Zeit bis Yû sich langsam daran gewöhnte. Schiesslich lächelte er Keita an und gab ihm einen leidenschaftlichen Kuss. Vorsichtig begann sich Keita in Yû zu bewegen und stiess einen zufriedenen Seufzer aus. Yû konnte es nun endlich geniessen und passte sich Keitas schneller werdendem Rhythmus an. Sein Atem verschnellerte sich, genauso wie der von Keita. Yû hatte das Gefühl, sein Körper schien vor Erregung zu verbrennen. Er presste sich fester an Keitas vibrierenden Körper und er hatte seinen Rücken schon ziemlich zerkratzt. „Ahh,... weiter...“, wisperte Yû erregt und Keita drang noch tiefer in ihn ein während sie immer schneller wurden. „Yuuu... aahhh.“, Keita stöhnte und konnte sich nicht mehr halten; er kam mit einem lauten Schrei zum Höhepunkt und Yû folgte kurz darauf. Keita zog sein Glied aus Yû und küsste ihn glücklich.
Er liess sich aufs Bett zurückfallen und zog Yû gleich mit sich.
„Das war schön Yû-chan.“, meinte er und tippte ihm liebevoll auf die Nase. Yû lächelte erschöpft und hauchte ein „Hai“ in Keitas Ohr. Glücklich kuschelte er sich an den Grösseren und genoss die Wärme. Keita legte seine Arme um ihn und gab ihm einen Kuss auf die Stirn, ehe er die Augen schloss. „Aishiteru, Keita.“, flüsterte Yû und Keita lächelte, hielt die Augen aber geschlossen und schlief kurz darauf ein. Auch der völlig erschöpfte Yû konnte sich nicht mehr wach halten und verfiel in einen tiefen Schlaf.

„But there were you
more beautiful than an angel ever could be
But there was fear inside of me
I couldn’t run away
But you showed me what it means to feel love
Stay with me... otherwise I’m lost“

...............................................

Yû blinzelte ... ein sanfter Vanillegeruch stieg ihm in die Nase, welcher ihm sehr bekannt vor kam. Er öffnete die Augen und erschrak zuerst, als er Keita neben sich liegen sah. Doch dann erinnerte er sich wieder an gestern und sein Herz machte einen kleinen Hüpfer vor Freude. Draussen regnete es in Strömen, doch das störte Yû nicht im geringsten. Allerdings fror er ein wenig, da die beiden gestern auf statt unter der Decke eingeschlafen waren. Zufrieden kuschelte er sich näher an Keita und genoss die Wärme. Dadurch weckte er diesen unbeabsichtig. Keita murrte irgendetwas und öffnete dann die Augen. Als sein Blick auf Yû huschte sofort ein Lächeln über sein verschlafenes Gesicht. Er beugte sich zu Yû runter und drückte ihm einen Kuss auf die Lippen. „Na, gut geschlafen?“ Yû grinste zur Antwort. Keita warf einen Blick auf die Uhr. „Oh schon so spät? Tut mir leid mein Süsser aber ich muss aufstehen, im Gegensatz zu dir gehe ich meinen Verpflichtungen als Sänger nach.“
Yû zog eine Schnute. „Jaja, ich werde ja heute auch wieder, mir geht es ja wieder gut eigentlich, ich rufe nachher mal Yusu an.“
„Ist gut, du kannst das Telefon unten benutzen, ich geh ins Bad. Bedien dich ruhig wenn du Hunger hast.“, meinte Keita, nahm seine Kleider und ging in Richtung Badzimmer.
Yû blickte noch eine Weile gedankenverloren aus dem Fenster und beobachtete den Regen, der gegen die Scheiben klatschten. Er seufzte und zog sich schliesslich an, um nach unten zu gehen. Gerade als er nach dem Telefon greifen wollte, hörte er die Hausklingel. Er zögerte nicht lange und öffnete sie vorsichtig, in nächsten Moment rauschte eine Person an ihm vorbei. „Keita?“, es war eine junge Frau, etwa in Yûs Alter. Sie hatte lange schwarze Haare und ein süsses Gesicht. „Mhm versteckt er sich etwa? Hätte ich mir denken können, es ist doch immer das gleiche.“, meinte sie und ging ins Wohnzimmer und warf sich in einen Sessel. „Warum stellt er sich bloss so doof an?“, die Frau redete einfach drauf los, ohne sich sonderlich um Yû zu kümmern. „Ano... wer bist du?“, fragte Yû verwundert. „Na wer wohl – Mika Tamano, Keitas Freundin... was machst du eigentlich hier? Dich hab ich ja noch nie gesehen, aber du kommst mir irgendwie bekannt vor.“
Yû antwortete nicht, es schien als hätte er gerade eine kräftige Ohrfeige bekommen. Ohne ein weiteres Wort stürmte er raus. Er wollte weg von hier, weg von Keita, weg von dieser Mika. Er war schon nach wenigen Sekunden völlig durchnässt, doch er kümmerte sich nicht darum. Wieder spürte er diesen unglaublichen Schmerz, der immer stärker wurde. Seine Tränen vermischten sich mit dem Regen. Warum hatte Keita ihm das angetan? Yû konnte es nicht glauben, wie konnte ein Mensch so gefühllos sein? Keita hatte lediglich seine Triebe an ihm befriedigt und hatte vor nichts zurückgeschreckt, um Yû rumzukriegen. „Das kann nicht sein! Nein! Wieso immer ich?“, Yû schrie mit aller Kraft, doch es änderte nichts an seinem Schmerz. Wieso werde ich bloss so von ihm ausgenutzt? Hätte er sich nicht jemand anderen als Opfer suchen können? Ich will nicht mehr, ich hätte ihm nie mein Herz öffnen sollen! Yû rannte über eine Wiese, er wünschte sich vor diesem höllischen Schmerz davonlaufen zu können, aber es ging nicht. Noch nie hatte ihm etwas so weh getan, es war schlimmer als jeder körperlicher Schmerz den er je empfunden hatte. In seinem Kopf begann es zu hämmern, er bekam fürchterliche Kopfschmerzen. „Nein!“, schrie er. „Aufhören! Bitteee!“, es begann sich plötzlich alles um ihn zu drehen und er fiel hart auf den schlammigen Boden. Doch er registrierte es nicht mehr, um ihn herum war alles schwarz, er stürzte in eine unendliche Tiefe... immer weiter...

„Why do you hurt me this way?
Can’t you see that this is going tear up my heart?
Why do you mess up my live this way?
Can’t you see that this is going to kill me?“

......................

Unterdessen im Zentrum von Tokyo:
„Er nimmt nicht mehr ab.“, Yusuke drückte auf die Auflege-Taste und runzelte die Stirn, während ihn Hisa besorgt anschaute. „Das sieht im nicht ähnlich...“, überlegte Kyo. „Wir sollten schnellstmöglich hinfahren, was ist, wenn ihm etwas passiert ist?“ Als er das sagte spürte er, wie Angst in ihm hochstieg. „Du hast Recht, wir brechen hier ab.“, entschied Yusu und ging zu seinem Manager.
„Was wollt ihr? Spinnt ihr? Ihr könnt jetzt nicht abhauen, ihr habt gleich einen Auftritt!“, dieser schien alles andere als begeistert. „Ausserdem wisst ihr nicht, was mit Yû ist, vielleicht schläft er auch nur.“ – „Und das seit zwei Tagen oder was?“, erwiderte Yusu schlagfertig. „Wir haben uns entschieden, sag den Auftritt ab, wir gehen.“, er kümmerte sich nicht weiter um den wütenden Gesichtsausdruck, der sich auf dem Gesicht ihres Managers breit machte, Yû war ihm wichtiger.
Während sie sich nach Hause fahren liessen, redete keiner ein Wort. Yusu starrte gedankenverloren in sein Spiegelbild – in Hisas Gesicht, welcher dies nicht weiter störte und es ihm gleich machte. Kyoheis Kopf war an die Scheibe gelehnt, seine dunklen Augen folgten, den herunterrinnenden Regentropfen. Im Stillen betete er, dass sie sich umsonst Sorgen machten und Yû wohlauf war. Er wurde unsanft aus seinen Gedanken gerissen, als der Wagen holprig zu stehen kam und sein Kopf an die Lehne vor ihm schlug. Taumelnd stand er auf und ging mit den anderen die Auffahrt zu Yûs Haus hinauf. Yusu drückte mit leicht zitternden Fingern die Klingel. Sie warteten... nichts passierte. Hisa klingelte erneut, doch vergeblich. Kyohei wurde zunehmend nervöser. Was war mit Yû? Er sprang erschrocken zurück als Yusus Handy die Stille durchschnitt. Mit zitternden Fingern zog dieser es aus der Hosentasche und nahm ab.
„H-Hallo?“ – „Yusuke? Hier ist Keita ... ich wollte nur kurz fragen, ob Yû bei euch ist, oder ob ihr wisst, ob er zu Hause ist...“ – „Nein weder noch und er nimmt nicht ab, also ist er nicht zu Hause. Wieso fragst du?“ – „Ano... nur so... er war gestern bei mir... ähm ihm war langweilig, aber heute Morgen ist er wieder verschwunden...“ Yusuke stockte, er spürte wie Panik in ihm hochstieg. „Er... ist verschwunden?“, krächzte er ins Telefon. Das durfte nicht wahr sein, er machte sich ernsthaft Sorgen. Wenn Yû wieder einen seiner Ohnmachtsanfälle hatte? Das hatte er in letzter Zeit öfters, aber keiner wusste so recht, warum. Am anderen Ende der Leitung herrschte bedrückte Stimmung. „Ich... ok dann sagt mir, wenn ihr ihn findet.“ Yusu brachte gerade noch ein „Hai“ über die Lippen und legte auf. Die anderen sahen ihn fragend an und ihre Gesichter sahen so sorgenvoll aus, wie Yusu sich fühlte. „Yû ist verschwunden... er war gestern bei Keita... deshalb hatte er nicht abgenommen, aber heute Morgen sei er gegangen...“, erklärte Yusu. „Was sollen wir jetzt machen? Das darf nicht an die Presse kommen, sonst sind wir verloren und am Ende wird Yû von ein paar Fangirlies gefunden und wer weiss was die mit ihm anstellen.“, überlegte Hisa. „Nein, wisst ihr was. Wir klappern erst seine Lieblingsplätze ab, vielleicht finden wir ihn ja und wenn nicht dann schauen wir, was wir machen. Wahrscheinlich müssen wir dann unseren Manager und die Polizei benachrichtigen.“, meinte Yusuke und versuchte sich zu beruhigen. Wir machen uns zu viele Sorgen, wir finden ihn bestimmt, Yû geht es gut, sagte er sich im Stillen und die drei holten Hisas Auto und fuhren los. Wieso war er überhaupt bei Keita?, fragte sich Kyo und fühlte einen Stich. Was ist jetzt los? ... Ich mache mir zu viele Gedanken um Yû, Keita ist anscheinend einfach ein guter Freund von ihm...
Sie stoppten als erstes bei einem gemütlichen, kleinen Restaurant, in das Yû des öftern ging. Ausser staunenden Blicke und kreischenden Dienstmädchen fanden sie aber nichts. Auch für den Rest ihrer Suche blieben sie erfolglos und ihre Angst um Yû stieg.
„Das war es.“, meinte Hisa betrübt, als sie aus einem kleinen Laden mit Cds rauskamen. Kyohei schüttelte den Kopf. Wo war Yû bloss? Yusu kontaktierte gerade ihren Manager, mehr oder weniger in den Hörer schreiend, während Kyo mit den Tränen kämpfte. Er wollte Yû nicht verlieren. Hisa legte beruhigend seinen Arm über Kyos Schulter. „Wir finden ihn ... bestimmt! Er ist nicht vom Erdboden verschluckt.“ Dankbar lächelte Kyo und atmete tief durch.
„So ein verdammter Idiot! Wenn das hier vorbei ist, dann wird der gefeuert! Der ist ja mal echt nur aufs Geld aus, ich kann solche Leute nicht ab. Wenigstens ruft er bei unserem Label an und setzt die Polizei in Bereitschaft, aber auch erst nach dem ich dem gedroht hab, dass ich ihn auf der Stelle entlasse. Aber das werde ich nachholen.“, murmelte Yusuke zornig. Yusu und Hisa fuhren zu ihrem Haus zurück, um dort zu warten, aber Kyohei wollte nicht mit. Noch würde er nicht aufgeben. Gedankenverloren und mit traurig gesenktem Kopf ging er durch die Strassen und zog seine Kappe möglichst tief runter und verbarg ich so gut es ging in dem Kragen seines Mantels, um nicht erkannt zu werden. Es schien ihm als vergingen Stunden, in denen er ziellos durch die Gegend geirrt war und er stand nun in der Nähe von Keitas Haus. Er fasste einen Entschluss, er würde Keita zur Rede stellen und sicheren Schrittes marschierte er auf das Haus zu und klingelte. Doch es öffnete niemand. Keitas Auto stand auch nirgendwo. „Sind heute denn alle verschwunden?“, fragte sich Kyohei verzweifelt und machte sich auf den Weg zurück. Hinter Keitas Haus fing schon der Wald an. Kyohei entschied sich einen kleinen Waldspaziergang zu machen, um wieder auf klare Gedanken zu kommen, schon als kleines Kind hatte er den Wald gemocht und die friedliche Atmosphäre die ihn umgab. Er ging den steinigen Weg und überquerte dann eine Wiese, was keine gute Idee war, denn das hohe Gras war natürlich nass und drückte durch seine Hosen bis fast zu seinen knien. Er fluchte leise und im nächsten Moment fiel er der Länge nach hin und schlug ziemlich hart auf. „Itaiii! Hat sich alles gegen mich verschworen heute?“, wütend stand er auf. „Über was bin ich eigentlich...?“, er drehte sich um und schrie erschrocken auf. Da auf dem Boden inmitten des Grases lag Yû. Seine Kleider waren schmutzig und völlig durchnässt. An seiner Sturn blutete er etwas... seine Augen waren geschlossen und seine Haut war kreidebleich. „Neeein! Yû!!!“, er fiel auf die Knie und zog Yû auf seine Schoss. „Was ist passiert? Yû, bitte sag was!“, er weinte nun schon, er konnte den Anblick nicht ertragen. Mit einem Taschentuch fuhr er über die Wunde um das teilweise schon eingetrocknete Blut wegzuwischen. „Oh nein... Yû. Wach auf.“, er drückte seine Hand auf Yûs Brust. Er konnte es fühlen, sein Herz schlug noch. Er nahm sein Handy aus der Hosentasche, welches ihm fast aus der Hand fiel, weil er so zitterte. Heulend wählte er Yusukes Nummer und wartete nervös.
„Kyo?“ – „Yusuke! Ich ... ich hab ihn! Bitte kommt, schnell! Auf der Wiese vor dem Waldanfang.“ – „Wir sind unterwegs.“, Yusuke legte auf.
Kyoheis Tränen wollten nicht mehr aufhören. „Was ist bloss geschehen?“, fragte er immer wieder, aber Yû konnte ihm keine Antwort geben. Da hörte er Sirenen. Ein Krankenwagen kam angebraust. Hintendran erkannte er Hisas Auto. Sofort wurde Yû von mehreren Leuten umlagert und Kyohei wurde zur Seite geschubst. Weinend sah er, wie Yûs lebloser Körper auf eine Barre gepackt und eingeladen wurde. In der nächsten Sekunde waren sie auch schon weg.
Yusuke kam angerannt. „Kyohei! Oh mein Gott, wie siehst du aus!“, er umarmte Kyohei. Kyo drückte sich heulend an Yusus Brust und umklammerte ihn. Yusu strich ihm beruhigend über den Kopf. „Komm. Alles wird gut, jetzt haben wir ihn ja. Sie werden sich um ihn kümmern.“, er führte Kyohei zum Auto und sie machten sich ebenfalls auf den Weg zum Krankenhaus. Doch Kyoheis Angst war nicht verflogen – im Gegenteil sie verstärkte sich nur von Minute zu Minute der Ungewissheit. Er schien wie in Trance zu sein, er bekam nur flüchtig mit, wie ihn Hisato aus dem Auto zug und zum Krankenhaus schleppte, wo Yusu sich heftig mit der Empfangsdame stritt.
„Es tut mir leid Herr Izaki, aber es ist im Moment nicht möglich ihn zu sehen. Sie müssen sich noch etwas gedulden.“ – „Und ob es möglich ist! Wir wollen zu ihm auf der Stelle. Wir wissen ja nicht mal, was er hat!“ – „Das wissen wir ja auch noch nicht. Die Ärzte kümmern sich gerade um ihn. Sie werden so schnell wie möglich benachrichtigt, bitte setzten sie sich endlich.“
Yusuke warf ihr einen vernichtenden Blick zu und warf sich in einen der Stühle. Er nahm sein Handy hervor und benachrichtigte Keita. Kyohei schaute ihm dabei zu, um sich abzulenken. Keita... dieser Name versetzte ihm einen Stich. Wieso musste er sich jetzt auch noch einmischen? Nervös schaute er auf die tickende Uhr an den Wand gegenüber. Es verstrichen einige Minuten, dann stürmte Keita panisch in das Krankenhaus. „Was ist mit ihm?“ – „Wir wissen es noch nicht.“, antwortete Hisato, doch mit den Gedanken schien er woanders zu sein. Keita setzte sich zermürbt in einen Stuhl, in seinen Augen glitzerten Tränen. Seit wann ist er so gut mit Yû befreundet?, fragte sich Kyohei und zwang sich dann wieder in die andere Richtung zu schauen. Sie warteten eine halbe Stunde, ... eine schrecklich lange halbe Stunde. Niemand hatte etwas gesagt und plötzlich war die Stille durch die Stimme der Empfangsdame durchschnitten.
„Sie können jetzt zu ihm raufgehen. Ich werde sie hinführen.“ Sie folgten der Dame die Gänge entlang und etliche Stockwerke weiter oben kamen sie endlich an. Kyoheis Herz schlug ihm bis zum Hals. Sie traten in das helle, weisse Zimmer ein. Ihre Blicke fielen auf Yû. Er war noch nicht erwacht, oder dann schlief er gerade. Aber wenigstens war seine Wunde verarztet worden und er sah allgemein etwas besser aus. Kyohei atmete erleichtert auf, doch als er das sorgenvolle Gesicht des Arztes sah, verfolg seine Hoffnung auf der Stelle wieder.
„Es tut mir leid,“, fing der Doktor an. „Aber wir haben bei Herrn Kitamura einen Gehirntumor festgestellt.“
Kyohei hatte das Gefühl gerade seinen schlimmsten Alptraum zu durchleben, er stand fassungslos da. Hinter sich hörte er Keita weinen und er hatte Yusuke und Hisato noch nie mit solch geschockten Gesichtern gesehen.
.................

Yusuke sprach als erster wieder. „A-aber... was passiert jetzt mit ihm?“ Kyoheis Herz schlug bis zum Hals. Er spürte wie Hisato neben ihm zitterte und Keita immer noch leise weinend hinter ihm stand.
„Nun... wir werden unsere besten Ärzte herkommen lassen und es sind bereits Spezialisten aus Europa und Amerika unterwegs. Sie werden morgen eintreffen und dann müssen wir ihn so schnell wie möglich operieren. Der Tumor befindet sich noch im Anfangsstadius, aber wenn wir nicht bald etwas unternehmen, wird es zu spät sein. Aber ich kann ihnen leider keine Garantie geben, dass er überleben wird. Es tut mir leid.“
Kyohei begann mit den Tränen zu kämpfen. Yû musste überleben, was sollte er ohne ihn machen? Er war sein bester Freund, er konnte ihn doch nicht einfach alleine lassen.
„Naja, sie können hier bleiben, aber es wird ihm nicht viel nützen. Ich kontaktiere sie, wenn die Operation bevorsteht, damit sie ihn vorher noch mal sehen oder vielleicht mit ihm reden können.“
Kyohei riss die Augen auf. So wie der Arzt das ausgesprochen hatte... das hiess doch nicht... nein, er hatte doch gesagt, es gibt Hoffnung, dass Yû es schafft! Aber er tönt nicht zuversichtlich, hallte es in Kyos Kopf und er versuchte den Gedanken zu verdrängen. Aus Yusukes Gesichtsausdruck konnte man schliessen, dass er gerade dasselbe gedacht hatte und erschrocken blickte er in Kyoheis Augen.
„Na gut.“, meinte Hisato mit stockender Stimme, während ihm eine Träne über die Wangen rollte. „Wir ... sollten besser gehen.“ Yusuke nickte schweren Herzens und warf einen traurigen Blick zu Yû.
„I-ich bleibe noch hier.“, entschied Kyohei. Hisa nickte und er verlies zusammen mit Yusuke das Zimmer. Auch der Arzt ging aus dem Zimmer. Blieb nur noch Keita übrig, welcher sich an Yûs Bett stellte und mit seiner Hand über Yûs Wange strich. Kyo spürte etwas in sich aufflammen... Eifersucht?
„Ich gehe mal runter, ich hole mir was zu trinken und rufe mal bei Ryu an. Willst du auch was?“ – „Nein danke.“, antwortete Kyohei knapp. Keita verschwand, den Kopf traurig nach unten gesenkt. Kyo setzte sich neben Yûs Bett. Er fühlte seine Stirn, sie fühlte sich etwas heiss an. Langsam fuhr er durch Yûs wuschelige Haare.
Er ist so schön, wie ein schlafender Engel... dachte er und sein Herz begann schneller zu klopfen. Tränen rollten ihm über das Gesicht. „Yû, bitte wach auf... ich habe dir doch noch nicht alles erzählt, was ich wollte... wieso verlässt du mich jetzt? Ich kann nicht ohne dich leben... du warst doch immer für mich da; wenn ich jemanden brauchte, um mich auszuheulen. Du hast mich verteidigt, wenn mich einer doof angemacht hat, du hast mich jeden Tag zum lachen gebracht. Du hast es geschafft, das ich Vertrauen in mich gefasst habe...“, er senkte den Kopf zu Yû. „Aishiteru, Yû-chan.“, flüsterte er kaum hörbar. Weinend sah er in Yûs Gesicht. Er drückte ihm einen Kuss auf die Lippen und wünschte sich, die Zeit würde still stehen. Er setzte sich wieder auf, gerade noch rechtzeitig, denn Keita kam wieder zur Tür herein.
„Kyohei... du siehst total geschafft aus, willst du dich nicht noch etwas ausruhen? Ich bleibe noch eine Weile bei Yû, er wird nicht alleine sein.
„Ich ... na gut.“, meinte Kyohei widerwillig und stand auf. Er kramte sein Handy hervor, um Hisa anzurufen, der ihn abholen sollte. Missmutig verabschiedete sich Kyo von Keita und warf noch einen letzten Blick auf Yû ehe er das Zimmer verliess.

***
Um Yû war es schwarz. Er war versunken in einem unendlichen Meer von Dunkelheit. Er spürte etwas warmes auf seinen Lippen. Ein Kuss? Er konnte weiche Lippen spüren und wollte die Augen öffnen, doch es ging nicht, im nächsten Moment überkam ihn wieder die vollkommene Dunkelheit und er fühlte nichts mehr.
Doch dann war wieder etwas... er hörte eine weit entfernte Stimme. Sie wirkte beruhigend und vertraut. Wo bin ich?, fragte sich Yû, er spürte, dass er auf etwas weichem lag. Vorsichtig öffnete er die Augen... helles Licht fiel auf ihn und er blinzelte geblendet. Nach ein paar Sekunden hatten sich seine Augen daran gewöhnt und er konnte wieders scharf sehen. Doch im nächsten Moment wäre er am liebsten gleich wieder ohnmächtig geworden – Keita hatte doch tatsächlich die Frechheit, hier an seinem Bett zu sitzen. Wortlos drehte Yû den Kopf auf die andere Seite. „Yû, es ist...“ – „Nein! Wag es nicht mit mir zu sprechen! Verschwinde auf der Stelle! Ich hasse dich!“, unterbrach Yû wütend. „Nein, das werde ich nicht, ehe du mich nicht angehört hast.“, sagte Keita bestimmt. „So? Genau das werde ich nicht tun! Hau ab!“, schrie Yû mit Tränen in den Augen. Aus Protest hielt er sich die Ohren zu und kniff die Augen zusammen. „Nein! Jetzt stell dich nicht so an!“, meinte Keita nicht minder wütend und zog Yûs Arme runter. Yû wollte sich wehren, doch er war zu geschwächt um gegen Keita anzukommen.
„Sie ist nicht meine Freundin, glaube mir! Sie war es mal, aber sie kann einfach nicht loslassen und verfolgt mich wo ich auch hingehe. Ich gebe zu, ich habe vor drei Tagen einen schrecklichen Fehler gemacht; ich wollte sie noch ein letztes Mal treffen, aber nur um endlich einen klaren Schlussstrich zu ziehen. Doch stattdessen hat sie mich geküsst.. und... ich habe sie nicht weggestossen... aber ich habe ihr gesagt, dass ich jemanden anderen liebe und sie mich endlich in Ruhe lassen soll, aber sie scheint es nicht zu kapieren.“
Danach herrschte erstmal Ruhe. Yû blickte Keita allerdings immer noch wütend an, doch seine Gesichtszüge lockerten sich langsam. „Ich... ich verzeihe dir, aber das ist das letzte Mal.“ Eigentlich hatte er das nicht vorgehabt, doch er liebte Keita zu sehr.
Keita war sichtlich erleichtert und dankbar lächelnd umarmte er Yû.
Nach einer Weile holte Keita die Ärzte, damit sie Yûs Zustand überprüfen konnten. „Was ist jetzt eigentlich mit mir?“, wollte Yû schliesslich wissen. Sein Herz begann wild zu klopfen, als er den Gesichtsausdruck des Doktors sah. “Es tut mir leid, Herr Kitamura, aber wir haben bei ihnen einen Gehirntumor festgestellt... morgen werden sie operiert, es ist bereits alles in die Wege geleitet.“
Yû zuckte geschockt zusammen. Er konnte es nicht glauben... er hatte einen Tumor? Er brach in Tränen aus, es schien, als würde er in ein tiefes Loch stürzen. „Wie stehen meine Chancen?“
„50:50, es tut mir leid.“, meinte der Arzt mit gesenktem Kopf. Neben Yû brach Keita in Tränen aus. „Aber ruhen sie sich jetzt bitte aus, sie müssen morgen im bestmöglichen Zustand sein.“, erklärte er und verliess das Zimmer wieder. Yû sass noch eine Weile wortlos da, er musste diese Nachricht erst verdauen. Er würde schon morgen operiert werden? Und am Ende würde er entweder aufwachen, oder für immer weiterschlafen? Tränen rollten ihm über die Wangen. Er hatte Angst... grosse Angst. Er fühlte sich wie in einem Alptraum und wollte endlich daraus erwachen... doch er erwachte nicht – es war die schreckliche Wirklichkeit. „D-dann ist es wohl besser, wenn ich jetzt gehe, damit du schlafen kannst.“, meinte Keita mit geröteten Augen. Yû nickte stumm. „Ich kann dich morgen nicht mehr sehen vor der Operation... ich muss zu einem wichtigen Auftritt, keine Ahnung wie ich es hinbekommen soll. Aber... ich werde so schnell wie möglich zurück sein.“, erklärte Keita schluchzend. „Bitte... darf ich dich noch ein letztes Mal küssen?“ Yû zuckte zusammen – ein letztes Mal? Meinte Keita vor der Operation oder ... hatte er also keine Zuversicht, dass Yû es schaffen würde? Weinte er deshalb so herzzerreissend? Yû nickte erneut stumm, hatte den Kopf gesenkt. Er fühlt Keitas Hand, die sein Kinn hochdrückte und er blickte nun direkt in Keitas weinende Augen. Er schloss die Augen und drückte seine Lippen auf die von Yû. Mit seinen zitternden Händen zog er Yû näher zu sich. Yû kullerten die Tränen über die Wangen ... dann war das wirklich das letzte Mal, dass er Keitas warme Lippen spürte? Er zitterte bei dem Gedanken, was Keita nicht unbemerkt blieb und er strich Yû beruhigend über den Rücken und fing an seine Zunge zu umspielen. Yû hatte sich inzwischen an Keita geklammert und dies war wohl der längste Kuss seines bisherigen Lebens. Als sie sich wieder voneinander lösten hielt Keita Yû noch eine ganze Weile in den Armen. Dann legte er Yû ins Bett zurück und zog ihm die Decke über den zitternden Körper, damit er wenigstens nicht fror. Er gab ihm einen Kuss auf die Stirn. „Machs gut, mein Kleiner.“, Yû konnte Keitas Schmerz förmlich spüren, als er ihm verzweifelt ein letztes Mal in die Augen schaute und dann heulend die Tür schloss.
Yû konnte allerdings lange Zeit nicht einschlafen, er war zu nervös und machte sich zu viele Gedanken. Es scheint niemand gross Hoffnung in mich gelegt zu haben ... sie halten mich alle für zu schwach. Mit stechendem Herzen dachte er an Keita. Nach langer Zeit des Überlegens und versinken in Selbstmitleid fasste er jedoch einen Entschluss; er war entschlossen, es allen zu zeigen! Er wollte kämpfen! Er wollte Keita wieder sehen, ihm sagen, wie sehr er ihn liebte, ihn küssen und ihm seine Liebe schenken. Ich darf einfach nicht aufgeben, obwohl ich nur eine 50%ige Chance habe!, dachte er und drehte sich auf die Seite um endlich einzuschlafen.
.............................
„Yû?“, er hörte seinen Namen und öffnete die Augen. Er blickte in Kyoheis besorgtes Gesicht. „Deine Operation beginnt bald.“
Langsam setzte Yû sich auf. Neben ihm auf dem Bett sassen Yusuke und Hisato. Ihre Augen zeigten keinerlei Ausdruck, Yû konnte sich nicht erinnern sie jemals so traurig gesehen zu haben. Er wollte ihnen eas aufmunterndes sagen, doch ihm fiel nichts ein.
„Du schaffst es...“, hörte er Yusu flüstern. Yû zwang sich zu lächeln. „Sicher werde ich das.“, meinte er und biss sich auf die Zunge – es hatte nicht sehr überzeugt getönt. Reiss dich zusammen, denk an das Versprechen... du willst Keita zeigen, wie stark du bist, ermutigte er sich selbst und seufzte leise.
„Hier, nimm das.“, Hisa zog seine Halskette aus und drückte sie Yû in die Hand. „Sie hat mir immer Kraft gegeben, wenn ich welche gebraucht habe.“ Yû lächelte ihn dankbar an und legte sie um seinen Hals. In dem Moment kamen die Ärzte in das Zimmer. Yusu schien mit den Tränen zu kämpfen und warf sich dann um Yûs Hals. „Bitte... kämpfe!“, flüsterte er ihm ins Ohr. Yû blickte ihn an. „Das werde ich, weisst du doch.“
Er umarmte Hisa, der ihn traurig ansah und sich dann schweren Herzens neben Yusu stellte.
„Es gibt noch so viel, was ich dir sagen will...“, sagte Kyohei kleinlaut, als er Yû umarmte. Yû wuschelte ihm durch die Haare. „Dann mach es nach der Operation.“, er lächelte ihn an. Kyohei musste zurücktreten und mit den anderen das Zimmer verlassen, während plötzlich fünf Leute an Yû rumzogen und ihn auf die Operation vorbereiteten. Er bekam noch mit, wie ihm ein Arzt etwas auf den Mund drückte und wenige Atemzüge später war es schwarz um ihn.

***

Stunden... endlose Stunden... es wollte kein Ende mehr nehmen. Kyohei konnte genauso wie die anderen kein Auge zu tun. Seit er Yû das letzte Mal gesehen hatte, hatte er nicht viel geschlafen und war stattdessen wieder ins Krankenhaus zu kommen um hier zu warten. Neben ihm sass Yusuke, der ganz in Gedanken versunken war. Hisato machte einen ähnlichen Eindruck, jedenfalls war er nicht ansprechbar. Stumm starrte er an Kyohei vorbei an die weisse Wand. Ich halte es nicht mehr aus!, Kyohei stand auf und ging den Gang hinunter. Es kam ihm alles so seltsam vor, wie in einem Traum. Aber es ist kein Traum, dachte er und stieg die Treppe hinunter. An ihm vorbei huschten immer wieder irgendwelche Doktoren und Krankenschwestern. Er blickte auf die Patienten im vorbeigehen. Tod und Leben waren sich hier so nahe und auch Yû befand sich nun gerade auf einem schmalen und ständig wankenden Pfad dazwischen. Kyohei schüttelte den Kopf und wischte sich ein paar Tränen weg.
Draussen atmete er die frische Luft ein. Er ging ein Stück bis zur Wiese direkt neben dem Krankenhaus. Er liess sich ins Gras fallen und starrte in den Himmel. Yû bedeutete Kyohei viel, sehr viel sogar. Mehr als er ahnt, dachte Kyohei und seufzte. Ich würde es nicht aushalten, wenn er sterben würde, ohne es zu wissen, überlegte Kyohei und erneut stiegen ihm die Tränen in die Augen. Was, wenn die Liebe nur einseitig ist? War es trotzdem wert, dass Kyohei sie ihm gestand?, er dachte betrübt nach. Er blickte durch das Gras auf den Eingang des Krankenhauses und fuhr auf der Stelle hoch. Keita war gerade angekommen und reingegangen. Was habe ich bloss gegen ihn?, fragte sich Kyohei und stand auf. Er wartete noch eine Weile und marschierte ebenfalls zurück. Kurze Zeit später befand er sich wieder oben bei den anderen vor dem Operationssaal. Keita hatte sich auf einen der Stühle neben Yusu gesetzt und beachtete ihn nicht weiter. Kyohei warf einen Blick auf die Uhr, wenn die Operation nach Plan verlief würden sie nun noch etwa fünf weitere Stunden warten müssen. Seufzend setzte er sich auch.
Die Tür des Operationssaals wurde geöffnet und eine Krankenschwester trat heraus. Sie zog sich die Mundbinde runter. Kyohei bemerkte wie sein Herz zu klopfen begann, als er ihren Blick sah. Und ihr Blick sendete keine Freude aus...

***
Kyohei biss sich auf die Lippe und bemerkte wie auch die anderen nervös wurden. Keita hatte jetzt schon Tränen in den Augen glitzern. Eine Weile sagte niemand etwas, bis die Stille von der Krankenschwester durchbrochen wurde. „Es tut mir leid... er hat es nicht geschafft.“
Stille.....
Als würde die Zeit stehen bleiben, es kam alles so surreal vor. Kyohei wurde aus seiner Trance gerissen als Keita unter schrecklichen Heulkrämpfen auf dem Boden zusammenbrach.
Yusuke hatte seinen Kopf weinend in Hisatos Schulter vergraben, dem ebenfalls Tränen über die Wangen liefen.
Kyohei spürte nun auch wie die Tränen auf seiner Hand brannten. Wütend blickte er die Krankenschwester an. „Nein!! Das kann nicht sein! Das stimmt nicht!“, er wollte es nicht wahr haben und zitterte in seiner verzweifelten Wut. Die Krankenschwester blickte ihn mitfühlend an. „Es tut mir sehr leid... aber es stimmt.“
Es schien als würde eine Welt zusammenbrechen. Kyohei rannte weg... weg von dem Zimmer... weg von den anderen... Draussen liess er sich auf eine Wiese fallen. Er bekam kaum noch Luft unter den Heulkrämpfen und zitterte. „Nein! Yû! .... Wieso?!! ... Wieso lässt du mich allein? Was soll ich ohne dich machen?“, es fühlte sich an als hätte ihm eine unsichtbare Hand das Herz aus der Brust gerissen. „Das ist nicht fair...“, wisperte er und lag auf dem Boden, während die Tränen unaufhörlich über seine geröteten Wangen liefen. Yû war sein bester Freund, er hatte ihm immer geholfen. Ihm hatte Kyohei alles anvertrauen können, Yû hatte ihn dann wieder zum lächeln gebracht. „Yû... ich wollte dir doch noch was sagen... wieso darf ich nichtmal das?! Wieso konnte ich dir nicht mal sagen...“, er flüsterte nur noch. „...dass ich dich liebe?“, er schlug verzweifelt mit der Faust auf den Boden. Er wusste nicht wie lange er da gelegen hatte und ununterbrochen herzzerreissend geschluchzt hatte. Plötzlich spürte er wie ihn zwei starke Arme aufzogen und er blickte in die von Tränen geröteten Augen von Hisato. Er umarmte Kyohei einfach und drückte ihn an sich. Dankbar erwiderte Kyohei die Umarmung. Hisato blickte ihn an und strich ihm beruhigend über den Rücken, sagte aber nichts. Er legte dann einen Arm um Kyohei und führte ihn zu ihrem Auto zurück.

***
„... und niemals werden wir diesen besonderen Menschen vergessen und sein Lächeln stets in guter Erinnerung behalten und seinen Geist in unseren Herzen wahren.“
Kyohei hatte während der ganzen Zeit aufmerksam den Worten des Predigers zugehört und still geschluchzt. Es schmerzte unglaublich und es schmerzte noch mehr, Yûs Grab in der Mitte stehen zu sehen. Es kam ihm immer noch wie ein Albtraum vor und er wünschte sich, das alles wäre nie passiert. Aber es war Wirklichkeit und Kyohei musste sich mit dem Tod von Yû abfinden. Neben ihm stand Keita der wie die anderen auch die ganze Zeit über geweint hatte. Mit zitternden Händen versuchte Keita sich die Tränen abzuwischen und wisperte immer wieder Yûs Namen vor sich hin.
Kyohei ging nach vorne um ein letztes Mal Abschied von Yû zu nehmen. Unschlüssig stand er vor dem Grab und gab sich schon gar nicht mehr die Mühe seine Tränen wegzuwischen. Es zeriss ihm das Herz, als er zitternd ein paar Blumen auf Yûs Grab legte. Weinend liess er sich von Hisato umarmen und vom Grab wegziehen.
Keita kam als letzter beim Grab an. In seinen Augen glitzerten Tränen der Trauer und der Sehnsucht. Er legte seine Blumen zu den anderen und blieb schluchzend stehen. Er konnte es noch immer nicht fassen. Noch nie hatte er einen Menschen so geliebt, sich bei ihm so wohl und nah gefühlt. Es war als wäre einen Teil seiner Seele mit Yû gestorben. „Mögen wir uns in einem anderen Leben in einer anderen Welt wiederfinden... aishiteru Yû-chan.“





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