Jenni Keltisches Mysterium

Status: Offline Registriert seit: 31.05.2007 Beiträge: 66 Nachricht senden | Erstellt am 21.07.2007 - 11:40 |  |
Jenni sah in all dem vielleicht eine gewisse Spannung, allerdings war sie weit davon entfernt, es wirklich lustig zu finden. Leichen besaßen nun einmal die unangenehme Eigenschaft, dass man ihr plötzliches Auftauchen erklären musste, besonders vor der eigenen Haustür, besonders gegenüber der Arbeitgeberin. Und ja, damit sollte man allerdings ein Problem haben. Allerdings war die Keltin erst einmal zu sehr abgelenkt von der Durchsuchung des Bewusstlosen, um auf Linus' dämlich besserwisserische Bemerkungen einzugehen. Er konnte umgekehrt dankbar sein, dass es nicht sie erwischt hatte, denn dann hätte Brandolf ihm vermutlich die neun Höllen heiß gemacht. So ruhig wie gerade eben war der Germane nämlich nur, wenn er die Lage halbwegs unter Kontrolle hatte, doch hatte er ja nicht die geringste Ahnung, worum es bei diesem Angriff aus heiterem Himmel eigentlich gegangen war und wäre ihr etwas zugestoßen, hätte er das fehlende Wissen eingefordert - auf welchem Weg auch immer.
Aber Linus war schwer verletzt, sollte er also ruhig vor sich hin knurren, er würde schon sehen, was er davon hatte. Jenni indes förderte den ledernen Geldbeutel des Angreifers zutage, unterließ es aber vorerst, einen Blick hinein zu werfen, da Nicolais Leibwächter sich mit sichtbaren Schmerzen verbunden nun ebenfalls zu dem Bewusstlosen begab und sie daraufhin zurückwich, um sich ihrerseits den Toten anzusehen. Auf dem Weg dorthin meinte sie in Richtung Brandolf, der immer noch die Gegend beobachtete:
"Bran, bitte sieh mal nach dem Wasser und nimm es vom Feuer, es sollte inzwischen gekocht haben. Ich bringe ihn in das Gästezimmer westlich von meinem. Möglichst ohne viel Zeit mit der Durchquerung der Schankstube zu verschwenden..."
Als der Germane nach einem abschließenden, misstrauischen Blick in alle Richtungen wieder in der Taverne verschwunden war, hockte sich Jenni neben den Toten und antwortete mit anfänglichem, unterschwelligem Zynismus bewaffnet:
"Es ist also meine Sache, wenn IHR Attentäter zu meinem Haus bringt, sich vor meiner Tür eine Leiche befindet, ich meiner Arbeitgeberin und der Stadtwache das alles möglichst nervenschonend erklären muss und das alles nur, weil ich EUCH und EUREM feinen Prinzen helfen wollte und mein Freund EUCH noch im Kampf unterstützte? Vorsicht, übermäßige Dankbarkeit kann mit EURER derzeitigen Wunde tödlich enden. Aber wie auch immer..."
Nein, Jenni war ganz und gar nicht lustig zumute, doch immerhin kam sie nach dem deutlichen Seitenhieb wieder zu der kühlen Sachlichkeit einer professionellen Ermittlerin zurück, während sie die Taschen und Gürtel des Toten durchsuchte, sich dabei nach Möglichkeit von dem Blut fernhaltend.
"Es ist nicht 'meine edle Taverne' und genau da liegt das Problem. Die Besitzerin rastet schon bis zur Schwelle des Nervenzusammenbruchs aus, wenn nur jemand Nasenbluten in ihrem Schankraum bekommt, zudem müssen wir immer noch die Sache mit der Leiche klären."
Sie seufzte leise und löste den zweiten Geldbeutel vom Gürtel.
"Aber erst einmal ist es wichtiger, dich zu versorgen und ja, ich traue es mir zu, auch ohne dein Vertrauen in mich dieses Ding aus deiner Schulter zu ziehen, zumal du einmal umgekippt sowieso nicht mehr gefragt werden kannst. Wir werden die Leiche vorerst in den Stall schleppen und den Bewusstlosen dort zusammenschnüren, denn du bist erst mal wichtiger als..."
Ein gefährlich scharfer Luftzug mehr als knapp an ihrer linken Wange vorbei ließ sie mitten im Satz innehalten und ihren Körper in der Bewegung erstarren. Auch ohne dass sie sich umdrehte hörte sie anhand des folgenden, gurgelnden Würgens, dass der Pfeil, den sie nicht einmal hatte kommen sehen, einen Hals getroffen haben musste. Ihr Blick zuckte bereits in Richtung der möglichen Abschussrichtung, als ihr Gehör noch angestrengt und mit einer Anspannung, die sie sich gar nicht eingestehen wollte, auf das schwere Umfallen eines muskulösen Körpers wartete, das aber nicht in der erwarteten Zeit kam. Also war es wohl der bewusstlose Angreifer, nicht Linus gewesen, dem dieser Schuss gegolten hatte. Wenigstens sparten sie sich nun das Seil zum Verschnüren.
Ihre Augen konnten jedoch ebenso wenig ein Ergebnis vorweisen wie ihre Ohren, so dass wer auch immer wie ein Schatten verschwunden sein musste. Im Gegensatz zu diesen beiden Toten schien jener sein Handwerk deutlich besser zu verstehen. Diese Erkenntnis traf sie, noch bevor sie überhaupt merkte, dass einige dünne Fäden Blut aus dem Einschnitt an ihrer Wange hervorzuquellen begannen und langsam über die helle Haut hinabliefen. Ohne eine unnötige Bewegung zu machen drehte sie sich halb zu Linus um und murmelte mit sachlicher, ruhiger, aber leicht gepresster Stimme:
"Mein liebster Linus, ich weiß nicht, wer dieser Feind deines Prinzen ist, aber er besitzt sehr wahrscheinlich mehr Reichtümer, als wir beide zusammen jemals gesehen haben. Und ich denke, dabei können wir auch ruhigen Gewissens die Besitztümer unserer Herrschaften miteinbeziehen."
Jetzt in Panik zu verfallen wäre sowieso unnütz, wenn ein solcher Meisterschütze einen von ihnen noch würde treffen wollen, hätten sie nicht einmal mehr die Zeit gehabt, sich über den ersten Schuss zu wundern. Also versuchte sie wenigstens nach außen hin ruhig und rational zu bleiben, auch wenn ihr Herzschlag heftig gegen ihren Brustkorb hämmerte.
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Nicolai unregistriert
| Erstellt am 21.07.2007 - 18:43 |  |
Linus | Leibwache von Prinz Nicolai

Im Nachhinein tat es Linus sogar leid, dass er Jenni so angemacht hatte. Normalerweise hätte er sich nicht verletzt gefühlt, als sie ihm etwas vorwurfsvoll gesagt hatte, dass er ihnen Probleme machte. Aber momentan sah die Situation einfach anders aus und Linus bemerkte, dass er nicht mehr jene Ruhe selbst war, wie noch vor einigen Monaten. Auch an ihm zerrte langsam dieses unwohle Gefühl, nicht wirklich zu wissen, wer denn nun eigentlich ihr Feind war.
Und er machte sich nun einmal Sorgen um Nicolai, dem es die letzten Wochen immer schlechter ging. Jenni hatte einfach keine Ahnung von all dem Ausmaß, war einfach nicht betroffen, daher gestand er ihr zu, anders zu reagieren, als wenn man betroffen war.
Auf der anderen Seite hätte es sie nun auch treffen können und vielleicht würde sie darüber anders denken, wenn sie ein Messer in ihrem Fleisch hätte stecken haben. Aber dem war nicht so.
Kurz beobachtete er sie noch, vernahm ihre Spitzen, welche sie klar und deutlich an ihn verteilte und wollte gerade etwas sagen, als auch er diesen seltsame Surren eines Pfeiles vernahm. Er kannte dieses Geräusch nur zu gut, hatte er neben Nicolai etliche Schlachten geschlagen, wo ihnen die Pfeile nur so um die Ohren flogen.
Und so kam Linus gar nicht dazu, noch etwas auf Jennis Worte zu sagen, als er das Röcheln des bewusstlosen Mannes vernahm und kurz darauf Jenni sich ihm zu wandte, blutend an der Wange und ziemlich gelassen mit ihm redetete. War es nun beeindruckend, wie kalt sie dies alles sah, oder sollte sich Linus Gedanken und Sorgen machen? Nun, sie schien das wirklich gelassen wegzustecken, da sie weder schmerzhaft ihr Gesicht verzog, noch einen Laut des Schmerzes von sich gab. Linus kannte das zu gut bei sich. Oder aber sie hatte es noch nicht einmal bemerkt. Er wusste sie nicht einzuschätzen. Also sprach er sie auch nicht besorgt an, schliesslich schrie sie nicht oder fiel in Ohnmacht. Sich um ihre Wange zu kümmern, dafür war dann auch später noch Zeit. Nun mussten sie hier weg.
»Ihr Reichtum hilft ihnen nichts mehr, wenn ich sie in meine Finger bekomme ...« knurrte Linus nun sichtlich gereizt, denn er konnte 1 und 1 zusammen zählen: Erst zwei Angreifer, die ihn oder auch ihn und Jenni töten wollten und dann ein gezielter Schuss auf einen der Angreifer, wahrscheinlich, damit dieser nicht mehr reden konnte. Eigentlich wäre es da nur logisch, wenn nun auch auf Jenni und ihn geschossen würde und so sprang er auf und stellte sich vor Jenni, um sie zu schützen und starrte in die Gasse, aus der er aber nichts mehr hörte.
Linus war alles andere als gelassen drauf, zumindest für seine Verhältnisse. Er machte sich Vorwürfe, dass Schiff mit Jenni alleine verlassen zu haben. Und was, wenn nun wieder diese Horde von Verrückten das Schiff angreifen würde? Wie gut, dass alle Schiffe zusammen lagen und so alle Wachen einen grösseren Schutz boten.
Immer noch kämpfte Linus gegen den Schmerz in seiner Schulter an, vernahm ein pulsierendes Pochen in der Gegend, während er weiter nach dem Angreifer Ausschau hielt.
»Vielleicht sollten wir uns nun schnell nach drinnen begeben. Ich garantiere nämlich nicht dafür, dass es das nun mit den Angriffen war ... allerdings ....«
So präzise der Schuss war und dann kein weiterer folgte, ging Linus davon aus, dass es sich wirklich nur darum handelte, einen möglichen Verräter auszuschalten.
Und so ging er erst zu dem einen Toten, packte ihn am Kragen, schleifte ihn zu dem zweiten Toten, den er ebenfalls am Kragen packte, um so beide zum Stall zu schleppen. Als er seinen verletzten Arm benutzte, presste er beide Kiefer fest auf einander, denn die Last des Toten beanspruchte nun doch mehr Kraft seiner Verletzung, als er glaubte.
Auf Jennis anderen Worte ging er vorerst nicht ein. Er war eh kein Mann der vielen Worte und er wollte nun endlich weg von diesem düsteren Ort. Und immerhin hatte er noch genug Kraft, um die Toten wegzubringen, bevor Jenni sich um seine Verwundung kümmern würde. Und dort wäre er besser in der Lage, auf das von ihr Gesagte einzugehen, denn noch war vielleicht Gefahr in Verzug.
»Wo gehts zum Stall?«
Das Jenni sich der Geldböse bemächtigt hatte, war ihm einerlei.
[Dieser Beitrag wurde am 21.07.2007 - 19:35 von Nicolai aktualisiert]
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Jenni Keltisches Mysterium

Status: Offline Registriert seit: 31.05.2007 Beiträge: 66 Nachricht senden | Erstellt am 21.07.2007 - 21:57 |  |
Jenni verspürte in der Tat noch keinen Schmerz an ihrer Wange, was wohl auch an dem so gezielt geraden Flug des Pfeils gelegen haben mochte, der den Einschnitt in ihre Haut mit der Präzision und Schnelligkeit einer mehrfach geschärften Klinge durchgeführt hatte. Vermutlich würde es später dafür um so heftiger brennen, spätestens, wenn Jennis Herzschlag wieder ein wenig zur Ruhe kommen konnte, nun allerdings war sie der festen Ansicht, dass sie außer einem scharfen Windhauch nichts getroffen hatte.
Nach Linus' Bemerkung brachte sie sogar ein dünnes, dunkel amüsiertes Lächeln zustande, das jedoch nicht ihre kühl funkelnden Augen erreichte, und sie erwiderte trocken:
"Ich glaube, ihr Reichtum hilft aber zu verhindern, dass du sie in die Finger bekommen kannst."
Natürlich musste ein stämmiger Krieger wie Linus einen solchen Kommentar auch einfach deswegen ablassen, weil es ihn vermutlich an seinem Stolz und seiner Ehre traf, verwundet worden zu sein und nicht mal eine Geisel vorweisen zu können, die man auswringen konnte wie einen nassen Lappen. Vielleicht waren ihre Worte zu Beginn doch etwas harsch gewesen. Dass dieser Idiot sich in sein Schwert gestürzt hatte, dafür konnte er ja nun wirklich nichts, und....
Jenni hielt in ihrem Gedankengang inne und setzte dazu an, diesem letzten Fakt ein wenig mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Es kam nun wirklich nicht allzu oft vor, dass jemand derart von einem Auftrag besessen war, dass er sich freiwillig in ein Schwert stürzte, nur, um nicht verhört zu werden. Mit welcher Art von Verhörmethoden rechnete dieser Mann denn bei den Dakern? Gut, Linus WAR mehr als rasend vor Wut, aber...
Die Keltin hielt mit einem erstaunten Anheben der Augenbrauen inne, als Linus auf einmal nach vorne preschte und sich zwischen sie und den scheinbaren Aufenthaltsort des Angreifers warf, um sie (zumindest wirkte es so) zu schützen. Jenni konnte sich ein kleines feines Schmunzeln nicht verkneifen, aber natürlich sagte sie diesmal wohlweislich keinen Ton. Auch wenn sie diese Aktion nicht wirklich für notwendig empfand, da jemand mit diesem Geschick sie alle beide bereits mühelos zehnmal hätte niederstrecken können, aber natürlich war es eine überaus mannhafte, mutige Tat von ihm, die sie auch respektierte. Schließlich und endlich floss auch durch ihre Adern keltisches Blut. Und außer Brandolf, dessen Aufgabe es war, sorgten sich nicht wirklich viele um ihre Gesundheit. Warum also sollte sie ausnahmsweise nicht einmal Dankbarkeit empfinden und es auch sagen.... irgendwann, später.
Ihr Blick aus rotbraunen Augen wanderte zu der ersten Leiche, in deren Kehle nun der Pfeil steckte. Sie erhob sich nun auch, bepackt mit den beiden Geldbeuteln, und betrachtete sich das Bogengeschoss ein wenig genauer, zumindest solange, bis ihr Begleiter sich die zwei Leichen packte und sie wenig vorsichtig hinter sich herschleifte.
Jenni verbiss sich eine Bemerkung bezüglich seiner Verletzung, der diese Tätigkeit sehr wahrscheinlich nicht sonderlich gut gefiel, aber das würde er zum einen selber merken und zum anderen war er ein erwachsener Mann und sie nicht seine Amme. Und auch sie drängte es irgendwie nun doch ins Innere der Taverne, selbst wenn sie dort Maia persönlich zur Medusa verwandelt erwarten würde.
Also zeigte sie Linus den Stall, in dem sich außer zwei Pferde noch ein Ochse, drei Kühe und ein Schaf aufhielten, die angesichts der beiden Leichen in ihrem Stroh allerdings keine nennenswerten Reaktionen zeigten. Trotzdem sollte man die Körper vermutlich auch nicht allzu lange dort liegen lassen. Die Keltin bedeckte sie noch mit einigen Tüchern und Decken, auch um die Fliegen davon fernzuhalten, und wollte erst dazu ansetzen, Linus bezüglich der Stadtwache und ihrer Rolle in dem Spiel zu fragen, als ein kurzer Seitenblick auf ihn ihr verdeutlichte, dass dieses Thema würde warten müssen.
Erst einmal musste das Messer seine Position ganz dringend verändern und sie hoffte wirklich, dass es schlimmer aussah, als es wirklich war. So führte sie den Kelten also in die Taverne und die Treppe in den ersten Stock hinauf, nicht ohne ihm einzuschärfen, dass er bei allem was er tat nach Möglichkeit leise sein sollte.
tbc: Öffentliche Gebäude » Hafentaverne "Zur Nimmersatten Nereide" » ~ Das Doppelgästezimmer
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