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Antje ...

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...   Erstellt am 26.07.2006 - 19:03Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Pakistan als zweitgrößter Staat der Subregion konnte sich diesen Umarmungsversuchen am ehesten entziehen. Entsprechend konfliktgeladen war und ist (mit Tendenz zu einer Entspannung) das beiderseitige Verhältnis. Der Ursprung des indisch-pakistanischen Konflikts, der zu bislang drei Kriegen und einem (vermindert) anhaltenden Rüstungswettlauf führte, liegt in den sich verschlechternden Beziehungen zwischen Hindus und Muslimen zum Ausgang der Kolonialzeit, die zur Teilung Britisch-Indiens in zwei Staaten mit unterschiedlicher Staatsphilosophie führte. Während Indien als multikultureller, säkularer, das heißt alle Religionen gleich behandelnder Staat begründet wurde, propagierte die politische Elite Pakistans die sogenannte Zwei-Nationen-Theorie. Nach ihr sollten die Muslime in Südasien aufgrund ihrer kulturellen Besonderheiten eine eigene Nation darstellen und in einem islamischen Staat vereint sein. Im Widerspruch zu dieser Theorie verblieb aber der größte Teil Kaschmirs und eine beachtliche muslimische Minderheit bei Indien.

Materieller Hauptstreitpunkt und dauerhafter Belastungsfaktor der bilateralen Beziehungen war der Konflikt um Kaschmir, das zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit aus religiösen Gründen von Pakistan, aus strategischen von Indien beansprucht wurde. Der Waffenstillstand beließ den größeren und attraktiveren Teil bei Indien, der sukzessive in die Verwaltung des Landes eingegliedert wurde. Das versprochene Referendum wurde mit dem Hinweis auf den in den (Landtags-)Wahlen geäußerten Willen der Bevölkerung zum Verbleib in der Indischen Union erst verschoben und später gänzlich verweigert. Pakistan gliederte seinen Landesteil ebenfalls ein und fand sich 1972 im indisch-pakistanischen Abkommen von Simla zwischenzeitlich zur ausschließlich bilateralen Verhandlung des Kaschmir-Problems bereit. Das änderte sich erst wieder, als sich dort Ende der achtziger Jahre landesweite, separatistisch inspirierte Unruhen auszubreiten begannen. Pakistan wurde beschuldigt, die Unruhen zu schüren und vor allem die Separatisten zu bewaffnen bzw. ihnen Unterschlupf zu gewähren. Dazu kamen pakistanische Initiativen, die indischen Menschenrechtsverletzungen in Kaschmir in den Vereinten Nationen zu thematisieren.

Unabhängig von territorialen Interessengegensätzen ist der indisch-pakistanische Konflikt vor allem auch machtpolitischer Art. Die pakistanische Führung vermochte sich nie mit indischen Hegemonialansprüchen in Bezug auf die Region abzufinden, die sie bestenfalls zum Juniorpartner in einer vom Nachbarn dominierten Sicherheitszone gemacht hätte. Sie war daher bestrebt, die eigene Unterlegenheit durch Anlehnung an auswärtige Mächte zumindest teilweise zu kompensieren. Eine tragfähige Sicherheitspartnerschaft konnte sich so nicht entwickeln: Die indische Seite sah in pakistanischen Angeboten zur gegenseitigen Inspektion der Nuklearanlagen, zu Vereinbarungen über die beiderseitigen Truppenstärken und zur Einrichtung einer kernwaffenfreien Zone Südasien nur untunliche Versuche, beide Länder gleichzusetzen und die regionsübergreifenden Interessen Indiens zu ignorieren; umgekehrt sah Pakistan in indischen Vorschlägen zur Einrichtung einer Friedenszone Indischer Ozean oder dem Abschluß eines Friedens- und Freundschaftsvertrages (der Militärstützpunkte raumfremder Mächte untersagt hätte) nur das Bestreben der indischen Seite, Pakistan ausländischer Unterstützung zu berauben und um so sicherer dominieren zu können.

Die Supermächte hatten seit den fünfziger Jahren und verstärkt nach der Afghanistan-Intervention der ehemaligen UdSSR versucht, die beiden Kontrahenten für ihre weltpolitischen Ziele einzuspannen. Pakistan wurde in die westlichen Verteidigungsbündnisse integriert und mit modernem Kriegsgerät ausgestattet. Indien begann nach dem Krieg mit der VR China eine intensive Rüstungskooperation, die nach dem (von Indien unterstützten) Abfall Ostpakistans in einem bilateralen Friedens- und Freundschaftsvertrag (1971) gipfelte. Nach der Afghanistan-Invasion wurden Pakistan und Indien erneut aufgerüstet. Dabei war bei der sowjetischen Seite das Interesse bestimmend, die indische Seite von einer außenpolitischen Distanzierung nach der Invasion abzubringen. Insgesamt haben die Supermächte die Konfliktbereitschaft durch Waffenlieferungen verschärft. An kritischen Wendepunkten (jeweils nach kriegerischen Konflikten) versuchten sie jedoch mäßigend einzugreifen und die Kontrahenten (wenn auch erfolglos) in weitreichende Sicherheitsvereinbarungen zu integrieren.

Daß das indisch-pakistanische Verhältnis auch ohne externe Intervention zu eskalieren droht, zeigt auch die Zeit nach dem Ende der Blockkonfrontation. Einschlägig hierfür sind die gegenseitigen Anschuldigungen der Einmischung in interne Konflikte (der pakistanischen Seite in Kaschmir und im Panjab, der indischen Seite in Sindh und zur Unterstützung der Demokratiebewegung), Säbelrasseln bei Manövern des Kontrahenten und Scharmützel um die Zugehörigkeit unwegsamer Gletschergebiete.

Beide Seiten haben sich einen jahrzehntelangen konventionellen und später nuklearen Rüstungswettlauf geliefert und den Rotstift bei den Verteidigungsausgaben erst sehr viel später als andere Staaten (Mitte der neunziger Jahre) angesetzt. Pakistan bewaffnete sich im wesentlichen über Rüstungsimporte. Indien setzte von Beginn an auf Selbstversorgung aus eigenen Rüstungsunternehmen, ergänzt durch Lizenzproduktionen und Importe technologieintensiven Geräts. Entsprechend der größeren Wirtschaftskraft mußte die indische Seite stets relativ weniger (gemessen am Bruttoinlandsprodukt oder den Haushaltsausgaben) aufwenden, um dennoch eine massive (quantitative und qualitative) militärische Überlegenheit über Pakistan (Experten beziffern das Verhältnis auf 3:1 bzw. gar 5:1) zu erlangen.

Ähnliches gilt für den nuklearen Wettlauf. Beide Staaten haben den Vertrag über die Nichtweitergabe von Kernwaffen nicht unterzeichnet und ein Kernenergieprogramm vorangetrieben, das in Indien zur sukzessiven Ausschaltung internationaler Kontrollen (durch Entwicklung eigener Reaktoren) führte und dem in beiden Ländern eine glaubwürdige zivile Begründung fehlt. Indien ist auf nuklearem Gebiet eindeutig weiter vorangeschritten und verfügt über Trägerraketen sowie über ausreichende Mengen spaltbaren Plutoniums, um eine stattliche Menge von Sprengköpfen zu produzieren. Pakistan hatte seine Programme vor allem durch Industriespionage und verdeckte Käufe kritischer Komponenten im Ausland vorangetrieben. Beide Seiten sind entschlossen, im Notfall Atomwaffen gegeneinander einzusetzen und haben sich Druckversuchen der USA (früher auch der UdSSR) zur Begrenzung ihrer nuklearen Ambitionen widersetzt. Seit Ende der achtziger Jahre kann man jedoch wenigstens auf diesem Gebiet subkontinentale Entspannungsfortschritte verzeichnen, die 1989 Ausdruck in einem bilateralen Abkommen fanden, die beiderseitigen Nuklearanlagen von Angriffen auszunehmen. Unter mehr oder weniger sanftem Druck der USA wurden Pläne zur gemeinsamen Zeichnung des Nichtweiterverbreitungsvertrags und der Einrichtung einer atomwaffenfreien Zone Südasiens zumindest andiskutiert, von Indien aber bislang negativ beschieden.

Einer endgültigen Besserung der bilateralen Beziehungen, die sich seit der Amtsübernahme der neuen indischen Regierung abzeichnet, stehen die gegenseitigen - tatsächlichen oder behaupteten - Verwicklungen in die ethnischen und religiösen Probleme des Nachbarn und die nach wie vor geringe wirtschaftliche Verflechtung entgegen sowie die beiderseitige Offenhaltung der nuklearen Option.

Quelle: Infos zur pol. Bildung





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