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...   Erstellt am 07.05.2006 - 10:40Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Gefangenschaft in dunklen Höhlen
Ex-Geiseln berichten über Gefangenschaft im Irak:
Keine Misshandlung / Beide zurück zu Hause

Leipzig - Die beiden freigelassenen Irak-Geiseln René Bräunlich und Thomas Nitzschke sind seit Freitagabend wieder zu Hause bei ihren Familien. Das sagte Bräunlichs Lebensgefährtin Sindy Brost der dpa am Samstag und bestätigte damit einen Bericht der „Bild“-Zeitung. „Ich bin so froh, dass jetzt alles vorbei ist“, sagte Brost. „Wir wollen jetzt einfach nur unsere Ruhe.“ Am Freitagabend waren die beiden Techniker vom Bundeskriminalamt wieder in ihre Heimatstadt gebracht worden.

Zuvor berichteten die beiden am Dienstag freigekommenen Techniker über ihre Gefangenschaft. Bräunlich und Nitzschke mussten in ihrer 99-tägigen Geiselhaft im Irak unter teilweise menschenunwürdigen Bedingungen leben. In einem Interview der „Leipziger Volkszeitung“ schildern die beiden Ingenieure aus Sachsen, sie seien tagelang in Erdlöchern und Sandkuhlen eingepfercht worden. Ihre Unterbringung in durchgehend fast dunkler Umgebung beschreiben sie als „eine Art Folter“. Misshandelt worden seien sie aber nicht. Die Männer waren am Mittwoch nach gut dreimonatiger Gefangenschaft nach Deutschland zurückgekehrt.

Immer dieselbe Gruppe

Während der gesamten 99 Tage seien sie in der Hand nur einer Entführergruppe gewesen. „Es war immer dieselbe Gruppe, die uns gefangen hielt. Es stimmt nicht, dass wir verkauft wurden“, sagte Nitzschke. Offensichtlich habe es sich um Leute gehandelt, „die für ihr Land kämpfen wollten“. Berichte, einer der Bewacher habe Deutsch gesprochen und sie mit Nachrichten aus der Heimat versorgt, seien falsch.

Zum Problem des Arbeitseinsatzes in einer höchst gefährlichen Region sagte Nitzschke: „Wir wussten, wo wir hingehen. Uns war aber nicht bewusst, dass das eine der gefährlichsten Zonen des Irak ist. Ganz im Gegenteil. Uns wurde gesagt, dass diese Ecke eigentlich ganz ruhig ist.“ Nitzschke (28) und Bräunlich (32) waren im Auftrag der Firma Cryotec aus Bennewitz bei Leipzig zum Aufbau einer Stickstoff-Gewinnungsanlage in die nordirakische Industriestadt Baidschi gereist und kurz nach ihrer Ankunft entführt worden.

Firmenchef Peter Bienert sagte, er werde vorerst keine Mitarbeiter mehr in den Irak schicken. In Zukunft wolle das Unternehmen dafür Service-Kräfte aus dem Irak ausbilden. Ob es eine Beteiligung der Firma an den Kosten der Rückführung geben wird, war zunächst unklar. „Es gibt keine Forderungen an uns. So lange machen wir uns da keine Gedanken“, sagte Bienert.

Die Bundesregierung wies unterdessen Forderungen nach einem Lösegeldfonds der Wirtschaft für künftige Entführungsfälle zurück. „Die Bundesregierung ist nicht erpressbar. Die Bundesregierung zahlt kein Lösegeld“, sagte Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. Hintergrund ist eine entsprechende Forderung des SPD- Bundestagsabgeordneten Ottmar Schreiner.

Nicht beim Dankgottesdienst dabei

An diesem Montag sind ein Dankgottesdienst und ein Fest an der Leipziger Nikolaikirche geplant, an dem die beiden Ingenieure aber nicht teilnehmen. Darüber habe das Bundeskriminalamt Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) informiert, wie die Stadt mitteilte. „Wir respektieren die Entscheidung vollumfänglich und haben dafür größtes Verständnis“, sagte Jung.

An der Kirche hatten sich bei 27 Mahnwachen tausende Leipziger für die damaligen Geiseln versammelt. Die Partnerinnen von Bräunlich und Nitzschke bedankten sich laut „Leipziger Volkszeitung“ mit einem Schreiben bei allen, die bei der Freilassung geholfen haben.

Cryotec will den Mitarbeitern den Wiedereinstieg ins Arbeitsleben so leicht wie möglich machen. „Ob sie in drei Tagen oder drei Wochen wiederkommen, ist nicht wichtig“, sagte Bienert. Eine Entschädigung im herkömmlichen Sinne werde es nicht geben. Zwei bis drei Wochen Sonderurlaub und ein Urlaubs-Zuschuss seien aber vorstellbar. [quelle sz-online.de]





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